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Donnerstag, 31. Juli 1930

57. Zahrg

wird

find.

ein neuer

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Weil im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

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, unb Gemeinden stehen im Hintergrund dieses keines- «egs erfreulichen Bildes."

E Nachdem Severing auf die unbedingte Notwen­digkeit hinweist, „Ordnung in unsere öffentlichen heushalte zu bringen", schreibt er weiter:

Der Werk der Notverordnung.

Die Notverordnungen des Reichspräsidenten, die zunächst und in der Hauptsache keinen anderen Sinn haben, als die notwendigsten Wege für die Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Staatsgan­zen zu erschließen, haben in Verbindung mit der Auflösung des Reichstages auch erreicht, daß die Parteien sich zur Zeit nicht allzu viel um den Inhalt der Verordnungen bekümmern. Selbst das „Berliner Tageblatt", das seit Monaten eigentlich keine anders Zielsetzung erkennen ließ, als die Regierung Brüning als die schlechteste aller denkbaren Regierungen darzustellen, weiß gegen die Verordnungen nichts Ernstliches vorzubringen, es sei denn, daß man die hundertfach wiederholte Behauptung, das „Berliner Tageblatt" würde alles viel besser gemacht ha­ben, ernst nimmt. Selbstverständlich kann man sich darüber unterhalten, ob jede einzelne der von der Regierung veranlaßten Maßnahmen die für ihre Zweckbestimmung nützlichste und Erfolg ver- sprechendste ist. Aber man möge nicht immer mit den Schlagworten kommen, die nichts anderes be­sagen, als daß der Leistungsfähigste auch die größte steuerliche Leistung zu vollbringen habe. Das ist eine Milchmädchen-Logik, dis auf den ersten Blick und im Grundsätzlichen richtig ist, vor der harten Nüchternheit der wirtschaftlichen Verstrickung und Tatsachen aber leicht ihre Stichhaltigkeit einbüßt. Natürlich kann die Reichsregierung auch nicht da­für verantwortlich gemacht werden, wenn vielleicht die Verordnungen zu Auswirkungen kommen, die nicht gemeint sind, wenn beispielsweise manche Gemeinden, sich mit einer gewissen Begeiste­rung auf die neuen Möglichkeiten der Biersteuer stürzen, auch wenn sie sxh vielleicht vermeiden ließe. Aber es bedeutet einen großen Fortschritt vorwärts, daß die Regierung sich überhaupt ener­gisch um das Schicksal der Gemeinden kümmert, und es wäre zu begrüßen, wenn mit dieser Not­verordnung das Interesse des Reiches a n d e r F i- nanzgebarung der Kommunen noch nicht erschöpft wäre. Nicht nur weil in sol­chen Gemeinden, in denen infolge Fehlens eines starken Zentrums sich die Sozial­demokraten und ihrer Art verwandten Grup­pen in einer starken Machtstellung befin­den, sich eine gewisse Neigung, uferlos Geld auszugeben, in den letzten Jahren nicht hat verkennen lassen, sondern auch darum, weil, wie Finanzminister Dietrich dieser Tage mit Recht hervorhob, die Unruhegefahr, von der soviel ge­munkelt wird, am ehesten die Gemeinden er-

Ahnungsvoll schrieb Severing dann von den Stimmen in den eigenen Reihen, die in der M i t - "beit der Sozialdemokratie am Wiederaufbau !>eutschlands eine arge Belastung der Partei er« toten und die, so fährt er fort, „nicht leiser wer­den, wenn es gilt, einige Hundert Millionen Mark Mer Steuern aufzubringen".

Severing war sich offenbar klar darüber, daß diese neuen Steuern auch die breiten Massen tosten würden, denn die Partei hätte sie nicht pt fürchten brauchen, wenn die Steuern nur von >en Kapitalisten aufgebracht werden sollten. Nach­dem Severing dann noch eingestand: „Neue Steu- ni müßten wir sogar aufbringen, wxnn heute in Deutschland eine rein sozialistische Regierung das Mder führte", schrieb er:

-Hetzt haben alle Parteien, denen es Ernst ist um «n Aufstieg unseres Volkes, die Pflicht, zu beweisen, he in Notzeiten nicht nur Programme entwerfen uumen, sondern auch zu handeln verstehen."

