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dort den endgültigen Bündnis» u. Touveränitäts- vertrag zu unterzeichnen, der das Berhältnis zu EngiaiD ähnlich regelt, wie es in Aegypten der gescheiterte Vertrag vorsah.

Sechzig Jahre Suezkanal.

Von Herbert Hünecke.

Kein wirtschaftliches Projekt hat wohl so lange aus seine Verwirklichung warten müssen, wie die Herstellung einer Wasserstraße zwischen dem Mit- relländifchen und dem Roten Meer. Denn wenn auch Aegypten im vorigen Herbst den Tag begehen konnte, an dem vor 60 Jahren der Suezkanal of­fiziell seiner Bestimmung übergeben wurde, so reicht doch die Entstehung des Planes über drei Jahrtausende zurück.

Rhamses II. (1348—1281 o. Ehr.) war der erste, der aus wirtschaftlichen und machtpolitischen Grün­den an die Schaffung eines direkten Wasserweges vom Niltal zum Roten Meer dachte. Er schritt auch zur Inangriffnahme des Planes, doch der Bau des Kanals, der von Bubastis im Nildelta nördlich des heutigen Kairo nach dem Nordende der Bitterfeen führen sollte, scheint nicht weit gediehen zu sein. Erst Necho (610—592) ließ die Wasserstraße fort­setzen und gleichzeitig derart erweitern, daß zwei Dreiruderer sich auf ihr kreuzen konnten. Es sollte ein Werk werden, daß sich den großen Pyramiden­bauten der Vierten Dynastie würdig zur Seite stel­len konnte. Die Durchführung wurde aber plötz­lich unterbrochen, weil man befürchtete, der Spiegel des Roten Meeres liege wesentlich höher als das Niltal und der Kanalbau werde deshalb die völ­lige Ueberschwemmung Aegyptens nach sich ziehen. Erft Darius vollendete den Kanal bis zu seiner Ein­mündung in die Bitterseen und Ptolemäer und Römer setzten ihn später mehrfach wieder in Stand. Das Eigentliche Interesse an der Wasserstraße war aber mit dem Verlust der ägyptischen Handelsver­bindungen nach dem südlichen Afrika geschwunden, so daß der Kanal nach dem Untergang Westroms völlig der Vergessenheit anheimfiel und versandete.

Erst die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien riicff" die Frage einer neuerlichen Durchstechung de' indenge wieder in den Vordergrund. Unter ar en setzte sich auch L e i b n i z für den Plan ein. bei. jedoch die Unzulänglichkeit der Hilfsmittel und die politischen Besitzverhältnisse damals zur Aus­sichtslosigkeit verdammten. Unter günstigeren Au­spizien schien der von Napoleon wieder aufgenom­mene Gedanke zu stehen, aber der erzwungene Ab­zug der Franzosen aus Aegypten rückte die Durch- führung wieder in weite Ferne. Auch die Regie­rung Mehmed Alis und Abbas Paschas war dem erneut auftauchenden Plan ungünstig.

Erst unter dem fortschrittlichen Vizekönig Said Pascha konnte der französische Diplomat Ferdinand de L e s f e p s das Projekt wieder aufgreifen, nach­dem er in einer Druckschrift den Nutzen des Unter- nehmens nachgewiesen und die Geschäftswelt in Frankreich und Oesterreich, die am Handel mit dem Nahen Oriena am meisten interessiert war, dafür gewonnen hatte. Im Jahre 1856 ernannte Said Pascha den Franzosen zum „Dirigenten des Kanal­baus". Nachdem Lesfeps die Trasse abgesteckt hatte, legte er zwei Jahre später ein« Anleihe auf, die in Frankreich mit 200 Millionen Franken gezeich­net wurde.

