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Ulit Zungbauern auf Siedlungssahrl

nach Pommern und Mecklenburg.

Von T.

Aloys Seyock, der Führer der Junoland- bewegung im katholischen Jungmännerverband, un­ternahm in der Pfingstwoche mit 100 westdeut­schen Bauernsöhnen eine Fahrt in die Siedlungs­gebiete östlich der Elbe. Auch aus dem Fuldaer Land machten drei 'Teilnehmer die achttägige Reise mit. Einer schildert hier seine Eindrücke:"

P f i n g st s o n n t a g, den 8. Juni.

Erschreckt fahre ich aus dem Schlafe. Der Wecker macht einen Krach, als wenn er die Mauern des ganzen Hauses zusammenwerfen wollte. Dabei zeigt der Zei­ger noch nicht die vierte Stunde des Morgens an. Wenn nicht so eine schöne und aufschlußreiche Fahrt bevorstände, hätte ich deshalb auch noch etwas überlegt, ob ich schon ausstehen sollte. So habe ich aber das Schwergewicht des Bettes bald überwunden, und das kalte Wasser sorgte dafür, daß alle Müdigkeit bald verflogen war.

Vor fünf Uhr war ich schon auf dem Weg zum Frauenberg, um die erste hl. Messe zu hören. Wie schön ist so ein Gottesdienst am frühen Morgen. Man sieht dann die Welt mit viel helleren Augen an. Und heute morgen ist sie besonders schön. Die Sonne war schon hinter dem Rauschenberg emporgestiegen und rollte als hellroter Feuerball am blassen Horizont. Im Fulda­tal bewegten sich gespenstig graue Rebel.

Ich habe keine Zeit, lange zu verweilen. Rasch bin ich wieder zu Hause. Das Köfferchen wird schnell ge­packt, und nach 6 Uhr trägt mich schon der Personenzug nach Norden davon.

In Hünfeld wollen meine beiden Reisegefährten zu mir stoßen. Wir sind nur zu Dritt aus dem Fuldaer Land. Es fehlt offenbar noch etwas an Un­ternehmungslust. Wir kennen uns nicht. Doch führt uns ein flatterndes Taschentuch schnell zusammen, da sonst kaum Menschen am Bahnsteig sind Meine Ge­fährten sind zwei echte Fuldaer Bauernjungen, Kerle, denen man es ansieht, daß sie es gewohnt sind, die Ar­

beit feste anzupacken. Der eine ist groß und blond, der andere, der jüngere, ist kleiner und dunkel. Wir sind bald in angeregtem Gespräch. Ich merke, daß die beiden schon weit herumgekommen sind und sich die Landwirt­schaft in anderen Gegenden schon angesehen haben.

Schon sind wir in Bebra. Bald braust der Eilzug heran, der uns in gerader Linie nach Hamm bringen soll. Durch das hessische Land mit seinen schmucken, charakteristischen Dörfern jagen wir der Hauptstadt Kur- hessens, Kassel zu. Wir hängen am Fenster, um Wil- helmshöhe und den Herkules zu sehen. Die hessischen Land­grafen haben ihre Residenz schön gemacht; das muß man ihnen lassen. Aber an dem Gelds, mit dem diese Pracht­bauten errichtet wurden, klebte das Blut der hessischen Bauernjungen, die sich auf allen Schlachtfeldern Euro­pas tapfer schlugen und dadurch ihre Landesherren reid) machten. Es ist sinnlos, sich darüber moralisch zu ent­rüsten, daß früher die deutschen Fürsten ihre Soldaten gegen Bezahlung für fremde Fürsten kämpfen ließen. Auch heute sind die Mächtigen oft genau so gewissen- und oaterlandslos wie früher. Rur ist man in der Form den Schwachen gegenüber etwas heuchlerischer geworden. Warum mir immer solche Gedanken durch den Kopf gehen, wenn ich die herrlichen Bauten der früheren Machthaber sehe?

Der Zug eilt nach kurzem Aufenthalt weiter. An einer Kurve umfaßt der Blick noch einmal die Residenz­stadt im breiten Fuldatal, aus dem die bewaldeten Hänge des Habichtswaldes jäh emporragen.

