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Rr. 137

Beilage zur Fuldaer Aeituug

15. Iuni

Rosen-Phankasie.

Don Mia Kerstin.

Zärtlichen Duft trägt der Sommerwind.

Gelb, rosig und weiß aus leuchtendem Grün, Ein heimliches Blütenmärchen, umspinnt Di« Marienkapelle das Rosenblühn.

Roter Rosen tiefpurpurnes Kleid

Jauchzt von Rausch und von weltlichem Glück — Wie von heiligen Kerzen, Altären geweiht, Weht es von lichtweißen Blüten zurück.

Blühn dunkle Rosen wie brennendes Blut, So schimmern gelbe blaßgolden und lind--

Ueber all der Rosen vielfarbige Flut

Hält die himmlische Mutter ihr göttliches Kind.

Sommevselig verblaut der Tag.

Strahlend neigt sich im Westen die Sonne:

Ave Maria im Rosenhag!

Sei gegrüßt, o Madonne . . .!

Rote Rosen.

Eigentlich sind Blumen so weiblich wie die Frau. Blume und Frau gehören nun einmal zusammen. Meist werden uns auch Blumen durch Frauenhand verkauft.

Schon Schillers Mädchen aus der Fremde trieb anschsinend ein gutgehendes Importgeschäft in Blu­men und Früchten, denn sie bracht« Blumen mit und viele Früchte, „gereift auf einer anderen Flur"! Des­halb war ich auch so erstaunt, daß er diesmal keine Blumenverkäuferin war, die mir die Blumen anbot.

Ich saß im Restaurant. Es war Abend. Draußen strömte lautlos ein milder Dauerregen nieder. Hier drinnen war es warm und gemütlich.

Da schob sich der Türvorhang beiseite. Ein alter Mann trat ein. Einer von denen, di« mit dem Leben nicht fertig geworden, sondern mit denen das Leben fertig geworden war. Müde, alt und hoffnungslos. Eine Mischung, die einen ergriff . . .

Auf dem Ar« trug er einen Korb mit Blumen. Es waren langgeftiMe Rosen, dunkelrot. Jene Rosen, die einen so berückenden Duft ausströmen. Wirklich, man spürte ihn sogleich. Hauchzart durchwehte er den Raum. Da trug der müde Alte ein Stückchen Sommer in diese abendliche Welt. Und draußen regnete es.

Suchend glitt sein Blick über die Tische. Die mei­sten waren leer. Rur vereinzelt ein Gast. Und auch

der meist allein. Wann aber kaust ein Mensch, der allein sitzt, je Blumen!

Nun ging er von Tisch zu Tisch. Mit einer halben Wendung schob er den Korb hin. Die Rosen taten ihr Bestes: Sie dufteten süß und leuchteten wie Pur­pur! Aber was wollt ihr? Die Zeiten sind nun ein­mal schlecht. Vielleicht langt es nach getaner Arbeit noch zu einem Glase Wein oder Bier. Aber Blumen — so ein Luxus!

Man schüttelte den Kopf, machte eine abwehrende Handbewegung. Keiner wollte Blumen kaufen.

Mir schien, als würde der kleine alte Mann zu­sehends kleiner und älter. So leer und hoffnungslos sah er aus. Und die Rosen waren abgeschnitten; die muß­ten zwecklos verwelken, wenn keine liebevolle Hand sich ihrer erbarmte . . .

Ich weiß selbst nicht, wie es gekommen: Aber plötz­lich lag ein Strauß der wundervollen Rosen vor mir auf dem Tische. Ueber das müde Gesicht des Mannes war etwas wie ein Lächeln geglitten.

Behutsam, wie eine Kostbarkeit, trug ich meine Blumen nach Haufe. Und wenn ich auch wirklich ein paar Tage ihretwegen sparen muß — was schadet das! Dafür duften in meinem einsamen Zimmer dunkelrote Rosen.

Und um chretwillen hat ein alter, müder Mann ge­lächelt ... I Adams.

Korn-Rauschen.

