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Mittwoch, 6. August 1930

57. Zahkg.

Vr.Trendelenburg über das Karkellproblem

Französische Manöver in Lothringen.

wtb. Paris, 5. August. (Eig. Meld.) Der „Ma- tin" macht Angaben über die diesjährigen franzö­sischen Manöver, die vom 4. bis 10. September in Lothringen ab gehalten werd en. Es w ird sich um bte größte Truppenentfalt ung seit dem Kriege handeln, denn es werden daran nicht weniger als 50 000 Mann teilnehmen, näm­lich 24 Bataillone Infanterie, 6 Bataillone Jäger zu Fuß, 12 Bataillone algerischer Schützen, 32 Schwadronen Kavallerie, 4 Abteilungen Maschinen­gewehre auf Autos, 2 Regimenter Dragoner, 3 Regimenter leichte Artillerie, 2 Regimenter be­rittene Artillerie, 5 Regimenter schwere Artillerie, 5 Regimenter schwerer Flugzeugabwehrgeschütze, 3 Bataillone Tanks, 3 Telegraphenbataillone, 3 Pi­onierbataillone, zahlreiche Flugzeug- und Train- Abteilungen. Das Hauptguartier befindet sich in Luneville, wo 240 Stabsoffiziere untergebracht werden. Der Generalinspektor des Heeres, Mar­schall Petain, wird den Manövern beiwohnen und in den letzten Tagen auch Kriegsminister Maginot. Die Manöver selbst werden südlich durch die Meurthe, nördlich durch die Saar begrenzt und sich bis auf die Strecke Luneville-Metz erstrecken.

Der chinesische Bürgerkrieg.

wtb. Washington, 5. Aug. (Eig. Meld.). Die chinesische Nationalregierung hat die a m e r i k a- n i sche Gesandtschaft in Peiping ersucht, den Ame­rikanern in Kantschau Weisungen zu erteilen, dre Stadt zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

* Die Dufter Eisenbahnkakastrophe vor Gericht. Vor dem Kölner Erweiterten Schöffengericht kand die große Buirer Eisenbahnkatastrophe ihre rest­lose Aufklärung. Bei dem ersten großen Prozeß gegen den Lokomotivführer Nordhaus, der am Morgen des 25. August 1929 mit dem Expreßzug Paris—Warschau bei Buir, 30 Kilometer vor den Toren Kölns, in eine falsche Weiche geraten war, wobei 15 Menschen getötet und 56 verletzt wurden, hatte sich herausgestellt, daß ein Eisenbahnbetriebs­assistent in Hamm namens Mennekamp den Vorsichtsbefehl Nr. 32 anstatt ihn zur Kenntnis der Lokomotioführl-r zu bringen, verliegt hatte. Darauf wurde der Lokomotivführer Nordhaus frei­gesprochen. Der Staatsanwalt eröffnete noch wäh­rend der Verhandlung das Verfahren gegen Menne- kamp. Mennekamp war im wesentlichen gestän-

der deutschen Industrie statt. Die Aussprache hatte die Gestaltung der Preise im Rah­men des Arb eitsb eschaffungs pro­tz r a m m s zum Gegenstand. Weitere Bespre-

schaftskreise mit ihr vertrauensvoll Zusammenarbei­ten. Zum Schluß sprach Staatssekretär Dr. Tren­delenburg die Hoffnung aus, daß die Verhandlun­gen im Reichswirtschaftsrat alsbald eine klare und einheitliche Stellungnahme zu den angedeuteten Problemen herbeiführm können. Dabei komme es für den Augenblick darauf an, praktische Ar­beit zu leisten und das in der gegenwärtigen Wirt­schaftslage Zweckmäßige und Notwendige zu finden.