Hinter Warbi'-g wird die Gegend ärmlich. Der Bo­den ist karg und steinig. Die Frucht steht dünn und niedrig. Die Dörfer liegen weit auseinander. Auf schlechten Weiden grast das Vieh. Dann nehmen uns für eine Zeitlang ausgedehnte und prächtige Waldungen auf. Die lichten Buchenwälder erinnern an die Heimat.

Wir sind des Schauens müde geworden. Jeder hat sich in eine Ecke gedrückt und versucht ein Mittagsschläf­chen zu halten. Das Abteil ist trotz des Pfingsttages leer. Niemand stört uns. In dem sonderbar ftaumschweren Zustand vor dem Einschlafen drängt mir der Rhythmus des über die Schienen rasenden Zuges die Melodie irgend­eines Wanderliedes auf. Ich muß sie immer wieder­holen, bis ich eingeschlafen bin . ,,

Als ich aufwache, hält der Zug an irgendeiner klei­nen Station. Wir sind schon im Flachland. Die Land­schaft hat sich ganz verändert. Soweit man sieht, nichts als Wiesen, die durch lebende Hecken und Bäume von­einander abgetrennt sind. Dazwischen liegen die Häu­ser zerstreut; das typische Westfalenlandl Doch scheint der Boden nicht sehr fruchtbar zu sein. Bei uns sehen die Wiesen meist fetter aus.

Gegen ein Uhr mittags ist Hamm erreicht. Auf der anderen Seite des Bahnhofs steht schon der Zug nach Münster zur Abfahrt bereit. Wir zwängen uns in ein Abteil voll schwitzender Leute, und schon geht es weiter. Hin und wieder kommen wir an alten westfälischen Bau­ernhöfen vorbei, über denen mächtige Bäume ihre schüt­zenden Aeste ausbreiten. Ganz wenige haben noch ein Strohdach. Die meisten Gebäude sind neu und noch nicht ganz mit der Landschaft verwachsen.

M ü n st e r, das Ziel des ersten Tages, ist erreicht. Als wir vor dem Bahnhof auf die Elektrische warten, kommt ein Trupp junger Leute auf uns zu. Jeder schleppt ein Köfferchen oder einen schweren Rucksack. Sie sehen aus wie Bauern auf Reisen und kommen mir sofort sehr „siedlungsverdächtig" vor. Eine Frage bestätigt un­sere Vermutung. Es sind 8 Westfalen, die ebenfalls die Fahrt mit Aloys Seyock machen wollen. Wir fahren ge­meinsam zum G e s e l l e n h a u s, wo wir die Nacht über Quartier zu nehmen gedenken. Nicht wenig war man er­staunt, als man vor einem sechsstöckigen Hotel stand, das sich als das neue Münsterer Kolpingshaus entpuppte. Jeder hatte bald ein Zimmer bezogen, das modern und zweckmäßig eingerichtet war. In meinem Zimmer war sogar ein Haustelephon, so daß ich mich am anderen Morgen telephonisch wecken lassen konnte. Bald wurde mir auch klar, daß dieses Hotel als Gesellenhaus auch seine Nachteile hat. Es fehlte für die dort wohnenden Gesellen das gemütliche Heim. Man war zu stark auf Wirtschaft und Gasthof eingestellt. Drum waren wir hier auch sehr gut und preiswert aufgehoben.

Nach einer gründlichen Reinigung unternahmen wir eine Streife durch Münster. Dabei fiel uns auf, daß die meisten Bürgerhäuser mit dem Giebel nach der Straße zu stehen. An jedem Giebel ragt ein starker Balken her­aus, an dem eine Rolle befestigt ist. Man schleppt hier

jedenfalls das Holz und die Kohlen nicht auf dem Rücke», auf den Boden, sondern zieht die Last bequem an W I Rolle in die gewünschte Höhe. Charakteristisch ist Marktplatz mit seinen Wandelgängen unter den Häusern- Man glaubte nach Innsbruck ober anderen Städten N» Südens versetzt zu sein. Das schöne Rathaus mit feinen» wundervollen gotischen Giebel zieht uns besonders an. D- es sehr heiß ist, steigen wir hinab in den Ratskeller, J um unfern Durst am kühlen Bier zu löschen . .. W

Münster hat viele und schöne Kirchen. Sie beherrW , noch das Stadtbild. Ueberhaupt spürt man in dies i Stadt ganz stark die — sagen war einmal — Atmosphäre". Man merkt, daß hier alles katholü^^ ■ Kulturboden ist und kein heißer Grohstadtbasalt. -asi lange noch?

