Mittwoch, den 2. 3uli 1930
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)
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ein.
Herr Holmer, habe ich geglaubt, daß eine
Dann sagte sie mit einer kalten, beherr- bie sie selbst kaum als die ihre wieder,
niederschlug, ten Stimme, erkannte:
„Bis setzt,
zen umgelegt werden. Stadttraftpost.
Kapelle des Fuldaer Artillerieregiments, das die musikalische Ausgestaltung des Abends übernommen hatte, ein. Es waren fast 30 Fahnen, die sich um die Bühne herum gruppierten.
Prolog.
Vom Westen hallt heute ein Freudenschrei Durch jeglichen Gau: „Wir sind frei, sind freil" In der Ferne verklingt unsrer Feinde Schritt, Es verflattert die Trikolore mit.
Die Jahre der Knechtschaft sind endlich vorbei.
Hörts, Brüder im Lande: „Wir sind frei, sind frei!"
Der jubelnde Ruf hat's uns angetan, Es zünden viel Freudenfeuer sich an, Und des Frohlockens herbrausender Sturm Weckt die Glocken und Glöcklein in jedem Turm, Daß der Ruf aus dem Westen getragen sei Noch weiter nach Ost: „Wir sind frei, sind frei!"
0 fragt nicht, warum wir im Festkleid gehn, Da wir hier zu Land keine Feinde gesehn. Wir trugen doch mit unsrer Brüder Joch. Ihr verneinenden Nörgler, was fragt ihr noch? Es fprangen die Fesseln auch uns entzwei.
Drum jauchzen wir mit: „Wir sind frei, sind frei!"
Und warum sich die Jugend zusammen hier sand? Weil sie liebt, weil sie grüßt das befreite Land. Weil sie hüten will, was der Ahne erwarb. Wofür einst der Vater und Bruder starb, Weil sie sorgen soll, daß ein künftiger Mai Noch vom Ruf widerhallt: „Wir sind frei, sind frei!
Drum Jugend von heut': deine Freude darf nur Dor Gott sich gestalten zum heiligen Schwur, Die Freiheit zu schützen mit Herz und mit Hand Dem Volke zu dienen und Vaterland, Auf daß auch der Himmel den Segen verleih Unsrem Dankgebet: „Wir sind frei, sind frei!"
Cs folgte ein von der Sängerabteilung des Ge- fellenoereins unter der Stabführung ihres Dirigenten, Herr Joseph Ebert, sauber und exakt zu Gehör gebrachter Gesangsvortrag. Dann er-
Wetterbeobachkungen.
Di« mu tm dem Vogelsberg, 270 Meter über Ä. R., berichtet wird, fielen tm Monat Juni an 9 Regentagen 42,6 MUimettr Niederschläge.
Nach dem von der Kapelle gespeilten „Huldigungsmarsch" von Grieg leitete ein von Pfarrer Nüdling für die Feier gedichetter und von Oberprimaner August Etzel recht packend vorgetragener Prolog das Programm des Abends Er hatte folgenden Wortlaut:
ja nie jemand erfahren. Kann er sie nicht vorlegen, nun dann . . . ."
Er zuckte vielsagend mit den Achseln.
Eva hatte schweigend zugehört. Die Erklärung klang so einleuchtend. Wenn der geheime Auftrag Peters auf Wahrheit beruhte, so fügte sich alles einfach und selbstverständlich aneinander. Bis auf das Telegramm! Sie rief sich die Ereignisse der letzten Tage wieder der Reihe nach ins Gedächtnis zurück. Alles fällen zu stimmen, und doch fühlte sie, daß irgendwo ein Glied in der Kette fehlte.
Holmer hatte angespannt ihren Gesichtsausdruck beobachtet. Er glaubte wohl, den Sieg schon in der Taiche zu haben, wollte seinen Vorteil noch nachdrücklicher aus- nutzen und machte sie dabei selbst auf das fehlende Glied aufmerksam.
