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Beseelte Ruh . . .

Von Kurt Erich Meurer.

Beseelte Ruh, die alle Erdendinge zurücklegt in die gute Schöpferhand, beug', Engel, dich herab vom Himmelsrand und rühre mit der abendlichen Schwinge an meine Sehnsucht, daß sie nicht zerspringe wie Gläser springen über Feuersbrand .. .

Die Frauen und die Farben.

Von Dr. E. C h a m b o n-München.

„Farben brauche ich, um glücklich zu sein", hat eine Frau gesagt. Den ausgeprägtesten und feinsten Farben­sinn sagt man nicht mit Unrecht den Frauen nach. Wir möchten den vorangestellten sympathischen Ausspruch er­weitern: alle Menschen reagieren bewußt oder unbewußt auf Farben, auch der in Geschmacksachen gleichgültigste Mensch hat eine Vorliebe für gewisse Farben. Farben sind kein Luxus, sondern sie sind für den Menschen ein unabweisbares Bedürfnis. Jedem Menschen sind der Wunsch und das Bestreben angeboren, sich und seine Um­gebung mit Farben zu schmücken. In erster Linie haben die Farben das Bedürfnis nach farbigem Schmuck, und wir räumen ihnen gern ein Recht dazu ein. Farbe ist Gefühlssache und damit vorwiegend Sache der Frauen. Neben dem ästhetischen Empfinden sprechen jedoch bei allen farbigen Dingen gleichberechtigt noch Fragen an­derer Art mit, nämlich nach der Haltbarkeit und Dauer der Farben. Was nützen uns Farben, die am Licht ver­bleichen und in der Wäsche auslaufen? Farben, die in kurzer Zeit, so lange der Stoff noch gebrauchsfähig ist, etwas ganz anderes werden, sind eine Sinnlosigkeit; sie beleidigen unser Schönheitsgefühl und schädigen den Be­sitzer des farbigen Gegenstandes, indem sie dessen Wert vorzeitig verringern. Mit einem Wort, die Farben sind für unser Leben nur dann wertvoll und nützlich, wenn sie echt sind.

Machen wir uns zunächst klar, was wir unter einer echten Farbe verstehen, und welche Ansprüche wir an eine solche stellen dürfen. Wir nennen eine Farbe echt, die bei sachgemäßer Behandlung des farbigen Gegenstandes ebenso lange schön und ansehnlich bleibt, wie das Garn oder Gewebe, mit dem sie verbunden ist, gebrauchsfähig aushält. Eine absolut echte Farbe, die allen äußeren Einflüssen standhielle, gibt es nicht. Jede Farbe kann durch unzweckmäßige Behandlung schließlich zerstört wer­den. Bei der Beurteilung der Echtheit einer Farbe ist also sachgemäße Behandlung des farbigen Stückes selbst­verständliche Voraussetzung. Keine Farbe braucht länger zu halten als die Faser, mit der sie verbunden ist, und daraus folgt, daß sich jede Färbung nach dem Zweck rich­ten muß, dem das farbige Stück bienen soll. Für alle Stoffe, Gewebe und Garne, in deren Bestimmung und Wesen Dauer liegt, dürfen nur echte Farben verwendet werden, die den äußeren Einflüssen, denen das farbige Stück beim Gebrauch ausgesetzt ist, standhalten. Die äußeren Einflüsse sind sehr verschiedener Art, es gibt also auch verschiedene Echtheitsarten. Am wichtigsten für den menschlichen Haushalt ist die Beständigkeit der Farben gegen Sonne und Seife, weshalb auch unter echten Far­ben vorwiegend licht- und waschechte verstanden werden. Zu dem gefühlsmäßigen Bedürfnis nach echten, dauer­haften Farben treten auch wirtschaftliche Rücksichten. Cchtfarbige Gewebe bleiben schön, sie können also lange Zeit benützt werden und sind deshalb billiger. Die wich­tigste Spinnfaser für die moderne Menschheit ist die Baumwolle geworden, sie ist wichtiger als alle anderen Faserarten zusammen einschließlich der Wolle. Und ge­rade für Baumwolle fehlte es an einer echten Vielfarbig­keit, die ihr die vielseitige Anwendung ermöglicht hätte, zu welcher sie ihre vortrefflichen Eigenschaften befähigen. Hier war eine empfindliche Lücke, und diese ist neuerdings nicht allein für die Baumwolle, sondern auch für Kunst­seide und Seinen durch die Jndanthrenfarben, die heute in der ganzen Welt bekannt sind, ausgefüllt worden. Die Jndanthrenfarben umfassen fast alle Farb- nüancen, lebhafte und reine ebenso wie gebrochene und stumpfe, sämtlich in der gleichen Licht- und Waschechtheit, und ermöglichen dadurch für alle Textilwaren aus Baum­wolle, Kunstseide und Seinen eine Vielseitigkeit der De­koration, die früher unmöglich gewesen wäre.

