Einzelbild herunterladen
 

der Regierung im Dunkeln zu halten. Auch heute kann man gelegentlich hören, die ungarischen Kö- nigsolgen beständen nur im sensations­lüsternen Ausland. Aber gar so emfach lassen sich die Dinge denn doch nicht verhüllen, und daß das Haus Habsburg auch heute noch ehr­geizig ist und noch nicht auf alle Zukunstshoffnun. gen verzichtet hat, das werden auch die klügsten ungarischen Diplomaten, mögen sie nun Anhänger Ottos oder eines Anderen sein, nicht aus der Welt schaffen können.

* Aufklärung des Mordes an Bergwerksdirektor Kramer. (Eig. Meld.) Der am 19. Februar an dem Bergwerksdirektor Kramer aus Nachter- st ä d t bei Magdeburg verübte Mord scheint vor der Aufklärung zu stehen. Direktor Kramer wurde, wie erinnerlich, nachts vor seinem Haus durch einen Schutz aus der Dunkelheit getötet, und es gelang nicht, den Täter zu ermitteln. Am NUmtag erschien nun die Frau des Otto Koch aus Hoym bei der Grubendirektion in Nachterstädt und gab an, daß ihr Ehemann den Mord an Direktor Kramer begangen. Koch war bis zum Jahre 1929 als Heilgehilfe und Bademeister auf der Zeche beschäftigt gechesen und wegen Unregelmäßigkeiten von Kramer entlassen worden. Die Frau, die wohl ein unruhiges Gewissen und Familienstreitigkeiten zu ihrem Schritt veranlatzt haben, hat ihre Angaben vor dem Richter wiederholt. Otto Koch wurde festgenommen und dem Gefängnis in Halberstadt zugesührt. Bisher bestreitet er die Tat.

Waldbrand im Altvatergebirge.

wtb. Prag, 8. Juli. (Eig. Meld.) Auf den Be- sitzungen des Fürsten Lichtenstein im Altvater­gebirge entstand, wahrscheinlich durch eine wegge- worfene Zigarette gestern ein Waldbrand,' der sich bei der herrschenden Dürre mit großer Geschwin­digkeit ausbreitete. 100 Mann Militär und di« Feuerwehr arbeiten an der Bekämpfung des Feuers, das bereits 15 Hektar Wald ergriffen hat. Der brennende Wald verbreitete eine ungeheure Hitze, sodaß zahlreiche Personen ohnmächtig wur­den. Der bisher entstandene Schaden wird auf ungefähr drei Millionen tschechische Kronen geschätzt.

Bilder vom Tage.

Julius Hark,

um 1890 einer der Führer und Gründer der na­turalistischen Bewegung, bekannt als Über­setzer und scharfsinniger Kritiker, ist im Alter von 71 Jahren in Berlin gestorben.

Sir Arthur Conan Doyle,

der berühmte schottische Romandichter, dessen Sher- lock-H'olmes-Detektiv-Geschichten die ganze Welt in Spannung hielten, ist im Alter von 71 Jahren in London gestorben.

Denkmäler mit Fehlern.