Es erscheint uns recht nützlich, heute diese ein« Wwllen Worte des Reichsinnenministers Se- wieder allgemein in Erinnerung zu brin- und es ist nicht ohne Reiz festzustellen, wie *wn hier von den „unpopulären Maßnahmen", ” «einigen Hundert Millionen neuer Steuern".

'Neuen Beschränkungen an kulturellen und so- P*“ Aufgaben" im .Vorwärts" berichtet wird, U pch heute mit seiner Gefolgschaft vor Radikalis- j5 nicW zu lassen weiß. Die „gewissenlose

8 ogi e", von der Severing schrieb, wirkt heute im Lager der Sozialdemo« Lt,e hemmungslos aus. Die von Se-

8 erwähnten Stimmen in den Reihen der MUdemokratie, dis in der M i t a r b e i t am » eraufbau Deutschlands eine zu starke Be-

"er Partei erblickten, haben den Ausschlag . oie Haltung der Sozialdemokratie gegeben. jWj’jg meinte zwar, wir müssen über den Berg, Hessen stelster Strecke wir jetzt vielleicht i»w iter rote Agitator aber blieb vor dem 13 ' .pen. Und dieser lärmt jetzt im großen j*oi iv ierte' die den Mut hatten, ohne Rück- ie fteim'e "ble Agitationsmache der Sozialisten, t :L e?c Strecke des Berges zu überwinden, weil W Im * f'C des gesamten Volkes und nicht zu-

Interesse des arbeitenden Volkes über« ®erben muß. Und je länger sich die lieber» verzögert, um so schwieriger wird sie und tz ft 'Nger dauert der Weg, der zwar nicht für ■3E«e unt> Parteien in „festen Stellungen", DU? die großen Massen der Arbeitnehmer ein bir'tpf?9 'st.. Auch durch die größten Wahl- »tzi^ Eien wird die Sozialdemokratie die nach-

Wähler nicht darüber Hinwegtäuschen Wem «v f’-e 65 ist» die aus feiger Furcht und A^ßeht^rteiegoismus der Wiedergesundung im

irr. 175 ---

hofft und wartet, hofft und wartet noch immer. Den Reden folgen keine Taten. Die Arbeitslosenzisfern nehmen bereits wieder zu. Kein Wunder, wenn die Oeffentlichkeit allmählich ungeduldig wird und fragt: Was ist denn mit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm? Was ist denn los? Handelt es sich bei diesem Pro­gramm nur um einen Wahlköder? Hoffen und Har­ren macht manchen zum Narren."

Diese Auslassung ist typisch für die unehrliche Wahlmache der Sozialisten. Ja, die Reichsregie- rung hatte ein Arbeitsbeschaffungsprogramm, sie hatte mit Reichsbahn und Reichspost ernsthafte Verhandlungen. Es sollte ein Darlehen in Höhe von einer Milliarde dafür aufgebracht werden. Wer ist aber schuld daran, wenn jetzt alles stocken sollte. Man kann doch einer Regie­rung nicht die Grundlage ihres Wirkens nehmen und zugleich von ihr große Reformarbeit verlan­

gen. „Seit Monaten" wird über das Arbelts- befchasfungsprogramm geredet und den Reden folg­ten keine Taten. Und so etwas sagt die SPD ', die in Jahren vor lauter Reden nicht zum Han­deln kam, die ständig zwischen Lebensnotwendig­keiten des Volkes und taktischen Parteimanövern hin- und herschwankte, bis wir vor der Kata­strophe standen, die zu verantworten sie bann nicht den Mut fand. „Hoffen und Harren macht man­chen zum Narren". Wir greifen dieses Wort des Sozialdemokratischen Pressedienstes auf und be­merken dazu, daß die Sozialdemokratie ihre An­hänger zum Hoffen und Harren erzogen hat, daß sie diese aber auch stets zum Narren hält.

Fragt sich nur, wie lange die großen Massen des arbeitenden Volkes sich dieses Narrenspiel ge­fallen lassen wollen.

