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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

Dienstag, 15. Iuli 1930

4 im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag IvJ. der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift»

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:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

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Wege zur Einigung?

Da die Besprechungen im Reichstage, die Samstagabend und Sonntag stattfanden, eine

Nachdem der finanzpolitische Ausschuß des »-icksiaaes am Freitag die Krankenoersicherungs- 8»nn des Reichskabinetts zerpflückt hatte, lehnte, scheu gemeldet wurde, der Steuerausschuß am Simstag den Einkommensteuerzuschlag, die Ledi- »nsteuer und die Reichshilfe ab. Damit ist der flOrtrttArifnnannrfnnon Qyf bCVßtl 2Ih= den größten

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Entgegen anderen Nachrichten der Montag­morgen-Presse ist mitzuteilen, daß Herr Reichs­finanzminister Dietrich durchaus wohlauf ist und sich i m Dienst befindet. Richtig ist nur, daß ihm bei der starken Inanspruchnahme der letz­ten 14 Tage der Arzt angeraten hatte, den So nn- tagzurRuhezu verwenden.

Das „Vürgersteuergesetz".

Nach den jetzt getroffenen Vereinbarungen soll der von den Regierungsparteien vorzulegende Ini­tiativantrag eines „Dürgersteuergesetzes" folgende Bestimmungen enthalten:

Die Gemeinden werden für 1930 (also bis 1. April 1931) berechtigt sein, eine Bürgerabgabe mit dem niedrigsten Satz von 6 Mark zu erheben, wenn der Stand der Realsteuern vom 1. Juli 1930 nicht überschritten wird. Werden jedoch in der Zwischenzeit die Realsteuern über diesen Stand hinaus erhöht, dann tritt an die Stelle der fakul­tativen auch schon für 1930 eine obligatorische Bürgerabgabe. Vom 1. April 1931 an müssen dann die Gemeinden die Bürgerabgabe erheben, wenn sie die Realsteuern über den Satz vom 1. Iuli 1930 erhöhen wollen oder wennderLan-

Hilfe der Deutschnationalen erreicht, daß er nun nicht strafoerfolgt wird. Dieses Vorgehen ist unüo bezeichnender, weil alle anderen bürgerlichen Par­teien für die Strafverfolgung eintraten und dir Sozialdemokraten sich sogar der Stimme enthiel­ten. Das ist die Deutschnationale Volkspartei, die nach chugenberg und Martin Spahn feierlichen Be­teuerungen einzige christliche deutsche Volkspartei, die Retterin deutscher Kultur!!

♦ Der Derwaltungsrat der Bank für den Inter­nationale« Zahlungsausgleich trat in Basel unter dem Vorsitz des Präsidenten des Verwaltungsrates zusammen. Die Hauptmitglieder des Derwaltungs- rates, die Leiter der Notenbanken von Deutsch­land, England, Frankreich usw., nehmen an der Sitzung teil. Reichsbankpräsident Dr. Lucher ist diesmal vom zweiten Finanzdelegierten Dr. Mel­chior begleitet, der letztes Mal wegen Erkrankung nicht hatte teilnehmen'können.

Heraufsetzung des Wahlatters.

Boa 20 auf 25.

VDZ. Berlin, 14 .Juli. (Eig. Meld.) Auch die Deutsche Volkspartei hat jetzt im Reichs­tage einen Antrag eingebracht, das Wahlalter von 20 auf 25 Jahre heraufzusetzen.

Die Amnestie.