Aus dem Reichtum des Gebotenen kann man den Frauen nur kurz einige vorführen, was für echte Herr­lichkeiten heute mit Jndanthrenfarben hergeftellt werden; täglich kommt Neues hinzu. Das große Giebet der Ge­brauchsstoffe: farbige Wäsche, Hemden, Unterkleidung, Schürzen, Garne, dann Kleiderstoffe aller Art, Satins, schöne Schlaf- und Badeanzüge und geschmackvolle und aparte Bademäntel, das alles ist den Frauen bekannt. Bei all diesen Warengattungen wird mit Recht Echtfar­bigkeit gefordert; sie müssen beim Gebrauch Licht und Seife ohne Aenderung vertragen, müssen auch gegebenen­

falls, z. B. Kleider, gegen Schweiß und Schmutz bestän­dig fein. Damit sagen wir den Frauen nichts Neues; neu ist nur, daß die indanthrenfarbigen Textilwaren diese Forderungen in weitgehendem Maße erfüllen, und daß sie außer der Beständigkeit der Farben noch eine Mannig­faltigkeit und Schönheit der farbigen Dekorationen be­sitzen, wie man sie früher nicht kannte; sie haben mit ihrer Farbenpracht auch die Herstellung echtfarbiger De­korationsstoffe erywglicht: Vorhänge, Portieren, Decken, Kissenplatten, Stickereien, Möbelstoffe, Gebildwebereien. Alle diese Textilprodukte müssen lichtecht, manche auch waschecht fein. Hier spielt die indanthrenfarbige Kunst­seide eine große Rolle und gibt mit ihrem echtfarbigen Glanz wundervolle Effekte. Die verschiedensten Gewebe- arten, leicht und schwer, indanthren- bunt gewebt und farbig bedruckt, sind im Handel, und die Textilindustrie versteht es, aus der Fülle der Jndanthrenfarben immer neue Effekte herauszuholen. Nehmen wir als Beispiel bunte, vielfarbige Decken. Eine bunte Decke auf dem Tisch macht immer einen heiteren Eindruck, und die Haus­frau braucht nicht mehr über eine umgeworfene Tasse Kaffee zu erschrecken, denn solche Decke geht unbesorgt in die Seifenwäsche und kehrt mit neuer Schönheit zurück.

Der Gedanke der Echtfarbigkeit hat sich in der ganzen Welt durchgesetzt. Die Frauen verlangen daher heute die indanthrenfarbigen Stoffe. Denn Machart und Preis eines Stoffes allein können den Kauf nicht mehr ent­scheidend beinfluffen, weil die Echtheit der Farben ausschlaggebend geworden ist.

Ein Kapitel von der Schwiegermutter.

Braucht niemand eine Angst zu haben, daß ich bissig werde. Es ist ja nur selbstverständlich, daß die Mutter gerne bei einem ihrer Kinder leben möchte; und in die Einsamkeit der leeren Zimmer kommt vielleicht bald eine Einladung, daß Vater oder Mutter auf ein paar Wochen zu Besuch kommen sollten. Zuweilen braucht es gar keine weite Reise, denn die jungen Leute haben in die Wohnung der Bräutigam- oder Brauteltern hineinge­heiratet.

