Fuldaer Zeitung
Rund um die Woche
Bilder vom Tage.
Neue Steuern und kein Ende
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Wie aber wäre es mit wirklichen Sparmaßnahm-n?
BurScnstodt Sdilltz großes Traditcnicst am 22. Juni 1930
8t. 132.
Sonntag, den 8. Juni 1930.
daß, wie die Anfrage behauptet, das Au f k o m m en des Tonfilm es die Aussichten der Musiker ganz besonders verschlechtert hätte, mag dahingestellt bleiben. Man kann aber Verständnis dafür aufbringen, wenn gesagt wird, daß, solange die Not im Lande so groß ist. der einheimische Künstler uns näher stehen muß als der Ausländer. Es ist zu einer Mode geworden, für die Vergnügungsdarbietungen verschiedenster Art Ausländer heranzuziehen, die im allgemeinen, wie leicht festzustellen ist, in ihrem Können den deutschen Durchschnitt keineswegs überragen, meist aber um des Namens willen weitaus höhere Gagen beziehen, als ihre deutschen Kollegen. In Berlin konzertiert in einem großen Restaurant eine aus 12 Mann bestehende Negerkapelle, die täglich 850 Mark Gage bezieht. Und draußen sind die deutschen Musiker, die die beliebten Jazzinstrumente sicherlich niM schlechter zu handhaben wissen, ohne Stellung und Brot. Im Hinblick auf solche Verhältnisse scheint der Vorschlag der Anfrage ein Spielverbot für sämtliche Neger-, Zigeuner- und Kosaken-Kapelleü zu erlassen, lolange deutsche Musiker brotlos sind, berechtigt. Das Hemd muß uns näher sein als der Rock. Selbstverständlich sollen von einem solchen Verbot nicht die wirklich Prominenten betroffen werden. Ein Austausch der international bedeutungsvollen Künstler ist ja auch im eigenen Interesse zu befürworten. Daß aber der obige Vorschlag auch anderswo entsprechend vor- gcbracht worden ist, zeigt das Beispiel von England, den Vereinigten Staaten und Frankreich, wo die A u s w e i s u n g e n der meisten ausländischen Schauspieler und Musiker entweder geplant oder bereits durchgeführt ist. Die deutsche Republik hat in den ersten Jahren ihres Bestehens in dem Gefühl, nicht nur selbst vom Untertanen-Staat befreit zu sein, sondern damit auch anderen Völkern gegenüber Verpflichtungen übernehmen zu sollen, ihre Tore vielleicht allzu weit geöffnet. Heute, da jeder bitter genug um den Lebensbedarf ringen muß, scheint es an der Zeit, daß wir zunächst ine Glieder unserer eigenen Familie in Brot halten.
Aeberfremdung der Kunst.
Im Preußischen Landtage ist eine Anfrage ein- gelaufen, die darauf abzielt, daß das Staatsministerium einen Gesetzentwurf ausarbeiten möge, „der die künstlerisch nicht zu rechtfertigende Konkurrenz durch ausländische Schauspieler und Musiker unterbindet."
Die Begründung kann man sich im wesentlichen zueigen machen. Es ist allgemein bekannt, daß in der deutschen Schauspieler- und Musikerwelt A r - beitslosigkeit und Elend herrscht. Was allein in der Reichshauptstadt und in den anderen Brennpunkten des Verkehrs auf diesem Gebiet möglich ist, kam: geradezu mit Bitterkeit erfüllen. Der arbeitslose Schauspieler oder Musiker ist sa meist schlimmer daran als mancher Angehörige eines anderen Berufes, weil er noch weniger in der Lage ist, auf einem seinem eigentlichen Betätigungsfeld fremden Gebiete Geld zu verdienen und sich damit vor dem Hunger zu schützen. Ob es richtig ist.
marxistische Literatur, die Geistlichkeit wird sogar von ihrer Leitung dazu gezwungen, Marx zu studieren!" Es ist soweit gekommen, daß man den Personen, die einer religiösen Gemeinschaft angehören, diese Art von sozialistischer Literatur nicht mehr ausliefert, und man wird dazu übergehen müssen, ihnen ausdrücklich zu verbieten, Marx zu erwerben. Das ist die Angst vor dem Geiste!
In der „Prowda" erfahren wir Einzelheiten über Die Tätigkeit eines Priesters in einer großen Textilfabrik im Wladimirfchen Gouvernement: „Sie werden sich sehr irren, wenn Sie auf dem Tische des Priesters gewöhnliche Unterhaltungsliteratür aus der früheren Zeit vorzuiinden glauben; er har dazu keine Zeit, die alten Bücher wiederzukäuen. Er liest die „Prowda", „Izwestia", „Stimme des Textilarbeiter", das amtliche Blatt des Iustizkom- missariats usw. Er macht Randbemerkungen, Ausschnitte, notiert sich einige Stellen, stellt sie zusammen . . . Ein alter Derfpope aus früheren Zeiten hätte den Mund vor Erstaunen aufgesperrt rmd au Jesuitenväter der weit entfernten Zeit gedacht, mit ihrer Gewandtheit und Beharrlichkeit, ihrer Energie in der Erlangung des fest ins Auge gefaßten Zieles, ihrer Gleichgültigkeit in der Auswahl der Mittel und der Freunde." Vorn Diakon Bulawko wird uns berichtet, der einst zu 'den be- rüchtigsten Komsomolzen gehörte, dann aber au- etnem Saulus ein Paulus wurde.