Indusirieverkreker beim Kanzler

Wie wir bereits mitgeteilt haben, fanden am Montag in der Reichskanzlei Besprechungen zwi­schen dem Reichskanzler und verschiedenen Per­sönlichkeiten des Reichsverbandes der deutschen In­dustrie statt, um Fragen zur Hebung und Ankur­belung der Wirtschaft, vor allem der Bauwirtschaft, zu erörtern, lieber das Ergebnis der Aussprache wird folgendes Kommunique ausgegeben:

Im Laufe des heutigen Tages fanden Unter Vorfitz des Reichskanzlers in Anwesenheit des Staatssekretärs Trendelenburg Verhandlungen mit verschiedenen Persönlichkeiten des Reichsverbandes

*

Die Reichsgemeinschaft JungerVvlks- parteiler hielt in Kassel eine Dertretevver- sammlung ab, um zu der Frage der Staatspartei Stellung zu nehmen. Das Ergebnis der Aus­sprache war die einstimmige Annahme einer Ent­schließung, in der es heißt: „Breiteste Schichtett des deutschen Volkes sind des Parteistreits müde und fordern die Sammlung aller Deut­schen, die in nationaler Disziplin und Verantwor­tung gegen die Staatsverneinung ste­hen .Als ihre Vorkämpferin hat die Reichsge- meinschast Junger Volksparteiler dafür zu sorgen, daß die zur großen Sammlung drängende Partei­bewegung der Mitte nicht vorzeitig erstarrt und daß nichteinheitliche Teillösungen die geförderte Gesamtlvsung unmöglich machen. Diese Sammlung darf.nicht an Regiefehlern und Mißgriffen schei­tern. Wenn die neu gegründete Deutsche Staats­partei und die in ihr vorhandenen jungen Kräfte emsthaft gewillt find, nach dm verschiedenen Er­klärungen ihrer Gründer zu einer wahrhaften Sammlung beizutragen, so wird auch sie neue Wege zu Verhandlungen mit der Deut­schen Vvlkspartei finden. Die Reichsgemein­schaft Junger Volksparteiler wird jeden Versuch einer Verständigung fördern. Sie erwartet dabei, daß die Staatspartei der Notwendigkeit, sich in die beabsichtigte große Parteienfront einzureihen, nicht entzieht. Die Reichsgemeinschaft Junger Volks­parteiler bejaht den von der Deutschen Volkspartei in dieser Richtung unternommenen Versuch. Sie wendet sich entschieden gegen jede Bestrebung, die Deutsche Vvlkspartei zu spalten und die Reichsgemeinschaft Junger Bolksparteiler in Gegensatz zu ihr zu drängen."

* Landtagsabgeordneker Rave zur Sozialdemo­kratie übergetreten. Wie der dem Verband preu- zischer Polizeibeamten angehörende bisherige de­mokratische Landtagsabgeordnete Rave der „Be- amten-Korrespondenz" mitteilt, ist er zur S o z i a l- demokratischen Partei übergetreten.

* Gnadenakt des preußischen Staats Ministeri­ums. Die „Hartungfche Zeitung" meldet aus Kö­nigsberg, das preußische Staatsministerium habe, tm Gnadenwege die Umwandlung der gegen den Schlossergesellen Erich Stinten aus Königsberg wegen Ermordung seiner Braut er­kannten Todesstrafe in zehn Jahre Zuchthaus ver­fügt.

Der Sohn Richard Wagners, Siegfried, ist in Bayreuth an Herzleiden, an . dem er feit Wochen darniederlag, gestorben.

Siegfried Wagner wurde am 6. Juni 1869 zu Triebfchen bei Luzern geboren als Sohn von Richard Wagner und Cosima Wagner. Der junge Wagner studierte zunächst in Charlottenburg und Karlsruhe Architektur. Er erbaute das Mausoleum feines Großvaters Franz Liszt in Bayreuth, wandte sich dann aber unter Anleitung von Humperdinck und Julius Kniese dem Studium der Musik ,zu. Seit 1894 war er als Hilfsdirigent in Bayreuth tätig und feit 1896 auch als Dirigent.

Im Jahre 1895 trat er als Komponist mit einer sinfonischen Dichtung „Sehnsucht" hervor. Später folgten die volksmäßige Wirkung anstrebenden Opern „Der Bärenhäuter" (München 1899), „Her- zog Wildfang" (München 1901), „Der Kobold" (Hamburg 1904), „Bruder Lustig" (Hamburg 1905) „Sternengebot" (Hamburg 1908), „Banadietrickst' (Karlsruhe 1910), „Schwärzschwanenreich" (Karls­ruhe 1911), „Sommerflammen" (Darmstadt 1918). Weitere Werke von ihm sind: „Der Friedensengel", 1915, „An allem ist Hütchen schuld" (1916), „Der Schmied von Marienberg" (1920).