Die vielen Witze über die bösen Schwiegermütter sind sattsam bekannt. Woran liegt denn das eigentlich, daß sie so verschrien sind? Das hat hauptsächlich zwei Gründe: der zugeheiratete Teil (Schwiegersohn oder Schwieger­tochter) ist in den meisten Fällen ganz und gar anders veranlagt und anders erzogen als die Schwiegereltern und deren Kinder. Da ist schon im vorhinein zu erwar­ten, daß die Meinungen nicht immer gleich sein werden, zumal, wenn die Schwiegertochter die Haus- und Küchen­arbeit ganz anders handhabt als die Schwiegermama. Natürlich wird sie eines Tages finden, daß man dies und jenes gescheiter so oder so mache, natürlich wird sie mit der Umstellung aller Ordnung im Hause nicht einverstan­den sein, da man in den allen Tagen nicht mehr gerne liebgewordene Gewohnheiten aufgibt. Da braucht es nur ein wenig üble Laune bei dem einen Teil, etwa, wenn die Schwiegertochter nicht gut beisammen ist, und es fängt schon an wetterleuchten, schließlich ein bißl zu donnern und endlich zu hageln. Die Schwiegermutter läuft zor­nig zu ihrem Sohn Und klagt über die frechen Manieren seines Weibes und das junge Frauchen kommt mit trä­nenübergossenem Angesicht zu ihrem Mann und ver­sichert, es bleibe keine Stunde mehr in so einem Hause des Unfriedens. Vielleicht bringt der arme Mann gar nicht einmal heraus, wer eigentlich recht hat; denn er kann nicht glauben, daß feine Mutter so bösartig fein soll, und er kann es auch nicht von seinem jungen Weibe glauben.

Der Grund liegt eigentlich darin, daß die gute alte Mutter ihre arbeitsamen Hände nicht gerne in den Schoß legen möchte, immer noch etwas zu sorgen haben will und dabei vergißt, daß man den jungen Leuten, wenn sie überhaupt selbständig nub zufrieden sein sollen, die Bahn freigeben muß. Darum besteht auch bei den Bau­ern, die am meisten gesunden Sinn sich bewahrt haben, der Brauch, daß nach der Heirat des Erbsohnes oder der Erbtochter die alten Eltern ins „Ausgeding" gehen, das heißt ihr eigenes Häuslein oder Stockwerk beziehen, wo sie noch zusammen hausen können nach Herzenslust, un­gestört von dem aufkeimenden Leben der jungen Fa­milie. Nur wenn Enkelkinder kommen, die betreut wer­den sollen, finden sie treulich ihren Platz neben der Wiege.

Es bleibt der Satz der Heiligen Schrift eben wahr: „Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen!" Ja, Gott sei Dank, wenn die beiden jungen Leute ernstlich zusammenhalten, auch ein bißl gegen die eigenen Eltern. Da bleibt nichts übrig, als sich darein zu schicken und daran zu denken, daß Va­ter und Mutter in jungen Ehejahren es ja auch so ge­macht haben.

Ein zweiter Grund, warum die Schwiegermütter so verrufen sind, liegt in den eigenen Kindern. Sobald näm­lich Sohn ober Tochter mit Mann ober Frau einen Streit

haben, stecken sie sich gerne hinter bie eigenen Eltern, bie natürlich zu ihrem Kinde halten. Und das ist bas Ende des guten Einvernehmens und des Vertrauens. Da sollte die junge Frau doch so gescheit sein und lieber einmal einen Verdruß einstecken, als ihn zu ihrer Mutter tra­gen. Erstens macht sie dadurch ihrer Mutter das Herz unnötig schwer und zweitens verliert sie das Vertrauen ihres Mannes. Mann und Weib haben vor Gott eine so enge Verbindung geschlossen, daß selbst die Ellern unbe­dingt zurücktreten müssen. Darum tun die alten El­tern gut (besonders bie Mutter, denn beim Vater ist lange nicht soviel Gefahr, es sei denn, daß er noch immer ins Geschäft dreinreden will), sie lassen bie bei» ben jungen Leute schön allein.

(St. Franziszi-Glöcklein, T y r v l i a, Innsbruck.)

