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Anzeiger für die Stabt Fulda unb benLaMkreis Fulda. Amtliches Kreisblalk
Donnerstag, 3. Inti 1930
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Kapitalflucht und Patriotismus
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• Einberufung des Sächsischen Landtages. Aus Dresden wird gemeldet: Nach einem Beschluß des Gesamtministeriums wird der Sächsische Landtag für Donnerstag, den 10. Juli d. I., nachmittags 13 Uhr nach Dresden einberufen. — Der Landeswahlleiter verkündete das amtliche Ergebnis der sächsischen Landtagswahlen vom 22. 3uni-.it. I. Trotz den besonders im Wahlkreis Dresden-Nordsachsen ziemlich erheblichen Abweichungen zwischen dem vorläufigen und dem amtlichen Ergebnis ändert sich an der Mandatsverteilung nichts.
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Holland und Poneuropa.
wtb. Par's, 2. Juli. (Eig. Meld.) Havas meldet, daß die niederländische Regierung in ihrer Antwort auf Briands Memorandum über die föderative Gestaltung Europas zum Ausdruck bringen werde, das unternommene Werk würde nur Erfolg haben, wenn alle europäischen Staaten sich gruppieren könnten und wenn das wirtschaftlich« Problem dem politischen Problem nicht mehr untergeordnet würde.
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Vergewaltigung auch der nächsten politischen Freunde verdrängt wird.
Die Nationalsozialisten bekämpfen den gegenwärtigen Staat mit den Mitteln des politischen Terrors und einer skrupellosen Agitation. Daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen werden, dafür sorgen die Streitigkeiten im eigenen Lager, bei denen natürlich dieselben Methoden angewandt werden, mit denen Hitler, Goebbels und Strasser gemeinsam das verruchte pariamantarische System und den versklavten Poungstaat bekämpfen.
Die Kreuzzeitung, die stets zu den Kreisen der Rechtsradikalen eine gewisse Fühlung aufrechterhalten hat, ist der Meinung, daß es unter Umständen bald zu einer Spaltung der Nationalsozialistischen Partei kommen könne. Man wird aber gut tun, einen innenpolitischen Gegner nicht zu unterschätzen, vor allem aber Hitlers Fähigkeit, die Partei zusammen'uhalten, nicht zu gering zu veranschlagen. Denn schließlich ist der ganze Nationalsozialismus doch nur so groß geworden, weil das parlamentarische Deutschland nur all'ulange jeder wirklichen Führung entbehren mußte.
^nd;eint »echsmai wöchentlich. WochendeUagem „Die Well iw Bild' und „Puchenblätter". Rotationsdruck und Berlar, aeI ftuldaer Slctiendruckerei in stulda. Fernrufe- Schrift- leituno 1152 Fuldaer Rrtiendruckere- 1150 und 1151. ::
fonen, die so gedacht und gehandelt haben, geächtet und hart bestraft worden sind. Leider vermißt man in gegenwärtigen Zeiten scharfe gesetzgeberische Maßnahmen. Es wird im deutschen Volke nicht recht verstanden, daß die gesetzgebenden Kreise die Auffassung vertreten, daß mit gesetzlichen Maßnahmen diesen Mißständen in unserer Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht mit Erfolg begegnet werden könne.
Der badische Reichstagsabgeordnete Dr. Föhr hat in den letzten Tagen in der Tagespresse Vorschläge und Anregungen unterbreitet, auf welchem Wege man dieser Steuerhinterziehung und der Verlegung der Geschäfte und deutscher Kapitalien in das Ausland wirkungsvoll begegnen könme. Wäre es nicht möglich, im Völkerbund darauf hitz- zuwirken, daß solche Dinge in den Ländern auf Grund gegenseitiger Vereinbarungen unterbleiben. Es mühte durch einen moralischen Druck auf die hauptsächlich für die Kapitalflucht in Frage kommenden Staaten Holland, Luxemburg, die Schweiz und Liechtenstein für eine Abstellung Sorge getragen werden. Außerdem wären den deutschen Firmen und all jenen, die Kapitalien im Auslande angelegt haben, soweit dieselben bekannt und fest- gestellt werden können, höhere Steuern als den anderen aufzuerlegen. Man hebe für solche Fälle das Bankgeheimnis auf, und man wird in der Lage fein, diese „Patrioten der Neuzeit" kennen zu lernen. Es wäre schon viel wert, wenn sowohl die Firmen als auch die Kapitalverschieber namentlich dem deutschen Volke ohne Unterschied auf die Person, Rang und Stellung, bekanntgegeben werden könnten. ' Die Reicbsregierung wird nicht daran vorbeikommen, Maßnahmen der verschiedensten Art zu ergreifen, um die Kapitalflucht und die übrigen Mißstände zu beseitigen.
