Fuldaer Land und Rachbargebiek
Tradlfenfeff in Stfilitu Demonstrationen und Umzüge unter freiem Himmel im
Trachtenfest in Schlitz.
Polizeibezirk Wiesbaden.
Freistaat Hessen.
Angznsammenflotz in Mainz.
Schwerer Antonnfall.
20 Personen verletzt.
— Königstein i. Taunus. Ein mit 35 Personen besetzter Lastkraftwagen stürzte am Sonntag in einer Kurve der Feldbergstraße die Böschung hinab und überschlug sich. Ungefähr 20 Personen erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen.
Am gestrigen Sonntag feierte bei herrlichem Wetter alte Städtchen Schlitz nach dreijähriger Pause ein »^aufgezogenes Trachtenfest, zu dem eine nach Tau- fenden zählende Zuschauermenge aus NA ,„h stern herbeigeeilt war. Auch Fulda war äußerst streich vertreten. Im Mittelpunkt des Festes stand her farbenwrächtige Trachtenzug. der sich aus Trachten- »riwoen und Festwagen aus den Dörfern des ganzen KeifertlanDes zusammensetzte. Auf dem Festplatz war Gelegenheit gegeben, die interessanten Trachten aus näckster Nähe zu bewundern. Eine SOoßbeleuchtung bildete den Abschluß des Volksfestes.
Die entführte kleine Frankfurterin wiedergefunden.
— Gelnhausen. Die vor einigen Tagen von einem Motorradfahrer entführte dreijährige Jngeborg Haupt ist inzwischen wieder aufgefunden worden. Der Vater der Kleinen fuhr am Samstag mit dem Auto nach Roßbach im Kreise Gelnhausen, wo er das Kind vermutete. Unterwegs sah er in der Spessartbahn seine geschiedene Frau mit dem Kind sitzen. Haupt hielt das Auto an und sprang auf den Zug, wo sich zwischen ihm und feiner früheren Frau erregte Szenen abspielten, die sich auf dem Gelnhäuser Bahnhof sortsetzten. Es gelang schließlich mehreren Gendarmen, die erregten Leute, unter denen sich auch der Motorradfahrer Einschütz befand, der das Kind entführt hatte, zu beruhigen und n einem Abteil nach Frankfurt zu bringen.
Todessturz eines Segelflieger«.
— Kassel. Bei einem Uebungeflug auf der Wiese vor den Helfensteinen am Dörnberg stürzte der 23jährige Pilot Ernst Ebel aus Kassel mit seinem Segelflugzeug so unglücklich ab, daß er einen Schädelbruch erlitt und tot vom Platze getragen werden mußte.
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Erneute Festnahme von Nationalsozialisten in Kassel.
— Kassel. Zur Aufklärung der im Anschluß an die nationalsozialistischen Versammlungen entstandenen Schlägereien und Zusammenrottungen, die sich am Mitt- woch an verschiedenen Stellen der Kasseler Innenstadt ereigneten, hat die Polizei am Samstag in den frühen Morgenstunden 26 Personen festgenommen, die dringend verdächtig sind, an den Schlägereien beteiligt gewesen zu sein. — Auch am Freitag nachmittag kam es in der Wolf- hagerstraße zu einem erneuten Zusammen st oßzwr- schen Kommuni st en und Nationalsozial i- ft e n. Das Ueberfallkommando konnte sich darauf beschränken, die Menschenansammlung zu zerstreuen, da die Täter bereits durch Beamte des Reviers festgenommen !-^rden waren.
Aus Oberhessen.
Tragischer Tod.
^r Geschäftsführer der kreisbauernschast Kirchhain löblich verunglückt. — vom D-Zug überfahren.