„Im ersten Monat des neuen Jahres noch----

'bte Oeffentlichkeit die Summen erfahren, die zur Balanzierung des Reichshaushalts erforderlich find. Neue Steuern und vielleicht auch neue Beschränkungen an kulturellen und sozialen Aufgaben in Reich, Staat

Wer das oben angeführte Zitat liest, weiß auch |ja6 es aus einer Zeit stammt, in der die Sbemofratie am Regierungsruder saß. Scham- gesteht man, daß die politische und soziale 0i-beute des Jahres 1928 „recht mager" war. Mißerfolge werden aber grundsätzlich schäm­et verschwiegen. Selbst der große Eisenkampf, £1 das totale Versagen von Wissest und Genossen »tote unb ber von Severing zu einem keineswegs ühmensmerten Abschluß gebracht mürbe, finbet «ne Erwähnung in bem Jahresrückblick. Doch unfere Stellungen finb fester geworben", meinte ^'ring. Er mag recht haben. Es finb nicht nur int ganze Anzahl Stellungen für prominente So- ialbemo£raten fester geworben; Severing hat auch ch«n Genossen neue Stellungen besorgt, unb Denn er auch bafür anbere Berufsbeamte auf Bartegelb setzen mußte. Dieses kostete zwar Gelb, ,ber die Partei brauchte es ja nicht zu zahlen, aber ie hatte den Nutzen: die festere Stellung vieler Beamten mit bem Parteibuch.

Die Stellungen ber Arbeitnehmer aber sind Mrend der R^gierungszeit der Sozialdemokratie M fester, sondern ständig schlechter geworden, e Arbeitslosigkeit wurde riesengroß. Severing j die großen Schwierigkeiten, beugte vor und ophezeite für das Regierungsjahr 1929:

das Schlagwort der Einheitssteuer seiner propagandistischen Wirkung bald entkleidet werden.

Das wahre Ziel der Nationalsozialisten wird aus einer anderen Stelle des Agrarprogramms deutlich: nach ihrer Ansicht gibt es für die Land­wirtschaft eine Besserung im bestehen­den deutschen Staate überhaupt nicht mehr, sondern nur noch im sogenannten Dritten Reiche der Nationalsozialisten. Vorher muß alles Bestehende zerschlagen werden, auch d i e Landwirtschaft muß zunächst vor die Hunde gehen. Dieser Gedanke findet sich auch wieder in Heft 17/1930 der „Nationalsozialistische Briefe" (herausgegeben von dem Reichstags­abgeordneten Straffer), wo es heißt:

„Der Nationalsozialismus muß, wenn er die bürger­liche Ordnung durchstoßen und nicht nur eine Revolte er­regen, sondern einen neuen Staat schaffen will, auch den Mut haben: die Ideen und Werte, die diese alte bürger- licke Welt des 19. Jahrhunderts stüb-n. zu vernichten, auf­zulösen und an ihre Stelle neue Werte zu setzen."

Zu diesen Werten der bürgerlichen Welt des 19. Jahrhunderts, die vernichtet werden sollen, ge­hört auch das Privateigentum. In dem zukünftigen Dritten Reiche soll nach dem Agrar- programm ber N.S.D.A.P. „beutsches" Boden- recht gelten unb „deutsche" Bodenpolitik getrieben werden. Was an Forderung zu diesem Bodenrecht im Agrarprogramm von den Nationalsozialisten ausgestellt wird, ist demjenigen nicht unbekannt, der die Bestrebungen extremer Bodenreformer auf­merksam verfolgt hat. Es ist eine Wirklich­keitsfremdheit, anzunehmen, daß durch ein formales Verbot Ausländer von der Bodenspekulation und vom Bo­denerwerb in Deutschland ausgeschal- iet werden könnten. Wer kontrolliert die Möglichkeit, einen Strohmann vorzuschieben? Ne­ben den natürlichen gibt es bekanntlich auch ju­ristische Personen, die gerade auf dem Gebiet der Bodenspekulation sich eifrig betätigt haben. Wer will kontrollieren, ob solche Gesellschaften sich nur aus deutschen Volksgenossen zusammensetzen? Die Folgerung aus der Anwendung dieses Grundsatzes würde sein, baß anbere Staaten bie deut­schen Bodeneigentümer ihres Boden­besitzes enteignen würden.