Nach dem Kriege hat sich Siegfried Wagner vor allem dem Wiederaufleben der Bayreuther Fest­spiele gewidmet, die er auch als Regiseur betreute. Seine hervorragenden Leistungen wurden in die­sem Jahre wieder allgemein anerkannt.

Sowohl in der Tätigkeit, die er dem Werk seines Vaters gewidmet hat, wie in seinem eigenen künst­lerischen Schaffen kann Siegfried Wagner als ein Künder deutschen Volkstums bezeichnet werden. Wie Richard Wagners Kunst der Erneuerung der deutschen Sagenwelt gewidmet war, so lebte Sieg« rieb Wagners Musikschaffen — das zeigen schon bte Titel vieler seiner Opern — aus der Welt der deut­schen Märchen. So ist in ihnen allen eine phanta- ievolle Romantik lebendig, und doch besitzen diese Werke im einzelnen einen frischen und gesunden Realismus. Vollkommen frei vom musikalischen Stil seines Vaters hat sich Siegfried Wagners Kunst entwickelt. Der klare und 'satztechnisch vol­lendete Aufbau seiner Kompositionen ist immer an­erkannt worden; die klanaliche Feinheit der Instru­mentation hat seinen Werken viele Freunde er­worben.

In Bayreuth, das im Zeichen der Wagnev- Festspiele steht, hat die Todesnachricht starken Ein­druck gemacht. Die städtischen Gebäude tragen Trauerschmuck. Am Sterbebett des Künstlers br­anden sich Wagners Gattin, Frau Winifred Wag­ner, und der Oberarzt des Städtischen Kranken­hauses Dr. Körber. Am Dienstag um 12 Uhr indet in der Kapelle des Städtischen Krankenhau- es die Aussegnung der sterblichen Hülle des Heim­gegangenen im engsten Familienkreise statt. Dem Vernehmen nach wird>Siegftied Wagner amFrei- t a g auf dem Städtischen Friedhof beigesetzt wer­den. Die äußeren Veranstaltungen werden von der Stadt als Ehrenpflicht übernommen.

Die Fe st spie le müssen aus rechtlichen und inanziellen Gründen weitergeführt werden und werden nicht verschoben.

* Em eigenartiger Wirbelsturm. Eine Wind- hose, die in Meldorf bei Kiel auftrat, war von merkwürdigen atmospärischen Erscheinungen be­gleitet. Um 17 Uhr entlud sich plötzlich über der Stadt ein heftiges Gewitter. Nach einigen harten Schlagen brach das Gewitter plötzlich ab und bei Hellem Sonne »schein ent* land e i n orkanartiger Sturm. Insges­amt sind zirka 50 Häuser mehr oder weniger stark beschädigt. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

17 Matten Auslandsschulden.

e Zahlungsbilanzen 1924—1929 nach dem Enquete-Bericht

big. Er gab zu, den Befehl, der das Unglück hätte vermeiden können, schon am Freitag, also zwei Tage vor dem Unglück, erhalten, ihn aber nicht mehr bearbeitet zu haben, weil er am Freitag abend um 7 Uhr Dienstschluß hatte. Am Sams­tag konnte er ihn dann nicht mehr finden und brachte ihn erst am Montag, nachdem das Un­glück bereits geschehen war, zum Aushang in Hamm. Nur durch die Tatsache, daß sich mehrere Eisenbahnbeamte verabredet hatten, anzugeben, sie hätten den Befehl schon am Samstag aushän­gen sehen, (obwohl er gar nicht ausgehängt war), war es überhaupt zur Verhandlung gegen Nord­haus gekommen. Ein Sachverständiger sagte bei der Verhandlung aus, daß das Vorgehen Menne­kamps auch auf feine Arbeitsüberlastung zurück­zuführen fei. Mennekamp wurde, nachdem ihn der Staatsanwalt als im höchsten Grade mitver­antwortlich für die Katastrophe bezeichnet hatte, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Siegfried Wagner gestorben.

