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fit. 141.

Kams tag. den 21. Juni 1930.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt

Druck der Fuldaer Acklendruckerei. Fulda

Die Kirche zum Befreiungs-Tag.

Kundgebung des bischöflichen Gcneralvikarials

Trier zur Befreiung der dritten Zone

Aus Anlaß der bevorstehenden Räumung der 3. Zone des besetzten Gebietes veröffentlicht das Bischöfliche Generalvikariat in Trier im Kirchlichen Amtsanzeiger eine Kundgebung, in der es heißt:

Mit Ende des Monats Juni werden die Be- iatzungstruppen nach den getroffenen Abmachun­gen die dritte Zone des besetzten Gebietes verlas­sen haben. Damit ist das linke Rheinufer frei von der jahrelangen Besetzung durch fremde Trup­pen. Untere ’s ife Trier war fast ganz besetzt und hat sich seit Jahren nach der vollen Freiheit gesehnt. Leider wird ein großer Teil des Bis­tums, der preußische Teil des vom Völkerbund verwalteten Saargebietes, den 30. Juni nicht mit derselben Freude begehen können, weil die Ver­handlungen über die Rückgliederung an das deutsche Vaterland bisher noch zu keinem Ergeb­nis geführt haben.

Das Generalvikariat sagt dann, daß Gott Dank und Preis dafür gebühre, daß er uns nun­mehr die Freiheit unseres Landes wieder schenke. Es wird dann verordnet, daß am Feste Peter und Paul na ch dem Hochamt ein feierliches T e- d e u m gesungen werde, um diesem Dank auch öf­fentlich Ausdruck zu geben.

Bur eine einzige würdige Feier.

Die Entschließung des Reichehaushaltsausschutz zum Haushalt des Reichsministeriums für die be­setzten Gebiete hat folgenden Wortlaut:

„Mit dem Dank, den das deutsche Volk den Rheinländern für die in elf schweren Jahren be­währte Treue und die pnermeßlichen Opfer schul­det, ist der Schmerz darüber verbunden, daß die neutralisierte Zone nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages durch die einseitige Entmili­tarisierung weiterhin minderen Rechtes bleibt und daß das Saargebiet noch nicht seinem Mutterlande zurückgegeben ist.

Diesen Tatsachen entsprechend hegt der Reichs­tag den Wunsch, daß die Besreiungsfeierttchkeiten am Rhein in e r n st e r, würdiger Weise sich der schweren Lage unseres deutschen Vaterlandes an- pafsen mögen.

Die Reichsregierung wird ersucht, darauf hin­zuwirken, daß, statt zahlreicher Vereins- und Or­ganisationsfeiern, nur eine einzige wür- dige^Feier in den befreiten Gemeinden statt­findet."

Auslandsdeutschkum in Aok.

Bon besonderer Seite wird uns geschrieben:

Infolge der Ueberschätzung des Staates in der Vorkriegszeit trat der Gedanke, die Verbundenheit aller Deutschen durch gleiches Volkstum, zu be­tonen, aimicr Jedes Volk besitzt eine ihm eigen» Nmliche Kultur, und es ist seine Pflicht, die Einzig.

artigkeit feiner Kulturleistung zu pflegen, sein Kul­turgut zu wahren und zu mehren.

In welcher Beziehung stehen nun Volk und Staat? Das Volk in feiner Gesamtheit ist der Kul­turträger, es bedarf des Rückhaltes eines starken und angesehenen Staates, denn nur er kann Kul­turgut des Volkes schützen. Unser sehnlichster Wunsch wäre Zusammenschluß aller Deutschen in einem großen Deutschland. Leider sind wir von diesem Ziel, vor allem durch die sog. Friedens­verträge, weiter denn je entfernt. Es leben un­gefähr 40 Millionen Deutsche außerhalb der deut­schen Grenzen. Davon sind ungefähr 15,2 Mill. Grenzlanddeutsche, von diesen» leben aber nur 12 Mill, in geschlossenen Siedlungsgebieten. Sie müs­sen, abgesehen von Oesterreich, einen schweren Kamps um Erhaltung ihres Deutschtums führen; i denn bedauerlicherweise ist die Durchführung* des in den Friedensverträgen geforderten Minderhei- I

tenfchutzes in der praktischen Durchführung noch nicht zur Zufriedenheit gelöst.

Denken wir nur an die Vorgänge in Polen, an die Diktatur in Südslawien, an die faschistischen Entnationalisierungsbestrebungen in Südtirol, die auch nach dem Besuch des österreiclsischen Bundes­kanzlers in Rom kaum abgeschwächt worden sind, an die energische Siedlungstätigkeit Dänemarks in Nordschleswig, an die brutale Unterdrückung der Deutschen in Rußland, die sich in der Kollektiv­wirtschaft anschließen wollen.

