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Donnerstag, 24. Juli 1930

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Ertcheinl sechsmal wöchentlich. WochenbeilagenI „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag ver Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- - leituna 1152. Fuldaer Nctiendruckere' 1150 und 1151 ::

teilnahme Aachens an dem Unglück ausgespro chen. — Aehnliches wird aus Trier gemeldet.

weiter gearbeitet.

Von auf der Totenliste verzeichneten 33 Per­sonen sind 4 noch nicht identifiziert, die übrigen sind sämtlich aus Koblenz oder der näheren Umgebung. Einer der Verunglückten stammt aus Wißlinghausen bei Barmen.

denen dieser Reichstag aufgelöst wurde, gebendem Wahlkampf und seiner Zielsetzung besonderen Charakter. Er richtet sich in erster Linie gegen die zerstörenden Kräfte des Marxismus.

Die Landwirtschaft kann und will es nicht mehr ertragen, daß sie das Opfer der Parteitaktik von diesen in sich uneinigen und zur Uebernahme der Verantwortung unfähigen poliftschen Parteien wird. So wertvolle Dienste der von der Grünen Front in das Parlament übernommene Gedanke der Querverbindungen geleistet hat, in der nunmehr entstandenen gesamtpolitischen Lage reicht er allein nicht aus. In der außerparlamentarischen wirt­schaftspolitischen Auseinandersetzung hat sich für die gesamte Landwirtschaft der geschlossene Block des im Reichslandbunde zusammengefaßten Land­volkes als starkes, schlagfertiges, unabhängiges Kampfmittel bewährt. Der deutsche Bauer will nicht, daß diese bewährte Kampforganisation von gewissen Parteien und Parteigruppen mißbraucht wird. Abgestoßen von diesem Parteihader und vom Gezänk der einzelnen Klippen stellt sich das Landvolk nunmehr auch für den parlamentarischen Kampf auf eigene Füße. Unbeirrt durch alle An­griffe und Verleumdungen, in geschlossener Ab­wehr gegen jede Störung der Einigkeit in den eigenen Reihen, wird es seinen geraden Weg gehen, in der Ueberzeugung, daß beste Bauern- politik gleichzeitig auch beste Staats- und Natio­nalpolitik ist. Die außergewöhnliche gefährdete Lage der deutschen Landwirtschaft verlangt auch für den politisch-parlamentarischen Kampf außer­ordentliche Maßnahmen.

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat deshalb beschlossen, unter bewußter Abkehr von der bisher geübten Methode für die kommenden Wah­len seine Mitglieder aufzufordern, der Sammel­parole des Berufsstandes zu folgen und, soweit es die örtlichen Verhältnisse zulassen, einzutreten für die Wahl auf Landorlklisten in allen Provinzen und Ländern. Nach wie vor bleibt die Unabhän­gigkeit und Selbständigkeit der Landbundorgani­sation gegenüber jedem Parteigebilde oberstes Gebot.

Im übrigen ist die Stellungnahme des Reichs» iandbundes zu den einzelnen Parteien und Par­teigebilden lediglich bedingt durch den Grad ihres bisherigen und künftigen Eintretens für die Forde­rungen, die der Reichslandbund für das Wohl des deutschen Landvolkes und der Gesamtheit erhebt.

Die Stunde ist da, in der jeder erkennen wird, wer Freund, wer Feind! Die Abwehr aller Be­suche, unsere Organisation zu zerstören, wird uns im Kampfe außerhalb und innerhalb des Parla­mentes nur umso fester zusammenschweißen.

Wenn das deutsche Landvolk unter seiner eigenen Fahne in den Wahlkampf marschiert, so will es dabei nicht neue Zersplitterung, sondern Stärkung aller Kräfte, die im Kampfe für die von Hinden­burg gewiesenen Ziele in einer Front stehen.

Die Hugenberg-Trümmer.

Die vier sächsischen deutschnatio­nalen Reichstagsabgeordneten Domsch, Hartmann, Dr. Philipp und Dr. Rademacher ha­ben an den Landesausschuß der Deutschnationalen Volkspartei für Sachsen ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihren Austritt aus der Partei erklären. Sie sahen in der Arbeit des Kabinetts Brüning trotz vieler sachlicher und persönlicher Be-

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wtb Berlin. 23. Juli. (Eig. Meld.) Aus An­laß des tragischen Unglücks in Koblenz setzten teilte die Reich sbebärden in der Rei-sts-

Anteilnahme in Aachrn.

