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Sonntag, 3. August 1930

Volksentscheid für Wahl- und »eichsresorm

Mrlschaslsbesprechnngen beim Kanzler

Hankou

^hHangtschgü

Ne Kommmifleu in Zenlrai-China Wang Ching-Wei, der kommende Mann in China?

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Monatlich 1,80 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Äustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0,15 Ml, auswärts 0,20 .JUl. Reklamezeile: lokal 0,60 Ml, auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks. a.M. 4051.

fett habe, nicht anerkennen, es sei denn, daß fie von Nordchina gebilligt worden seien oder wür­den. Wie die Nankingregierung, erklärt auch er sich als Gegner der fremdländischen Küsten- und Linienschiffahrt, deren Beseitigung die National­regierung in Nanking eben erst wieder beschlos­sen und gefordert hat.

Wie wir erfahren, hat Reichskanzler Dr. Brü­ning auf Anregung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie die Führer der deutschen Wirt­schaft zu einer Besprechung am Montag um 5 Uhr geladen, um mit den Wirtschastsführern über die aktuellen Wirtfchastsfragen zu beraten.

Ueber den Abschluß der Verhandlungen des Bankenkonsortiums mit der Reichsbahn-Gesell­schaft, wird jetzt die nachstehende offizielle Mittei­lung verbreitet:

„Die mit einem Bankenkonsortium unter Füh­rung der Reichsbank gepflogenen Verhandlungen über die Finanzierung des Arbeitsbeschaffungs- Programms der Reichsbahn sind erfolgreich abge­schlossen. Von dem Gesamtbetrag von 150 Mill. Schatzanweisungen sind bereits 75 Mill, begeben, während der Rest am Kapitalmarkt untergebracht werden soll. Die Schatzanweisungen sind mit fünf­jähriger Lauffrist und 6 Prozent Zinsfuß ausge­stattet. Die Papiere werden zu einem Ausgabe­kurs aufgelegt, der den Zeichnern eine günstige Effektiv-Verzmsung sichert. Sie sind zur Lombar­dierung bei der Reichsbank und der Preußischen Staatsbank zugelassen; die Verleihung der Mün­delsicherheit ist beantragt, die Befreiung der Zins­scheine von der Kapitälertragssteuer sichergestellt.

Damit ist die im Auftrage des Reichskabinetts vom Reichsverkehrsminister seit längerer Zeil aufs

nachdrücklichste betriebene Eingliederung der Reichs­bahn in das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zur Tatsache geworden. Die Reichsregierung hofft, in der Belebung der deut­schen Wirtschaft einen wesentlichen Schritt wei­tergekommen zu sein, und erwartet, daß das Be­schaffungsprogramm der Reichsbahn im Rahmen des Gesamtbeschafsungsprogramms und der damit zugleich angestrebten allgemeinen Preissenkung we­sentlich dazu beitragen wird, der Ärbeitslosigl- keit entgegenzuwirken. Die dadurch gegebene An­regung der Wirtschaft wird auch die Tätigkeit der Reichsbahn selbst beleben."

Wie aus Kreisen der Deutschen Staatspartei verlautet, wird die Deutsche Staatspartei zur Vorbereitung der Wahlreform und der Reichs­reform Ausschüsse einsetzen, die dem Reichstag formulierte Gesetzentwürfe vorlegen sol'en.

Sollte auf parlamentarischem Wege eine Ein>- gung über beide Fragen nicht zustandetommen, so wird die Deutsche Staatspartei sofort die nat- wendiaen Schritte zur Vorbereitung des Volks­begehrens und des Volksentscheids über Wahl­reform und Reichsreform unternehmen.

Hoffentlich bleibt die neue Partei bei ihrem Wort. Auch Dr. W t r t h hat dieser Tage wieder mit Nachdruck auf die Notwendigkeit einer Wahl­reform hinoewiesen.

Was macht Koch-Weser?

