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20. 3m»

BonOet-Hitrnmee Oes fulOaes Zettrrng

Talern für die Verpflegung alter Leute hinterlassen, was dankbar anerkannt wird. Der Betrag ist in dem beson­deren Sparbuch für Hospitalstiftungen langfristig ange­legt und kirchlich genehmigt.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung, Rechnungsablage, legt die Oberin ihr Hausverwaltungsbuch vor. Das ist ein hohes, schmales Kontobuch für Einnahme und Aus­gabe; da stehen links das monatliche Haushaltungsgeld, die Kapellenkollekte, einige Geschenke, Betrag für ein ver­kauftes Masttier ufw., rechts find die genauen Einzel­kosten für Lebensmittel, für den kleinen Haushaltsbedarf, für Reparaturen, Löhne und Mutterhausgebühren, für Almosen usw. gebucht. Der Pfarrer macht wie alljähr­lich einige Stichproben, addiert auch einige Seiten. Es stimmt, das kann man unterschreiben: Für richtig be­funden, den 10. April 1880, RR. In ihrem Sparbuch hat die Oberin noch 210,10 Mark ;was sie in ihrem klei­nen „blauen Beutel" an Einzelgaben für Blumen in der Kapelle und für Weihnachtsgeschenke noch besitzt, ist ihre eigene Angelegenheit. Der Rendant erklärt, daß er im Hospital-Sparbuch einen Bestand von 2300 Mark habe, und daß er nach Begleichung der rückständigen sicheren Aktivrechnungen mit einem Bestand von 2100 Mark rech­nen könne. Die Jahresrechnung 1879 werde er im Laufe des Sommers vorlegen. Der Sparfonds für den späteren Erweiterungsflügel mit Operationssaal beläuft sich mit Zinsen auf 7911,12 Mark. Vorgelegt wird zu Punkt 2 die von der Kalkulatur des Generalvikariates revidierte Rechnung 1878. Die Verwaltung hat 11 Monita erhal­ten mit der schriftlichen Bemerkung, 11 Monita feien nicht das Zeichen eines guten Rendanten. Die Herren blicken gemessen drein, aber der Kaplan beklagt sich: Von den Monita bezögen sich nur 3 auf Rechenfehler, und die stäken in den Belegen und ergäben zusammen 31 Pfg.

Werbeapostel zur Werbearbeit schicken. Und wäre es im Anfang nur ein Dutzend, das größte Reich der Erde hat mit einem Dutzend Apostel ange- sangeu. Ein erstes Gebot der ArbeiterseelsorgL lautet also: „Organisation". Dieser Ansicht war übrigens auch Papst Leo XIIZ., welcher den französischen Bischöfen sagte: „Mahnt euren Kle­rus, er soll nicht nur predigen, sondern auch unter; die Leute gehen, und er soll die Leute aufsuchen, wo sie noch zu finden sind, und sie in katholische Vereinigungen bringen, daß das religiöse Leben erneuert werde." Das leidige Wort, dazu bin ich nicht verpflichtet, sollte man in unserer Zeit der Not nicht hören. Und mit der noch wohlfeileren Ausrede, wie man sie leider auch noch in unseren Tagen zu hören bekommt: „Machet die Arbeiter zu guten Christen, und die soziale Frage ist gelöst, hat man auch herzlich wenig erreicht. Denn das ist gerade der springende Punkt. Die neuzeitliche Seel­sorge soll den Arbeiter, der sich in äußerst ungun- fügen Lebensverhältnissen befindet, zum guten Chri« sten machen. Dazu muß dem Seelsorger gerade die Organisation behilflich sein. Uebrigens könnte man mit demselben Recht den Satz umkehren und sagen: „Machet die Arbeitgeber zu gu­ten Christen. Lehret sie namentlich, daß die Gerechtigkeit eine Kardinaltugend und die Vorent­haltung des verdienten Lohnes, ungerechter Ab­zug usw. eine himmelschreiende Sünde ist, und ihr werdet die Reihen der Sozialisten mindestens dezr- mieren." . ,. .. 1