Aus K i r ch h a i n wird uns berichtet:
Am Samstag, gegen 11 Uhr abends, kam der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Kirchhain, Herr Riehl, auf tragische Weise ums Leben. Er hatte sich aus wenige Augenblicke von seiner Familie entfernt, um eine Postkarte zum 1 Uhr-Zug zu bringen. Beim lieber- schreiten der Gleise wurde er von dem D-Z u g Nr. 75 aus Richtung Marburg erfaßt und auf den Bahnsteig gescyleudert. Der Tod trat auf der Stelle ein. Allgemeine Teilnahme wird dem Toten, seiner Familie und seinen Angehörigen entgegengebracht. Seit Februar dieses Jahres wieder verheiratet, hinterläßt Herr Riehl eine junge Frau mit zwei unmündigen Kindern aus erster Ehe. Herr Riehl ist in weiten Kreisen bekannt und geachtet. Mit großer Hingabe und Pflichttreue hat der Verstorbene seine Amtsgeschäfte zum Wohl der Allgemeinheit und zum Nutzen der Landwirtschaft geführt. Wo es galt, zu helfen und auszugleichen, war er stets zur Stelle. Durch fein freundliches und leutseliges Wesen wußte er sich die Herzen aller zu gewinnen. Die Kreisbauernschaft hat an Herrn Riehl viel verloren. Die Beisetzung findet in seinem Heimatort Erfurtshausen am Dienstag, den 24. 8uni, nachmittags 5 Uhr statt.
Acht Hühner durch Herbstzeitlose vergiftet.
— Marburg. In Ziegenhain haben Kinder nichtsahnend den aus den braunen Kapseln der Herbstzeitlose austretenden Samen auf den Hof des Gastwirts Niemeyer geworfen. Dort war der Samen bald von kleinen Hühnern aufgefressen worden, worauf schon nach ktzrzer Zeit acht der Hühner verendeten.
Demonstrationsverbok für Nationalsozialisten in Wiesbaden.
— Wiesbaden. Die in letzter Zeit stattgefundenen den Kur- und Fremdenverkehr stark schädigenden De- monstrationen der Nationalsozialisten haben den Polizeipräsidenten zu folgender Verordnung veranlaßt: Auf Grund des § 10 II, ALR. in Verbindung mit § 123. 2 RV., verbiete ich der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und ihren Nebenorganisationen wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit bis Ms weiteres die Veranstaltung jeglicher Kundgebungen,
wtb. Mainz, 23. Juni. (Eig. Meld.) Heute vormit- tag ist der Personenzug Alzey-Mainz vor dem Hauptbahnhof Mainz auf einen Güterzug aufgefahren. Hier- bei wurden 30 Reisende durch Hautabschürfungen und Quetschungen leicht verletzt. Der Bahnhofsarbeiter Haflinger aus Mainz wurde mit einer Gchirner- fchütterung in das städtische Krankenhaus gebracht. Die Leichtverletzten wurden nach sofortiger ärztlicher Behandlung entlassen. Das Gleis Mainz-Alzey war zwei Stunden gefperrt.
Neues aus Frankfurt.
Die haupkergebniffe der Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung im Jahre 1929.
Die Bevölkerung der Stadt Frankfurt a. M. wurde zu Anfang des Jahres mit 551 000 und am Ende des Jahres au» Grund der Fortschreibung zu 547 000 berechnet. Dies bedeutet eine Abnahme um 0.73 Proz. Die konfessionelle Zusammensetzung der mittleren Jahresbevölkerung von 550 000 war nach Maßgabe der Er- gebniffe der Volkszählung von 1925 folgende: 313 000 evangelische und 183700 katholische Christen, 30 300 Israeliten und 23 100 Dissidenten sowie ohne Kn- gabe der Zugehörigkeit. Die Zahl der Aufgebote belief sich auf 6533; diejenige der erfolgten Eheschließun- gen betrug 5898, d. s. 10.7 auf je 1000 der Bevölkerung. An Ehescheidungen wurden 627 vollzogen, das waren 106.3 auf 1000 in Frankfurt a. M. geschlossene Ehen. Die Gesamtzahl der Geborenen einschließlich Totgeborenen belief sich auf 7047, davon waren 86.2 Proz. ehelich und 13.8 Prozent unehelich Geborene. Die Gesamtzahl der Sterbefälle ohne Totgeburten betrug 6246, darunter befanden sich 427 Kinder im ersten Lebensjahre. Eine Vermutung, daß nach Aufhebung der Besetzung ein verstärkter Bevölkerungsaustausch mit dem bisher besetzten Gebiet eingetreten fei, hat sich nicht bestätigt.