DerSützmostun-seineVerettung

Im Kampf gegen Dämon Alkohol ist uns ein nicht zu unterschätzender mächtiger Bundesgenosse erstanden: der S ü ß m o st oder F r i s ch m o st. Während wir Wein den vergorenen, Most den etwas angegorenen Keltersaft nennen, ist Süßmost der keimfrei erhaltene Saft reiner, frischer Früchte, lieber die Schweiz, wo Volksgeschmack und Volkserkenntnis sich immer mehr gegen den Gärmost auflehnen, kam aus Süddeutschland die sinnreiche Erfindung der gärungsfreien Früchtever­wertung zu uns. In Deutschland ist sie mit dem Na­men Baumann verknüpft. Seit 1928 Leiter der Lehr- unb Versuchsanstalt bes beutschen Vereins gegen ben Alkoholismus, also gegen ben Mißbrauch geistiger Ge­tränke, hat er Apparate für Haushalt unb Betrieb er* funben, burch bie mittels Luftabschlusses unb schneller Erhitzung bie Fruchtsäfte in ihrer naturgegebenen Zu­sammensetzung erhallen bleiben. Nähr- unb Gesunb- heitswerte, was alles an Sonnenenergien in ben Früch­ten aufgespeichert Ist, bergen sie. Das finb hauptsächlich ber leicht verdauliche Fruchtzucker, die aufbauenden mi­neralischen Salze, die erfrischenden lebenerhaltenden, weil desinfizierenden Fruchtsäuren, die Wachstum unb Widerstanbsfähigkeit fördernden Vitamine. Trotz ihres sauren Geschmacks haben die Fruchtsäuren basische ober alkalische Wirkung. Für Kinber, Sporttreibenbe auf« bauend unb erquickend, für Kranke stärkend und bele­bend, sind sie von besonders günstiger Wirkung für stillende Mütter und fördern die Milchabsonderung.

Die Herbe bes Bitburger Apfelmostes, bie Mildherbe ber Obererlenbacher Dreifrucht tragen bem Geschmack des verwöhntesten Weintrinkers Rechnung. An Rhein, Nahe, Main bieten uns gute, alle Firmen Erzeugnisse aus besten Lagen an. Die katholische unb evangelische Jugenbbewegung in Dbernburg a. M. unb Westerburg, Westerwalb. stellen aus allen Früchten mannigfache unb heilkräftige Moste her, bie mit ihren leuchtenben Farben jeben Festtisch heben!

Für bie Landfrau, in obstreichen Jahren auch für bie Stadtsrau, lohnt sich die S e l b st h e r st e l l u n g. Das einfachste Verfahren ist das Dampfentsaften mit Tüchern. Der Eindünst- oder gereinigte Waschtopf wird handbreit mit Wasser gefüllt, eine leere Auffangschüssel wird hineingestellt nub barüber zwei Tücher, in beren oberes gröberes bie FrüOe mit Zucker eingeschichtet werben (50—100 Gramm je Kilogramm Früchten an Zucker), befestigt. Das Ganze wirb 1—% Stunden (vom dampfen ab) auf gutem Feuer belassen, dann ber heiße Saft gleich in vorgewärmte Flaschen gefüllt. Die Flaschen werben mit zylinbrischen Korken, bie gleich ben Flaschen 23 Stunden in kaltem Wasser geweicht unb vorgewärmt finb, verschlossen. Die Flaschen werben um« gebreht in einen Eimer ober Korb gestellt unb zuge- beckt. Nach 2—3 Stunden wird ber Flaschenkopf in Pa­raffin getaucht unb bie Flasche liegend im Keller auf­bewahrt.

Arn ergiebigsten ist der neue Apparat „Quickborn", für 12 Mark erhältlich. Durch den hohen Gehalt an reinem Aluminium bürgt er für Säurebeständigkeit, durch Dünnwandigkeit und allseitige Durchlöcherung für Ergiebigkeit.

Auch in Korbflaschen jeder Große läßt sich der Saft pasteurisieren unb aufbewahren. Neuerdings kommen Korbflaschen zu 25 und 30 Liter mit seitlichem Anstich in ben Verkehr. Die Korbflasche wirb bis vier Fünftel mit dem kalten Saft gefüllt unb im Wasserbabe eines Waschkessels auf 75 Grad erhitzt (Saft gemessen). Das Schließen mit ben gedämpften Korken erfolgt, wenn bie Flasche noch im Waschkessel steht. Alsdann wirb die Flasche herausgenommen, in einen Korb ober eine Kiste gestellt unb überdeckt. Sobald bie obere Fläche bes Kor­kes trocken ist, wirb flüssiges Paraffin aufgegossen.

Zum Mahlen unb Keltern bient eine glückliche Ver- binbung von Mühle unb Kelter, ber sog. Mostmax, ber für den Haushalt 120 Mark kostet.

Zur Herstellung des Saftes in Holzfässern hat Obst­baulehrer Baumann die Flächenerhitzer erfunden. Die Stundenleistung beträgt bis 150 Liter bei ungefähr 100

Das Bild der Mutter.

Skizze von Franz Cingia.

