Einzelbild herunterladen
 

Ilr. 160

Beilage zur Fuldaer Zeitung

13. Juli

Gespräch im Blumengarten

ent- mir den

mir Montag beerdigt hatten, außerordentlich ähnlich zu sehen. Aber es war jetzt sehr hämmerte aeworüen. und

sein, Hin-

Dann kam mir der Gedanke, er könnte krank und Ich sah noch genauer hin, überlegend, ob ich umergehen sollte.

Als er ungefähr noch zwanzig Meter vom Saus fernt war, hob er den Kopf, und — so befremdend auch der Vergleich vorkam — er schien dem Alien.

patente auf Blumen?

Lichte Zetten.

aus türmen der Wolken Riesengebilde rosig-goldene, weiß gleißende Montsaloatburgen der Seligen auf.

Den Blick locken die dunklen Schwingen eines Bus­sards, dessen rostrotes Gefieder unablässig tief kreisend den lichtblauen Seespiegel mit Schatten malt. Dann aber zieht von Brunnen schwanengleich ein anderer Vogel heran, kommt näher und näher ein Schiss, ein Schiff, mit wehender Rauchfahne und stolz sich blähen­der Schweizer Flagge, dem weißen Kreuz im roten Felde. Zerstört das Nyll mit Stampfen und Rauschen, Lärm und Getöse, Menschengewimmel. Hoch auf ent­flieht der Raubvogel in die silberne Ruhe des Aethers. Tief unter ihm fort gleitet der weiße Schiffsleib dahin. Zu sprudelndem Gischt zerfetzt, zerfließen die grünen Wogen und stäuben perlende Tropfen in die Ufergär­ten hinein, wo der Zentifolien rubinrote Pracht im Laube glüht.

Rosenwunder am Vierwaldstätterseel UeberaN an Wegen und Zäunen bricht es hervor. Nickt vom eseu- umsponnenen Mäuerchen zärtlich grüßend herab, schmiegt die rosige Wange an Fenster und Tore oder faßt des Sees Silberbläue in seinen Rosenbogen-Rahmen. Rosen, Rosen, wohin der Blick fällt. Zwischen Schwert­lilien und Nelkenbeeten und riesenhaften Lebensbäumen stehen sie purpurrot, schwefelgelb oder süßrosa auf schlankem Hochstamm sorgsam gezogen, akttf) im be­scheidensten Gärtchen. Schon der Tag beginnt im Ro­senzeichen, wenn der junge Morgen über die östlichen Vorberge steigt und die Rigikette mit rosigen Wölkchen begrüßt, und gleich so entschwindet er in Rosengluton, da des Westens feurige Blüte über dem Seespiegel ver­glüht. Dann schlingt der Abend sein Rosenband um die ewigen Schneefirnen, langsam verdunkelt der Wellen Goldgrün zu kühlem Silbergrau und durch des viel- hundertsöhrigen Nußbaumes Krone bei der Kirche streicht der Abendwind. Schon blinken Lichterketten vom jenseiti­gen Ufer. Auf Rigi-Kulm funkelt ein Rlesenleuchtstern' und flackernd dreht sich die Flamme im roten Latern- chen beim Landungssteg. In Rosenduft versinkt die Nacht. Ans Gestade schlagen der Wellen-Akkorde leises Gemurmel.

sondern nahm stets den Umweg durch den Park. Das wiederholte sich drei oder vier Tage lang.

Einmal hörte ich die Frau sagen, daß sie es nie über sich bringen würde, in dem Zimmer, in dem ihr Mann starb, zu übernachten. Ich erwiderte ihr, das fei Un­sinn und anderes mehr. Aber Sie müssen denken, ihre Nerven befanden sich in einem fürchterlichen Zustand, und sie lieh sich nicht überzeugen. Darauf sagte ich, ich selbst wollte in dem Zimmer schlafen. Zu der Zeit hatte ich solchen Einbildungen gegenüber noch keine Geduld.

Sie machte natürlich allerhand Einwendungen, aber ich bekam meinen Willen, und am Freitag abend wur­den meine Sachen herüber gebracht.

