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Vom hl. Christophorus.
betritt man den Frankfurter Dom durch das Portes nördlichen Ouerschiffes; so begrüßt den Besucher M rechts bei der Türe die gewaltige Figur des hl. Wftophorus. 18 Meter hoch ragt die mächtige Ge- Steinle ist der Schöpfer dieses Freskobildes. Mit "uhe nur gelang es ihm seiner Zeit, dem damaligen ^ipfarrer Münzenberger gegenüber — der am lieb» R' 'n ganzen Dom zu einem Museum alter Kunst- FJ; gemacht hätte — einer Gegenwartskunst' zum ^chbruch zu verhelfen. Wenn also auch nicht im For- !?en' so aber doch im Inhaltlichen, ließ sich Steinle MMittelalter leiten.
Ein Lieblingsheiliger dieser Zeit war der hl. Chri- Piforus. Zuverlässige Nachrichten über sein Leben ha- wir keine mehr. Die ältesten Berichte des Früh- ^lalters wissen um seinen hohen Wuchs; an Gestalt . er ein Goliath. Sie erzählen von der großen ^hnsuiht des jungen Riesen nach dem Christentum. 77r Kaiser Decius starb er den Martyrertod. Bor 2? erfleht er von Gott sichere Hilfe für seine 'orer, besonders gegen Todesgefahr. Im 12. Jahr- , vert gestaltet man ihn — wohl auf Grund feiner wensdeutung — zum Christusträger. In den poe- 2? ^hnstaphoruserzählungen dieser Zeit spiegelt sich ^.soziale Rangordnung von damals wieder. Unser ^'ger wird zum ritterlich-kühnen Vasallen deutscher O?nS- In Mannesmut und -treue, im Gefühl sei- Krast und Stärke will er dem Mächtigsten nur die- bot er seine Dienste einem berühmten König jl er aber eines Tages merken mußte, daß die- ^."onjg den Teufel fürchte, so suchte ermessen Dienste jfc J~0(b i3er Leusel fürchtete den, der den „Tod und überwand, den Gekreuzigten. Durch einen belehrt, diente nun der Riese dem König der B* durch ein seinen Kräften entsprechendes gott
gefälliges Werk. An einem breiten Strom baute er sich eine Hütte und> trug die Wanderer um der Liebe Christi willen durch die Flut. Eines Tages rief ihn ein Kind, um von ihm hinübergetragen zu werden. Er nahm den Knaben auf feine Schultern, ergriff den Stab und ging in den Fluß. Aber mit jedem Schritt schwoll und schwoll das Wasser und schwer und schwerer wurde der Knabe. Der Riese stöhnte und ächzte, als drücke auf ihn der ganze Himmelsdom: „Kind, wie bist du so schwer! Mir ist, als trüge ich die ganze Welt!" Da sprach das Kind: „Du trägst mehr als die Welt, den Herrn der Welt." Ihm, der bis zu dieser Stunde Oporus geheißen, gab das Christuskind nunmehr den Namen Christophorus, d. h. Christusträger.