=' Elternbeiratswahlen. Unter guter Beteiligung fanden am Sonntag an 105 Mittel- und Volksschulen die Wahlen zu den Elternbeiräten statt. Bis spätabends lagen die Ergebnisse von 85 Schulen vor. Es erhielten Sitze 488 Kandidaten der christlich-unpolitischen Liste, 220 KaMdaten der Liste „Schulfortschritt" (Soz.) und 21 Kandidaten der Liste „Proletarische Schule" ^Kommunisten). Die christlich-unpolitische ßifte hat gegenüber der letzten Wahl vor zwei Jahren bedeutende Fortschritte gemacht.
— Jeder 10. Frankfurter im Wasser! Das hochsommerliche Wetter hatte am Sonntag in die städtischen und privaten Bäder aller Art etwa 60 000 Besucher gelockt. Das bedeutet, daß jeder zehnte Einwohner die heimischen Gewässer zur Kühlung aufgesucht hat. Das wundervolle Brentanobad an der Nidda int Stadtteil Rödelheim wurde ohne weitere Förmlichkeit dem Betriebe übergeben. Es wurde von etwa 15 000 Gästen tagsüber besucht.
— Dom Auto überfahren und getötet. An der Gallus- anlage überfuhr ein Auto aus Münster i. W. einen hiesigen Motorfahrer. Dabei wurde der Beifahrer, der 15jährige Sohn des Bäckers Nägele aus der Friedrichstraße auf das Pflaster geschleudert und getötet.
— Beim Baden ertrunken. Am Samstag nachmittag beobachteten Passanten unterhalb der Niederräder Wehranlage, wie ein etwa 20—23jähriger Mann plötzlich in den Fluten des Mains versank und nicht mehr an der Oberfläche erschien. Herbeigerufene Fischer konnten nach 1 längerem Bemühen den Ertrunkenen bergen, doch blieben die angestellten Wiederbelebungsversuche erfolglos. Die Personalien des Toten konnten noch nicht festgestellt werden, da er keinerlei Papiere in seinen Kleidern hatte.
Ururgroßmutter — und Lind.
— Aus dem Westerwald. In Hirtscheid bei Alpenrod feierte die Witwe Auguste Schneider ihren 91. Geburtstag. Die alte Frau blickt auf nicht weniger als fünf Generationen zurück. Ihre Tochter ist 70 Jahre alt, deren Tochter 46 Jahre, deren Tochter 24 Jahre und deren Sohn 2 Jahre alt. Also: Ururahne, Urahne, Großmutter, Mutter und Kind. Ein sehr seltener Fall.
1000 Iahrfeier der Stabt Montabaur.
— Montabaur. Buntgeschmückt mit Fahnen, Blumen und Girlanden beging am Samstag und Sonntag die Stadt Montabaur “ das Fest ihres tausendjährigen Bestehens, lieber den Gedanken tausendjährigen Stadtgeschehens hinaus galt die Feier der Befreiung der Stadt, die vor einem halben Jahre erfolgt ist und mit der Jahrtausendfeier verbunden wurde. Von Fern und Nah waren Festgäste gekommen, vom Westerwald kamen knorrige Bauerngestalten, darunter Frauen mit weißen Jacken und bunten Kopftüchern. Eingeleitet wurde die Jahrtaufendfeier mit einem Festakt am
3« Gefangenschaft.
Erinnerungen eines Kriegsgefangenen.
Von Johannes Maria Hill.
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2ch komme in eine solche Baracke. Großes Ge- ammer und Geschrei. In der Ecke liegt ein Mann, j’on Granaten zerrissen. Aus dem Boden ein anderer «it einer großen Wunde im Knie und am rechten Arm. bie Decke, die auf ihm liegt, ist ganz mit Blut getränkt, ■sr blutet immer noch. Ich wasche chm die Wunde aus Ad verbinde sie. Lautlos sehen sie mir zu. Jemand --At mir die Schüssel mit Wasser und macht die anderen Handreichungen. Endlich bin ich fertig. Ich schaue auf unb bemerke ein schönes Mädchengesicht. Ich bin einen Augenblick verwirrt und befangen. Ich stammele: ^Merci, Mademoiselle." Da schaut sie mich mit gro- ßen ängstlichen und dankbaren Augen an. Ich sage: „Es m nichx lebensgefährlich; es wird zwar einige Wochen °°uern, aber es hat Glück gehabt." Ich sage es zu allen, wuß dabei aber immerfort meine kleine Helferin an- H)en. Ich h^e lange fein Mädchen mehr gesehen; es kommt mir vor wie ein Wesen aus einer anderen Welt. $$ hätte mich gern mit ihr unterhalten, aber der Oberleutnant drängt zum Gehen.