Wir schlendern gemächlich durch die Straßen. 1 den Türmen rufen die Glocken den Avegruß. Die Me | scheu kehren von ihren Sonntagsspaziergängen und 2 flögen zurück. Es ist die richtige Feiertagsstimmung.

Abends führt uns der Weg zufällig an einem ne» | prunkvollen Tonfilm-Theater vorbei. Da meine Gesayr j ten einen Tonfilm noch nicht gesehen haben, lösen |

uns kurz entschlossen Eintrittskarten und sitzen bald in I

trotz der Hitze gefüllten, dunklen Saal. Es Iiiu'L-n, 1 Tauberfilm, der hauptsächlich den Zweck hat, dem | ger Richard Tauber möglichst oft Gelegenheit zum gen zu geben.

Mancher wird sich wundern, daß wir am eri | Abend in einer fremden, großen Stadt nichts anderes^» | tun hatten als ins Kino zu gehen. Das war aber eigr lich selbstverständlich: Einmal waren wir auf 9 fahrt, die uns zunächst die Großstadt zeigen sollte. v*£|| Großstadt gehört auch bas feudale Kino. Also sosten,W uns die Sache an. Außerdem waren wir von dem v | tert und Laufen ziemlich müde und froh, sitzen 3U „ _ 9 nen und unterhalten zu werden, ohne daß wir den stand anzustrengen brauchten.

So endete unser erster Reisetag im Kino. Wir wwP^ M froh, als es uns wieder in die kühle Abendluft ewgM und suchten nach einem kurzen Spaziergang iobu^gM j unser Nachtlager auf. Morgen sollte die Sieblungsf V $ j von der Sammelstation Münstr aus beginnen. 4“ ;

wollten waren aber noch Hamburg kennen lernen, (u- 1 ■

Entschließung

Er wischt sich die glühende Stirne,

dem Lande,

Erziehung auf

Dabei

exakter staatsbürgerlicher Kenntnisse, um

nicht den Kopf zerbrochen, friegsgeneration für die

Vermittlung Derfassungs-

den Staat! Nach Staates und der Be­in der vaterländischen vom Staat sich durch- im Staat die ße•

keine Eingliederung in dem Zusammenbruch des alten gründung des Volksstaates muß Erziehung eine neue Auffassung fttzen, eine neue Gesinnung, die

Es gilt, die ländliche Nach-

Volksgemeinschaft und den

Staat zu

Vewußle

Acker am

Bergeshang, der Weg

fragen und Verwaltungskunde. Das Wissen um die Paragraphen ist nicht das Letzte! Tiefster Sinn staatsbürgerlicher, wahrhaft national er Erziehung ist, den jungen Menschen an verantwortungsbewußtes Handeln, an uneigennütziges Wirken im Dienste der Allgemeinheit zu gewöhnen!

Der Anfang ist in der Familie zu machen. In der Familie kann fick foftale Gesinnung am ehesten und wirkungsvollsten betätigen. Dem Zerfall der Fa­milie auf dem Lande muß Einhalt geboten werden. Vfleae des ssamilienaeistes in der schulentlassenen Ju-

Derantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dk. publ. Joseph Sauer-Fulda.

erwärmen.

staatsbürgerliche

katholische Zagend und Bodenreform.

Das Fragen und Ringen um eine Bodenreform ist in katholischer deutscher Jugend seit langem lebendig. Der Wille der katholischen Jugend, vor allem der Stadt- und Jndustriejugend, geht einig mit den Grund­zielen der Bodenreformbewegung. Auf den Tagun­gen, im Schrifttum kommt dies immer wieder zum Aus­druck.

Den großen Scharen der katholischen Volksjugend scheint es angesichts der Boden- und Wohnungsnot, der Besitzlosigkeit der Massen unseres Volkes wie eine Selbst­verständlichkeit, daß das werden müsse, was die Boden­reform will. Die führenden Kreise der katholischen Ju­gend, die ihre Stellungnahme nicht nur aus dem Gefühl und dem Herzen begründen, die bas ganze Problem auch burchbenken, sie stehen erst recht und unbedingt zu der großen sozialen, politischen und kulturellen Aufgabe der Bodenreform.