Das (bedingte) Eigentumsrecht wird in dem Agrarprogramm der N.S.D.A.P. an die Ver­pflichtung geknüpft, den Boden auch zum Wohldes Gesamtvolkes zu nützen; die Ueberwachung dieser Nerpslicht'.mg soll durch berufs ständische Gerichte erfolgen, die sich aus Vertretern aller Berufsgruppen der landwitfchaftlich tätigen Bevöl­kerung unb einem staatlichen Vertreter zufammen- fetzen sollen; eine Schulbenbelastung bes Betriebes beim Erbübergange soll gesetzlich vermieden werden. Wie sollen sich die Berufs­gerichte zusammensetzen? Wie würden sie wirken bei einer Linksmehrheit in den Parlamenten? Wä­ren solche Berufsgerichte im Stande, die Verhält­nisse jedes einzelnen Betriebes so zu beurteilen, daß sie feststellen könnten, ob zum Wohle des Gesamt­volks gewirtschaftet wird oder nicht? Wie soll beim Verbot einer Schuldenaufnahme die Ausein­andersetzung beim Erbübergange erfolgen? Wo bleiben die Rechte der nachgeborenen Bauernkin- der? Was soll der Bauer mit den nachgeborenen Kindern anfangen? Geburteneinschränkung?

Der Staat soll nach diesem Agrarprogramm bei jedem Verkauf von Grund und Boden ein Vorkaufsrecht erhalten; Verpfändung von Grund und Boden an private Geld­geber soll verboten sein. Dieses Vorkaufsrecht des Staates würde praktisch die Aufhebung des pri­vaten Grundstücksmarktes bedeuten; ähnliche For­derungen haben Bodenreformer extremer Richtung längst auf gestellt. Das Verbot der Verpfändung des Bodens an private Geldgeber würde die pri­vaten Geldinstitute ausfchalten und die Hypothe­kengläubiger abfchrecken; der Kapitalmarkt für die Landwirtschaft würde ver­knappt, die Zinssätze in die Höhe ge- trieben werden.

Land soll künftig nur derjenige erwerben kön­nen, der es selbst bewirtschaften will. Was soll mit bem Bodeneigentum der Witwe oder der minderjährigen Kinder geschehen, die ihren Hof verpachten mußten? Sollen künftig die Päch­ter und Verwalter auf bie Straße gesetzt werden? Was soll mit den verpachteten Gütern des Staates (Domänen und Forsten) und der Städte geschehen? Dieser Punkt des Agrarprogramms richtet sich zweifellos auch gegen den Großgrund­besitzer, der seine'Besitzung nicht selbst bewirt­schaftet oder — bei weiterer Auslegung — körper­lich selbst nicht mitarbeitet. An anderer Stelle des Agrarprogramms wird aber, wahrscheinlich aus taktischen Erwägungen, wieder eine Verbeugung

MaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

„Das mag zu unpopulären Maßnahmen führen, der mag einer gewissenlosen Demagogie ------

Willkommener Anlaß sein, über die vergangene gute, aße Zeit zu klagen und über die unfrohe Gegenwart zu lamentieren — es nützt nichts, wir müssen über den Berg, an dessen steilster Strecke wir jetzt vielleicht stehen."

Narrenspiel.

Der Rückblick auf das verflossene Jahr gibt „ '',u Iubelhymnen keinen Anlaß. Wir können näht mit einem langen Register von Erfolgen auf- Ninrten die beweisen sollten, wie herrlich weit wir ° gebracht haben, - - - Es wäre Selbst- täuickiunq. wenn nur uns nicht emgestehen woll- J“ daß die politische und soziale Ausbeute des Labres 1928 recht mager geblieben ist, aber es wäre Selbstbetrug, wenn wir leugnen wollten, daß unsere Stellungen fester geworden sind." (Carl Severing im „Vorwärts" v. 1. Jan. 29.)

vor dem größeren Besitz gemacht, indem erklärt wird, daß auch er „feine besonderen notwendigen Auf­gaben erfülle".