Die Arbeiterorganisationen sind dem­nach für jeden Pastor bonus wertvolle und nicht zu unterschätzende Hilfs mitte Im der Erziehung der Seelen. Sie erwecken int Arbei­ter und in der Arbeiterin den religiösen Geist; sie sind ein trefflicher Sonntagsheiligungsverein für den arbeitenden Stand; sie sind kräftige Stützen für die Hochhaltung des fünften Gebotes; sie schir- men Gesundheit und Leben der arbeitenden Klasse und gewähren ihr sittlichen Schutz und Halt. In den verschiedenen Kassen und Wohlfahttseinrich- tungen erziehen sie die katholische Arbeiterwelt zu einer wahrhaft christlichen Solidarität, die wir in die Katechismussprache übersetzt als die Summe der leiblichen Werke der Barmherzigkeit bezeich­nen müßten. Was hier von den katholischen StaN- desvereinen gesagt ist, möchten wir auch auf die christlichen Gewerkschaften ausdehnen, deren große Mission gerade kürzlich der neue Bischof von Haarlem und eine römische KonMeft gationsentscheidung in prächtiger Weise umschrieben haben. ____________ ,

Wenn man wünsche, wolle er sie persönlich ersetzen, aber sein Rendanturgehalt von 100 Mark trage das kaum ein.

Der Pfarrer geht lächelnd zu Punkt 3 über und trägt vor, ob man das Angebot der alten N. N., gegen einzu­bringende 310 Taler sie lebenslänglich aufzunehmen, an­nehmen könne. Die Angelegenheit ist nicht klar, weil besagte N. N. vermutlich noch Familienverpflichtungen hat, und wird vertagt.

Der Arzt meldet zu Punkt 4, Anschaffungen, einige Wünsche an; es wird ihm ein zweiter Operationstisch samt den nötigen Skalpellen und Scheren bewilligt. Die Oberin soll sehen, daß nicht mehr der Anstreichermeister X, der sich allmählich zu sehr in der Anstaltsarbeit fest, setzt, sondern der Y die 5 Zimmer im oberen Stockwerk erneuert.

Zu Punkt Verschiedenes wird auf Anfrage bestätigt, daß die Armenverwaltung immer noch einen Tagessatz von 0,75 Mark für mittellose Kranke und von 0,50 Mark für bedürftige alte Leute vergüte; von den Kranken der 3. Pflegeklasse erhalte man, wenn sie zahlen könnten, 1 Mark und einige Nebenkosten, man komme aber aus. Der Pastor will zur nächsten Herbstkollekte des Hospitals besonders eindringlich von der Kanzel mahnen, weil doch im vergangenen Jahr aus den Bauernschaften 18 Zent­ner Kartoffeln weniger und aus der Stadt 21 Taler weniger an Gaben eingekommen sind als das Jahr zu­vor. Die Schwester Oberin müsse wahrhaftig schon im Mai Kartoffeln hinzukaufen. Der Kaplan solle den Leu­ten beim Rundgang mehr zureden, wenn sie klagten, der Pflegesatz fei zu hoch.

Dann spricht man vom leidigen Kulturkampf, und das Kuratorium verabschiedet sich von der Oberin bis zur nächsten Sitzung im Sommer oder Herbst, wenn's nötig ist, früher." --