Ich ging etwa um dreiviertel acht Uhr in mein neues Zimmer, um mich zum Essen anzuziehen. Als ich mei­nen Talar angelegt hatte, ging ich zum Fenster, um hinauszuschauen. Rechts und links lagen die Gärten, aus denen gerade die Sonne gewichen war, aber trotz­dem sahen sie noch licht und fröhlich aus. Ich konnte geradeaus bis zum Friedhofgatter sehen

Ich lehne also am Fenster. Da sah ich jemanden die Allee entlang kommen. Ansangs schien es mir, es sei ein Betrunkener. Er taumelte ein paarmal, während er auf das Haus zukam, und dann, als er etwa noch 50 Meter weit weg war, sah ich, wie er sich an einem Baum festhielt und sich an ihn lehnte,, als ob er Angst hätte, zu fallen. Nun ließ er den Baum wieder los und kam langsam näher, indem er mit ausgestreckten Hän­den von einer Seite zur anderen wankte. Er schien es sehr eilig zu haben, in das Haus zu kommen. Ich konnte feinen Anzug sehen und wunderte mich, daß ein so gutgekleideter Mensch betrunken war. Er trug einen weißen Strohhut, einen grauen Cut und graue Beinklei­der. Sogar seine kleinen, weihen Gamaschen konnte ich unterscheiden.

lbend am Vierwaldstättersee.

Don Marie von Sch e m p p.

»en ganzen Tag haben düstere Regenwolken den i verschleiert und seine Herrlichkeit neidisch mst dich- Nebelschwaden in Bann gehalten, nun bricht gegen doch noch die Sonne durch und verwandelt Grau Dunkel in Licht und Azurglanz. Es lächelt der ,m smaragden Schimmer opalisierender Bläue, und von einem Zauberstab erweckt, springen jetzt überall lene Fernen aus purpurnen Schatten heraus. Ne- grauen Steinmassen blühen saftgrüne Matten auf. chütten werden zu goldflimmernden Punkten in nudelnder Höhe und Gersaus Häuser am jenseitigen t gleichen goldenem Würfelspiel auf blauem Seihen« nii. Ringsum Heiterkeit, Anmut, strahlende Natur, t um der „Mythen" gigantisches Felsenhaupt gei- u geheimnisvolle Schleiertöne unnahbarer Einsam- m, in schier unbegreifliche Schönheit entrückt, un­bar wie her Mythos selbst. Aber noch über jene hin-

Auf der Brücke.

Von Franz Cingia.

-vanchmal mußt du in die Tiefe schauen, bie Wellen rasch von bannen treiben.

«irnenbs ist ein Warten und ein Bleiben yttb enttäuscht wird manchmal dein Vertrauen.

Und so müssen alle Tage fließen, ammer rasch und schnell von deinem Leben, «nb Gestalten hörst du leise schweben Die nach jedem Tag ein Tor verschließen.

Sfutf) die Rocht kann keine Ruhe bringen, «vb die Wellen müssen immer rauschen «urd) die fernen, tiefen Dunkelheiten;

Manchmal tönen sie wie fünftes Singen, Bann muß beine Seele sinnend lauschen Lis die letzten Klänge sanft entgleiten.

wurden weitere Exemplare gewonnen, und die Rose trat ihren Siegeszug über die Welt an. Jetzt aber ists mit diesem Siegeszug zu Ende, hie Kraft her Rose ist erschöpft. . Gleichzeitig in. her ganzen Welt sind die Alterserscheinungen aufgetreten, und nichts wird den Verfall verhindern können."

Ich ließe meine Blicke über die Rosenkulturen schwei­fen, die in allen Farben strahlten. „Immerhin scheint mir, da ist reichlicher Ersatz."

„Ja, wir ’ kultivieren annähernd 50 Arten. Im ganzen gibt es an 400. Und in jedem Jahre kommen neue hinzu."