Schweigend gehen wir zum Lager. Ich mache mir "}sine Gedanken. Ich habe Mitleid mit diesen Leuten.
haben alles verloren. Sie müssen wieder von vorn anfangen. Was nützt es diesen Leuten, daß Frankreich Essn Krieg gewonnen hat? Sie haben ihn verloren. Aiieviele mögen noch ihr Leben verlieren, wenn sie beim Gilgen ober Hacken unvermutet auf eine Granate oder Handgranate treffen!
. 2ch gehe jeden Morgen mit dem Oberleutnant zu Hause. Sie warten schon immer. Ich sehe, wie Ie Wunde sich immer mehr schließt. Ich sehe es mit uAuschien Gefühlen. Das Mädchen gibt mir nachher »mmer ein Glas Rotwein. Dabei sieht sie mich immer bankbar an. daß ich ihrem Vater gchplfen habe.
Ich frage sie, ob sie die Deutschen hasse. Sie sagt: „Nicht die Deutschen: nur den Kaiser, weil er den Krieg angefangen hat." Ich freue mich, daß die Heilung der Wunde erfreuliche Fortschritte macht, aber ich empfinde einen bitteren Schmerz, wenn ich an den Tag denke, da ich dieses Mädchen nicht mehr sehen werde.
Ich bin heute zum letzten Mal dagewesen. Der Mann drückte mir warm die Hand; er wollte mir Geld geben, aber der Oberleutnant litt' es nicht. Ich hätte es auch nicht angenommen. Ich freue mich, daß er wieder gesund sei. Von dem Mädchen konnte ich mich nicht verabschieden. Sie war hinausgegangen.
Mehrmals sah ich sie noch. Gewöhnlich am Sonntag nachmittag kam sie vorbei. Die Kameraden riefen ihr Scherzworte zu.
An den Sonntagen hört man in den Zelten finger. Cs klingt so wehmütig, so traurig, wenn sie fingen: Nach der Heimat möcht ich wieder, nach dem stillen Vaterhaus. Eine ganze aufgefpeidjerte Sehnsucht nach Hause schwingt darin mit. Ach, wir glauben gar nicht mehr an die Heimkehr. Ja, wenn wir Weihnachten nach Hause gekommen wären, dann hätten wir vielleicht bald unseren früheren Lebensmut wiedergefunden. Jetzt ist alles in uns erloschen. Gebrochene, greisenhafte Menschen wird die Heimat Wiedersehen, wenn wir glücklich einmal wieder zurückkommen. Wir werden zu nichts mehr fähig fein.
