i st sofort zu räumen. Der Chefarzt ist ratlos. Wohin mit den vielen Verwundeten, es werden immer mehr? Er fordert Autos an zum Abtransport der Verwundeten.
Gegen Abend kommen die Autos. Alle werden eingeladen mit Dreck und Speck wie sie sind. Um Mitternacht liegt alles verladen. Ich frage nach zwei Verwundeten, die sind vor 14 Tagen etwa ein geliefert worden. „Todeskandidaten", hatte damals der Stabsarzt mir gesagt. Der eine hatte einen Rückenmarkschuß und war gelähmt, der andere einen Kopffchuß. Man konnte eine Faust in die Stirn legen. „Sie sind soeben gestorben", sagt ein Sanitätsunteroffizier. Ich kann mir denken woran sie gestorben sind. Sie sollten zuletzt abtransportiert werden.
Eine Stunde später stehen Wagen und Mannschaften fertig auf der Straße. Wir nehmen Abschied. Wir stehen marschbereit. Wir gehen nicht zurück, sondern nach vorn. Wir sind eine kleine Abteilung, nur sechs Mann und ein Unteroffizier.
*
Es wimmelt auf der Straße von Wagen, Autos, Men- schen. Munitionskolonnen rasen an uns vorbei. Die Nacht ist verhältnismäßig ruhig. Aber über uns summen die Flieger, am Hellen Summen als französische erkenntlich. Keiner darf Licht machen oder rauchen. Zuweilen hören wir schwere Detonationen, Flieger werfen Bomben. Wir marschieren schnell. Unterwegs fragen wir nach unserem Regiment.
Gegen Morgen kommen wir an. Der Kompagniefeldwebel freut sich, als er uns sieht Er drückt jedem die Hand. Er sieht niedergeschlagen aus. Das ist man nicht gewohnt. Eben kommt die Feldküche von vorne zurück. Der Fahrer springt vom Bock. „Wie steht es?" fragt der Feldwebel. „Wo ist Wilhelm?" Der Fahrer würgt an einer Antwort. „Tot", sagt er. „Die halbe Kompagnie tot oder verwundet. Der halbe Kessel ist noch voll. So em Schlamassel, so eine verfluchte Sch . . .", fuchtelt er mit den Händen.
Wir haben Hunger. „Nehmt alles, was da ist", sagt der Feldwebel. Wir schnallen unsere Kochgeschirre ab, essen uns völlig satt und legen uns um die Feldküche herum nieder. Cs ist warm. 'Wir schlafen, und stärker dröhnt der Donner von der Front ,
Cs ist Mittag, als wir aufwachen. „Müssen mir nach vorn?" Der Feldwebel sagt: „Bleibt mal vorläufig hier."
Gegen Abend, bei Anbruch der Dunkelheit, kommt die Kompagnie. Es ist ein armseliger Rest. Etwa 25 Mann. Der Kompagnieführer tot, Leutnant tot. Was nun? Die Franzosen sind wieder einige Kilometer vorgekommen.
Wir kommen sehr wahrscheinlich in Ruhe oder erhalten Ersatz.
Die Nacht verläuft ruhig. Neue Regimenter ziehen an uns vorbei nach vorn.
Gott sei Dank, wir werden abgelöst. Wir gehen zurück. Ob wir wieder eingesetzt werden?
Der Rückmarsch nach der Etappe kommt einem vor wie ein Gang ins Paradies. Es ist Spätsommer. Die Luft klar und mild. Uns Kämpfern der öden Trichterwüste erscheinen die Wälder und Felder wie ein Märchen. Unsere Augen, die das Schrecklichste zu schauen gewohnt sind, hängen mit einem kindlichen Glücksgefühl an den Zeichen des Lebens. In einem Garten steht eine einsame Rose. Ich denke an das schöne schwermütige Volkslied: „Letzte Rose, wie magst du so einsam hier blühn, deine freundlichen Schwestern sind längst schon dahin". Trauer zieht durch meine Seele. Wie viele sind schon dahin? Wann kommt die Reihe an mich?