Wie man auf Bildern so manches Mal Verstöße ge­gen die Natur oder die Beobachtung feststellen kann, so sind auch die Denkmäler gegen solche Fehler nicht gefeit. Das Merkwürdige dabei ist, daß die Fehler dem Auge der meisten Beschauer nicht nur, sondern auch Fach­leuten entgangen sind, und heute noch entgehen, wofern sie nicht darauf aufmerksam gemacht werden. Oder hat schon ein Beschauer des Frankfurter Goethe- d e n k m a l s von sich aus entdeckt, daß Goethes Rock verkehrt zugeknöpft ist? Dem Berliner, der ja Pferde kaum noch sieht, kann man es nicht verargen, wenn er kritiklos vor dem Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten, das Schlüter geschaffen hat, steht. Der aber, der etwas von Pferden versteht, wird oder sollte wenigstens über die Schrittstellung, die das Pferd ein­nimmt, den Kopf schütteln und sie für unmöglich er­klären. Außerdem sollte ihm auffallen, daß dem Pferd ein Hufeisen fehlt. Auch an dem Blücherdenkmal auf dem Opernplatz ist etwas vergeßen: das Portepee am Säbel fehlt. Hingegen hat das Berliner Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm III. eine sehr merkwürdige Zugabe erhallen, nämlich einen Flicken auf dem Stiefel. Das ist nun aber nicht ein Fehler, we­nigstens sagt man so, sondern soll Absicht sein. Der Kö­nig war äußerst sparsam, so daß es geradezu zu einem geflügelten Wort wurde: „Er ist so sparsam wie der König von Preußen." Die Prinzen des königlichen Hau­ses wurden äußerst knapp gehalten. Für zwei Gro­schen Obst war oft ihr einziges Geburtstagsgeschenk. Die Uniformen ließ der König, wenn sie auf einer Seite ab­getragen waren, regelmäßig wenden. Und seine Stiefel waren nicht selten mit Flicken besetzt. Die gewendete Uniform, die zwei Groschen für Obst und bergt ließen sich an dem Denkmal nicht anbringen, da hat man we­nigstens durch den Flicken auf dem Stiefel, so sagt man, der Sparsamkeit des Königs ein Denkmal setzen wollen.

Begebenheiten

Von der Zugspitzbahn.

Eröffnung der Schlußstrecke. — Einweihung durch Kardinal Faulhaber.

wtb. Gibsee, 8. Juli. (Eig. Meld.) Die Zahn­radstreck« Eibsee-Zugspitz-Platz der Bayerischen Zugspitzbahn ist hellte in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, darunter der bayerische Ministerpräsident Held und der Geheimrat Stimming vom Norddeutschen Lloyd, feierlich eröffnet worden. Den kirchlichen Weiheakt nahm Kardinalerzbischof von Faulhaber vor. Um 12.15 Uhr wurde in drei Sonderzügen die Bergfahrt vom Bahnhof Erbse« zum Schneefernerplatt und zum neuerstan­denen Schneefernerhaus angetreten, wo bei einem Frühstück in Reden und Wechselreden Glückwünsche zu dem festlichen Ereignis ausgesprochen wurden.

Der Vesuv speit wieder.

wtb. Neapel, 8. Juli. (Eig. Meld.) Der Vesuv ist seit Montagmorgen in Tätigkeit, man glaubt aber, daß keine Gefahr für die zunächst liegenden Ortschaften besteht.

* Leichter Betriebsunfall eines D-Zuges. (Eig. Meld.) Bei der Einfahrt des D-Zuges 71 Mün­chen-Berlin in den Bahnhof Südende entgleiste am Dienstagmorgen der zweitletzte Wagen mit einer Achse. Personen wurden nicht verletzt. Die Reisenden sind in die übrigen Wagen des Zuges umgestiegen, der alsbald seine Fahrt fortsetztr. Der Zug traf mit 20 Minuten Verspätung auf dem Anhalter Bahnhof ein. Der Sachschaden ist gering.

ZweiMokorradsahrer verbrannt

Zusammenstoß zwischen Motorrad und Auto.

Sonntag abend gegen 20 Uhr ereignete sich auf der Landstraße Neunkirchen-Mehlingen (Pfalz) ein entsetzliches Derkehrsunglück. Ein Mo- tvrrad mit zwei Männern aus Winnweiler rannte — wohl infolge Versagens der Bremsen — auf ein Personenauto mit solcher Wucht auf, daß der Benzintank des Motorrades explodierte. Beide Motorfahrer waren im Augenblick in Flam­men gehüllt. Während der Lenker des Rades unter furchtbaren Schmerze« alsbald starb, wurde sein Begleiter in hoffnungslosem Zustand dem Krankenhaus zugeführt, wo er im Laufe der Nacht ebenfalls seinen Verletzungen erlag.

