Samstag, S. Juli 1930
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besonderenReichskommisfarfÜrdie Fertigstellung der Vorlagen eines Gesetzes zur Reichs
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Der Reichstagsabgeordnete Gregor Straf« f e r erklärt sich gegen seinen Bruder Otto und versichert, er „stehe nach wie vor in vollster Loyalität hinter Herrn Adolf Hitler und der von ihm ge» führten Nationalsozialistschen Deutschen Arbeiterpartei". ________________________
Reichstages die nicht unbegründete Vermutung hören, daß der Spaltpilz ihm in die Glieder gefahren ist. Revolutionäre Jungens zusammen zu halten, ist keine leichte Aufgabe.
Mittwoch abend geriet in Nahbollenbach bei O b e r st e i n eine Gruppe junger Leute mit
Krach in der Pariser Kammer.
wtb. Paris, 4. Juli. «Fig. Meldg.). Die Kammer war heute der Schauplatz lärmender Szenen zwischen Radikalen und S o z i a l i st e n einerseits, der Linken und Rechten andererseits. Zur Debatte stand ein Antrag Herriots über die 50-Jahr- feier zur Erinnerung an dis Einführung des fchul- geldfreien laizistischen und obligatorischen Unterrichts in Frankreich. Im Laufe der Debatte, die mehrfach ausgesetzt wurde erregten sich die Geister so, daß der Sozialist Bracke gegen einen radikalen Abgeordneten handgreiflich wurde und beide aus dem Saale gewiesen werden mußten. Schließlich wurde mit 450 gegen 135 Stimmen ein Antrag Herriots angenommen, der die 50-Jayrfeier zur Erinnerung an die Einführung der Laicnschule vorsieht Es war 4 Uhr morgens, als die Sitzung aufgehoben wurde.
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* Ehrung Dr. Schobers durch den Pabst. Der Papst hat dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober als besonderes Zeichen seines Wohlwollens und in Anerkennung der Verdienste des Bundeskanzlers das Großkreuz des Piusordens verliehen. __________________________
5 Uhr «scheu
Verschwörung derDiplomalen"?
Aeberraschende Einblicke in die Ursachen des Weltkrieges.
Schicksalsschweren Wochen entgegen!
e Mehrheit für die Deckungsvorlage im Reichsrar. — Ein chskommissar für die Reichsreform. — Brünings Parole.
Am Montag beginnt die Reichstags-Debatte.
Englands indische und ägyptische Grenzen bedrohe. Nicolson gesteht ,in diesem Mißverstehen liege der nähere Grund zum Weltkrieg: darin, daß keines der beiden Länder erkannte, „welche entsetzliche und unnötige Angst das eine vor dem anderen hatte".
So sehr Nicolson auch den Kaiser wegen seines „unglaublichen Leichtsinns" verurteilt hat, mit dem er Rußland wähnte zum Feinde Englands machen zu können — Zusammenkunft mit dem Zaren in Björkö! —, sieht er den letzten Grund des Krieges doch in einem gemein-europäischen liebel: in der „falschen Auffassung nationaler Werte". In jedem europäischen Staat sei von 1850 ab den aufeinanderfolgenden Generationen beigebracht worden, der nationale Egoismus sei eine „ehrenhafte und sogar notwendige Sache"; „der Wunsch, das eigene Vaterland möge größer, reicher und vor allem mächtiger sein als jedes andere Land, wurde für patriotisch gehalten. Hingegen hielt man den Wunsch, das Vaterland möge bei jeder Gelegenheit ein Beispiel der Uneigennützigkeit, der Menschlichkeit und Intelligenz geben, für unpatriotisch. So kam es, daß sich alle dem Problem der Zivilisation im Geiste der Konkurrenz, nicht aber der Kooperation näherten".