Da setzte plötzlich der Widerstand Eng­lands ein, das feine Interessen und seine Kolo­nien im Fernen Osten durch den neuen Schiffahrts- weg gefährdet sah, weil dieser — in fremden Hän­den liegend — eine bedeutend verkürzte Anmarsch­straße für eine feindliche Flotte darstellen konnte Obwohl England auch den Souverän des Vize­königs, den Sultan, für sich zu gewinnen wußte, vermochte Lesfeps doch dank Said Paschas tatkräf­tiger Unterstützung 1859 mit dem Bau zu begin­nen. Die Arbeiten erstreckten sich über zehn Jahre und erforderten die für damalige Verhältnisse ge­waltige Summe von 427 Millionen Goldfranken.

Schließlich ging nach sieben Jahren — inzwi­schen war Ismail Pascha seinem Vorgänger Said Pascha auf dem vizeköniglichen Thron gefolgt — die amtliche Genehmigung der Pforte ein. Aber auch dann noch schien die feierliche Eröffnung des inzwischen beendeten Kanals in Frage gestellt. Am 17. Februar 1867 hatte ein Triester Schiff als erstes die neue Wasserstraße passiert und damit den Verkehr inoffiziell eröffnet. Diese Gelegen­heit benutzte der zum Khedioe erhobene Vizekönig, um von Konstantinopel einen Erlaß zu erhalten, der ihn unter anderem auch zu A Ordnungen nur dem Gebiete des Transitwesens r nächtigte, doch nur unter der Bedingung, daß jerartige Ver­fügungen nicht den Charakter internationaler Ak­tionen annahmen Ismail Pascha hielt sich nicht an die Vereinbarungen und besuchte im Frühjahr 1869 in eigener Person die europäischen Fürsten­höfe, um die verschiedenen Herrscher zur feierlichen Einweihung des Kanals einzuladen. Die Pforte erhob hiergegen, wohl nicht ohne Betreiben Eng­lands, heftigen Einspruch und mb ihre Cinwittl- gung zur offiziellen Eröffnung erst, als Ismail Pascha neben anderen Zugeständnissen die Ablie­ferung der in Triest zur Deckung des Kanals be­stellten Panzerschiffe versprach und als die der Ein­ladung folgenden Fürstlichkeiten ihren vorherigen Höflichkeitsbesuch beim Sultan, als dem Souverän Aegyptens, ankündigten. Am 17. November 1869 fand dann die feierliche Einweihung im Beisein des Kaisers von Oesterreich, des preußischen Kron­prinzen und der Kaiserin Eugenie statt.

Das erste Rechnungsjahr 1870 der Suezkanal- gesellschast wies noch die geringe Einnahme von fünf Millionen Goldfranken auf, weil die englische Handelsflotte von der Benutzung des neuen See­weges absoh. Die Dinge änderten sich aber wesent­lich, als England angesichts der vollendeten Tat­sache seine bisherige Politik des Widerstandes auf­gab und Ismail Paschas gesamtes Paket an Ka- nalaktien für vier Millionen Pfund kaufte. Im Jahre 1880 waren die jährlichen Einnahmen der Kanalgesellschaft schon auf vierzig Millionen Fran­ken gestiegen.

Der Aufstand Arabi Paschas gab den Englän­dern die erwünscbte Gelegenheit, sich zu Herren des Kanals zu machen und damit diese bisherige Ge­fährdung ihres indischen Besitzes in eine Stütze ihrer Kolonialmacht zu verwandeln. Den Bemü­hungen der Mächte gelang es 1898 im Vertrag von Konstantinopel, die Neutralisierung des Schiff­fahrtsweges gegen Englands Willen durchzusetzen. Der Suezkanal sollte auch im Kriege den Kriegs- und Handelsschiffen aller Nationen geöffnet sein. England nahm den Vertrag erst mit Vorbehalt, 1904 bedingungslos an, behandelte jedoch im Kriege den Kanal als eigenes Gewässer. Dem bri­tischen Interesse am wichtigsten Schiffahrtswege der östlichen Halbkugel verdankte Aegypten sein Herabsinken zur englischen Kolonie.