Wir hatten uns in Bewegung gesetzt und schritten an der Grenze her Rosenbeete entlang. Plötzlich blieb der Alte stehen und wandte sich nach der anderen Rich­tung. „Sehen Sie sich einmal die Fuchsie hier an! Auch sie hat eine Geschichte. Allerdings ist sie älter als die La France. Es war, wenn ich nicht irfe, um das Jahr 1780. Da lebte in London ein Gärtner namens See. Der sah einmal in einem Fenster, an dem er vorüber­ging, eine seltsame Pflanze, eben eine Fuchsie. Verdutzt blieb er stehen, denn die Pflanze hatte er in seinem Leben noch nie gesehen. Er trat ein, fragte nach und erfuhr, daß die Frau, der die Blume gehörte, diese von ihrem verstorbenen Mann, einem Steuermann, aus China mitgebracht erhalten hatte. Der Gärtner bot ihr dafür eine Guinea, etwa 20 Mark. Die Frau wollte sich aber von der Pflanze, da sie ein Andenken an ihren Mann war, nicht trennen. Da bot er mehr und mehr, bis er sie schließlich für das Zehnfache seines ersten Ge­bots erhielt. Er nahm sie mit, pflanzte sie ein und hegte und pflegte sie wie feinen Augapfel. Bald schnitt er Stecklinge und verkaufte sie für eine Guinea das Stück. Die Stecklinge gingen reißend ab. So wie es heute eine Kakteenwut gibt, entstand damals eine wahre

„Sehen Sie nur rechts, an den Rosenkulturen wer« m Sie ihn finden", so belehrte mich eine alte, runze- |t Stau, in deren Augen dennoch ein seltsames Blü- tn erhalten zu sein schien, während sie von ihrer Hack- rteif an einem Erdbeerbcet aufsah. Ich hatte nach dem Xfigärfner gefragt. Mit dem wollte ich einmal plau- ürtb durch den Garten schreiten — mit her schwar- U Wcht, etwas Tinte und Druckerschwärze an die feber Floras zu. verspritzen. Tatsächlich, hie hohe Mtalt mit dem weißen Bart und dem grünen Stroh- «t mißte her Obergärtner sein. Eben stand er an <i* Wsiosenstrauch und band ihn mit Bast an den Stab. $r langsam und sorglich und mit einem Geschick, bas i® den dicken, rauhen Fingern gar nicht zutrauen

Freundlich grüßte er zurück, als ich nähertrat.

»Da haben wir gleich was Interessantes", ging er I mcbias res. „Diese Rosensorte kennen Sie doch?"

och gestand ihm meine völlige Unbefangenheit in aus alle Rosensorten. „Ein paar Namen hat

ja schließlich gehört", sagte ich, „Marschall Niel —

« France —" . . „

„®ben, das ist sie schon", unterbrach er. „Dies ist ■ La France. Mein Sorgenkind unter den Rosen. > »einer Jugend mal die schönste und prächtigste Rose, * £5 gab. Unverwüstlich im Ertrag. Jetzt offenbar * «usfferben verurteilt. Die Rose lohnt heute nicht Jc' Wenig Blüte, und die Blüten klein, unansehn- * Aae Fülle, ohne rechten Glanz/ • 1

Ä*)er kommt bas?"

/~'e La-France-Rosen pflanzen sich nicht im eigent» Sinne fort, sondern sie werben burch Stecklinge

«hri. Alle La-France-Rosen her ganzen Welt ftam»

00n einem einzigen Exemplar, bas um bas Jahr I ™ ln Frankreich gezogen wurde. Mittels Okulierung I

Ae Gespenstergeschichte.

Don R. H. Benson.

Mit Erlaubnis des Verlages Kösel u. Pustet, -Wandten, den soeben aus dem Englischen übersetz- ^""Gespenstergeschichten" von R. H. Jenson entnommen. Der Verfasser, der besonders ^urch seinen Roman „Der Herr der Welt" in Eutschland bekannt wurde, bekundet hier seinen H^n Sinn für die Welt, die nicht Fleisch und «>cht Geist ist, in eindrucksvoller Weise.