Erschütternd, wie die Zuspitzung der Verhältnisse auf den Weltkrieg ssth nun vor uns abspielt, immer wieder, wie bei der Marokko-Affäre, dämonisch vorwärtsgetrieben von einem unheimlichen Sich-Mißverstehen Englands und Deutschlands. Um io tragischer, je elender die gekrönten und ungekrönten Leiter der Politik erscheinen. Was Nicolson über den Zaren und die Zarin, Goremykin und die Großfürsten mitteilt, über den Kampf Iswolski — Aerenthal, über unsere Algericas-Vertreter (Graf Tattenbach!), über den Freund Wilhelms IL, den „mörderisch gesinnten Wahnsinnigen", Abdul Hamid, oder den Grafen Lichnowski der wahrscheinlich gar nicht einmal gemerkt hat, daß England ihm „eine falsche Kriegserklärung" überreicht hatte — das alles ist ebenso entsetzlich wie traurig. Diese Veröffentlichung über das Leben Nicolsons erweist den Weltkrieg als Fluch der Unzulänglichkeit jener, in deren Hände das Schicksal Europas gelegen war. Wir sehen: In den letzten Tagen des Juli 1914 war nichts mehr zu retten, auch wenn das diplomatische Hm und Her klarer und vorsichtiger, schneller und energischer gehandhabt worden wäre. Daher verurteilt es Nicolson denn auch. Deutschland die Kriegsschuld allein zuzuschieben. Er scheut sich nicht, ein solches Volk „würdelos und sinnlos" zu nennen: „Ich begreife nicht, wie man. über ein ganzes Volk einen moralischen Urteilsspruch fällen kann. Ich bin überzeugt, daß wir alten Diplomaten so etwas nicht getan hätten. Ich glaube ja, daß einige tatsächlich verantwortlicher waren als andere, rote zum Beispiel Aerenthal, aber nicht ein ganzes Volk".
Dr. W. Friedrichs sohn.
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MaerZertung
Anzeiger für die Stadt Julda und denOandkreis Fulda. Amtliches kreisblakk.
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Die Ausschreitungen gegen Separatisten. Planmäßige Jagd auf ehemalige Separatisten in Mainz. — 20 Läden und Wohnungen zerstört., wer hat das Unternehmen organisiert? ।
Aus Mainz wird berichtet: ।
In Mainz ist es Mittwoch abend und im Verlaufe der Nacht zu schweren Ausschreitungen gekommen, die sich gegen ehemalige Separatisten richteten. Schon in den Abendstunden' kam es zu Ansammlungen in der Altstadt, denen weitere in anderen Teilen der Stad' folgten. Dis Menge ging nach 10 Uhr zu schweren Ausschreitungen über, indem sie in die Wohnungen, bzw. Geschäftsräume und Läden von solchen Person--' lichkeiten eindrang, die im Rufe der separatistischen. Betätigung standen. Die Schaufenster wurden zerschlagen, die Waren auf die Straßen geworfen, die Möbel der Wohnungen zertrümmert und roasl nicht niet» und nagelfest war, ins Freie befördert. So sind total zerstört und bieten einen trostlosen Anblick ein Zigarrengeschäft, ein Papiergeschäft/ Metzgereien und Bäckereien, Fahrradgeschäfte unb1 Jnstattationsgeschäfte und verschiedene Wohnungen.
Die Polizei war durch die Plötzlichkeit der Aktion vor eine sehr schwere Ausgabe gestellt. (Es handelt sich offenbar um einen gut vorbereiteten« und organisierten Racheakt. Nach den Inhabern der Geschäfte bzw. der Wohnungen wurde zwar, stets gefahndet, in den meisten Fällen aber vergeblich, da sie vorher die Stadt verlassen hatten,! bzw. von der Polizei in Schutzhast genommen wur-, den. Insgesamt wurden 22Sistiervngen vor- genommen. Die Ermittlungen über die hinter den Tätern stehenden Organisationen sind im Gange. Bor allen Dingen sind beteiligt junge Leute im Älter von 19—22 Ihren. Die Menge wandte sich auch gegen die einschreitenden Polizeibeamten und belegte sie mit Beschimpfungen wie „Vater- landsverräter" und „Lumpen". Für die Planmäßigkeit der Aktion spricht die Tatsache, daß die. Täter in ihrer Mehrzahl sich durch dir Art ihrer Bekleidung (weißes Schillerhemd ohne Rock) kenntlich gemacht hatten.