Schließlich könnten die Länder gegenseitig verpflichtet werden, a'le die aus dem Ausland kommenden Firmen, die sich in ihrem Gebiet nietrria’» sen, und alle anliegenden Kapitalien der Deutschen Regierung, bzw. den Steuerbehörden zu melden, damit die letzteren entsprechende Maßnahmen gegen diese Firmen und Personen einleiten können. Es ist psychologisch burchaus verständlich, wenn angesichts berg roßen Arbeitslosigkeit unb der Tatsache, daß die Reichsregierung da-u übergeht, ein Notopfer für die Beamten und sonstige roei’ere steuerliche Belastungen und Ein'chränkungen durch- zuführen, um eine Sanierung der Reichs inanzen und eine Ankurbelung des deutschen Wirt'ckaits- lebers zu ermöglichen, über diese Vorgänge starke Erregung und Verbitterung im Volke herrscht. Man unterschätze nicht den Volkswil'en unb die Dolksmänung in dieser Angelegenheit. Es müßte im Interesse der steuerlichen Gerechtigkeit und der meiieren Belastung großer armer Schichten unseres Volkes mög'ich fein, auch gesetzgeberisch ar die Dinge heranlkommen. Jedenfalls wäre ein Nichtstun eins schwere Unterlassungssünde.
Wir wollen unserem persönlichen Empfinden über ein solches Gebaren in der Form Raum geben, daß wir erklären, daß es keinen ordentlichen Ausdruck in der deutschen Sprache gibt, mit dem ein solches Verhalten richtig gebranbmartt werden kann.
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Aus dem Reichstag wird uns hierzu geschrieben: Aus Kundgebungen der Reichsregierung und Steuerungen deutscher Großbanken konnte entnommen werden, daß innerhalb Jahresfrist deutsches Kapital im Auslande langfristig angelegt worden ist. Die deutschen Banken schätzen den Umfang der Kapitalflucht auf etwa 8 Milliarden Mark, während Verwaltungsfachleute den Betrag auf 10 bis 12 Milliarden Mark beziffern. Welche Transaktionen auf diesem Gebiete vorgenommen worden find und immer noch werden, geht daraus hervor, daß der größte deutsch« Seibentrust, die „Vereinigten Seidenwebereien A.-G." in Krefeld, sein Haupteinkaufsfaktor nicht mehr in Krefeld hat, sondern nach Vaduz in das Fürstentum Liechtenstein verlegte. Diese Firma ist nicht allein, sondern zahlreiche andere Transaktionen dieser Art nach Vaduz haben stattgefunden.
Nach einer neuesten amtlichen Erhebung befinden sich in diesem kleinen Vaduz etwa 240 Geschäftsfirmen und Aktiengesellschaften, die dort ihren Hauptsitz aufgeschlagen haben. Außerdem sind von zahlreichen Deutschen größere Kapitalbeträge dort angelegt worden. Nach der Schweiz unb nach Holland haben ebenfalls Kapital- und Geschäftsverlegungen ftattgefunben. Diese Geschäftsoerlegungen haben den Zweck, sich der steuerlichen Verpflichtung zu entziehen, weil in Vaduz fast überhaupt keine Steuern erhoben werden, da der dortige Fürst für die allgemeinen öffentlichen 23er« waltungsaufgaben fast restlos aufkommt. 3n den deutschen Firmen werden Einnahmen und Ausgaben lediglich gegenseitig ausgeglichen. Die Haupt- und Schlußdilanzen werden aber am neuen Sitz des Geschäftes im Auslände vorgenommsn, fo daß in steuerlicher Beziehung materielle Vorteile auf diesem Wege gewonnen werden. Man erfährt dadurch die eigentlichen und vollständigen Gewinne der Firmen nicht genau.