!ein e*nmaI ein junge katholische Dame gekannt, I g,.n Freidenker zu heiraten gedachte; er war drei- | "mson/? $$ ^schwor sie, es nicht zu tun, zweijähriger Ehe starb er. Er war ungefähr MM rüst aü Leworben und bis zum Schluß sehr E8? T" D?rbem es zum Ende kam — hatte fe’ne btnhm - Lmir geschickt, und ich hatte ihn ein halbes !»|L a besucht. Aber es ließ sich nichts erreichen. Er ■ jL ehrlich, daß er gerne glauben würde — in Möglich a$te’ der Gedanke an die Auflösung sei ihm

J°9*n' sein Sterbelager war außerord-nl- n UnhljCn“: Er «ar ein kraftstrotzender alter Gro- 1.... cr9'nfl sich in Bemerkungen über den Fried- Türmer und bergl., und bas arme Kinb hier*. urau verI*e6 dann nahezu ohnmächtig bas aeh?r?e,,eine Rücksicht. (Gott weiß, warum die Fran bt; atget hat.) Der Todeskampf dauerte sehr it Unhr,r ;e Zerrte an den Vorhängen vor seinem «elbeit 1d),rtte unverständliche Worte über Tob unb tte J; endlich suhr er steil in die Höhe und iilstvnd ^ftörtem Blick zum Fenster hinaus, das *r n Run, der Alte starb, und der Sarg wurde "rbeerallee zum Friedhof getragen.

> i» “ befand sich in einem solchen Zustand, $*ttert o* . verlassen wagte. Sie war zu Tod E* bet am Tag besuchte sie sein Grab, um en. Aber sie ging nie durch die Lorbeeralle«,

sterbende La France. — Die Entdeckung der Fuchste.

Line teure Nette. — Ihre Liebtlngsbtume. bitte!

Fuchsienwut. Nach einem Anzigen Jahre schon hatte Lee 3000 Guineen an der Pflanze verdientl

„Alle Wetteri Also auch mit Blumen kann man Geld verdienen!"

„Und ob! Er hätte Millionen daran verdienen kön­nen, wenn es damals schon — Patente auf Blumen ge­geben hätte."

Ich lachte auf. „Patente auf Blumen?"

„Lachen Sie nicht!" Ich kann Ihnen versichern, daß in Nordamerika ein Gesetzentwurf vorliegt, her eine Patentierung von Blumenzüchtungen vorsieht. Sie sol­len mal sehen, was dann alles gezüchtet werden wird! Denn bisher hatten die Züchter von chren Erfolgen nichts. Um aber auf die Fuchsie zurückzukommen, so will ich doch noch hinzufügen, daß ßee der armen Wit­we, von der er seine Fuchste gekauft hatte, von seinem Gewinn freiwillig einen Betrag von 1000 Guineen und einen Steckling ab gab. Ob das wohl auch heute noch je­mand täte?"

Wir blieben stehen — wie eine Wolke von Dust kam es auf uns zu.

„Ein wunderbarer Dust!" sagte ich und sog ihn mit voller Lunge ein.

„Ja", fagte mein Führer. „Und doch gehört der Duft nicht eigentlich zur Blume. Die wenigsten Blu­men tragen Duftstoffe in sich, und nur-her Umstand, daß wir gerade diese Arten kultivieren, verschafft ihnen ein Uebergewicht. Von den 4 500 Blumenarten, die in Eu­ropa vorkommen, haben noch nicht 450 Arten, also her zehnte Teil, einen angenehmen Duft. 300 Arten sind geruchlos, und die übrigen riechen sogar unangenehm. Hier sehen Sie noch einige Veilchen. Auch für die Veil­chen gilt das Gesetz. Von den 300 Veilchenarten duf­ten nur 13. Man soll alfo den Zusatz das „wohlrie­chende" Veilchen nicht vergessen. Er hat sehr wohl sei­nen Grund".