Ich halte es in diesem Käfig nicht mehr aus. Ich werde wahnsinnig. Glücklich die Kameraden, die noch im Oktober fielen. Schlimmes blieb ihnen erspart. Es gibt nur eine Rettung, die Flucht. Ich weihe meinen Freund Wilhelm in meinen Plan ein. Er ist gleich dabei. Wir sitzen am Abend in einer Ecke. Wir machen Fluchtpläne und verwerfen sie gleich wieder. Die Engländer passen scharf auf, nachdem in einem Lager 12 Mann ausgebrochen sind, die einen unterirdischen Gang hinaus ins Freie angelegt hatten. Das erfordert auch zu viel Zeit. Ich sehe keine Möglichkeit, die Ende irgendwo hinzubringen. Ich habe einen anderen Plan: Wir gehen jetzt jeden Morgen weit fort vom Sager und fahren auf kleinen Wagen Eisenbahnschienen auf einen in der Nähe des Lagers befindlichen Platz. Der Poften
Samstag um 16 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Die Beethovenfche Romanze op. 40 leitete die Veranstaltung ein, worauf Bürgermeister Roth die geladenen Gäste begrüßte. Als Vertreter von Regierung und Gemeinden waren erschienen: Regierungspräsident Ehrler, Vizepräsident Volkart-Kassel, als Vertreter des Oberpräsidenten Vizepräsident Commers, Stadtkämmerer Asch als Vertreter des Bezirksausschusses. Der Protektor der gesamten Feierlichkeiten Landeshauptmann Lutsch- Wiesbaden betonte in feiner Ansprache die innere Verbundenheit der örtlichen und provinziellen Verwaltungen. Regierungspräsident Ehrler führte aus: Der Wille der Bevölkerung, ihr Gemeinwesen weiter auszubauen und weiter zu entwickeln, fei das Charakteristikum des Bürgers. Das fei auch in Montabaurs reicher Geschichte immer der Fall gewesen. Den Bürgern und Arbeitern der Stadt entbiete er an ihrem Jubi- läumstage den Dank der Staatsregierung für die Treue zum Reich. Landrat Collet wies hin auf die enge Verbundenheit von Stadt und Schloß und auf die seelische Verbundenheit von Stadt und 8atti>. Im Nc^nen der
Schöne weiße Zahne. „Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihnen meine größte Anerkennung und vollste Zufriedenheit über d,e „Thlorodont-Zahnpaste" zu übermitteln. Ich gebrauche „Thlorodont schon [eit Jahren und ich werde ob meiner schönen weißen Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen Gebrauch Ihrer .Thlorodonl-Zahnpafte" erreicht habe." C. Reichet, Schweiz, Amt Niemburg, Saal, kreis. — Chlorodont: Ja npasie 60 Pf. und 1 Mk, Zahn- bürsten, Mundwasser 1 Mk. ut höchster Qualität Zn allen Chlorodont-Verkaufsstellen zu habe».
Landkreisvereinigung überbrachte Stadtkämmerer Asch die Glückwünsche. Die Feier klang in das Deutschlandlied aus. Am Abend bewegte sich vom Burgberg durch die prächtig illuminierte Stadt ein Fackelzug, worauf vor dem Rathaus Ansprachen gehalten wurden und musikalische Darbietungen erfolgten. Die Feier fand gegen 23 Uhr mit dem Liede „Großer Sott, wir loben Dich" ihren Abschluß.
Nach einem Frühkonzert wurde am Sonntagmittag j das Festspiel „Montabaur in Glück und Ehr' tausend Jahr und mehr" von Ludwig Nüdling aufgeführt. Geschickt verpflicht her Dichter historische Szenen aus dem alten Montabaur mit der Idee des heutigen Festes und gibt durch Einschaltting einer Rahmenhandlung dem Werk eine dramatische Wucht. Spiel und Spieler ernteten wohlverdienten Beifall. Nach dem Festspiel bildete sich ein Festzug aus den Spielern, Vereinen und handwerklichen Zünften. Am Abend flammten wie am Vortage bas Schloß und das malerische Städtchen im Lichte eines Feuerwerkes auf. Zehntausend Fremde waren zur Festfeier gekommen. _________
. Bäder und Kurorte.
Die Saison in vad Orb.
Es waren nicht die besten Auspizien, unter denen die deutschen Bäder in diesem Jahre die Saison antraten. Die allgemeine wirtschaftliche Lage war bedenklicher denn je und der Kreis derer, die sich einen Kuraufenthalt gönnen konnten, schien start vermindert.
