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VULVA

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Sonntag, den 22. 3utti 1930. W-W W

Vom „Schwarzen Adler" will ich heute etwas erzählen. Nicht etwa vom Schwarzen Adler-Orden, sondern vom „Schwarzen Adler", der augenblick­lich die Kölner Gassenbuben begeistert. Der Köl­ner Gassenbube gehört bekanntlich zu den liebevoll­sten Menschen der Welt. Er hat denn auch gleich den Vorzug zu schätzen gewußt, nun im „Schmar­ren Adler" organisiert zu sein. Wo der „Schwarze Adler" nämlich erscheint, da hat der „Rote Falke" abgewirtschaftet. Prächtig, die Jungen nun spie­len zu sehen auf den Plätzen bei der Jesuiten­niederlassung an der Stolzcnstraße. An ihrem Pater hängen sie schon, wie die Jungen von Tu­rin an ihrem Don Bosko. Das haben die klugen Väter der Jesuiten sehr gut gemacht, und wenn man so überlegt, daß sie zu gleicher Zeit in Tokio an einer deutschen Universität bauen, und nun in Köln sich der Gassenbuben aimehmen, das Wort mit Respekt zu brauchen, so sagt man sich mit Fä- löx-Miller: Es sind doch Teufelskerle!

‘ In diesen Zeiten, wo die große Maschine des Staates und der Wirtschaft nur keuchend und seuf­zend ihre Arbeit verrichtet, muß sich der Einzelne zu Helsen wissen. Liebe muß wirken von Hand zu Hand, von Haus zu Haus, dann geht es schon. Es geht vielleicht nicht so wie früher, aber man kommt doch irgendwo durch. Neben den trostlosen Brie­fen aus den Kreisen der Erwerbs­losen bekomme ich manche, die mich geradezu mit Bewunderung für unser Volk erfüllen. We viele von ihnen tragen ihr Schicksal gläubig und gottergeben! Sie nützen die Stille, um über das Ewige nachzudenken. Sm vertiefen sich in Fragen, ob der Mensch nicht vielleicht überhaupt mit weni­ger auskomme. Sie erinnern an St. Franziskus und das Kreuz des Herrn. Sie erzählen auch, wie manches Pfarrgehalt fast restlos an die Armen geht. Ja, das ist wahr, manche Pfarrhäuser von heute sind wie jene Montes pietatis des Mittel­alters, wo man den Bedürftigen diente. Auch das will ich hier dankend erwähnen, daß mir jemand 50 Mark als fein freiwilliges Notopfer geschickt hat. Es hilft nun einem armen Studenten durch das Semester. Sonst wäre ich eher dafür, daß man Geld lieber der eigenen Nachbarschaft zuführc Man gibt dann mit dem Gelds auch ein verstehei'- des Wort und ein Stücklcin seines liebenden Her­zens.

Mir ist da übrigens ein sehr praktischer Ge­danke gekommen. Man tut nicht so leicht etwas für die Menschheit oder das Volk im allgemeinen, während man schon eher gerührt wird von dem Elend, das hungernd am Wege steht. Es ist mir selbst so gegangen, neulich in Amsterdam. Dort traf ich einen eifrigen Dominikanerpater, der ein wirklicher Großstadtapostel ist. Er nimmt sich vor allem auch der Deutschen ast, die dort in gro­ßer Zahl leben. Wieviel hat er mir insbesondere von den deutschen Mädchen erzählt, die natürlich in einer solchen Seestadt gefährdeter sind, als an­derswo. Es kommt vor, daß ein Mädchen aus Deutschland einfach hinüberwandert und buchstäb­lich auf der Straße steht. Nicht das einfachste Zim- merchen in einem anständigen Heim ist zu haben. Da hat nun der tapfere Pater Räume bereitgestellt, in denen nur noch die Betten fehlen. Die müssen wir ihm nun aufstellen helfen, wir von der deut­schen Heimat aus, denn wir können der Wohltätig­

Rund um die Woche.