Wir standen nunmehr an den Nelken. Sie waren noch nicht erblüht. Aber Knospen hoben sich überall auf schwankem Schaft. Mein Führer sah auf sie nie­der, und langsam zog ein Lächeln über fein Gesicht. „Don einer Nelke kann man sagen", erklärte er, „daß sie den höchsten Preis erzielt hat, der je für eine Blume bezahlt worden ist. Es ist erst einige Jahre her, da starb in Boston der amerikanische Kupferkönig Lawson. Anläßlich seines Todes wurde eine Geschichte, die sei­nerzeit gefpielt hatte, neuerzählt. Lawson sah einmal in einem Blumenladen eine wundervolle Nelke. Er trat ein und fragte nach dem Preise. Der Verkäufer, der ihn kannte und ein gutes Geschäft witterte, sagte kalt­schnäuzig und dreist: „30 000 Dollar". — „Gut", erwi­derte Lawson. „Stecken Sie sie mir an!" Zugleich zog er sein Scheckbuch hervor und schrieb tatsächlich einen Scheck auf 30 000 Dollar aus. Als er den Laden ver­lassen hatte, lief der Verkäufer sofort glückstrahlend zur Bank und ließ sich seine 30 000 Dollar auszahlen, wo­bei er-die Geschichte natürlich brühwarm erzählte. Gleich war auch ein Reporter zur Hand, und in her Abendaus­gabe der Zeitungen konnte man noch am gleichen Tage lesen, welch enormen Preis Mr. Lawson für eine einzige Nelke gezahlt hatte. Gleichzeitig aber setzte Lawson auch mit einem gewaltigen Reklamefeldzug ein, und der Er­folg seiner Popularität war, daß er binnen kurzem einen geschäftlichen Mehrgewinn von einer Million Dol­lar verbuchen konnte. „Die Nelke hat sich einge­bracht", erklärte er späterhin so manches Mal, wenn er die Geschichte erzählte."

Hinter den Nelkenbeeten erhob sich, von einem schmalen Grasstreifen eingefaßt, ein rundes großes Blu­menbeet von buntester Fülle. Alle Arten von Blumen standen hier beieinander: Stiefmütterchen, Löwenmaul, Reseda, Nelken, Kressen, Mohn, Margareten, Glocken­blumen, und viele andere, und zwar so, daß die nie­drigsten an den Rändern standen, während die höheren die Mitte einnahmen. Wie «in riesiges Bukett sah das Beet aus.

„Herrlich, herrlich I"' rief ich aus.

„Ja", sagte der Gärtner heiter, „das ist hier unser Jahrmarkt, wo Sie alles finden können. Aber vielleicht interessiert es Sie zu hören, welches denn eigentlich die beliebtesten Blumen sind. Da hat eine Fachzeitschrift vor einigen Jahren mal eine Rundfrage an das Pu­blikum erlassen. Die hat mich so intereffiert, daß ich Ihnen die Zahlen auswendig hersagen kann. Also hö­ren Sie! Als beliebteste Blume wurde unter 217 Ant­

worten 142 mal die Levkoje genannt. Sind Sie ein­verstanden?"

Er lächelte dabei und sah mich von der Seite an. Ich nahm in feinen Augen dasselbe heimliche Blühen wahr, wie ich es bei her Frau an ben Srbbeerbeeten zu sehen geglaubt hatte.

„Nein!" schrie ich aber förmlich heraus. „Wo bleibt benn die Rose?"

„Gemach, gemach!" wehrte er. „Es durften nut Sommerblumen genannt werben, die keine besondere Zucht voraussetzen. Das erklärt vielleicht einigermaßen das Ergebnis. Also 142 mal die Levkoje. Dann folgte die Aster, 117 mal. Phlox 92 mal, Resada 76 mal, Petu­nien 48 mal, Stiefmütterchen 42 mal, Nelken 40 mal, Wohlriechende Wicke 27 mal. Nebenbei gesagt di« Wicke wird besonders in England sehr hoch geschätzt. Löwenmaul 22 mal, Mohn 12 mal, Kornblumen 9 mal, Glockenblumen 3 mal."

