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Samstag, 2. August 1930

irr. vvi ;

57. Z-Hrz

dürfen, daß er noch Einiges andere, was ihm! heute noch fehlen mag, hinzulernen wird.

Aber die Parteien find in Bewegung, und es scheint so, daß sie, wenigstens in de» Haupigrup- pen, nicht nur um ihrer selbst willen sich bemühe,'. Es zeichnen sich in ihnen die hauptsächuchen deut­schen Temperamente ab. Van hieraus kann der Weg der staatspolitischen Arbeit betreten werden.

nach China. I

1. Aug. (Eig. Meldg.) Reuter: Regierung hat sich angesichts der im oberen Jangtsetal entschlossen,

wtb. Trkia, Die japanische kritischen Lage

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift« •: leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

mentieren. Das kann schließlich ebensogut jeder für sich selbst.

Im übrigen können wir uns nicht verhehlen, daß der Wunsch der Deutschen Staatspartei, das Zentrum zur Mitunterzeichnung aufzufordern, nur taktischen Erwägungen entspricht. Die Deutsche Staatspartei will sich dem Rufe des Herrn Dr. Scholz entziehen und sucht einen Vorwand, um aus der ihr unangnenehmen Situation heraus­zukommen. Dafür scheint ihr das Zentrum gut genug zu sein.

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Ueber die Stadt Hankau ist das Kriegsrecht verhängt worden. Sechs Kommunisten wurden in Wutschang verhaftet und hingerichtet. Die Japa­ner haben zur Vorsicht ihre Konzession mit Stachel- draht umgeben. 200 Ausländer, die sich gegenwär­tig in der Sommerstation Kuling im südlichen Kiukiang befinden, werden unverzüglich abtrans.« portiert werden.

4 japanische Torpedobootszrrstörer unterwegs '

unverzüglich 4 Torpedobootszerstörer und 200 Marinesoldaten nach China zu entsenden.

Aus gut unterrichteten Krisen verlautet, daß Japan im Einvernehmen mit anderen Großmäch­ten China den Rat geben wird, den Bürgerkrieg sofort abzubrechen, um gemeinsam gegen die Kom­munisten vorzugehen.

kein Anlehnungsbediirfnis beim Zentrum!

Zu der Antwort des Abg. Koch-Weser an die Deutsche Volkspartei, die Staatspartei würde einen gemeinsamen Wahlaufruf zur Unterstützung der Regierung in der Finanzreform nur dann untev- zeichnen, wenn auch die Zentrumspartei und die Bayerische V o l k s p a r t e i zur Mit­unterzeichnung bereit seien, schreibt die „Germa­nia": Diese Antwort der Deutschen Staatspartei möchte also auch uns in die Angelegenheit ver­wickeln. Für die Bayerische Bolkspartei können wir nicht antworten. Soweit aber das Zentrum in Frage kommt, sind wir der Meinung, daß sich das Zentrum an einem Wahlaufruf von Parteien nicht beteiligen wird, deren politisch-geistige Grundlagemitder des Zentrumsnicht überein stimmt. Daß das Zentrum hinter Dr. Brüning und seinen Maßnahmen steht und daß es eine durchgreifende Finanzreform mit seinem Reichskanzler will und erstrebt, ist klar. Er ist sogar so klar, daß das Zentrum seit lan­ger Zeit dafür kämpft und daß andere Par­teien diese vernünftige Forderung bisher ein­fach zunichte gemacht haben. Wir halten es nicht für nötig, daß sich das Zentrum an Auf­rufe anderer Gruppen anschlösse, um diese seine eigene einwandfreie und klare Stellung zu dokw-

wtb. Paris, 1. Aug. (Eig. Meldg.). Durch die Luftmanöver bei Lyon ist festgestellt worden, daß die Flugzeugabwehr in ihrer jetzigen Form nicht a u s r e i ch t, um eine Stadt wirksam gegen einen Flugzeugmassenangriff zu schützen Im Falle eines ernsten Kampfes müßte die Bevölkerung zum größten Teil die Häuser verlassen, da es unmöglich sei, sie mit dem erforderlichen Gas­schutz zu versehen.