Die „Vereinigten Seidenwebereien A.-G/ in Krefeld lassen alle Rechnungen für ihre Rohwaren, die aus China, Japan und Italien kommen, zunächst dem Haupteinkaufskontor in Vaduz zustellen. Dort werden sie umgefdjrieben und »eben erst bann, mit 20 bis 30 Prozent höheren Eink''ufs- Ä reifen versehen, nach Krefeld. Man erreicht bamtt, daß die großen Millionengewinne bis auf einen Betrag, dessen Höhe, die Seidenweberei zu bestimmen in der Hand hat. nach Vaduz verschoben werden, wo sie infolge besonderer Vertragsabschlüsse mit dem Staate Liechtenstein steuerfrei bleiben. Aehnliche persönlich materielle Vorteile erringen natürlich auch diejenigen, die ihre Ersparnisse unb ihr Vermögen dort ober in ber Schweiz ober anderswo im Ausland anlegen. Sie ziehen es angeblich der Sicherheit wegen vor, sich mit einem wesentlich billigeren Zinssatz abzufinden.
Ein solcher Vorgang ist für Deutsche und insbesondere für Geschäftssinne, die ihren Betrieb in Deutschland haben, beschämend und zeigt, wie wenig vaterländisches Empfinden diesen Leuten inne- wohnt und wie wenig ihnen an dem gemeinsamen Schicksal des deutschen Volkes und Staates gelegen ist. Von Gemeinschaftssinn ist da keine Rede mehr. Es gab in der Vergangenheit eine Zeit, wo Per
tik der nächsten Monate und Jahre aufbauen. Sie hat einen sehr naheliegenden Anlaß bei den Sg a r- verhandlungen. Wenn den Franzosen, auf die es ja hauptsächlich an kommt, an einem wirtlichen Ausgleich gelegen ist, wenn ihnen Pan- Europa mehr als eine klingende Floskel bedeutet, wenn sie davon überzeugt find, daß auf die Dauer zwei große Völker nicht in einem ewigen Mißtrauen nebeneinander herleben können, ohne sich gegenseitig zu schaden, dann müsien sie alles, was an ihnen liegt, und bas ist sehr viel, bazu tun, um bie vielberufene Parität herzustellen, und die verantwortlichen deutschen Staatsmänner werben in ben entscheidenben Stunden zu betonen haben, daß dies die Meinung der deutschen Nation ist, deren Sprecher sie sind.
es. Die Oeffentlichkeit wurde schon vor einiger Zeit aufmerksam, als der Nationalsozialist Mossakowski aus der Partei austrat, weil er sich mit dem beikannten Agitator Dr. Goebbels nicht verstand. Goebbels bedrohte Mossakowski mit einem Aus- fchlußversahren. Mossakowski antwortete damit, daß er die bekannten jungdeutschen Vorwürfe gegen Goebbels aufgriff und ihm bescheinigte, daß er bei seiner Aussage im Hindenburg-Prozeß, der zufolge er „für Hindenburg" in belgischen Gefängnissen gesessen haben wollte, mordsmäßig retro» miert habe.
Mossakowski hat ht Goebbels Widersacher Strasser jetzt einen Bundesgenossen gefunden. Die Strasser-Gruppe, geführt durch den Reichstagsabgeordneten Gregor Strasser, der gern sächsischer Innenminister werden möchte, um mit Frick zusammen die „deutsche Revolution" zu organisieren, und seinem Bruder Otto Straffer, der der Hauptschriftleiter des „National-Sozialisten" ist, hat inzwischen gegen Dr. Goebbels mobil gemacht« Die Gegensätze find so scharf geworden, daß di« Berliner Gauleitung mit Hilfe der S. At-Leute die Strasfer-Eruppe am Montag aus der Generalversammlung der Partei herausgeworfen hat. Der „National-Sozialist" macht dazu die tieffmnige Bemerkung, daß das Stalinismus in Reinkultur sei. Aber Dr. Goebbels weiß offenbar, was er will, und es ist eine tragikomische Entwicklung, daß bei allen radikalen Gruppen die freie Meinungsäußerung sehr bald zu Gunsten einer
krach tm Hitler-Lager.
Bei den Berliner Nationalsozialisten
Ausflug bei Nacht.