„Ein Blick in die Karitasanstalt vor 50 Jahren. Am Osterdienstag 1880 hält das Kuratorium des katholischen Kranken- und Altershospitals in der Landstadt X Jahres­versammlung. Der Pfarrer schreitet mit den würdigen Mitgliedern aus der Pfarrgemeinde, dem ältesten im Hause tätigen Arzte und dem rendanturführenden Kaplan durch das ganze Haus und blickt in die Behandlungs­und Pflegeräume. Einige Krankenzimmer sind anstrich- bedürftig. Man fchaut in die Küche, den Keller, in die Wäscherei, das Bügelzimmer und den Nähraum, und weil die Oberin in den Schwesternschlafräumen, im Man- sardengeschoß einige durchregnete Stellen zeigt, unter­sucht man vom Speicher das Dach. Man stellt fest, daß die schon früher in Aussicht genommene Umlegung eines Dachteiles nicht mehr aufgefchoben werden kann. Der Pfarrer übernimmt es, Angebote einzuziehen und mit einem der Kuratoriumsmitglieder den Auftrag zu ertei­len. Im Stall lobt man das Muttertier mit den 12 Ferkel. Die Oberin soll an Stelle des brüchigen Vieh- keffels einen neuen beschaffen. Man muß sparen und immer sparen in den schweren Zeiten! Den alten Ho- spitalknecht soll die Oberin noch etwas fester in die Zügel nehmen, er hat nämlich wieder einen zuviel gehoben und Krakeel geschlagen; fleißig und treu ist er ja sonst. In der Kapelle macht man eine Kniebeugung. Beim Kaffee im schlichten Besuchszimmer lobt man das gute Brot aus der Anstaltsbäckerei. .

Dann trügt die Schwester Pförtnerin zu Punkt 1 der Tagesordnung, Jahresbericht, das Aufnahmebuch her­ein. Es sind im vergangenen Jahre 34 Kranke mehr verpflegt worden als 1878, 2 alte Leute sind hinzugekom­men. Der Vorsitzende gedenkt des Kuratoriumsmitglie- des N. und des tüchtigen Dienstmädchens N., die im ver­gangenen Jahre vom Herrgott abberufen worden feien. Das Kuratoriumsmitglied hat ein kleines Legat von 50

Zirkel des anderen störe, keine Arbeit unnötiger­weise doppelt getan und keine vernachlässigt werde. — Wo eine solche einheitliche und wohlerwogene Organisation der pastoralen Arbeit stattfindet, wird mit der doppelten Freude und mit einem herz- erhebendem Erfolge gewirkt; die sechzig- und hun­dertfältige Frucht kann nicht ausbleiben." (Dr. Beck, Briefe über Arbeiterseelsorge.)

Der Primat unter den pastoralen Mitteln ge­bührt stets den ordentlichen und althergebrachten Obliegenheiten des Lehr-, Priester- und Hirtenamtes. Eine Riesenkraft zur Welt­erneuerung und zur wahren Reform auch unseres Zeitalters liegt in diesem dreifachen Amt, das der Welterlöser seiner Kirche und ihrem Priestev- tum übertragen hat. Hauptgesetz, speziell für alles sozial-pastorale Wirken, ist und bleibt dabei die Liebe des Priesterherzens zum arbeitenden Volke. „Wer auf die Arbeiter wirken will," sagt Kol- ping, „muß das Herz zum Pfände einsetzen." Mit aller Bücherweisheit, Soziologie, National­ökonomie und Psychologie wird eine gedeihliche, segenbringende Seelsorge nicht erzielt, so lange diese brennende innerliche Liebe zum arbeitenden Volke fehll. Der eitle Streber, der Hascher nach Volksgunst und wohlfeilen Rednerlorbeeren, der Bewunderer der eigenen Persönlichkeit wird als solcher von den Arbeitern rasch durchschaut. Wil­ligen Herzens kommt aber der noch nicht ver­hetzte katholische Arbeiter dem echten Priester entgegen.