Diesen Zug aus der Legende hat die darstellende Kunst vom 13. Jahrhundert an fast allein festgehalten. Sie zeigt Christophorus, den Riesen, mit einem Baumstamm als Stab und das Christuskind auf den Armen, später auf den Schultern tragend. Die ältesten Bilder unseres Heiligen (in der alten Kirche zu Garmisch, in der Klosterkirche der Reichenau) wurden früher oft für Madonnenbilder gehalten. Sie zeigen die Gestalt in Frontrichtung, mit bartlosem Gesicht, umgeben von reichem wallendem Haupthaar, in der Fürstentracht (keine Frauenkleider) des beginnenden Mittelalters. Das Gewand umfließt die Gestalt von oben bis unten und wird in der Mitte von einem Gürtel zusammengehalten. Auf dem linken Arm trägt die Gestalt das Christuskind in sitzender Stellung. Die Rechte stützt sich — und das ist ein sicheres Beweismittel der Deutung — auf einen mächtigen Stamm. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts vollzieht sich ein Wechsel in der Darstellung. Nunmehr kommt Bewegung in die Figur. Aus der Frontalgestalt wird die Profilstellung: Christophorus wird zum leben- bigen Riesen, der in ungezwungener Bewegung, aber unter deutlicher Kraftanstrengung die kostbare Last durch die Fluten trägt. Graphik und Plastik wetteifern in
unzähligen Darstellungen und machen den Christusträger zum Volksheiligen. An die Ausdruckskraft eines Künstlers wurden bei diesem Thema große Anforderungen gestellt. Galt es doch Riesenschultern, in körperlicher Kraft erschlafft, zum Thron eines Kindes, des Allerhöchsten zu gestalten. Welche Spannungen und Gegensätze! In den Gesichtszügen des mächtigen Riefen mit dem wallenden Bart ringt sprachloses Staunen mit dem Wunsche» von dem seltsamen Kinde auf seiner Schulter — das oft wie ein rechter Wildfang in den Locken feines Trägers zaust — zu erfahren, wie ein fo unbedeutendes kleines Etwas ihm — dem Riefen — derart zu schaffen machen könne. Das Handlungsmotiv wird nicht selten durch das Spiel der Hände, das zumeist durch die aufgewühlten und zu einer Muschel sich aufbauschenden Mantelmassen begleitet ist, unterstrichen.
Auf Grund der ältesten Lebensberichte des Heiligen war der Gaube allgemein verbreitet, daß man an dem Tage, da man das Bild des Christusträgers andächtig beschaue, vor jeglichem Ungemache, insbesondere vor einem jähen Tode bewahrt bleibe. So brachte man sein Bild gerne in der Nähe der Kirchentüre, außen ober innen an ber Wand an. Da mußte ihn jeder Kirchengänger sehen. Eine Inschrift erinnerte ihn noch daran, sich unter Christophs Schutz zu stellen.
Willst du nicht sterben jach (jäh), Sieh Christopher jeden Tag.
Oder über der Statue zu Oestrich (Rhgau) heißt es: Christkindlein tragt die Sünden der Welt.
St. Christophorus das Kindlein über Wasser hält. Sie haben es beide uns angetan, Wir wandern freudig himmelan.
In Winkel (Rheingau) heißt die Inschrift bann ganz allgemein:
Wer St. Christophs Vilbnis gläubig angesehen, Selben Tages hat kein Unglück zu begehen.
Daraus erklärt es sich auch, baß unser Heiliger unter bie Schar ber Nothelfer aufgenommen wurde. Es war bies eine Gruppe von 14 Heiligen, bie man befonbers im Mittelalter in bestimmten Nöten anrief (Wallfahrten nach Vierzehnheiligen in Bayern).
Durch bie Reformation würbe bie Verehrung bes Heiligen gleichsam säkularisiert. Nunmehr reizte biese Darstellung ben Künstler nur noch, weil er bas Spiel von Muskelkräften barstellen konnte. Unter biesem Gesichts» winkel finb bie Silber zu verstehen, bie in reiner Körperlichkeit schwelgen (Begas, Böhle, F. Winkler. . .). Erst M. Schiestl hat roieber an ben gotischen Christophorus anzuknüpfen versucht, zum Teil mit schönem Erfolg. Gleichzeitig erinnerte man sich wieber baran, baß St. Christophorus ber Schutzheilige ber Pilger und Reisenben war. So wählten ihn kaih. Automobilisten zu ihrem Patron. Befonbers in Frankreich unb in Italien kann man an ben Kühlhauben ber Autos eine Christophorus-Statuette ober -Plakette finden.