Berlin, 5. Aug. (Eig. Meld). Heute trat n^rtschallspolitische Ausschuß des vorläufigen k-ickswirtfchaftsrates^zu den Beratun- * r,Zer das Kartellproblem zusammen, zu denen ^„f-ßrunb des bekannten Schreibens desNeichs- >ä<baftsminllters unverzüglich einberufen wor- Fmar Namens der Reichsregierung leitete anrttsfefretär Dr. Trendelenburg die Aussprache, T.-n er die wirtschaftliche Notwendigkeit beichleu- E, Maßnahmen auf dem Kartellgebiet begrün« ST 3ur Behebung der Finanzkrise seien die taftnabmen eingeleitet worden, die sich vor allem .ersten Teil der Notverordnung befänden. Dar- ‘ hinaus halte die Reichsregierung auf wirt- ^ülickem Gebiete in erster Lime eine ©en- Aa des Selbstkosten- und Preis- iveaus für notwendig. Die Reichsregierung i von der Notwendigkeit überzeugt, daß gewisse entmutigen beseitigt werden müßten, die noch der ,ien Auswirkung der natürlichen wirt- östlichen Tendenz im Wege ständen. Die Ver- -nung des Herrn Reichspräsidenten biete der eildsregierung die rechtliche Möglichkeit, solche indungen aufzuheben, die die Wirtschaftlichkeit . Erzeugung oder des Verkehrs mit Waren oder Zungen beeinträchtigen oder die wirtschaftliche ndlungsfreiheit in volkswirtschaftlich nicht ge- itfertigter Weise einschränken. Ein nachhaltiger _ _______ _________ir_,

olg der Bemühungen der Reichsregierung fei I chungen sollen im Reichswfttschaftsministerium dann gewährleistet, wenn die beteiligten Wirt- i alsbald fortgeführt werden.

mb acr3 et t uit g

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Der Bericht über bte deutschen Zahlungsbilanzen dem genannten Zeitraum des ersten Unteraus- [es der 6. Arbeitsgruppe des Enquete-Aus- [es liegt nunmehr vor und bringt äußerst rolle nationalökonomische Aufklärungen. Schon Begriff der Zahlungsbilanz ist stark umstrit- sodaß hier eine Fülle von Arbeit geleistet len mußte, was schon daraus hervorgeht, daß niers das Kapitel über das Wesen der Zah- sbilanz im Enquste-Ausschufse mehrere Male -arbeitet wurde. Der Ausschuß hat aber ganze it geleistet. Mit größter Sorgfalt ist das Ma- ! gesammelt und nutzbringend verwendet wor- gibt wertvollste Richtlinien für die Zukunft.

;-J darf nun nicht sagen, daß es nur ein Versuch in kann, weil auch hier wieder mit Schätzungen "beitet werden mußte. Eine hundertprozentige Neuigkeit ist nirgendwo zu erreichen. Aber schon tatsächlichen Unterlagen sind geeignet, Wege die Zukunft zu bauen.

Zuerst mußte man sich über den Begriff 1 das Wesen der Zahlungsbilanz ' werden. Nach dem Enquete-Ausschuß-Bericht die Zahlungsbilanz nur ein Teilausschnitt der WWHaftlichen Beziehungen der Volkswirt- ft. Man kann durch sie nicht alles feststellen, ' m das einzelne Land geflossen und was von ausgegeben ist, weil ein großer Teil dieser . sich der streitfreien Bewertung nach od- Maßstäben entzieht. Der Ausschuß ist 9 m . Auffassung, daß sich der Ausgleich Zahlungsbilanz immer nur auf dem Umwege «eattion der Binnenwirtschaft durchsetzt und oeshalb aus einer Zahlungsbilanz allein keine Wm Schlüsse über den Zustand der Volks- "w«Tt eines Landes gezogen werden können. "*r werden innerwirtschaftliche Tatsachen in iSl3U ziehen fein. Deshalb werden auch alle ist»- ? Zahlen in Gefamtzufammenhang mit ""glichen Fakten und Taten gebracht «en muffen.

