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Zweiter Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied: Ps. 17,1920.

Der Herr ward mein Beschützer, er entführte mich ins Weite und half mir; denn er war mir geneigt- (Pf- ebd. 23.) Ich liebe dich, Herr, meine Kraft. Der Herr ist mein Fels, mein §ort, mein Heil-

Evangelium: Luk. 14,1624.

In jener Zeit trug Jesus den Pharisäern die­ses Gleichnis vor: Ein Mann bereitete ein gro- ßes Gastmahl und lud viele ein. Zur Stunde des Mahles sandte er feinen Knecht aus, den Ge­ladenen zu sagen, sie möchten kommen, es sei alles bereit. Da fingen alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe ein Landgut qekauft und muß hingehen und es besichtigen; ich bitte, entschuldige mich. Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsen gekauft und will sie eben er>- pwben; ich bitte, entschuldige mich. Ein dritter sprach: Ich habe ein Weib genommen und kann darum nicht kommen. Der Knecht kam zurück und berichtete es seinem Herrn. Da ward der Haus­vater zornig und sprach zu seinem Knechte: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Bettler und Krüppel, die Blinden und Lahmen herein. Der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, wie du befohlen hast, aber es ist noch Platz übrig» Da sprach der Herr zum Knechte: Geh hinaus aus die Wege und Zäune und dränge alle, hereinzukommen, damit mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, keiner von den Männern, die geladen waren, wird von mei­nem Mahle kosten.

Achtung uns Zimst aus dem kallMMag

Unsere Dichter und Schriststeller werden freu­dig die Kunde begrüßen, daß der für Anfang September anberaumte große deutsche Katholiken­tag mehr als die früheren künstlerischen Darbie­tungen Raum geben wird. Wie wir hören, soll sich bereits auf dem dem eigentlichen Katholiken­tag vorausgehenden Vertretertag wieder eine Ge­meinschaft zusammenfinden, die sich vor allem mit den künstlerisch gestaltenden Kräften der Kultur beschäftigt. Man gibt sich auch Mühe, die künst­lerische Darbietung völlig ebenbürtig neben den rednerischen und sonstigen Veranstaltungen ins Programm einzureihen. Man darf froh darüber sein, daß hier ganz grundsätzlich eine neue Wen­dung von größter Bedeutung sichtbar wird. Fragt

man zum Beispiel heute nach dem Einsatz, den der deutsche Katholizismus etwa auf dem inter­nationalen Theaterkongreß in Hamburg oder auf dem 3. deutschen Tänzcrkongreß in München macht, so muß man leider feststellen, daß dieser Einsatz viel zu gering ist. In einer Zeit, die im Bildungs­wesen so ungeheure Kräfte zusammenballt, bewe­gen wir uns auch kulturell noch viel zu sehr im rein Politischen und im Abstrakt-Wissenschaftlichen. Es fehlt noch stark in unseren Kreisen all das, was man künstlerische Atmosphäre nen­nen möchte.

