NILS
chen und seine Bewohner. Als er den sitzenden Nant und den neben ihm liegenden Pudel erblickte, glaubte er, die zwei gehörten zusammen. Er öffnete auch sogleich den Mund und sagte:
„Ein schöner Pudelhund, das, junger Herr!"
„3a, ein schöner Pudelhund."
„Aber so ein Hund gehört geschoren zu werden." „Freilich gehört er geschoren zu werden." ,Zch will ihn mitnehmen und scheren."
„3a, ich habe nichts dagegen. Meinetwegen können Sie ihn mitnehmen und scheren."
Der Bartscherer faßte den Schorl und trug ihn fort; der Schorl knurrte nur ein wenig, war aber zu faul, anderweitige Kräfte anzustrengen, und tragen ließ er sich überhaupt gern.
„3n einer Stunde bring ich den Hund wieder."
„3a — mir pressierts gar nicht."
Meister Hauck nahm daheim den Schorl tüchtig unter die Schere, kriegte jetzt auch einige Bisse in die Finger, aber er war ein gewandter Mann und in dreioiertel Stunden stand der Schorl da wie ein Salonstutzer, gebügelt und gestriegelt nach der neuesten Mode, glatt am ganzen Fell, nur die Pulswärmer über den Pfoten und die Simpelfransen um den Kopf und der Wedel am Schwanz waren vom üppigen Wuchs noch übrig gefeite» ,ben. Nach vollendeter Arbeit kam der Bartscherer wieder zum Nant zurück mit dem Pudel unter dem Arm. Der Nant blickte auf und konnte ein Lachen nicht verbeißen.
„Der Pudel ist schön geschoren, gelt, junger Herr?"
»,3a, der Hund ist schön geschoren."
„Achtzig Kreuzer wird nicht zuviel dafür sein." „Nein, achtzig Kreuzer ist nicht zu viel dafür." Nun entstand eine Pause. Der Rasierer guckte den Nant an, als ob er auf etwas warten täte, und der Nant
us dem lustigen Studentenbüchlein „De r Nant' Verlag Tyrolia, Innsbruck.
wolle. Endlich sagte der Scherer, indem er seine Hand hinhielt:
„Also achtzig Kreuzer krieg ich, junger Herr."
„3a, ja, ich Habs gehört. Achtzig Keruzer kriegen Sie. Lassen Sie sich die achtzig Kreuzer nur ron dem geben, dem der Pudel gehört."
„Aber der gehört doch 3hnen!"
„Bewahre! 3ch habe mein Lebtag keinen Pudel gehabt, möcht auch keinen. Der Hund gehört der Frau Meisl da droben im ersten Stock."
Der Meister Hauck ließ nun den Schorl zu Boden gleiten und begann fürchterlich zu räsonnieren. Der Schorl aber, dem es in seinem neuen Kostüm durchaus nicht zu behagen schien, rannte winselnd durch die Türe hinein und spornstreichs die Stiege hinauf zu seiner Herrin. Es dauerte keine Minute, so ging droben im ersten Stock ein Heidenspektakel an. Frau Meisl schrie in den höchsten Fisteltönen:
„3mmer sind diese fremden Hunde da und fressen meinem Schorl die feinsten Bissen weg. Willst du gehen, du Köter, du abscheulicher, du verschandelter! Marsch! Pack dich! Schau, das Biest wird noch zudringlich! Wart, ich komm dir! Schorl! Schorl! Wo bist du? Du fremdes Rabenvieh, ich will dir die Flausen austreiben! So, da hast du! Pitsch, patsch!"
Frau Meisl, die ihren vielgeliebten Schorl in der neuen Frisur nicht kannte, von diesem aber in hilfesuchender Zudringlichkeit umtanzt und angesprungen wurde, feuerte dem armen Schorl ein paar heiße auf das Fell. Den Schorl jedoch, welchen die Schur durch fremde Hand und jetzt die Prügel von der eigenen Herrin vollständig in seiner Weltanfchaunug irre machten, packte ein gewaltiger Hundezorn, er fletschte die Zähne, im nächsten Augenblick schoß er wütend nach den Füße» der Frau
auf den Schorl ein. Der Schorl mußte endlich erkennen, daß er der Schwächere fei und lief heulend die Stiege hin« unter, Frau Meisl den Stock in der Hand und mut» schäumend hinter Ihm her. Drunten auf der Straß« lagen sich noch der Bartscherer und der Nant in bert Haaren.