Der „Schwarze Adler". — Aus den Briefen von Erwerbslosen.—Prak­tische Nächstenliebe.—Die deutschen Mädchen in Amsterdam.—Allerlei

feit der Holländer, die ja auch mithilft, doch nicht alles überlassen. Diesem guten Pater habe ich es versprochen, daß ich ihm sammleln helfen will. Ach, läsen doch viele diese Plaudereien, die zu dem Publikum gehören, das in unfern großen Städten die Hotels und die Cafäs erster Klaffe füllt. Ein paar Hundert Mark leisten da schon viel, und wie manche deutsche Mutter wird dann ruhiger schla­fen, wenn sie des Kindes in der Fremde gedenkl

Merkwürdige Menschen gibt es. Manche dieser Mädchen finden sich in den schrecklichen Nebenver­dienst, schickten aber dann das Geld getreu in die Heimat. Sie sind nicht schlecht, sie handeln irgend­wie aus Verzweiflung. Wehe allerdings den Men­schen, die arme schutzlose Mädchen auf solche Weise um ihr Kostbarstes bringen. Dieses ganze Lebens­gebiet ist außerordentlich wichtig bei der Betrach­tung der sozialen Frage. Wie viele bürgerliche Häuser gibt es heute in der modernen Großstadt, in denen die Angestellten und die Mädchen dauernd Zeuge unerbaulicher Dinge sind. Das soll sich der Bürger aber sagen, daß es heute nur noch wenig einfache Menschen gibt, die nicht denken. Ja, sie denken sich ihr Teil bei allem. Und die kommu­nistische Agitation sorgt dafür, daß dieses Denken die rechte Richtung nimmt . . .

Wie ich das so schreibe, kommt ein Missio­när in mein Zimmer. Da ist auf einmal alles voll Prärie und Tropenluft. Ein wahrer Europa­ekel überfällt mich. Wir sprechen von der inter­nationalen Seite des Arbeitslosenproblems. Wie sollen wir Arbeit bekommen, wenn in Singapore kein Mensch mehr auch nur eine Nähnadel kauft, die aus Europa stammt! Andererseits, wie viel Raum hat noch die Erde, wie Diele Menschen kann sie ernähren! In Südamerika gibt es frucht­bare Gegenden, die überhaupt noch nicht bebaut sind, in denen nur in einem einzigen Küstenland über eine Milliarde Menschen bequem Leben und Nahrung finden könnten! Und hier sitzen wir aus­einandergepackt und essen einer dem andern "das Brot weg. Stellte sich der Unternehmergeist und das Kapital einmal wirklich in den Dienst der Menschheit und erfaßte es seine Aufgabe, dem Le­ben der Gesamtheit zu dienen, es wäre Unzähligen morgen geholfen. Statt dessen flüchtet man seine Milliarden ins Ausland und spart die Steuer und tröstet sich obendrein bei dem Gedanken, daß die Zinsen doch nach Deutschland fließen!

Nun bin ich schon wieder am Ende, möchte aber noch eine kleine Geschichte anführen, die sich wivk- lich ereignet hat. Da ist in der Quarta eines Ly­zeums das Aufsatzthema gestellt worden: „Der Charakter meines Vaters". Erstaun­licher als das Thema selbst ist die Tatsache, daß die Leitung der Schule nichE einmal erstaunt war über das Erstaunen des mit Recht Beschwerde füh­renden Vaters, der übrigens vor solcher Charak­teristik nichts hätte zu fürchten brauchen. Ein an­deres Kind, das im Aufsatz über intime Verhält­nisse zu Hause berichten sollte, half sich dadurch, daß es faustdick log — auch ein pädagogischer Er­folg. Es schrieb: Wir haben 20 Zimmer (sie hat­ten nur drei), wir haben 6 Dienstboten (sie hatten überhaupt keinen), wir fahren drei Tage in der Woche Auto (sie besaßen kaum eine Ziege) ufw. Heiter, nicht wahr? Das nennt man die Bezie­hungen zwischen Elternhaus und Schule pflegen!

Zeitung

Ach, was macht diese Zeit aus dem Kinde! Wie wenig versteht sie diese Kleinen! Und doch ist das Gesicht eines solchen Kindes, wie Max Picard so wundervoll sagt, wie ein „Abziehbildchen Gottes, ja, wie ein Abziehbildchen Gottes!"

Schluß nun. Schmeling ist Weltmeister, mein Gemüt ist beruhigt. Außerdem gleitet Zeppelin wieder über die deutschen Gaue dahin. Gewitter haben die Luft geklärt, und in reinster Atmofhüre wird morgen der Silberfisch in herrlicher Leichtig­keit dahinziehen. Er lenkt unsere Augen nach oben. Er weitet unser Herz. Er gibt uns Ver­trauen auf deutsche Kraft. Alle Straßen, alle Dä­cher voll Menschen. Und alle schauen zum Himmel, ja richtig zum Himmel. Ist das nicht herrlich?