Durch die schmale Gasse auf der Grenze zwischen zwei Kornfeldern bin ich gegangen. Ein weicher Süd­wind streichelte die unter der Last reifender Aehren ge­beugten Halme. Flüsternd hob das Rauschen an; die Heimchen verstummten und lauschten dem Raunen der wogenden Saat. Wie Sichelklang walzte es zuerst, da­rin frischer Schnitter Sang sich mischte. Stärker wurde das Rauschen; Mühlräder hörte ich gehen, die Wasser singen, die die Steine drehen, die Körner zu mahlen. Und immer tiefer neigten sich die Aehren der Erde zu. Leiser wurde der Wind. Ein feines Klingen wie En­gelstimmen; heller Orgelton wehte dem Schöpfer Preis und Dank. Dann herrschte wieder Stille über der Flur. Die Heimchen fangen . . .t . Ein lauer Duft wie von warmem Brot umfing mich. Und immer wie­der hob das Rauschen an, bis die Nacht kam und seg­nend ihre Schleier darüber breitete. H. M.

Die Wohnungen der „Wilden".

Unterschlupf im Urwald. — Vie wohnen Safiern und Buschmänner? — Baum- und Pfahlbauten im malaiischen Archipel. — Schneehütten der Eskimos.

Man kann schier neidisch werden, wenn man sieht, mit wie einfachen Mitteln di« Naturvölker die Woh- nungsfrage, die uns soviel Kopfzerbrechen macht, lösen. 3m Urwald, in der Steppe, int Busch, ja auch in der Schneewüste der arktischen Zone gibt es kein« Woh­nungsnot. Es gibt höchstens Streit um besonders „schöne" Wohnungen, um einen besonders geeigneten Baum oder eine Baumgruppe, um einen geschützten Platz oder eine Höhle, — Wohnstreitigkeiten, di«, roie bet uns vor dem Wohnungsamt, so dort vor dem Dorf­richter oder dem Häuptling ausgetragen werden, — falls es sich nicht darum handelt, daß ein ganzer Stamm den andern feiner „schönen Wohnungen we­gen" aus dem Revier vertreibt.

Als ein Volk ohne Wohnungen hat man die im Innern Afrikas hausenden, bisher nahezu un­bekannten Zwergvölker bezeichnet, die B a g i e l l i, die durch den Pallottinerpater Johannes Seiwert näher er­forscht worden sind. Die Völkchen kennen feine Hütten, „Kraale", sondern sie hausen unter Pflanzen- schirrnen, großen Blättern und Baumrinden. Mehr noch als andere Nomadenstämme sind sie denn auch auf im­merwährender Wanderung begriffen, und gerade dieser Umstand hat chre Entdeckung erschwert. Bei jeder An­näherung ziehen sie sofort weiter. Einen Anbau von

Pflanzen kennen sie natürlich nicht; sie leben von dem, was der Urwald ihnen bietet. Des Nachts kauern st« sich einfach unter einen Busch ober sie nisten sich im Gegweige der Bäume ein. Das Blätterdach im Urwald- ift ja vielfach so dicht, daß es selbst den stärksten Tro- penregsn nicht durchläßt. Dies sind wohl die primitiv­sten „Wohnungen", die auf dem Erdball vorkommen; sie unterscheiden sich kaum von den Unterschlupfen der Tiere.

Mit mehr Kunst gehen die Buschmänner an den Wohnungsbau heran. Sie suchen sich geeignete Saumgruppen aus, verflechten die Zweige der Bäume miteinander, und zwar mitunter in mehreren Etagen übereinander, so daß ein kunstgerechtes Laubdach in Form einer Pyramide entsteht. „Bo s j e s" nennen die Holländer diese wirklich bewundernswerten Bauten.

Außerhalb des Urwaldes sind solche Laubwohnungen natürlich nicht denkbar. Da tritt überwiegend Holz­pfahlbau auf. Baumstämme werden in die Erde gesenkt, meist im Kreise und zuweilen in mehreren konzentrischen Kreisen, wobei di« innersten Kreise die höchsten Stämme aufweisen. Weitere Holzstämme wer­den als Dach darüber gelegt, und das Ganze wird dann mit Gras, Rohr, Palmblättern oder Rasen „verputzt", und überdacht; nur in der Mitte bleibt ein Loch für den

Huf der amerikanischen Landstraße.