Das Gesetz über die neuste Amnestie, daß der Reichstag beschlossen hatte, ist vom Reichsrat ab- gelehnt worden. Die ablehnenden Parteien wollen unter gar keinen Umständen zugeben,- daß auch die Fememörder von heute ab der Strafe und der Verfolgung verlustig gehen. Das Abstim­mungsergebnis ist zahlenmäßig interessant. Gegen die Amnestie stimmten 26 Länder und 2 preu­ßische Provinzen einschließlich der Stadt Berlin, die als Provinz gilt. Dafür 30 Länder, aber 8 preußische Provinzen enthielten sich. Da Stimm­enthaltung im allgemeinen als Ablehnung gewer­tet werden kann, die nur aus irgendwelchen psy­chologischen Hemmungen heraus nicht unmittelbar ausgesprochen wird, kann man sagen, daß 36 Län­der und Provinzen bzw. ihre Vertreter gegen die Reichstagsmehrheit gestimmt haben. Drei Reichs­tag muß nun das Gesetz nochmal behandeln und wenn es durchkommen soll, muß sich eine Zwei­drittelmehrheit dafür zusammenfinden. Das dürfte nicht gelingen. Es ist schwer, sich in dieser Frage zu entscheiden, und dieser Konflikt spiegelt sich ja auch in der Abstimmung des Reichsrats. Wenn man überlegt, daß endlich unter allen mit dem Kriege irgendwie noch zusammenhängenden Verbrechen ein dicker Abschluhstrich gezogen wer­den soll, dann wird man die Amnestie für richtig halten. Hierzu kommt, daß wir infolge der uns abgepreßten Abmachungen mit der Entente ge­zwungen sind, die rheinischen Separatisten straffrei1 zu lassen. Sollen wir dieses Gesindel frei herum­laufen lassen, das das Rheinland an die Franzo­sen verkaufen wollte und sollen gleichzeitig Leute, die in der wilden Zeit der inneren Nachkriegs­kämpfe in die Femeverbrechen verstrickt wurden, n .’iter verfolgen und eventuell noch auf Jahre hin­aus in Zuchthäusern gehalten werden? Eine schwierige Frage.

Aber man sagt, die Fememörder seien geradezu viehische Verbrecher, die ihre Kameraden auf ro­heste und gemeinste Weise ermordet hätten. Di- Angeklagten selbst dagegen nehmen für sich vater­ländische Motive in Anspruch. Und hier wird wohl die eigentliche Schwierigkeit liegen, da man in Deutschland nichts objektiv entscheidet, sondern im­mer nur unter Zuhilfenahme parteipolitischer De­duktionen. Wären die Fememörder nicht von Anfang an bis heute von den Rechtsparteien in Schutz genommen worden, selbst tn solchen Fällen, wo man das patriotische Gefühl der Täter wirklich mit der Lupe suchen mußte, dann hätten die repu­blikanischen Gruppen vielleicht diese Angelegenheit nicht so sehr wie es heute geschieht, zu einer Prin­zipienfrage gemacht. So aber stehen sich die Meinungen hart auf hart gegenüber und selbstver­ständlich leiden unter der Divergenz zwischen Reichstag und Reichsrat beide Körperschaften, fer­ner das Ansehen der Regierung, die ja schließlich die Amnestievorlage vertreten hat und nicht zuletzt auch das Rechtsempfinden des Volks. Vielleicht wäre aber gerade weil die Meinungen so scharf geteilt smd, der Schluß berechtigt, daß hier wirklich nicht das Recht mit verbundenen Augen den Spruch zu fällen hat. sondern daß Milde und Verzeihung, wie so vieles nach dem Kriege auch diese Fälle bereinigen müßten.

setzentwurfs über den Reichswirtschaftsrat stand am Samstag wiederum auf der Tagesordnung des Reichstages. Vielleicht schon das 6. Mal. Aber wiederum konnte über diese Vorlage nicht abge­stimmt werden, weil das hohe Haus zu schlecht besucht war. So unterhielt man sich eine Stunde und vertagte sich auf Montag nachmittag. Ob die Volksvertreter, die am Samstag nicht im Reichstag waren und jene anderen, die über Sonn­tag nach Haufe fuhren, sich entschließen werden, zu Beginn der neuen Woche ihre Pflichten gegenüber dem Reiche zu erfüllen? Wenn sie die Fühlung mit dem Volke hätten, die jeder Volksvertreter pflichtgemäß besitzen sollte, dann hätten wir die Parlamentskrise nicht, in der wir uns mitten drin befinden.

Das Durcheinander bei den Demokraten.