„Also, Junger Herr, wollen Sie die achtzig Kreuze« zahlen?"--.
„Fällt mir im Traume nicht ein. 3ch wüßte nicht füt was."
„Sie haben mir aufgetragen, den Hund zu scheren.*
„3st nicht wahr. 3ch habe 3hnen bloß den freie« Willen gelassen zu tun, was Sie wollten."
„Sie haben mich schändlich betrogen."
„3ch habe niemanden betrogen."
„3ch muß mein Geld Haden."
„Freilich muffen Sie ihr Geld haben; wenden Sie sich nur an die Frau Meisl. Mir fcheini, sie tommt gerade."
3n diesem Augenblick fuhren der Schorl und Hinte« ihm Frau Meisl zur Türe heraus. Der Schorl rettet« sich hinter den Gartenzaun und Frau Meisl warf ihm den Stecken nach.
Da trat der Bartfcheerer vor und fragte: .
„Entschuldigen, gnädige Frau, gehört der HunL 3hnen?"
„Mein? Gott bewahre! 3ch tat mich schön bedanke«, für so ein abscheuliches, gerupftes Rabenvieh. Mei« Schort hat hübsche lange Haarlocken."
„Es ist aber doch 3hr Schorl", warf der Nant ei«, „der Mann da hat ihn so hübsch geschoren".
Was bann kam, kann sich jeder selbst vorstellen.
guckte den Rasierer an, als ofe er nicht verstehe, was dieser f Meisl, erwischte richtig das Kleid, verbiß sich darin und * " zerrte die Dame hin und her. Frau Meisl kreischte laut auf, dann ergriff sie einen Stock und schlug unbarmherzig
Eine Hundeschur.
Von Reimmichl*)
ietet h'?1 $QUfe' *n dem der Student Nant sich ringe» .batte, wohnte unter ihm im ersten Stocke die ver- i« to ^Zirksadjunktensgattin Frau Meisl. Besagte k "U eis* ^tte nach dem Tode ihres Bezirksadjunkten 1^ r? gänzlich von den Menschen abgekehrt und bas« gi Eommen einem schwarzen, zottelhaarigen Pudel- b "^wendet. Der schwarze Schorl war ihr eins inbe-$?5- $er Student versuchte einmal, die Frau et f* eisI um ein Monatsgeld anjupumpen, wurde fanff abgewiesen, denn die verwitwete Bezirks- ren he”°9attin hatte für niemand etwas übrig als für eft , x schorl. Der Schorl war ein altes, häßliches 'Wir ^'ae zottigen Haare streiften fast am Boden. Ug e Dlel hübscher gewesen, wenn man ihn regelrecht and in der glühenden Sommerhitze wäre ihm u» r awhlbekommen. Frau Meisl aber ließ ihren ibn T . ganze Welt nicht scheren, denn erstens liebte i mie er war, zweitens sollte keine fremde Hand j u. uni) drittens fürchtete sie, der Schorl möchte r_9atf gefrorenen Fell verkühlen und sich eine ge» ^ungenkrankheit zuziehen.
r-®5 Tages sonnte sich der Schorl drunten vor dem Km? aas dem Steinpflaster, streckte alle Biere von Lgy.. aumte von einem saftigen Abendbraten; neben te jn { er Hausbank saß der Studiosus Nant und blät» > Sfr,,!1 nc,m Lateinheft. Da kam der Bartscherer Hauck Men Be herunter. Meister Hauck war erst seit vier j£ - oagereist und kannte darum noch nicht das Stadt»
3ugend die politisch-aktiven
selbst zu
ohne dabei sich
oer»
hereinbrechende
zu
Ende positiv
die Frage: Vermag die Forderungen zu erfüllen, lieren?
Man hat das deutlich
mende Führer müssen an die Spitze dieser Selbsthilfe» Organisationen. Bis jetzt treten bei uns aufrechte klug« und gewandte Bauern» und Arbeiterführer aber noch viel zu wenig in den Borbergrunb. Deshalb haben es fremde, eigennützige ober nur fanatische Agitatoren und Geschäftemacher so leicht, ihre Netze auszuwerfen und viele Führerlose zu fangen.