(Schluß aus der letzten $ onntagsnummer.)

„Sb hier sind wir, dank schön, Girlie" und wir halten bi feinem Wohn- und Schlafzimmer. Ein durchdringen- *r Modergeruch verursacht mir Uebelteit, ich werfe nur ’men Blick auf das Bett, auf die halb verfaulten Federn, >ie aus grauen Kissen hervorbringen und laufe zurück.

halbe Stunde später bin ich wieder bei meinen ■mfdjen. Kling—kling macht di« Kasse, Mrs. Monroe schielt einen Zehndollarschein. Das Geschäft geht gut. »J?rei Uf,r morgens. Harry hat mich eben nach dem attenheim gebracht. Er fährt mich jetzt immer nach J)aus. Es ist zu spät für mich, allein zu gehen. Es ird zwei, drei Uhr jede Nacht, ehe wir fertig werden n“ ba Edna schon um sechs Uhr von ihrer Mutter Mholt wurde, muß ich bis zum Schluß bableiben. Es Mia einesteils ganz gut, in diesen Stunden, wenn Edna r“ *£» verdiene ich am meisten. Meine Tasche wirb »^az schwer von all den Nickels und Dimes und manch- a°‘ bnd es sogar Quarters. Wenn ich müde werden Niw! menn Momente kommen, wo ich denke, ich kann ig, * mehr, greift meine Hand nach der Tasche, denke yZKa" das kleine Bündel in meiner zerrissenen Matratze

Müdigkeit ist vergessen.

£qs kleine Bündel, ja, wenn bas nicht märe!

aU&en Staut schon ber Tag, zwitschert ein Dög- stoch halb im Schlaf. Ich wühle mit heißen Hän- t lm Stroh ber Matratze, greife etwas Hartes, Schwe- - mein Bünbel, meine Tips.

Wi*>QS detroleumlicht vor mir schwelt — was tümmerts

Ber Teppich, auf bem ich liege, ist staubig, mot- ^"zerfressen — kann ich es änbern!

Heil 'ne JRatte' durch mich aufgescheucht, springt über uufj — bin ich nicht schon baran gewöhnt?

fe jn°r,.nVr begen Münzen, Nickel, Silber und ich ordn« kleine Häufchen und zähle und rechne.

beinah ™ Garens fünfundzwanzig Dollars, heute finbs jetzig und morgen, morgen finbs wohl noch

*«9. ber hinter mir liegt, ber Tag, bem ich . 9en !ehe, sie sind zerronnen — verschwunden. Nur

bas glitzernbe Häuflein existiert. Das ist ja kein Trink­geld mehr, schmutzige Münzen von widerwilliger Hand gegeben, das sind Meilensteine. Soviel näher bin ich nun Deutschland, nun soviel, nun soviel.

Wir haben ein paar herrliche Stunden hinter uns, Lois, Harry und ich. Die Hitze und ber Staub beute waren beinahe nicht zum Aushalten, unb da schlug Harry vor, nach Schluß bes Betriebes zum Baben zu fahren. So gings benn nach ber Küste, um zwei Uhr nachts, in faufenber, einftünbiger Fahrt.

Wie wunbervoll war bas Wasser, ber kühle, dunkle Sand. Da draußen hätte ich liegen können — stunden­lang. Und nun, wieder im Rattenheim angelangt, werfe ich mich ruhelos in meinem Bett von einer Seite auf die andere. Die Moskitostiche, die meinen Hals, Nacken und Arme über unb über bebecken unb an bie ich mich schon gewöhnt habe, finb von bem Salzwasser angegriffen worben unb jucken unb schmerzen.

Es ist mieber so heiß, so heiß. „Louis, schläfst Du?" „Nein, Gretel, es ist zu heiß, hoppelt unerträglich nach bem kühlen Wasser. Gretel," unb sie steigt auf in ihrem Bett, macht einen langen Schritt über bie zwei schlafen­den Kinder und legt sich auf die andere Seite neben ber, beinahe bireft, mein Bett steht.