Die Ruhe tut einem wohl. Wir machen leichten Dienst. Morgens geht es hinaus, einige Gefechtsübungen, Handgranatenwerfen. Wir haben auch eine Besichtigung. Erst hieß es: Der Kaiser kommt. Aber der kam nicht. Wir waren ja keine Paradesoldaten. Der Großherzog von Hesien kam. Er ging an uns vorbei. Ich glaube nicht, daß er uns richtig (Heben hat. Nur mit einigen Hessen, die am rechten Flügel aufgestellt waren, unterhielt er sich.---
Die schönen Tage von Aranjuez sind vorüber. Es ist ganz plötzlich gekommen. Die Regimentsmusik spielt auf dem Marktplatz. Wir Landser stehen herum, rauchen Zigaretten, haben die Hände in den Hosentaschen und freuen uns unseres Lebens. Der Schreiber vom Bataillon geht vorüber und ruft uns etwas zu. Er geht auf den Musikmeister zu, und die Musik bricht ab. Sie
Sonntag, den 15. 3nnl 1930.
Fuldaer Zeitung (Amtliches Lrelsblatt)
irr. 137
V
Zodokus.
lachen zu lassen.
Es entsteigt ihm ein
Sie greifen mit starken
I w
Wenn setzt die Granaten hierher fünften, es gäbe eine schöne Schweinerei. Aber wir bekommen keinen Schuß. Da kommt Meldung von der Division: Das Lazarett
Fesselballon über uns. Es muß schlimm stehen.
Lehrling den zahlen.
Nene Meister.
Bor der bestanden am
Kilometer weit vorgekommen.
Kräften an".
Auf einmal sehe ich einen Man hat ihn zurückgenommen.
draußen wie verrückt".
Da fährt schon ein Auto vor.
Die Volksschule und ihre Finanzierung
Geringe Entlastung. — Das Land vertröstet die Gemeinden
Höchstdauer der Lehrzeit.
Die Lehrzeit soll nach § 130 a der Gewerbeord-
der vom Reichsgericht bestätigten Entscheidung muß I der Lehrherr für diese Zeit des Nachlernens dem
bei Regenwetter nur die sogen. Stadtlampe (Kleinlampe) brennen hatte, die bloß auf 4—5 Meter leuchtete, statt die vorschriftsmäßigen Laternen, die mindestens auf 20 Meter leuchten müssen. Nachdem während der gestrigen Verhandlung ein Augenscheinstermin an jener Unfallstelle stattge-
Aussprache betonten nunmehr die Arbelter- vertreter, daß, wenn schon eine Arbeitseinschran- kunq notwendig sei, zunächst die Ueberarbeit eingeschränkt werden müsse, denn es sei unverständlich, Entlassungen durchzuführerr in einem Augenblick, in dem noch immer in vollem Umfange Ueberarbeit geleistet werde. Die Vertreter der Hauptverwaltung widersprachen dieser Ausfafsung
Güterabsertlgung Fulda.
Von der Güterabfertigung Fulda wird uns folgendes mitgeteilt:
Infolge einer Veränderung in den Geschäftsräumen der Güterabfertigung Fulda befinden sich nunmehr die Fernsprechanschlüsse je in der Emp- fangs- bezw. in der Versandabteilung.
Der Anschluß Nr. 7 befindet sich in der Emp fangsabteilung, woselbst Auskunft über ankommende Güter zu erhalten sind.
Der Anschluß Nr. 8 ist in der Versandabteilung untergebracht. Hierselbst sind n u r Auskünfte über abgehende Güter zu erfahren.
Wagenbestellungen werden an beiden Fern- sprechanschlüssen entgegengenommen.
nalen Spitzenverbände auf den Plan gerufen. In einer gemeinsamen Eingabe des Reichsstädtebuu- des, des Landgemeindetages West und des Landgemeindetages Ost vom 7. Juni an den Preußischen Landtag und seine einzelnen Fraktionen wird gegen die „Verquickung des Dolksschullastenaus- gleichs mit dem Finanz- und Lastenausgleich" Stellung genommen.
Drei Mindestforderungen werden von den kommunalen Spitzenverbänden aufgestellt: 1. Erhöhung der zwei Vierzigstel des zwischengemeindlichen Lastenausgleichs auf mindestens sechs Vierzigstel. 2. Herabsetzung der Kinderzahl von 60 auf 50 pro Schulstelle zur Verminderung der Mehrstellen und 3. Erhöhung der Ergänzungszuschußmittel auf 20 Prozent de? Gesamtbetrages des Beschulungsael- des. Unter allen Umständen soll aber der zwischengemeindliche Lastenausgleich von zwei Vierzigstel auf sechs Vierzigstel erhöht werden, also von 28 Millionen auf 84 Millionen.