ERB. Berlin, 2. August. (Eig. Meld.) Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, hat Reichsminister a. D. Koch, der Führer der neuen Staatspartei, ein Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz gerichtet, worin er erklärt

„wenn seine Person, weil er die Art der Grün-

M klingt ihr Lied durch die Halle,

Begrüßung durch die Jugendführer. Ein kurzes faes Gedenken der Toten in Neurode und Kob- Mz. Die katholische Jugend fühlt sich eins mit ihren Brüdern in den Elendquartieren Walden- jurgs, den Gefallenen auf dem Felde der Arbeit. In Danbarkeii und Mitgefühl gedenkt die Jugend der Reickshauptstadt ihrer Volksgenossen in der Lestmark, denen es noch nicht einmal jetzt oer= Pint war, nach so langen Jahren der Unterdrük- tung sch ganz der Freude der Befreiung hinzu- Ben. Blühendes Leben wurde vernichtet. Die Wen Opfer des Kampfes um das Deutschtum der Minlande.

MNeichsinNenminister Dr. Wirth spricht. Mit trmisetckem Jubel empfangen. Ueberall ruft man heute nach der Diktatur. Aber auch eine Diktatur kenn nicht aus Steinen Brot machen. Mit po­litischen Phrasen kommen wir keinen Schritt wei­ter. Und großen Versprechungen folgt nachher eine umso tiefere Enttäuschung. Wir stehen in einer schweren Wirtschaftskrise, die nur ein Teil der gro­ßen Weltkrise ist. Nur eine zielbewußte, aber auch geduldige Politik fachlicher Arbeit in politischer

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag ver Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- .. leituno 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Tschangtscha wiedererobert?

Wie das Marineamt amtlich bekannt gibt, hat es einem Funkspruch des chinesischen Kanonenboo­tes „Pungtfcheng" erhalten, wonach dieses nach einer Beschießung der Stellungen der roten Trup­pen Tschangtscha wiedererobert habe. Das Ka­nonenboot landete Marinesoldaten, die bis zur An­kunft von Truppen aus Hankau den Patrouillen­dienst in der Stadt versehen.

Nach einer in Schanghai eingetroffenen Mel­dung sollen die roten Truppen, die Tschangtscha geräumt Haden, in nordöstlicher Richtung auf Han­kau marschieren.

Dschiang-Kai-schek hat Truppen von Tschungking nach Hankau zur Verstärkung entsandt.

junge Generation fleht hinter Vrnning

Massenkundgebung der katholischen Iugend Berlins.

Briands Föderationsplan.

wtb. Paris, 2. August. (Eig. Meld.) Ere Nou- velle wiederholt und ergänzt die bereits von einem anderen Blatt gebrachte Nachricht, daß Briand die Absicht habe, im September das Problem der für» derativen Organisierung Europas vor dem Völ- ke r b u n d aufzurollen. Er wird ein Bruchstück vor­legen, in dem sämtliche Punkte festgelegt sind, die bis jetzt nach der Umfrage bei den verschiedenen europäischen Staaten feststünden. Man wird dann nach Ansicht des Blattes die europäischen Reg:e- rungen auffor-dern, in Beratungen darüber einzu­treten, mit welchen Mitteln das Programm am besten verwirklicht werden könne.

Im Zusammenhang mit den in Zentralchina ausgebrochenen kommunistischen Revolten, die sich zu einer Katastrophe auswachsen zu wollen schei­nen, gewinnt die energische Aktion, mit der in diesen Tagen der Führer des linken Flügels der Kuomintang-Partei, Wang-Ching-wei, die im Nor­den Chinas verfügbaren Kräfte zusammengefaßt hat, aktuelle Bedeutung, zumal die Handlungs­freiheit der Nankinger Regierung immer bedenL- licher zu erlahmen scheint. Wang Ching-wei ist von Hongkong über Japan nach Peking gereist und es dürfte in einem gewissen inneren Atsam,- menhange mit dieser Reise auch die Entsendung eines japanischen Landungskorps nach China stehen. — Eine gefährliche Maßnahme, derengleichen Ja­pan mehrfach schon getroffen hat, ohne davon andere, als recht bittere und ungenießbare Früchte zu ernten. Aber einerlei, es scheint, als ob Wang- Ching-wei vorerst einmal eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung des chinesischen Bür­gertums spielen soll und es gilt also, seiner Per­sönlichkeit gerecht zu werden. Er war, wie die „Ostasiatische Rundschau" berichtet, der intimste Mitarbeiter Sun Pat-sens, dessen Ideen und Lehren in ihm ihren leidenschaftlichen Vertreter fanden. Er fühlte sich gewissermaßen als Hüter des heiligen Grals, des Erbes des großen Mei­sters, das nach seiner Ansicht in der herrschenden Parteirichtung der Koumintang eine Deutung er­fuhr, die dem Willen und den Absichten Sun Patsens nicht mehr entsprach. Der Parteiregie­rung in Nanking stand er darum in schärfster Oppo­sition gegenüber, die die Nationalregierung veran­laßte, ihn Ende 1929 aus dem Zentralvollzugs­ausschuß und aus der Partei auszuschließen, wo­durch er indes an Ansehen nichts eingebüßt hat. Kommt eine volle Einigung zwischen ihm und den militärischen Führern zustande, so ist mit der Bildung einer neuen Regierung in Peking zu rechnen, die ein starker Kristallisationspunkt für alle Nanking-feindlichen Elemente bedeuten würde und der auch die noch immer in Peking residierenden Diplomaten der fremden Mächte bi* de facto-Anerkennung auf die Dauer nicht versa­gen könnten.