Ptf hflQ für

vativen eine der ersten Amtshandlungen der jet­zigen Arbeiterregierung aufnahm, die Erklärung, daß die schon 1914 verkündigte Unabhängigkeit Aegyptens verwirklicht und das Land der Vor­mundschaft des britischen Oberkommissars entzogen werden sollte. Doch die Erregung ist wohl un­nötig gewesen, denn die mit Aegypten getroffenen Vereinbarungen sehen die weitere Besetzung des Kanalgebietes durch englische Truppen vor. Au­ßerdem liegt im Norden die Mittelmeerflotte auf ständiger Wacht, und im Süden verschließt Ader, jedem etwaigen Feinde das Rote Meer.

Abgesehen von der durch Englands Politik her­vorgerufenen Unruhe hat der Suezkanal außer­ordentlich günstige wirtschaftliche Folgen für das gesamte Europa gehabt. Die Verkürzung des

Seewegs nach Australien, Indien und Ostafrika um 20 bis 45 Prozent bedingte eine wesentliche Ersparnis an Schiffsraum, Zeit, Kohle und da­mit eine Herabsetzung der Frachtkosten. In enger Verbindung hiermit iteht die jetzt erst möglich ge­wordene stärkere Besiedlung des Ostens durch Europäer und der Austausch von Massenartikeln zwischen Asien und Australien und dem Westen Diese Tatsache findet ihren augenfälligen Ausdruck in der Ziffer der jährlich den Kanal benutzenden Schiffstonnage, die von 436 000 Nettotonnen im Jahre 1870 heute nach vorübergehendem Rückgang während des Krieges auf über zwanzig Millionen gestiegen ist. Lesfeps Name wird als der eines großen Kulturpioniers für immer in den Annalen der Weltgeschichte geschrieben stehen.

Die Front gegen Brüning.

Von einem parlamentarischen Mitarbeiter.

Im Reichstag gab es an dem traurigsten Schluhtag, den diese Volksvertretung je erlebt hat, ein Schauspiel, das alte, erfahrene Parlamentarier eigenartig packte. Graf Westarp dokumen­tierte in aller Oeffenllichkeit seine Absage an Hugenberg, der ja dann auch der Austritt Westarps aus der deutschnationalen Reichstags­fraktion wie aus der deutschnationalen Volkspartei folgte. Wir haben mit Graf Westarp oft die Klin­gen kreuzen müssen. Aber wer ihn kannte in sei­ner Zeit vor dem Kriege, im Kriege und nach dem Kriege und der Revolution, der hatte doch immer das Gefühl, daß hier ein ehrlicher Kämpfer, ein überzeugter Streiter stand. Welche Gefühle mögen es wohl gewesen sein, die Graf Westarp bewegten, als er in jener Minute auf der Reichstagstribüne stand und sein politisches Wirken der letzten Jahrzehnte vor seinem Auge passieren ließ! Dieses Intermezzo hat nicht nur dem Grafen Westarp, sondern dem ganzen Parlament die Tra­gik vor Augen geführt, von der die einst große, angesehene konservative Partei erfaßt worden ist.

Und wie ein erschütternder Beweis für den er­barmungswürdigen Niedergang der einstigen mäch­tigen konservativen Bewegung mutete bann das Nachspiel an: Hugenberg Arm in Arm mit Scheide mann und Thälmann. So weit ist die kleingeistige Kasernenhofpolitik Hugenbergs gekommen, daß er es fertigbrachte, in einem Zeit­räume, der für die politische Entwicklung nichts bedeutet, diese einst große konservative Partei zu einem Stammtisch des Riegelwand-Einrenn- vereins zu etablieren! Und der Hüter der Kultur fand sich getreulich mit Scheidemann und Thäl­mann zusammen, nur weil ihm die Nasenspitze des Herrn Brüning nicht paßt!