Mainz steht ganz unter dem Eindruck der schwe. ren Ausschreitungen. So sehr man auch alle Bundesgenossen der Separatisten verachtet, so wenig erkennt man diese Methode für richtig an. Man hat das Gefühl, daß hier von Unbefugten und Unverantwortlichen der Versuch gemacht worden ist, sich ein Richteramt anzumaßen, zu dem sie in keiner Weise berufen sind.
Auch in Wiesbaden Ausschreitungen.
Auch in Wiesbaden kam es in der Nacht zum Freitag zu Ausschreitungen gegen ehemalige Separatisten. In einer Reihe von Läden in der Hauptgeschäftsstraße richteten die Ruhestörer großen Schaden an. U. a. wurde eine Bäckerei und eine Metzgerei mit ihren beiden Filialen vollständig verwüstet. Im Hause der „Rheini- nischen Volkszeitung" und in einigen anderen Häusern wurden die Fensterscheiben eingeworfen. In« folge der Schnelligkeit, in der die Menge von einem Platz zum anderen strömte, war es der Polizei nicht möglich, die Zerstörungen zu verhindern. Ewige Bedrohten wurden in Schutzhaft genommen, etwa ein Dutzend Personen verhaftet.
Es scheint festzustehen, daß sowohl die Ueb erfüll e in Mainz wie die in Wiesbaden von einer und derselben Gruppe, die ihren Plan vorher genau verabredet hatte, a n g e ft i f • t e t worden sind.
Selbstmordversuch eines führenden Separatisten.
Nach einer Meldung der „Franks. Zig." aus Mainz versuchte sich am Donnerstag einer der führenden Separatisten, der Arzt Dr. Friedrich Roth und seine Frau, mit Cyankali zu vergiften. Unter dem Schutz der Polizei wurden sie ins Krankenhaus gebracht. Wir erfahren auf eine Anfrage im Main re r Krankenhaus, daß der Zustand des Dr. Roth sich etwas gebessert hat.
Der Donnerstag ist in Mainz ziemlich ruhig verlaufen Vor den Häusern der Separatisten stehen zwar noch die Polizeiposten, doch kehrt der Verkehr langsam in normale Bahnen zurück.
Reichspräsident von Hindenburg
ist, von seinem Aufenthalt in NeudecklWestpreußen zurückkehrend, Freitag vormittag 8,06 auf B a hn- hof Friedrichstraße wieder in Berlin eingetroffen.
katholische Lehrer zur Lelchshilse.
Der Geschästsfuhrende Ausschuß des Katholischen Lehrerverbandes, Abteilung Preußen, befaßte sich in seiner Sitzung am 28. Juni 1930 mit der Frage der Reichshilfe. Er nahm dazu folgende Stellung ein:
„Die im Katholischen Lehrerverbande, Abteilung Preußen, vereinigten katholischen Lehrer bekennen sich angesichts der ungeheuren Notlage von Volk und Staat im Bewußtsein tiefer sittlicher Verantwortung für Jugend und Volk zur Reichshilfe der Personen des öffentlichen Rechts.
Sie sind bereit, der Reichsregierung auf dem im nunmehr veröffentlichten neuen Deckungsprogramm beschrittenen Wege der Volks- und Staats- Hilfe in aktiver Mitarbeit an deren gerechter Ausgestaltung zu folgen.
Sie erwarten das gleich« Bekenntnis zur Tat auch von allen anderen verantwortungsbewußten, leistungsfähigen Staatsbürgern."
Die Deutsche Volksparket.