* Die Untersuchung in dem Strafverfahren ge­gen die beiden Lahrer Industriellen Hermann Honnefs und Heinz Honnefs wurde so weit abge­schlossen daß die beiden Verhafteten wieder auf freien Fuß gesetzt werden konnten, da keine Verdunkelungsgefahr und kein Fluchtver­dacht mehr besteht. Das Strafverfahren geht wei­ter.

Vom chinesischen Bürgerkrieg.

wtb. Hankau, 1. Aug. (Eig. Meldg.) ^te Kommunisten haben am vorigen Sonntag die Stadt Tschangscha in der chinesischen Provinz Hunan überraschend erobert. Erst am Samstag mittag war bekannt geworden, daß eine starke Kolonne Kommunisten im Anmarsch sei. Die Regierungs­truppen sollen den Kommunisten Vorräte an Ge­wehren und Munition ausgeliefert haben. Die auf den Schiffen in Sicherheit gebrachten Aus­länder beobachteten am Montag abend zahl­reiche Brände, die sich während der Nacht und während des Dienstags immer mehr ausbreiteten, bis die ganze Stadt in Flammen stand. Es wird gemeldet, daß das kommunistische Haupt­quartier in Tschanghai einen allgemeinen Aufftand der Kommunisten in Hupeh, Hunan und Kiangsi angeordnet habe, um morgen Hankau nehmen zu können. Die Eisenbahnlinie Peping—Hankau ist 30 bis 40 Klm. nördlich von Hankau von den Kom­munisten zerstört worden. In Zentralchina sollen 60 000 Kommunisten stehen, die über 45 000 Ge­wehre, eine Anzahl Feldgeschütze, Flugzeuge und drahtlose Stationen verfügen. In Schanghai sind, wie es heißt, seit einiger Zeit mehrere Sowjetagen­ten eingetroffen. 1

Ein Abstieg.

Es ist noch gar nicht solange her, da hatte im Rate der Völker in Genf ein kleines Land einen besonders energischen Vertreter. Wenn er sprach, hörte man aufmerksam zu. Das war Wolde» maras, der Diktator von Litauen, einstmals Professor und jetzt der Allmächtige seines Landes. Aber es hat mit seiner Herrlichkeit nicht allzu lange gedauert. Wir haben seit dem Kriege wiederholt Glück und Ende von Diktatoren beobachten können. Sie ergriffen eines Tages die Macht, handhabten sie mit brutaler Rücksichtslosigkeit, behaupteten sich ■ eine Zeitlang und verschwanden. Nicht anders ist es den Gewalthabern ergangen, deren Namen noch heute in der Weltgeschichte leben. Aber set, ten hat einer einen solchen Sturz erlebt wie Wolde- maras. Und nicht nur, daß er von seiner Macht scheiden mußte. Auch sein Charakterbild, das schon ( immer geschwankt hatte, wurde trüber und trüber. Es ist die Art anständiger Männer, eine Position,! die sie nicht halten können, zu verlassen und sich ■ dann aber auch nicht mehr um sie zu kümmern, wenigstens auch nur den geringsten Anschein oon< Intrigen und Verschwörungen zu vermeiden. Bei Woldemaras war es anders. Er hat vom läge1 feines Sturzes ab erneut zu intrigieren und fein: Land zu beunruhigen begonnen. Es war in Li­tauen nicht so, daß mit dem befreienden Aufatmen ob der Beseitigung des Diktators nun auch Ruhe und Frieden geherrscht und sich entwickelt hätten. । Woldemaras sorgte dafür, daß Litauen nicht zum Frieden kam. Einige ihm ergebene Blätter über­nahmen die Rolle des Aufputschsns der Bevölke-' rung. Aber der Krug geht solange zu Wasser, bis, er bricht. Als es offenkundig wurde, daß der Ge» stürzte auf neue Machtergreifung sann und einen Staatsstreich vorbereitete, ließ ihn die jetzige Re­gierung verhaften und verbannte ihn aus ber i Hauptstadt. Der Versuch einiger Fanatiker, ihn^ auch in der Provinz aus dem Gewahrsam zu be­freien, scheiterte. Der ehemalige unumschränkte Ge-' bieter über Litauen steht unter Polizei-» a u f s i ch t, und sein Traum, noch einmal zur Macht zu gelangen, dürfte ausgeträumt sein. Aber es ist durchaus wahrscheinlich, daß sein Schicksal noch nicht vollendet ist. Es stellt sich heraus, daß die Abrechnung über eine Summe von 100 000 Lit. fehlt, für deren Verausgabung Woldemaras verantwortlich ist. Und die Regierung, die nicht mehr die Absicht hat, ihm irgend etwas zu schen­ken, will ihn zu dieser Verantwortung zwingen^ Das fehlte noch, daß der Diktator von dazumal als ein ungetreuer Rechner erfunden würde. Und noch etwas anderes steht ihm bevor. Es ist beabsichtigt, den Mann, der auf feine Staats, kunst stolz war, auf seinen Geisteszu- stand untersuchen zu lassen. Man weiß nicht, was man ihm menschlich wünschen soll. Soll er als Irrsinniger in eine Anstalt verbracht wer­den und darin einen kläglichen Abschluß seines abenteuerlichen Daseins erleben? Es ist schon da­für gesorgt, daß auch die Bäume der Diktatur nicht in den Himmel wachsen.