Ich notierte eifrig den Geschmack des Publikums und schrieb und schrieb. Der alte Gärtner sah besorgt und säst ein wenig ängstlich aus die stenographischen Krähenfüße in meinem Block, die für ihn natürlich Hieroglyphen waren.

„Wenn nur ein bißchen Blumenduft an dem Ge­schreibsel hasten bleibt", sagte er bann fast beschwö­rend, „nur ein bißchen Blumendust —— —*

Eine letzte Frage stellte ich noch, während ich den Füllfederhalter zuschraudte: „Sagen Sie mal, gibt es eigentlich auch schwarze Blumen, schwarz wie Tinte?"

Er lachte auf. „Nein", sagte er, „das gibt es nicht! Gott sei Dank! Alle Farnen des Regenbogens können Sie von her Natur verlangen, außerdem Weiß, Schwarz aber nicht. Was man da mitunter Schwarz nennt, ist in Wirklichkeit nur Dunkelblau ober Dunkel- violett. Das ist auch ganz einleuchtenb. Der Farbstoff der sich im Zellsaft bestehet, das Anthokyan, kann je nach dem Säuregehalt des Zellsastes alle möglichen Farben annehmen, und die Chromatophoren, winzige Farbkörnlete, die im Zellstoff in großer Zahl beiei« nanberliegen, sind auch so bunt wie nur möglich, aber Schwarz kommt weder in dem einen noch in dem ande­ren vor. Ziemlich in allen Blüten befinden sich übri­gens auch Zellen eingelagert, die nur mit Luft gefüllt und daher weiß sind und die eine schwarze ©efamtfarbe nicht zulassen. Etwas Licht gibt es in jedem Blumen­blatt, dafür ist schon gesorgt."

Er nahm den großen, grünen Hut ab, ein weißes Lockenhaupt kam zum Vorschein. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Vergessen Sie das nicht", fagte er. „Schreiben Sie das nur dazu: In her Blu«

Splitfer und Balke«.

Don Karl Vogler.

Es gibt nicht wenig Menschen, die chre Beziehungen zu Gott nur beurfunben durch — ben Kirchensteuer, zettel.

Es genügt im Leben nicht, ehrlich zu fein: matt muß es auch scheinen! ,

Die Jugend entdeckt umso leichter, je weniger man sie zu lehren scheint.

Alle philosophisch-logische Beweisführung wird ner« höhnt durch ben immer vergessenen Hauptsatz: Säet Wohltat — Unbant geht auf.

*

Politik verdirbt ben Charakter? Ja: wenn sie au? Sinnen, nicht aber aus Gesinnung spricht.

♦

lieber vielem Lesen kann man verlernen, feine Au­gen zu gebrauchen.

Selbst Gerechtigkeit wird schnöde in der Selbftg* > rechtigkeit.

Die Mädchen — gestehen wir es affo ein — sind den Buben immer weit voraus. Was Wunder, daß die Buben — ihnen nachlaufen?!

im nächsten Augenblick senkte der Mann den Kopf, schlug die Hände vor das Gesicht und siel platt auf den Rücken.

Ich war natürlich nicht wenig erschrocken, beugte mich aus dem Fenster und rief etwas herunter. Ich sah, daß sich feine Hände wie Im Krampf bewegten, unb ich konnte bas Rascheln des dürren Laubes vernehmen.

Nun, ich drehte mich um und lief, so schnell ich konnte, die Stiege hinunter; als Ich unten war, war keine Spur des alten Mannes zu sehen. Ich konnte nur noch unterscheiden, daß das dürre Laub durcheinander- geworfen war, das war alles. Ich sprach natürlich nicht ein Wort über bas, was Ich gesehen hatte. Nach bem Abendgebet blieb ich noch etwa eine Stunde lang rau­chend sitzen, unb bann ging ich in mein Zimmer hinaus Ich kann nicht behaupten, baß mir ganz behaglich zumut war, aber ich verspürte auch keine Angst. Ich zünbete alle Kerzen an und öffnete einige Schubfächer her großen Kommode, die mir aufgefallen war. Auf dem Boden des dritten Faches fand Ich einen grauen Cut und graue Beinkleider; in der oberen Schublade lagen einige Paare kleiner, weißer Gamaschen, unb oben auf bem Gesims war ein weißer Hut. Das war bas erste Erlebnis.