Der Mann im Monde.

Die kosten des Vamak-Prozesses

Wie der preußische Justizminister auf eine kleine Anfrage im Landtag mitteilte, sind in der Straf­sache gegen B a r m a t und Gen. der Staatsan­waltschaft 1 in Berlin an baren Auslagen insgesamt 182633.06 Reichsmark ent­standen, von denen 119 203,35 Reichsmark auf Zeugen- und Sachoerständigengebühren entfallen.

In der Strafsache gegen Kutisker der Staatsanwaltschaft 1 in Berlin beträgt der Ge­samtbetrag der baren Auslagen 67 270.45 Reichsmark, wovon auf die Vergütungen an Zeugen und Sachverständigen 54 634.82 Reichs­mark entfallen.

* Zehn Jahre Zuchthaus im Erfurter Giftmord- prozeß, Im Giftmordprozeß gegen die 20jährtge

2. MaN.

Druck der Fuldaer Acliendruckerei, Fulda

Hausangestellte Martha Nelke! wurde nach 15stün- diger Verhandlung in der Nacht zum Donnerstag in E r f u r t das Urteil gefällt. Sie wurde wegen Giftbeibringung mit Todeserfolg zu zehn Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Mädchen hatte im Januar 1930 das emdret- viertel Jahre alten Söhnchen des Kaufmanns Schippe! mit Lysol vergiftet, um sich an der Kauf­mannsfrau wegen ihrer Entlassung zu rächen.

* Die Hauptgewinne von 100 000 und 50 000 Mark bei der Preußisch-Süddeutschen gezogen. Aus Berlin wird gemeldet: Am Donnerstag fiel in der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie die eine Ab­teilung des Hauptgewinns von 100 000 Mark aus das Los 232 540 einer Lotterieeinnahme in Char- lottenburg. Das Los wurde von vier kleinen Leu­ten gespielt. Die Spieler der zweiten Abteilung wohnen in Essen. — In der Vormittagsziehung zur 3. Klasse der 35. Preußisch-Süddeutschen Klaf>- fenlotterie wurden am Mittwoch die beiden Ge­winne in Höhe von 50 000 Mark gezogen. Das Glückslos trug die Nummer 111695. In der 1. Abteilung wurde es in Herford in der 2. in Berlin gespielt.

* Rückkehr der deutschen Flotte von der Aus­landsreise. Nachdem bereits am Mittwoch di« zweite Torpedoboothalbflottille und das Linien­schiff „Hessen" von ihrer Auslandsreise kommend wieder in den Kieler Hafen eingelaufen waren, trafen Donnerstagvormittag der Kreuzer.Königs­berg" mit dem Befehlshaber der Aufklärungsstreit. | kräfte an Bord und später auch das Flottenflagg. I schiff „Schleswig-Holstein" mit dem Flottenchef an Bord in Wilhelmshaven ein.

Dänische Grenzpolizei an der deutschen Grenze.

Eine Abteilung feldmarschmäßig ausgerüsteten Grenzmilitärs.

Kürzlich wurde die zehnjährige Wiedervereinigung Mrdschleswigs mit Dänemark durch eine große Feier bei Düppel festlich begangen. Da die dänischen Kommunisten mit den deutschen eine Verabredung getroffen hakten, die Feiern zu stören, waren die Grenzschutzabteilungen in einer Weise verstärkt und schwer bewaffnet worden, die der dänische Ministerpräsident Staunmg selbst als übertrieben bezeichnete.

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Brähler & Nüehter, Fulda

(Inh. Hch. Nüchter) — Im Friedhofsgäßchen.

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Die kleine Eva.

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18] Roman von C. Fraser-Simson.

Berechtigte Uebersetzung von H. Steinitzer.

Deutsches Recht beim Beklag Seorg Müller in München.

„Niemand hier", sagte Robinson.

„Er könnte sich doch unter den Möbeln versteckt haben," antwortete Brown. „Schauen Sie mal nach!" Robinson schien dazu nicht die geringste Lust zu haben.

„Hier ist er nicht", wiederholte er bestimmt. Brown war wohl der gleichen Meinung.

„Wahrscheinlich hat er sich längst aus dem Staub gemacht", sagte er.

. Die beiden wandten sich zum Gehen, und Peter stieß £,nen leisen Seufzer der Erleichterung aus. Aber er hEe sich zu früh gefreut.

„3a, was ist denn das?" rief Brown. „Wo korn- diese Streichhölzer her? Roch dazu frisch ange­brannt!"