Blutiger Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und fiommuniften.
wtb. Neumünster (Schleswig), 2. Juli. (Eig. Meldg.). Zu einem schweren blutigen Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten kam es gestern Nacht inmitten der Stabt. Die Nationalsozialisten, bie statt mit ihren sonstigen Uniformen mit weißen Hemöen bekleidet waren, wollten einen Ausflug in die nähere Umgebung ber Stabt machen. (Ein großer Trupp Komm u Ni st en wollte sie am Verlassen der Stabt hinbern. (Die „Marxisten" hätten doch eigentlich froh fein sollen, daß bie „Anti- Marxisten" draußen waren, wenigstens vorübergehend.) Nachdem ber Trupp ber Nationalsozialisten auseinanbergegangeit war, wurde ein Teil, etwa 30 Mann, von den Kommunisten verfolgt An ber Ecke der Kieler Straße am es zu einem Zusammenstoß, ber noch unblutig verlief. Einige 100 Meter weiter würbe aus ben Reihen der Nationalsozialisten scharf g e s ch o s- s e n. Der hiesige Kommunistenführer Timm erhielt zwei Ba u ch sch ü sse, ber Kommunist Classen wurde ebenfalls getroffen und beide mußten ins Ktankenhaus gebracht werden. Am Aufkommen
Das neueRegierungsprogramm
Gedanken zum Notopfer.
Aus Berlin wirb uns von maßgebender Zentrumsseite geschrieben:
Das Regierungsprogramm, bas Reichskanzler und Reichsfinanzminister am 28. Juni vor dem Reichsrat begründet haben, hat in der Oeffentlichkeit eine gute Aufnahme gefunden. Das büifte nicht allein baran liegen, daß es gegenüber bcn Moldenhauerschen Vorschlägen gerade in einigen stark kritisierten Punkten nickt unerhebliche Modifikationen aufweist. Vielmehr scheint auch ein größeres politisches Verantwortungsbewußtsein bei ber Beurteilung der politischen Gesamtlage unb ben Sanierungsvorschlägen ber Reichsregierüng sich bemerkbar zu machen. Mit einer vielfach maßlosen unb größtenteils negativen Kritik an ben von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen, wie wir bas in den letzten 14 Tagen erlebt haben, kann bie wirtschaftliche und finanzielle Misere nickt behoben werden. Dageaen verhetzt sie das Volk in eine außerordentliche Unruhe und untergräbt durch die einseitig und sehr kurzfristig eingestellte parteipolitische Stellungnahme letztlich das Vertrauen in bas beneitiae Regierungssystem überhaupt, zur Freude der auf ben Umsturz ber geltenden Ordnung behackten radikalen Grunpen links unb rechts. Das fei vor allem jenen an sich auf parlamentari- ickem Boden stehenden Kreisen gesagt, die mit ber Kritik her Regierungsmatznabmen nickt fo sehr eine sachlich» Aenberung her Sanierungsvorschläce ertlichen, als vielmehr hie Regierung Brüning fr«Hen wollten. Dies? Einsicht h'"rfte auch b»n Schreiber ienes Artikels in der .Deut'chen Allge- me’nen Zelluna" nom 27. S*uni geleitet Haben, wenn er bie van nolitllcken Scharfmachern bearbeitete Deutsche Vollsvartei zur Umkehr mahnt, wobei er ihr ausdrücklich ben nolitllcken Sinn unb bas politische BercmtwwtungsgefüHl der Zentrumspartei als Bellniel norhält.
Es loll nick" bestristen werden, hab auch die neuen Reaier""gsvorschl^e hier unb ba Verbel- ferungen zulassen. Aufgabe b»r gefe#’gebenben ^myerf-Lasten wirb es fein. bief”rben hinemniar« beiten. Es miber'vrickt iedock ben Regeln ber Klugheit, in hem gegenwärtigen Augenblick bringenber Not burch ben Kampi um bie 23ermirtf'*u"g eines umstrittenen lebten Ouäntckens von Gerechtigkeit, b'S rethheitige R-rgKickiehurm h-»r geseblicken Maßnahmen ungeb'"hrllck ’u ne-»"aern. Die Not des Balkes versgnat fchn»lle Hille: denn sie wird von Tag zu Tag ärger, dadurch das Ge'amtwobl immer star*»r g"fäb'henb. w»n darf aber, wenn andere Mögst-^k-iten nickt mehr vorhanden sind, ein kleineres Uebel zulassen, um ein größeres zu verhüten . . .
Das Reaierungsnrogramm hält an hem umstrittenen Notopfergedanken fest aus psychologischen
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des Timm wird gezweifelt. Die Nationalsozialisten halten einige Leichtverletzte. Mehrere Nationalsozialisten wurden verhaftet.