In jüngster Zeit hat A. Wendling (Aachen) dem Chri- stophorusbilb burch ein Holzschnittblatt eine neue Sinn« beutung zu geben versucht. Auf den graphischen Blättern ber Vergangenheit war Christophorus entmeber beim Durchwaten ber Fluten ober beim Gewinnen bes Uferranbes bargestellt. A. Wenbling stellt hinter bie schreitenbe Gestalt bes Christusträgers bie Dächer unb Türme von Häusern unb Hochbauten. Darunter schreibt er die Worte: Christusträger seid ihr. Damit will Christophorus unb durch ihn der Maler auch unserer Zeit sagen, was der Heilige dem Mittelalter war. Die Unterschrift eines St. Christophbildes sagt es also;
Sanet Christophori Bild dahier des Menschen Leben recht stellt für ain jeder tragt voll müh und plag fein redlich teil all jar und tag. glück freub auch leib unb sorgen viel tragt er mit got kommt er ans ziel.
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das von einer großen Gemeinde zugleich lndene Kunsterlebnis, der Laientanz aber den eigenen Vorgang und sein Erlebnis in änzern. Die kulturelle Bedeutung des Laien- s liegt wesentlich darin, daß auch der einfachste
Das hätten sich die Tanzkünstlerinnen, die Tanztheoretiker wohl auch nicht träumen lassen, daß inmitten ihrer unbürgerlichen und phantastischen — viele Tänzerinnen trugen Monokel! — i «in Mönch auftauchen und sie über den Tanz hn ' her Kirche belehren könnte. P. Friedrich Mucker- mann fand in München aufmerksames Gehör. Wie "fteht die Kirche zum Tanz? Verneinend? Mit- mitten. Und das war für die Musenkinder, die mm großen Teil wohl nicht allzuviel von katholi- chen Dingen wußten, eine Ueberraschung. Sie ver- mhmm nun, daß schon die alten Christen beim „ Gottesdienst im Chor den Tanz pflegten, daß an theik Gräbern der Märtyrer und zu den Vigilzeiten an den Kirchentüren getanzt wurde. Tänze gehörig zu den mittelalterlichen Mysterienspielen. Nein, 6er Tanz ist nicht schlechthin Widerchristliches. kTanz ist sogar eine bejahenswerte Kulturform: ! denn er hilft Gemeinschaft bilden. Eine Ge- ' Wirschaft, die mit rationalen Zwecken nichts zu f tun hat. Kunsttanz und Laientanz, beiden eignet
Symbolhaltigteit. „Der Kunsttanz" — wir en Muckermann — „wirkt gemeinschastbildend
s Mcnch zu einem Daseinserlebnis kommt, das vom leibseelischen Schwer- und Tiespunkt aus bestimmt mrb. Es geht nicht um ein Pläsier, sondern um bie Gewinnung und Erhaltung jener Höhen des Lebens, aus denen die Kräfte fließen müssen, die dm drängenden Interessen gegenüber die einigen« den Ideale sichern. Auch der einfachste Mensch tritt ’'«us der Enge seiner Welt frei in den Raum, den er gestaltet und beherrscht." Ein eindrucksvolleres Zeugnis für die Pofivität des Katholischen allen sichten Werten gegenüber hätte nicht abgelegt c werden können als diese Ansprache vor den Kindern der Terpsichore.
Katholiken und Theater.
In einem Sammelbericht über das Wiener c Theater in der abgelaufenen Spielzeit schreibt Prof. 2r. Viktor T r a u tz l in der bekannten Wochen- ichrist „Das Neue Reich" u. a.: Es gab kaum je- inals vorher eine Zeit, in der das Theater den großen geistigen Strömungen so ferne stand, das ■Ringen der Menschheit so wenig widerspiegelte als im letzten Halbjahre, wenigstens so weit wir die Wiener Bühnen in Betracht ziehen. Oder grinst uns aus dem Uebermaß an Frivolität und aufdringlicher Erotik, aus den von Glaubenshaß und Mstörenden Tendenzen getragenen Theaterstücken, f die man uns im letzten Halbjahre vorzusetzen gWe, wirklich das grausige Antlitz einer Mensch- entgegen, die in törichter Blindheit gegen sich s iilbst wütet? Fast möchte man es glauben, wenn i sieht, wie der katholisch und sittlich empfin- Wde Teil unserer Bevölkerung in die Verteidi- Wrig gedrängt ist, sch auf die Abwehr beschränken Wß. statt bestimmend und richtunggebend aufzu- treten.