Wir begrüßen es deshalb um so freudiger, daß in unserem schönen Spessartbad Orb die Saison vielver- fprechend eingesetzt hat. Trotz der oben angeführten mißlichen Umstände konnte die Frequenzziffer des vergangenen Jahres nicht nur gehalten, sondern saft 20 Prozent gesteigert werden. Während
vom 1. Januar 1929 bis 15. Juni 1929 3120 Kurgäste und Passanten gezählt wurden, stieg die Zahl für den gleichen Zeitraum 1930 auf 3715. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der Passanten oon 422 nur auf 493, also um 15 Prozent gestiegen ist, wahrend bie Zahl der heilbedürftigen Kurgäste relativ viel starker anwuchs. Dies kommt am deutlichsten in der Zayl der in Bad Orb verabreichten Bäder zum Ausdruck. Wahrend vom 1. Januar 1929 bis 15. Juni 1929 22 224 Bäder abgegeben wurden, erreichte die Zahl für 1930 29614
Wesentlich bei der finanziellen Auswirkung dieser Zahlen ist der Umstand, daß die Beteiligung der Prr- vaigäste an der Frequenz gegenüber den Sozialversicher- ten sich bedeutend erhöht hat. Die Zahl der Privatgaste (Privatkurgäste) 1930 ist gegenüber der von 1929 um mehr als 20% Prozent gestiegen.
Soweit sich aus den Anmeldungen für den Sommer entnehmen läßt, kann in Bad Orb mit einem lebhaften Badebetrieb gerechnet werden. Voraussetzung durfte allerdings fein, daß die Witterung einigermaßen bestan- big bleibt.
Reise und Wanderung.
Schlesien als Reiseland.
Schlesien ist ein herrliches Reiseland. Es besitzt nächst Oberbayern bie höchsten deutschen Gebirge, eine Kertk von 200 Kilometern Länge: das Jser-, Riesen-, Waldenburger-, Eulen-, Glatzer- und Altvatergebirge. Diese Kammgebirge steigen auf Höhen von 1000 bis über 1600 Meter; bas Jsergsbirge ein Waldgebirge, bas Riesengebirge alpin, Altvatergebirge ihm ähnlich, Glatzer Gebirge, an den Schwarzwald SÄdeutschlands erinnernd, Waldenburger und Emengebirge mit Thüringen zu vergleichen. Allenthalben erheben sich Burgen und Burgruinen, altertümliche Städte und Klöster, auch im Vorgebirge und in der Ebene. -Sehr reizvoll sind das Bo- berkatzbachgebirge und bas Zobtengebirge, (nur eine Bahnstunde von Breslau) über 700 Meter hoch.
Im Tiefland entzücken uralte Laubwälder, romanti- lche Seen, deren es auch mehrere im Gebirge gibt. Die schlesischen Städte weisen viele Sehenswürdigkeiten aus, so namentlich die alten schlesischen Herzogstädte, an ihrer Spitze Breslau, die größte, bedeutendste und schönste Stadt Ostdeutschlands, mit seinem alten Rathaus, den alten gotischen- und Barockkirchen mit herrlichen Grabdenkmälern und Kunstwerken deutscher und italienischer Meister, den alten Patrizierhäusern, dem Barockprunk- bau der Universität, den köstlichen Promenaden und Parken und den monumentalen Bauten der Neuzeit, der Iahrhunderthalle mit der zweitgrößten Kuppel und Orgel der Welt, dem Messehof, dem Ausstellungsgebäude und dem entzückenden Ausstellungsgelände (Jahrhun- dert-Terraste.
Dom 26. bis 29. Juni d. Is. finden in dem großartigen Stadion die 3. Deutschen Kampfspiel, statt. Das Rathaus, das herrliche Stadtbild der Sand- unb Dominsel, der Aufenthalt auf der Jahrhundert- Terrasse stehen einzigartig da. Das Leben ist gemütlich und billig.
lieber weitere Einzelheiten unterrichten die Werbeschriften „Das Schöne S ch l e s i e n", die vom Derkehrsbüro Breslau, Am Hauptbahnhof 1 I, und in allen bedeutenden Verkehrs- und Reisebüros, rote am Schalter der Sonderzüge nach Schlesien zu haben sind. Die Reichsbahn läßt billige Sonderzüge am 19. und 31. Juli 1930 nach Schlesien verkehren. Die Fahrkarten haben zwei Monate Gültigkeit. Der Zug /ährt nur bei genügender Beteiligung. Es ist daher ratsam, die Karten bald zu lösen.
Aus der Thüringischen Rhön.
Aus Geisa und Umgebung.
Schächiverbok für Thüringen geplant.