Die gekränkte Volksparkei.

Der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei war, wie gemeldet, am 31. Juli im Deutschen Reichstag zu einer außerordentlichen Sitzung zu­sammengetreten. Er setzt sich aus den Wahlkreis­vorsitzenden und den Wahlkreis-Geschäftsführern der DVP. zusammen und war vollzählig ver­treten. Dies ist umso weniger verwunderlich, als die politischen Vorgänge in der Nachbarschaft der Deutschen Volkspartei und zwar sowohl im konservativen wie im liberalen Lager die DVP. in eine schwierige Lage brachte. Jeder Politiker weiß, daß am letzten Juli die Partei Dr. Stresemanns tatsächlich am Scheideweg stand.

Nach dem Bericht über die politische Lage, den der Parteiführer Dr. Scholz erstattete, erfolgte eine lebhafte Aussprache, die sich um zwei Entschlie­ßungen gruppierte, von denen die eine die Be­mühungen des Parteiführers, die bürgerlichen Parteien der Mitte zu sammeln, gutheißt und die andere zur neuen Deutschen Staatspartei Stellung nimmt. In der Aussprache kam die ganz Ver­ärgerung der deutsch-volksparteilichen Partei­führung, auch vieler gekränkter Parlamentarier, zum Ausdruck, die sich schon deshalb zurückgesetzt fühlten, weil sie nicht rechtzeitig zur Gründung der Deutschen Staatspartei herangezogen wurden. Die „Kölnische Zeitung" hatte mit ihren Mahnun­gen leider wenig Erfolg. Zu den Verärgerten gehören auch der frühere Abg. Cremer, der am Donnerstag morgen seine Ansichten im „Börsen­kurier" in der Form eines geradezu typischen Verärgerungsartikels veröffentlichte.

Wenn auch die Entscheidung auf der deutsch­volksparteilichen Reichsausschußsitzung vorläufig und in formaler Hinsicht gefallen ist, so ist das letzte Wort über die Sammlung des liberalen Bürgertums selbstverständlich noch lange nicht ge­sprochen. Darüber sollte allmählich aber ein all­gemeines Einvernehmen bestehen, daß die Be­strebungen, die auf eine Verschmelzung der deut­schen Konservativen und Liberalen hinzielen, uto­pisch sind und weder der Geschichte unseres Partei­lebens, noch der Struktur unserer Gesellschaft, noch auch den in ihr sich regenden Entwicklungstenden­zen gerecht werden.

Die Deutsche Volkspartei wird bei den Wah­len am 14. September sicherlich eine schwere Niederlage erleiden.

*

Wo sollen denn die armen Leute hin? Die Mütter, die Kranken, die unmündigen Kinder? Kriege moderner Art sind Ausgeburten des Wahnsinns.

Es wird Ernst gemacht!

Die erste Anwendung der Notverordnung wegen Waffenmißbrauchs.

Vor dem Berliner Schnellrichter fand eine Verhandlung gegen zwei National­sozialisten statt, in der zum ersten Male die Notverordnung des Reichs Präsidenten wegen Waf­fenmißbrauches auf Grund des Artikels 48 der Reich^verfaffung angewendet wurde.

Anläßlich eines Zusammenstoßes zwischen Na­tionalsozialisten und Kommunisten, die in Charlot- tendurg stattgefunden hatte, und bei dem es auch zu einer Schießerei gekommen war, wurden die beiden Angeklagten festgenommen. Bei dem einen Angeklagten wurde ein Revolver gefunden, bei dem anderen eine Hiebwaffe.