Die großen Tatsachen der Dichtung treten weit» hin zurück vor Tatsachen viel minderen Grades, gar nicht zu reden von Schmeling und allerlei Sportrekorden. Zwar konnte man schon in den Bestrebungen des von Marschall geleiteten Zen- tralbildungsausschufses. in der Bildungsarbeit der Vereine, in den Aeußerungen der katholischen Schulorganisatiork, imGral", wie auch in ande­ren Zeitschriften fühlen, daß da etwas Neues im Werden fei. Endlich find wir nun so weit, daß dieses Neus bewußt in (('r ünung tritt. In die­sem Neuen wacht tatsäcklich dos Beste des Sitten wieder auf, ein Ko Zismus, der seiner leib- seelischen Natur gern- in seinen großen Zeiten niemals nur abstraki mar, nur Wissenschaft und nur Organisation, sondern zu allererst Organis­mus, Liturgie, Symbolkraft, in der kulturellen Auswirkung Kunst. Tagungen, die heute dutzend­weise jeden Tag stattfinden, sogar Tagungen von europäischem Ausmaß, haben nicht mehr die Be­deutung wie früher. Sie smd in den Strom der Geschwätzigkeit des debattie­renden Zeitalters geraten und erneuern nichts mehr vom Sein und vom Leben aus. Näch- stens wird der Professor sein Dienstmädchen schik- ken und es das Manuskript seiner Rede verlesen lassen. Man fühlt das bereits und stattet die Tagung mit allerlei gesellschaftlichem Drum und Dran aus, was naturgemäß nach und nach auch den Rest von Ernst noch zersetzt. Wo man aber wirklich weiter will, da entsteht einganzneuer Tagungsstil, den man vor allem in den jugend bewegten Kreisen erle­ben konnte. Der Katholizismus hätte es in solch einer Lage durchaus in sich etwas ganz Neues, was sich aber aus dem Leben erneuert hätte, hinzustellen. Sei der Anfang, den mir in Münster erwarten, auch noch so bescheiden, er ist jedenfalls bedeutsam

Friedrich M u ck e r m a n n, S. I.

AugustinSchutzgeist dieser Zeit

klaren Strichen entwirft, wollte hier, so könnte man feine innerste Absicht deuten, das Vorbild eines Menschen hinstcllen, der wirklich lebte, was er lehrte, tat, was er redete und von ideenlos ge­schäftiger Nichtstuerei wie von tag- und tatfern phantastischer Gedanken spinnweberei gleich weit entfernt war.

Natürlich erschöpft diese Kennzeichnung nickst den Sinn des päpstlichen Schreibens. Zuerst und zunächst war es dem Hl. Vater um den Heili­gen und Kirchenlehrer zu tun, der in einer Zeit schärf st er Häresien und tr ost loser Kulturverzweiflung von der göttlichen Vorsehung ause'rsehen ward, den kämpfenden Christen, den verguölten Suchern, den blasierten Skeptikern, den eigensinnigen und -süchtigen Sektierern Licht und Leben Weg und Warnung zu sein.Ad salutem generis humani", so beginnt das Schreiben, mit diesen Worten das Leitmotiv der Gesarntwürdi- gung angebend. Zum Heile des Menschenge­schlechts, nicht nur seiner Zeit und Zeitgenossen, hat Gott diesen Menschen unter uns gestellt und das Gnadenwunder der Bekehrung an ihm voll­zogen. Es würde nun zu weit fuhren, dem Ee- dankengang der Enzyklika im einzelnen zu folgen; es genüge der Hinweis, daß über das äußerlich Biographische hinaus auch das philosophische Lehr­gebäude des Heiligen, seine theologischen Klärun­gen, insbesondere feinGottesstaat" und seine Gnadenlehre hier in der epigrammatischen Knapp­heit und Treffsicherheit, wie allein die imperiale Sprache Roms sie ermöglicht, nachgezeichnet wer­den.

Was uns Heutige immer wieder an Augusti­nus fesselt, das ist und damit komme ich auf das eingangs Gesagte zurück die ganz p e r-

Das kreuz am Wegesrande.

Wo die Straße das Darf verläßt, biegt eine andere links ab eine kleine Anhöhe hinauf. Auf der Ecke, etwas zurück auf der grünen Rasenfläche, steht das Bild des hl. Ieseph mit dem Jesusknaben. Ihr Blick geht hin auf das Dorf. Es muß erst jüngst errichtet fein, denn es sieht noch ganz neu aus im Vergleich zu dem alten Bildstock auf der anderen Seite. Schon ost habe ich mir beide betrachtet.

Etwa fünf Minuten weiter kommt man die Anhöhe hinauf die Leute nennen sie den Kreuzberg. Eine schöne Lindenallee fichrt von der anderen Seite herbei. Zwei Straßen also kreuzen sich hier.