|SBenn man die zahlenmäßige Stärke des katho- ; fflert Volksteils mit feinem Einfluß auf die Re-
iebter Sonnkag nach Pfingsten. >KLiunt Matthäus 7. 15—21. Warnung vor töngci « - ^chen Propheten.
er« jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Li* vor den falschen Propheten! Sie kom- Schafskleidern zu euch, innen aber sind sie ?" X Wölfe. An ihren Früchten könnt ihr sie 1 ««en Sammelt man etwa Trauben von öder Feigen von Disteln? So trägt jeder .Baum gute Früchte; ein schlechter Baum aber ■ j schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht u-chte Früchte tragen, ein schlechter Baum nicht j» Früchte. Jeder Baum, der nicht gute Früchte ‘-nt öirb ausgehauen und ins Feuer geworfen, «ihren Früchten also könnt ihr sie erkennen, jcht jeder, der zu mir sagt: „Herr Herr!" wird ”Tag Himmelreich eingehen, sondern wer den llllen meines Vaters im Himmel tut, der wird ' Himmelreich eingehen."
Katholizismus und Tanz.
Der Jesuitenpater auf dem internationalen Tänzerkongreß.
pertoiregestaltung der Wiener Bühnen vergleicht, dann kommt man zur Erkenntnis, daß hier ein grobes Mißverhältnis vorliegt. Gewiß, es ist der Tätigkeit verantwortlicher Kreise und der anständigen Presse gelungen, da und dort die schärfsten Angriffe abzuwehren, ja, sogar die Absetzung so manchen Stückes durchzusetzen. Aber es gelang nie — vielleicht machte man auch gar nicht den Versuch — Wiener Bühnen zur Aufführung von Stük- ken mit katholischer Tendenz zu veranlassen. Wir handeln so wie der Waldbesitzer, dem es zwar glückt, zuweilen Holzdiebe dingfest zu machen, der es aber verabsäumt, kahl geschlagene Stellen entsprechend aufzusorsten.
Seit zehn Jahren arbeitet in Wien die „C h r i st- liche Kunststelle", deren Leiter man das Zeugnis ausstellen muß, daß er unermüdlich bemüht ist, den Mitgliedern wertvolle Theateraufführungen zu bieten. Seinem Einflüsse gelang es auch wiederholt, Theaterdirektoren zu ermutigen, gute Theaterstücke in das Repertoire einzustellen, aber mehr zu erreichen, wirklich richtunggebend in den Bühnenbetrieb einzugreifen, blieb auch ihm versagt, weil ihn die Katholiken selbst im Stiche lassen. Die „Christliche Kunsfftelle" vermag heute nicht, einen Bühnenleiter durch die Garantie der Kartenabnahme für eine Reihe von Vorstellungen zur Aufführung eines bestimmten Stück zu bringen, weil sie nicht imstande ist, diese Garantie zu geben. Es gibt leider im katholischen Lager sehr viele Kritik« st er, die gegen die Lauheit der katholifchen Kunstkritik und die schlechte Geschäftsmoral der Theaterleiter zuFeldeziehen, selb st aber garnichts dazu tun, um die Verhältnisse zu belfern. Nur wenn wir am Theater selbst mitarbeiten und durch eine mächtige Besucherorgani- fation einen Druck auf die Bühnenleiter hinsichtlich der Stückeauswahl ausüben können, werden wir eine Besserung der derzeit vom katholischen Standpunkte aus fo trostlosen Theaterverhältnisse in Wien erzielen.