Man muß sagen, daß die kommunalen Sp'tzen» verbände mit ihren Forderungen, denen wir rückhaltlos zustimmen, sehr bescheiden gewesen sind. Wir hätten unsererseits noch als weitere Forderung auch für die vorläufigen Maßnahmen für das Jahr 1930 eine stärkere Berücksichtigung der relativen Kinderzahl anzumelden. Die diesjährige Neuregelung wird also wieder ganz auf dem Rücken der Gemeinden ausgetragen. Geändert wird nur der zwischengemeindliche Ausgleich, eine Entlastung der Gemeinden in ihrer Gesamtheit, d. h. eine Erhöhung der staatlichen Anteile an den Volksschul- lasten ist anscheinend auch für das Rechnungsjahr 1930 nicht zu erwarten.
werden, der Rest von 2000 Arbeitern soll unter der Bedingung zunächst in den Betrieben blassen werden, daß die Organisationsvertreter sich mit der Einlegung von Feierschichten für. die nächsten Monate einverstanden erklären. Bei der
tariflichen Gesellenlohn _______ KPD.
bach-Gotthards, Wilh. Pfaff-Sieglos und Jos. Rüt- zel-Fulda.
Die Fuldaer Polizeiverwallung
bringt in der heutigen Nummer der „Fuldaer Zeitung" eine wichtige polizeiliche Anordnung über den Markt-Verkehr in der Stadt Fulda zur Veröffentlichung. Diese Anordnung gibt den Verhältnissen auf dem Fuldaer Buttermarkt, Gemüsemarkt, Schweine- und Viehmarkt sowie dem Krammarkt ihre rechtliche Grundlage, ist also für alle am Markt als Käufer und Verkäufer beteiligten Personen von Wichtigkeit.
Kriminalberuf überfüllt.
Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ist die Kriminalkommissar-Laufbahn durch einen Runderlaß des Preußischen Innenministers sowohl für Anwärter aus freien Berufen als auch für solche aus beamteten Stellungen bis auf weiteres gesperrt worden, weil der Bedarf für abfehbare Zeit gedeckt ist.
* führt ab, es wirkt sehr
—E milde, versuch es, und wvf* Du bist im Bilde
Fulda, ben 14 Juni 1930
Dreifaltigkeit.
— Am Fronleichnamstag begeht in den Nachm'1 fagsftunben die St. Josephs-Gemeinde m Waldschlößchen ein ® e m e i n b e f e ft. Früher mar er solche Gemeinde-Feste am Fronleichnamstage auch schon in Fulda üblich. Sie sind aber später abgekommen. Die Josephsgemeinde wird in diesem Jahre zum Besten der Iofephskirche den alten schönen Brauch erneuern Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Herr B i o- neck gibt gleichzeitig, da er feinen Wohnsitz nach Mainz verlegt, sein A b sch i eds ko nz e r t. Cs find auch gesangliche Darbietungen, Kinderbeluftigungen, Lampionzug und Beleuchtung des Gartens vorgesehen, «er» ner Glücksrad und ähnliches. Sicherlich wird die Veranstaltung in der Josephsgemeinde, deren Zusammengehörigkeitsgefühl sie stärken soll, vielen Anklang finden.
— Aus dem Musikleben. Man schreibt uns: Vom 23.-28. Juni einschl. findet in Fulda ein Einführungskursus in b i e Tonika-Do-Lehre statt, unter Leitung von Frl. Clara Soltau, staatl. ancrf. Musiklehr. (Gehörbildung. Klavier) am Dogt'schen Konservatorium und Heilwig-Lyzeum in Hamburg. Der Kursus soll eine Anregung sein für alle, die in mufft«