Bodenreform ist Angelegenheit des ganzen Volkes und der ganzen katholischen Jugend, der Jndustriejugend und der Bauernjugend. Die Jndustriejugend setzt sich von vorneherein für die Bodenreform ein, wenn sie einiger-

mehr wie bislang tut not handelt es sich nicht so sehr um

b e n s g em e i n sch a f t des gesamten Volkes sieht. Der Jugend ist dieses Staatsideal immer wieder vor Augen zu stellen. Es muß ihr klar werden, daß der Staat im Finanzamt oder im Wohlfahrtsamt sich nicht erschöpft.

Zu dieser Eingliederung unserer Landjugend in Ge­meinde und Staat bedarf es der verständnisvollen Zu­sammenarbeit aller in Frage kommenden Stellen. Die Schule hat vor allem in ihren oberen Klassen diesen Gemeindegeist zu pflegen. Vorzüglich geht es um die schulentlassene Jugend! Rührige Kräfte, ganz

maßen gesehen hat, worum es geht. Im Bauernvolk und seiner Jugend sind noch mancherlei Hemmungen und Mißverständnisse da. Es ist besonders erfreulich, daß bei den Auseinandersetzungen um die Bodenreform, wie sie z. B. vergangenes Jahr in den „Stimmen der Jugend" geführt wurden, sich auch katholische Jungbauern zu Wort gemeldet haben. In seiner vielbeachteten Rede auf der letzten Tagung des Bundes der Bodenreformer in Würzburg wies Generalpräses Wolker darauf hin, daß die Bodenreformbewegung nur dann Volksbewegung werde, wenn sie auch das Land­volk erfasse. „Das schassende Landvolk, das junge Bau­erntum soll wissen, daß unsere Bodenreformbewegung ihm ehrlich dienen will."

Weitere Klärung und starken Auftrieb erhielt, so hoffen wir, die Stellung der katholischen Jugend zur Bo­denreform durch die letzte Tagung des Führerrings der Katholischen Jugend Deutschlands am 2. Juli. Nach einem ausgezeichneten Referat von Justizrat Br. Liertz- Düsieldorf, und einer offenen, eingehenden Aussprache faßte die Tagung ihr Bekenntnis zur Bodenreform, ihren Willen, sich um des Volkes und der Jugend willen schaf­fend und kämpfend für sie einzusetzen, in folgender ein­mütiger

„Ja, Zeit wirds". Er blickt auf die Aehren.

„Zeit für mich und für euch!" Rauschend fährt In die Halme fein erster Sensenstreich ■ ■ ‘ : iW L !

| genb ist bringenbfte Aufgabe. Dann die Eingliederung in bie größere Gemeinschaft, bie Gemeinbe! Dieses ist nach der Familie bie unmittelbarste Kraftquelle des Staates. Der junge Mensch muß ein Empfinden da­für bekommen, daß jeder Punkt der Tagesordnung, über den im Gemeinderat Beschluß gefaßt wird, ihn angeht, sich irgendwie wirtschaftlich ober kulturell auch für seine Familie auswirkt. Die Ausgaben ber Gemeinde muh er als feine Aufgaben betrachten. Die Nöte der Ge­meinde soll er als seine Nöte betrauern. Die lieber- sichtlichkeit der Verhältnisse in Landgemeinde und Klein­stadt, die von der komplizierten lleberorganifation der Großstädte noch verschont geblieben sind, erleichtern ihm das. Er hat heute, wenn er zwanzig Kerzchen auf seinem Geburtstagskuchen aufgepflanzt bekommt, das Wahlrecht. Einerlei, ob er Kötter, Handwerker, Rit­iergutsbesitzer ober ßanbarbeiter ist. Er hat damit bie Möglichkeit, die einklassige Schule und die Elektrizitäts­tarife seiner Heimatkunde zu beeinflussen. Als Lehrer würde ich meinen Kindern schon im dritten Schuljahre dozieren: Wer wahlberechtigt ist und am Wahltag hinter dem Ofen sitzen bleibt, darf am Stammtisch nicht mitschimpfen. Der junge Mensch muß wissen, daß es nicht gleichgültig ist, welche Männer und Frauen in der Gemeindevertretung und in den Kommissionen die rechte Hand hochheben. Was für die Gemeinde gilt, gilt für die größeren politischen ßebensgemeinschaften, den Kreis und die Provinz!