„Erinnern Sie sich doch," sagte er, „daß Ihr Gatte Herrn Ereason sogar die Schlüssel zu seinem Safe anvertraute, damit er die Papiere finden könne."
Mit einemmale ging Eva ein Lickt auf. Hier war der schwache Punkt in der ganzen Geschichte. Peter wußte, daß die Papiere sich nicht int Safe befanden. Als er feinen Verlust bemerkte, hatte er sicher die Verwechslung der beiden Umickläge erraten — ganz sicher, denn warum hätte er sie sonst in feinen Briefen auf die Wahllisten besonders aufmerksam gemacht!
Holmer bemerkte sogleich, daß er nun doch noch verloren hatte.
Mit einer Gebärde der Verachtung hatte Eva sich ihm zugewendet.
„Ihre Bewunderung meiner Geistesgegenwart wäre mir noch wertvoller," rief sie, „wenn Sie aufhören würden, mich als ein Kind zu behandeln, das an Märchen glaubt."
Einen Augenblick verschlugen ihm Wut und das Gefühl der Demütigung die Sprache. Dann stieß er hervor:
„Sie törichtes Geschöpf! Sehen Sie nicht, daß das Schicksal Ihres Gatten in Ihrer Hand ist und daß Sie mit vollem Bewußtsein feine Aussichten zugrunde richten!" « j , । ,
„Wieso?" w-
Die Frage entführ Eva gegen ihren Willen. Sie
twifU». daß fetzt der r!*t!ae Moment war, die Unter«
Der nässe Badeanzug.
Eine Unsitte, die tm Sommer häufig zu schweren Erkrankungen führt, ohne daß die Ursache erkennbar ist, ist der nasse Badeanzug, den man auf.dem Körper ttocknen läßt. Bei sehr großer Hitze werden gesundheitliche Schädigungen nur selten eintreten, besonders, wenn es sich um kräftige Personen handelt. Aber bei kühlerem Wetter kann diese Unsitte zu den unangenehmsten Folgen führen; denn durch die Teilabkühlung des Körpers werden Veränderungen im Blutkreislauf hervorgerufen, die zu einer schweren Störung der Wärmeregulierung im Körper führen. Der menschliche Körper ist kein Ofen, dessen Wärme zum Trocknen der Wäsche benutzt werden kann, soir- dern ein fein empfindender Organismus, der auf eine ungestörte Wärmewirtschaft in all seinen Teilen angewiesen ist.
„Nein, die richtige Erklärung ist, daß die Papiere, bU nrir haben wollen, in Ihrem Besitz sind."
DW Plötzlichkeit und Unerwartetheit dieses Angriffs hatte auf Eva die beabsichtigte Wirkung. Eine Sekunde lang gtng Ihr die ßuft aus. Aber sie faßte sich schnell.
^leußersi interessant, was Sie da jagen, Herr . ." — sie warf einen Blick auf die Karie, die sie noch immer w der Hand hie» — .Herr Holmer. Ich darf Sie wohl darum bitten, mich noch weiter aufzuklären. Halten Sie di» Frage für taktlos, in westen Auftrag Sie hier sitzen und was die Papiere, von denen Sie sprechen, entlaßen?*
Er machte eine ungeduldige Bewegung.
„Wir wollen uns doch nicht mit Worten herum- lchlogen gnädige Frau."
Jßo? sind welche Antwort haben Sie eigentlich von mtr erwartet? Sie haben recht, Herr Holmer, hier sind di» Papiere. Bitte, bringen Sie mit meinen besten Empfehlungen zu Ihrem Auftraggeber."
Ihr Gesicht nahm einen spitzbübischen Ausdruck an, der den andern in Wut brachte.
„Was soll dies» Schauspielerei?!" sagte er scharf. . Soffen Sie uns gefälligst bei der Sache bleiben. Ihrem Gatten mutten wichtige Papiere anoertraut, die er zur Bearbeitung mit nach Schottland nahm. Unglücklichcr» D»si» vergaß er sie dort, als er durch ein Telegramm zurstckbenifen wurde. Er batte einen geheimen Auftrag erhalten, wußte, daß er selbst nicht nach Schottland reifen könne und schickt» einen Freund hin, um die Papiere zu holen.