31 Grad im Schatten.
Diese Temperatur, die wir seit mehreren Tagen haben, ist für Juni gewiß recht ungewöhnlich. Von den Hundstagen sind wir doch eigentlich noch recht fern. Was soll das mit der Sommerwärme in den Sommerfsrien werden, wenn jetzt in den Pfingstferien die Quecksilber-Säule schon phantastische Höhe erklimmt. Freitag nachmittag schien ein G e w i t t e r in greifbare Nähe gerückt zu fein. Aber ebenso wie es am Donnerstag mittag hier nur ein paar Tropfen regnete zu fernem Donnerrollen, so kam auch gestern von der Gewitterneigung dem Fuldaer Land nichts zu. Dagegen hat es gestern nachmittag in Frankfurt am Main, namentlich auch in den nördlichen Stadtteilen, z. B. in Bockenheim ein ungewöhnlich schweres Gewitter gegeben. Es gingen so gewaltige Regenmassen nieder, daß in 600 Fällen die Feuerwehr gegen Wassernot zu Hilfe gerufen werden mußte. Das Fran''irter Gewitter zeigte lokalen Charakter. Ganz schlimm trat gleichzeitig ein Gewitter in der Nähe von Wetzlar auf. Dort hat es vor allem auch gehagelt. Drel Dorfgemarkungen (Stockhausen, Viskirchen und Tiefsn- bach) sind fürchterlich heimgesucht worden. Viel Vieh ist ertrunken. Vor Blitz und Ungewittep, bewahre uns, o Gott!
Sichert die Fahrräder.
Heute vormittag gegen 1411 Uhr wurde aus dem Fahrradunterstellraum der Allgemeinen Ortskrankenkasse in der Mühlenstraße ein fast neues, nicht abgeschlossenes Herrenfahrrad, Marke „Anke r" gestohlen. Es muß immer wieder darauf hingewiefen werden, daß man fein Rad unter allen Umständen abschließen soll, nicht nur, wenn man es außerhalb eines Hauses hin- stellt, sondern auch in Hausfluren und Unterstell- rättmen.
Aus dem Gerichtssaal.
Mit fahrlässigen Körperverletzungen durch Autos beschäftigte sich die gestrige Einzelrichter-Sitzung in 2 Fällen. Der 24 jährige Kraftwagenführer I. Bl., hier wohnhaft, fuhr am 11. Januar d. Js. gegen 6 Uhr abends mit einem Lieferwagen in der Richtung Königstraße-Abtstvr- Hinterburg. In der Kronhofstraße stieß er auf einen Stoßkarren mit Brettern, der von einem Zimmermann geschoben wurde. Rechts an dem Karren schob noch ein 65 jähriger Zimmerpolier. Während der Zimmermann mit leichten Verletzungen davonkam, erlitt der bejahrte Zimmerpolier erheblichere Verletzungen, sodaß er 14 Tage ans Bett gefesselt war. Die Schuld an diesem Zusammenstoß traf den Kraftwagenführer, da er nach feinen eigenen Angaben an jenem Abend
hiesigen Meisterprüfungskommission Freitag ihre Meisterprüfung die Schuhmacher: Emil Beck-Hilders, Alex Lai-
3n Gefangenschaft.
Erinnerungen eines Kriegsgefangenen.
Von Johannes Maria Hill.
Ich liege in einem Feldlazarett 35 Kilometer hinter Gr Front. Seit vier Wochen verlebe ich hier die schönste aeü des ganzen Krieges.
e, bin wieder geheilt. Gestern Morgen sagte der ^rabsarzt zu mir: „Wir werden Sie in den nächsten
•Ben entlassen. Die Wunde ist sehr schön geheilt."
H gemischten Gefühlen habe ich diese Nachricht auf» genommen. Einerseits freue ich mich auf das Wieder- n i*en Kameraden, andererseits denke ich an die WVoflofen Nächte des Schanzens, des Postenstehens. an PN-ronillengehen, an Schmutz und Ungeziefer und die tz J .* ßuft. Aber ich muß froh sein, daß ich so lange hier I J*®“en durste. Man war doch wieder einmal ein ’ ®'r haben am Abend bis 12 Uhr Skat ge- lt. Wir haben es im Schützengraben manchmal die MF, S°nze Nacht getan. Was soll man tun, wenn man f ^an3en’ Stollenbretter schleppen ober Drahtziehen .. $$ habe gut und traumlos geschlafen. Plötzlich bin - £ billwach. Es ist Tag, schon 5 Uhr. Von ber Front. I ton* °rter Kanonendonner, so stark, daß ich davon er» Das ist mir sonst festen passiert. „Sie schießen s?°n fest einer Stunde so", sagt mein Kamerad, der im eft nebenan liegt.