Wang Ching-wei hat sich in Peking vor frem­den Pressevertretern in sehr bemerkenswerter Weise über seine politische Absichten ausgesprochen. Moskau habe das Abkommen zwischen Sun-Pat- sen und, Joffe von 1924, das jede Einmischung in die inneren Verhältnisse der beiden Länder ausdrücklich berbot, gebrochen, und China zu bolschewisieren versucht. Darum sei keine Freund­schaft zwischen China und Rußland mehr möglich, aber er halte die Wiederherstellung normaler diplo­matischer Beziehungen zu Moskau für zweckmäßig, so wie sie zwischen England und Rußland be­stünden. Nordchina könne innere und äußere An­leihen, die Nanking nach April 1930 abgeschlos-

Lagekarke von Hankou.

Der Pfeil zeigt den Vormarsch der chinesischen Kommunisten auf Hankou.

Die chinesischen Kommunisten haben nach der Brandschatzung Tschangschas, der Hauptstadt der Provinz Honan, den Marsch auf Hankou angetre­ten. Hankou ist die größte Binnenhafenstadt Chi- nas und von einer großen Zahl Europäer be­wohnt, zu deren Schutz amerikanische und japa­nische Kriegsschiffe den Iangtsekiang bis Hankou befahren.

Anti-Kriegsdemonstrationen.

Aus Berlin wird gemeldet: Der Straßenaufmarfch der sozialistischen und kommunistischen Züge zur Anti­kriegsdemonstration, die im Lustgarten bezw. auf dem Winterseldt-Platz in Berlin am Freitag stattfanden, hatte an verschiedenen Stellen der Stadt erhebliche Verkehrs­stockungen zur Folge. In den Zügen, die zahlreiche rote Fahnen und Transparente mit der Aufschrift „Nie wieder Krieg!" mit sich führten, bemerkte man Gruppen von Kriegsbeschädigten in Fahrstühlen und Blinde mit ihren Hunden. Besonders fiel die erhebliche Zahl von Motorrädern der kommunistischen Kraftfahrerabteilungen auf. Die Polizei war auf den Aufmarfchstrahen in großer Stärke vertreten. Sie mußte an verschiedenen Stellen einschreiten. In einzelnen Zügen versuchten Anhänger des Rotfrontkämpferbundes in verbotener Uniform mitzumarfchieren. Sie wurden aus dem Zuge heraus verhaftet. Am Straußbergerplatz im Norden wurde ein Zug von 1000 Teilnehmern wegen Singens verbotener Lieder aufgelöst, wobei die Polizei den Gummiknüppel gebrauchte. Auch gegen mehrere Träger von Transparenten mit aufreizenden Inschriften wurde polizeilich vorgegangen. Bis gegen 9 Uhr abends wurden rund 60 Demonstranten festgenom­men. Kurz vor 9 Uhr war die Kundgebung auf dem Winterfeldt-Platz beendet, und die Demonstranten fetzten sich in mehreren Zügen, die zum großen Teil nach Schöneberg abgedrängt wurden, in Bewedung. Es kam nur zu etwa 100 Verhaftungen.

TiQK tsiii iffiautschw

Ramfay INacdonald, fische Ministerpräsident, traf mit feinen Töchtern in München ein, um von dort Gonsspiele in Oberammergau zu besuchen.