„Gretel, weißt Du, baß ich mich am liebsten ben Wellen da draußen überlassen hätte! Hätten sie mich mitnehmen sollen, weit hinaus, fort von dieser — dieser Hölle! Kämpfen, sagst Du, aus nichts etwas schaffen, ein Ziel sehen! Das ist ja unmöglich — für mich."

Ein trockenes Schluchzen schüttelt ihren Körper. Ich sitze am Bettrand, bei ihr, streiche über die rauhen, unge­pflegten Haare, halt« die schwielige Hand und bann hör« ich bie ganze Geschichte.

„Schon als Kinb fing es an, Gretel, Vater gab nichts her von feinem Verdienst. Er war Maurer unb fuhr täglich nach Newyork zur Arbeit, benn wir wohnten da­mals schon auf bem Lande. Weil es hier billiger fei, behauptete Vater. Er verdiente gut, doch Mutter bekam das Wenigste davon; und als bann später Harry und ich geboren wurden, gab ber Alte noch weniger. Er müsse sparen. Für bie Kinder, für bie Zukunft unb ließ sie babei verhungern. Mutter arbeitete von früh bis spät.

Rauchabzug. So sind bie Hütten ber Raffern und der sonstigen afrikanischen Steppenbewohner. Auch Baum­rinde wird benutzt. So entfielt bei den Menomini- Jndianern eine Hütte einfach dadurch, daß zwei große Rindenstücke mit der Hohlseite nach innen aufgestellt werden und eine dritte Rinde darüber gedeckt wird. So eine Hütte bietet natürlich nich viel Raum; sie faßt höchstens zwei Personen, meist aber dient sie nur einer einzigen Person als Wohnung. Die Menomini sind also in der glücklichen Lage, nicht nur lauter Einfamilien-, sondern sogar Einpersonenhäuser zu besitzen.

Hoch auf schwankendem Baum errichten ihre Häu­ser die Papuas auf Neuguinea, und zwar mit einer bewundernswerten Kunst. Don Astgabelung zu Astgabe­lung werden Balken gelegt, über diese Bretter. Dom Stamm himviedermn werden Balken schräg zu den Ecken hinuntergezogen zwecks Befestigung des Daches. Diese Baumhäuser sind oft von respektabler Größe unb messen bis zu fünf Metern im Quadrat. Eine Leiter, die in die Höhe gezogen werden kann, führt zu chnen herauf. Der Zweck der Baumhäuser ist natürlich der Schutz vor Angriffen wilder Tiere und auch feindlicher Stämme. Demselben Zweck verdanken die Pfahl- Häuser ihr Dasein, die in Afrika selten, in Vene­zuela und Guyana häufiger, am häufigsten aber auf den Inseln des malaiischen Archipels finb. Die Häuser ruhen auf zwei bis drei Metern hohen Pfählen. Zur Erhöhung der Sicherheit sind sie zuweilen sogar über dem Wasser errichtet. Der auf dem Erdboden von den Pfählen umgebene Raum dient den Haustieren als Auf­enthaltsort. Mitunter sind diese auch in einer über den Erdboden erhöhten Zwischsnetage untergebracht. Die Pfahlhäuser ermöglichen natürlich eine besser« Aus­gestaltung als bie Baumhäuser. In Tonking gibt es Pfahlbauten, bie bis zu zehn Metern im Quadrat mes­sen, mehrere Räume und auch eine besondere Küche enthalten.