CNB. Berlin, 4. Juli. (Eig. Meldg.). Im großen Festsaal des preußischen Landtages trat heute vormittag der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei zusammen, um die gegenwärtige politisch« Lage zu beraten. Die Sitzung ist aus allen Teilen des Reiches stark besucht. Sie wurde durch ein großes Referat des Parteiführers Dr. Scholz eingeleitet, der int Hinblick auf die R h e in l a n d - R ä u m u n g der Ver. dienste Dr. Stresemanns gedachte und sich dann im einzelnen mit den politischen Tagesproblemen aus- einanderfetzte. Nach dem Bericht des Parteiführers begann die Aussprache, die wahrscheinlich den größten Teil des Tages in Anspruch nehmen wird.
Meder ine neue Partei.
Adolf Hitler befindet sich m der Lage, die un, glückliche Geburt eines Kindes anzeigen zu müssen. Von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei haben sich die „Revolutionären Nationalsozialisten" getrennt. In fetten Lettern verkündet „Der Nationale Sozialist" Dr. Otto Strassers vom Freitag, den 4. Juli 1930: „Die Sozialisten verlassen die NSDAP."
Die revolutionären Nationalsozialisten Otto Straffer, Major Buchrucker, der vom Küstrmer Putsch her betannt ist, und Herbert Blank, die von 23 Unterführern begleitet wurden, haben das nationalsozialistische Lager verlassen. Warum? um es kurz zu sagen, well die gesamte Entwicklung der Politik der NSDAP, nach ihrer Auffassung dem Parteiprogramm vollständig widerspricht. Die revolutionären Nationalsozialisten sind Gegner eines Interventionskriegs gegen Rußland, für den die Parteileitung der NSDAP, in letzter Zeit immer offener eintrat. Sie sind Freunde des Kampfes, den das indische Volk um seine Freiheit führt und empfanden daher die Politik der Parteileitung, die offen für den britischen Imperialismus gegen die Inder Stellung nahm, als eine Verletzung der deutschen Interessen und einen Widerspruch zum nationalsozialistischen Gedankengut.
Die revolutionären Nationalsozialisten sind weiterhin Freunde eines völkischen Großdeutschland? und Gegner des Partikularismus. Als überzeugte Republikaner verurteilen sie das republikanischmonarchistische Halbdunkel der Parteileitung. Als Sozialisten kommt ^s ihnen auf die Brechung des Besitzmonopols an.] Darum sind sie auch Gegner der engen Verbindung Adolf Hitlers mit Hugen- berg und dem Stahlhelm. Grundsätzlich und tat-- ■ sächlich lehnen sie jegliche Kompromiß- und Koalitionspolitik ab. Das Eintreten Dr. Fricks in die thüringische Regierüng hat ihren Glauben an die Partei völlig erschüttert. Der Einwand Hitlers, daß die Gefahr staatlicher Verfolgungen solche Opfer der UeberzenguNg notwendig machte, wird von ihnen mit der Bemerkung zurückgewiesen, daß „m t diesem Argument der Feigheit jeglicher Verrat gedeckt werden tarnt.4)
Der Bruch in der NSDAP, ist vollkommen, so weit es stch um Berlin handelt. Die Bewegung dürste aber nicht auf die Reichshauptstadt beschränkt bleiben, sondern auf alte Gaue übergreifen. Unmittelbar von der Spallung bedroht sind ietzt schon Mecklenburg und Holstein. Wenn der Berliner Führer Goebbels sich am Donnerstag von dem Reichstagspräsidenetn Lobe einen vierwöchentlichen Urlaub, angeblich wegen Krankheit, geben ieß, so konnte matt in den Wandelhallen des
Reichsrat hat am Donnerstag die S t e u er- ^Deckungsvorlagen angenommen.
Vorlagen über die Einkommenzuschläge, Sondersteuer der Beamten und die Ledi- r usw. wurden in namentlicher Abftim- mit 56 gegen 9 Stimmen bei einer Enb- angenontmen.
n stimmten die preußischen Provinzial- für Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Schleswig-Holstein, Hannover, außerdem Stber Thüringen und Braunschweig, während Mecklenburg-Schwerin der Stimme enthielt.