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wtb. Annaburg (Krs. Torgau), 2. Juli. (®’g. Meldg.). Gestern abend wurde hier im Gasthof „Goldener Ring" eine nationalsozialistische Versammlung abgehallen. Um .Zusammenstöße zu verhindern, hatte ber Amtsvorsteher 8 Mann Schutzpolizei aus Wittenberg kommen lassen. Nach Schluß ber Versammlung, die ruhig verlief, wurden die. Nationalso'ialisten von Polizeibeamten nach Hause begleitet. Unterwegs wurde eine aus 25 Nationalsozialisten bestehende Gruppe von einem über 100 Mann starken Trupp Kommunisten überfallen und mit Pflastersteinen geworfen. Hierbei wurde ein Polizeibeamter, dem ein P'lasterstein an die Brust geschleudert wurde, besonders schwer verletzt. Er mußte in das Wittenberger Krankenhaus gebracht werden. Zwei Nationalsozialisten wurden durch Messersticke schwer und drei an. dere durch Steinwürfe leichter verletzt. Auf Seiten der Kommunisten gab es einen Verletzten. (
Anwendung des Gummiknüppels.
wtb. Breslau, 2. Juli. (Erg. Meldg.). Auch in dieser Nacht versuchte »ine Anzahl Personen, die, wie die Polizei ermittelte, sich als Nationalsozialisten bekannten, am Ring bie öffentliche Ruhe unb Drbnung zu stören. Wieherholt mußte die Polizei eingesetzt werden unb bedrohliche Ansammlun- gen, bie sich zu bilden begannen, unter Anwendung des Gummiknüppels zerstreuen. Insgesamt wurden 11 Personen verhaftet, in den Morgenstunden aber wieder entlassen. Unter ihnen befanden sich u. a. zwei Gerichtsreferendare und fünf Studenten.
rheiniidien Befreiungsseiern geben einen ^Änlaß an bie Entwicklung zuruckzuden- bie beutsche Außenpolitik seit hem Zu- iirfi des alten Reiches genommen hat. wir uns- ber Nieberbruch der Front wie war so entfegltch, daß es eine io schien, als sei Deurschlanb jeher Laune , Jl* mi Siegern gewordenen Feinde wehr- ^-lieiert. Es gab kaum ein halbes Dutzend °U5r an exponierten Posten in Deutschland, die 6oof verloren. Einer von ihnen war h#nburg, ein anderer Ebert, ein dritter IS heraer Sie haben mit wenigen anderen “ das Notdürftigste zusammengehalten, um i0”1 »luseinanberfallen des Reiches zu verhüten.
Tat war, geschichtlich gesehen, der Z u f a m- . n h alt des Reiches ungefähr das Einzige, Sln”ir damals aus dem ganzen Jammer des ^kieüaen November retteten. Von hier aus ging v beutfdje Außenpolitik, soweit man von ihr zu- ■Srätrbaupt sprechen konnte, zwangsläufig
Wz ber Selbstbescheidung bis zum Aeußer-
jyfSberger war Der Erste, ber ber. noch ganz ien Uebermut bes Feindes am eigenen Leid löten mußte, als er zu den Waffenstillstands- mblunaen in den Walb von Compiegne fuhr. >ren nach ihm ist es nicht viel besser gegan- ' Aber auch, schon Jahre später, hu längst for- >r Friede geschlossen und vom Krieg völker- iich nicht mehr zu sprechen war. haben beutsche itsmänner bie bamalige Geltung Deutscklanbs
am eigenen Leibe in einer Behandlung spüren müffett, denen sich heute jene siegreichen Nationen hoffentlich aus tiefer Seele "chänen.