Ein zwiespältiges Antlitz zeigt der Mensch der Diaspora: verschüchtertes Alleinsein, ängstliche Isolierung, aber auch Mut zur Minderheit, entschiedenes Einstehen. Das erste ist Dekadenz im religiösen Sinne, verlorene Schlacht, das andere Aufbruch, Verheißung, Glaube an den Sieg. Wir können nur das Zweite wollen! Aus dem harten Gestein der Diaspora ein Antlitz herauszumeißeln, das enffchlossene Treue zeigt und unerschütterlichen Glauben.
Je stärker die Isolierung in der Diaspora wird, desto mehr müssen die inneren Kräfte wachgerufen werden. Es gilt Diaspora zu überwinden! Zunächst geistig im eigenen Herzen! Diese Meisterung ist schwere Ausgabe. Um uns stehen Großstadt, Technik — eine Welt in Kraft und Schönheit, aber auch in brutaler Gewalt. Das ist die Welt, die uns umgibt, umbrüllt, umklammert, als das einzig Reale sich uns aufdrängen will! Und das alles ohne Tradition, ohne die Stütze katholischer Vergangenheit, ohne den innewohnenden Strom katholisch kultureklln Lebens! Wohl alles, was sich an Größe und Leistung findet und von uns anerkannt sein will als Leistung und Großtat, ist nicht berührt worden vom übernatürllchen Hauch, ist nicht geschaffen als bewußt demütige Erfüllung des heiligen Eottesbefehles, die Welt zu erobern und dienstbar zu machen. Diese Welt steht selb ft» herrlich da und selbstbewußt! Und immer wieder, in der Diaspora, ohne bedeutendes Gegengewicht katholischer Leistung! Der Mensch der Diaspora hat nur sein Kirchlein, keinen Dom. Daneben aber steht die gigantische Welt. Das kann müde machen und verwirrt.
Und dennoch: Gerade hier geistige lieber» Windung! Jede Tat menschlicher Kultur ist ja nichts anderes, als schüchternes Nachtasten ewiger Gottesgedanken, Wirklichkeit geworden eben nur deswegen, weil in Gott sie möglich waren. Da kommt es gar nicht darauf an, ob es tragenber Stein ist, der "sich zu Gewölben fügt im Raume eines Domes,
Vom Sk. Raphael-Verein
zum Schuhe kath. deutscher Auswanderer E. v.
Der Verein zählte int Jahre 1929 12 645 Beratungen, davon mündlich 5 394 und schriftlich 7 251. Die eigentliche Betreuung in den europäischen Hafenstädten gliedert sich in einen religiösen Dienst und eine allgemeine Reisehilfe. Was ersteren betrifft, so fanden 410 Gottesdienste statt, die von 26 892 Auswandrern besucht wurden. Alle erhielten entsprechende Drucksachen und eine Merkkarte mit den Adressen unserer Dertrauensstellen in den Zielländern. Sodann sorgt der Verein für regelmäßige Instandhaltung der kirchlichen Einrichtungen an Bord (Altäre, Meßkoffer, Gesangbücher). Die allgemeine Reifehilfe kam 4 922 Schützlingen zu gut, welche von der Bahn abgeholt, untergebracht und transozeanisch empfohlen wurden. Unser Raphaels-Heim in Hamburg, das sich für die Unterbringung der Auswanderer als sehr wertvoll erwies, wurde auch von vielen Stadtbefuchern in Anspruch genommen. Es fanden im vergangenen Jahre 2897 Gäste (7928 Uebernachtungen) darunter 373 Priester und Missionare, Aufnahme. Außer Reichsdeutschen und Oesterreichern wurden auch Deutschstämmige aus Rumänien, Ungarn, Jugo- slavien, Tschechoslowakei und sremdnationale Katholiken, welche in großer Zahl über deutsche Höfen nach Kanada und Südamerika auswanderten, von den Vertrauensleuten des Vereins betreut.