Ohne Eingliederung in die Gemeinde

zusammen:

„Wir erkennen in den Grundzielen des Bundes der Bodenreformer Grundforderungen einer christlichen Volks- und Wirtschaftsordnung und treten darum für die Schaffung eines diesen Zielen entsprechenden Bo­denrechtes ein.

Wir entsenden den Vorsitzenden der Katholischen Jugend Deutschlands als unseren Vertreter in den Vorstand des Bundes der Bodenreformer.

Wir empfehlen allen Führern katholischer Jugend in Deutschland, sich mit der Frage der Bodenreform eingehend zu befassen und im Schrifttum unserer Ver­bände wie im lebendigen Wort in der katholischen Jugend das Verständnis für die Sache vorzubereiten durch Klärung der Begriffe und Weckung des Ge­wissens für ein neues Bodenrecht."

Bon bet auslandsdeulscheu 3ugeqE

Deutsche Jugendarbeit in Polnisch-Oberschlefirn.

Der Verband der katholischen Jugend und Iungmännervereine in Polnisch-OberschftZ fien veranstaltete soeben in Königshütte aus Anlaß sM ner Generalversammlung eine große Kundgebung M Glauben und Volkstum. Aus den Ansprachen des m neralpräses, Geistlicher Rat Sagulla, und des @eneta|E sekretärs Osyra-Eichenau kann man folgern, daß Sj Heranbildung von ßaiensührern auf den beiden Tamms gen und Führerkursen in Teschen bereits mit Erft» angestrebt wird. Mit großer Begeisterung beteiligtä sich zahlreiche Jugendliche an zwei Exerzitienkursen. zj zäher Kleinarbeit ging der Ausbau ber Büchereien, bei Vortragswesens und die Beschaffung zahlreicher ZM schristen vorwärts. Zwei Jugendgruppen besitzen bef rette eigene Heime. Die Zahl der angeschlossenen Set# eine beträgt zur Zeit 27 (mit 2100 Mitgliedern). Leh­rer Mayer-Lublinitz, der Vorsitzende der Deutsche, Jugendkraft in Polnisch-Oberschlesien, berichte» von den Fortschritten der Sportbewegung in der katft» lischen Jugend. Eine Wanderabteilung vermittelt der deutschen Jugend Oberschlesiens die Kenntnis von Land und Leuten und führt junge deutsche Menschen in bii kleinen deutschen Minderheitsgemeinden des Land«. Großen Zuspruches erfreut sich die neugegründete Schachabieilung. Die Neuwahl des Vorstandes ergeb bie des Schriftleiters Przewolka zum ersten Vorsitzen- den. Die Versammlung wurde durch den Programmes schen Vortrag von Kaplan Wosnitza über bie SBefr” art der Jugendaufgaben zu einer bedeutenden Äia# bung des katholischen deutschen Jungvolkes und läßt hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Die folgenden Worte eines erfahrenen katho­lischen Mannes sollten alle Jungen und Jugend­führer beherzigen.

Neben ber Wirtschaftskrise, unter ber unser- fer Landvolk zu leiben hat, besteht seit Jahren eine Kulturkrise bes ßanbes. Die wirtschaftliche unb kulturelle Krise hat eine politische Krise im Ge­folge gehabt. Vieles würbe nach dem Kriege umgeformt! Die Umformungen betrafen auch das ßanb und bie Bevölkerung bes ßanbes.

Auf politischem Gebiete würbe mit Phrasen unb Schlagworten wild herumgewürfeLt. Staatsbürger, bie bei ber Arbeit bleiben wollten und nicht täglich Zeitungen lesen konnten, wußten zeitweise nicht Hü unb Hott. Viele Volksgenossen würben den alten Bahnen politischen Denkens enthoben. Sie habe,, nicht wieder festen Fuß fassen können. Weithin besteht noch ein Gefühl ber tastenben Unsicherheit bem neuen Volksstaat gegenüber. Solche Stimmungen gegenüber Staat und wirtschaftlicher Not kann man immer wieder in der Bauernstube antreffen. Und von solchen Stim­mungen, die sich vielfach zu völliger Jnteressenlosigkeit für Politik und Staat ausgewirkt haben, ist auch ein beträchtlicher Teil der ßanbjugenb erfaßt. Zum Teil hat bie ßanbjugenb über biefe Dinge sich überhaupt noch

Wir wollen Fackelträger fein.