* Kürten wird auf seinen Geisteszustand unter­sucht. Wie die Düsseldorfer Justizpressestelle mit­teilt, soll sich die Vernehmung des Düsseldorfer Massenmörders Kürten schwieriger gestalten, als die Polizei zunächst angenommen hat. Bei den Versuchen, über di« einzelnen Taten, über die Kürten ein Geständnis abgelegt hatte, eine nähere Aufklärung zu erlangen, verwickelte sich Kürten in derartige Widersprüche, daß sich weder die Po­lizei noch der Vernehmungsrichter in den Aus­sagen noch auskannte. Kürten wechselt ständig seine Geständnisse, einen Teil davon hat er bereits widerrufen, daher soll Kürten jetzt zunächst einer Beobachtung seines Geisteszustandes unterworfen werden. Die Untersuchung wird längere Zeit in Anspruch nehmen^ wodurch das gegen Kürten ein- geleitete Verfahren naturgemäß ins Stocken ge­raten muß. Die Sachlage ist zurzeit derart ver­worren, daß mit einer Eröffnung des Haupt­verfahrens für die nächsten Monate nicht gerechnet werden kann, da noch nicht einmal die Dorunteri- suchung abgeschlossen ist. — Die Düsseldorfer Kri­minalpolizei weist darauf hin, daß vom Tage der Verhaftung Kürtens das Bestreben der verneh­menden Beamten dahin ging, die Selbstgeständnisse so weit wie möglich außer Acht zu lassen. Eine Zurücknahme von Geständnissen durch Kürten würde ohne jede Bedeutung sein, da ihm die einzelnen Fäll« einwandfrei nachgewiesen werden konnten.

Dotniet-Hottottöung auf der Ostsee.

Hott einem 2Uotorschoner ins Schlepptau genommen. Während des Transports kentert das Flugboot.

5 Insassen gerettet, drei vermißt.

Das Dornierwal-Flugboot D 864 mußte am Montag nachmittag auf dem Fluge von Stettin nach Kalmar an der Südspitze von Bornholm infolge eines Motorschadens auf der Ostsee me- dergehen. An Bord des Flugzeuges befanden sich 5 Passagiere und eine drei Mann starke Besat- ztmg. Das Flugboot wurde von einem vorüber­gehenden Motorfchoner ins Schlepptau genommen und nach Bornholm einzubrillgen versucht. 10 Seemeilen von Bornholm kenterte die Ma­schine plötzlich. Der Motorschoner versuchte so­fort die Insassen zu retten. Es gelang ihm auch,

Rußland hui

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

Die Lebensmittelversorgung der russischen Be­völkerung ist so ungenügend wie nur denkbar. So­eben hat der Moskauer Konsumvereinsverband eine Bekanntmachung über die Versorgung int Juli veröffentlicht. Es werden folgende Lebens­mittel und Bedürfnismittel nur gegen Karten­abschnitte verabfolgt: Butter, Margarine, Mehl, Brot, Fleisch, Zucker, Tee, Makkaroni, Grieß, Grütze, Reis, Heringe, Waschseife, Toilettenseife, Waschseife usw.

Sowjetrußland ist das einzige größere Land der Welt, das noch immer mit Lebensmittelkarten wirtschaftet. Wohl ist das Kartensystem nicht mit dem zu vergleichen, wie es verschiedene mitteleuro­päische Länder während des Krieges hatten. Wäh­rend dort eine strenge Ueberwachung durchgefllhrt wurde, besteht in beschränktem Umfange für be­stimmte Lebensmittel in Rußland ein offener Markt, wo nach Belieben gekauft werden kann, wenn — was da ist. Gewöhnlich fehlt es aber an entsprechenden Lagern und auch sonst sind die Preise so immens hoch, daß ein Kauf nur als Luxus angesehen werden kann.

Die Lebensmittelkarten werden in Rußland in Heften mit Abschnitten an alle stimmberechtig­ten Bürger ausgegeben, ausgenommen Geistliche und Kultusbeamte, Kaufleute und Händler und Angehörige der früheren Aristokratie. Nur die Kinder dieser nicht stimmberechtigten Klassen er­halten die Lebensmittelkarten angewiesen.