Im Gegensatz zu ben Bewohnern der Tropen bauen bie Naturvölker der arktischen Zone in bie Erde hinein, imb zwar um sich so vor der Kälte zu schützen. Ein großes Erdloch wird ausgehoben, das Haus (meist aus Holz) wird hineingebaut, dann wird es wieder völlig mit Erde zugeschüttet bis auf einen engen, tun­nelartigen Gang, der ins Freie führt. So sehen die Hauser in Alaska und Nordkanada aus. Die Eskimos auf Grönland und in ben Hudfonbai-Ländern dagegen leben vielfach in Schneehütten. Der Schnee, der hart gefroren fein muß, wird in großen Blöcken aus­geschnitten und behauen, bis sich rhombenartige Stücke ergeben. Diese werden im Kreise aneinandergelegt. Darüber kommt eine zweit« Reihe von Schneeblöcken, die keine gerade, sondern eine etwas geneigte Grundfläche hat, dann noch eine dritte unb vierte, bis sich ber ganze Bau zu einer Kuppel wölbt. Die Ritzen werden durch weichen Schnee, ber bis hart an bie Taugrenze gebracht wird, verklebt, so daß sich ein ganz fester, stabiler Bau ergibt. Innen wird das Haus mit Fellen reich belegt, Tranöfen sorgen für Heizung. Da die Wände sehr dick sind und der Ein- unb Ausgang durch einen Vorbau zu einem längeren Gang gestaltet ist, der durch Renn­tierfelle mehrfach verhängt wird, bringt bie kalte Außen­luft nur wenig ein, und bie Bewohner können bem kal­ten Polarwinter wohl trotzen.

Steinhäuser und Ziegelhäuser kennen bie Natur­völker im allgemeinen nicht. Zwar hat man Ruinen solcher auf den Fidschi-Inseln und auf der sogenannten Osterinsel gefunden, aber dies sind Ueberbleibsel einer alten Kultur, über deren Herkunft unb Geschichte noch völliges Dunkel schwebt.

Die passende Aeberschrisk.

Ein schwierige, Problem für ben Autoren.

Don Richard Franz.

Etwa 100 000 Titel werden in Deutschland jährlich gebraucht, davon allein 20 000 Buchtitel, bie bloßen sog. Ueberschriften nicht gerechnet. Da tarnt man sich ben« ken, daß es den Autoren allmählich schwer fällt, neue gut« Titel zu finden, und ber Titel ihnen oft mehr Kopf­schmerzen macht al, bas ganz« Werk. Denn nichts würde sich bitterer rächen als eine Vernachlässigung bes Namens, den man seinem Geisteskind« geben will, ob es sich nun um ein Buch ober ein Feuilleton in Zeitung

wusch für anbere unb ging morgens zum Putzen unb Reinigen.

So ging es eine Weile ganz gut, boch als ber Alte es merkt«, gab er ihr überhaupt nichts mehr. Kam abenbs nach Hause, aß, was er vorfanb unb verschwand morgens mieber. Ob er noch arbeitete, was er mit feinem Gelbe machte, mir wußten es nicht. Schließlich verlangte er noch Gelb von Mutter unb ba kams zum Krach. Es war entsetzlich unb hat mir meinen Frohsinn unb mein Lachen genommen auf Monate. Ich glaube, er hätte sie totgeschlagen, aber sie war stark unb eine Mutter, bie für ihre Kinber kämpfte. Dann ist er verschwunben und erst nach langer Zeit wieder gekommen, zum Esten unb Schlafen unb sie hat kein Wort gesagt.

Wir mürben größer, Harry unb ich, unb arbeiteten alle. Das, mas mir erübrigten, würbe in eine gemein­same Kaste gelegt, für unser zukünftiges Pferd unb Wa­gen.

Das mar ber Mutter Plan. Einmal hat er uns be­stohlen, unser aller Erspartes gestohlen; aber Harry hats gemerkt unb feinem eigenen Daker geflucht.

Eines Tages mar aber boch Pferd unb Wagen ba. Das war ein Festtag. Wir tranken Bier — ja, damals gabs noch Bier — unb schafften noch mehr. Denn das Pferd mußte auch leben, mußte stark fein, es sollte unser aller Zukunft tragen.

Unb es blieb unser Freund unb Helfer lange Jahre hindurch. Früh um vier Uhr verließen Mutter unb Harry bas Haus, fuhren von einem Bauern zum anbern, luben auf, mas zu verkaufen mar. Eier, Honig-Corn (Mais) unb boten es in ber Stabt feit

Zuerst mar es eine große Enttäuschung. Es gab genug Hänbler, unb Mutter mar nicht bekannt. Sie ver- kaufte für bie kleineren Farmer unb bekam einen ge- misten Prozentsatz von bem Erlös; aber wenn etwas auf bem Wege in ber Hitze oerbarb, mußte sie ben Schaden tragen.