Aus einem mir unbekannten Grund haben Sie, gnädig» Frau, diesen Freund ganz anderer Beweggründe oerdächttgt und, anstatt ihm den Wunsch Ihres Gatten enttprechend zu hellen, allerlei Hindernisse in den Weg gefegt va «• Ihm nicht gelang, Sie von seiner Ehrlichkeit zu Überzeugen, war er gnBfigt, Sie überwachen und verfolgen $u lassen. Ihren Gatten konnten wir mcht davon tn Kenntnis setzen, da sein Auftrag so geheim ist, daß auch mir nicht willen, wo er sich bejindet. Alles, was wir wissen, ist. daß wir die Papiere heute abend tn der Sitzung vorlegen müssen. Ihr Gatte wird dazu gerade noch rechtzeitig eintreffen.
Natürlich hätte er sie nie aus der Hand geben sollen, aber wenn er sie in der Sitzung vorze-gey kann, w'rd es
Die Rheinlandfeier in Fulda.
Sine Imposante Kundgebung der katholischen Zugendgemeinfchaft Fuldas im StaÖffaaL — Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Oanzebrink. — Großer Zapfenstreich der hiesigen Garnison aus dem Domplah.
-A.
Die kn steten anderen Städten unseres Vaterlandes, so gedachte man auch gestern abend In Fulda des bedeutungsvollen Tages, an dem nach Kpihrtger Besetzungszeit nun auch die dritte Be- satztragssone von dem Joch fremder Herrschaft be- frett worden ist. Wends um 8 Uhr fand im gevh« Etadttaal eine Imposante Kundgebung de» Fuldaer Jugend statt. Veran- ftattedn der eindrucksvollen vaterländischen Feier war die katholische Jugendgemein- schäft Fulda, in der, wie auch in anderen Städten, sämtliche hiesigen kathol. Jugendvereine prsammengeschlosien sind. Auch die übrigen dem Jugendamt der Stadt angeschlossenen Vereine waren ga der Kundgebung eingeladen worden und nahmen erfreulicherweise recht zahlreich an der Veranstaltung teil.
Ein wie großes Interesse man in der Oeffent- kichkeit dieser Feier unserer Fuldaer Jugend ent- aogenbrachte, Zeigte die Anwesenheit zahlreicher Vertreter der kirchlichen und weltlichen Behörden. Unter der zahlreich erschienenen Geistlichkeit bemerkte man Herrn Domdechant Prof. Dr. Lei m- d a ch sowie die Herren Domkapitulare Prof. Dr. Tdielemann, Prof. Dr. Richter und Güntber. von der Stadtverwaltung waren neben dem Oberbürgermeister, Dr. Danze- bri n k, der die Festansprache hielt, eine Reihe von Mitgsiedem des Magistrats und der Stadtverordnetenoersammlung erschienen. Als Vertreter der Kreirverwaitung wohnte Landrat F r h r. von <8 a g « r n der Feier bei. Ferner sah man auch unter den vielen Ehrengästen den Direktor der Laudesbibliochek, Dr. Theele, den Direktor des Landeskrankenhauses, Landesobermedizinalrat Dr. Gunkel und die Rektoren der hiesigen Schulen.
In geschlossenen Zügen mit wehenden Bannern und Wimpeln marschierten die Vereine am Abend von den einzelnen Sammelpunkten zu dem Stadtsaal. Immer voller wurde der Saal und noch immer rücken neue Gruppen ein. Alle Sitzplätze waren längst besetzt. Kopf an Kopf drängten sich bereits die Teilnehmer an den Saalseiten und in dem Mittelgang. Auch der rote Saal war schließlich Übervoll.
