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Beilage zur Auldaer Zeitung

27. Juli

Gedanken.

Don Hans ©äfgen.

^danken kommen und vergeh'» Vielfältig, wie die Winde weh'», Die da und dort — du fühlst es kaum, Durchfluten weiten Weltenraum.

Den Blitzen gleichen die Gedanken, Die jäh durchreißen Wolkenschranken, Dumpfdrohend sich vor uns erhebend ' Und nun im leichten Nichts entschwebend.

Wie wirr und bunt auf Sommerwiesen Vieltausendfältig Blumen sprießen, So wachsen in uns schrankenlos Gedanken klein, Gedanken groß.

Sie leuchten bunt in chrer Fülle Sie reden laut in ihrer Stille. Vernunft naht sich mit lichter Hand Und schlingt um sie ein klärend' Band.

Gedanken kommen und vergeh'»

Vielfältig, wie die Winde weh'n.---

Und mit dem letzten der Gedanken Fallen vor dir die letzte» Schranken.

Aus -er Geschichte -es Buches.

' Don Dr. Eduard Fuchs.

Ts gdb eine Zeit, da noch keine festen Regeln für die MMchrekdung und Zeichensetzung bestanden. Jeder schrieb, wie es ihn recht dünkte. Das Wort „Mühe" z. L konnte sehr verschieden aussehen: müe, mie oder rnye. Erst im Jahre 1645 ließ Christian Gueintz eine deutsche Ausschreibung im Druck erscheinen.

Daher dürfen wir uns nicht wundern, daß die Bü­cher des 15. und des beginnenden 16. Jahrhunderts alb „Mn eine wüste Regellosigkeit in der äußeren Gestalt der Worte ausweisen. Die Buchdrucker waren damals säst durchweg zugleich die Verleger. Sie kauften den Schriftstellern um einen geringen Preis ihre Werke ab. Diese waren in mundartlichem Deutsch verfaßt; denn die neuhochdeutsche Schriftsprache steckte eben in den Anfängen ihrer Entwicklung. Um dem Buche eine weite Lerbreitung über den heimatlichen Gau hinaus ' zu sichern, sah sich der Drucker gezwungen, Sprachformen ju wählen, die von möglichst vielen Deutschen ver- ß«den wurden. Aus diesem Grunde lehnten sich die tzrtzer an die Schreibart der deutschen Kanzleien an. Diese bedienten sich einer Redeweise, die von Ober- und Mitteldeutsche» gleich gut verftandqn wurde. So halfen bii Luchdrucker an ihrem Teil, nicht etus idialen, son- ta rein wirtschaftlichen Gründen eine deutsche Allge- MXsprache schaffen. Jed« Druckerei wahrte dabei frei­lich gewisse Eigenarten. So druckte man in Straßburg mtb Frankfurt a. M. mehr nach den Regeln der Kanz­leisprache, während man zur selben Zeit in Basel und München dem Mundartlichen einen breiteren Raum ge­nährte.

Gern schmückte man die Bücher mit Holzschnitten, um alle Leute, die nicht lesen konnten, anschaulich zu belehren. Den Text umrahmten mehr oder weniger ge­schmackvolle Randleisten. Für de» Einklang des Text- bildes mit dem Holzschnitte war der Gesichtspunkt der kchönheit wichtiger als die genaue Wiedergabe dessen, war der Schriftsteller geschrieben hatte. Der Setzer Icheute sich nicht, in Dichtungen Verse aus dem Zu­sammenhänge zu reißen und an anderer Stelle unter« iubringen, um ein harmonisches Bild der Druckseite zu »zielen, chatten z. B. unter dem Holzschnitte nur vier Lerse Platz, so durften über diesem auch nur vier ste­hen, um das Gleichgewicht nicht zu stören. Falls der Dichter aber über dem Bilde de» Raum für sechs Verse beansprucht hatte, rückte der Setzer zwei davon einfach ans Ende des Abschnittes oder änderte sonstwie den Tert. Die Randleisten nötigten auch mitunter, durch Auslassen »on Buchstaben eine längere Zeile zu kürzen. Die Zei­chensetzung in diesen alten Büchern ist spärlich und be­steht nur aus Punkten und Strichen (/). An Druckfeh­lern und Versehen infolge von Nachläsigkeit des Setzers

Das Vatterienfchlff.