Drum ans Werk! Machen wir die Genosienschasten für unser wirtschaftliches Fortkommen stark und lebensfähig. Sagen wir die Untauglichen von ihren Pöstchen, die sie nicht in der rechten Weise ausfüllen. Sorgen wir dafür, daß Menschen wie der Hünfelder 3ube Sondheimer ober bie Christen Brühler und Ritz jun. nicht mehr ihre sehr . . zweifelhaften oder betrügerischen Geschäfte machen können. Denken wir daran, daß eine goldene Zeit für diese Art von Geschäftsmännern anferechen wird, wenn bie Genossenschaften, bie durch echten Gemeinschaftsgeist geschaffen worden sind, versagen, weil die rechten Männer fehlen.
Natürlich ist die Genossenschaft nur ein Ausschnitt aus dem gesamten Leben unserer Heimat. Ucberoll im religiösen, politischen und sozialen Leben brauchen wir aufrechte, reine und ausgeschlossene Männer und Frauen, bie burch ihre Arbeit das Vertrauen gewinnen und die Absichten der heimlichen und offenen Feinde des Fuldaer Landes zuschanden machen.
Alle jungen und selbstlosen Menschen müssen an di« Front, damit keine unsauberen und zweifelhaften Elemente bas Schicksal unserer Heimat bestimmen und wir immer mit Stolz an unser katholisches Fuldaer Land denken können. T
unsere katholischen Bünde zu. Der größte Teil der älteren Schüler steht nicht mit Herz und Hand in den Bünden. D. Schrift!.) Die Askese der 3ugenbfeeme« gung in Tracht und Nahrung, ihr ehrliches Ringe« vm Derständnis der verschiedenen Weltauffassungen gilt als altmodisch, unpraktisch und wird verlacht.
Gehen wir wieder von dem Eindringen be« Politik aus; denn hier liegt Gefahrenzone Um es vorweg zu nehmen: eine Gefahrenzone deshalb, weil die Politik in den Händen der Erwachsenen liegt, welche bie junge Generation so früh wie möglich in ihre Reihen hinüberziehen möchten; die Sugenb hat also kaum die Möglichkeit zur Ausbildung ihrer politischen Organe, bie Vertreter einer interesselosen Politik, ber Politik als Neenlehr« sind ja rar genug.
Aus der Freusburgtagung von 1927 fühlte man das Stunngewölk heranziehen. Roch einmal siegte dort der Gesichtspunkt der 3ugenb, der Begriff der Sagend als einer einheitlichen, vorurteilslosen, besonderen Rasse mit einer Wette des Horizontes, wie sie die Umwelt nicht mehr kannte. Wer das Verbleibe« des nationalen Flügels im Lager war durch fast^über- menschliche Bemühungen abgerungen worden, die äußersten Extreme blieben fern, und ber Kern der hündische« Sagend hielt sich abseits mit apolitischen Begrünbult* gen, bie deutlich zeigten, daß auch sie den Umriß eine« eigenen „großen Politik" vor sich hatte.
Ein Sahr spater, in Ommen auf dem W eltfu« gendkongreß, brach bas Gewitter los, nachdem di« Einbeziehung der Kommunisten die Atmosphäre genügend geladen hatten: trotz aller vermittelnden Schlußwen« dangen gelangte man nicht mehr zu einer Verständigung von ber Mitte aus. Nimmt man die politische Mitte als Quell und Hort der politischen Aufklärung, so war dieser Quell versiegt, er lockte keinen Pilger mehr. Die Folge war eine starke Schwächung der deutschen Arbeit, bie von ber Mitte ausgehend zu einer gemeinsamen Front der Sugenb gelangen wollte.