In Moskau — um ein Bild zu gewinnen über die Verteilung bezw. die der Bevölkerung zur Ver­fügung stehenden Brotmengen — wird im Durch­schnitt pro Tag an die Handarbeiter etwa 800 Gr. Brot abgegeben, für andere Bezugsberechtigte aber nur 400 Gr. Davon ist die Hälfte Schwarz-

aus aller Welt.

den Piloten Flugzeugkapitän Kuhring, den Bord­monteur Friedrich und einen Passagier namens Erikson an Bord zu nehmen. Nach dem Sentern des Flugzeuges eilte auch ein holländischer Dam­pfer zu Hilfe, dem es gelungen sein soll, zwei Passagiere, leeren Namen noch unbekannt sind, zu retten. Weitere Passagiere, darunter auch eine Same, sowie der Bordfunker Pittmann, werden zur Zeit noch vermißt, sodaß man an« nimmt, daß sie den Tod gefunden haben. Das Flugzeug liegt jetzt bei Bornholm.

Die von dem Motorschoner geretteten drei In- fasten des gekenterten Flugzeuges find um Mit­ternacht in Nexö eingetroffen, wo sie int Kran­kenhause umergebracht, Dienstag früh indessen aber wieder als gesund entlassen wurden. Nach den drei Insassen des Flugzeuges, die noch ve» mißt werden, wird von deutschen und dänischen Schiffen gesucht. *

* Ein weiblicher Domela. Von der Polizei wurde in Godesberg eine 26jährige Haus­angestellte aus Gotha festgenommen. Das Mädchen war früher in Godesberg in Stellung, hat sich aber seit vier Wochen in einem Hotel als Komtesse nie­dergelassen. Sie spielte ihre Roll« recht gut, doch da eine Komtesse nicht ohne Geld leben kann, suchte sie sich in Bonn ein standesgemäßes Opfer aus und fand einen gräflichen Studenten, dem sie durch ihr sicheres Auftreten 2 400 Mark entlockte. Doch bald schöpfte man Verdacht und das Komtessenleben hatte ein Ende. Als das Mädchen verhaftet wurde, besaß es von den 2 400 Mark nur noch 1500 Mk. Mit dem übrigen Selbe hatte es sich neu eingeklei­det und die Hotelrechnung bezahlt.

— Der Geruch bet Sfeine. Wer jemals mit Auf­merksamkeit Ouarzstücke ober Kieselsteine zusammen- geschlagen hat, wirb gerabe bei biesen Steinen mehr als bei allen anderen einen Geruch wahrgenommen haben. Es gehört gar keine feine Rase bazu, um diesen eigen­artigen Geruch deutlich wahrzunehmen. Die Tatsache war schon immer ein Problem für die Naturforscher. Jüngst hat nun der französische Gelehrte A. Piccard durch Versuche eine Lösung des Rätsels gefunden, die bei richtiger Betrachtung viel wichtiger für die Wissen­schaft ist, als es auf den Ersten Blick erscheint. Piccard führt die Entstehung des Steingeruchs darauf zurück, daß die Steinflächen organische Substanzen enthalten, Schmutz ,Staub, Fett usw., und daß diese infolge der beim Zusammenschlagen entstehenden Hitze brenzlich rie­chende Stoffe liefern. Zerschlägt man ein Ouarzstück und schlägt man die zwei Teile sofort aneinander, so ist ein Geruch sinnlich kaum vernehmbar. Die Flächen waren eben noch tadellos rein. Aber schon nach einer Stunde haben sich so viele organische Substanzen aus der Luft niedergeschlagen, daß der Geruch deutlich be­merkbar wird. ________________

Malka und der Vatikan.

Die über die Maltesische Frage vom Vatikan veröffentlichten Dokumente.