*

' englische Premierminister Ramfay Mac- stattete bei seinem kurzen Aufenthalt in in auch dem Präsidenten des Bayerischen ges Stang einen Besuch ab. In seiner Be- 8 befanden sich seine beiden Töchter, sein hastischer Freund Sir A. Grand und dessen : saivie der englische Vizekonsul. Macdonald an Sitzungssaal des Landtages mit großem st den Darlegungen des Landtaqspräsiden- besonders wichtige Ereignisse in der Ge­ber bayerischen Verfassung und des Daye- <andtages. Die Fragen, die er dabei stellte, ; daß er mit den parlamentarischen Ver- tn. und Gebräuchen anderer Staaten lehr I 'ft- Der englische Ministerpräsident trug u)betn er noch einen schönen Raum der alten ^tskammer besichtigt hatte, in das Gäste- w ein und verabschiedete sich in

®eife vom Landtagspräsidenten und

Herren, die ihn bei der Führung begleitet Am Abend leistete Macdonald einer Ein- öes bayerischen Ministerpräsidenten zu

Abendessen im engeren Kreise Folge.

düng der neuen Partei zu verantworten habe, im Wege stehe, so sei er bereit, den Weg frei zu machen und schlage vor, zur Ausschaltung aller Hemmnisse, daß sowohl er w ie Br. Scholz sich von der Führung der neuen Partei zu­rückhalten und sie anderen Kräften überlassen sollten".

Koch spricht des weiteren die Ueberzeugung aus, daß es nur so gelingen werde, alle gesinnungsver­wandten Kreise zu fruchtbarer politischer Arbeit in eine große Staatspartei in diesem großen Wahlkampf zu vereinen, um eine verhand­lungsfähige Mehrheit im neuen Reichstag zu er­langen. _____

Wie wir hören, hat in Verfolg dieses feines Schreibens Koch feine Tätigkeit im Fraktionsaus- fchuß bereits niedergelegt und an seine Stelle ist der preußische Finanzminister Dr. Hoepker- Aschoff getreten.

Dr. Scholz dürfte auch auf diesem Wege nicht zum Rückzug zu bewegen fein. Er läßt schon mit­teilen, daß er an Rücktritt nicht denke.

mntksilaat in Not! Eine mächtige Bewegung ba5 katholische Volk. Katholische Jugend £ «i einer Massenkundgebung in den großen her Stadthalle. Es gilt das Bekenntnis ihrer ».n Verbundenheit mit der Verfassung. Aber Tibre Einfatzentschiossenheit für eine starke und ^emuftten Regierungsführung als Grundvor- «febuncj einer echten Demokratie, als einzigen ' öunfere soziale u. wirtschaftliche Not zu lindern h'überwinden. Gegen eine Politik der Phra- , und Unehrlichkeit, gegen das hemmungslose 'eiben des ftaatszersetzenden Radikalismus von und Links. Der Staat ist in Gefahr, die

tzolifche Jugend ist aufgerufen!

Die riesige Halle ist bis zum letzten Platz ge­lt Dicht drängen sich die Massen auf den Tri- nen und in den Seitengängen, Hunderte finden Sten Platz. Bis zu den Türen stehen sie hinaus. m Werkstatt und Kontor, aus Fabrik und hör- [en find sie herbeigeströmt, junge Männer und unten, aus allen Verbänden und Bünden. Einig ihrer Kampfbereitschaft für Dr. Brüning und die ■ntrumspartei, für Staat und Volk. Nie stand die Mische Jugend bei einer politischen Kund- bung in solcher Einmütigkeit zusammen.

Die Wimpel marschieren ein. Voran die Erz-rot-goldenen Banner der Windthorstbunde. inn die Fahnen und Wimpel der Jungmänner- id Iungfrauenvereine, der Sturmscharen und Minder, der Werkjugend, der Gesellen und