Die Haupfstelle des St. Raphaels-Vereins befindet sich Hamburg 5, Große Allee 42. Dorthin wende man sich in allen mit der Auswanderung zusammenhängenden Fragen. Auch über die wirtschaftlichen Verhältnisse, sowie Verdienst- und Siedlungsmöglichkeiten in fremden Ländern ist der Verein unterrichtet. Jeder Ansragende erhält be= reitroilligft und kostenlos Auskunft. Ausreisende lallten nie versäumen, den Vertrauensstellen des St. Raphaels-Vereins in den Ausreisehäfen rechtzeitig Nachricht zu geben, damit für Abholung vom Bahnhof und für gute Unterkunft gesorgt werden kann. (Hamburg: Große Allee 42, Bremen: Falkenstr. 49, Rotterdam: Loschst 6a.)
ober gespannter Flügel am Rumpf 'eines Flugzeuges! Beides ist eine Offenbarung, beides soll führen zu Gott!
Die Stadt, die gottferne Stadt von heute unb bie Technik müssen uns wieber Boten werben unb Wege zu Gott!
Die Stabt: Wir stehen int heißen Atem ihrer Schlacht unb kämpfen in ihr. Unb doch — nicht in Ablehnung allein. Sie ist uns trotz allem verwandt und nah. Auch wir spüren in uns ihren Atem und tragen ihren Rhythmus. Mehr noch! Tausenden, Hunderttausenben von uns ist sie Heimat! Ja Heimat!
Uns ist Heimat kein stilles Haus am Berghang, barüber Tannen rauschen. Wo ein Weg hin- unterfübrt zum Weiler, durch Felder, zwischen Wiesenblumen. Das können wir lieben, lieben mit glühendem Herzen! Wir können uns danach sehnen — aber Heimat ist es uns nicht! Unsere Heimat ist die moderne Großstadt! Sind wir darum arm zu nennen? Es ist nun einmal so — unb alles verträumte Sehnen ist Lähmung! Vor uns aber steht bie Wirklichkeit, bie schöpferische Kraft erheischt. Da sollen wir — die Kräfte erkennen unb erlösen, bie bie Stabt in sich birgt! An ihren Energien unb ihrer rastlosen Arbeit soll unser Eifer s-ch entzünben! Ihr Strömen von Menschen soll uns unermüblich ins Bewußtsein hämmern, daß Millionen von Seelen zu retten sind! Stärker als ber Rausch ihrer Nächte muß unsere Reinheit wachsen! Weiter als bie Wellen ihrer Senber muß unsere Liebe zu ben armen Menschen reichen. „Setzt ben Wellen des Hasses die Wellen ber Liebe entgegen. Nicht Liebe, bie rebet, fonbern Liebe, die handelt." (Fiedler, 1. Defensive ob. Offensive.)
Die Stadt ist uns Rivalin, aber sie kann, ja sie soll uns Erweckerin werden!
Di e Te chn i k. Wir leben in einem technischen Zeitalter. Da gibt es fein Zurückgehen; auch das ist eine Gegebenheit, bie wir meistern müssen. Wir
Diaspora — Großstadt — Technik!
Gedanken eines Großstädters.
sind weder Menschen der Gotik, noch Menschen des Barock! Wir sind Menschen einer Zeit, bie neue Sachlichkeit will! Den Alten oft unverständlich findet das neue technische Wollen bei den jungen Menschen begeisterte Aufnahme. Es ist eine ganz andere Einstellung geworden in den letzten Jahren. Wer vor dem Kriege Kind war, erlebte die Technik anders als die Kinder von heute. Nicht mit dieser Selbstverständlichkeit. Der Vergleich wird ja heute vielfach nicht der Natur entnommen unb auf Men- schenwerk übertragen, die Technik gibt bie Anschauung ben Begriff, der modernen Menschenkindern das Verständnis der Natur erschließt. Diese technische Einstellung ist überall; aber nirgends fo groß, fo falt, so leer von jeder Uebernatur — wie in ber großstädtischen Diaspora. Hier ist bas technische Zeitalter tlarer herausgestellt, ungehemmter entwickelt. Hier, in ber Diaspora wird sich auch der Kampf um bas Zeitalter entscheiben. Da gibt es feine Deckung, fein Ausruhen hinter f a- tholischer K u l t u r le i ft u n g vergange- ner Generationen. D a f a n n s i ch w an« f en b e r Glaube ni ch t retten in Mili- e u s, da wird er zerzaust unb geschüttelt, geschmiedet ober zerbrochen!