Was ist seitdem geschehen? Smmer noch schien ber Kern der alten Sugenbbemegung unangetastet, obwohl man über die Zweckmäßigkeit der Großorganisatton der Wandervögel und Pfadfinder In der „Deutschen Freischar" Zweifel haben konnte. Die Form eines Tastens nach politischer Erkenntnis wurde gewahrt, wie etwa die Aussprachen im „Zwie- spruch" erwiesen. Aber gegenüber den mehr zivilisatorischen Sagendgruppen verteidigte man aus dieser Sette fuItureMobenftänbige Anschauungen, eine im besten Sinne agrarische Denkweise setzte ein, in deren Mittelpunkt die Fragen des Bodens, des Bauerntums, der Rasse standen. Nun ift Anfang dieses Sahres über die Freischar ein Ereignis hereingebrochen, bas zur Katastrophe zu werden droht, der Tod ihres weitsichtt» gen, klar und nüchtern denkenden, geistig überragende« Führers Ernst Buske; eine Gestalt ber tieffchürfen- den Kriegsgeneration, ibeelisch stark fundiert. Die auf langsames und organisches Wachstum ausgehende Bundespolitik Buskes, die auch weiter rechts stehende Bünd« zu assimilieren suchte, scheint sich nunmehr ins Gegen» teil zu wenden: durch den Einschluß ber Großdeutsche« Sagend und des Sungnationalen Bundes haben die kon
werten gesucht mit dem Hinweis, es hätten eben Form u. Geist des jugendlichen Vortrupps so entscheidend gesiegt, daß sie sich durchgesetzt haben und zu einer öffentlichen Macht geworden sind. Für die Form, für die Gestalt trifft das zu., Aber mit dem Leinenkittel, der langärme- ligen Lederweste and dem Brotbeutel läßt sich gewiß nicht eine neue „Kultur" aufmachen; diese Uniform bildet eben kein Bindeglied zwischen den durch tiefe Klüfte geschiedenen Sugendlagern. Der G e i st der Bewegung mag in die früher unnahbare Sphäre der Behörden emporgestisgen sein und von dort wohltätig wieder zurückstrahlen, er mag auf Universitärs» kaihedern Platz genommen haben: jedoch scheint er der jüngeren Generation entschlossen den Rücken kehren zu wollen. Täglich wachsend erlebt man überdeutlich und besorgt die
Gefahr einer neuen Veralterung unserer Jugend durch die „Belange“ der Erwachsenenwelt,
zu denen vor allem ihre politischen Methoden rechnen, zu denen aber auch bie Scheinwelt bes Genusses vom Schlager bis zum Kartenspiel hinzu- tritt. Sn der großstädtischen Sugenb ist diese Entwicklung mächtig, fast unaufhaltsam. Bei über 90 Prozent unserer Schüler wird heute der Wandervogel und der Pfadfinder genau so als lächerliche Erscheinung bespöt- teit rote zu der Zeit vor 30 3ahren. (Diese Feststellung ist durchaus richttg und trifft auch für
autonomen Sugenbbemegung
Jugend vor dem Chaos?
„Die Politik hak die Jugend aufgesresfen".
jede positive Arbeit von radikalen Hetzern,lächerlich gemacht wird. Wohin diese Entwicklung führen muß, kann sich jeder selbst klar machen. Wir müssen im Chaos enden, wenn kein Umschwung einsetzt. Dann werden rücksichtslose, von keiner moralischen Hemmung beschwerte Menschen die Herrschaft an sich reißen und „die letzten Dinge werden schlimme sein als die ersten."
Dic Entwicklung braucht aber nicht zu kommen, wenn e Ehrlichen und Stillen in klarer Erkenntnis ber Lage sich zu einem festen Block zusammenschlietzen und treue Kameradschaft halten, wenn wir unsere Reihen sauber halten von allen Schädlingen. Wir jungen Katholiken verzetteln unsere Kräfte viel zu sehr in einzelnen kleinen Grüppchen und Vereinen, statt den Blick und die Arbeit auf bie Lage bes Fuldaer Landes als unserer engeren Heimat und des gesamten deutschen Vaterlandes einzu- stellen, damit wir, wenn es nötig ist, einmal unsere Kraft in dem entscheidenden Augenblick geschlossen ein- fetzen können.
Wir müssen hn Fuldaer Land aus den Skandalen lernen. Es wäre das dümmste, was die Bauern machen könnten, wenn sie jetzt „durch Er f a h r u n g gewitzigt", den Genossenschaften den Rücken kehren würden. Nein, jetzt erst recht! Die Genossenschaften haben Großes geleistet und haben noch eine entscheidende Aufgabe in der Organisation der Bauernwirtschaft zu erfüllen. Schulung tut notwendig, damit die verantwortlichen Leuten auftauchende Gefahren rechtzeitig erkennen. Aus dem Landvolk flam»
Unter der Ueberschrist „Die Snvasion der Politik der Phrase" macht Alfred E h r e n t r e i ch in der Beilage der „Frankfurter Zeitung" „Für Hochschule und Sugenb" bemerkenswerte Ausführungen bie wir hier auszugsweise roiebergeben. Wenn der Verfasser sich auch nicht mit ber katholischen Sugenb beschäftigt und ihr sicher verständnislos gegenübersteht, so sind doch viele Beobachtungen so allgemein gültige Feststellung, daß sie auch uns zur Ueberlegung anspornen sollten. Es würde uns freuen, wenn aus ber Leserschaft des Sugenbblattes Stellung zu den hier gezeigten Gefahren genommen würde.