Bei diesem unfreundlichen Wetter haben es bie Marktbesucher eilig. Sie entscheiben sich schnell, tadeln und feilschen nicht so sehr unb streben wieder heimwärts.

Anne Prokus, die Schwester und Haushälterin des Juweliers Prokus, hat soeben der gesprächigen Gemüse­händlerin, bei der sie seit Jahren einkauft, das Geld gegeben unb will zum Abschied noch eine Bemerkung über das Wetter machen. Aber die Worte bleiben ihr im Halse stecken. Ihr Gesicht ist plötzlich von einem Erstaunen befallen und die Blicke starren unausgesetzt in eine Richtung. Und eine Kälte durchfröstelt sie. Bis die robuste Stimme der Gemüfehändlerin laut wird.

„Ja, was ist denn, Fräulein Prokus, was sehen Sie denn?"

Da zuckt Anne Prokus zusammen, fährt schnell mit ber Hand über die Augen und sagt:

„Ach Frau Ammer, wie kann das sein, . . » es ist doch nicht wahr . .

Sann schweigt sie unvermittelt, winkt der Händ­lerin zu und eilt mit schnellen Schritten davon, während ihr die Frau kopfschüttelnd nachblickt.

Juwelier Prokus, der sich in seinem Arbeitszimmer befindet, das durch eine Glastüre vom Laden getrennt ist, blickt erstaunt und unwillig von einer komplizierten Arbeit auf. Er liebt es nicht, zu ungewohnter Stunde von feiner Schwester gestört zu werden. Diese setzt sich ohne Gruß und fast atemlos auf den nächsten Stuhl, blickt ihren Bruder eine Weile an unb spricht bann mit sichtbarer Anstrengung:

„Ich habe ihn gesehen . . . ."

Der Juwelier rückt an seiner Brille unb richtet sich aus seiner gebückten Haltung auf. ’

„Ja, aber Anne, was ist denn?" «i,

„Ich sah ihn, unseren Bruder Karl. Er war es ganz bestimmt. Auf dem Marktplatz'stand er und sprach mit einem Weib, vor kaum einer Viertelstunde."

Ein ungläubiges Lächeln huschte über des Juweliers Gesicht. Er schüttelte den Kopf.

„Unmöglich, Anne, . . . unmöglich. Das tft sicher eine Verwechslung. Bedenke doch, er hat ja feine Hei­mat verflucht unb mit Schmutz beworfen, er wird es nicht wagen . ."

„Doch, . . doch, Anton, er war es bestimmt. Ich konnte es zuerst auch nicht glauben, wie aber der erste Schreck vorbei war, sah ich deutlich genug."

„Na, das wäre . . . warten wir es ab. Wenn er wirklich hier ist, wird er sicher bei uns vorsprechen. Aber ich glaube noch nicht daran."

„Was würdest du tun, Anton, wenn er zu uns tarne?"

Die Stimme ber Schwester zittert seltsam bei dieser Frage. Des Juweliers Blicke werden hart.

„Was ich tun werde? Bessern kann ich ihn nicht, sein Luderleben wird er nicht mehr lassen, also fort mit ihm . . . fort . .

„Ach ... ja ... er fft das ewige Kreuz . . ."

„Und die Schande dazu. Aber geh' jetzt, geh', ich kann jetzt keine Störung brauchen."

Einige Stunden später, als schon ber Abendschatten die Winkel des Hauses erfüllen, steht der Juwelier in feinem Wohnzimmer bem Bruder gegenüber. Dieser ist um einen halben Kopf größer, hat dunkle, katzenarcige Augen, die alle Gegenstände einer blitzartigen Kontrolle unterziehen. In das bartlose Gesicht hat ein wildes Geben seine Zeichen eingegraben.

„Du kannst sofort wieder gehen," hebt der Juwelier an, „warum kommst du überhaupt? Willst du wieder Geld? Es ist aus damit."

Ein scharfes, trotziges Lächeln zieht über des anderen Gesicht.

„Behalte deine Knöpfe. Ich wollte nur mal sehen, ob du dich ordentlich hochgearbeitet hast, so wie unser­einer auf der freien Bahn des Gebens. Was blickst du denn gleich so komisch?"

Ein heiseres Gelächter bröckelte los, während sich das Gesicht des Juweliers im Zorn rötet.

