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r. 148.

SovLtag, den 29 Juni 1930.

Fuldaer Zeitung

2. Sielt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda

k.

t W i'il

Rund<um die Woche.

Siedlungen in der Grenzmark. — Die Krise

Das war endlich einmal wieder eine frohe Nachricht. Es gelang mir, einen der Herren zu sprechen, die vor kurzem unsere östliche Grenzmark besucht haben. Es sind das die Reste von Posen und Westprcußen, die uns die Polen gelassen haben. Dort residiert bekanntlich in Schneidemühl der apostolische Protonotar und Pralat Kaller, ausgestattet mit der bischöf­lichen Würde. Einen andern Namen will ich hier noch nennen, den des hochverdienten Pfarrers Polzin, und ich will auch gleich sagen warum. Dieser Pfarrer nämlich bemüht sich sehr um das Siedlungswesen in der Grenzmark, und das war eben die freudige Nachricht, daß es dort die besten Möglichkeiten gibt für unsere Bauernsöhne aus dem Westen, die Mut haben und etwas Geld Es lautet zwar immerhin schon erschreckend, wenn man, um einen Hof und 60 Morgen zu erwerben, etwa 5—6000 Mark anzahlen soll. Auch die 3 000 Mark, die notwendig sind für 30 Morgen, muten nicht gerade sympathisch an. Eher noch verdaut man die 1500 Mark, mit denen man auch weiterkomrnt. Schließlich aber sind solche Kredite doch wohl zu erhalten, namentlich für Bauernsöhne, Die von einem größeren Hof kommen, und am Ende eine Hypothek aufnehmen können. Dort plant man weltanschaulich geschlossene Siedlungen, wo denn Kirche und Schule gleich mit einbezogen werden. Handwerker und Arbeiter aller Art wer­den nach und nach dort zusammenströmen, und es Übt Städte, so interessant und fromm, wie wir sie je im Mittelalter gebaut haben.

Wer hier ernste Absichten hat, der wende sich nur einmal an den Vorsitzenden des Westdeutschen Siedlerbundes, Herrn Dr. Wiemers, der in Mün­ster i. W., Aegidiistraße 60, wohnt. Was die Kommission sonst erzählte, war gewiß nicht frei von den Sorgen, die es überall gibt. Aber es wehte doch ein frischer Zug hindurch, mitten in die Schwüle der Erwerbslosenstimmung hinein. Im Augenblick, wo wir einmal richtig Aufgaben wie diese anpacken, ändert sich tatsächlich die ganze Haltung des Volkes, das doch so guten Willen hat, aber keine Möglichkeit, zu schaffen.

Gewiß, das ist nur so ein kleiner Lichtblick. Aber um so wichtiger, weil er vor allem in das Leben des Dorfes fällt. Das Dorf vonheute befindet sich in einer gewaltigen Gärung. Der äußere Anlaß dafür ist gewiß die Technisierung des Lebens, verbunden mit all dem städtischen Wesen und Unwesen, das nun auch aufs Land hin­aus dringt. Ich kenne em Dorf, das früher still und ruhig dalag, einzig mit seinen bäuerlichen Aufgaben beschäftigt. Plötzlich macht ein Wirt in der Nähe ein Strandbad auf, und nun strö­men die Menschen hinaus, unter denen sehr viele sind, die offenbar weder den Hirtenbrief der Bi­schöfe, noch die im Gilde-Verlag erschienenen Bro­schüren „Strandbad, i ft’ 5 wirklich f 0 schlimm?" und jene andere von Prof. Dr. Mausbuch, der bedeutendsten wissenschaftlichen Autorität in den Fragen der Moral bei uns in Deutschland, „S i t t l i ch k e it und Strand­bad", noch auch den Kommentar von Dr. Wil­helm S p a e l dazu im „Schritt der Zeit" gelesen haben. Die Verstädterung und diese Technisie­rung haben das ruhige Leben des Bauern aus feinem gewohnten Rhythmus geworfen. Er muß

es Dorfes. — Pädagogik der Erwerbslosen.

'ich umbilden in ein ganz neues Wesen, und da be­darf er der Führung.