Jämmerlicher und erbärmlicher ist auf der Rech­ten noch nicht Politik gemacht worden. Dieses Kabinett Brüning, von dem Reichspräsiden­ten berufen, um Ordnung zu schaffen in der öffentlichen Finanzwirtschaft, aber auch um Hilfe zu bringen der Wirtschaft, insbesondere der Landwirtschaft, wird von den Vertretern derselben Richtung geworfen, die sich seinerzeit rühmte, ausschlaggebend an der Wahl Hindenburgs beteiligt gewesen zu sein. Jetzt lassen sie Hinden­burg nicht nur im Stich, sie stellen sich vielmehr in offne Gegnerschaft und Feindschaft ihm gegen­über.

Und als Hilfstruppe hierfür bediente sich Hugen- verg Scheidemanns und Thälmanns!

Hugenberg — lebe wohl!

Der bisherige deutschnationale Reichstagsabge- ordnete General v. Lettow-Vorbeck in Bre­men hat folgendes Schreiben an Hugenberg gerich­tet:

Bremen, 20. Juli 1930.

Sehr geehrter Herr Geheimrat!

Durch die letzte Abstimmung im Reichstage bin ich zu der Uaberjeugung gekommen, daß i ch Ihrer Führung nicht mehr zu folgen vermag. Die Gründe sind die gleichen, die ich Ihnen in engerem Kreise und nachher in der Frak­tion auseinandergesetzt habe. Ich erkläre daher meinen Austritt aus der Deutschna­tionalen Partei.

Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener v. Lettow-Vorbeck."

Unter den deutschnationalen Abgeordneten, die Herrn Hugenberg den Rücken gekehrt haben, befin­den sich auch die vier deutschnationalen Mitglieder des verflossenen Reichs- tags aus Württemberg. Drei von ihnen waren die Kandidaten des württembergischsn Bau­ern- und Weingartenbundes. Einer (Bazille) war der Kandidat der Bürgerpartei. Für die Stim­mung in den ehemals deutschnationalen Kreisen Württembergs ist ein Artikel von Interesse, den der deutschnationale Landtagsabgeordnete Dr. Hölscher im Ulmer Tagblatt veröffentlicht, in dem er u. a. folgendes ausführt: ch

„Die deutschnationale Volkspartei ist zerschla­gen, gründlich zerschlagen, und wird, vom Umfang abgesehen, in der seitherigen Zusammensetzung nicht wiederkehren. Der Trennungsstrich ist gezogen, und jeder Flickversuch wäre vergeb lich und verderblich. Ein Verbleiben der württembergischen Bürgerpartei in­nerhalb der deutschnationalen Volkspartei so, wie sie unter Hugenbergs Leitung sich entwickelt, sich selbst vernichtet hat, kann unter keinen Um­ständen mehr in Frage kommen. Die mürbem» bergische Bürgerpartei muß jetzt ihre eigenen Wege gehen. aDs allein wird ihre Wählerschaft, von ei­nigen Außenseitern abgesehen, verstehen.

Dr. Dryander aus der deutschnationalen Volkspartei ausgetreten.

wtb. Duisburg, 22. Juli. (Eig. Meld.) Der Reichstagsabgeordnete Geheimrat Dryander, der den Reichstagswahlkreis Düsseldorf-West vertritt, hat seinen Austritt aus her deutschnationalen Volkspartei erklärt.

Sogar der Stahlhelm gegen hugenberg!

Was man nicht alles in der Politik erlebt! In seltener „Treue" hat der Stahlhelm Hugenbergs „Volksbegehren" unterstützt. Er hat sich sogar ge­gen den Reichspräsidenten ausgesprochen, als dieser die Pounggesetze unterzeichnete. Eine Folge die­ser deutschen Außenpolitik war jetzt die Befrei­ung der Rheinlande. Jetzt marschiert derselbe Stahlhelm, wie die Hugenderg-Presse schreibt, unter Führung Seldtes mit fünftausend Mannen auf, und erkennt doch damit zu mindesten die große Befreiungstat öffentlich an.