das Zahlungsbilanzfcherna des Wlffes, dann finden wir, daß auf der Aktivseite hfimn8an®, äufammengeftellt sind, die entweder ^»gsverpflichtungen ausgleichen, oder eine Jn- R»me von Kredit darftellen können, und tain» ^Mwfeite diesen Posten gegenüber alle fei ’ welche entweder Zahlungsverpflich- ausleten oder Gewährung von Kredit zu Mtti ve^mögen. Diese beiden Seiten der Auf- Isbifn ■ sich dann ausgleichen, weil die Zah- Jta i" ihrem Grundgedanken eine Glei- iehnt sich das Schema an die Ar- L”s Völkerbundes und der Internationalen . ommer an, um eine internationale Ver- bcr lV sichern. Erfreulich ist die Genauig- knm m , gsbilanjen, worin wir alle nur ihilnnausgezeichnet finden mit Zah- uanstchatzungen feit dem Jahre 1924. Wenn edrii^t pliel Einnahmen in Millionen Mark H J“; vornehmen, das rund 12 große Posi- lahro in« w finden wir einen Gesamtverkehr 5 lene von 12 590, im Jahre 1925 von l 1 Mn 1113 988- 1927 Don 17 996, 1928 von jw- oon 20 992. Aus der Ausgabenseite 0 itoK Kilianen Mark ausgedrückt 1924 mit » itoo w't 14 695, 1926 mit' 13 988, 1927 mit ’ mit 21 711 und 1929 mit 20 992.

Hvieresse beanspruchen die Unter* Lord-«-!» die kurzfristigen Verpflichtungen vagen der deutschen Banken. Hier han- ^kspartei und Slaalsparkei.

der Deutschen Staatspac-

-/g folgende Mitteilung:

Äu^st^ch^eser hat in einem Schreiber, 1930 an den Führer der Deutschen » h .??rrn Dr. Scholz, diesem vorgefchla- ie» $erren angesichts der Gründung Ho ^iaatspartei sich gegebenenfalls von 9 ZuAickhalten, um sachliche Entschei- r politischen Gefolgschaft von hemmen-

| beit es sich um Deutschlands kurzfristigen und lang­fristigen Kapitalimport. Da finden wir an kurz­fristigem Kapitalimport in den Jahren 1924 bis 1929 8 969 Millionen, an langfristigen 6,768 Mil­lionen in dem gleichen Zeitraum.

Der Passivsaldo der Zins- und Reparations­bilanz sowie der erweiterten Handelsbilanz ein­schließlich Gold beträgt demnach in der untersuchten Gesamtperiode rund 17 Milliarden Mark, der sich folgendermaßen verteilt: Reparations- und Zins­zahlungen an das Ausland 10,4 Milliarden, Defi­zit der Handels- und Dienstebilanz (einschl. Gold) 6,6 Milliarden. Vom Passivsaldo sind 7 Milliar­den durch Aufnahme von Ausländsanleihen bilanz­mäßig abgedeckt worden. Die sonstige Kapitalbe­wegung entzieht sich einer zahlenmäßig genauen Feststellung. Der Saldo der übrigen Posten be­läuft sich auf rund 10 Milliarden Mark. Er setzt sich in der Hauptsache zusammen aus der Kapital­einfuhr durch Beteiligung, aus der Kapitalrückkehr nach der Inflation, aus der Kapitalausfuhr (z. T. Kapitalabwanderung) und der kurzfristigen Kredit­bewegung. Hier nimmt der Enquete-Ausschuß an, daß die Kapitaleinfuhr einschließlich Kapitalrück­kehr nach der Inflation in den genannten Jahren rund 3 bis 4 Milliarden und daß die Kapitalaus­fuhr zum Wiederaufbau der Handelsbeziehungen einschließlich Kapitalabwanderung 2 bis 3 Milliar­den betrug. Demnach bleibt für die gesamte Periode ein Betrag von rund 8 Milliarden, der mutmaßlich durch Aufnahme kurzfristiger Kredite per Saldo ab­gedeckt wurde. Für diese Schätzung stehen jedoch keinerlei verläßliche Anhaltspunkte zur Verfügung, sondern man konnte nur eine Abgrenzung der Größenordnung vornehmen. Auch gab die Rund­frage bei den Banken nur Teilergebnisse. Danach stellten sich die kurzfristigen deutschen Auslandsver­pflichtungen der durch die Rundfrage erfaßten Banken per 31. Dezember 1927 auf 5 710 Millionen Mark, die kurzfristigen Auslandsforderungen auf 2 234 Millionen.