Natürlich bieten sich sogleich die Sozialisten an, die Freidenker und alle möglichen Bünde. Tat­sächlich aber müßte gerade jetzt die Führung in der Hand der Religion sein. Mit Recht hat man aus dem 11. Westfalentag ausgeführt, daß die Krise des Dorfes vor allem auch eine Krise der Religion sei. Religion und Natur im innigen Bunde ha­ben das frühere Dorf geschaffen. Jetzt, wo das frühere Dorf sich in das moderne man. dell, muß auch die Religion ihre Methoden darnach einstellen. Wir brauchen nicht zu verzweifeln. Dieser gleiche Prozeß hat ja früher, in unfern Städten stattgefunden, und es ist doch einmal eine Tatsache, daß es auf der ganzen Welt keine so treuen Katholiken gibt, wie unsere wahr­haft frommen und kernfesten Industriearbeiter. Kommt der Bauer von heute in diese Jndustrie- gemeinde, dann macht er der Seelsorge dreimal soviel zu fdjaffen, als der in der modernen Welt bereits erprobte Jndustriemensch. Man sieht, welch eine gewaltige Aufgabe und welch eine riesengroße Verantwortung heute dem Pfarrer im Dorfe er­wächst. Er muß tatsächlich das Unmögliche leisten, indem er den asten guten Landpfarrer, dem man sein Pfeifchen gönnte, mit dem Großstadtseelsorger verbindet Die Frage des Dorfes ist in ihrem in­nersten Kern eine Frage der Religion und ihrer Vertreter.

Du wunderst dich vielleicht, daß ich so wenig heute von den Weltereignissen erzähle, von den innerpolitischen Kämpfen tm Reichstag, von den Wirren in China, von der Verzweiflung in Ruß­land, von der Weltkraftkonferenz in Berlin, von der Heimwehr in Oesterreich, von der Reichswehr bei uns. Es geschieht darum nicht, weil dieses Gewebe zurzeit nicht zu durchschauen ist. Auch kann ich so wenig wie Stegerwald die Milliarden besteuern, die heimlich aus Deutschland geflüchtet sind. Nur möchte ich daran erinnern, was ich einmal über die verschiedenen „Internationalen" gesagt habe, daß wir vieles davon natürlich nicht entbehren können, aber daß es schlimm ist, wenn sie sich der staatlichen Kontrolle entziehen, die nie­mals vom Pöllerbund geleistet werden kann. Alle diese großen Weltprozesse entwickeln sich heute be­reits mit einer schicksalhaften Notwendigkeit, und ich habe keine Lust, die Rolle der Kassandra zu spielen, zumal das heute die Regierungen selber besorgen. Aber aufbauen wollen wir, während die Stürme brausen und die Gewitter gefährlich den Horizont verdunkeln.

Darum noch ein Wort an unsere Er­werbslosen, von denen ich wiederum so viele liebe Briefe empfangen habe. Allen möchte ich zurufen: Laßt euch den Mut und die Energie nickt rauben! Jetzt, wo die Arbeit euch nicht mehr er­zieht, müßt ihr mit anderen Mitteln die Zucht da­heim und in eurer eigenen Persönlichkeit ausüben. Es ist schon viel, wenn man sich zwingt, pünktlich aufzustehen und einen geordneten Haushalt bei al­ler Armut zu führen. Warum kann man mor­gens, da man doch Zeit hak, nicht in die heilige Messe gehen, was eine wahre Labsal für die Seele ist? Auch findet man doch allerlei Arbeit, die ei­nen irgendwie beschäftigt. Bei einer dauernden Erwerbslosigkeit kann der beste Mensch verbum- meln, wenn er sich nicht innerlich dagegen wehrt.

Die kleine Eva.

24] Roman von C. Fraser-Simjon.

Berechtigte Uebersetzung von H. Steinitzer.

Deutscher Recht beim Verlag Georg Müller in München.

Zwei Stunden später erwachte sie, kaum erfrischt, aber unfähig weiterzuschlafen. Der Zug hielt, und sie sah zum Fenster hinaus. Keine Station weit und breit. Als sie die Tür öffnete und in den Gang blickte, kam gerade der Schaffner vorbei.

»Sie haben sich nicht zum Abendessen gemeldet?" kragte er.

Cva verneinte. Sie hatte keine Lust, die Sicherheit ihres Abteils aufzugeben.

„Ich habe keinen Hunger", sagte sie erklärend.

„Um so besser für Sie. Im Schlafwagen haben wir aur ein paar Leute, aber sonst ist der Zug gestopft voll. Hauptsächlich Matrosen auf Urlaub. Und nur ein Speifemagen für die erste und dritte Klasse. Sie tön» *ten sich denken, wie es dort ausschaut."

»Das ist doch ungewöhnlich um diese Zeit, nicht?"

„Jawohl. Darum haben sie sich auch mit der Be- drenung nicht vorgesorgt, und ich hab versprochen, cm wenig mitzuhelfen. Brauchen Sie noch etwas, ehe ich gehe?"