Bis Montag abend ereignete sich nichts mehr.

An jenem Abend stellte ich mich gegen dreiviertel acht Uhr wieder an mein Fenster, alles war vollkommen ruhig. Mit einemmal hörte Ich, baß bie Friedhoftür aufgemacht wurde, und ich sah einen Mann heraus­treten.

Aber gleichzeitig erkannte ich, daß es nicht derselbe war wie neulich; er sah aus wie ein Aufseher, denn er hatte ein Gewehr über der Schulter. Er ließ die Tür einen Augenblick offen, damit fein Hund ihm folgen konnte. Dieser lief nun feinem Herrn voraus, durch die Allee dem Haus entgegen. Als er etwa fünfzig Meter vom Haus entfernt mar blieb er stehen und witterte.

Ich sah den Aufseher sein Gewehr von der Schulter nehmen und leis« heranschleichen; als er in die Nähe des Hundes kam, kroch dieser nach rückwärts. Ich be­obachtete alles genau. Im nächsten Augenblick sprang etwas in der Größe eines Hasen aus dem Lorbeerdickicht heraus, geradeaus auf die Allee, wo es, einmal auf der rechten, einmal auf der linken Seite des Weges, In vol­ler Stluzfct auf mich zurannte. Es konnte nicht mehr als

zwanzig Meter von mir entfernt fein, als der Aufseher abdrückte. Das Tier überschlug sich ein paarmal und blieb zappelnd und teutgebenb liegen. Es hörte sich gräßlich an. Aber zu meinem Erstaunen kam der Hund nicht näher. Ich hörte ben Aufseher etwas rufen, und dann sah ich den Hund so schnell ihn seine Beine trugen, davonlaufen.

Der Aufseher kam nun mit ein paar Sprüngen herzu; aber bas Schreien bes Hasen, ober was immer es war, hatte aufgehört, und ich beobachtete verwundert, wie der Aufseher ganz nahe an das zappelnde Tier heran« trat, um bann, wie überrascht, stehenzubleiben.

Ich lehnte mich aus dem Fenster und rief ihn an? „Achtung — gerade vor Ihnen!" sagte ich. „Um Got« tes willen, bringen Sie bas Tier um!"

Er sah zu mir herauf unb dann wieder auf den Bo­den. „Wo ist es, Herr? Ich kann es nirgends finden." Der Hase lag die ganze Zeit immer noch um sich schla­gend unmittelbar vor ihm.

Ich verließ mein Zimmer und eilte hinunter auf bie Allee.

Der Mann stand noch am gleichen Fleck, vollkommen verwirrt; der Hase war weg. Keine Spur war von chm zu sehen. Nur das Laub war aufgewühlt.

Der Aufseher sagte, es fei ein großer Hase gewesen das könne er beschwören. Er sah sehr verstört aus.

„Haben Sie es deutlich gesehen, Herr?" fragte er.

Ich sagte ihm: „Nicht ganz deutlich", „aber ich hätte auch gedacht, es sei ein Hase."

„Ja, es mar ein Hase, zweifellos", erwiderte er, „aber, Herr, — ich glaube, es war eine Art Silberhase mit weißen Läusen."

Nun — die Glocke rief mich ins Haus, unb ich mußte mein Zuspätkommen erklären Nur von her Farbe bes Hasen erwähnte ich nichts. Das mar bas zweite Er­lebnis.

Das dritte Erlebnis ist an sich so nebensächlich daß ich es nicht erwähnt hätte, wenn es nicht mit den an­deren in gewissem Zusammenhang gestanden wäre. Es schien mir, daß eine stufenartige Energieabnahme ein­getreten war, die manches erklärte.

An dem nächsten Freitag abend zog ich mich etwas früher um und ging diesmal — statt mich an mein