Wie dumm war es von ihm gewesen, die Streich- Mzer herumliegen zu lassen!

„Die sind von mir", log Robinson.

. Offenbar war es ihm mehr darum zu tun, schnell ®teber ins Bett zu kommen, als sich mit der Unter- iuchung des Möbelhaufens abzuplagen.

„Ich habe mir die Pfeife angezündet, wie ich heut bend die Laden oorgelegt habe. Hier ist er nichts, Herr ■oroton.

E Hch hab doch die Leintücher selber darübergezogen, die sind noch grad so, wie ich sie hingerichtet hab.

nd warum sollte er denn auch wieder ins Haus herein, ”en" er schon draußen war?"

Das letztere Argument schien auch Brown zu über- »eugen.

„Also schön", sagte er. „Kommen Sie und helfen e mix im Faxten suchen."

,■ "e drehten das Licht ab, und Peter hörte, wie sie Tür schlossen.

k I, , ch eine volle Stunde rührte er sich nicht und über- tjj? e leine Lage. Recht viel Hoffnung hatte er nicht, ridjf ^1nnte er gegen die drei Männer im Haus aus-

Nach einiger Zeit hörte er wieder Stimmen auf der Diele und das Geräusch des Absperrens der Haustür. Dann Schritte, die sich entfernten, und endlich keinen Laut mehr.

Nun war seine Zeit gekommen. So ungünstig auch die Aussichten für eine glückliche Flucht fein mochten, bei Tag waren sie jedenfalls noch weit ungünstiger.

Er kroch aus feinem Versteck heraus und schlich sich an eins der Fenster. Augenscheinlich schien der Mond draußen, denn durch einen schmalen Spalt im Laden kam genug Licht, daß er die Zeiger auf feiner Taschen­uhr zu erkennen vermochte. Es war etwas nach halb drei Uhr.

Dann ging ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Er zog die Pfundnote hervor, auf der er das Telegramm an Eva niedergeschrieben hatte, legte sie auf den Bo­den, wo das Mondlicht hintraf, fügte noch ein paar Worte bei und steckte sie dann sorgsam wieder in die Tasche.

An der Tür horchte er eine Weile, zog sie darauf vorsichtig auf und stahl sich auf die Diele. Der Mond­schein fiel durchs Fenster und tauchte sie in ein unbe­stimmtes Licht. Kein Laut war zu hören. Peter unter­suchte die Haustür. Sie war mit schweren Schlössern versehen, deren Deffnen sicherlich nicht ohne Lärm zu bewerkstelligen gewesen wäre. Er hätte versuchen kön­nen, eines der Fenster in dem Raum, den er eben ver­lassen hatte, aufzubrechen, aber von Fenstern halle er in dieser Nacht genug.

So beschloß er, sein Glück anderweitig zu versuchen. Zu seiner Rechten zog sich ein Gang hin, dem er ein paar Schritte folgte. Dann hörte er plötzlich Schritte, die sich von der andern Seite näherten. Jemand mußte gleich mit einem Licht um die Ecke kommen. Nichts war da, sich zu verbergen: schleunige Flucht schien die ein­zige Möglichkeit. Schon auf dem Sprunge, erinnerte sich Peter, daß er eben an einer großen Kommode vorübergekommen war.

Er machte zwei Schritte rückwärts und kauerte sich hinter ihr zusammen.

Er wußte wohl, daß seine Entdeckung jetzt nur noch an einem Faden hing. Wenn der, welcher das Licht trug, auch nur einen Blick nach seiner Seite warf, dann war es um ihn geschehen.

Als das Licht näher kam und heller wurde, drückte er sich mit aller Kraft gegen die Kommode, daß das alte Holz krachte. Voll Schrecken hielt er den Atem an. Er

hörte eine Tür öffnen und schließen, dann war der Lichtschein erloschen, und völlige Dunkelheit umgab ihn wieder. Ein unwahrscheinlicher Glückszufall! Offenbar hatte der Unbekannte ein Zimmer betreten, das vor dem Platz lag, wo die Kommode stand.

Für den Augenblick war er gerettet, aber Eile tat nun not, denn wer sagte ihm, daß jener nicht zurück- kehren würde? Ein zweitesmal würde das Abenteuer wohl nicht wieder so gut für ihn ablaufen. Also schlie­fen die Leute doch noch nicht alle, wie er gehofft hatte! Gut, das zu wissen. Nun hieß es doppelt vorsichtig sein. Er erhob sich aus seiner verkrampften Lage und schlich geräuschlos an der Tür vorüber, deren Schwelle eine Helle, gelbe Lichtlinie anzeigte.