Wir wollen bie Fackel tragen. Ob anbye zaubern unb zagen. Wir wollen im Kampf ganz vorne stehn, Ob auch bie anberen nach hinten gehn, Wir wollen bas ßicht im Dunkeln spenben Unb nicht nur mit verschränkten Hänben, Sondern durch unser ßeben den anderen Kraft und Mut und Glauben geben. Wir wollen Fackellräger sein!

Erich Gandenhans.

links und ganz rechts find eifri» - Werke, die Jugend gegen den Staat? gegen die Gemeinschaftsarbeit ij Diese Kräfte stellen der Heranwachsenden Sugenya kale Hochziele vor Augen. Hochziele haben ber t mischen Jugend stets imponiert. Kompromisse DJ sie weniger. Darum müssen wir, die wir an benl beraufftieg Deutschlands auf bem Boden ber Staatsverfassung glauben, die Jugend auch fyr ,, Hochziele begeistern! Wir müssen aus der Des? heraus. Wir müssen mehr zur Offensive überael Hier haben die ländlichen Fortbildungsschulen, die g, Wirtschaftsschulen und die Jugendvereine jeder Art n tige Aufgaben zu erfüllen. Auch alle Stellen, bi« die Förderung der Jugendpflege angelegen [ein [ei können der Erziehung zum lebendigen Staatsben,! fein noch mehr dienen.

Die Hinführung der ßanbjugenb zu Gemeinde Staat muß intensiver, als es bisher geschah, an„e werden. Führer in dieser 2Iufbauari können nicht Menschen fein, bie über | „Verdorbenheit" der Jugend und jte den „modernen Zeitgeist" zetern. M ft fen kein Neuland. Zu Führern find nur arbeitsfrei Männer und Frauen berufen, die an die Kraft und Idealismus der Jugend, auch ber Landjugend, , ehrlich glauben!

fig bin ich nicht allzu hoffnungsfreudig. Denn bei uns stehen an führender Stelle noch viele Menschen, die zwar den guten Willen haben, aber unsere Zeit nicht mehr verstehen. Dis ist nicht ihre Schuld; man hat oft viel zu wenig Fühlung mit dem ßeben und beurteilt alles von einem in früheren Zeiten gewonnenen Standpunkt. Das schadet uns viel und lähmt unsere Schlagfertigkeit.

Vielleicht müssen erst einmal die Radikalen große Eroberungen gemacht haben, bis man merkt, daß es im politischen Kampf unserer Tage um die Entschei­dung über die Weltanschauung geht. Ich bin deshalb den Radikalen nicht allzu böse. Sie sind vielleicht bas richtige Mittel, um bort Verwirrung und Unruhe anzurichten, wo man noch die Schlafmütze tief über den Ohren hat. Die Zukunft wirb ihnen im katholischen ßanb boch nicht gehören, wenn ber junge politische Katholizismus ben rechten Augenblick zum Einsatz nicht verpaßt. T.

war steil unb lang.

Dann stützt er sich auf die Senfe, unb schaut in

bie Ruck Aehrenfelber glänzen ums Dörflein drunten im Grund. Darüber flimmert ber Mittag unb jubelt ein Lerchenlied; Hoch am blauen Himmel ein weißes Wölklein zieht. - So schaut ber Alte lang mit verlorenem Blick ins Tal -* Er sah ben Sommer ber Heimat wohl mehr als

siebzigmL Wie oft sah er hinunter hier oben vom Acker am Rain- Heut ist's ihm so eigen, als sollt es zum letztenmal fein — „Großvater, willst bu nicht mähen? Ich glaube, es wird Zeit!

Die Enkelin fprichte. Der Alte lächelt und macht

Weg mit den Schlafmützen!

Der Feind steht mitten im Land!

Viele Katholiken sind von einer gefährlichen und merk­würdigen Schlafkrankheit befallen. Sie merken immer erst sehr spät, wenn um sie herum etwas nicht in Ord­nung ist. Erst wenn eine Gefahr riesengroß geworden ist, dann wird versucht, ihr Herr zu werden. Dann werden Proteste losgelösten und man versucht krampf­haft, das Verlorene wieder zurückzugewinnen. Prote­stieren ist ja auch so bequem, besonders bann, wenn bie Ursache des Protestes sehr weit entfernt, z. B. in Ruß­land liegt.