Wenn sich die bürgerliche Sugenbberoe» gung jahrzehntelang gesträubt hat, den polittschen Sbeentreis in ihren Bereich mit einzufeeziehen, so war das eine Art von Selbsterhaltungstrieb, wie wir heute rückschauend sagen dürfen. Denn das allmähliche Versickern der ursprünglichen Sdeologie ber Sugenbberoe« gung geht Hand in Hand mit ber Snvasion ber Politik in bie Bezirke der Sugenb. Nicht um bie 3dee, sonbern um bie Politik hat sich die Nachkriegs- jugenb geschart, nur die politische Losung hat jugendliche Massen zu sammeln und zu halten gewußt. Gehen wir dennoch von ber Voraussetzung aus, diese Entwicklung sei notwendig gewesen, so hat sie jedenfalls die Sugenb vor eine Aufgabe gestellt, ber sie nach und nach zu erliegen droht. Es handelt sich jetzt geradezu um
Sttider, stehl zusammen!
Auf ihr Brüder, steht zusammen, treu und fest mit Herz und Hand! Laßt um unsre Seelen flammen eines Willens heil'ges Band.
Schwört: des Glaubens hehrem Gute „ir in Wort und Tat uns weihn! Laßt mit freiem, frohem Mute uns ber Wahrheit Streiter sein.
Gott mit uns, daß treu wir streben, immerbar im Glauben stark, und wir froh mit heil'gem Leben neu durchglühn der Heimat Mark. Auf, ihr Brüder, steht zusammen Darum fest mit Herz und Hand! Laßt in unsren Seelen flammen: Glaube, Ehre, Vaterland!
Die Torheit der Fahrt.
L ^rcht mif bas, was ein junger Wandersmann fagt
6a6cn da einmal zwei „Tippelbrüder" auf luftiger und schauten hinab den langen, heißen Weg, rbeufie mit viel Schnäusen und Pusten ertraget! hatten.
J)u, ist man nicht eigentlich dumm? Wandert man . '{n ^er Gegend herum, schleppt dabei mühsam feine Siebenfachen auf dem Rücken — und daheim könnte so schön haben. Während ich jetzt auf hartem Wen in gühender Sonne liegen muß, könnte ich zu «taufe bequem auf dem Sofa liegen und brauchte nicht inxtenes Brot mit einem Fetzen Wurst zu verzehren. Und um Nachtlager und sonstige Dinge brauchte ich mich auch mcht zu kümmern. Sa, ist nicht die Fahrt eine große Torheit?"
„Haben wir uns schon einmal überlegt, warum wir immer auf Fahrt ziehen? Warum wir in bie Ferne Men, wenn von den Bergen ber Frühling strömt ober ber Sommerroinb durch bie Wälder rauscht? Was ist es ?- eigentlich, was uns zum Wandern treibt?
3a, bie Fahrt ist schon eine Torheit für alle die braven Spießer, bie ewig in den Stuben hocken, die immer nut genießen und nicht entbehren können. Deren Leben i? sich stets fein säuberlich im kleinen Kreise dreht. Auch Bell bie anderen, die, mit dem Baedeker bewaffnet, im . Salontiroleranzug oder im modernsten Sportdreß in bie ' Berge steigen, sie werben nie den Sinn der Fahrt begrei« L feit. Da muß man schon echte Sugenb fragen und jung» | gebliebene Menschen, Menschen, bie noch verschwistert sinb «mit Sonne unb Sternen, mit Wald unb Flur, mit Blu- Wmm und Blüten. Aus ihren klaren, hellen Augen leuchtet uns die Antwort entgegen.