Auf der einen Seite bilden sie einen großen freien Platz. Fünf mächtige Lindenbäume überschatten ein Kreuz auf dessen Mitte. Die Sonne scheint so schön, Vögel fingen in den Zweigen der Linden, Bienen sum­men von Blüte zu Blüte. Ein schwacher Wind bewegt die Blätter leises Rauschen, stilles Schweigen. Ich möchte links in den Wald, aber heute kann ich nicht vorbei und suche mir ein Plätzchen unter einer Linde tu der Nähe des Kreuzes, horche auf das Singen der Vö­gel, sehe mich um nach den geschäftigen Bienen, erschrecke manchmal über ein Tierchen, das den kürzeren Weg ge-

_3n der bekannten WochenschriftDas Neue Reich", Tyrolia, Wien, schreibt Dr. Helmuth Bürgert folgende hochinteressanten Darle­gungen über die Gestalt des hl. Augustin:

Die neueste Enzyklika des Hl. Vaters ist von derselben Bedeutung wie jene über den Aquinaten, die 1924, im Jahre des Thomas-Jubiläums, er­schien. Der Bischof von Hippo, der vor 1500 Jahren gestorben ist und dem das päpstliche Rund­schreiben gilt, steht nicht nur in der katholischen, sondern in der abendländischen EckistesMschichte überhaupt gleich mächtig und gleich fernwirkend neben Thomas; ja, wir können sagen, daß den Menschen unseres Zeitalters der besondere Denker« lypus, den Augustinus gleichsam beispielhaft ver­körpert, um vieles näher vertrautcr. verständlicher ch als der so klassisch kühl objektive Fürst der Scholastik, der wenigstens nach dem Aöußeren der Werke zu urteilen keinProblematiker", rem Sucher, sondern ein Fertiger, Vollendeter, Jn- hchruhender zu sein scheint. In Wirklichkeit hat auch dieser Systematiker, wie Nietzsche es ausdrückt, denMangel an Rechtschaffenheit" tief empfunden, °er in dem lehrduchhaften Charakter seiner Schrif­ten liegt. Thomas wie Hegel hat seine Ma- Wripte rastlos verbessert, hat bewußt Probleme ungelöst stehen lassen, wie Przywara einmal ein« ®rmg(ich gezeigt hat; nur die Lehrpraxis hat Tho- tuus zu der besonderen äußerlichen Fixierung der ^edankenmassen gezwungen, die feinen Geist chao-

-er/. als mancher Kommentator glauben mag. Hwrängten. sge; Augustinus dagegen spüren wir Euhiges Wogen selbst, wir erleben den Prozeß es Denkens, der ungeheure Druck, unter dem "iele redlichste und weiträumigste Seele ihre Ideen "T^r, wird uns fühlbar, ängstigend und defeli-

zugleich. Der Hl. Vater, der die über alle ffinen und Zonen gültige Gestalt Augustinus mit

> Der Segen! Hl. StilleHerr, segne uns und alle, I die wir lieben . . .! O lasset uns anbeten .. ." Dann schreitet der Zug weiter durch die Straßen Fulda's.

| Möge der Segen in Erfüllung gehen!

U Fronleichnam.

Don Paula G l o tz b a ch.

sck ®l.auefter Himmel leichtes Lüftchen Sonnen» j*®' Geschmückte Straßen wehende Fahnen viel gjj n^igrün an allen Fenstern Blumen! Vieltausenb Rnrk en Don uah und fern! Bewegung Lichter h, »EU Glanz Musik Erwartung Freude (gn udacht fromme Herzen Prozession! Bekränzte jr "Pfäeit mit strahlenden Kinderaugen in weißen > ern streuen Rosen! Kleine Knaben mit blauen

tragen flatternde Fähnchen! Erstkommu- bten m** Myrten geschmückt halten Lilien und neb"rrn6e Kerzen! Jungmädchen mit Muttergottes- bttenh «n-^- singen Lieder! Kraftvolle Jünglinge la»>> - Dünner alles folgt geht voran dem Hei-