wtb. Aachen, 23. Juli. (Eig. Meld.) Die völkerung von Aachen ist erschüttert über

worden. Ueber der Stadt liegt tiefe Trauer. Heute vormittag um 11 Uhr fand im Sitzungssaal des Rathauses eine Trauerkundgebung statt.

wtb. Rom. 23. Juli. (Eig. Meld.) Italien ist heute nacht kurz nach 1 Uhr von einem Erd­beben heimgesucht worden, dem eine Anzahl Men­schen zum Opfer gefallen ist. In N e a p e I wurde durch das wellenförmig auftretende Beben ein Palast teilweise zum Einsturz gebracht, wobei 2 Personen getötet und 5 verletzt wurden. Welter wurde durch den Einsturz eines 5 stückigen Hauses ein Kind getötet und 5 Personen verletzt. Don dem Erdbeben wurden nach bisherigen Verlaut­barungen weiter bettoffen die Städte P o t e n z a, Matera, Rionero, Melfi, Barile, Atella. Aus den bis jetzt vorliegenden Mel­dungen geht hervor, daß bisher 10 Tote in Barile, 2 Tote in Atella und 4 Tote in Landhäusern in der Umgebung von Atella zu beklagen sind. In Potenza wurden 3 Personen, in der Umgebung von Denosa sind 7 Personen verletzt. In Filiano stürzten mehrere Häuser und eine Kirche ein. Auch aus Ascoli, Sattiano und Cancellara werden Häusereinstürze gemeldet. Auch in Campobasso und Avellino wur­den die Erschütterungen wahrgenvmmen.

In Salerno ist der Oberbau des Doms ein­gestürzt und die Decke eingebrochen. Vom Desuv- Observatorium, dessen Seismograph bei den heftt- gen Erschütterungen aus den Federn sprang, wird Gebäudeschaden gemeldet. In den Gefängnissen verlangten die Sträflinge ihre Freilassung, doch kam es zu keiner Ordnungsstörung. Etwa 20 Per­sonen kamen bei dem panikartigen Gedränge auf

den Sttaßen zu Schaden, deren elektrische Be­leuchtung nach dem Erdbeben nicht mehr funktio­nierte. Seit Menschengedenken will man in Neapel keine so starken Erdbeben­stöße verspürt haben. Das Erdbeben setzte um 1.10 Uhr ein und dauerte in 3 Stößen gegen eine Minute. Die größte Heftigkeit erreichten die Stöße nach etwa 30 Sekunden. Die Stärke des Erd­bebens erklärt sich auch aus der unmittelbaren Nähe des Epi-Zenttums, das sich in Visciano bei Avellino befindet.

Das Erdbeben wurde in ganz Mittel­italien, vor allem in den Abruzzen beobachtet, wo es jedoch keinen Schaden angerichtet hat. In Rom wurde das Erdbeben nur als leichte Stöße wahrgenommen.

Feuerwehr und faszistische Miliz sind überall mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Die Re­gierung hat sofort ein großes Hilfswerk für die heimgesuchten Gegenden organisiert.

*

Nach den letzten Meldungen hat das Erdbeben noch weit mehr Opfer gefordert als man ursprüng­lich annahm. Besonders schwer hermgesucht wurde die Provinz Potenza und namentlich die Stadt Melfi. 100 Tote und mehrere 100 Verwun­dete sind hier zu verzeichnen. Aus R a p o l l a werden 20 Tote und 30 Verletzte, aus Rionero 11 Tote und 50 Verletzte, aus der Provinz B e- nevento 12 Tote und 40 Verletzte und aus der Provinz Foggia bis jetzt 3 lote und zahl­reiche Verletzte gemeldet.

hängt. Als der Reichspräsident am Stadthaus vor- suhr, verharrte die Menge, die ihm gestern zuge- lubelt hatte, in ernstem Schweigen. An der Trauerkundgebung nahmen auch die in Koblenz anwesenden Minister des Reiches und von Preußen und die übrigen Herren der Begleitung des Reichs­präsidenten teil. Zu Beginn der Trauerfeier be­richtete Oberbürgermeister Russell über das entsetz­liche Unglück, das etwa 40 Menschenleben gefordert hat. Mit tiefernster Miene nahm Reichs­präsident von Hindenburg als Ehrenbürger der Stadt Koblenz dann selbst das Wort.