Lin Roman in 7 Tagen.

Don Hellmuth Quast-Peregrin.

Eogyrigth by Greiner u. Co., Berlin.

!•

bedächtig schob sich der gewaltige Rumpf des „Su- ^t«s" aus den Pieranlagen von Brooklyn, grüßendes schrei aus tausenden von Kehlen hallte ihm vom yonbe nach, der Ozeanriese wendete langsam seewärts, M in die Fahrrinne zwischen Brooklyn und Staten «slanb, zog stolz und übermächtig vorüber an unzähligen dem Hudson herumwimmelnden Dampfern und n^chtschisfen.

Fast alle Passagiere waren auf Deck, noch einmal das -^iase Bild der Riesenstadt Rewyork in sich auszu- fleWn.

L k®. lag die Capitale der Arbeit, gigantisch, ungeheuer, ^ flimmerndes, unermeßliches Häusermeer und die "lkenkratzer, die sky scrapers, von Manhattan ragten und trotzig empor, eyklopische Zinken einer Krone, K? R menschlicher Unternehmungsgeist und unverwüst- Arbeitskraft selbst geschmiedet. Tausende Senfter» Ra a* en und funkelten die flammende Sonne zurück, ^chmölkchen ballten sich hier und da, zerrissen dort zu |S*n"en Schleierstreifchen über den funkelnden, glei- 8re^ Gostriver und stolz reckte sich die Statue der auf, als der „Euperator" an ihr vorüberglitt. m m<ni nW noch hier an Bord des Uebersee- [J7"fs ben donnernden tosenden Rhythmus der allmäh- '"fchwindeRden Stadt?

Iknhpn9e h^e Dera Tscherskasina an der Reeling ge- |£jtn unb wie gebannt auf das kleiner und kleiner ®>eitt C beinerne Meer geblickt, mit glücklicher Rührung E'hten*- ’^re Gedanken bei dem Lande, dos sie verließ, 'str doch Triumph und Reichtümer dort zuteil ge- ktten11' alle ihre Erwartungen weit übertroffen Mh^^lrug sie der „Superator" zurück nach dem alten 6hih ^feierte Sängerin empfand ein leises Weh, beim man hatte ihr wie einer Königin gehuldigt. ®«r»n ihr gemacht worden, die man mehr wie

fehlt es nicht, obwohl ein Korrektor zur Berichtigung der Fehler in jeder Druckerei angestellt war.

Mitunter nahm der Verfasser des Buches noch Zu­dichtungen vor, nachdem dieses bereits gesetzt war. Das mag besonders dann oft geschehen fein, wenn infolge der Anordnung der Holzschnitte noch Raum am Ende eines Kapitels geblieben war. Diese weißen Stellen füllte der Dichter mit rasch hingeworfenen, mehr oder weniger passenden Versen aus. Beim Einrücken dieser nach­träglichen Zufügungen in den vorhandenen Text ist es gelegentlich geschehen, daß der Drucker sie falsch ein­fügte.

Die Einsicht in diese Verhältnisse bei der Entstehung eines mittelalterlichen Buches ist nicht nur für Fachleute lehrreich, sondern allgemein kulturgeschichtlich nicht ohne Reiz; zeigt sich doch, daß die Schönheit des Druckbildes einer Seite mehr galt als die Richtigkeit des Textes.

Die kleine Aebergaleere.

Von Universitätsprofessor Dr. V. Franz- Jena.

Don den Kopepoden, „Hüpferlingen", Spaltfuß- ober Ruderfußkrebschen wirb jeher schon gehört haben. Wer ein Aquarium pflegt, kennt diese kleinen, häufig ganz zufälligen Mitbewohner feines Fischgartens als oft halbdurchsichtige Tierchen von Keulenform mit einem mächtigen eleganten „Schnurrbart" am Vorderende, dem verdickten Ende der Keule. Denn fast nur in dieser Haltung sieht man sie, da sie sich in der Ruhestellung an dem nicht durchbiegenden „Schnurrbart" — in Wahr­heit dem vorderen Fühlerpaar — aufhängen, und zwar meist im freien Wasser. Es ist eine Fallschirmwirkung und sie sinken nur ganz langsam. Auf einmal ein Sprung schräg aufwärts, und das Tierchen ist anders­wo.