Betrachtet doch den Triumphzug der Liebe durch die Jahrtausende! Alle die großen, monu­mentalen Schöpfungen des apostolischen Geistes, von denen die Kirchen- und Völkergeschichte redet, von der Gründung des Priestertums durch den Heiland, von der Ordnung der Armenpflege durch die Apostel, von dem Auszuge der irischen Bene­diktiner in die germanischen Urwälder bis zur Schaffung der Krankenpflege- und Erziehungskon­gregationen durch Vinzenz von Paul, Johann Bap­tist de la Salle, Theodosius Florentini und Gio­vanni Bosco, waren ihrem ganzen Wesen nach Werke priesterlicher Liebe. So wird auch die mo­derne Arbeiterpastoration einzig auf dem ewig fruchtbaren Nährboden der priesterlichen Liebe jugendkräftig aufsprossen, blühen und Früchte tta- gen. Nicht die Wissenschaft, noch weniger die Staatsklugheit wird das wirtschaftliche Problem lösen; in letzter Instanz wird nur die opferfreudige Nächstenliebe die Wege finden und beschreiten, welche zum Gemüte des Volkes führen und die Seele des Arbeiters den Erwägungen des gesell­schaftlichen Wohles zugänglich machen. Diese warm- fühlende, aufrichtige Liebe wird zahlreiche Wege finden mitten ins Arbeiterleben hinein und zu einer fruchtbaren Einzelseelsorge.

Die Arbeiterseelsorge läßt sich mit den Worten bestimmen: „Sie ist die im Rahmen der Pfarr­seelsorge sich vollziehende Tätigkeit, wodurch den handarbeitenden Volksklassen die Früchte des Er­lösungswerkes Christi zugewendet werden, vermit­telst einer den Zeitforderungen und den besonderen Bedürfnissen des Arbeiterstandes entsprechenden Ausübung des kirchlichen Lehr-, Priester- und Hirtenamtes." Es fallen also Ziel und Mittel der Arbeiterpastoration zusammen mit Ziel und Mit­teln der Gesamtseelsorge; ihr besonderes Merkmal ist lediglich die unausgesetzte und ausgesprochene Berücksichtigung der besonderen sittlichen und sozia­len Bedürfnisse der heutigen Arbeiterklasse. Der Pastor bonus wird nach dem Vorbilde des gött­lichen Heilands den seiner Obhut Anvertrauten nachgehen, durch pastoralen Hausbesuch den persön­lichen Äontaft mit ihnen Herstellen, ihre Freuden und Leiden als die eigenen betrachten, in Unter­richt, Predigt und Christenlehre ihnen gewissenhaft das Brot des Lebens brechen.

Ein erleuchteter Seelsorger wird die sozialen Zeitkrankheiten und Zeitbedürfnisse beim Unter­richt des Katechismus und noch mehr in der Chri­stenlehre und Predigt stets im Auge behalten. Dazu kommt ein weiteres: „Wir wissen," sagte schon Fürstbischof Simon Aichner von Brixen, „tote die Pastoratton ihren Wirkungskreis zu erweitern hat. Nicht innerhalb der vier Wände darf der Priester bleiben, sondern gar häufig, besonders in größeren Orten, muß er auch int öffentlichen Leben auf­treten, muß Vereine gründen und an deren Spitze stehen, um dem Sozialismus entgegenzutteten." Wir müssen also auch außerhalb der Sonntagspre­digt die Arbeiter sammeln, die Gesammelten schulen und die Geschulten als Vertrauensmänner, als

Schrift: „Das katholische karitative An­der Gegenwart", die als (viertes) Beiheft ,Qs - Zeitschrift für Karitaswissenschaft und Ka- ' "er Julinummer dieser Zeitschrift beigelegt preiz 2 Mark), behandelt Karitasdirektor van S?6er Fachkenntnis modernste Zeitfragen des Anftaltswesens. Wir sind in der Lage, aus Konten Schrift den Abschnitt zu veröffentlichen, . van Acken eine karitative Anstalt des Jahres ", um dann die Wandlungen und die Struk- 8en aufzuzeigen, die die geschlossene Fürsorge «Zeit erfahren hat.

von St. Gallen.