Wir Katholiken haben uns dort, wo wir nicht in der Diaspora leben müssen, vielfach daran gewöhnt, daß bie anderen das große Wort ftihren, daß die anderen die Leitung des öffentlichen Lebens beanspruchen. Dort, wo es nicht so schlimm ist, müssen doch die Gegner durch irgend etwas erst unsere Gegenmaßnahmen herausfor­dern. Wir stehen sozusagen immer in Verteidigungs­stellung und wagen keine Vorstöße. Wir sind zu wenig „Aktivisten". Warum mir das nicht sind, dafür gibt es verschiedene Gründe, die hier nicht alle aufgezeigt wer­den können. Selbstverständlich hängt die Tatsache, daß wir ben Dingen bes öffentlichen unb politischen Lebens nicht mit der fanatischen Leidenschaft hingegeben sind, den man bei radikalen Gegnern beobachten kann, ohne Zweifel auch mit unserem Glauben zusammen.. Politik ist uns eben nicht letzter und ein­ziger Inhalt des Lebens. Wir haben einen festen Halt im Uebernatürlichen, in dem Bewußtsein, daß Gott Vater der Menschheit wohl eine Prüfung schik- fen kann, daß ein Volk aber nie im Elend vergehen wird, wenn es sich nicht selbst blind und verstockt in das Verderben stürzt.

Die Katholiken stehen, soweit sie nicht nur Tauf- scheinchristen sind, den Erscheinungen des irdischen Le­bens überlegener und mit größerer Zurückhaltung gegenüber als Menschen, bie keine wahrhaft religiöse Ueberzeugunq haben. Wir lassen uns beshalb nicht von jeher neuen Phrase betören unb sehen nicht in jebem guten Redner ben Retter aus bem Chaos. Daher kommt e- daß der politische Radikalismus in katho­lischen C oben auch viel langsamer einbringt und bis­her z. R auch im Fuldaer Land kaum Anhänger ge­funden kvt.

Wo' -'*•5 auch in Zukunft so bleiben? Das wird von der FH ■ u n g bes katholischen Volkes abhängen. Man hat in den Jahren nach dem Kriege, die so gebieterisch politisches Handeln geboten, viel versäumt. Vielleicht ist man dabei subjektiv ganz schuldlos. Es ist zum Teil lediglich die Folge der aeschilderten Einstellung des Ka­tholiken gegenüber der Politik. Die Gegner aber sind naturgemäß regsamer. Sie wühlen im katholischen Volke mit einer verbissenen Rührigkeit und ohne große Bedenken bei der Wahl der Agita­tionsmethoden. Das katholische Volk ist gegen diese Angriffe nicht genug gerü­stet. Man hat zu wenig

politische B ! 1 d u n g s ar b e it geleistet. Viele Menschen an den führenden Stellen ha­ben noch nicht recht begriffen, um was es geht. Es ge­nügt nicht, daß wir uns treu und brav in religiösen Standesvereinen sammeln und ab und zu eine religiöse Veranstaltung abhalten. Nein, heute muß in allen ka­tholischen Vereinen eine planmäßige Aufklärung über die politischen Vorgänge im deutschen Reich und in der Welt vor sich gehen. Sonst können die deutschen Ka­tholiken nicht die Aufgabe erfüllen, die sie in dem po­litischen und wirftchastlichen Chaos unserer Zeit haben. Wer soll die Katastrophe verhüten, der wir unrettbar zusteuern, wenn feine opferbereiten unb uneigennützigen Menscken ihre Kraft einsetzen? Deshalb Sammlung unb Schulung für bas öffentliche Leben. Es genügt nicht, daß wir in der Kirche — aus Gewohn­heit — zusammen beten unb im öffentlichen Leben hier­hin und dorthin laufen, wo gerade einer witzig und ge­wandt über Politik spricht und schreibt. Ob man dos bald allgemein erkennt und danach handelt? Vorlä»-

Ernke.

Der alte Wilhelm steht droben beim

Ae Stellung der Landjugend zu Gemeinde und Staat

Vom Regierungspräsident Dr. Amelunxen, Münster.