Vor uns liegt bas sogenannte Weißbuch, eine bokmnentarische Klarlegung von Seiten bes Hl Stuhles über die Maltesische Frage. Nach Lesung bes englischen Blaubuches über obige Frage blieb uns ein Zweifel: Ist ber Hl. Stuhl tatsächlich in den ihm von ber englischen Regierung zuge­schobenen. Fehler verfallen, baß er ben Episkopat von Malta nicht baran hinderte, mit religiösen Mit­teln in eine politische Auseinanbersetzung einzu­greifen, ober liegt bie Schuld auf Seiten der eng­lischen Regierung, weil sie ihrem Vertrauensmann, Lord Strikland, erlaubte, sich mit allen politischen Mitteln in innerkirchliche und rein religiöse Fragen einzumischen?

Diesen Zweifel löst die Vatikanische Veröffent­lichung, indem sie aktenmäßig zeigt, daß nicht die katholischen Bischöfe es waren, die die maltesische Politik beunruhigt haben, sonder» daß Lord Strik- lanb es war, der durch eine Unzahl heimtückischer Manöver die katholischen Traditionen der Insel zu durchbrechen und ihre angestammte Religion zu erschüttern suchte.

Die Veröffentlichung des Hl. Stuhles, welche 200 Seiten umfaßt, zerfällt nach chronologischen Ge­sichtspunkten in drei Teile:

Erstens die Umstände, welche die Entsendung eines Päpstlichen Delegaten nach Malta verlangten;

Zweitens die Ereignisse, welche ber Visitation bes Delegaten folgten;

Drittens ber von Seiten der englischen Regie­rung für die Zeit der Wahl vorgeschlagens Waffen­stillstand.

Nach den in der Publikation enthaltenen 39 Dokumenten kann man Folgendes als sicher feststel­len:

1. Schon int August 1928 sah sich der Erzbischof

igert weiter!

brat, bie anbere Hälft« ein sogenanntes „weißes" Brot nach einem befonberen Verfahren hergestellt, um Weizen zu sparen, ben man für die Ausfuhr freihalten will.

Daneben gibt es sogenannte Fleischtage. An solchen Tagen erhalten die Handarbeiter ungefähr 200 Gr. Fleisch bie anberen Bezugsberechtigten un­gefähr 100 Gr. Etwa 10 Tage im Monat sinb fleischlos. Butter kommt nur monatlich auf Kar­ten zur Verteilung unb zwar fast ausschließlich für bie Mitglieder der Konsumvereine, die ungefähr 350 Gr. erhalten. Auch bei ber Zuteilung anbe- rer Lebensmittel werden die Mitglieder der Kon­sumvereine bevorzugt und die anderen Bezugs­berechtigten schwer benachteiligt. Am traurigsten ist es wohl mit der Zuteilung der Milch bestellt- Nur Kinder im Alter bis zu 12 Jahren erhalten im Durchschnitt einen halben Liter Milch täglich. Sonst ist in den Verkaufsstellen der Konsumvereine Milch kaum zu erstehen. Gemüse ist so gut wie gar nicht mehr zu haben, weil die Zufuhr aus den ländlichen Bezirken in die Großstädte aufgehört hat. Dasselbe gilt von den Früchten.

Wer sich also satt essen will, ist darauf ange­wiesen zu versuchen, sich weitere Lebensmittel auf dem offenen Markt zu kaufen. Wohl sind bie Hänbler im wesentlichen ausgeschaltet, aber durch bie rücksichtslose Unterdrückung ber russischen Bauern ist auch von einem biretten Verkauf ber Bauern an bie Verbraucher kaum mehr bie Rebe. Unb so ist es nicht verwunberlich, baß am freien Dlarkt geradezu Phantasiepreise für Lebensrnittel zu verzeichnen sind. Die Preis« sind mindestens dreimal so hoch wie in den staatlichen Verkaufs­stellen. Ob überhaupt die ßebensmitteltrif« in Ruß­land überwunden werden kann, hängt ganz von der Auswirkung der Bestimmungen des 5-Jahre- Abkommens ab. Vorläufig hungert Rußland.

fr,*!