Brotsgestalt.

am «a ~~ ein Altar aufgebaut kunstvoll erhoben fantof e'uer Kirche. Blumen duften es glitzert und Hunderte frommer Schwesterseelen stehen in Reiben ^sunken Schleier an Schleier und lange hem ^ungehärteter Franziskaner, in braunen Gewän- SemitT uuch ein Männergesangchor und ein ganzes ®*iftti*f .^erdender Jungpriester die hochwürdige bern , in prachtvollen, seidengestickten Meßgewän- Bfete h es Lruppiert sich um das Allcrheiligste I8yen . "er Bischof trägt. Strahlen gehen aus es Nittum6 blocken der Dirigent erhebt den Taktstock: m ergo Sakrarnentum" . , . Alles kniet nieder.

n l i ch e Haltung des Mannes, feinexisten­zielles Pathos", wie man sich modern ausdrückt; das ist das eigentlich Verführerische an ihm und von Pascal, Malebranche, Bosiuet über Newman zu Dilthey, Tröltsch, Scheier (um hier nur einige besondere bekannte und ranghohe Namen der kstz- ten drei Jahrhunderte zu nennen) sind Denker aller, gerade auch der Grenz- und Außenbezirke des Katholischen diesem seinem eigensten Zauber immer wieder erlegen. Daß Augustinus nebenbei noch ein Schriftsteller war, Schriftsteller in dem prägnanten Sinne, der die schöpferische Beziehung des Schreibenden zum Worte meint, das ist eben nicht nurnebenbei", sondern selber Kennmal der innigsten Einheit von Person und Werk. Theodor Haecker hat in feinem AufsatzDer katholische Schriftsteller und die Sprache" diese sonst nie an­gemessen gewürdigte Sprachverständigkeit Augu­stin, die eben als solche zugleich Sachverständigkeit bedeutet, ja bedingt, ins helle Licht gestellt.

Augustinus, und das stempelt fein ungemein groß und tapfer getragenes Leben, gehört z u ben menigen Unabhängigen der Gei­st e s g e s ch i ch t e. DieSBefenntniffe* sind das klastische Buch seiner fürchterlichen Wanderung und endlichen Wandlung; wenn Nietzsche es pöbelhaft geschwätzig, schümlos offenbarend fand, so können wir nur sagen, daß antjktisch gebildeter Geschmack hier nicht Richter fein kann, denn er versteht nicht die überströmende Fülle des Herzens und feine lie­bende Unruhe zu Gott. An diese unendliche Ge­sprächigkeit der gottaufgeschlostenen Seele, welche nicht Geschwätz, sondern Gebet ist, denken wir zu­erst, wenn wiraugustinksch" sagen. Augustinisch meint eben zu allererst Innerlichkeit, Selbsteinkehr und dann Liebe. Liebe ist das Stichwort schlecht- hin der Augustinismen aller Art und Abart ge­worden. Der Vorrang der Liebe vor dem Erken­nen, um es freilich vage genug zu formulieren, das gilt gemeinhin als eigentlich auguftinifch. Jene philosophischen Lehren, die dem Verstand die zweite Rolle zuweisen, berufen sich denn auch oft genug auf Augustinus, und so ist es gekommen, daß gerade solche Häretiker, die sich einem etwa über­spitzten Intellektualismus im katholischen Bereich widerfetzten und dabei in das andere Extrem ge­rieten, nun Augustinus als ihren Gewährsmann verkündeten. Die Autorität des Kirchenvaters wird dadurch in nichts erschüttert. Ihn ehrt es viel­mehr aufs höchste, daß er, der freieste und oerroegenfte Geist feiner Zeit, sich im Mittag des Lebens einer noch höheren Autorität als der feiner felbfteigenen Vernunfteinsichten un­terwarf; daß er deren Grenzen erkannte, macht ihn.fo groß, daß er, der sinnlich-realistische Mcmi- chäex von ehemals, der stolze Akademiker mit den weltsatten Lippen, der geistgläubiae Neuplatoniker seinen gelehrt zerschwatzten Idealismus und dem esoterischen Dünkel schließlich diese gleißenden Chöre alle dahingab um die eine Perle, für die seine erdenglanzgeblendeten Augen plötzlich sehend wurden: das ist das ewige Wunder dieser Existenz.