Hindenburg sagte: Tief bewegt stehe ich als ehemaliger Bürger von Koblenz und Ehrenbürger in ihrer Mitte, um Ihnen mein innigstes Mit­gefühl auszusprechen über das große Unglück, das in so jäher Weise die gesttige Festesfreude abge­schlossen hat. Ich gedenke mit Wehmut der Ver­storbenen und mit warmer Teilnahme ihrer Hin­terbliebenen. Wo es möglich ist, werde ich in der Not helfen. Ich habe gestern Freude mit Ihnen getauscht, heute empfinde ich mit Ihnen den tiefen Schmerz, der Sie und das Land getroffen hat. Gott segne die armen kauernden Hinterbliebenen in ihrem Leide und segne die teueren Entschlafe­nen.

Oberbürgermeister Dr. Ruffel dankte dem Reichspräsidenten für diese aus ganzem Herzen kommenden Worte. Sie sollen uns, fügte er hin­zu, Trost sein. Diesen Trost werde ich den Hin­terbliebenen übermitteln. Auf die Bitte des Ober­bürgermeisters erhob sich die Trauerversammlung zum Andenken der Verstorbenen und weihte ihnen ein stilles Gedenken.

Als der Reichspräsident nach der Feier seinen Wagen bestieg, verharrte die Menge wieder in ehrfürchtigem Schweigen. Der Reichspräsident fuhr zum Bahnhof und verließ Koblenz mit seiner Be­gleitung mit dem fahrplanmäßigen Zug um 12.24 Uhr, um nach Berlin zurückzukehren.

CNB. Berlin. 23. Juli. (Eig. Meldg.). Wie wir hören, hat der Herr Reichspräsident für die Hinterbliebenen zunächst eine Summe von 10 000 Mark zur Verfügung gestellt.

Brünings Beileid.

wtb. Berlin. 23. Juli. (Eig. Meld.) Der Reichskanzler hat an den Oberpräsidenten das folgende Beileidstelegramm gerichtet: Ueber die Stadt Koblenz und das rheinische Volk ist, wre ich soeben zu meinem tiefsten Schmerz erfahre, durch eine schwere Katastrophe, der viele frohe Menschen zum Opfer gefallen sind, erneut schweres Leid hereingebrochen. Es ist mir ein Herzensbe­dürfnis, Ihnen zugleich im Namen der Reichsregie­rung meine aufrichtigste Anteilnahme auszuspre­chen und zu bitten, diese auch den Hinterbliebenen der auf so tragische Weise ums Leben Gekommenen zu übermitteln. Den Verletzten bitte ich meine be­sten Wünsche für baldige Genesung auszusprechen.

Zirka 40 Take.

Bisher 36 Leichen in Koblenz geborgen.

bauptstadt und am Taae der Bü^-una der Dnfer die R e i ch s b e h ö r d e n in Preußen Flaggen auf Halbmast.

schwere Prüfung, die dem Rheinlande durch Koblenzer Unglück auferlegt worden ist. Die Stadt­verwaltung hat sofort alle Feiern abge­sagt und die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Die Privathäuser folgten diesem Beispiel. Ober­bürgermeister Rombach hat im Namen der Aache­ner Stadtverwaltung der Stadt Koblenz die An-

wtb. Koblenz, 23. Juli. (Eig. Meldg.).

wir erfahren, sind bis mittags 12 Uhr 36 «Leichen geborgen. Man rechnet damit, daß noch 4—5 Tote unter der Brücke zwilchen den Trümmern und im Schlamm liegen. An ihrer Bergung wird

Kommt ein tegftiehe der Mlelparleien?

Sammelruf der deutschen Volkspartei.

Tragischer Abschluß der Rheinland-Fahrt. Vrücken-Einstnrz in Koblenz nach dem Feuerwerk. — Bisher z6 Tote geborgen. — Der Reichspräsident bricht die Reife ab. Später sollen Trier und Aachen besucht werden.

Eine ergreifende Trauer-Feier.

Schweres Erdbeben in Snditnüen.

150 Menschen ums Leben gekommen.—Zahlreiche Häuser zerstört und beschädigt. — Am stärksten heimgesucht wurde die Provinz potenza.

Uwtb. Berlin, 23. Juli. (Eig. Meld.) Reichs- yrsniinister von Guerard hat aus Anlaß des Al n "Sturzes von Koblenz einen Kommissar ntersuchung dortkrn entsandt.

^auerkundgebung in Koblenz.