Fahrt ist Aufbruch, Aufbruch aus dem engen Ich. Ausbruch in die Weite. Fahrt ist Liebe. Die Liebe treibt uns ins große Draußen, macht weit im Schauen unb Bewunderung. Sie sprengt bett Kerker, drängt uns hinaus aus bett Häusern unb Stäbten, aus Fabriken unb Büros. Die Welt wollen wir uns erobern, Ke ile.Singe unb Wirklichkeiten mit ihren Kanten und ihrer Fülle. Sie Heimat wollen mir uns er» wandern, wollen heimisch werden bei den Bäumen. K unb Tieren, bei Blüte und Blume und Blatt. Und frei wollen wir werden von aller spießigen Gemütlichkeit, von I vielem Unnötigen, Armseligen unb Schwachen. Einfach, | stark, schlicht und herb, froh, ja tiefinnerlich froh mache WM» bie Ftzhrt. Sie soll uns formen unb gestalten zum * neuen Menschen, zum Menschen der Natur unb Gnabe. | Wandern ist Liebe. Und Liebe treibt zum andern .Menschen, drängt zur Gemeinschaft. Auf Fahrt |N> wir ber eigenen Seele inne geworden unb der Seele i unserer Brüder unb Schwestern. Es steht keine Mauer mehr zwischen uns unb ben Mitmenschen. Wir sehen: Da Mt ein Mensch, — gerabe so lebendig wir wir selber, lau; Wen> wir gehören zusammen. Wir sind Brüder, uns darum einander lieben und dienen in aller Treue und Opferbereitschaft! Und was wir erträumten unb ersehnten: bas 3ugendreich der Gottes» linder, hier auf der Fahrt wirb es Wirklichkeit. Hier ^wachst wirklich wahre unb tiefe Gemeinschaft. Denn : »Gemeinschaft heißt ja nicht, baß viele ^^eutezusommengepackt sind, sondern baß «eele von Seele weiß".
F- Unb noch etwas anderes will echte Sugenb auf Fahrt m»«rn unb besitzen: Gott. Viel frische, frohe Kräfte mw heute am Werk, eine neue Welt und eine neue Ge- an auf3ubauen. Und das Wunderbarste bei bie» M Werken und Schassen ist, daß Gott in ben Seelen ■“w und sich gar gewaltig erhebt. Wer einmal mit osfe- t 6e®Ie die Wunder der Natur geschaut unb erlebt hat, daß Gott ist. Der weiß, daß es eine ewige «B» °sm jenseits der Sterne unb daß wir auf Erben fax» -Wanderer sind zwischen zwei Welten". Der weiß, B88»? eine letzte Gemeinschaft gibt, in ber sich alles «rjä)e gemeinsam erfüllt. Gott, der große, unendliche g gw/1 ^e<ch, gütig und liebend über alle Begriffe, Gott, ; ___"dens Fülle unb Erfüllung, nach ihm sehnen wir
uns, zu ihm sinb wir aufgebrochen auf ber Fahrt, um ihn ganz zu besitzen, ihn ganz zu lieben.
Seele, Gemeinschaft, Gott, wir fühlen, wie sie zusammengehören unb wie die Fahrt Weg und Aufbruch zu ihnen ist. Wenn reifen reifen ist, dann sind gewiß unsere Fahrten nicht nur Ausdruck jugendlichen Seins und Lebens, sondern Wege zur Vollendung unb Erfüllung.
Noch einmal Fuldaer Freibad.
Allmählich zweifelt keiner mehr daran, daß das Städtische Bad in ber Rosenau tatsächlich ge- baut wird. Die Grundmauern der Gebäulichkeiten stehen bereits und die Erdbewegungsarbeiten schreiten unter ber Obhut der Wohlfahrtserroerbslosen langsam, aber sicher fort. Es scheint so, als ob die Anlage allen Befürchtungen zum Trotz ganz nett unb brauchbar würde. Da in Bronnzell auch ein großzügiges unb vornehmes Familienbad gebaut wirb, ist bie Badefrage für das „bessere" Fulda also glänzend gelöst.