Der Staatsanwalt beantragte beim Schluß der Verhandlung gegen den einen Angeklagten eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten und gegen den anderen die nach der Notverordnung vorgesehene Minde st strafe von 3 Monaten Gefäng­nis. Das Gericht entsprach dem Anträge des Staatsanwaltes.

MaerZeltung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nach Schluß der Verhandlungen des Reichsaus­schusses der Deutschen Volkspartei wurde am Nach­mittage die Besprechung der Parteifüh­rer fortgesetzt, die Dr. Scholz angeregt hatte. Nach­dem am Mittwoch alle Gruppen den Zusammen­schluß ohne weiteres abgelebt hatten, wurde jetzt noch über die Frage eines gemeinsamen Wahlaufrufes und einer eventuellen Frak­tionsgemeinschaft int neuen Reichs- t a g verhandelt. Koch-Weser erklärte dabei, daß von einer Bindung, wie sie in einer Fraktionsge­meinschaft zum Ausdruck komme, nicht die Rede fein könne. Gleichzeitig richtete er an die Deutsche Volkspartei den Appell, nach­dem der Plan einer Riesenpartei zu Fall gekom­men sei, sich auf den Boden der Deut­schen Staatspartei zu stellen, wie das die Demokratische Partei bereits getan habe. Fer­ner erklärte Abg. Koch-Weser von der Staatspartei seine Zustimmung zu dem Aufruf, wenn auch das Zentrum und die Bayerische Volkspartei sich diesem Ausruf an­schließen würden. Die Verhandlungen wur­den nach kurzer Dauer abgebrochen, da nun die Parteien erst mit dem Zentrum und der Bayeri­schen Volkspartei Fühlung nehmen müssen. Die Parteien erklärten, daß eine neue Situation ge­schaffen sei und beschlossen, am Freitag nach­mittag ohne die Staatspartei zusammcnzukom- men, um einen gemeinsamen Wahlauf­ruf zu beschließen und über eine Fraktionsgemein­schaft eine Einigung herbeizuführen.

Gasangriff ans Lyon!

Es war alles ausgezeichnet und hat alles wun­dervoll geklappt. Mit dem großen Gasan­griffsmanöver auf Lyon nämlich, deren Durchftchrung die französische Heeresleitung des­wegen offenbar für dringend erforderlich hielt, weil in Genf ja jeglicher Gaskrieg förmlich und feierlich verboten worden ist.

Bomben- und Jagdstaffeln des 35. Fliegerregi­ments griffen — von verschiedenen Richtungen kommend — die Stadt aus 1500 bis 1800 Meter Höhe an. Als ob jemals im Jahre 1918 Luftan­griffe auf feindliche Objekte aus weniger als 5000— 6000 Meter Höhe ausgeführt worden wären! Die Batterien rings um Lyon entfalteten ein „ein­drucksvolles Sperrfeuer" — eindrucksvoll vermut­lich nur auf die Einwohner von Lyon, die sich ja in diesem Falle nicht vor dem Hagel der tödlich-Meder- saufenden Sprengstücke der eigenen Flugabwehr­geschosse zu fürchten brauchten. Und dann kamen die gruseligen Nachtangriffe der „Goliaths" und „Uebergoliäths", von denen die Manöverleitung sinnloserweise nur einen Teil so niedrig fliegen ließ, daß die Entdeckung rechtzeisig erfolgen und die Abwehr prompt emsetzen konnte. Von den 16 Bomben-Goliaths wären also mindestens 12 mit ihrer verderbenbringenden Last bis über das Weich­bild der Stadt gelangt und hätten im Ernstfall — dort unter allen Umständen, gleichgültig, ob sie dann noch abgeschossen wären oder nicht, ihr 500 und 1000 Kilogramm Bomben abgeladen. — Aber dafür hatte ja die hochwohlweise Manöverleitung auch bestens vorgesorgt: eine Unmenge Beamte und Soldaten liefen mit Gasmasken durch die Stadt und markierten eifrig „Flucht in die Unterstände." Damit darf sich nun der brave Bürger zufrieden geben und tut es gewiß auch mindestens, sobald er seine komplette Gasmaske am Bett­pf o st e n hängen hat, für den Fall, daß doch über Nacht wirklich einmal im Ernst . . . Man redet nämlich in letzter Zeit gerade im südöstlichen Frank­reich ein bischen viel vom Kriege. Es lebe also die Gasmasken- und Betonindustrie, denn natürlich ist es mit Gasmasken allein nicht getan; es müssen auch noch gewaltige bomben« und gas­sichere Unterstände für die gesamte Bevöl­kerung, selbstverständlich nicht nur für die Stadt Lyon, gebaut werden. Das wird eines der fabel­haftesten Geschäfte der kommenden Zeit. Das weiß der brave Bü«rger natürlich nicht — und darf es nach Möglichkeit auch nicht erfahren —, daß die Giftgase, die man im kommenden Krieg benutzen wird, nicht nur auf die Atmungsorgane tödlich wirken, sondern daß es auch Gase gibt die jeden Kleiderstoff, jeden Gasmaskenstoff durchdringen und solche Schmerzen auslösen, daß jeder, der in ihren Bereich kommt, sich verzweifelt die Gasmaske und feine Kleider vom Leide reißen wird. Sollte es aber solch einem Unglücklichen noch im letzten Augenblicke gelingen, den schützenden Unterstand zu erreichen, so wird die geringe Spur solcher Aetzgase, die sich schon in seinen Kleidern festgesetzt hat, bereits genügen, um das tödliche Werk langsamer, aber ebenso sicherer zu vollenden- Das sei, die Lehre der Manöver von Lyon, b;e unter keinen Umständen dazu benutzt werden dür­fen, ahnungslosen Laien den Glauben zu geben, als sei gegen die Schrecken des Gaskrieges der Zu­kunft irgend ein Kraut ober ein Unterstand, ober eine Gasmaske gewachsen, ober als hätte man auch nur Aussicht, wirksame Schutzmittel zu schaffen.