Koblenz, 23. Juli. (Eig. Meld.) Wie di: heute vormittag 10 Uhr mitteilt, sind 33 n geborgen worden. Daß zuerst höhere genannt wurden, erklärt sich aus der all- Isonh.1! Aufregung und dem Durcheinander, das M»d 6sm auch bei den überlasteten Behörden be- WL ' J«in vermutet jedoch an amtlichen Stellen, BieQ 0°) 4 b is 5 Personen im Wasser 3-”' Die Leichen sind in der Turnhalle an ^M^^graphen-Kaserne aufgebahrt. Hier sind o bis 6 Leichen von Angehörigen erkannt

C.N.D. Berlin, 23. Juli. (Eig. Meld.) Das Schreiben des Parteivorftandes der Deutschen Volkspartei, mit dem sich der Parteiführer Dr. Scholz an eine Reihe von Parteien und politischen Gruppen der Mitte gewandt hat, hat in der Ber­liner Prelle bereits ein starkes Echo gefunden. Je nach Parteistellung der einzelnen Blätter wird das Schreiben mehr oder weniger zustimmend oder ablehnend besprochen. Die schärfite Ablehnung er­fährt der Aufruf durch die Vo s s i s ch e Zeitung, wenn sie schreibt: Die deutsche Volkspartei settt sich dem Verdacht aus, daß sie weniger um des Ideals und mehr um ihrer selbst willen der Reichsregie­rung zuvorkommen und sich die Führung in einer Kombination sichern wolle, die ihr den Wahlkampf erleichtern, eine Mehrheitsbildung im neuen Reichstage aber unendlich erschweren würde. Sehr begrüßt wird die volksvarteiliche Aktion von der D. A. Z., die in dem Schreiben den ersten Anlaß zu einem bürgerlichen „Nichtangriffspakt" erblickt. Auch die „Germania" bespricht das Schreiben in zustimmendem Sinne und weist darauf hin, daß die Vorgänge in der liberalen Mitte und auf der Rechten zeigen, wie stark die Parteien durch die Auflösuna de« Reichstages in Bewegung ge­raten sind, was das Blatt als kein schlechtes Zei­chen wertet. Ueber den Erfolg des volksparteili- chen Aufrufes äußern sich die Blätter fast überein­stimmend dahin, daß die Neugründung einer gro­ßen Sammelpartei der politischen Gruppen der Mitte im gegenwärtigen Augenblick wohl außer­halb der politischen Möglichkeiten stehe, daß aber schon viel erreicht sei, wenn wenigstens ein Burgfriede zustande käme.

Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei hat beschlossen, an eine Anzahl von Parteien und Parteigruppen ein Schreiben zu richten, in dem in der Einleitung zunächst darauf hingewiesen wird, daß in allen Bevölkerungskreisen ein starkes Seh­nen nach Zusammenfassung aller staat sbejahenden Kräfte lebe. Der Par­teivorstand habe daher beschlossen, die Zusammen­fassung aller derjenigen herbeizuführen, die unter Zurückstellung des Trennenden bereit seien, sich aktiv in den Dienst des Staates zu stellen. Deshalb ist zunächst der Christlich-Nationalen Arbeitsgemeinschaft, der Deutschen Demokratischen Partei, der Gruppe Graf Westarp und der Wirtschaftspa r- t e i durch Reichsminister a. D. Scholtz im Namen des Parteivorstandes die Aufforderung zugegan­gen, ihm mit möglichster Beschleunigung mitzutei­len, ob sie bereit seien, an einer zu diesem Zwecke einzuberufenden Besprechung teilzunehmen. Der Brief ist ferner auch Reichskanzler Dr. Brü­ning (in seiner Eigenschaft als Kanzler) mit einem entsprechenden Anschreiben zugeleitet worden.

Der Laudbuud.

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat folgende Entschließung gefaßt:

. Am 18. Juli hat int Reichstage der Macht­wille der Sozialdemoftatie mit Hilfe falsch ge­führter Kräfte der Rechten über den Versuch des Reichspräsidenten von Hindenburg gesiegt, das in seiner Märzbotschaft verkündete Rettungsprogramm auch gegen einen verantwortungslosen Parla­mentarismus durchzuführen und damit dem Land­wirt inmitten härtester Erntearbeit einen neuen Wahlkamps aufgezwungen. Die Umstände, unter

I 2ie Feier in Koblenz, die anläßlich der Rhein- landfahrt Hindenburgs stattfand, endete mit einem

°ßen Feuerwerk am Rhein. Nach Abschluß der -länzend verlaufenen Beleuchtung der Feste Ehren- breitstein und des Deutschen Ecks strömten die Mas­sen, die a m N e u e n d o r f e r Ufer zu Tausenden versammelt waren, über die schmale Pon­tonbrücke des Sicherheitshafens in § o b l e n z-L ü tz e l. Als sich etwa hundert Men­schen auf der Brücke befanden, brach diese zusam- nien, und sämtliche Personen fielen ins Wasser. Die ins Wasser Gefallenen wurden zum Teil von den niederstürzenden Balken erschlagen, zum Teil von den umkippenden schweren Pontons unter Wasser gedruckt. Nur einige in der Nähe des Ufers befind­liche Personen konnten sich retten, andere wurden herausgefischt. Der größte Teil ertrank. Bis Mitternacht wurden 34 Tote geborgen.