... „Wenn Sie meine Wärmflasche mit heißem Wasser stillen und mir etwas Sodawasser und ein paar Zwie- Bntfe bringen wollen, wäre ich Ihnen dankbar. Sonst brauche ich nichts."

Sie packte die Wärmflasche aus, und nach wenigen Minuten kehrte er mit ihr und ihren anderen Bestel- -ungen zurück.

»Das ist also alles?" fragte er. „Und da der andere yerr auch nichts verlangt, kann ich mich dann wohl zurückziehen?"

„Welcher Herr?"

„Der einzige Reifende im Schlafwagen außer Ihnen. Ein komischer Mensch, im Vertrauen gesagt. Behauptete, leine Kabine läge über den Rädern und war nicht zu- rieden, bis ich ihm eine andere gab."

„Wo haben Sie ihn hingelegt?" fragte Eva.

Sie wußte die Antwort, ehe sie sie gehört hatte.

„Ich ließ ihm die Wahl, und er nahm Nummer 8 neben Ihnen. Nun ist er gerade über den Rädern. Selt­samer Kauz. Also gute Nacht, meine Dame."

Damit war er verschwunden.

Toa ging in ihr Abteil zurück und setzt sich aufs Bett.

All ihr Sicherheitsgefühl hatte sich verflüchtigt. Sie kaute an ihrem Zwieback und trank ihr Sodawasser, während sie nachdachte. Da war sie also mutterseelen­allein in dem großen Schlafwagen, und ihr einziger Reisegefährte war ein Mann, der mit Vorbedacht die nächste Kabine neben ihr ausgewählt hatte..

Zweifellos ein Spießgeselle Creasons, der den Au'- trag hatte, mit diesem Zug zu fahren für den Fall, daß es chr doch noch gelingen würde, jenem zu entkommen. Die Kerle wußten, daß hierin ihre letzte Möglichkeit lag, London noch rechtzeitig zu erreichen. Wer auch wenn dieser Mann gar nichts mit Creason zu tun hatte, schien es ihr unerträglich, die ganze Nacht so dicht in seiner Nähe zu verbringen. Hätte sie wenigstens die Geistes­gegenwart gehabt den Schaffner zu bitten, die Verbin­dungstür abzuschließen! Jetzt war das einzige Hindernis ein Riegel, der wahrscheinlich auch von der anderen Seite ausgehakt werden konnte.

Sie richtete ihre Blicke auf den Riegel und ihre Phan­tasie täuschte ihr vor, daß er sich bewegte.

Nein, das war nicht auszuhalten! Sie beendigte ihre Mahlzeit und schob bann die Gummistiefel unter das Bett. Die muhten nun Zurückbleiben. Später konnte man sie ja im Fundbüro reklamieren. Ihre son­stigen Habseligkeiten raffte sie zusammen, verließ ihre Kabine und schloß die Tür geräuschlos hinter sich. Gott sei Dank war es keine von jenen Schiebetüren die beim Deffnen und Schließen einen heidenmäßigen Lärm machten.

Sie schlich sich durch den engen Gang und suchte sich die Kabine nächst der des Schaffners aus. Dort legte sie ihre Sachen ab, verriegelte die Tür, und machte es in der anstoßenden Kabine ebenso. Nachdem sie nun noch die Verbindungstür abgeschlsosen hatte, fühlte sie sich einigermaßen gesichert.

Will er nun zu mir, dachte sie, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als das Schloß vom Gang aus aufzu­brechen, und das wird er sich wohl zweimal überlegen.

Jetzt erst wagte sie, sich auszukleiden. Mit einer Empfindung der Dankbarkeit legte sie sich aufs Bett

Gerade die Jungen möchte ich auch darauf auf« merksam machen, daß sie doch eine nützliche Tätig­keit suchen, etwas lesen, Fortbildungskurse besuchen und ihren Eltern zur Hand gehen.

Das aber wollen wir uns immer wieder sagen: Deutschland, das seit dem Kriege sich so gewaltig emporgearbeitet hat, wird auch durch diese düstere Gegenwart sicher hindurchgehen. Aber die Row­dys und die Maulhelden machen es nicht, was ein­zig von den geduldig Ausharrenden und den rast­los Schassenden erwartet werden kann.

Der Mann im Alande.

Sittliche Aufgaben des Staates.

Von Landgerichtsdirektor D r. Marx- Köln.

I.