Der staatliche Zusammenschluß mit unseren aus­landsdeutschen Stammesbrüdern ist uns verwehrt. Wohl aber können wir ihnen in ihrem Kampfe um Erhaltung ihres deutschen Volkstum beistehen. Die Organisation, die sich Schutz und Pflege der deutschen Kultur im Auslande zur Aufgabe ge­macht hat, ist der Verein für das Deutschtum im Auslande (abgekürzt V.D.A.). Auch wir Katholi-

Landschaft und Volkstypen der deutschen Nordseeinsel Helgoland.

Helgoland 40 Jahre deutsch

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, Am 1. Juli sind es 40 Jahre, daß die Felseninsel Helgoland durch Tausch von England erworben .wurde. Deutschland gab Teile seines Kolonialbesitzes im Witu- und Somaliland sowie aus Sansibar für die Insel an der Elbmündung, die dann zu einem starken Flottenstützpunkt ausgebaut wurde. Bei Kriegsende mußten alle diese Befestigungswerke geschleift werden.

Eisenbahn-Anfall.

Am Montag nachmittag stieß die Lokomotive eines Arbeitszuges zwischen den Bahnhöfen Lauchheim und R ö t t i n g en (Strecke Aalen—Nördlingen) auf eine abgestellte Gruppe festgebremster Arbeitswagen auf, von denen Material zum Umbau der Brücke bei Röttingen abgeladen wurde. Infolge des Ausstoßes wurden zwei Rottenbedienstete schwer, drei leicht verletzt. Einer der Arbeitswagen wurde zusammengedrückt und zur Entgleisung gebracht. Die Lokomotive des Arbeits­zuges entgleiste ebenfalls. Dadurch war die Bahnstrecke zwischen Lauchheim und Röttingen eine zeitlang ge­sperrt.

Die Sühne für das Sprindler Eisenbahnunglück.

Am Montag und Dienstag verhandelte das Schöffen­gericht Insterburg gegen den Schrankenwärter Fied­ler und den Kraftwagenführer Hasenbein, die beschuldigt sind, durch Fahrlässigkeit das schwere Eisenbahnunglück bei Sprindt am Silvesterabend des Jahres 1929 ver­ursacht zu haben, bei dem 6 Personen getötet und 9 verletzt worden waren. Das Jnsterburger Schöffen­gericht verurteilte den Bahnwärter Fiedler wegen fahrlässiger Tötung unter Verletzung seiner Amtspflichten zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis. Der Auto­omnibusführer Hasenbein wurde freigesprochen.

* Dir versunkene Flotte von Srapa Flow. (Eig. Meld.) Daily Mail zufolge wurde am Mittwoch ein neuer Versuch unternommen, den in Scapa Flow qm 21. Juni 1919 versenkten deutschen Panzerkreuzer „Hindenburg" zu heben. Ein Hebungsversuch war bereits im Jahve 1926 gemacht worden, war aber gescheitert; damit war seiner Zeit der Betrag von 30 000 Pfund Ster* ling und die 6 monatige Arbeit von 200 Mann verloren gegangen.

fen haben ein Interesse, diesen Verein zu fördern, denn er dürfte überparteilich fein. Seinem Vor­stände gehören führende Mitglieder der Zentrums­partei an, wie Reichskanzler a. D. Dr. Marx u. Prä­lat Dr. Kreutz, der Direktor des Karitasverbandes. Uns Katholiken sollte die Unterstützung des Aus­landdeutschtums ganz besonders am Herzen liegen, gehören doch ungefähr zwei Drittel der Grenzland­deutschen dem katholischen Bekenntnis an.

Zu Pfingsten fand in Salzburg die Jubiläums­tagung des V. D. A. statt. Die Aussprachen in den geschlossenen Sitzungen mit den Vertretern der Minderheiten lehrte wieder mit aller Eindringlich­keit, daß die Minderheiten kulturell gefährdet sind, sei es durch die staatliche Bedrängung, sei es durch den Geburtenrückgang, der in sich geschlossene Sied­lungsgebiete auflockert und dezimiert. Die Tatsache läßt sich nicht leugnen, daß eine Schwächung deut- schen Kulturgutes außerhalb der deutschen Gren­zen droht, wenn nicht das Mutterland bereit ist, die Minderheiten tatkräftig zu unterstützen, damit sie sich nicht aufgeben und dem Deutschtum verlo­ren gehen.

Wir Katholcken wollen daher nicht abseits ste­hen und anderen die Sorge st-r Erhaltung des Deutschtums im Auslande überlassen; gehörte es doch bisher zum politischen Glaubensbekenntnis der Zentrumspartei, deutsches Dolkstum und deutsche Kultur zu pflegen und zu fördern.

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