Bezüglich der Handelsbilanz und ihrer Gestal­tung kommt der Ausschußbericht zu dem Ergebnis, daß die deutsche Ausfuhr feit 1927 dauernd wuchs bei durchschnittlich konstant gebliebener Einfuhr. Nun hatte sich der Ausschuß mit der Frage beschäf­tigt, wie die Reibungserscheinungen bei einer Um­stellung auf einen Ausfuhrüberschuß gemildert und wie überhaupt diese Umstellung auf einen längeren Zeitraum verteilt werden kann, und weiter mit der Frage, wie sich der Zahlungsbilanzausgleich bei verhältnismäßig gleichbleibenden Reparations- und Zinslasten in Zukunft vollziehen kann. Er ver­tritt die Auftastung, daß ein solcher Ausgleich auf die Dauer durch fortgesetzten Krediteinstrom nicht möglich ist. Die Frage ist überhaupt nicht ganz zu klären. Es kommt im wesentlichen auf die Ange­bots- und Nachsragesituation im In- und Auslande an, durch die sich eine Ausfuhrsteigerung oder Cin- suhrminderung durchsetzen werde. Aber dieser Pro­zeß erfordere voraussichtlich größere oder geringere Preisumschichtung, die dann wieder auf die Ein­kommensbildung, im besonderen Maße aber auf die Unternehmergewinne und Löhne in Deutschland rückwirken werden. Daraus wiederum seien Ein­flüsse auf das Steueraufkommen und damit auf die Reparationsaufbringung denkbar. Das Ausmaß dieser Reibungen fei naturgemäß mitbedingt durch die Handelspolitik Deutschlands, wie auch der aus­wärtigen Staaten. Nach Ansicht von Geheimrat Bücher sei der Ausgleich nur durch steigende Aus­fuhr und verringerte Importe zu suchen, was nur durch sinkende Preise im Inneren möglich sei.

den persöhnlichen Rücksichten zu befreien. Herr Dr. Scholz hat dieses Schreiben mit einem tele­phonischen Anruf bei Herrn Koch-Weser beantwor­tete, indem eine Aussprache für Donnerstag, den 7 August, vereinbart wurde. Trotzdem hat die offizielle Korrefpondsnz der Deutschen Volkspartei bereits einige Stunden nach diesem Gespräch eine Antwort darauf veröffentlicht, die sich durch Ton und Inhalt vor allen loyalen Deutschen von selbst richtet. Es hat bisher zu den übelsten Gewohn­heit deutscher Parteipolitik gehört, jedesmal beim

Scheitern eines Verhandlungs- oder Verständi- gungsverfuches eine langwierige Erörterung der Schuldfrage zu entfachen. Die Deutsche Staatspar­tei, die es. als ihre Aufgabe ansieht, mit solchen politischen Methoden zu brechen, denkt nicht daran sich an einer solchen Erörterung zu beteiligen. Sie überläßt es Herrn Dr. Scholz, die Argumente der Nationalliberalen Korrespondenz zurückzuweisen, um die von ihm angeregte Unterredung noch zu ermöglichen. Herrn Koch-Weser gegen Verunglimp­fungen seiner Person oder seines politischen Wir­kens in Schutz zu nehmen, können wir uns ver­sagen, da er gerade durch seinen Brief an Herrn Dr. Scholz ein Beispiel selbstloser Sach^ lichkeit und politischen Weitblicks gegeben hat, wie es im deutschen Parteileben leider allzu selten geworden ist.

erlernt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 15 U oer Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- .. leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

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