Das seltsamste Spiel treiben die Demokraten, bei denen ein offensichtliches Streben wahrnehmbar ist, schnellstens wieder in eine Koalition mit der Linken zu kommen. Der demokratische Parteivor- stand und die demokratische Reichstagsfraktion leh­nen das Deckungsprogramm mit der Bürger­abgabe ab, sie lehnen es aber auch ohne die Bürgerabgabe ab. Dr. Koch erklärte die Anwen düng des Artikels 48 als den Tod des deutschen Parlamentarismus, sagt aber gleichzeitig, daß seine Partei der Reichsregierung die parlamentarische Verabschiedung der Deckungsvorlagen nicht ermög­lichen könne, wenn nicht die Verzehrsteuer eingeführt würde. Die Demokraten haben das Not­opfer bekämpft. Im Steuerausschuß aber stimm­ten sie auch für die Wiedereinführung der leiten­den Angestellten in die Reichshilfe. Sie lehnten ferner den Einkommensteuerzuschlag ab. Dr. Fi­scher, der Präsident des Hansa-Bundes stimmte aber für den sozialdemokratischen Vorschlag auf Er­höhung von 5 auf 10 Prozent.

Was will die Demokratische Partei? Diese Fragen wird sie wohl selbst nie lösen können.'

desdurchschnitt bei den Real st euer« in einem bestimmten Ausmaß überschritten wird. Für diesen Fall soll auch eine Staffeluna vorgesehen werden, die vor allem vom Zentrum gewünscht wird. Die bisherige Forderung der Deutschen Volkspartei, vom 1. April 1931 an die Kopfsteuer zur Senkung der Realsteuern zu ver­wenden, scheint nicht die Zustimmung der übri­gen Parteien gefunden zu haben. Was endlich die Er h e b u n g der neuen Bürgersteuer anlangt, so soll diese Frage im Wege der Ausführungs­bestimmungen geregelt werden. Es wird daran ge­dacht, bei den Lohnsteuerpflichtigen die Einziehung dem Arbeitgeber zu überlassen, bei den zur Ein­kommensteuer veranlagten den Finanzämtern, bei allen übrigen Personen, also vor allem solchen, die nicht einmal lohnsteuerpflichtig sind, den Gemein­den.

Noch ei« Indien?

Cs steht zu befürchten, daß die Dinge in A e g y p t e n sich allmählich in ganz ähnlicher Rich­tung entwickeln, wie es in Indien geschehen ift; wobei die formale Tatsache der Selbständigkeit Aegyptens gegenüber der Abhängigkeit Indiens keinerlei Rolle spielt, weil ja diese Selbständigkeit vorläufig eine reine Fiktion geblieben ist. Der Kampf für die Verfassung und für die ver­fassungsmäßigen Rechte des Volkes wird von der nationalsozialistischen Wafdpartei nach ihrem Aus­scheiden aus der Regierung hinter den Kulissen und mit allen Kräften fortgeführt und es bedeutet nur eine bedrohliche Verstärkung der innerpoliti­schen Spannung, wenn das neue Kabinett versucht, diesen Kampf zu unterdrücken und in die Sphäre der Illegalität zu verschieben. Es ist voll­kommen ausgeschlossen, daß unter Aufrechterhal­tung auch nur des geringsten Scheines des ver­fassungsmäßigen Zustandes die neue Regierung Ismail Sidky Pascha bei Neuwahlen eine Mehr­heit erhalten könnte. Vorläufig scheint die Krone noch in merkwürdiger Verkennung der wirklichen Lage auf dies Ziel hinzuarbeiten, denn wie es heißt, sollen die bisherigen Provinz-Gouverneure, die Omdahs, abberufen und durch — im Sinne der Krone und des neuen Kabinetts — zuverlässige Männer ersetzt werden. Mit so vollem forma­len Recht England vielleicht auch den Vorwurf ab» lehnen kann, seine Hand in der innerpolitischen Entwicklung Aegyptens zu haben, so unbestreitbar ist es, daß die gegenwärtige Lage sich nur unter dem Druck von London aus — und weil der Kö­nig immer noch mehr an das Wohlwollen Lon­dons, als das Vertrauen seines Volkes denkt — hat entwickeln können, wie es geschehen ist. Das bedeutet, daß England im vergangenen Jahrzehnt nichts gelernt hat, sonst müßte man sich gescheut Haden, wieder Zustande herbeizuführen, die sehr leicht so ausarten können, wie es 1919 geschah, wo das ägyptische Volk durch passive Resistens und Boykottierung des Verwaltungsdienstes die Geneh­migung Englands erzwang, Aeyptens Beteiligung an der Friedenskonferenz zuzulassen. Dieser Kampf schuf damals die ägyptische nationalistische Partei, den Wafd, was nichts anderes bedeutet, als „Ab­ordnung, deren Entsendung nach Europa Aegypten damals gegen England erzwang. Diese Erinne­rungen geben der Befürchtung Raum, daß der 21. Juli, das Datum, an dem das neue Kabinett sich dem Parlament stellen muß, — zweifellos, nur, um sofort gestürzt zu werden — andernfalls sofort der Boykott des Wafd einfetzen soll, zum Auftakt einer neuen Bewegung gegen Englands Kolonial­politik und Wirtschaft wird, die leichr verzweifelts Ähnlichkeit mit der indischen Bewegung annehmen könnte.