Für bestimmte Ztvecke wird nach dem Agrar­programm der N.S.D.A.P. bem Staate das Recht der Enteignung gegen angemessene Entschädigung eingeräumt. Im Wider­spruch mit dieser Stelle des Agrarprogramms steht Art. 1 des allgemeinen nationalsozialistischen Par­teiprogramms, das in erster Linie auf die pro­pagandistische Beeinflussung st ä d t i f ch e r Pevöl- kerungskreise eingestellt zu sein scheint. Artikel 17 sagt: '

„Wir fordern eine unseren nationalen Bedürfnissen angepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung vom Boden für gemeinnützige Zwecke, Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation."

Diese Doppelzüngigkeit der National­sozialisten wird sich durch keine noch so ge­schickten Auslegungskünste in Abrede stellen lassen können. Der Rest des nationalsozialistischen Agrar- pwgramms behandelt in dilettantisch oberfläch­licher Weise schlagwortartig Fragen, zu denen die alten Berufsorganisationen des Bauernstandes nicht nur Forderungen erhoben haben, sondern in jahr­zehntelanger, positiver, sachlicher Arbeit Erfolge für die Landwirtschaft erzielt haben. Gegenüber all diesen Schlagworten können sich die Nationalsozialisten nicht von der Schuld rein waschen, daß sie selb st es gewesen sind, die in unverantwort­licher Weise eine Mißachtung des Bau­ernstandes und eine Vernachlässigung ber Landwirtschaft betrieben haben: sie haben durch ihre Opposition zusammen mit den Kommunisten, Sozialdemokraten und Teilen der alten Deutschnationalen Volkspartei am 18. Juli 1930 den Reichstag zur Auflösung gebracht und damit die Weiterführung des Agrar­programms wegen der Ungeklärtheit der Fi­nanzlage in Frage gestellt, sie haben die OsthUfe in die Gefahr der Versackung gebracht, sie hcben dazu beigetragen, daß eine durchgreifende Re­form der Finanzgesetzgebung und oer Sozialgesetzgebung unterblieben ist, sie haben die unmittelbar vor dem Abschluß stehende Gesetzesvorlage über das Westprogramm, den Verwendungszwang für Inlands garste und Jnlandshopsen zur Herstellumi von Malz und Bier, sowie das Standarvisiei- rungsgesetz für landwirtschaftliche P odukte nicht mehr zur Verabschiedung kommen lassen.

Verständlicherweise richten sich die Nationakj- sozialisten gegen die berufsständischen Wirtschaftsorganisationen der Land­wirtschaft, indem sie erklären, daß diese „den» Bauernstand nicht durchgreifend Helsen können, sondern nur bie politische deutsche Freiheitsbe­wegung der N.S.D.A.P." Diese Formulierung müßte richtig lauten: dasinverschiedenen Etappen von der Regierung Brüning und den landwirtschaftlichen Orga­nisationen angebahnte Sanierungs­werk für die deutsche Landwirtschaft konnte seine Krönung nicht finden, weil am 18. Juli 1930 die Nationalso­zia l i st e n mit Kommunisten, Sozial­demokraten und Hugenbergleuten ge­gen die Land Wirtschafts Hilfe stimmten.

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpar­tei (NSDAP.) entfaltet neuerdings eine intensive Propaganda in ber Landwirtschaft. Am 6. März 1930 würbe im „Völkischen Beobachter" eine „par­teiamtliche Kunbgebung über bieStellung NSDAP, zum Landvolk unb zur Landwirtschaft" veröffent­licht, bie bas Agrarprogramm ber Partei barftellt.

Die ungenügenbe Rentabilität ber landwirt­schaftlichen Arbeit ist nach diesem Agrarprogramm in erster Linie verursacht durch den „Wettbewerb der unter günstigeren Bedingungen erzeugenden Landwirtschaft, der durch eine lanbwirtschastsseinb- liche Zollpolitik nicht genügend eingedämmt wird". Dies ist keine neue Erkenntnis mehr, son­dern der Ausgangspunkt für alle Aktionen der letz­ten Regierung gewesen. Die Praxis der Na­tionalsozialisten im Reichstage war dabei aber anders als bte Theorie ihres Agrarprogramms:

Die Nationalsozialisten stimmten gegen den Entwurf eines Maigesetzes.

Die Nationalsozialisten stimmten gegen bie Ermächtigung ber Reichsregierung, ben Weizen­zoll auf 12 Mark unb bei außerordentlichem Preisrückgang darüber hinaus zu erhöhen, ferner den Haferzoli auf 12 Mark heraufzufetzen.