Neuerdings kann hinzugefügt werden, was erst e i n Forscher gesehen hat, daß die Antennen sich beim Sprung in eleganter Kurve - zurück- und sodann wieder gestreckt dem Rumpfe anlegen. Nach hinten sind sie also durch- biegbar, und so werden sie beim Sprung nicht hinder­lich, sie übernehmen vielmehr bei ihm die Rolle von Führungsleisten wie die bei einem Luftschiff aufgesetzten Seitenflächen ober die Schlingerkiele eines Schiffes. Ist der Sprung vorüber, so steifen sie sich wieder in ihre seitwärts abstehende Lage. Das würde ja auch ein Fall­schirm tun, wenn sein Insasse einen Sprung schräg auf­wärts ausgeführt hätte (hätte ausführen können). Bei jenen Tierchen aber soll es sogar so sein, daß sein An­tennenpaar schon 1/200 Sekunde vor Beginn des Sprunges erschlafft und sich zurückzulegen beginnt; hier mit würde also der Organismus feinem Bedürfnisse zu­

verlockend bezeichnen konnte und doch hatte sie abge­schlagen, eine quälende Unrast war über sie gekommen. Sie wollte fort um jeden Preis — warum! War es Heimweh, das sie zurückzog an die Stätten einer längst vergangenen Jugend? Ober war es jenes marternde Sehne», das sie ruhelos umhertrieb, die sich selbst nie eingestandene Liebe zu einem Manne, der einst wie ein fordernder König vor ihr gestanden und bann, um einer Laune willen abgemiefen, gegangen unb verschollen war?

Vera Tscherskasina roanbte sich ab von ber Reeling, die frische vorn Atlantik fommenbe Brise machte sie frösteln, bie Sängerin wollte in ihre Kajüte gehen.

Mit ausgesuchter Höflichkeit begrüßten einige Herren auf dem Promenadendeck bie Borüberschreitenbe, sie bankte mit dem stolze» Kopfneigen einer Fürstin. Da rief eine sonore, wohllautende Stimme sie an:

„Vera Tscherskasina."

Die Sängerin zuckte zusammen, drehte sich um und prallte entgeistert zurück.

„Dimitri Urgesowisch?"

War es äffender Spuk, war es Wirklichkeit? Vor ihr stand der Mann, an den sie jahrelang gedacht, nach dem sie sich gesehnt, den sie immer geliebt hatte. Ele­gant war seine Kleidung, distinguiert sein Benehmen.

Vera starrte ihn an und erschrak — das waren seine Augen, die wie einst dunkel und feurig, unergründlich durch die schwarzumränderte Brille sie an'zlickten, aber das Gesicht — war von Leidenschaften zerwühlt, entstellt das volle schwarze Bart- und Haupthaar von unzähligen grauen Fäden durchzogen. Da glaubte Dera, daß alle Liebe von ihr abfiel wie ein luftiges, zartes Gewand — ber Mann, ben sie liebte, ber in ihrer Vorstellung noch lebte, glich nur wenig bem so unerwartet vor ihr Stehen­den, und hart und schroff abweisend ,agte sie:

„Was wollen Sie von mir, Dimitri, warum verfol­ge» Sie mich?"

„Sie haben mich gerufen, Vern, und hier bin ich."

„Ich habe Sie nie gerufen . . ."

„Sie haben immer an nüch gedacht in allen den Jahren, die sich trennend zwischen uns legten."

„Sie irren, Dimitri, wenn Sie auch Ihren sieges­bewußten Optimismus sich erhalten haben."