„Du . . . ich hätte bald etwas gesagt. Aber du bist ja keine Aufregung wert. Also, ich habe nichts mehr für dich. Fort jetzt . . ."

Leise pfeifend und spöttisch blickend wendet sich der Bruder ab.

,Zch brauche dich gar nicht, llebrigens, wo steckt denn unsere Anne?"

„Sie hat ein zu weiches Herz für dich, .... sie ist nicht da"

„Auch gut."

Ohne Gruß verläßt ber Bruder das Haus.

Zwei Tage nach biefeer Begegnung muß ber Ju­welier in die Nachbarstadt reifen und wird wider Er­warten fo aufgehalten, daß er die Nacht dort zubringen muß. Und in dieser Nacht vollführt der Bruder seinen längst gehegten Plan. Da cs ihm nicht an Ortskenntnis fehlt und mittels einer jahrelangen Hebung ist es ihm ein leichtes, durch den Garten in das Haus zu gelangen und bald obliegt er dem eifrigen Geschäft, das Wert­vollste in einer Ledertasche unterzubringen. Dann be­gibt er sich in ben Arbeitsraum des Juweliers. Blitz­artig zuckt aus einer Taschenlampe ber Lichtstreifen über ben Tisch. Zuckt wieder und wieder. Dann ein unter­drücktes Auflachen, das aber plötzlich zerrinnt. Und es geschieht das Seltsame. Der schmale Lichtstreifen glänzt ruhig und wie ein goldenes Band über den Tisch. Karl Prokus stützt die Arme auf die Ellbogen auf unb halt

Liter Waschkesselinhalt. Der Apparat ist aus SW verzinnt, er kostet 85 Mark. Der Apparat wird« Wasser bes Waschkessels hineingehängt. Das QmJ burch Deckel unb Tücher gegen Dampfverlust 2! abgebidjtet. Der Saft wirb aus einem aufget*^ ober hochgehängten Holzkübel in bie Zulaufröhr,« verteilt sich bann von unten in bie beiden HM Jrn Aufsteigen wirb ber Saft durch bas heiße hitzt auf 75 Grab unb läuft fo in bas Faß. Dies» nenborn-Apparat H. M. 10 eignet sich zum Flaschen, Korbflaschen und Fässern bis 300 Liter Z Bei allen Verfahren ist ber Grundsatz: SchnM Hitzen möglichst bei Bewegung und Luftabschluß; Klären der Säfte dienen kleinere und größere Fih» seinen Obstreichtum auf diese Weise verwenden «z bie Familie ober einen Verein, ober einen fleht* trieb einrichten möchte, wenbe sich an bie Lehr- uM suchsanstalt Obererlenbach bei Homburg wegen S Geräten, Schriften, Beratung aller Art.

M. Kette,

Die Frau in der Rüche.

Restesuppe. (Für 4 Personen.) Zutaten: z sg^J Fleischbrühwürfel, Gemüsereste, z. B. Wirsing, Möhren, Spinat, 6 geschälte Kartoffeln oder Sg3 refte. Zubereitung: Maggi's FleischbrAM löst man in kochendem Wasser auf und kocht barin ü Kartoffeln gar, falls nicht restliche verwandt werben, J gibt sie bann mit den Gemüseresten durch die U,ja maschine. Den Gemüsebrei läßt man in der Fleischs gut durchkochen und schmeckt vor dem Austischen noch« darf mit Salz ab.

häckerle ober falscher Kaviar. (Für 4 Personal Minuten.) Zutaten: 2 Fettheringe, 2 hartgekochte Iß 1 mittelgroße Zwiebel, 1 Eßlöffel Zitronensaft, ; H löffel Speiseöl, Pfeffer, 10 Tropfen Maggi's Würze. b ereitung: Die gut gewässerten, enthäuteten unbd gräteten Heringe werden mit ben hartgekochten E« unb ber Zwiebel ganz fein gehackt, mit bem Sitronn saft, bem Speiseöl, 1 Messerspitze Pfeffer und 10 Tropf, Maggi's Würze gut verrührt unb zu Fein- oder 18 brotscheiben serviert.