Und noch heute bedeutet sie unwiderstehliche Verführung zu Gott. Die Parallelen sind mit Händen zu greifen. In den Naturalismen aller Sorten, die den Menschen für so grundgut halten, daß sie das Auswuchernlassen der Triebe gerade­wegs empfehlen, in den Relativismen aller Ränge, die in Schulen der Weisheit feile Feinschmecker fernster und fremdester Gedankengüter züchten, in den Akademien Europas, woDozenten" Geist über Geist idealisch verkünden, während sie selbst privatim in ganz anderen Kategorien existieren und ein Weltkrieg die Herren überraschte, der die schon herrschende Anarchie der Systeme durch ein neues, wiewohl mit Blut geschriebenes, vermehrte: ich sage, hier überall kann der Suchende noch einmal wandern wie weiland Augustinus, zweifeln und verzweifeln wie er und so er nur ernst und echt das Wahre will auf die Gnade hoffen, die bei jedem anklopft. __

In den Tagen, da Katholiken aller Länder und Reiche dem eucharistischen Christus in der Heimat des Heiligen gehuldigt haben, hat der Vater der Christenheit unsere Sinne und Gedanken auf den großenKonvertiten der alten Kirche geleitet. Er ver- stehr uns wie keiner, seiner Fürbitte dürfen wir ge­wiß sein. Der Sohn so vieler Tränen wird keinen Ringenden ungestützt lassen und ihn früher oder später der zärtlichsten aller Mütter zuführen, die, wie einst Monika, so heute auf den Heimkehrenden wartet und dieser Heimkehrer ist vielleicht nicht bloß der und jener, nicht bloß eine irrende Gene­ration, nicht bloß Europa oder der ferne Ostein, sondern mehr: denn alle Bknschen sind gerufen und

rabe über mich hinweg nimmt; sinne, denke über dies und das.

Dann wieder fällt mein Blick auf das Kreuz. Ich lese:O, Ihr alle, die Ihr vorübergehet, merket auf.." Ja, es ist eine schöne Sitte, daß man aus den Dörfern Verständnis hatte und hat für Errichtung solcher Kreuze und Bildstöcke am Eingang der Dörfer, an Straßen­kreuzungen und sonstigen Plätzen. Sie sind eine stän­dige Mahnung an die Vorübergehenden. Und ost sol­len sie noch einen anderen Zeweck haben, unter Gottes Schutz will der Landwirt seine Felder stellen und all seine Arbeit, die er auf ihnen verrichtet. Deshalb fin­den wir die Kreuze oft an der Ecke eines Grundstückes bei der Straße, der Eigentümer hat es errichten lassen. So ist es hier nicht, es gehört vielmehr der Gemeinde.

Da höre ich jemand sprechen. Eine kleine Gruppe geht vorüber, sie wollen auf dem Felde arbeiten. Die Männer ziehen ehrfurchtsvoll den Hut, die anderen aber sprechen im Stillen: Gelobt fei Jesus Christus. Dann plaudern und gehen sie fröhlich weiter. O, Gott, mache ihre Arbeit leicht, gib chr Gedeihen!