Um an den Befreiungsfeiern teilnehmen zu

in Rheinland und Wesffalen möglich. Aber Herrn Hugenberg paßte das nicht. Seine Presse richtete scharfe Angriffe gegen den Stahlhelm, der sich nach ihrer Ansicht einem Diktat der preußischen Regie­rung unterworfen hat. Besonders war es der „Tag". Dazu schreibt nun die Stahlhelm-Korre­spondenz, daß „die Politik des Stahlhelm, solange sie den Wünschen der deutschnationalen Parteirich- tung zu entsprechen schien, die Zustimmung auch der Deutschnationalen und deren Presse gefunden habe. Jetzt, da der Stahlhelm die Lösung des Konflikts mit der preußischen Regierung herbeige­führt habe, was im Sinne des Reichspräsidenten gelegen gewesen sei, vergesse man alles. Es fei beachtenswei wie sehr P a r te i v o l i t i k die F r e u n d s i ft an spezifischem Gewicht über­treffe."

Bedeutet das etwas anderes, als eine glatte Absage des Stahlhelm an Hugenberg? ,,Auch diese treue Stütze seh ich fallen", so wird er sagen.

Graf Westarp, der angesehene konservative Politiker, der die Kata'i ophen-Politik Hugenbergs nicht mehr mit macht und als Führer eines Hindenburg-Blockes ■ im Wahlkampf hervortreten wird.

„Marsch-Verbände".

Wie wir erfahren, bedeutet das Scheitern der ersten Verhandlungen über eine Zusammenfassung der Sezessio nisten der Deutschnatio­nalen Volkspartei, als deren natürliche Kristallisationszelle zunächst die Westarp-Gruppe erschien, noch keine endgültige Entscheidung über das Verhältnis dieser Gruppen zu einander im Wahlkampf. Man erwartet eine weitere Klärung durch die bevorstehende angesetzte Sitzung des Reichslandbundes. Es wird behauptet, daß die Christlich-NationalenBauernMinister Schiele als Spitzenkandidat aufstellen wollen und auf den Gewinn der Stimmen der Reichs- landbundleute hoffen. Uebrigens geht das Ge­rücht, daß Minister Schiele in Kürze feinen end­gültigen Austritt aus der Deutschnationalen Volks­partei vollziehen wird. Inwieweit sich eine selbst­ständige Gruppe Westarp erhalten wird, läßt sich noch nicht überblicken, umso weniger, als nicht feststeht, ob sie die ihr zugeschriebene Wahlparole „Für Kaiser und Reich", an deren Auf­stellung Treviranus und seine Anhänger Anstoß genommen haben, aufzustellen beabsichtigt. Ebenso ist nicht sicher, ob die Jungdeutsche Volks natio­nale Reichsvereinigung allein Vorgehen will. Aus parlamentarischen Kreisen verlautet außerdem, daß die Christlich-Sozialen mit der Volksrechtspartei eine Listenverbindung einzugehen beabsichtigen, und daß die Volks - konservativen ein Wahlkartell mit den Deutsch-Hannoveranern geschlossen hätten. Schließlich wird auch von einer Fühlungnahme mit der Volkspartei und Wirtschaftspartei, mit dem Ziel, gemeinsam in den Wahlkampf zu gehen, gesprochen. Welche Marschverbände sich für den Wahlkampf bilden werden, wird sich aber end­gültig erst in einiger Zeit übersehen lassen.

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Angesichts dieser heillosen Verwirrung, in der sich nur noch zünftige Politiker auskennen, sagt sich der Zentrums-Anhänger mit freudigem Stolz: wir wissen wie und wohin wir mar­schieren. In der geschlossenen, auf ihren e i g e n en erprobten Grundsätzen ruhenden Zentrumspartei braucht man Marsch-Kameraden nicht zu suchen und wird dadurch vor allgemeinem Durcheinander sicher bewahrt.