Der Gang brach bald in rechtem Winkel nach links ab. Peter tastete sich der Wand entlang, schlug eins Polstertür zurück, die sich lautlos in den Angeln drehte, und befand sich nun, wie er annahm, in der Gegend der Wirtfchaftsräume. Das erfüllte ihn mit neuer Hoffnung, denn dann mußte es auch eine Hintertür geben. Bald hatte er sie gefunden. Mit schweren Eisenriegeln oben und unten, aber der Schlüssel steckte. Alles verrostet. Sicher würde das Deffnen Lärm machen, doch nun mußte man eben darauf vertrauen, daß sie nicht errie­ten, woher er kam. Nur kein Zaudern mehr, sonst war alles verloren.

Die Riegel kreischten, als Peter sie zurückschob. Wie er erwartet hatte, aber das war nun nicht zu ändern. Ohne sich eine Sekunde aufzuhalten, drehte er den Schlüssel im Schloß und machte die Tür auf. Während er das noch tat, hörte er jemand auf dem Gang näher kommen. Er riß den Schlüssel heraus, warf die Tür zu und versperrte sie von außen. Das gab ihm doch einen kleinen Vorsprung. Hinter sich hörte er einen Schrei und das Geräusch eines Kampfes. Die Robinsons mußten in der Küche gesessen haben.

Frau Angela suchte vermutlich ihren Mann zurück- zuhalten.

„Geh nicht, Harold", schrie sie. Er wird dich um­bringen, und dann bin ich eine Witwe."

Robinson fluchte wie ein Matrose. Es mußte ihm aber dann wohl gelungen sein, sich loszureißen, denn er warf sich gegen die Tür, dak fie in allen Fügen I krachte.

Peter sah sich um. Er befand sich in einem kleinen, auf allen Seiten mit Mauern umgebenen Hinterhof. Links und hinter sich hatte er das Haus, gegenüber einige Holz- und Kohlenschuppen, rechts die nackte Mauer mit einer Tür drin. Er stürzte hin und ver­suchte sie aufzumachen. Sie war versperrt!

12. Kapitel.

Peter warf einen Blick auf das Haus zurück. Nur ein Fenster ging auf den Hof, und das war schmal und vergittert. Von da aus hatte er nichts zu fürchten.

Robinson vollführte mitllerweile einen Heidenspek­takel hinter der Tür und machte alle Anstrengungen, sie aufzubrechen. Wahrscheinlich, dachte Peter, haben sie ihm einen Haufen Geld versprochen, wenn er mich wie­derkriegt. Verzweifelt suchte er mit den Augen umher. Keine Möglichkeit, zu entkommen. Da war er, wie die Maus in der Falle.

Von der Tür her kam ein verdächtiges Krachen, als wäre das alte Holzwerk am Nachgeben. Das spornte Peter an. Mit einem Satz war er auf einem Kehricht­faß und kletterte von da auf das Dach eines der Schup­pen. Es zog sich steil zur Maueröffnung hinauf und bot den Füßen fo gut wie keine Haltpunkte. Aber ein zersprungener Ziegel und ein verrosteter Nagel in der Mauer halfen Peter weiter. Er kroch auf allen Vieren, und endlich war er oben. Dann sah er auf die andere Seite hinab. Die Höhe mochte etwa drei Meter be­tragen.

Hinter ihm ertönte ein Splittern und Krachen. In: nächsten Augenblick hing er mit den Händen an der Mauer und ließ sich in ein Gebüsch fallen. Sofort raffte er sich wieder auf und lief, fo schnell er konnte, im Zick­zack weiter, um die Verfolgung zu erschweren. Augen­scheinlich befand er sich auf einem Fußweg im Park. Auf der Seite war Gras, das den Schall feiner Schritte ab­dämpfte. Aus dem Haus hinter ihm drang Lärm und das Gewirr vieler Stimmen.

Dann fühlte er harten Boden unter den Füßen und stand gleich darauf vor dem Parktor. Ein Schlag da­gegen lehrte ihn, daß es aus dicken Bohlen bestand. Sein Herz sank, als er die hohe Parkmauer betrachtete. Glücklicherweise gewahrte er eine kleine, unverschlossen« Seitenpforte. In einem Augenblick hatte er sie aufge rissen und war draußen. (Forts, folgt.)