Kurz nach 8 Uhr zogen die Banner- und Wim- velttäger unter den schneidigen Marschklängender
mit 52 Millimeter gemessen worden: dasselbe Gewitter brachte in Kleinlüder nur 7,0 Millimeter Niederschlag. Für diese Monate schließen die Monatsmittel einer einzigen Beobachtungsstation nur bedingt urteilsbildende Werte ein. Um den Lesern der „Fuldaer Zeitung" dennoch ein brauchbares Junimittel zu vermitteln, habe ich die Junimessungen der sämtlichen in den Kreisen Fulda und Gersfeld gelegenen Regenstattonen für den Zeitraum 1908 bis 1926 gemittelt. Rach dieser Berechnung beträgt das Regenhöhen-Mittel, das in den Kreisen Fulda und Gersfeld alljährlich im Monat Juni erwartet werden darf: 66,0 Millimeter.
Nach derselben Berechnung beträgt das Junimittel für die Stadt Ftulda 60 Millimeter, aber für Kleinlüder beträgt es nur 44 Millimeter,
Da in Kleinlüder im Juni 1930 tatsächlich nur 42,6 Millimeter Niederschläge gefallen sind, das Junimittel für Kleinlüder aber 44 Millimeter beträgt, so dürfte der Schluß berechtigt fein, daß wir mit einem mittleren Wasserstand in die Periode der Hundstage eintreten. Fl.
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eStmärta SH Ml, «chsfttd. tanemi JsÜ PÄ tto SSfährig, Tätigkeit Hi •v,, »arstadt zurÜckbNckrn. Sn biefev 50 Ich- Schlitt rlle Unxroanbtimgm der Firma miterlebt, in die sie vor WtvMhr als Ährmädchen rtnlrat
gfiaut tostfRto nach Jufba.
Mn IT Juli treffe» hier te Fustw M «tttm h Grabes bte hl. Bonstatius 56 öfter« SSL tzkabttnik« und Akademikerinnen ein. Die fanini b« van btt Akademischen Rompilaer» uiftfrronrmenen Stud'enfahrt hat btt Pro« Sgu Wiener UntoerfkSt. Geistlicher Leiter Vkademilchen Romvilgerfchaft kN der Wiener B«6«mfter-6eei3orger Dr Karl Rudolf. — Auch Wä tzlMt werben hier 2» THtqTteter brs Reichs- ter kacholischen Jugend btftervrtdje, einer latisn. di, unserem ttrthol. JrmgmLnnerver-
eritpHM als Gäste der Fulda« kachslifchen wd weile». _______________
petfobe mit 204 MiMmeter Niederschläge. Born X. bis 82 Juni hatten wir eine Trockenperiode mit 13 Millimeter Niederschlag, den ein leichtes Ge- wsttrr am 13. 5unl brachte. Dom 23. bis 27. Juni hatten wir eine Regenpertode mit 20,5 Millimeter -Überschläge. Das Gewitter am 24. Juni brachte tm veeetch der veobachtunasstation nur 7,0 Millimeter Riederschlag. Don 28. bis 30. Juni hatten wir eine Tcockenpettode.
Oft treten tn den Monaten Juni, Juli und August Gewitter auf, welche einen kleinen Bezirk mit großen Siegenmengen überschütten. So ist nach einer Mittelung in der „Fuldaer Zeitung" die Re- genhöhe hxg Gewitters am 24. Juni in Hünfeld
Mt keine gesetzliche Miete gezahlt wird. Soweit Räume leer sieben, tritt eine entsprechende Ermäßigung der Umlage ein. Wie bisher können weiter di» gemeindlichen Zuschläge, soweit sie mehr -l, 100 Prozent der staatlichen Grundvermögenssteuer ausmachen, nach den bisherigen Grundsät-
b<r»chkig,, Qeherletjung von H Stetaltzer.
Rtlxt »etm Verl« ®«era Müller tu München, fe» $ra8*> begann er, ,^e ist setzt an ter Zeit. »u,jub«fen Ich roffl ganz aufrichtig mit Jh- 6t« wissen, bin ich Ihnen von Schottland ’M» Experßzüg» ntcht unglaubllch bequem".