Langsam wurde es bester. Da hörte Mutter mit den Prozenten auf, kaufte direkt von dem Farmer unb ver­kaufte für sich. So wurde es noch bester.

Schon war wieder etwas Geld gespart; es lag dies­mal auf der Bank unb brachte Zinsen unb keiner konnte stehlen. Eines Tages wurde alles abgehoben und

oder Zeitschrift handelt. Unb gerade bei dem wirklichen Künstler ist der Titel oft ein sehr heikler und schwacher Punkt. Der Dilettant wird durch Aeußerlichkeiten zum Schassen angeregt, gar nicht selten geht er von einem blendenden Titel überhaupt aus und schreibt auf be* Titel hin das Werk. Der Künstler dagegen geht von einem inneren Erleben aus, für das ihm zunächst jede Bezeichnung fehlt. Er schafft aus der Fülle, ber Stofs strömt ihm iLerreich zu, feine Aufgabe ist es, ihn zu be­wältigen, zu beschneiden, zu beschränken, er haut das Werk gewissermaßen aus einem großen Erlebnisblock heraus. Dabei wird er oft vor der Zweifelsfrage stehen, welches denn nun eigentlich das Grundprinzip ist, das oerbient, ben Titel abzugeben. Der Dilettant dagegen schlägt meist bas umgekehrte Verfahren ein. Ihm steht nicht der dichterische Reichtum zur Verfügung, der aas dem Vollen schafft, er sucht und sammelt den Stoff und setzt ihn mosaikartig zusammen, er arbeitet ohne RestL Err bleibt sich stets bewußt, welches das Motiv feines Werkes ist, er hat es daher viel leichter, es unter eine ganz bestimmte und von vornherein gegebene Bezeich­nung zu bringen.

So machen wir die merkwürdige Wahrnehmung, daß gerade die größten Dichter di« anfechtbarsten und um­strittensten Titel über ihren Werken stehen haben, unb bei manchem großen Werk ist selbst heute, nach Jahr­zehnten, ja, nach Jahrhunderten, bie Titelfrage noch nicht zur Ruhe gekommen.

Bekannt ist bie große Sorglosigkeit, mit der Shake­speare die litelfrage behandelte. Man merkt es förmlich, wie erst in letzter Stunde, wenn der Theater­zettel schon in ber Press« mar, irgend etwas, was als Titel bienen konnte, heraufgesetzt wurde, nur um dem Stück einen Namen zu geben, und es von anderen zu unterscheiden. So müssen wir z. B. den Titel „Ver­lorene ßiebesmüh", um eine Begründung dafür zu finden, damit erklären, daß das Stück nicht mit der Heirat selbst, sondern mit der Aussicht daraus schließt. Di« „Komödie der Irrungen" gar gibt über­haupt keine Mühe, einen Titel zu finden, sondern be­gnügt sich mit der Stückbezeichnung „Komödie" unb einem unterscheidenden Zusatz. Streiten kann man auch darüber, ob der Titel „Der Kaufmann von Venedig" angebracht ist. Würden wir ein Publikum plötzlich vor die Frage stellen, wer denn nun eigentlich dieser Kaufmann sei, Antonio oder Shylock, so würden wir wohl sehr verschiedenartige Meinungen darüber »er- nehmen. Auch ber „Julius Cäsar" hat Wider­spruch gefunden, und zwar bei keinem geringeren als Nietzsche, ber das Stück eher „Brutus" benennen zu müs­sen glaubt. Den Vogel nun aber schießen unstreitig die beiden Stücke „T w e [ f ’ s Night" (Zwölf Nach!ei und „Wie es Euch gefällt" ad. Bei dem elfteren soll ber Titel daraus zurückzuführen sein, daß es .am Abend vor bem Dreikönigsfest, also in der letzten der zwölf Wechnachtsnächte, zum ersten Male aufgeführt fein fall, bei dem zweiten nun gar weiß man keine an­dere Erklärung, als daß Sheakefpeare, kurz vor der An­kündigung des Stückes gefragt, wie es denn heißen foi’e, kurz angebunden geantwortet habe: „Wie es Euch ge­fällt." Das hat der Drucker dann als Titel aufgesetzt!