„Ich irre mich nicht. Wohl beging ich einen Irrtum, als ich floh vor dem heiligen Feuer, das für mich lo­derte, das mich begeistern und himmelwtlts 'ühren, das. aus den Herd meiner Hütte übertragen, mich beglücken

vorkommen, was man ja öfter im Reiche des Lebenden hat.

Wie wird aber der Sprung bewirkt? Natürlich durch die Ruderfüße an der Unterseite des Keulenkörpers. Jedes dieser Beinchen gabelt sich sogleich in zwei lange, nebeneinandergebreitete Ruderplatten. In Ruhe liegen sie nach vorn; aber ihre hohe Beweglichkeit wird ersicht­lich, wenn ein Tierchen aufs Trockene gerät unb zappelt. Dann schlagen sie im schnellsten Tempo immerfort nach hinten und wieder »ach vorn. Neuerdings kann man auch für den Fall des natürlichen Sprunges im Wasser diesen Ruberschlag genauer beschreiben. Ein Rück- und ein Vorderschlag aller fünf Beinpaare dauert 1/60 Se­kunde. Und zwar schlagen sie nicht alle gleichzeitig nach hinten, sondern zuerst das hinterste Paar, sodann, ehe es ganz zurückgelegt ist, das vorletzte unb so fort bis zum vordersten. Also anders als beim menschlichen Rudersport oder bei der Galeere und offenbar mit der vom Menschen noch nicht erreichten Wirkung, daß jedes Ruder seine volle Kraft ausnutzen kann und ihm nicht durch die benachbarten der Wasserwiderstand teilweise fortgezogen wird. Dagegen erfolgt der Vorschlag aller fünf Ruderpaare gleichzeitig, wobei sie eng aneinander­gelegt find, also nur ein einziger Frontwiderstand zu überwinden ist. Das Tierchen kann ja seine nach vorn gebundenen Ruder nicht aus dem Wasser heben wie der menschliche Ruderer; doch fast fragt man sich, ob es nicht seine Kräfte besser ausnutzt als er. Uebrigens laden die Ruder beim wirksamen Rückschlag stark seitwärts aus, beim gemeinsamen Vorschlag aber berühren die rechten und linken einander in der Mitte. Auch dies muß ihnen zunächst erhöhte Ausnutzung ihrer wirksamen Kraft, sodann verminderten Frontwiderstand gewähren. Als ein einziges Stiuf gehen sie nach vorn.

Die hier Dorgetragenen Forschungen sind solche des Wiener, jetzt Grazer Zoologen Storch. Sein Instru­ment war, man errät es wohl schon, der Film, die Zeit­lupe. Die Frequenz waren 120 Aufnahmen in ber Sekunde. Dies reichte gerade aus, um die besagten Be­wegungen aufzulösen, während an ben Schwimmbewe- gungen der „Nauplien", der viel kleineren Jugendsta­dien jener Krebschen, nur soviel festgestellt werden konnte, daß ein Tempo weniger als 1/120 Sekunde dauert, daher »och nicht aufzulösen war. Jedenfalls haben nach Obigem bie Mittel menschlicher Technik neue Tierbeobachtungen ermöglicht. Vielleicht aber komme» wir auch noch einmal dazu, daß die organische Technik >ur Lehrmeisterin ber menschlichen wirb, währenb bisher der Mensch fast immer selbständig das erfinden mußte, was er bann staunend im Tier- und Pflanzenreiche schon verwirklicht sand.

unb läutern fällte. Ich war geflohen hinaus in bie Well mit ihrem erbarmungslosen Daseinskampf, ich wollte vergessen, ich wollte nicht Horen die Stimme, bie nach mir schrie im Lärm bes mich umiosenben Tages, bie nach mir rief im unheimlichen Schweigen ber Nächte.

„Das ist nicht wahr, Dimitri, Sie belügen sich selbst."

„Nein, mich nicht unb Sie nicht. Vera, Sie habe» nach mir gerufen, Tag unb Nacht, in allen Ihren Tri­umphen fanben Sie keine Befriebigung — nein — wi­dersprechen Sie nicht — Sie zogen wie eine Sieges­göttin durch die Welt und irrten doch nur rastlos suchend umher . . ."

„Nein, nein, nein . . .'