Ankurbelung der PolMk.

Aus Berlin wirb uns geschrieben:

ff« ist charakteristisch für ben Wirbelsturm, der »s.iaenblick durch das bisher so schläfrige deutsch- eiwesen hindurchfährt, daß die demokratischen "r Koch-Weser und Dietrich nicht mehr und

-M weniger vorhaben, als ihre bisherige Partei ^Selbstauslösung zu zwingen. Ein solcher Eni- wird einem verantwortlichen Führer, der Jahre einer Partei gedient hat, sicher nicht werben. Faßt er ihn trotzbem, so ist dies ein es Zeugnis für bas Verantwortungsbewußi- eines Politikers. Aber man kann vielleicht sagen, daß bieser Wille, anbere unter seine jsche Ueberzeugung zu zwingen, im Zug die- a'eit liegt, unb daß er eine Hoffnung aufkom- läjjt für die künftigen Wahlen. Das deutsche hat jahrelang gegen den parlamentarischen

ieb gemurrt, aber es Hai ihm nichts gehollfen. war feit Monaten in eine stumpfe Gleichgültig- verfallen. Auf nichts richtete sich fein Interesse Weniger als auf den Reichstag. Als die Auslösung tan wurde es erneut von einer Erregung erfaßt, ©irb der neue Reichstag ein anderes Gesicht zei- «n? Werden in ihm andere Männer sitzen ober werben wenigstens die Parteien sich so zusammen- sehen, daß eine verantwortungsbewußte Mehrheit luftanbe kommt, die bem Staat unb damit dem M gibt, was ihnen gebührt?

Wenn man bedenkt, daß seit der denkwürdigen ILihiing vom 18. Juli, die die Parteien auseinan- bertrieb und Opposition von peinlichster Zusam­mensetzung schuf, noch nicht zwei Wochen vergan- ocn sind, dann muß man die Energie der Männer loben, die nun innerhalb weniger Tage die Grund­lage für ein anderes arbeitsfähigeres Parlament zu schaffen begonnen haben. Was auf der Rech­ten geschehen ist, kann nur zum Teil befriedigen. [Die Gründung der Konservativen Vvlkspartei war eine Notwendigkeit, die in der Luft lag. Daß sie Ker kurz oder lang kommen würde, wußte man wenigstens seit einem halben Jahre. Aber leider ist es bei diesem Zusammenschluß auf der Rechten ihcht gebtieben, leider hat er nicht alle erfassen kennen, die zusammen gehören. Es besteht, wenn ti auch nicht ganz leicht ist, sich zwischen den »ier ober fünf Gruppen, die alle irgendwie christ­lich, konservativ unb agrarisch sinb, zurechtzu- finben, wenn auch Listenverbinbungen allzu große geripütterungen verhüten mögen, boch bie Ge­fahr, baß hier unnötig Gruppierungen unb Ab­sonderungen geschaffen werben, die im Interesse des Staates und auch der beteiligten Wähler bes­ser in einer einzigen großen Partei aufgegangen | wären. Immerhin eine Umstellung zu verantwort­lichem politischen Denken ist erfolgt unb Dr. Hu- genberg mag allein sehen, wohin er mit den täglich weiter abrütfenben Resten seiner einstigen Partei gerät.