mit dem Naturrecht in neuen Einklang gebracht werden. Heute hat die Kirche in Weiterführung der sozialen Arbeit Leos XIII. das ehrenvolle Amt, im Namen der Gerechtigkeit die Wiedergutmachung jener sozialen und wirtschaftlichen Räubereien zu for­dern, die unter der Herrschaft :nes entarteten Kapitalismus begangen wurden und noch begangen werden. Und sie hat zugleich die Aufgabe, die sittlichen Grund­sätze für eine gesunde Wirtschafts- und Sozialord­nung zu verkünden. Zahlreiche Kundgebungen und Erlässe der obersten kirchlichen Behörden in den letzten Jahren und Jahrzehnten bewegen sich übri­gens auf dieser Linie. Wie weit die Kirche dabei direkt in all diese Fragen eingreifen soll, steht hier nicht zur Untersuchung. Wir bleiben bei den Maßnahmen stehen, welche eine seeleneifrige, er­leuchtete Pastoration antoenben kann, um den unge­heuren Nöten dieser Zeit entgegenzutteten und die von den Riesengefahren der modernen Entwick­lung bedrängten Seelen zu retten.

In Belgien hat man zu dem System eigener Arbeitergeistlicher, der sogenannten Aumö- nrers du Travail, die Zuflucht genommen, jedoch ohne damit nennenswerte Erfolge zu erzielen. Ge­gen dies Stieben, die Seelsorge der Arbeiter von der seit Väterzeit auf soliden Grundlagen bestehen- ben Pfarrseelsorge loszutrennen unb einer Separat- genvssenschaft zu übertragen, sprechen schwerwie­gende Grünbe. Das Pfarrsystem verbient in jeder Hinsicht den Vorzug. Nur muß der Pfarrer wirklich auch ein Arbeitergeistlicher sein. Ohne eine ordentliche Kenntnis der wirtschaftlichen und sozi­alen Fragen unserer Zeit, ohne ein w armfühlend es Herz für die Not des Volkes, ohne ein verständ­nisvolles Interesse für die Organisationen der Arbeiter ist das Pastorieren in unseren industri­ellen Städten und Dörfern sehr schwierig und oft unfmchtbar.

Das Ideal des Pfarrers

stellt uns Lamartine in den folgenden schönen Sätzen vor Augen:

„Der Pfarrer ist der Mann, der keine Familie hat. aber jeder Familie angehört, den man als Zeugen, Rat oder Teilnehmer zu allen feierlichen Handlungen des Lebens zieht, ohne den man weder geboren werden noch sterben kann; der Mann, den die Kinder zu lie­ben, zu ehren und zu fürchten gewohnt sind, den selbst Unbekannte ihren Vater nennen, dem die Christen ihrs inneren Geständnisse, ihre geheimsten Tränen zu Füßen legen; der Mann, welcher der berufene Tröster in allem Elend der Seele und des Leibes, der verpflichtete Ver­mittler der Armut und des Reichtums ist, welcher den Armen und den Reichen abwechslungsweife an feine Tür klopfen sieht: den Reichen, um fein geheimes Almofen darzubringen, den Armen, um es ohne Erröten zu emp­fangen. Der Pfarrer ist es, welcher, ohne einen be­stimmten Rang in der Gesellschaft einzunehmen, allen Klassen auf gleiche Weise angehört: den unteren Klas­sen durch feine einfache Lebensweise und nicht selten durch die Niedrigkeit seiner Herkunft, den höheren Klas­sen durch seine Erziehung, seine Wissenschaft und den Adel seiner Gesinnung — mit einem Worte: er ist der Mann, der alles weiß, der alles sagen darf, und dessen Wort mit dem Gewicht einer göttlichen Sendung und der Gewalt eines vollendeten Glaubens zu dem Ver­stände und Herzen des Menschen spricht."

Wenn in der Pastoration nach diesen Grund­zügen gearbeitet wird, bann ist bte erste unb wich­tigste Bedingung zu ihrem Erfolg gesichert.