Geschmortes Rinberherz. (Für 4 Personen, Kochzei etwa 3 Stunden. Zutaten: 1—1% Pfund Rinderherz, Eßlöffel Butter, 2 Eßlöffel Mehl, 1 Eßlöffel Solz,: Zwiebel, %. Liter Wasser, Gewürze, Essig, 1 saure Surti 10 Tropfen Maggi's Würze. Zubereitung: De ausgenommene Rinderherz wirb einige Stunden in Essig wasser gelegt, bann wirb es gewaschen unb geklopft, wi Sehnen unb Häuten befreit unb in Würfel geschnitt» Man bestäubt es mit Mehl, bratet es in ber heißen M ter an, füllt Wasser auf und gibt Salz, Gewürz int Zwiebel zu. Zuletzt fügt man bie Gurkenscheiben bei uni schmeckt bas Gericht mit Essig unb Maggi's Würze ch 0.L

Die praktische Hausfrau.

Kaffeeflecken in bet Tischdecke finb immer eine imt» genehme unb häßliche Sache. Man entfernt sie mitem« Mischung von gleichen Teilen Glyzerin unb wama Wasser. Je früher bie Behanblung bes Fleckes einsqt umso besser geht er heraus.

Feuchter Kaffeesatz ist ein vorzügliches Mittel W Reinigen von Fußböben, bie man bann entweder Um einwachst ober mit einem wollenen Lappen unb einig« Tropfen Petroleum nachreibt.

Schweißftecke in der Kleidung lassen sich mit ei« Mischung von Spiritus und Aether entfernen, doch f« man bei empfindlichen Seidenstoffen erst mit eirej Läppchen probieren, ob bie Farbe diese Behandlung?« aushält. Vorsicht ist am Platze, da bas Reinigungsmim stark feuergefährlich ist.

Flaschenreinigung mit Schrot ist nicht unbedingt«« wendig. Man erreicht denselben Zweck auch mit geW nen Eierschalen und warmem Wasser.

Holzasche als Reinigungsmittel läßt sich im haE vorzüglich verwenden. Man putzt Gläser und SM blitzblank, reinigt Flaschen damit, reibt Herdplatten W® unb schrubbt ben Küchenboden mit ber Masse.

Ein Hausmittel zur Erzielung eines reinen W? Gurkensaft ist ein altbekanntes Hausmittel Ml zielung eines reinen Teints unb einer weichen, fw® losen Gesichtshaut. Er wirb am besten abends aufg? gen. Man kann ben Gurkensaft auch mit etwas saft unb Glyzerin mischen.

Salz in den Salzstreuern wirb nicht feucht, wenn einige Reiskörner mit einfüllt.

Grasflecke entfernt man aus Kleidern aller Ast Spiritus. Auch bas Waschen mit Gallseife tut r* Dienste.

in den Händen ein kleines verblaßtes Bild, daSttM nem ovalen Rahmen steckt. Das Bild ber längst ftorbenen Mutter. Wundersames Leben Lichtstreifen dem vergilbten Bilde ein. Und b® ficht ber Mutter scheint zu lächeln, unnennbar ßu°Sj(g mild. Aus den Augen schimmert eine golbklare. Die Runzeln ber Haut, die von ben Jahren unb « des Lebens stammen, glätten sich und eine Herde tr" um den Mund zerfließt.

Aber es ist noch etwas da. Eine liebe SHmm^ । aus weiter Ferne zu kommen scheint und doch s ‘ der Nähe ist. Und bie Mutter spricht. Leise ur» ernst unb mahnend und voll Güte das Herz eine» renen Sohnes umfassend. Die Worte riefen Tropfen einer Quelle in bie Gedanken bes Klare Tropfen aus ber Ewigkeit. Wie ein ® g läute sind sie, dessen Schwingungen bis zur •*'“ langen und die Seele suchen.

Und die Mutter spricht und lächelt und eine siche Wärme und Güte tft da.

Karl Prokus hat keine edanken mehr. pt ter hat ihm alle genomtm Er starrt nur das Bild unb Tränen der ti. len Reue tröpsem Rahmen und perlen über bas Bild der Mmt Nachdem aber in fein Inneres eine klare gekommen ist, entnimmt er der Tasche das g> Gut wieder unb legt alles auf den Tisch. Unb Zettel schreibt er:

„Lieber Bruder, überlasse mir das ich kann ohne dies Bild nicht gehen. Es soll einen neuen, besseren Weg begleiten."

Behutsam und sorglich umhüllt er das Mutter und nimmt es zu sich. Bleibt noch still und gebantentief stehen, löscht ben Lampe aus unb entfernt sich lautlos, dem Tag neuen Leben entgegen.