v »»®as ist denn da vorn los", frage ich mich mehr als , " Indern. Denn der weiß ebenso wenig wie ich. Alle sind wach. Mir scheint, es steht ein schwerer €. 8-Tf bevor Die Lust erzittert, zuweilen hört man 3ur>ne ®$üffe der ganz schweren Artillerie, die weiter BF1™ gehen, sonst hört es sich an wie ein Gewitter in bi» ~erne- Cs ist doch ein schönes Gefühl, von weitem i" an3Vbören. Ich schlafe ' der ein.
j? ich erwache, noch dasselbe Donnern und Dröh- vielleicht noch stärker. Es geht auf acht Uhr. Ich ‘ lie Ich muß auf dem Posten fein. Ich sammle |j>'®olbbü(f>er ein von den Verwundeten, die diese gekommen sind. Jede Nacht kommen welche.
Feldwebel von der Fliegertruppe. Ich mache mich gleich an ihn heran. „Was ist los da vorn?" Er sagt mir: „Es steht ein schwerer Angriff der Franzosen bevor. Ich stieg um 6 Uhr auf, um die Lage aufzuklären. Als ich über den feindlichen Gräben war, ging ich bis auf 200 Meter herunter, denn es lag dichter Nebel und Rauch über den Gräben. Ich sehe, wie die Gräben dicht gefüllt sind. Ich sehe auch, wie sie wahnsinnig nach mir schießen. Die Kugeln pfeifen rechts und links an mir vorbei. Da fällt mein rechter Arm vom Steuer herab. Mit dem Knie und dem linken Arm muß ich jetzt arbeiten, um die Höhe zu erreichen. Es gelingt. Ich wende und wie ich das Rollen unter dem Flugzeug höre, falle ich in Ohnmacht. Nach einer Stunde bin ich erwacht."
Es stellt sich heraus, daß er an beiden Armen verwundet ist. Elle und Speiche am rechten Arm zerschossen und gesplittert, am linken nur die Speiche. „Schade", sagt er, „ich stand gerade vor der Beförderung".
Es kommen immer mehr Verwundete. Die Baracken reichen nicht mehr aus. Es wird fieberhaft gearbeitet.
Es ist schon Mittag Ich habe noch nichts gegeffen. Ich schaue einmal hinaus. Da stehen Wagen an Wagen, Autos und leere Munitionswagen. Alle haben Verwundete gebracht. Sie liegen im Hofe. Auf Matratzen auf Sirohfäcken, auf der bloßen Erde. Sanitätsmannschaften und Krankenwärter laufen zwischen ihnen, geben ihnen Wasser zu trinken und zu essen. Nur die schwersten Fälle werden verbunden. Es riecht in den Baracken nach Schweiß, Blut und Eiter.
Ich frage einen, der eben hereingebracht wird: „Was geht da vorn vor?" Er sagt mir: „Sie sind schon 12
Cifenbahn-Personalien.
Reichsbahnassistent Franz Josef Schenkel, Bahnhos Fulda, beftanb bei der Reichsbahndirektion Frankfurt am Main die Prüfung zum Reichsbahnsekretär.
Aus der Tagesordnung des Landesausschuffes, der bekanntlich am Dienstag, den 17. dieses Monats in Kassel zusammentritt, steht auch eine Anzahl von Pcrsonalangelegenheiten sowie die Erörterung von Baufragen bei den Landeskrankenhäu- fern Fulda, Hersfeld, Rinteln, Schmalkalden und bei der Landesbibliothek Fulda (Neubau). Es wird angenommen, daß die Verhandlungen VA Tage dauern werden. Für Mittwoch nachmittag ist eine eingehende Besichtigung des Landeskrankenhauses zu Kassel durch den Landesausschuß vorgesehen.
Wichtig für Sozialrentner!
Am Dienstag, den 17. Juni 1930, vormittags 9 bis 12 Uhr, wird die Unterstützung für Juni 1930 an die hilfsbedürftigen Sozm'-->ntner der Stadt Fulda ausgezahlt. Rote Ausm mmerkarten find
vorzulegen. Unterstützungen, an diesem Tage
nicht abgeholt sind, werden den Empfangsberech- ' stgten auf ihre Kosten durch die Post übersandt.