Von Amerika aus gesehen!

wtb. Washington, 22. 7. (Eig. Meld.) Die innerpolitische Entwicklung der letzten Tage' in Berlin, insbesondere die im Zusammenhang mit der Auflösung des Reichstages stehenden Ereignisse, haben hier beträchtliche Aufmerksamkeit erregt und viele Kommentare in den Blättern beider Par­teien hervorgerufen. Liberale Blätter, wie New Pork World und Baltimore Sun, erklären, daß es sich bei der Anwendung des Art. 48 und der Auflösung des Reichstages um verfassungsmäßige Akte handele und daß kein Diktator in Deutschland regiere, sondern das Volk, das selbst bei den kommenden Neuwahlen zu entscheiden habe, was künftig geschehen soll. Public Leder und Was­hington Star wiederholen den von Parker Gil- bert in feiner Schlußkritik am deutschen Budget- System erhobenen Vorwurf, daß Deutschland in seiner öffentlichen Finanzgebahrung in den letzten Jahren nicht die notwendige Sparsantkeit aufgebracht habe. Di« Regierung Brüning habe begonnen, sparsam zu wirtschaften und den Haushalt zu balancieren. Sie sei aber i von den extremen Parteien daran ge-

Star erinnert daran, daß Amerika Hu„ von Millionen Dollar in deu Unternehmungen investiert habe infolgedessen Amerika an Deutschlands fjp tischer Entwicklung sehr interessiert sei.

Der Reichswahlleiler.

wtb Berlin, 22. Juli. (Eig Meld.) Reichsminister des Innern hat zum Reichs ter den Präsidenten des statistischen Reil Geheimen Regierungsrat Professor Dr. z mann, und zu seinem Stellvertreter den im Statistischen Reichsamt, Geheimen Reg: rat Mosinger ernannt. Für den Fall' Hinderung des Reichswahlleiters und feine Vertreters wird das Mitglied des Sta Reichsamts, Oberregierungsrat Dr. Pusch Wahmehmuna der Geschäfte des Reichswa beauftragt. Die Geschäftsräume des Reic leiters befinden sich in Berlin W 15, Sui dämm 193-94, Fernruf Berlin Bismarck 11 legramm-Adreffe: .Reichswahlleiter Berlin .

Das Elend.

wtb. Berlin, 22. Juli. (Eig. Meld.) g, ort Mariendorf kam es heute nacht zu Reil zwischen einer kommunistischen „Sie könne" und N a t i o n a l s o z i a l i st en D tionalsozialisten gaben mehrere Schüsse ab Kommunist wurde erheblich, zwei Passanter verletzt.

* Mordanklage gegen Beter Marlin ( u. Gen. Wie eine Berliner Korrespondenz richten weiß, hat nach dem Scheitern des An antrages nunmehr das preußische Iustizy rium den Oberstaatsanwalt in Neiße beau gegen den Schriftsteller Peter Martin Lamp seine ehemaligen Freikorpskameraden Schn gsr und von Bollwitz Anklage wegen der ( ßung eines der Spionage für Polen verdö Angehörigen des Freikorps Oberland zu er und zwar soll die Anklage auf Mord lauten. Verhandlung dürfte das Schwurgericht Neiße vor Oktober beschäftigen.

* Generalstreikbeschluh der irischen Eisend (Eig. Meld.) Der Nationalverband der Eisenl in Irland beschloß, am Dienstag um Mitte den Generalstreik auf der Southern way zu beginnen, da die geforderte Wiedere. jung entlassener Eisenbahnarbeiter nicht <j worden ist.

* Ein Attentat in Bukarest. Aus Bukare^ gemeldet: Gegen den Stellvertreter des * Ministers Dajda Wojwod, Minister Kons Angelescu, wurde ein Revolverattentat 1 Ein Student feuerte drei Schüsse auf den N ab, der schwer verletzt wurde. Sein Zustand als ernst bezeichnet. Der Anschlag erfolgte in Arbeit^immer Angelescus im Gebäude des nenministeriums. Der Name des verhafteten I täters wurde noch nicht bekanntgegeben. Es lautet, daß es sich um einen fanatischen A semiten handele, der noch weitere Ans geplant habe.