„Sie suchten den Flüchtling unb fanden den Weg zu dem, der vergessen und verschollen bleiben wollte . . ."

„Warum blieben Sie nicht verschollen, Dimitri?"

Ein seltsames Lächeln huschte über des gealterten Mannes Gesicht.

„Durfte ich länger im Dunkel verborgen bleiben, als mir an allen Straßenecken grellbunte Plakate Ihren Na­men entgegenschrieen? Als flammende Lichtschrift vcm nächtlichen Himmel immer wieder Ihren Namen normte? UeberaU las ich die stereotypen Worte „Gehen Sie und höre» Sie die russische Nachtigall —", Die Schrift war mir ein Menetekel, ich ging, ich hörte und ich wußte, daß ich jetzt der lockenden Stimme gehorchen mußte . . ."

„Sie gehen zu weit, Dimitri —" sagte die Sängerin, sie war streng und unnahbar und wandte ihm den Rücken zu.

Dimitri verneigte sich.

„Au revoir, Vera."

Aber sie antwortete nicht darauf und verschwand im Fahrstuhl.

Ein melancholisches Lächeln umspielte gedankenvoll die Lippen des Mannes, er wandte sich um und schlen­derte über das Promenadendeck, auf dem sich noch die Mehrzahl ber Passagiere ber ersten Kajüte aushielt. Dimitri Urgejowitsch ging sehr gemächlich unb in Ge­danken versunken an den einzelnen Gruppen vorüber.

Unweit ber Kommanbobrücke schloß sich ein Herr dem einsamen Spaziergänger an; bei genauem Zusehen hätte man beobachten könne», daß sich Dimitris Gesicht im gleichen Augenblick verdüsterte.

„Nun, Väterchen, Dimitri, ich glaube, wir haben es ganz gut getroffen. Wir haben eine famose Reifebeglei­tung." >

ben dem Eingang zur Sakristei sind sie am stärksten. Man glaubt diese Erscheinungen dadurch erklären zu können, daß im Sommer starke Temperaturunterschied« zwischen der Luft in der Kirche, die stets recht kühl ist, und der Außenluft entstehen und daß infolge der star­ken Luftströmungen die Fensterscheiben vibrieren und bie Töne hervorbringen. Ober man meint auch, daß bie Steinquadern, die draußen um die Kirche liegen, in­folge der sehr starken Sonnenstrahlung, die durch Re­flexion von feiten der Kirchenmauer noch verstärkt wird, irgendwie zum Tönen gebracht werden — also eine Er­scheinung, die an die tönenden Steinsäulen von Theben stark gemahnt.

Eine Reihe weiterer Klangwunder bringt das Echo hervor. Eines der schönsten Echos ist das am Wetter- horn. Es zeichnet sich dadurch aus, daß es lange Zeit zu feiner Entstehung gebraucht. Es kann jemand auf feinem Horn eine ganze, wenngleich kurze Liebstrophe blasen, bann wird er erleben, daß das Lied darauf leise, gleichsam aus überirdische» Fernen kommend, nochmals erklingt. Aehnlich, nur noch komplizierter ist ein Echo bei Rasneath in Schottland, in der Nähe von Glas­gow. Dieses braucht zwar zu seiner Entstehung nicht soviel Zeit wie das Echo am Wetterhorn, man muß daher ein kürzeres Musikfragment wählen, aber dafür erlebt man die Ueberraschung, daß das Musikstück um zwei Töne tiefer wiederkehrt, dann wird es von einem zweiten Echo, wiederum einen Ton tiefer, wiederholt, und darauf sogar noch von einem dritten Echo, noch­mals um einen Ton tiefer. Etwas Aehnliches kann man an einem Wirtshaus, das an der Straße von Stuttgart nach Calo liegt und „Zum Schatten" heißt, wahrnehmen. Dreimal kommen die Töne von dem gegenüberliegenden Walde zurück. Wer auf der Flöte dort einen Kanon' bläst, braucht keinen Zweiten und Dritten, um den Kanon zu vervollständigen.