Nun bin ich wieder allein, etwas einsam, wehmütig wird es mir zu Mute; die Sonne ist einen Schritt wei­ter gegangen, durch eine kleine Lichtung in den Zweigen brechen einige Strahlen hindurch und sammeln sich auf dem Bilde des Gekreuzigten. Ausgespannt sind seine Arme, angenagelt Hände und Füße, geöffnet die Seite, schmerz gekrümmt seine Glieder.

Mein Heiland, das hast du für mich gelitten, den Tod zu meiner Erlösung. So liebst du deine Geschöpfe! So vergiltst du unsere Selbstsucht mtt einer sekblosen

dis Mutter wartet in jener Liebe, die langmütig ist und nicht eifert, geduldig und von unerschüttsr- licher Hoffnung, auf das Kommen der Kinder.

Bodenreform und Familie.

Die Bodenreform will Aufbauarbeit leisten, will Freude in das Leben unseres Volkes tragen, will feinen Lebenswillen entzünden. Man hat ihr im Rahmen der gesamten sozial-reformatorischen und wirtschaftlichen Arbeit des 20. Jahrhunderts eine verschiedene Stellung angewiesen. Sie selber ist glücklich in dem Bewußtsein, daß sie Mitarbeiten darf beim Wiederaufstieg des Vol­kes und beim Wiederaufbau seiner Wirtschaft und Kull tur. Von einschneidender Bedeutung ist neuerdings dit Heimstättenfürsorge. Der äußere Lebensstil bleibt nicht ohne Rückwirkung auf die Lebenshaltung. Wird diese aber an ethisch-religiösen Maßstäben gewonnen, dann muß auch die Lebensform, die Lebensmöglichkeit ynd der Lebensraum so sein, daß eben ein menschenwürdiges Leben geführt werden kann. Das Gehenlassen des Bo­denmarktes, das llnbetümmertfein um die Wohnungs­und Siedlungsform eines Volkes hat mit zu den al­lerschwersten seelischen Schädigungen an unserem Volke geführt.

Der Leidtragende dabei war aber nicht die Wirt­schaft, sondern vielmehr unmittelbar die Familie. Diese ist aber nicht nur die Kraftzelle für den biolo­gischen Aufbau einer Nation, sondern sie ist überhaupt der Ausgangspunkt für die Erneuerung der Geschlechter­folge. Die geistig, seelisch und wirtschaftlich gesunde Familie ist aber nicht bloß ein solcher Lebensquell, sie ist die erste Schule, die das Kind mitmacht, sie ist die beste Wohlfahrtseinrichtung, die es für die Familien­mitglieder gibt, sie ist der dauerhafteste Träger des Kul­turideals und Kulturwillens, sie ist der beste Bildner für die Volksverbundenheit in der Staatsgemeinschaft, sie ist gottverordnete Lehrerin, Erzieherin und Führerin der Kinder zu den hohen zeitlosen Idealen der Religion und der Sittlichkeit.

Diese grundlegende Bedeutung der geistig, seelisch und wirtschaftlich gesunden Familie hat besonders in letzter Zeit überall zu Versuchen einer durchgreifenden Familienhilfe geführt. So finden wir in Län­dern wie Frankreich und Belgien neuartige Versuche, das Problem des Sozialtohnes zu lösen. Es handelt sich um das System der Familienvergütung (Atto- cation familiale) durch Ausgleichskassen (caisses de com- pensation). Aber auch dieses System erkennt eine sei­ner Hauptaufgaben in der Anlage von Siedlungen und im Wohnungsbau. Nach den bisherigen Erfolgen er­scheint es, als ob in der Familienvergütung durch Aus- gleichkafsen ein System gefunden sei, das geeignet ist, der Familie ein H e i m a t r e ch t in der bedrohen­den Welt des modernen Industrialismus zu geben.