i Und trotzdem ist es zu Verständigungen gekommen. ©trefemann bat, als er einmal auf den ge- jgbeaus führenden Weg gedracht war, durch eine WMik zäher Selbstoerstanblichkeiten seine Verhandlungspartner allmählich doch an einen Tisch nßligen können, auf den man nicht mehr mit ber -Sauft schlagen konnte, weil dann immerhin teueres Porzellan entzweigegangen wäre. Das ist Stre- rfcmanns historisches Verdienst, und nichts ist lä- Merlicher, als wenn bie gewerksmäßigen Patrioten, ; denen mit jedem Erfolg deutscher Staatskunst wei- Mk Felle wegschwimmen, heute noch bä Dummen den Eindruck zu erwecken suchen, als hätte ein täte- Dorisches Nein bie Franzosen in unserem Sinne WchÄowirn können. Aber dennoch darf heute hie •frage erörtert werden, ob nicht in den letzten Mnf Jahren auf deutscher Seite eine gewisse Ge- ' Wohnung an die Geduld vorhanden gewesen ist, bie DHt. alles so schnell erhielt, .wie es möglich geroe- W> wäre. Prälat Dr. Kaas, ber Notsitzenbe ber i «titschen Zentrumspartei, selber ein Rheinländer Doch einer ber besten Kenner ber außenpolitischen Mrgange, hat in einem glänzenden Artikel zur ■WÄiungsfeier darauf hingewiesen, daß nicht nur We Franzosen im Anschluß an den Vertrag von 'Eirno eineg roße Stunde versäumten, als sie sich nicht dazu aufschwingen konnten, auf sie weitere Besetzung der rheinischen Gebiete zu «rzichten, sondern daß auch Deutschland in jenem Augenblick nicht so fest die Räumung-als feine un- ^weichliche Forderung präzisierte. Es ist hier- Mr im Lauf ber Jahre oft genug gesprochen wor- 8?^ Aber es ist bantensmert, daß Kaas heute
«vchmals auf diese Dinge hinweist, unb zwar be- Rbers darum, weil, wie er mit Recht feststellt, 2* ®auer der Besetzung in ben Herzen *r Jujeinlänber einen Stachel zurückgelassen y* bber dessen Vorhandensein auch die friedlich- un® Persönlichsten Reden nicht hinwegtäuschen
Sb» £ Wenn ein Volk, bas burch Zufall und KefiM* die Hilfe anderer länger aushielt als i,ie^cn ^ahre lang den Fuß im fühlen läßt, obwohl ec wehrlos und nicht iee®Pn9ften angriffslustig ist, so ist das nicht nur HEniru •ern "uch schmachvoll, und die hös- UW?«bschiebsbesuche der Kommandanten bei den tz^neiitern und Landräten vermögen das nicht
Frankreich kann bei den Rheinländern anma ü^.frn fe*ne Liebe erwarten, und diese Stirn- sich natürlicherweise auf das ganze Vielleicht wäre das heute anders, ■KgR Snf oder wenigstens vor vier Jahren, g^T’Wanb in den Völkerbund eintrat, die Be- m aus dem ganzen, damals noch be- WWdiet herausqe,zogen worden wäre. 5Biet- wäre es bann nichk gleich zu einer solch
Rahikalisierung ber deutschen Jugend wie wir sie heute beklagen. Denn, das ®n^es das Einzige, womit die na« tbein' ^d!reier unreife Äönfe heute noch Mia» *D@n.en: daß sie ben Haß gegen untere sen Kriegsgegner prebchen unb einen fal- n \u, entflammen versuchen, obwohl sie L b’e Courage heute zu ganz anBe n 9 e n benötigt wird, als um Rasseln mit
Hessen Schärfe nickt einmal erprobt in l9e,n geben uns rnancke P^essestimmen ’ur Rheinlanbräumuna laut ge-
K2n0, ^"Nig Anlab, an eine enbgültige 23er- Rttnfcben bert bejben Vä'kern zu al-niben, i hi- °fi"rtonnt werben muß, baß Brianb 1 ^ronF^n- nheRehenhen f-ob 'ein mögen, daß ' at>n„,;die veinlicke Angelegenheit der Ok- st fDri^ Jiiut^r sich hat. Sluch ein englisches "us. daß die Räumung zu
■E.LJ'Ju DeutWanb, 'o schreibt es hol i cw " ,°n den Völkerbund an bie Abrüstung
5 ’uternationale Reckt verloren.
roenn die Leiter ber beutfdhen Muffen V 'ck von dem Bewußtsein burckbrin. Illen m.’f rV die'a Me'nung ber ehgfif*en Zei- st. Ms. ,r breite Schickten unseres Volkes zu- Kh. onb?n wirklich nicht mehr an vieles KL ® rnan in Genf unb anderswo ofti- WWhst 'e^enswürdigen Frühstücksgespräcken
^ub ’u ost enttausckt morbAn und suhlen sollte bie deutsche Außenpoli
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