Ein dreimaliges oder viermaliges Echo ist jedoch bei weitem nicht bie Spitzenleistung der Natur. Bei bem Echo an dem ßoreleifelfen können geübte Ohren bis zu sechzehnmal einen Ton im Echo vernehmen, ja, auf bem Königsplatz in Kassel, also mitten in der Stabt, will man in stillen Nächten ein neunzehn- faches Echo feftgeftellt haben. In manchen Talkesseln oder Höhlen aber ist die Zahl der Wiederholungen durch das Echo überhaupt nicht zu zählen. Jeder einzige Ton, den man dort von sich gibt, verfängt sich darin, rollt hin unb her und schwillt mitunter zu solcher Stärke an, daß das ganze Tal davon erfüllt ist. Ein solcher Vor­gang wird aus einer Höhle bei Viborg in Jütland, bem sogenannten „Smellen" berichtet. Dieses Echo ist sogar einmal zu einer Kriegslist benutzt worben. Während eines Krieges retteten sich die Bewohner ber Umgegend vor den feindlichen Horden in diese Höhle. Ihr Ver­steck wurde jedoch gefunden, und die Feinde drangen ihnen nach. Nun hatte einer der Flüchtlinge fein Kalb mitgebracht, das in diesem Augenblicke zu brüllen an­fing. Und bas Echo gab das Gebrüll des Kalbes in einer so furchtbaren Weise wieder, daß die Soldaten er­schreckt die Flucht ergriffen.

Ein bekanntes Echo gibt es auch in der Lombardei. Cs ist mit dem Namen der ehemals berühmten italieni­schen Sängerin Simonetta verbunden und heißt das Echo der Casa Simonetta. Und das kam so. Ein Ver­ehrer der Sängerin lud sie einst ein, in einer schöne» Sommernacht in dem Hof eines großen, schloßartigen Landhauses zu fingen, und zwar, wie er sagte, vor ei­nem zahlreichen Publikum, das sich dort nachts versam­meln würde. Die Sängerin fand das Ansinnen zwar befremdend, aber willigte ein. Sie fang von einem Altan in die Nacht hinaus. Nach ihrer ersten Darbie­tung ertönte ein begeistertes Händeklatschen. Ebenso nach ber zweiten und brüten Darbietung. Dann eilten mit einem Male von allen Seiten Diener mit Fackel» herbei, und die Donna sah, daß der Hof völlig leer war. Nur ihr Verehrer stand unten. Was aber war das? Nun bewegte er bie Hände, schlug sie zusammen, und da ertönte ein Beifall, als wenn Hunderte von Hände» am Werk wären. Der Besitzer des Landgutes gab ihr sodann die Erklärung: in dem Hof herrschte ein Echo, welches einen Klang vierzig- bis sechzigmal roieber» gab. Seitdem heißt das Landhaus „Casa Simonetta".

Karl Nellinghof.

„So?"

„Ja. Da ist ein indischer Rajah mit Gefolge. Einige amerikanische Bankiers, Ihre Sängerin — apropos — sie hat kostbare Schmucksache» . . ."

Dimitri unterbrach mit einer entrüsteten Handbewe­gung, aber der Sprecher kümmerte sich nicht darum, son­dern fuhr fort:

„Und ein paar Lords haben wir auch an Bord. Der eine ist ein Gelehrter, ein Forscher, der mit seiner Ex­pedition heimkehrt."

„Das haben Sie schon wieder herausgebracht."

„Es war nicht schwer. Aber es interessiert mich we­nig. Die Amerikaner und die Sängerin, der indische Na- bob . .

„Sergej Korbatschew, Finger weg von der Sängerin. Unter keinen Umständen dulde ich, daß Sie . . ."

„Sentimentalitäten sind bei uns nicht angebracht, Väterchen. Business is bufineff."

„Sie mögen darüber denken, wie Sie wollen, Vera Tscherskasina muß Ihnen heilig sein . . ."

„Gewiß, Väterchen, ihre Person ist es mir, aber...“

„Kein aber . . ."