Der Landtag von Thüringen ist für Freitag, den 27. Juni zusammengerufen worden. Auf der Tagesordnung steht vor allem die Beratung über einen Entwurf des Staatsministeriums zu einem Gesetz über den Tierschutz, der wohl durch den nationalsozialistischen Antrag gegen die betäubungslose Schlachtung verursacht worden ist. In dem Gesetz heißt es u. a.: Rindvieh, Schwell e, Schafe, Ziegen, Pferde, Esel, Maultiere und Hunde sind beim Schlachten vor Beginn der Blutentziehung zu betäuben. Zuwiderhandlungen gegen die- ses Gesetz und die aufgrund dieses Gesetzes erlassenen Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bestraft.
Nicht uninteressant ist, daß in der Begründung des Entwurfes angeführt wird, daß die Frag? umstritten fei, ob das in der Vorschrift des Betäubungszwanges enthaltene Verbot des rituellen, betäubungslosen Schlachtens der Juden, des Schächtens, gegen Artikel 135 der Reichsverfassung verstoße. Die Frage sei zu verneinen. Das b e - täubungslose Schlachten sei gegenüber den heute allgemein üblichen Schlachtmethoden eine Tierquälerei. Das sei auch die Meinung der meisten deutschen Tierärzte und besonders der Schlachthostierärzte, die zur Beurteilung dieser Frage besonders berufen seien. Diese Aerzte wiesen darauf hin, daß das betäubungslose Schlachten als verwerflich angesehen werden müsse. Sie betonen weiter, daß der ganze Schlachtakt auf den unbefangenen Zuschauer grauenerregend wirke und dazu angetan sei, bei der Heranwachsenden Metzgerjugend Verrohung heroorzurufen.
— Eisenach. Da die Regierung das beschloßen, R o t o p f e r nicht genehmigte und die Tilgungsquote alter Schulden in Höhe von 100 000 Mark als zu niedrig erachtet, Hai sich der Stadtrat mit dem bereits verabschiedeten Etat neu zu beschäftigen. Es ist noch nicht zu ersehen, auf welche Weise die notwendige Deckung beschafft werden soll. Oberbürgermeister Dr. Janson sieht sich aus diesem Grunde zu Verhandlungen mit den Vertretern industrieller Betriebe veranlaßt mit dem .Zielpunkt, eine Mehreinstellung von Eich'ml' m lern zu erreichen.
kleine Nachrichten.
Das Fischsterben in der Ilm har imnme'nr eine solche Ausdehnung angenommen, wie man es noch selten erlebt hat. Die teils schon in Verwesung übergegangenen Fische verbreiten einen wahren Pestgeruch. Abhilfe ist dringend nötig.
Das Geraer Schwurgericht verurteilte eine Arbeiterin aus Leipzig-Plagwitz, die in einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Greiz einen Meineid geschworen hatte, zu der Mindeststrose von einem Jahre Zuchthaus.
In der letzten Stadtverordnetensitzung zu Z e i tz kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen, dabei mußte ein sozialistischer Stadtverordneter aus dem Saal gewiesen werden. Er leistete der Aufforderung allerdings erst unter polizeilichem Nachdruck Folge. Die sozialdemokratische Fraktion verließ darauf geschlossen den Sitzungssaal.
Verantwortlich für die Schriftleitung: L V., Dr. rer. pol. Karl 21:: ft ermann.
wartet gewöhnlich nicht, bis alle Wagen beloben sind. Er fährt oft schon mit dem ersten fort. Die anderen kommen hinterher. Er hat Vertrauen zu uns. Wir werden zuletzt fahren. Und wenn die anderen außer Sicht sind, laufen wir davon. Der Posten wird eine Zeitlang auf uns warten und mit den anderen wieder zurückkommen; inzwischen sind mir schon eine Strecke weit fort. Dann wird er ins Lager zurückgehen und die anderen alarmieren. Darüber geht eine ganze Zeit hin, und wir haben uns irgendwo in Sicherheit gebracht.
Von der geringen Verpflegung, die wir bekommen, muh jetzt jeden Tag ein wenig zurückgelegt werden. Ich gerate zufällig in die englische Küche und kann in einem günstigen Augenblick zwei Büchsen Corned Beef in die Taschen stecken. Das bringt uns schon gut voran. Es wird ein Tag festgesetzt, an dem wir flüchten wollen.