In diese für die Gegenwart so äußerst bedeutungs­vollen Fragen gibt uns das Juni-Heft der Zeitschrift Karitas" einen aufschlußreichen Einblick. Dieselbe Nummer enthält neben interessanten biographischen und geschichtlichen Umschau-Artikeln und wertvollen Bücherbesprechungen bedeutender Neuerscheinungen ein treffendes Lebensbild desVaters der bösen Buben" in dem interessanten Beitrag von Don Luigi Rolando, Tu­rin:Der selige Don Johannes Bosco". (Karitas", Zeitschrift für Karitas-Wissenschaft und Karitas-Arbeit, 35. Jahrgang, Heft 6, Juni 1930, Karitasverlag, Frei­burg i. Br.; jährlich 10 Rm.).

(Karitas-Korrespondenz.)

Kleine Mitteilungen.

Die katholische Aktion in Frankreich.

In den letzten Wochen sanden in den verschiede­nen Städten Frankreichs große katholische Kundge­bungen statt unter riesiger Teilnahme. Mit macht­voller Entschlossenheit wurden die Forderungen der.Katholiken Frankreichs nach Unterrichtsfreiheit erhoben, wurde gegen die Einheitsschule, gege, das Schulmonopol protestiert, durch das die Fa­milien- und Elternrechte beseitigt und dem Staat eine ihm nicht zustehende Kontrolle über die Kin­dererziehung eingeräumt wird. Die Regierungs­kreise in Frankreich hatten solche katholische Kund­gebungen nicht in dem Ausmaße erwartet. Man glaubte, daß die Katholiken nur ihre Proteste em- reichen, daß sie aber nicht zu dieser energischen Tat schreiten würden. Nun werden sich die Verhält­nisse in Frankreich zwangsläufig ändern müssen. Man erkennt, daß die katholische Aktion unauf­haltsam vorwärtsschreitet und bereits größte Er­folge erzielt hat. Deshalb stellt man sich jetzt schon um. Man versucht, den katholischen Wünschen Ge­hör zu verschaffen^ die großen französischen Blät­ter ändern ihren Ton. Für die Katholiken Frank­reichs wird der Weg frei zur Erneuerung und zur Belebung katholischen Lebens und zur Durchdring­ung der Ossfenllichkeit mit religiösem Geist.

Siebe, verdienst du uns Gnade, daß wir nicht in der Sünde zugrunde gehen, erwiderst du unseren Undank mit einer Siebe, die kein Maß kennt. Don uns aber willst du nichts, als daß wir dir folgen, nichts, was du uns nicht vorgelebt, kein Kreuz, das du nicht selbst ge­tragen, kein Leid, das du nicht selbst verkostet, keinen Schmerz, den du nicht selbst ausgestanden, 'keine Siebe mit der du uns nicht selbst geliebt hast, denndu bist der Weg, die -Wahrheit und das Leben". Ja, es ist so, Berge und Täler, Wald und Feld, Ströme und Meere, Himtsiel und Erde, Sonne, Mond und Sterne sind Zeu­gen für die Größe ihres Schöpfers, für feine große Siebe aber ist e» da, Holz des Kreuzes:

Im großen Reiche der Natur

Siehst du des großen Gottes Spur, Doch willst du ihn am größten seh'n, Dann bleib bei einem Kreuze steh'n."

In Gedanken schrecke ich plötzlich auf, ich höre etwas wie den Schritt eines Menschen. Schon ist ganze nahe bei mir ein vorübergehender Landstreicher. Er ist müde vom Gehen, gesellt sich recht dreist zu mir und es em» wickelt sich ein kleines Plauderstündchen. Ich frage allerlei, er weiß noch mehr zu antworten, von Städten und Ländern, Polittk und schweren Zeiten, Lebensnot und Lebensschicksal. Er hat den Mut noch nicht ver» loren, freut sich über den Groschen und meint, es gebe doch noch gute Leute auf der Welt, drückt mir jufrieben die Hand und geht feines Weges.

Zwei Autos saufen vorüber und wirbeln Staub zu mir 'her. Es wird mir unbequem, auch ich rüste zum Weitergehen. . . .rdt.