Parlamentsvertagung und Kabinettsumbildung in Aegypten.

Aus Kairo wird gemeldet: Das Parlament ist durch königlichen Erlaß auf die Dauer von drei Wochen bertagt worden. Außenminister Hasez Afifi Pascha, der zum Gesandten in London ausersehen ist, ist mit der Umbildung des Kabinetts beausttagt worden. ____________________

* Böß nicht mehr im Reichswirtschafksrat. Aus Berlin wird gemeldet: Oberbürgermeister Böß ist, dem „Tempo" zufolge, als Mitglied des vor­läufigen Reichswirtschaftsrats ausgeschieden. An feine Stelle tritt der Königsberger Oberbürger­meister Dr. L o h m e y e r.

Die Lage in Straßburg.

wtb. Paris, 14. Juli. (Eig. Meld.) Wie dem dem „Petit Journal" aus Straßburg berichtet wird, hat ein Beschluß des kommunistischen Bürgermeisters Huber gelegentlich des National­feiertages am 14. Iuli nur zu flaggen, aber nicht, wie üblich, die öffentlichen Gebäude zu allumi- nieren, gestern zu Protestkundgebungen eines Teiles der Bevölkerung geführt, der nach einem Fackelzug vor das Rathaus zog, die Marseillaise und den Rücktritt des Bürgermeisters forderte. In der Nacht soll das Türschild der kom­munistischer Straßburger Zeitung „L'Humanitee" mit blau-weiß-roter Farbe übermalt worden fein, wofür sich die Kommunisten rächten, indem sie am Denkmal der Marseillaise einen roten Fußstreifen mit der Aufschrift niederlegten: „Nieder mit der Feier des 14. Juli! Es lebe die Feier des 1. Mail"

firn der Regierungsvorlagen, »hme das Reichskabinett Brünina den a _ Bert legte, von den zuständigen Ausschüsse.. L— kschzjags beseitigt worden. Es ist deshalb L 3U erklärlich, daß Reichsfinanzminister Dietrich «mittelbar nach den Abstimmungen sich erhob und Mrte daß die Reichsregierung an einer et* B a i g e n zweiten Lesung im Ausschuß j«in Intere sse hat.

' $ei den Abstimmungen im Steuerausschuß er» sich sowohl bei der Ablehnung des Einkom- Mnsteuerzuschlags als auch der Ledigensteuer die isifame Abstimmungsmehrheit, die sich aus Kom- «u nist en, Sozialdemokraten und veutschnationalen zusammensetzte. Wenn lie Nationalsozialisten mit ihnen nicht im Bunde Daten, so lediglich deshalb, weil es im Reichstag feine nationalsozialistische Fraktion gibt und in« Wgebeffen die Nationalsozialisten im Steuevaus- Huß auch nicht vertreten sind.