geHagten wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 40 Mk. Geldstrafe oder 4 Tagen Gefängnis. — Der 51 jährige O. Sch., hier wohnhaft, war am 25. März d. Js. beim Ueberholen eines kleineren Wagens auf die Seite gefahren und hatte hierbei einen 43 jährigen hiesigen Einwohner an der linken Hand angefahren. Auch soll Sch. nicht fortgesetzt Signale gegeben haben, da weder der Verletzte noch einige städtische Arbeiter solche gehört haben wollen. Mit Rücksicht darauf, daß die fahrlässige Körperverletzung nicht sehr groß war, kam Sch. mit 20 Mk. Geldstrafe davon. — Am 17. April d. Js. wollte der Landwirt und Müller A. I. aus Wickers (Rhön) in hiesiger Stadt seine Prüfung als Kraftfahrer machen. Aus diesem Grunde fuhr er mit dem Motorrad von Wickers nach Fulda. Hier wurde er von einem Polizeibeamten angehalten, der feststellte, daß für das Motorrad noch keine Zulassungsbescheinugng ausgestellt und auch der Führerschein noch fehlte. Das Urteil lautete auf 14 Mk. Geldstrafe. — Absichtlich zum Nachteil seiner früheren hiesigen Firma sollte der 35 jährige Kaufmann A. G., gebürtig von Eiterfeld, früher hier, jetzt in Dresden in Stellung, in 1928 einkassierte Gelder in Höhe von 250 Mk. nicht ab geliefert, sondern selbst darüber verfügt haben. In der gestrigen Verhandlung war dem Beschuldigten nicht nachzuweisen, daß er absichtlich über die Gelder verfügt hatte. Es erfolgte Freisprechung. — Freigesprochen wurde auch der Landwirt I. Sch. von Oberbimbach, der ohne vorherige Ablieferung der Holzabfuhrscheine einige Stämme aus dem Staatswald abgefahren haben sollte. — Dem bauleitenden Architekten des Ueberlandwerk-Neubaues in der Bahnhofstraße war ein Strafbefehl über 5 Mk. zugegangen, weil er verbotswidrig schwere Eisenträger auf "dem Notbürgersteig gelagert habe. Gegen diesen Strafbefehl beantragte der Architekt gerichtliche Entscheidung. In dem gestrigen Termin wurde festgestellt, daß er keine Erlaubnis zum Abladen der Träger auf dem Notbürgersteig gegeben habe, sondern die Verantwortung für die Träger eine Frankfurter Firma trug. Der Beschuldigte erzielte Freisprechung.
Weiterer Abbau bei der Reichsbahn.
Zwischen der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft und den Vertretern der Gewerkschaften und des Hauptbetriebsrates hat eine informatorische Aussprache über Einschränkungsmaßnahmen stattgefunden, die die Reichsbahn in ihren Werkstatt-Betrieben vornehmen will. Mit dem fortwährenden Verkehrsrückgang und der dadurch bedingten Verschlechterung der finanziellen Lage, will die Reichsbahn Abbaumaßnahmen begründen, von denen rund 4000 Werkstättenarbeiter bedroht sind. Es sollen etwa 1500 bis 2000 Arbeiter entlassen
Dreifaltigkeit stellt uns in das flutende Licht Gottesmysteriums. Was bedeutet das?