* Bon der Tscheka als Geisel entführt? „Hamburger Echo" meldet: Der bei der Se der Deutsch-Russischen Lager- und Trcmsp sellschaft in Hamburg, als höherer Angestellt viereinhalb Jahren beschäftigte Schain erhielt vor kurzem von sowjetistischer N Rußland die Aufforderung, sofort, und zwi nerhalb weniger läge, nach Rußland abzu um sich dort wegen irgendeiner Angelegenh verantworten. Schainhold weigerte sich und« darauf von einem Gericht in Rußland in ■ seyheit zum Tode verurteilt. Am a wurde nun der 18jährige Sohn Schain durch den in russischen Diensten stehenden sta. fetretär Schmidt nach Kiel gelockt und ooe ein Schiff gebracht, das mit ihm sofort n a ch R land abdampfte. Was dort mit ihm schehen soll oder geschieht, darüber fehlt dem ter bisher jede Nachricht. Es liegt jedoch der - dacht nahe, daß der minderjährige, nach rnM Recht aber demnächst großjährig werdende W bald der Tscheka als Geisel dienen soll. Hamburger Justizpressestelle gibt bekannt, l Sachen der gemeldeten Entführung in Hw eine Verhaftung erfolgt sei. Der befehl fei im Haftprüfungstermin bestätigt den. Weiteres könne int Interesse der « suchung vorläufig noch nicht gesagt werden, einer Erklärung der Pressestelle der Berliner jetbokschaft heißt es, daß der angeblich enl Sohn des Sowjetbürgers Schejchot auf feine Initiative und feinen ausdrücklichen Wunsch, dem er sich mit feinem Vater überworfen hw Reise nach Rußland angetreten habe.

Von den Hochschulen.

- Rebellion des Asta der Technischen Hochs«! München. Der Asta der Technischen Hochschule - der Zusammensetzung, die er in der Wahl vom o-q halten hatte, eine Sitzung ab, obwohl der Sen« Wahl für ungültig erklärt hatte.

spruch, der auf die Entscheidung des Senats M schob der Vorsitzende einfach bei Seite. Der AW also offene Rebellion gegen den Senat der HoaMf wird vollkommen von dem Waffenring und oen nalsozialisten beherrscht.

Eine traurige Statistik.

16 036 Selbstmorde in Deutschland in einem lla Die Tagerzisser beträgt 44. — 59.4 Prozent aller - morde entfallen aus Preußen.

Welche Größe das Heer der Selbstmörder 'M der 12 Monate erreicht, geht daraus hervor^ einer der neuesten Zusammenstellungen des St«, Reichsamtes im Jahre 1928 im Deutschen WO/$ gesamt 16036 Selbstmorde — also tm durchschnitt rund 44 — zu verzeichnen waren- den Selbstmördern befanden sich 11239 mann 4797 weibliche Personen. Auffälligerweise hat 2 der Selbstmorde weiblicher Personen im -o»11 eine Zunahme um 150 Fälle erfahren, wad- männlichen Selbstmorde von 11327 im Jahre 11239 — mithin um 88 — zurückzingen. für den Entschluß, freiwillig aus dem Leben 3«. waren nicht immer restlos aufzuklären: neben n seelischen Leid und unheilbaren körperlichen beiten übten andere Momente wie Liebeslumm letztes Ehrgefühl und — namentlich in sinkeno junktur — schwierige wirtschaftliche Verhaltnme beitslosigkeit einen nicht zu überfchätzenden u» die Häufigkeit der Selbstmorde aus. Was m lung der Selbstmordzahlen auf die deutschen und Landesteile betrifft, so entfielen auf b allein mit 9530 Selbstmördern (6b9U n« und 2840 weiblichen) mehr als 59.4 Pro8« Fälle; an zweiter Stelle folgt S a ch f en mit 1»* mordfällen. Abgesehen von der Reichshaupil der sich im Laufe des Jahres 1928 insge Selbstmorde ereigneten, war die Häufigkeit