„»«1« man alcht seinen Platz gerate (über t*
BW tat.. ‘ en' siN Spaß $e machen Ihr ®#g- (^4) (tlnt Bat« am «tn« Unterredung bl« „ *r ®°<itton «tgentfid) schon zugegeben, und - ttn auch chre Uedertegeichest fühlen tasten ft,,,;. ***$» »näbig« Frau, baß ich gegen 61« den |rf bad« 84 glaubte. «• mst einem un«r«
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saber«r Dersirsichttgung des Cante ’ Tta Lanteugeid gehatten wurden, geug- ^ttsfem Verftändale für die notwendige ftuna und Modernisierung und murbett von "speiend« mtt großem Interests aufgenom.
Oie Lebenshattungskoflen.
«te strichsindexziffer tm Jual USO.
| Vst Rttchetedexzlfier für bi» Lebenshaltung», stten sTrnähnmg. Wvhiung. Heizung, Beleuch- img. Sesieitemg und „sonstiger Bedarf") beläuft nach den Fefsiteklungm bes Statistischen Reich»« für ten Durchschnitt bte Monats Juni auf lff.6 gegenüber 143.7 im Vormonat Sie ist fv- M o H gestiegen An dieser Steigerung Mm wefentsicken die Bedarfsgruppen „Ernäh« WM und „Wohnung" beteiligt. Innerhalb der Imährungsausgaben konnte Im Monatsdurchschnitt H ächöhung der Preise stl' Gemüse, Eier, Äar» rtHn lottte Brot und Mehl durch dm Rückgang te» Treff« Mr Milch und Butter, die fn der zwei- M Mo-titshälste onaezoge« haben, knote Fleisch «- klleftchtoaren nkftt ausgeglichen werden. Bei Dahnunzrausgaben wirkt« sich bte Herausfed- Mg der ftcafftoen Grün doennögensstever In den t teenßifchm Gemeinden aus.
D„ Snderziffern fstr die einzelnen Gruppen be- ' <1913/14 = 1001 für Ernährung 142.7,
Wichmmg 129 8. für Heizung und De- Itung US.l, für Bekleidung 166,8, für »sonstige Bedarf" elnschsteßüch Derk ehr 198,6.
bet g-setzsichen Mele.
Dtt kür^iche Emführung eines staatlichen Zu- ®'ß8t» zur Grundvermögenssteuer hat auch «ne «wiflefung btt gesetzlichen Miete tm<6 sich gezo- ,m- Str Vermieter ist berechtigt, den Zuschlag, * Mr stattftchen Grundoermögenssteuer zugun- Mch des S!aate, erhoben wird, msi Wirkung vorn ab, «ul die Meter umzulegen. Die Hm» y bat nach den DerhWntsien der telnen Fche- ■1^°* au^ die selbständigrn Wohnungen ober g stlbftän^aen Räume anderer Art zu erfolgen.
M a irt) Räume B bersicksi-lBgen. Hlr
griff der Vorsitzende der katholischen Jugendze- meinschaft, Schriftleiter Dr. Sauer das Wort zu 1 einer kurzen Begrüßungsansprache. Er umriß den Grundgedanken der Feier, die eine E r-1 innerungsstunde an Deutschlands N o t und an den zähen Kantpf um den langsamen Wiederaufbau des Vaterlandes fei. j Es fei gut, wenn man sich der furchtbaren Jahre ‘ unmittelbar nach dem Kriege erinnere, weil bann der Glaube wächst, daß das deutsche Volk auch die jetzige Krise, die Finanz- und Arbeitslosennot über- winden werde. Gedenken müsse man in Ehrfurcht, der fast zwei Millionen Brüder, die auf fremder 1 Erde den Opfertod starben, damit deutsches Land, j damit das Rheinland nicht zum Kriegsschauplatz - wurde. Ihr Vorbild soll die le b e n d e Genera- : tion anspornen, in Starkmut die Lasten zu tragen, die ihr die Auswirkungen des Krieges auferlegt haben. Nur durch Opfer kann die Be- ! freiung Deutschlands erreicht werden. Die kath. Ju- gend jammert u. schmäht nicht, sie fragt nicht, wer die Schuld trägt, aber sie wird ohne große „palrio- ; tische" Gesten die Aufgaben erfüllen, die ihr Gott gestellt Hot, damit wieder ein einiges, freies Deutschland werde. In dieser Gesinnung soll die Rheinlandbefreiung begangen werden, der erste große Freudentag nach Jahren der Trauer und Jahren der Schmach.