Der Staatszweck der salus publica, des Gemein­wohls, verlangt, daß der Staat auch über die öf­fentliche Sittlichkeit wacht. Die innere Gesinnung des einzelnen Bürgers kann er nicht unmittelbar beeinflussen; das muß er vielmehr der Relig'on und religiösen Gesellschaften überlassen; der Staat hat aber nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß die gesamte öffentliche Rechtsverwaltung der Sitt­lichkeit unterworfen ist. Recht und Staat find „die von der Natur gewollten Mittel, um mensch­liches Zusammenleben und menschliche Entwicke­lung, die sich nur im Zusammenleben verwirklichen kann, zu ermöglichen. Alle menschliche Entwicke­lung aber muß zu dem eigentlichen Ziele der I Menschheit führen, sie muß wenigstens stets die- I

fern Ziele, d. h. der Sittlichkeit, untergeordnet jein" (Gutberlet in „Ethik und Naturrecht"). Deshalb legte auch Leo XIII. in der Enzyklika De condi- ttene opificum vom 15. Mai. 1891 dar, daß die öffentliche Gewalt neben anderem dafür zu sorgen habe, „daß Rechenschaft der Sitten, ein wohlge­ordnetes Familienleben, Achtung vor Religion und Recht erhalten und gefördert werden." Der Staat muß demgemäß durch seine Gesetzgebung und de­ren richtige Anwendung das Sittlichkeitsgefühl der Bürger schützen und besonders die Jugend vor Ge­fährdung in sittlicher Beziehung bewahren, sie möglichst unverdorben erhalten; aus diesen Grün­den muß der Staat das Eindringen des Bösen st' die Oeffentlichkeit verhindern.

II.

Für die Durchführung der sittlichen Aufgaben des Staates ergeben sich heutzutage große Schwie­rigkeiten daraus, daß es außerordentlich vielen Menschen an festen Sittlichkeitsbegriffen fehlt. Die zum Schutze der Sittlichkeit noch bestehenden Ge­setze werden oft als rückständig bezeichnet; sie sol­len „den Zwang der täglichen Wirklichkeit seige umgehen". Insbesondere die Sozialdemokratie er­blickt ihre „geschichtliche Aufgabe darin, neue ge­meinschaftsbildende Kräfte nicht durch rückwärts- gsrichtete, an der formalen Ueberlieferung festhan­gende ethische Begriffe aufzuhalten". („Rheinische Zeitung" Nr. 80 vom 21. März 1930). Auf dieser Linie liegt nach genanntem Blatte sozialdemokra­tische Kulturpolitik.

Worauf solche „Kulturpolitik" hinausläuft, zeig, u. a. der Umstand, daß die „Rheinische Zeitung"

Qualität und Preiswürdlskelt

Joseph Schmitt, Fulda

Weingroßhandlung.

I unb preßte ihre kalten Hänbe um ben Bauch ber Wärm­flasche.

Der Zug fuhr rüttelnd unb rasselnd durch die lange, schwarze Nacht, unb Eva, bie nicht schlafen konnte, schien es, als wolle bie Reife nie ein Ende nehmen. Ein- ober zweimal hielt ber Zug an großen Stationen. Sie horchte auf bie bis zu chr bringenben Geräusche: bas Rollen ber Karren, bie an ben Postwagen herangeschoben wurden, bas Rufen unb Murmeln unb Tappen eiliger Menschen, bas burchdringenbe Zischen abgelassenen Dampfes. Dann gab es ein Stoßen unb ein Knirschen ber Brem­sen, wenn neue Wagen angehängt würben, ein Zuschlä­gen von Türen, eine Folge von Pfiffen, ehe sie wieder abfuhren. Oft schienen sie auch grundlos auf freier Strecke zu halten. Als ob sich ein böser Dämon bie Freude mache, sie alle am Einschlafen zu hinbern ober, kaum, daß sie eingenickt waren, wieder erbarmungslos aufzuwecken.

Was für eine Reise! Sie konnte mcyt glauben, baß sie schon oft dieselbe Strecke mit Vergnügen gefahren war. Allerdings — bann hatte Peter in der nächsten Kabine gelegen unb sie durch bie offene Tür in ben Schlaf gerebet. War bas überhaupt ber gleiche Zug, ber setzt wie ein roilbes Tier baherraste unb ihr ihre Ein­samkeit unb Hilflosigkeit immer weder zum Bewußtsen brachte?

15. Kapitel.

Gegen Morgen endlich schlief Eva ein, unb als sie etwa eine Stunde später müde unb verschlafen auf bie Uhr sah, merkte sie, baß es schon halb acht Uhr war. Jetzt, wo sie am liebsten bis in bie Ewigkeit weiterge­schlafen hätte, mußte sie aufstehen!