Verständigung kann uns von ihr befreien. Doch nur dann ist ein Fortschritt möglich, wenn die Repu­blik fest im Volk verankert ist. Kommt es einmal so weit, daß der deutschen Jugend der Volksstaat nichts mehr bedeutet, dann ist das Ende jeder po­litischen Hoffnung gekommen. Der Reichstag mußte aufgelöst werden, als es sich herausstellte, daß er in seiner großen Mehrheit rechts und links die vordringlichsten Aufgaben für den Weg der Ge­sundung, die Sanierung der Reichsfinanzen, nicht lösen konnte. Als die Sozialdemokratie im Bunde mit Hitler und Hugenberg und den Kommunisten die Notstandsmaßnahmen ablehnte. Bringt uns die Neuwahl keinen arbeitsfähigen Reichstag, in dem eine gesunde Mehrheitsbildung möglich ist, dann müssen wir das Schlimmste für das weitere Schicksal der Republik fürchten. Ein Teil der Par­teien befindet sich im Zustand einer völligen Aus­lösung. Die Linke wird immer mehr radikalisiert. Aus das katholische Zentrumsvolk, auf die Jugend, kommt es jetzt an, die geschlossener und einiger dastehen denn je. Von einer starken Zentrums­partei hängt das Schicksal der Republik ab!

Immer wieder wird Dr. Wirth von Beifalls­kundgebungen unterbrochen, die am Schluffe feiner Rede kein Ende nehmen wollen. Das katholische Jungvolk ist bereit, seinen Führern zu folgen. Nun spricht Joos: Verfassung in Not, weil der Volksstaat nicht in aller Seelen lebt, Verfassung in Not, weil das deutsche Volk sie nicht versteht, weil es nicht die Größe aufbringt, sich über alte Interessengegensätze hinweg zu gemeinsamer Ar­beit zu finden. Das ist der tiefe Sinn vieles Wahl­kampfes. Einen schweren Schlag hat die politische Jugendbewegung erlitten. Der Jungdeutsche Or­den hat kapituliert, hat seine große Idee einer li­beralen Partei geopfert. Weite Kreise der Ju­gend lassen sich von radikalen Phrasen einfangen. Aber wenn alles versagt, dann ist die Stunde der katholischen Jugend erst recht gekommen.

Frau Weber spricht zu uns von der Not des Volkes. In dieser Wahl wird viel von der Ret­tung des Staates gesprochen werden. Das Volk aber dürfen wir darüber nicht vergessen. Auf seinen bretten Massen ruht der Staat Nicht auf ein paar Intellektuellen. Ein gesundes Volk ist die Grundlage für einen gesunden Staat. Unser Volk ist krank. Starke Mächte sinh am Werke, es zu zersetzen und feine Grundlage zu zerstören: die Familie. Immer weiter bringt schon das Gift. Weite Kreise sind schon von ihm erfaßt. Der ganze Stoß wird sich jetzt gegen uns richten, gegen das katholische Volk, das bis jetzt noch starken Wider­stand geleistet hat. Auch im Politischen fällt über die Familie die Entscheidung. Es darf aber nicht bei der Abwehr bleiben; unsere Familien müssen Zellen neuer Lebenskraft für das ganze Volk wer­den; sittlich gesunde Jugend wird das Volk von morgen fein.

Im Namen des Reichsjugendausschusses der Zentrumspartei, der in diesen Tagen in Berlin zur Wahlvorbereitung zusammengetreten war, sprachen August Winkler und Georg Wagner. Die Zeiten der politischen Passivität sind vorbei. Die katholische Jugend wird ihre Kräfte geschlossen in den Wahlkampf einsetzen. Ihr wird der Sieg fein! Dr. Krone spricht das Schlußwort. Die Jugend steht zum Kampfe bereit, zum Kampfe für die Zentrumspartei. Ihr geht es um die politischen Persönlichkeiten, die die Partei mit Leben erfül­len. Die Jugend liebt nicht das Programm, sie will dem Führer folgen. Für ihn wird sie sich im Wahlkampfe einfetzen. Einen der ihrigen sieht sie als Führer, betraut mit schwerster Verantwor­tung: Dr. Brüning. Er hat es auf sich genom­men, unser Volk wieder emporzuführen. Dio ka- tholifche Jugend steht in treuer Gefolgschaft im Kampfe um Staat und Volk.

Das Deutschlandlied erklingt. Dann geht die Versammlung auseinander.

Die katholische Jugend Berlins steht jetzt im Wahlkampf. Sie hat den Anfang gemacht. Und die Jugend im ganzen Reich wird ihr folgen. An ollen Orten wird sie sich gufammenftnben zu gro­ßen Kundgebungen. Von Königsberg bis Aachen, von Kiel bis Konstanz. Geschloffen steht sie zu­sammen, alle Verbände und Bünde, für Dr. Brü­ning und die Zentrumspartei!

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