Im Anschluß an die Begüßungsworte des Vor-, sitzenden spielte die Regimentskapelle das „Deutsche Gebet" von Hackenberger. Dann erklang der Chor ! „Dem Deutschen Rhein" von Ernst Hansen, worauf / Oberbürgermeister' Dr. Danzebrink das Red- , nerpult betrat, um das Wort zur Festansprache zu \ nehmen.
Ansprache des Oberbürgermeisters.
Ho heFe st Versammlung! 1 ' ' ’f
Der heutige Tag, der 30. Juni 1930, ist für das j deutsche Volk ein Tag der Freude. Mit dem Ablauf dieses Tages verläßt der letzte fremde Soldat den deutschen Boden an der Westgrenze unseres Vaterlandes. Inf der bayerischen Pfalz, in Rheinhessen, im Rheingau und । im Moselland weichen die Hoheitszeichen fremder Be-: satzung dem Fahnenschmuck deutscher Länder und des, Reiches. Von den Türmen der ehrwürdigen Dome 3U.1 Speyer und Worms, zu Mainz und Trier tönt ein voller Klang, der im Herzen und im Mund des rheinischen Volkes ein lautes Echo weckt: Gott dank, wirsind frei! ,
Um in diese Festesfreude unserer Brüder und Schwestern am Rhein einzustimmen, sind wir zu einer Feierstunde hier zusammcngetreten. Denn wie wir die Not und Bedrängnis der Rheinlande in schwerer Besatzungs-; zeit als deutsches Leid mitempfunden haben, fo fühlen : wir uns den Rheinländern mit freudiger Anteilnahme' verbunden in dieser Stunde, die ihnen die langersehnte Freiheit bringt. Unsere Jubelfeier ist getragen von der Begeisterung der Fuldaer Jugend und von ihrem Glauben an eine bessere Zukunft des Vaterlandes. Aber unsere Freude um die Befreiung der Rheinlande wäre nicht wahrhaft, wenn sie nicht durchdrungen wäre von einer lebendigen Erinnerung an den Leidensweg unserer vom. Besatzungsgeschick betroffenen Volksgenossen. Mit i scheint, daß die deutsche Jugenh den Sinn dieser vater-1 ländischen Feierstunde nicht besser erleben kann, als wenn sie mit dem Gefühl der Ehrfurcht und> Dankbarkeit einige Bilder aus den ver-^ gangenen 12 Jahren der deutschen Ge-, schichte an ihrem geistigen Auge vorüber-! ziehen lö^t.
Da möchte ich, Fuldaer Jugend, Deinen Blick hin-1 lenken auf den 11. November des Jahres 1918. Im i Walde von Compiegne erreichte als Abgesandter i der deutschen Regierung Mathias Erzberger basj französische Hauptquartier, um als Besiegter die har >n Bedingungen der Alliierten Mächte entgegen zu nehmen. Das deutsche Heer konnte der Uebermacht einer in Waffen starrenden Welt nicht länger standhalten. So müßet, die oberste Heeresleitung sah keinen anderen Ausweg,- der W a f f e n st i l l st a n d nach dem Diktat der Gegner abgeschlossen werden Für Deutschland war der Weltkrieg verloren. Auf Compiegne folgte Versailles! mit seinen ungeheueren Lasten für unser, den Sieger« machten prestgegebenes Vaterland. Mit Wehmut gedenken wir dieses leidvollen Geschehens, aber nicht ohne tiefe Ehrfurcht vor der Größe des Kampfes, den das deutsche Volk mit Heldenmut und Hingabe an das Vaterland geführt hat. Unter unsäglichen Entbehrungen hat das deutsche Feldheer die Grenzen der Hei- j mat bis zum letzten Augenblick verteidigt und deutsches ■ Land vor der Verwüstung des Krieges geschützt. Ein: dankbares Gedenken gebührt auch den Männern, die in- Compiegne und in Versailles und bei der Rückführung des deutschen Heeres in die Heimat unter schwierigsten Umständen ein Beispiel deut'scher Disziplin und deutscher Treue gegeben haben.