Dabei darf 'das Prinzip der Arbeitstei­lung nicht außer Acht gelassen werden. „Wie in der Gefechtstaktik, so gift in dem heutigen Kampfe der Geister der Leitsatz: Die Truppenteile sind so zu ordnen und zu verwenden, daß keine Kräfte brachliegen, sondern nach Möglichkeit jeder Mann das volle Maß seiner Leistungsfähigkeit zum Ge­lingen der Gesamtaktion beiträgt. Es darf im Seelengarten keinen Fleck Erde geben, der nicht sorgfältig verwertet und ausgebaut wird; und eine Hauptsorge des Gärtnermeisters muß barin be­stehen, jedem der Gesellen unb Gehilfen das feinem Können entsprechende und dem Gedeihen des Gan­zen förderliche Arbeitsmaß unb Arbeitsgebiet zu- zuweisen unb darüber zu wachen, daß keiner die

Rückgewinnung der Ardeikemell für die Kirche

Bon Domkapitular Dr. Alois Scheiwiler, .

erwählter Bischof

Die folgende Arbeit wurde der „Schöneren Zukunft", dem inhalts­reichen Wiener Wochenblatt, zur Verfügung gestellt. Als Bekenntnis eines erwählten Bischofs unserer Tage ist sie außerordentlicher Beach­tung sicher.

Rückeroberung der Arbeiterwelt," sagte Faulhaber auf dem Katholikentag in Mainz o «noust 1911, „ist das dornenvollste Problem modernen Seelsorge." Was diese Aufgabe be- " dornenvoll gestaltet, ist der Umstand, daß wirtschaftlichem und sozialem Gebiet immer ^wickelte Fragen an uns herantieten, wie sti vergangenen Seiten entweder ganz unbekannt oder doch bei weitern nicht mit solcher eit die Gemüter beschäftigten. Wir haben tüchtige Lehrbücher der Moral, aber diesen den Problemen der Neuzeit wagen sie ost nicht genug ins Auge zu sehen. Wenn '«ön einer Zeit, wird von der heutigen die ration in die Schranken gefordert. Es tönt Men aus dem Gewoge dieser Zeit der mah- x Ruf entgegen: „Jetzt zeige, was du bist "was du vermagst. Eine ernste Stunde der Weit hat geschlagen. Wie ein Fieberkranker bie Gesellschaft vor dir, zitternd vom Kopf u den Füßen. Manche Doktoren haben schon Heilung dieses Kranken versucht, unb sie ge- ihnen nicht. Versuch es bu; wenn bit Erfolg dann glauben wir an dich; dann ruht sicher

Kraft in deinen Händen!"

Wird es der katholischen Seelsorge gelingen, Aufgabe zu lösen? Daß sie die innere Kraft besitzt, daß ihr eine unerschöpfliche Fülle Mitteln zu Gebote steht, um aus dem Felis Christentums auch für die sozial so stürmisch jdewühlte moderne Zeit lebendige Wasser her­schlagen, darüber kann teitf Zweifel bestehen, wird ihr auch der bergeversetzende Glaube das alle Hemmnisse übersteigende Gottver­eines Moses nicht fehlen?

Mfe direkte Ordnung der Politik »Wirtschaft ist nicht Aufgabe der iiche. Sie ist gegenüber den verschiedenen Fvr- unb Methoden neutral, solange sie nur das esetz achten. Freilich, wo letzteres nicht ge­mäß sie eingreifen. So darf sie zum iel den himmelschreienden Un- Btigf eiten der Ge gen wart nicht lschw eigenb zusehen, darf sie ihr Auge : tragischen Bilde der Wirklichkeit nicht abtoen- L-boif sie jene nicht einfach ihrem Schicksal ssm, die mit den Sorgen und Mühen des ohne Hilfe und ohne Hoffnung in aus- ftin Kampfe liegen, während die Privile- im dieser Welt ohne das entsprechende soziale niwvrtNngsgefühl die Früchte der Erde ge-