„Streiten wir nicht darum, Väterchen. Wir müssen eben versuchen, uns zu verstehen. Aber wissen Sie, wer noch auf dem Schiffe ist? — Nun bes Petroleumkönigs Söhnchen, Tom Harrison, ber eifrige Verehrer Ihrer Sängerin . . ."

„Wenn Sie weiter nichts Neues mitteilen können, das wußte ich bereits."

„Sind Sie nicht eifersüchtig?"

„Nein."

„Die Bankiers gehören wahrscheinlich zu ihm?"

„3a, ja, es ist irgend etwas im Gange, wer weiß, was sie vorhaben."

„Uns kann es gleich fein. Jeder lebt für feinen Be­ruf."

„Sie ganz besonders, Sie sind rastlos im Pläne- schmieden."

„3a, wozu reifen wir den», Väterchen? Einer von uns beiden muß doch wenigstens gefchäfstüchtig fein. Sieben Tage sind wir ja auf diesem Schiffe mit allen den netten Herrschaften zusammen. Carpe biem sagt ein lateinisches Sprichwort."

Dimirit Urgejowitsch lächelte, unb doch vermochte er mit diesem Lächeln nur schwer zu verbergen, wie sehr

Wunder des Manges.

Klingende Säulen, Täler und Mrchen. — Romantische Echos.

Lautsprechers«lagen der Aalur.

Aus bem Altertum ist uns ein Slangmunber über­liefert, bas lange Jahrhunderte hindurch ehrfürchtige Bewunderung genoß, die tönenden Memnonfäulen in der alten ägyptischen Hauptstadt Theben. Der ägypti­sche König Amenophis III., ber von 1546 bis 1509 vor Christi Geburt regierte, ließ sie erbauen. Sie waren kolossale Steinfiguren, sitzenb dargestellt, und es wird von ihnen berichtet, daß sie bei Sonnenaufgang zu tönen begannen. Die Sage bemächtigte sich dieses Klangwunders und erklärte es damit, daß die Säulen zu Ehren der Memnon, der Göttin der Morgenröte, fönten, die man dem Erbauer zur Mutter gab. Das Tönen an sich braucht kein Märchen zu fein, sondern kann für Wahrheit angenommen werden. Denn auch beute noch gibt es ähnliche Klangwunder, für die uns zwar die Erklärung fehlt, die nicht anzuzweifeln sind.

Bei Honnef im Rheinland befindet sich das soge­nannte. „Singende Tal" von Thronecken. Dort hörte man zuweilen die unheimlichsten Stimmen, sowohl menschliche wie tierische. Ohrenzeugen wollen Hunde- bellen, Brüllen von Kühen, Wiehern von Pferden, Blök­ten von Schafen und andere minder genau definierbare Laute gehört haben. Auch menschlicher Gesang soll

vorkommen. Häufiger noch wird Glockenklang vernom­men. Woher diese Klänge kommen, ist bisher nicht er­gründet; man nimmt an, daß der durch den engen Daleingang streichende Wind die Töne erzeugt. Die­selbe Annahme hegt man bezüglich ähnlicher Erscheinun­gen in einem Alpental in Steiermark, der Kor - Alpe. Dort werden vor altem Glocken- unb Orgeltöne gehört. Auch bort gibt es einen engen Taleingang, der von ho­hen Felsen eingefaßt wird. Es liegt natürlich nahe, diesen für das Klangwunder verantwortlich zu machen, um so mehr als die Klänge nur bei Nordwind vernom­men werden und die Talöffnung nach Norden liegt.

Auf einen anderen Grund dagegen muß die „t ö - »ende Kirche" zurückgeführi werden, die Stiftskirche von Heiligenkreuz bei Wien. An heiße» Sommertagen, am Spätnachmittag bis gegen Abend, ist die Kirche mit einem eigenartigen Tönen angefüllt, fo daß man ver­meinen könnte, opm Chore her die murmelnden Stim­men der Mönche zu hören. Doch wenn man sich um­sieht, ist das Chor leer. Und dann mischen sich auch Orgeltöne drein, und das Murmeln geht vielleicht in einen dumpfen Gesang über. Wenn man nach bem Hochaltar zu geht, schwellen die Geräusche an, und ne-