Auch Schillers Titel haben zu manchen Einwen­dungen Anlaß gegeben, abgesehen von jenen Werken, roo eine überragende Person im Mittelpunkt steht, die ohne weiteres dazu berufen erscheint, den Tite' abzugeben. Sowohl „Kabale unb Liebe" wie die „Braut von Messi na" können vor einer Prüfung vom künst­lerischen Standpunkt aus nicht bestehen. Wir wären heute fast geneigt, sie gerade als Kinotitel zu bezeichnen, und auch Schiller ist offenkundig nicht ganz zufrieden gewesen, wie man aus dem Umstand, daß er beiden einen Untertitel beigegeben hat, erschließen kann. Auch die „Jungfrau von Orleans" ist als Titel ein Fehlschlag. Denn die Stadt Orleans spielt in dem W.r- ken der Jungfrau keineswegs ein so bedeutende Rolle, daß eine Benennung nach ihr gerechtfertigt wäre.

Wenn wir bann in bie neueste Zeit übergehen, so ist Hauptmann derjenige, der inbezug auf seine Titel manche Angriffsflächen bietet, wenngleich diese für die Form recht empfindlich gewordene Literaiureprche die schlimmsten Auswüchse und offenkundig« Mißgriffe vermeidet. „Dor Sonnenaufgang" zum Bei­spiel. Wem ist heute noch bewußt, was dieser Titel sei­nerzeit symbolisch andeuten wollte? War es nicht ge«

plötzlich besaßen wir Felder, Ackerland. Doch es blieb brach liegen unb wir Kinder wunderten uns sehr. Bis bann Midlanb Road gebaut wurde. Du kennst sie ja, Midland Road, einige Meilen von hier in Allendale. Nun wollte jeder unsere Felder, und Mutter verkaufte sie so gut, daß wir plötzlich wohlhabende Leute waren. Damals fing so langsam ber Autobetrieb an. In den Ortschaften, auf ben Straßen, überall wurden Benzin­tanks aufgestellt, bis wir auch in einer Bretterbude wohnten, mitten auf ber Road, meilenweit von der näch­sten Ortschaft.

Der Alte war dahin nicht mitgekommen, er ver­schwand aus unserem Leben, und wir haben langsam wie­der lachen gelernt. Doch so ganz von Herzen ists nie wieder gekommen.

Bald gab es neben dem Benzintank noch einen Ge- tränfeftanb, schließlich Würstchen, belegte Brötchen usw. 3m Lauf der Jahre wurde Mutter das, was sie beute ist eine der reichsten Frauen in Lang Island. Drei Häuser besitzt sie in Allendale, bie Felder von hier bis zum Roadhaus, Aktien hat sie gekauft und sie hat Glück mit allem. Plötzlich war ber Alle wieder da — alt — elend — ohne Arbeit. Und er durfte bleiben.

Gesprochen hat sie nicht mit ihm, ihm aber ein Zim­mer und Bett gegeben, hier in diesem Hause.

Da wohnt er nun zehn Jahre schon, und keiner küm­mert sich um ihn. Sein Essen, gewiß, das bringt Harry ihm täglich; wie es in seinem Zimmer aussieht, weiß ich nicht. Mich wundert, daß bie Ratten ihn noch nicht auf- gefressen haben. Wir verachten ihn, jeder einzelne von uns. Denn durch ihn sind wir um unsere Jugendfreude betrogen worden unb in Mutters Leben ist nur ein Ziel getreten unb bas heißt: Gelb. Wie sie spart! Heute noch, wie all bie Jahre hindurch. Kein Pfennig wird umsonst ausgegeben, keine Brotkruste fortgeworfen.

Weißt Du, wo sie schläft? In dem kleinen Käm­merchen neben der Küche. Ein schmales, hartes Bett steht darin, umgeben von schweren Geldschränken, wo ihre Wertpapiere aufbewahrt sind unb bas Geld, das fit täglich einnimmt, bis es zur Bank kommt. Sie lebt be ständig in ber Furcht, es könne jemanb einbrechen, ihi das sauer erworbene schmälern. Sie gibt uns auch nicht! von ihrem Besitz. Harry arbeitet Jahr für Jahr unb