Sie zwang sich bazu aus bem Bett zu kriechen unb kleidete sich, noch immer schlaftrunken, an. Dann setzte sie sich unb wartete auf ben Augenblick ber Ankunft.

Ob sie wohl Peter zu Hause finben würde?

Sie rief sich nochmals ben Wortlaut feines Tele­gramms ins Gebächtnis zurück und plötzlich fiel ihr auf, daß er depeschiert hatte: „Geh zu Porters" und nicht „Komme zu Porters". Das bedeutete, baß er nicht bort war ober wenigstens am Tage, als er bas Telegramm aufgegeben hatte, nicht bort gewesen war. Ein unbe- I haglicher Gedanke. Sie fühlte, baß sie vorsichtig fein 1 mußt«. 1

Fünf Minuten, ehe sie ankommen sollten, klingelte sie bem Schlafwagenschaffner unb schloß die Tür auf. Er schien überrascht, sie in diesem Abteil zu finden, machte aber weiter keine Bemerkung, als sie ihm mit einigen erklärenden Worten ein fürstliches Trinkgeld in bie Hand brückte. Auf ihr Ersuchen trug er ihr bie Reise­tasche bis zur Waggontür, unb bann warteten sie beide.

Von ihrem Reisegefährten war nichts zu sehen. Das macht sie nun wieder zuversichtlicher. Wahrscheinlich hatte er mit der ganzen Sache gar nichts zu tun, und ihre Befürchtungen der letzten Nacht waren nur Wir­kungen einer hemmungslosen Einbildungskraft gewesen.

Der Zug verlangsamte seine Fahrt, glitt in bie riesige Bahnhofshalle unb staub still. Im gleichen Augenblick war Eva, ihre Reisetasche in ber Hand, schon herausge- fprungen. Sie schüttelte nur ben Kops, als ihr ein Träger seine Dienste anbot unb eilte zum Ausgang. Als sie eben ein Auto heranwirken wollte, roanbte sie sich zu­fällig um unb sah den Herrn aus dem Schlafwagen auf das nächste Auto losstürzen.

Der Schrecken überwältigte sie. Ohne an irgend etwas zu denken, rannte sie auf bie Straße hinaus. Der Verkehr zwang sie bald stillzustehen, aber sie ersah ihre Gelegenheit, schlüpfte hinter einen Omnibus, ber gerabe oor ihr hielt unb stieg ein. Ehe sie sich ganz vorn hin­setzte, sah sie sich um unb gewahrte bie Beine eines Mannes, ber eben zum Dach bes Omnibus hinauf» kletterte.

Wenn sie nicht alles täuschte, war bas ihr Verfolger.

Sie fragte nicht, auf welcher Linie sie sich befand, son­der nahm einen Fahrschein bis zur Endstation, um Zeit Zum Nachdenken zu gewinnen. Hatte sie recht gesehen, so war keine Hoffnung vorhanden, den Omnibus unbe­merkt verlassen zu können. Stieg sie aus unb nahm ein Auto, so würbe ihr ber Mann einfach folgen.

Unb wohin sollte sie fahren? Nach Hause nicht, bas war sicher. Wenn Peter nicht da war, wie sollte sie es allein in bem großen Haus aushalten, während ihr Ver- olger draußen wachte ober sich irgendwie ben Eintritt erzwang? Nein, sie mußte ihn abfchütteln. Aber wie? Wohin konnte sie gehen, ohne daß er ihr zu folgen ver» mochte?

(Fortsetzung folgt.)

fiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiHfiiniiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimnnnniiiuiiiKiiHinii

Aussdiank der beliebten hiesigen Unionbiere, Löwenbräu und Dortmunder

MoUiimWen“

iiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiumiiHiim

Reichhaltige Speisekarte. — Bekannte gute Küche.

Der Regenmacher kommt nach Berlin.

TULDAj

Der holländische Regenmacher Veraart vor seinem Flugzeug.

In Holland erregten kürzlich die Versuche des Ingenieurs Veraart großes Aufsehen, der zur künstlichen Erzeugung von Regen ein Flugzeug mit einer Ladung pulverisierten Eises aufsteigen ließ. Veraart ist jetzt von einer Gruppe landwirtschaftlicher Verbände eingeladen worden, seine Versuche in Berlin zu wiederholen, da man seiner Methode große Bedeutung zumißt.

HsBüttner, Fulda

Friedrichstraße Nr. 14

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