Die Grünbung der Staatspartei geht unter bes­seren Anzeichen vor sich. Es ist heute schon so­weit, baß bie verärgerte unb mißgünstige Oppo- fiiton der Deutschen Volkspartei kaum ernst genom­men wird. Es scheint fast so, als ob auch hier Absplitterungen ganzer Landesverbände zu er«

"siren. Die Staatspartei hat ja ben gro­ben Vorteil, nicht mit Unrecht für ihre Ideen sich «uf Strefemann berufen zu können, der schon nach r $ufan}inenbrud} nur darum die Nationallibe- , e Partei in die Volkspartei umbildete, weil er Mderbarerweise von den Demokraten nicht aufge« Wunen wurde. Freilich konnte er damals auch M niemand voraussehen, daß der Monarchist vlresemann so leidenschaftlich sich für ben Volks-

/'"setzen würbe. In biefem Augenblick nun funbet sich die offizielle Führung seiner Partei in SmÜ r F kritischen Lage. Es mag für Dr. Scholz Wer fein, sich zu bem Irrtum zu bekennen, ben n-,Be9ing, als er ben Versuch machte, Linksliberale, verale, Wirtschaftsparteiler unb Konservative liAf Vmen zu bringen. Das ist eine Unmog-

unb wenn Mahraun in seiner geschickten u. bohi lne? Organisationsfähigkeit ihm biesen Plan ^«rch durchkreuzte, baß er bie Demokraten unb

,|un6en Volksparteiler zu einem Bünbnis be- >e, bann sollte Scholz jetzt lieber nicht auf fei« Oor9efQ&ten, ober ersichtlich falschen Ibee be- fonbern mit feinen Nachbarn von links ftfrt Q?mentun, um von seiner Partei zu retten, "öd) zu retten ist. Diejenigen Volkspartei- w,' ’e /f*on früher zu Stresemanns Zeiten im- elütin U"ruhe gestiftet haben, sollte er falt« I 6= ""deren Gruppen überlassen.

-fern „ - ’a ""ch sicher nicht ganz unrichtig, wenn kiuz ""rb, daß Männer wie Kahl und Cur- Sriu/111. der Staatspartei sympathisieren. Den vib ""ß Scholz nun Koch-Weser übertrumpfen ELl’"6 Deutsche Reichspartei gründen wolle,

Lff nicht.

Bu J "Röfatfdje Zeitung" hat sich, wie zu erwar- gleichfalls für die neue Partei ausge- KftTvL Gleichzeitig aber scheint sie uns bie ge« Mh-S^k ganz mühelos erzielte Einigung zu ge= Inn ,®enn .sie nach einem neuen, nach einem . Führer ruft. Wir wollen nicht fa= uns bas verbächtig klingt. Aber jeher abo i.11} Deutschland weiß, daß das Reich nicht Usiker einem Ueberfluß an politischen Köpfen ich Koch-Weser ist sicherlich mit ferner n ^Enheit als demokratischer Führer belastet, das so ausbrücken will. Arthur Mah- t ja' Qls.Gründer des Iungdeutschen Ordens, sg* ipnmglifb nichts anderes war, als irgend A monarchistischer und reaktionärer Ver- ch «v^rTid) nicht unbelastet. Aber schließlich ESSL?" Mensch doch entwickeln dürfen. Auch , Zeitung" hat ja früher schon anders n als s-e es heute tut. Bei Mahraun

-en ’e’ne Vergangenheit, bie ihn vom Wen A'Mkehrer bis zum verantwortungs- -Republikaner entwickelte, sympathisch, r ""ch jung ist, wird man annehmen