U

von Malta gezwungen, in einem Hirtensch«tztz,z | seine Gläubigen auf bie Gefahren aufmerksam i» machen, welche dem katholischen Glauben aus bei Tätigkeit gewisser Kreise erwuchsen, bie bie P»^-» | benähten, um ber Kirche zu schaben (Dokument

2. Im Monat Februar 1929 erhob SarbinaLl ftaatsfetretär Gasparn Protest gegenüber dem enQ, ' lischen Gesandten beim Vatikan, weil durch Begünstigung von Lord Strikland in Malta R*l Dinge ereignet hatten, die für die religiöse» fühle ber überroältigenben Mehrzahl der Maltes» Z bie mit großer Pietät an ihrem katholischen Glam^ den hängen, birett beleibigenb waren (Dokument A unb weil bie Lokalbehörden bie Abreise eines Qr, bensmannes, der von feinen rechtmäßigen Obern ' in ein anderes Kloster außerhalb Malta oerfeu \ worden war, verhindert hatten, unter dem BgA wand, daß er ein englischer Bürger sei (Dskn, ment 3).

3. Am 1. März 1929 verlangte die englisch» s Regierung vom Hl. Stuhl die Entsendung eines Visitators Apostolicus nach Malta, um für bie Zu. J kunft Reibungen zu oermeiben (Dokument 5). Der 1 Hl Stuhl beauftragte daraufhin M,gr. Daschai,, Robinson, Erzbischof von Tiana unb jetzigen Apo. siolischen Nuntius von Irland. Die Wahl dieses Mannes wurde von Seiten der englischen Regi,. rung mit großer Freude begrüßt, und das Paris« ment ton Malta drückte dem Hl. Vater tn feiner Sitzung oom 21. März 1929 -eine Dankbarkeit aus für die Entsendung eines Arostolsiche» Delegate» nach Malta und für die Betreuung eines so her. oorragenben Prälaten unb Diplomaten mit dieser schwierigen Aufgabe (Dolument 9).

4. In ber Zwischenzeit arbeitete Lord StrtW land einen Entwurf für »in Konkordat aus, in de« u. a. bas Verlangen gestellt würbe, ben (Beiftfi. ■ chen die Annahme eines Mandats für das Parla« ment absolut zu verbieten (Dokument 11).

5. Nach ber Untersuchung erstattete der Apo. siolische Visitator einen Bericht, -n dem j. a. steht« . . . baß bie politischen Taten Lorb Strikland um j so gefährlicher sind, als seine antiklerikalen Be. ftrebungen von ber Mehrzahl seiner Parteigenosse» nicht erkannt werden . . Es ist nicht übertrie» ben zu sagen — so fährt der Bericht fort — daß - Malta heutzutage unter einer Terrorregierung lebt, unb unter einem inquisitorischen Despotismus^ in welchem bie Opposition entwaffnet ist, ihre Zesi tungen geknebelt, ihre Gerichtshöfe bedroht sind'! dis Gerechtigkeit suspendiert, bie Verfassung in Ge­fahr ist, bas ßanb sich in Verwirrung befindet, bie Kirche unb bie Religion offen angegriffen »er« ; ben . . . Unglücklicherweise mürbe biese antiklM rikale Politik bes Lorb Striklcmb nicht zur rede­ten Zeit bekämpft" (Dokument 12).

6. Karbinalstaatslekretär Gasparri machte Int] Monat Juli 1929 ber englischen Regierung dies Mitteilung, baß der Hl. Stuhl nicht umhin tonnte*/ ben Bischöfen Maltas die Versicherung zu gebeio baß Lorb Strikland - entgegen feinen Behaupt tungen — keineswegs Persona grata beim QH Stuhl fei (Dokument 14).

7. Die englische Regierung erachtete diese EL flärung gegen Lorb Strikland für unvereinbar mit ben "freundschaftlichen Beziehungen zwischen bent Hl. Stuhl unb betn englischen Imperium un$' legte in einem Pro-memoria an Karbinal Gasparn i im August 1929 gegen diesen Schritt Verwahrung ein (Dokument 15).