Da im letzten Augenblick, wird die ganze Sache zunichte. Ich werde ins Revier kommandiert, der San:» tätsgefreite ist krank geworden und ins Lazarett gekommen. Ich komme jetzt aus dem Lager nicht mehr heraus. Ich rate meinem Freund, es trotzdem zu versuchen. Er soll sich einen anderen aussuchen. Ich stelle ihm gerne meine Vorräte zur Verfügung. Es tut ihm sehr leid, daß ich nicht mitkann. Zwei Tage später kommt er zu mir und vertraut mir an, daß er einen gefunden hat. Es ist ein starker entschlossener Kerl. „Mit dem kann man es auch wagen", meinte er.
Ich habe jetzt ein feines, bequemes Leben. Ich brauche nicht mefjr zum Arbeiten hinaus und gehe fast den ganzen Tag im Lager herum spazieren, wenn ich nicht mit einigen Fußkranken Skat spiele. Am Morgen kommt mein Freund und flüstert mir zu: „Heute gebts los". Ich wünsche ihm viel Glück und drücke ihm die Hand.
Mittags große Aufregung im Lager. Ich weiß schon was los ist. Die zurückgebliebenen Mannschaften werden alarmiert. Es sind zwei Gefangene von der Arbeitsstelle geflohen. Der Captain ist außer sich vor Wut. Der arme Posten tut mir leid.
Am Abend kommen sie zurück. Sie haben nichts gefunden. Hoffenllich ist es geglückt. Allerdings sind
sie noch nicht an der Grenze. Bis Deutschland ist es weit. —
Drei Tage später. Es ist Abend. Bei den Engländern gibt es einen Auflauf. Mir ahnt nichts Gutes. Ein Gefangener ist zurückgebracht worden. Ich gehe dicht ans Gitter in höchster Aufregung. Da wird Max, der Begleiter meines Freundes, von zwei Posten oor- beigeführt. Ich rufe ihm zu. Er winkt mir. Ich frage „Wo ist Wilhelm?" Er ruft nur ein Wort: „Erschossen!" Es erschüttert mich. Er will mehr sagen, aber der Posten stößt ihn weiter.
Ich kann die ganze Nacht nicht schlafen. Bin ich schuld an seinem Tod. $abe ich ihn nicht zur Flucht gedrängt? Aber war es nicht sein eigener Wille? Konnte er nicht zurücktreten von feinem Plan? Ich glaube wenn ich dabei gewesen wäre, wäre es nicht passiert. Ich denke an seine Frau und sein Kind. Er zeigte mir einmal mit Stolz die Photographien von ihnen. Er war erst zwei Jahre verheiratet. Er sprach oft von seinem Jungen. Habe ich ihn nicht vaterlos gemacht? Ich bin ganz verwirrt. So hätte ich mit das nicht gedacht. Wenn ich nur dabei gewesen!
Der Ausreißer wird eingesperrt. Tagsüber muß er vor der englischen Küche Holz hacken. Bei der Gelegenheit erfahre ich Genaueres. Ich muß es wissen. Es läßt mir keine Ruhe. Weil ich dauernd im Lager bin, genieße ich das Vertrauen des Postens. Er darf mich eigentlich nicht mit den Gefangenen reden lasten, aber er tut es. Ich höre, wie die beiden unterwegs in einem französischen Dorf nachts eingebrochen waren, um etwas Esten zu requirieren. Dabei wurden sie überrascht und verfolgt. Bei der Flucht wurde Wilhelm erschossen.
„Ich selbst", sagte er, „wurde übel zugerichtet von den Bewohnern. Ich wundere mich, daß sie mich nicht tot geschlagen haben wie einen Hund. Mein Glück war, daß die Polizei mich festnahm. Sonst hätte es mir schlimm ergehen können. Jetzt mache ich keinen Versuch mehr. An der Grenze sind sie sehr scharf. E-- ist frag- lich, ob wir da durchgekommen wären".
(Fortsetzung folgt.)