Die Pontonbrücke befindet sich am Floßhafen on d e r M o s e l. Das Wasser ist an dieser Stelle etwa sechs Meter tief. Die Schwere des Unglücks ist zweifellos darauf zurückzuführen, daß sich i n dem nächtlichen Dunkel die Leute in ihrer Todesangst gegenseitig anklammerten und in die Kefe rissen. Der Polizeipräsident hat sofort nach Sekanntwerden des Unglücks fämtlicheFeier- lichkeiten im Bezirk Koblenz absagen l-iien. *

T. N. B. Trier, 23. Juli. (Eig. Meld.) B->i der Stadtverwaltung ist eine Mftteilung desReichs- xrWenten eingegangen, daß er infolge des furcht- itun Unglücks in Koblenz nicht in der Lage sei, bei den Feiern in Trier und Aachen zu erschei­nen. Er werde lediglich heute noch an einer Trall­er kundgebung in Koblenz teilnehmen und alsdann sofort nach Berlin zurückkehren. Der Reichspräsident hoffe jedoch, die Fahrt nach Trier und Aachen binnen kurzem nach­holen zu können.

Der Hergang der Katastrophe

wtb. Koblenz, 23. Juli. (Eig. Meld.) Das furcht­bare Unglück, das heute nacht der Festfreude ein frühes Ziel fetzte, hat sich folgendermaßen zugetra- gen: Aks nach Beendigung der Festbeleuchtung an Win und Mosel die Zuschauer von dem Vorort Koblenz-Neuendorf nach Koblenz-Lützel zurück- f-römten, drängten sich an der Unglücksbrücke, die über eine etwa 25 Meter breite Hafeneinfahrt führt, uugesahr 70 Menschen zusammen. Die schmale, leicht gebaute Brücke war dieser Belastung nicht ge­wachsen und brach ein. Die auf der Brücke Befind­lichen stürzten ins Wasser. Nur wenige, die schon naher an das Ende der Brücke herangekommen wa- ^n, konnten sich an den noch stehenden Teilen des «Enders festhalten und entgingen so dem Tode. Se meisten versanken in dem Wasser, das hier 4 «eter tief ist. Schreckliche Hilferufe schallten durch ^e Nacht. Feuerwehr, Schupo, Sanitätskolonnen, -ieichswehrsoldaten, die sich aus Anlaß des Hinden- uurgtages auf Urlaub befanden, leisteten so rasch a>s möglich Hilfe, konnten leider aber nicht mehr ,eI ausrichten. Die Dunkelheit machte das Ret- mngswerk ungemein schwierig. Nur wenige Per- wnen konnten noch lebend geborgen werden. Die clen chiesen zum Teil schwere Verletzungen auf. yWtflidje Szenen spielten sich angesichts der Lü- Xg Qb; Die Identität der meisten blieb fraglich, p°.es sich nicht nur um Einwohner von Koblenz- der u' Indern auch um Fremde handelte, die aus r Umgebung herbeigeströ nt waren. Als beson- 5 "agisch ist zu verzeichnen, daß

einem Pensionat von etwa 30 jungen Mädchen, e C0!1 auswärts hierher gekommen waren, sich

12 Mädchen unter den Toten

finden. Unglücklicherweise schlugen alle Versuche 9» ote Brücke zu heben, obwohl man alle Anstren- j ™en unternommen hatte, weil man unter den 6s ;nm?rn der Brücke noch mit Verletzten rechnete.

b’5 öum Vormittag noch nicht gelungen, die Sie vn.?U5 Hrer augenblicklichen Gage zu bewegen, int rbjud)ung5arbeiten bei der Hafeneinfahrt und Ifeink en .selbst werden auch in den Vormittags-

Oen mit allen Kräften fortgesetzt.

MaerZeitung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

wtb. Koblenz, 23. Juli. (Gig. Meld.) Stadtverordnetensitzungssaal fand heute mittag die Trauerkundgebung für die Opfer des furchtbaren Koblenzer Unglücks statt. Der Saal war schwarz verhängt, die Fenstervorhänge vorge­zogen und nur die umflorten Leuchter verbreiteten ein schwaches, gedämpftes Licht. Schwarz umflort war ein großes Kruzifix, das auf beiden Seiten non Kandelabern umgeben war, im Saal aufge-