Geistige Ueberroinbung, Aufbruch ober verlorene Schlacht! Die Entscheidung in der Diaspora ist Symbol! Wie heule diese Generation in Hamburg, Berlin, Leipzia ihren Glauben bewahrt und vertieft, ihr apostolisches Wollen entzündet, so wird in einem Jahrzehnt auch in Aachen, Köln, Mainz, Fulda die Entscheidung fallen!
„Noch fönnen wir siegen unb die Welt retten. Aber nur bann, wenn die Welt uns wiedererfennt an jener Liebe, die nach Christiwort das Zeichen feiner Jünger ist." (Fiedler Bd. 1).
Franziskaner in Ostpreußen.
Die „Erml. Ztg." (Nr. 154 vom 7. Juli b. Js.) teilt mit, baß am 4. Juli 1830 von ber preußischen Regierung bas Wartenburger Francs- fcmerfloster geschlossen würbe. Schon am 30. Oktober 1810 war bie Schließung aller ost« preußischen Klöster verfügt worben. Es sollte aber bamit bis zum Aussterben ber Mönche gewartet werden. Als nun am 4. Juli 1830 der letzte Franziskanerpriester des Wartenburger Klosters gestorben war, nahm der Staat davon sofort Besitz. Die staatliche Abordnung fand beim betreten des Klosters den Guardian Tiburtius Bo- jarzinowski in feiner Zelle tot am Boden. Nach dem amtlichen Bericht wurde in Gegenwart der Abordnung die Leiche des Paters Guardian dem Klosterbrauch zufolge durch einige int Kloster befindliche Mitbrüder auf ein dazu eigens hergerichtetes Brett und in die untern Gänge neben ein! Kruzifix niedergelegt. Von den erhofften Reichtümern wurde in dem armen Kloster nichts gefunden. Sakristei unb Kirchentüren würben noch Uebertragung bes Allerheiligsten in bie Pfarrkirche geschloffen, unb nur an Fest- unb Wallfahrtstagen öffnete bie Kirche frommen Besuchern ihre Pforten. Die Regierung wollte angeblich aus ber Anlage eine Fabrik ober eine Schule oder ein Eremitenhaus Herstellen. Schließlich wurde daraus em — Zuchthaus. Bet einem großen Brande 1846 wurden die Klostergebäude fast sämtlich zerstört, und nur die Kirche allein blieb erhalten, die heute der katholischen Gemeinde gehört — nicht ohne fangen schweren Kampf. Den letzten Ordenspriestc r haben nur noch ein Kleriker und drei Laienbrüder überlebt. Nach dem Weltkriege sind wieder kleine Franziskanergemeinden in Ermland, fo inAllenst e i n, Mehlsack zugelaffen. H.M,
Vom Auslandsdeutschkum.
—Die (Betreuen, bas Organ des Reichsverbandes für bie katholischen Auslanddeut« fchen in Berlin SW 11, Strefemannftratze 17, enthalten in ihrem soeben erschienenen 4. Hefte (Juli—August 1930) folgende bemerkenswerte Beiträge: von H. Pfifft- Brünn: „Ein Eiland im Slawenmeere, die Deutschen der Iglauer Sprachinsel", von einer deutschen Ordensschwester in Chile: „Sie Schwestern der christlichen Liebe in den deutschen Kolonien im südlichen Chile", von einem argentinischen Pater: „Deutsche Katholiken im argentinischen Chaco", von Pater Theodor Amstad S. I., Brasilien: „Der vierzehnte Katholikentag von Rio Grande do Sul". Eine „Rundschau" berichtet über die Jahrestaqungen der Deutschtumsverbände.