' Die Reichsregierung hält nach wie vor an ihren

wisse Annäherung zwischen den Regierungsparteien in der K o p s st e u e r f r a g e brachten, die im übri­gen der einzig umstrittene Puntt der Deckungsvor­lagen in diesem Gremium war, überwiegt in den politischen Kreisen die Hoffnung, daß die parlamen­tarische Erledigung dieser Gesetze nunmehr ohne Schwierigkeiten vonstatten gehen wird. Am Montag treten die Fraktionen zusammen, um den Bericht über die Finanzberatung und die in diesem Zu­sammenhang getroffene Vereinbarung hinsichtlich der Kopfsteuer zur Kenntnis zu nehmen. Darüber hinaus wird man sich über den notwendig geworde­nen Jnitia tivantrag zu einigen haben, den die Regierungsparteien am Dienstag bei der zweiten Lesung der Deckungsgesetze einbringen wollen, um die Regierungsvorlage nach der Ab­stimmung am Samstag wieder zu vervoll­ständigen. Das Reichskabinett tritt Montag nachmittag, nachdem die Ergebnisse der Frakttvns- sitzungen vorliegen, zusammen, um über seine wei­tere Tattik die endgültigen Beschlüsse zu fassen. Es steht zu erwatten, daß der Reichskanzler am Dienstag selbst das Wott ergreifen wird, um durch eine nochmalige nachdrückliche Erklärung auf den Ernst der Stunde hinzuweisen. In Kreisen der Regierung steht man dabei auf dem Standpunkt, daß in anbettacht der Wirtschaftslage das Defizit abgedeckt werden muß und begründet den Entschluß, ttotz des Ausganges der Beratungen im Steueraus­schuß die Regierungsvorlage in zweiter Lesung im Plenum einzubttngen damit, daß der Artikel 1 doch eine Mehrheit im Ausschuß gefunden hat. Die abgelehnten Teile der Deckungsvorlage werden die Regierungspatteien dann als Jnittattvanttag einbringen, um damit das Deckungsprogramm ein­schließlich der Ergänzungsanträge wieder zu ver­vollständigen. Man glaubt, daß dann auch ein Teil der D e u t s ch n a t i o na len mit den Regiemngs- barteten stimmen wird. Im übrigen wird es bei der entscheidenden Abstimmung auf jede Stimme anfommen.

ßeiunasoorlagen fest. Das wissen die Parteien. Deshalb herrschte auch am Samstagnachmittag im Reichstag eine ungeheure Geschäftigkeit. Die Volksvertreter sausten durch die Gänge mit einer nervösen Hast, daß es nur so eine Art hatte.

Der Reichsregierung ist es wirklich ernst. Nachdem der Reichstag wieder einmal mehr zeigte, daß er nicht fähig ist, die an ihn gestellten Aufga- ten zu erfüllen, daß er in feiner Unfähigkeit sich Wt ausschallet, bleibt der Regierung nichts ande- ■gsübrig, als endgültig festzustellen, daß die par­lamentarische Lösung des deutschen Finanz- prvblrms gescheitert ist. Es wird allgemein an» «normen, daß das Kabinett Brüning seine Dek- ■tejrfagen erneut im Reichstag zur Gprache bringt und verlangt, daß die Volksvertre- bng in öffentlicher Reichstaqssitzung die Deckungs- »plage annimmt oder ablehnt. Es ist zu erwar­ten, daß diese Entscheidung am Dienstag fallt Kenner des gegenwärtigen Reichstags be­haupten jetzt schon, daß die Fraktionen, die bisher durch ihren Wankelmut die Krise verschärften, bis Mr Abstimmung doch vollständig umgefallen sind, "mit nur ja der Reichstag nicht aufgelöst und ihre Amdate einer Gefahr ausgesetzt werden. Das Ileiche wird auch von der deutschnationalen Reichs- Msfraktion erwartet. Erfüllen sich diese politi- MN Boraussagen nicht, dann werden die Dek- «mgsDorlagen mit Hilfe des Artikels 48 "ufdem Verordnungswege in Kraft ge- M werden. Darüber besteht nirgends ein Zwei­fel mehr.