Wontag schon soll' die erste Beratung der n im Reichstage stattfinden. Reichsfinanz- r Dietrich drängt auf möglichst schnelle Der- iebung der Gesetze, damit die Ordnung der n möglichst rasch gesichert wird. Die Bergen zwischen der Regierung und den Par- roerben voraussichtlich schon morgen einge- ioerben.
iHe Zen trumsfraktion des Reichstages am Donnerstag zu einer Fraktionssitzung tt, in der Reichskanzler Dr. Brüning die politische Lage berichtete. Aus dem Eris der Abstimmung im Reichsrat zog der Wmzler den Schluß, daß auch im Reichs- !-die Parteien schließlich in ihrer Mehrheit fc Vorlage stimmen würden. In Erweiterung Deckungsvorlagen sei eine Preissen» gsaktion notwendig; nur so könne Deutsch- bie Krise überwinden. Die Fraktion brachte ihren Vorsitzenden zum Ausdruck, daß fic ig hinter der Regierung und dem Reichs- stehe.
itag nachmittag findet eine Parte i- lerbesprechung statt, bei der, tote wir zuständiger Seite erfahren, nochmals die Melber Führer der hinter der Regierung Parteien gehört werden sollen. Zusatz- zu den Deckungsvorlagen, die nichts We- änbem, können vorgebracht werden; doch ?ch die Regierung n i ch t in Verhandlungen I wesentliche Aenderungen ihres einlassen. *
die „Voss. Ztg." erfahren haben will, in Regierungskreisen der Plan erörtert, einen
hat ein Buch einen falscheren Titel ge- tn- als die soeben veröffentlichten Enthüllun- aus dem Leben SirArthurNicolsons, bedeutendsten englischen Staatsmänner der zeit. Daß der Weltkrieg alles andere war ,das böswillige Werk einzelner europäischer , beweist die hier offengelegte private 'halbamtliche Korrespondenz eines Mannes, der [J’efrttär der englischen Botschaft in Berlin, in tn Konstantinopel, als Oberleiter der Dol- J5W>teilung jn der Türkei, als Geschäftsträger fest’}' Teheran, Generalkonsul in Budapest, Bot- “r *n Konstantionavel und in Tanger, I,»""chafter in Madrid, als der leitende Vertre- , Englands bei der Algeciras-Konferenz, als Bot- ■B *n Petersburg (1906), endlich von 1910 n inik a^5 Staatssekretär des Aeußern beinahe , Mdez Jahrhundert in dem Dienst der englt- ictfje °mat*e gestanden hat: von 1870 (eine Hg ®°f„ Sedan) bis zur Schlacht am Skagerak / - pcr onlich verwachsen mit beinahe jeder s? langsamen, damals aber anerkannten ^1«. durch den England und Deutschland „all- [Orer wechselseitigen Vernichtung zugetrie- . Was hier der Sohn Nicolsons, zur- an der britischen Botschaft zu Berlin, bringt, hat zudem noch dem Englischen Buffi* Amt Vorgelegen und ist von ihm ^weichung gutgeheißen worden.