Die Nationalsozialisten stimmten gegen die Ermächtigung ber Reichsregierung, den Futter- g e r st e n z o l l auf 12 Mark zu erhöhen.

Die Nationalsozialisten stimmten gegen das Gesetz, wonach der Malzzoll, der Zoll für Frühkartoffeln, der Mehlzoll unb ber Kleiezoll erhöht wurden.

Die Nationalsozialisten stimmten gegen die Erhöhung des Z u ck e r z o l l s von 25 auf 32 Ml.

Die Nationalsozialisten stimmten in ber Schluß­abstimmung gegen das Gesetz zum Schutze der Landwirtschaft.

Diese Haltung unb bie besonbere „Eignung" der Nationalsozialisten zur Beurteilung der Le­bensfragen der Landwirtschaft ergibt sich aus der Berufszugehörigkeit ihrer „Führer" im Reichstage Die „Bauernretter" der Na­tionalsozialisten im Reichstage waren folgende:

M a j o r a. D. Walter Buch-München, Generalleutnant a. D. Franz von Epp- München,

Hauptmann a. D. Herrn Göring-Bayerisch Zell,

K a p i t ä n I e u t n a n t a. D. Graf zu Revent-^ low-Potsdam,

Oberamtmann Dr. Wilhelm Frick-Mün­chen,

Lehrer Joseph Wagner-Bochum,

Schrift st eller Dr. Goebbels - Berlin-Frie­denau,

Ingenieur Gottfried Feder-Murnau, Handlungsgehilfe Franz Stöhr-Berlin- Steglitz,

Apotheker Georg Straffer-München, Landwirt (früher aktiver Offizier)Wer­ner Willikens, Groß-Flöthe,

Mechaniker Wilhelm Dreher (früher aktiver Unteroffizier), Ulm.

Eine weitere Ursache ber heutigen Lage der Landwirtschaft sehen die Nationalsozialisten in den unzulässig hohen Gewinnen, die der zwischen Er­zeuger und Verbraucher sich einschaltende Großhan­del mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen sich aneig­net. lieber die Notwendigkeit eines Abbaues der Zwischenhandelsspanne waren sich längst alle maß­gebenden Kreise einig. Die Praxis berNa- tionalsozialisten gestaltete sich auch hier anders als ihre Theorie: in der 160. Sitzung des Reichstages vom 12. April 1930 stimmten sie gegen die Einführung der er­höhten Umsatzsteuer für die großen Um­sätze über eine Million Reichsmark (sog. Waren­haussteuer).

Gerade wie die Sozialdemokraten und bie ex­tremen Bobenreformer forbern bie Nationalsozia­listen eine Einheitssteuer für bie Lanbwirt- fchaft. Von ber Steuerwissenschaft und führenden Männern der Landwirtschaft wirb biefe Einheits­steuer abgelehnt, weil sie die Nachteile ber drücken­den Realsteuern in sich vereinigt, eine Sondersteuer der Landwirtschaft und ein gefährliches politisches Kampfmittel werden muß, einen Vergleich mit der Belastung anderer Berufe unmöglich macht, Ver­anlagungsfehler, die sich heute bei einer Mehrheit von Steuern weniger bemerkbar machen, überstei­gert und ihre Einführung nicht die Gewähr einer Verminderung, wohl aber die Gefahr einer erleich­terten Erhöhung der Steuerlast mit sich bringt. Wenn die Nationalsozialisten und andere Verfechter der Einheitssteuer offen zugeben wollten, daß Steuer­vereinfachung nicht gleichbedeutend ist mit Steuererleichterung, würde

Aallonatsozialismus und Landwirtschaft

Von Dr. Dr. Ferdinand Jacobs, Berlin.

M^estsbzfchgffungsfchrvindel", so überschreibt teil' mokratische Pressedienst" einen lün-

M gegen die Regierung Brüning, ben

’ »genben Worten einleitet:

.^besser als Unterstützung. So sagt bas

-Brüning. Unb was tut es, um Ar- JKjÖfchen? Es rebet seit Monaten über ein Der Wert bieses Pro- runb eine Milliarde ausmachen. Stau« P* «äs arbeitslose Volk bie frohe Mär. Es