Die Entscheidung ist jedenfalls spruchreif. Reichs­kanzler Dr. Brüning, Reichsfinanzminister Dietrich P® Reichsarbeitsminister Stegerwald sind gewillt, Apolitische Verantwortung zu übernehmen, die wn der Not des Vaterlandes verlangt wird. Nie- soll sich täuschen und etwa auf eine Schwäche ger Nachgibigkeit des Reichskabinettes rechnen. ®lr kennen den Reichsfinanzminister Dietrich M den Reichsarbeitsminister Stegerwald F* bahren so genau, daß diese beiden stärkste»» Potenzen des Reichskabinetts nach unserer Überzeugung jede weitere Verzögerung der Ent- yeiöung energisch ablehnen werden. Einer der »ewen Minister sagte in den letzten Stunden sei- M Freunden: „Lieber St ein klopf er als J1 ® u cf, Minister jein!" Das Wort kam , Sörzen. Jeder der beiden Minister könnte es Mt haben. Zu seinem Vergnügen oder aus po- ‘Wm Ehrgeiz hat keiner von ihnen einen Sitz Kabinett eingenommen, sondern um dem Volke wird daher in allen Schichten des Volkes einen freudigen Widerhall finden, «n Reichskanzler Dr. Brüning sich entschließt, LZ Quertreibereien kurzsichtiger Fraktionspolitiker mb h $u legen und den Reichstag fang» .klanglos nach Hause zu schicken. Er ist zum ^oa)tomben überreif. Eine Volksvertretung, die SLöen Mut auf bringt, die Verantwortung zu teilte* ert’ die das Staatsinteresse gebietet, ein ttabuckunfähig ist, den Reichshaushalt zu *s «R en U"d die Einnahmen und Ausgaben Stift»» 5 uuszubalanzieren, besitzt fein Recht auf ,8 mehr. Aber auch eine Reihe von Par- fe* scheinen uns das Recht auf Existenz ver- te Dfirvf en- Wenn man in den letzten Tagen fttte s- n Abgänge im Reichstag näher ver- K.' öle kleinlichen Taktiken, die persönlichen tu ’ Y-4j’e gekränkten Leberwürste, die unlaute- y., ^ 'ch^chen Schiebungen, das unsaubere Lavie- fe« (£;■■ ^Eieren und nicht zuletzt die persönli- lan ,;,ll?nfereien hinter den Kulissen, bann muß in kommen, daß eine ganze Reihe

tofsüi 'eiförmigen von dem heranziehenden jeh:r.ur!n weggefegt werden müssen und daß es gwiZen Reihe von parlamentarischen vitd^chen und politischen Hochstaplern das $lan ^gen.

sm Übt ue fch nur einmal die Reichstagssitzung Jh K„?”5‘.o£. an! Die Sitzung, die um hVfpn j,9l?nn' 3U einer Zeit, da man doch cmsge- k sfirnr-K en könnte, war so schlecht besucht, daß Hrefwx die Abstimmung über die Vorlage , °te Fälligkeit und Verzinsung der Auf- ts ypotheken wegen zu schlechter Besetzung jhtith- 65 zurückstellte. Aus dem gleichen htai “er überhaupt keine Abstimmung am 9 möglich. Die dritte Beratung des Ge­

Ser Reichstag schaltet fich selber aus.

ilrd das Parlament noch im letzten Augenblick das Notwendige tun? ■— Neuer Verständigungsversuch am Sonntag. — Die entscheidende Reichstagssitzung am Dienstag.

• tzafienklasfung des Nationalsozialisten Hoppe. Der Berliner Vernehmungsrichter hat den Rtio- nalfozialisten Hoppe, in dessen Wohnung ein Waffenlager gefunden worden war, wie­der auf freien Fuß gesetzt, weil keinerlei Anhalts­punkte für einen Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegen und der Tatbestand, der nur Waffen- diebstahl ergibt, in Anbetracht der persönlichen Verhältnisse des Hoppe den Erlaß eines Haftbe­fehls nicht rechtfersigen würde. Das Verfah­ren wegen Diebstahls soll jedoch mit größter Beschleunig ung durchgeführt werden.

* Deulfchnationale schützen kommunistische Rest, gionsschändung. Man schreibt uns: Eine sehr be­zeichnende Tatsache aus der Reichstagssitzung vom Donnerstag verdient für alle Zeiten festgehalten zu werden. Der Ausschuß hatte die Strafverfol­gung des kommunistischen Abgeordneten Ma­slow s k i, den berüchtigten Organisator jener Isa in Berlin, wegen unerhörter Religionsbeschimpfun­gen genehmigt. Nun sollte der Reichstag entschei­den. Zuerst war die Mehrheit zweifelhaft, bann kam es zum Hammelsprung. Was geschah? Ge­treu mit den Kommunisten sah man die Deutsch- nationalen durch die Nein- Tür in den Sit­zungssaal einziehen. Darunter befand sich auch an der Spitze jener Herr Martin Spahn, der nur ein politisches Ziel kennt, das Zentrum anzugrei­fen und ihm dauernd zu erklären, es wäre in kul­turellen Fragen mit Rücksicht auf die Sozialdemo­kratie nicht zuverlässig. Jetzt spielt sich derselbe Herr Martin Spahn mit den Mitgliedern seiner Fraktion als Schützling eines kommunistischen Re­ligionsschänders auf. Mastowski hat es durch die