frappantesten ist, was wir hier über die der Einkreisung Deutschlands er» Jtod) heute wähnen dis meisten von uns, rutsche Rivalität fei entsprungen dem i» gr l auf die deutsche wirtschaftliche und t, Ausdehnung. Nun sieht man hier nach- wie umgekehrt es England sogar daran daß Deutschland, als Englands reich» em Feld für feine koloniale Ausdech- fcuux ~ Hütte. Der englische Glaube an Gefahr" entsprang einer anderen ein» ^-er Tatsache, daß Deutschland neben * Xu h n $cer der Welt" von 1900 an eine ou auen begann, die bewußt eine Heraus- bort/m englischen Oberherrschaft auf dem Ereilte. Nicht, als ob mar drüben einen ‘ n uns befürchtet hätte! Man hie» die Seemacht für gefährlich deshalb, weil sie Überlegene militärische Landmacht ver- Kr m' 2°’ daß Deutschland, indem es Frank- ' Kx^oiand mit seinem Heer bedrohte, diese er zur Neutralität, wenn nicht zu «iS zwingen konnte. Das vstirde dann /uglischen Seekräfte im Mittelmeer in x- ""genügend gemacht, sondern auch „n , Luge versetzt haben, England in w bedrohen: „Deutschland".'sagt Ni- fflntto bere.,t5 die österreichische und ita» w feiner Verfügung; es mar au*
;_°o d'e Türkei, die zwar militärisch geographisch von ungeheurer Wich
tigkeit war, sich dem Dreibund anschließen würde. Der Alpdruck, von dem England jahrein, jahraus verfolgt wurde, mar eine kontinentale Koalition, die Deutschland die Flotten und Heere Rußlands, Frankreichs, Oesterreichs, Italiens, der Türkei, Bulgariens und Rumäniens zur Verfügung stellen und England dem Diktat Deutschlands hätte unterwerfen müssen." So lautet das offene Geständnis des englischen Staatsmannes. Wenn England also versuchte, Rußland für sich zu gewinnen, „so handelte es sick nicht darum, Rußland dazu zu bewegen, sich England gegen Deutschland, sondern Rußland daran zu hindern, sich Deutschland gegen England an- zuschließen". Man schaudert, man ist entsetzt, hier derart deutlich zu sehen, wie sich die beiden Böl- ter, Deutschland und England, mißverstanden haben, wie Deutsche irregeführt von unserem Geheimdienst, einem besonderen Spion in der russischen Botschaft zu London, der unserer Regierung die beunruhigendsten Informationen zugehen ließ! Wie ehr waren wir doch davon überzeugt, daß der Beuch Eduard VII. bei dem Zaren in Reval nur zu enem „geheimen Einverständnis" geschehen fei, zum Zweck der „Einkreisung" und „Jsollerung" Deutschlands. Ein schrecklicher Irrtum. Wir erfahren hier an Hand der Nicollonfchen Dokumente: „Die beiden Herrscher sprachen überhaupt nicht über Poli- tik, ihre Zusammenkunft mit ihren refpektiven Familien war eine rein familiäre Angelegenheit." Roch heute halten sonst gutunterrichtete, vorurteilslose deutsche Historiker Reval für einen Wendepunkt in der europäischen Diplomatie. Kaiser Wilhelm mar empört. Einige Tage nach dem Reva- ler Besuch hielt er in Döberitz eine Revue über die Gardekavallerie und leistete sich dabei eine seiner unglückseligsten Ansprachen- „Es scheint, daß sie uns einkreisen und herausfordern wollen!"
Umgekehrt verrannte sich England damals in den Wahn, diele Empörung Deut'chlands fei eben nur die haßerfüllte Enttäuschung darüber, daß der rusiilche Bundesgenosse uns abspenstig gemacht morden fei. Wir erschrecken zu fehen, daß Eng- land tatsächlich einen Grund bafür hatte, so zu denken! Während des russisch-japanischen Krieges hatte der Kaiser einen von Bülom verfaßten, unglaublich f*arfen Brief an den Zaren geschrieben, diesen überredend, Rußland möge „die britische Frechheit" mit einer Demonstration an der persischen Grenze bestrafen. Dieser „verheerende" Brief aber mürbe von dem Zaren selber dem englischen Botschafter Nicolson vorgelesen! Die Folgen waren katastrovhal. Bon diesem Tage ab । wurde die englische Diplomatie von dem „Alpdruck" — diesen Ausdruck gebraucht Nicollon zweimal! — ! verfolgt, „Deutschland hege verborgene böswillige Absichten gegen das Britische Reich", dergestalt, daß es „im Bündnis mit Rußland, Oesterreich, der Türkei (und fo im Besitz aller geographischen und strategischen Vorteile) Frankreich dermaßen einzuschüch» fern vermochte, daß es neutral blieb", wenn man