Nach dem Rückmarsch der deutschen Truppen, denen die rheinische Bevölkerung allenthalben einen herzlichen Empfang zuteil werden ließ, zog die kriegsstarke fremde, Macht in Stadt und Land ein. Und nunmehr begann eine Zeit seelischer und leiblicher Besatzungsnot für die Rheinländer, die sich in mannigfachster Form auswirkte.' Schon die Unterbringung eines Heeres von rund 150 000 Mann brachte Sckwierigkeiten und Härten für ein Gebiet, das nur für die Aufnahme von etwa 70 000 Solda-
Schlange das niedrigste aller lebenden Wesen wäre. Ich hatte Unrecht. Etwas, das sich Mensch nennt und seine Vernunft dazu benutzt, um ein Weib durch List und Drohung zum Verrat an ihrem Manne zu bewegen, ist noch weit verächtlicher als solch ein armes seelenloses Geschöpf im Staube. Sie denken, Sie können mich irre» führen, weil ich eine Frau bin und verlangen von mir, ich soll die Freiheit meines Mannes um den Preis [einer Ehre erkaufen.
Fortsetzung folgt.
Während der heftzen Gommertage werden <& 8. JuÜ täglich folgend« Fahrten der Stadttraftpost nach Dronnzel! dezw. Ziegel durchgesührt: Ab Postamt 13,63 Uhr, 14,63, 18,53, ab Bronnzell 14,08, 16,08, 19,08. Fahrpreis ab Postamt 40 Pfennig, ad Füzfabrtt 30 Psg.
Krastpostverßehr Sukda-Thalau. ' n ~ 1
Der Zett wegen Straßenbcmarbelten ern- gestellt« Krafwostverkehr znnschen Fulda und Tfrflfini wird fnü dem 5. 5ull wieder aufgenorw- men. Die Kraftpost oetteljrt künftig wieder fahr- ptanlnäßig Mitwochs und Samstags,
rebung zu beendigen, aber ihre Angst gewann die Oberhand.
Seine bisherigen Erdichtungen außer acht lassend, sagte Holmer:
„Wir wissen, daß Ihr Gatte die Papiere nickt bei sich hatte als er Schottland verließ. Und wir wissen auch, daß Sie die Papiere nach seiner Abreise gefunden haebn, daß Sie sie bei sich verbergen und versuchen wollen, sie ihm zu übergeben. Das wird Ihnen aber nicht möglich sein, denn Sie werden ihn nicht auffinden und dürfen nicht wagen, die Hilfe des Gesetzes anzurufen."
Eva machte keine Bewegung. Eisige Angst hielt ihr ' Herz umkrallt. Alle die schlimmen Vorahnungen, mit denen sie sich seit Peters Verschwinden herumgeschlagen; hatte, tauchten nun wieder auf, brachen durch ihre Aufregung und ihr Verantwortungsgefühl, die sie bisher I aufrecht erhalten hatten. Sie wußte nun, daß sie die I sinnlose Hoffnung gehabt hatte, Peter doch zu Hause zu finden. Diese Hoffnung hatten Holmers Worte jetzt gründlich zerstört. 1
Ihr Gegner bemerkte ihre Bestürzung und suchte sie für feine Zwecke auszunutzen.
„Ich habe Ihnen einen Vorschlag zu macken", sagte er. „Geben Sie mir die Papiere, und ich will sie sofort Ihrem Gatten bringen."
Eine Wut stieg in Eva auf, die für den Augenblick alle Angst zum Schweigen brachte. Sie warf Holmer einen Blick so voller Verachtung zu, daß er seine Augen
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