I Was der Mensch erkannt und bis in seine letz- fcK Gründe durchschaut hat, das liegt hinter ihm. £C5 Geheimnis liegt immer vor ihm. Und nur was vor ihm liegt, hat eine Kraft, die ihn pew'egt und seine höchsten Fähigkeiten spannt und ausrust. Darin liegt des Geheimnisses Geheimnis und von da begreifen mir auch, was das beben» fet: Gott ist das absolute Geheimnis. Das heitzt, der Verstand, der Wille, das Gemüt, sie alle können von ihm zehren und je mehr sie von ihm zehren, um so größer wächst, was vor ihnen liegt. Eine Tür, die sich öffnet, gibt den Weg frei für fieben andere, die verschlossen sind. Wäre das ein» „taf nickt mehr, die Welt müßte stille stehen. Oder ist es etwa nicht wahr, daß immer und überall das Gottesgeheimnis es war, dem die Menschheit ihr tiefstes Nachdenken, ihren zähesten guten wst bösen Willen, ihre höchste darstellende Kraft widmen mußte? Mußte, ob sie wollte oder nicht! Selbst dann, wenn sie sich bemühte, bas Geheimnis ber Geheimnisse beiseite zu schieben. Auch ber Gotte-Haß zieht seine beroegenbe Kraft aus bem Got- tesgeheimnis. Die großen, religiösen Geister aber hat es burch alle Höhen unb Tiefen gerissen und durch alle Schrecken unb Seligkeiten hinburchgetrie- ben unb so erst sind sie Leuchttürme ber Menschen und ihrer Kultur geworden, ob sie nun Paulus, Augustin, Benedikt, Franz von Assissi, Elisabeth ober wie immer hießen. Diese bewegende Kraft an andern erkennen, heißt die Bedeutung des Got- tesgeheimnisses auch für fick felber wahrnehmen. Es ist mehr, als bloß ein Ding, wofür man ben Mut haben muß, sich von ben Einfältigen aus»
Die gegenwärtige Regelung ber Verteilung ber Volksfchüllasten sowohl zwischen Staat unb Gemeinden als auch im Jnnenverhältnis zwischen den Gemeinden unter einander, ist schon seit längerer Zeit Gegenstand eingehender Erörterung im Landtag und im Staatsrat. Immer wieder sind meindlichen Lastenausgleichs vorgenommen werben fchüsien gestellt worben vor allem zur Entlastung ber leistungsschwachen Schulverbände, vor allem von ber Zentrumsfraktion. Der vom Kultusminister vorgelegte Entwurf eines neuen Volksfchul- lastenausgleichsgesetzes ist wegen feiner zu hohen Belastung bes Staatshaushaltes vom Staatsmini- fterium zurückgehalten worden. Für das laufende Jahr soll als Neuregelung, gegenüber bem bisherigen Zustanb nur eine Aenberung bes zwischenge- Gemeinben überließ, von zwei Vierzigstel auf fünf in der Weise, baß bie bisherigen Beiträge an bis Lanbesschulkasse aus ben Ueberroeifungen ber Einkommen» unb Körperschaftssteuer, die Preußen den Gemeinden überlist, von zwei Vierzigstel auf fünf Vierzigstel erhöht werben sollen. Da ein Vierzigstel augenblicklich 14 Millionen ausmacht, würbe sich eine Erhöhung bes zwischengemeindlichen Lastenausgleichs von 28 Millionen auf 70 Millionen ergeben.
Darin soll der ganze diesjährige Volksschullastenausgleich bestehen, eine höhere Beteiligung des Staates ist nicht vorgesehen. Preußen will erst bann an bie Erhöhung seiner staatlichen Volksschul- lasten zugunsten ber Gemeinden Herangehen, wenn bie gesamte Finanzreform burchgeführt worben ist.
Die vorgesehene Neuregelung ist völlig unaus- reichenb unb hat beswegen mit Recht bie kommu-
Dann gehe ich in die Operationsbaracke, wo ich die Krankenblätter nach dem Diktat des Arztes schreibe.
Der Oberarzt ist schon da. „Wir werden heute schwere Arbeit bekommen", sagt er. „Die schießen ja
mmg „in ber Regel brei Jahre bauern, sie barf ben Zeitraum von vier Jahren nicht übersteigen". In ber Praxis würbe biefe Bestimmung bisher vorhervschenb so ausgelegt, daß zwar Vereinbarungen, bie eine längere als vierjährige Lehrzeit vor- sthen, mchtig sind, im Einzelfalle aber durch bie Lehrzeit ein Zeitraum von vier Jahren überschritten werben kann, wenn ber Lehrling längere Zeit erkrankt unb vertragsmäßig die burch Krankheit versäumte Zeit nachlernen muß ober ber Lehrling ben Lehrherrn wechselt unb ber neue Lehrherr nur «nen Teil der früheren Lehrzeit anrechnet. Im Gegensatz dazu hat bas Reichsarbeitsgericht burch Urteil vom 22 Januar 1930 (RAG. 379/29) entschieden, § 130 a der Gewerbeordnung sei bei der unbedingten Fassung unb bem Zweck biefer Bestimmung dahin zu verstehen, daß der Zeitraum von vrer Jahren durch die Lehrzeit ausnahmslos dicht uberschritetn werden dürfe. Es handele sich nn vorliegenden Falle um einen Lehrling, der von »er vierjährigen Lehrzeit fünf Monate durch Krank- i Augen)cyemsrerrnm an jener unsauneue gange beit versäumte und vertragsgemäß nachlernte. Nach • funden hatte, erfolgte bie Verurteilung des An