8. Später wurde ein Versuch gemacht, diesen f Streit zu beseitigen; am 26. Februar 1930 oer.' langte die englische Regierung in einem. Pro- memoria an Kardinalstaatssekretär Pacelli vom Vatikan eine Anweisung an den Klerus von Malls, wonach dieser sich sowohl der aktiven Beteiligung an der Politik während ber Wahlperiode enthal­ten müsse, als auch besonders kein Abgeordneten», Mandat annehmen dürfe (Dokument 23).

9. Dieser Vorschlag ber englischen Regierung ' konnte vom Hl. Stuhl nicht angenommen werden, well er auf der Anschauung beruhte, daß iwffl Klerus von Malta für bie dortigen Unruhen »ea i antwortlich fei.

10. Am 10. Mai 1930 veröffentlichten bie Ast I schüfe von Malta einen Hirtenbrief, worin sie zuck. Ausdruck brachten, daß es für jeden Katholiken eine schwere Gewissenspflicht bedeute, seine StimnKz nicht Lord Strikland oder einem seiner Kandidat ten zu geben, oder Kandidaten von Parteien, bie gegen bie katholisch« Kirche arbeiten (Dokument 27);

11. Der Hl. Stuhl unb bie Bischöfe von Malles haben niemals beabsichtigt, bem Volk bas Wahl-D recht zu nehmen, sondern in ihrem Hirtenschreibe« die Gläubigen lediglich an bie Grundwahrheit«! erinnert, welche zu jeder Zeit llnd an jedem Ort !■ bei Gelegenheit ber Wahlen als Richtschnur für aufl Katholiken bestehen (Dokument 39).

12. Infolge biefes Hirtenbriefes fürchtete ntafoiJ bas Lorb Strikland in ber Wahl unterliegen 1 werbe, unb ber Gouverneur von Malta suspen- - bierte — unter dem Vorwand, daß große U»W ruhen zu befürchten seien — die Wahlen.

13. In dem letzten Dokument vom 8. Juni 1930 I wies Kardinalstaatssekretär Pacelli noch einmal den Vorwurf zurück, als ob ber Vatikan sich in M>T politischen Verhältnisse eines Landes eingemtw hätte. Der Hl. Stuhl habe nur, wie es sein Recht und seine Pflicht war, die religiösen Interesses und die katholischen Traditionen bes maltesisch^ Volkes verteidigt. Der Hl. Stuhl habe sich geg^ Lord Strikland gewandt, nicht wegen seiner po­litischen Betätigung, sondern wegen seiner Tätige feit in religiös- und kirchenfeindlichem Sinne, <

14. Das Dokument 21 ist ein durchschlagend^ Beweis für die Einmischung bes Lord StriklaW in das Gebiet des Religiösen, als ein Ausfluß F* nes Charakters.

Die Regierung des Papstes Pius XI. ist, v> allbekannt, charakterisiert durch bie konsequent«^ gewissenhafte Distanzierung bes Religiösen von bei eigentlich Politischen — und zwar unterschiebst bei allen Völker». Bei ber aufmerksamen uw unparteiischen Lesung ber Dokumente sieht ma> nur zu deutlich, wie ein Freund mit übertriebene! unb ungeregeltem Eifer mitunter vielmehr schabe' kann, als ein Feind. In feinem Bestrebe», J™ fein Vaterland eine Eroberung zu mache», diem« leicht auch von seinen Vorgesetzten nicht gewiMfq war, — nämlich bie Anglikanisierung einer sei, die seit Jahrhunderten katholisch ist, — 0® Lord Strikland schließlich England in einen pe'” lichen Konflikt hineingerissen, unb sich selbst ® wußt ober unbewußt in bie Lage gebracht, ein -o* nehmen an ben Tag zu legen, bas in schreiend^ Gegensatz zu seinem katholischen Bekenntnis

ie Zeitungs- Reklame ist von allen Rekta«««« * wirkungsvollste «ad . infolge ihrer Billigkeit und fachheit auch bleiben.