Aus diesem Hintergrund dröhnt in voller jene markerschütternde Stimme hervor, nach es leichter ist, daß ein Kamel in ein r gehe, als daß ein Reicher in den Himmel ^.ksist nicht zu leugnen, daß das Chri- Hr«m in der Sozialdemokratie der ^»ten Apostasie gegenübersteht, der »den vergangenen zwei Jahrtausenden begeg- >n; daß das durch Schuld des Kapi- >»mus ohne Glauben, ohne Heimat lebende, rechten Menschenwürde beraubte Proletariat »arum nicht glaubt, weil es nichts mehr zu haben meint. Es ist zu bedauern, daß die «bertoinbung der sozialen Ungerechtigkeiten ene Bewegung sich vielfach in die Spe­nder Feinde Christi geflüchtet hat. Da geriet •Mn in revolutionäres Fahrwasser, aus der stung heraus, daß die soziale und Wirtschaft- Entwicklung der Neuzeit in die Konstruktton Mch« nicht mehr hineinaefügt werden könne;

Hetzlehre heraus, daß die Kirche vor ge-.

Tatsachen trotz des Naturrechtes und der menschlichen Auffassung das Auge zu- ®e die Ueberspannmtg des Konservatismus scheu Leben schädliche Wirkungen ausübt meiden ist, so müssen unsere wirtschaft- B" Walen Anschauungen von Zeit zu Zeit tt und mit den aöttlichen Wahrheiten und

vor 50 Jahren.

Sin 2dyll aus weit entlegener Zeit.

*aritasdirektor Johannes van Acken in Köln.

letzten 50 Jahre brachten auf allen Gebieten des Wund öffentlichen Lebens gewaltige Veränderun- ’m katholischen Anstaltswesen. Doch eines sei »■t, Die Grundlage, das Wesen der Karitas» stt die gleiche geblieben; heute wie einst ist der ,. ..^chlaltsbetrieb familien-wirtschastlicher Betrieb Moser Grundlage. Ehrlicher Wille zum Opfer-

1 selbstloser Einordnung in das Gemeinschafts- ^elt die karitativen Hilfs- und Pflegekräfte. Die ‘ungen, die den neuen Typ der karitativen 2In« hetzen ließen, liegen größtenteils in äußeren Din« [ ~ ’Qr’iatioe Anstalt ist an Umfang gewachsen; organisatorisch die Ergebnisse neuzeitlicher Nutze gemacht; die technischen (Errungen« ■ Moderne haben in ihr einen gewaltigen Um« 'rgerufen. Doch der karitative Geist ist der

Sechster Sonntag nach Pfingsten

Eingangslied: Pf. 27, S—9.

Der Herr ist seines Volks Kraft, der Heilsgüter seines Gesalbten Hort unb Hut. Errette dein Volk, o Herr, unb segne dein Erbe, fei ihm König in Ewigkeit. (Ps. ebb. 1.) Zu dir, o Herr, rufe ich: mein Gott, fei nicht stumm vor mir, so schweigend, fern von mir, sonst gleich' ich denen, die ins Grab sinken.

Evangelium: Mark. 8. 1—9.

In jener Zeit war eine große Volksschar bei Jesus. Da sie nichts zu essen hatten, rief er seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: „Mich erbarmt des Volkes; schon drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hung­rig nach Hause gehen lasse, brechen sie unterwegs zusammen; denn manche von ihnen sind wett her« gekommen." Seine Jünger erwiderten ihm: „Wo­her soll man hier in der Wüste Brot bekommen, sie zu sättigen?" Er fragte sie: „Wieviele Brote habt ihr?" „Sieben", antworteten sie. Da hieß er das Volk sich auf den Boden lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie sei­nen Jüngern, sie sollten sie dem Volke vorsetzen. Und sie setzten sie vor. Sie hatten auch noch einige Fischlein. Er segnete sie und ließ sie vorsetzen. Sie aßen und wurden satt. Von den Stücklein, die übrig blieben, hoben sie noch sieben Körbe voll auf. Es waren gegen viertausend, die gegessen hatten. Und er entließ sie.

Opferungslied (Ps. 16, 5 u. 6—7).

Gib mir festen Tritt auf deinen Wegen, baß meine Schritte nicht straucheln. Neige dein Ohr, erfülle meine Bitte. Tu ein Wunder deiner Huld; du rettest ja, die auf dich vertrauen, Herr.