Die Frage bes Fuldaer Freibades, das mindestens von ebensoviel, wenn nicht mehr, Fuldaer Sungens besucht wird. Ist damit aber nicht geklärt. An heißen Nachmittagen unb schönen Sommertagen herrscht im Freibad ein Gedränge, das schon nicht mehr gemütlich ist. Man findet auf dem 2 — 3 Meter breiten Strand, den man längs der Fulda den kostenlos Badenden zur Verfügung gestellt hat, nur schwer ein sauberes, trockenes Plätzchen, auf dem man feine Kleider niederlegen könnte.
Wir bitten bie Fulbaer Stadtväter, sich diese gedrängten Verhältnisse einmal anzusehen unb zu überlegen, ob ber von uns schon einmal gemachte Vorschlag, ben Bretterzaun 10—2 0 Meter zurückzusetzen, nicht verwirklicht werden tarnt. Dann wäre allen geholfen. Zwar ist uns bekannt, daß das Gelände leider dem Staat gehört, aber wir können es nicht begreifen, daß dieses Stückchen Wiese nicht gegen billiges Geld ober gegen eine geringe Pacht — unter Umständen sogar umsonst — für bie Fuldaer Sugenb zur Verfügung gestellt wird. Die hohen Herren von der Regierung halten doch stets fO' wohlwollende Reden, wenn sie zur Jugend sprechen. Sie werden sicher ihr Wohlwollen auch durch die Tat beweisen, wenn ihnen die Bitte in der richtigen Weise vorgetragen wird. Vielleicht denkt das Fuldaer 3ugent>amt recht bald einmal daran, hier Schritte zu unternehmen. T
Wir wollen Sauberkeit!
Die Skandale im Fuldaer Land.
Sn der letzten Zeit erlebt man im Fuldaer Land eine Häufung von Skandalen, die einfach unbegreiflich bleiben. Dem Faß den Boden ausgeschlagen hat jetzt ber burch grobe Dertrauensbrüche unb laxe Geschästs- gebarung ber Aufsichtsinstanzen heroorgerusene finanzielle Zusammenbruch bes Darlehnskassenver- einsNeuhof. lieber 800 000 Mark sinb leichtsinnigen ober unfähigen ober verbrecherischen Menschen in den Fingern zerronnen. Angeblich weiß kein Mensch, wo diese Gelder hingekommen sind. Sie sind einfach futsch. Die Löcher werden jetzt notdürftig wieder zugestopft. Die Preußenkasse gibt zur Sanierung einige Hunderttausend Mark aus einem imaginären „Rationalisierungs- sonds". Das muß fein. Sonst würden viele unschuldige, kleine Bauerngüter und Gewerbebetriebe vor dem Ruin stehen. Man macht mit Recht geltend, daß aus diesem Fonds schon viele Millionen in andere Gegenden geflossen seien. Deshalb könnten auch Notleidende im Fuldaer Land einmal unterstützt werden, zumal diese trotzdem noch für die — gelinde ausgedrückt — unrichtige Handlungsweise der Beauftragten zahlen müssen.
Mit der wirtschaftlichen Sanierung ber Genossenschaften ist die Angelegenheit aber nicht erledigt. Nein, bann muß bas Reinemachen erst anfangen. Richtig ift, daß zuerst versucht wird, die Unschuldigen vor weiteren Verlusten zu bewahren. Das scheint nach dem jetzigen Stand der Dinge erreicht zu fein. Nun muß die Schuldfrage restlos geklärt werden. Nicht etwa, weil man unedlen Racheinstinkten nachgeben zu müssen glaubt, sondern weil verschwundenes Vertrauen nur bann wieberkehren kann, wenn bie Menschen sehen, daß ganze Arbeit geleistet unb nichts verheimlicht werben lvll.
Man mache.sich nichts vor. Durch bie großen unb kleinen Kräche in ben Genossenschaften im ganzen Reich unb in unserer engeren Heimat ist bas Vertrauen zum Genossenschaftswesen stakk geschwunben. Auch ber Raiffeisenbank in Kassel traut man im Fulbaer tianb nicht mehr über ben Weg. Das sinb Tatsachen, die man nicht gut leugnen kann. Diese Entwicklung ist traurig. Trauriger ist noch, baß heute auch alle ehrlichen unb gutgesinnten Menschen in führender Stellung mühsam gegen bas Mißtrauen ankämpfen müssen, bas unredliche Beauftragte verschuldet haben.
Man kann deshalb verstehen, daß manche brauchbare unb nicht die schlechtesten Menschen sich verärgert aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, zumal heute auch