Man unterdrückt viele auch dieser Nachrichten. Man wagt es vor dem Angesicht der Völbelr nicht einzugestehen, daß der Sowjetstern vor dem Lichte des Heiligen Geistes erbleicht, daß sich schon in den Tiefen eines geknechteten Volkes die neue Kraft regt, die stärker ist als der Kreml von heute. Das Büchlein schließt mit Dem Satze: „Die Macht des Kreuzes ist nicht bezwungen. Es ist nicht gelungen, das Kreuz aus der Seele des russischen Volkes zu reißen."
Solche Nachrichten sind uns heute eine seelische Erquickung. Sie zeigen, daß noch Pfingstgeist bei den Gläubigen ist. Sie lassen uns hosten, daß unter dem Ansturm der antikirchlichen Meute auch bei uns neue Kräfte des Lebens erwachen . . . Noch ein anderes Buch lese ich in diesen Tagen, es handelt von dem Opfertod des Pater Pro in Mexiko, der am 23. November 1927 erschossen wurde. (Saarbrücker Druckerei.) Auch ein Stück Heldeniegende des ewigen Frühlings der Kirche. Warum gehen diese Bücher nicht in Hunderttausenden ins Volk? Es gibt nichts Spannenderes, nichts Ideal-Menschlicheres als das, was wir da lesen vom Frohsinn in Gott und vom Mute zum Martyrium. Ja, jene Kraft, die im Brausen einstmals vom Himmel kam, sie ist noch unter uns. Blühe, herrliche Pfingrose, blühe in neuer dunkler Schönheit. Blättchen auf Blättchen treibt die ewige Lijebe aus dir hervor, bis du sterben mußt an Liebe, sterben an der Sonne, sterben, weil der Frühling so schön ist , ...
Friedrich Muckermann S. J.
Das erste Pfingstfest fiel in eine Weltzeit der Zersetzung. Ein großes, über die ganze damalige bekannte Welt hinreichendes Imperium war an seinen äußeren Grenzen bedroht und zugleich im Verfall seiner staatlichen Einrichtungen und seines Familienlebens. Eine große Verzweiflung hatte sich sogar der klügsten und stärksten Regenten bemächtigt. Man hatte allenthalben das Gefühl, der Dinge nicht mehr Herr werden zu können. Nur eine Gruppe von Menschen gab cs in diesem ungeheuren Reich, die nicht verzweifelt. Eine kleine Gruppe gab es, die den rechten Weg sah. Es sind jene, hie um Petrus in jenen Tagen versammelt waren, um mit ihm zugleich den Heiligen Geist zu empfangen.
Diese Gruppe hatte in sich den Frühling erlebt. Sie wußten im Glauben um eine Kraft, die unüberwindlich ist. Weder in politischen noch auch in wirtschaftlichen Dingen bewandert, nicht zu Hause in den schönsten Künsten und in der Philosophie, waren sie doch durch diese ihre Lenzkraft all dem gewachsen, ja überlegen. Alles, was Zivilisation und Kultur genannt werden konnte, war eben innerlich müde und erschöpft, es kam gar nicht so sehr darauf an, hier etwas zu bessern und dort, es ging vielmehr aufs Ganze, auf die Grundlagen, auf die Lebenskräfte selber. Nur wer diese erneuern konnte, der war imstande, die Weir zu retten.
Erstaunlich, mit welcher Klarheit die ersten Jünger des Herrn das einsahen. Erstaunlich, mit welcher Begeisterung sie ihre neue Fahne erhoben. Das unglaubliche Schauspiel vollzieht sich: Eine kleine Gruppe gläubiger Männer und Frauen führt eine neue Zeit der Blüte der Menschheit herauf. Solange die Welt steht, wird diese kleine Grupp? das Vorbild jeder großen Bewegung sein müssen. Sie wird in den dunkelsten Zeiten als ein Beispiel dastehen, daß man niemals verzweifeln fall. Wie ein trostreiches Gestirn wird sie leuchten, wann immer sich die Horizonte der Gefchichte umdüstern. Die heilige Schar wird es sein, deren Palladium der Sieg ist. Sie allein kennt da? Geheimnis der Welterlösung, und sie wird nicht von der Erd» verschwinden, solange unsere Pfingstglocken läuten.
Wir haben diese kleine Gruppe hundertmal auf- touchen sehen auf den Schlachtfeldern der Geschichte, um den Kampf gegen die Mächte des Untergangs zu entscheiden. Wir hören auch heute wieder von ihrem (Eingreifen, nachdem der Welt- kulturkampf des Bolschewismus über die ganze Erbe hin entbrannt ist. Es gibt in Rußland nicht nur eine Schar der „Gottlosen", es gibt dort auch öte Gläubigen der Kirche, die sich mit Vorliebe die Mirdje des Geistes nennt, und was uns da die Annalen der jüngsten Zeit erzählen, das ist wirklich wie ein Pfingftwunder der modernen Zeit. Nikolaus von Arscniew hat vor kurzzem ein Büchlein herausgegeben, dessen Verfasser der bekannte, inzwischen verschiedene Fürst Gregor Trubetzkoy ist. Es ist dos sechste Bändchen der im Hans-Harder- -berlag zu Wernigerode erschienenen Rußlandbüche. rci. In diesem Büchlein, das uns einen ausge- zcichneten Einblick in die religiöse Lage der Sow- tetunion gibt, steht ein Kapitel mit der lieber« Jtnft: „Der neue Typ des Glaubensverteidigers". Das lieft sich wie ein Stück der Apostelgeschichte, die erfüllt ist von den Wundern des Heiligen Geistes.
Die „Izwestia" haben sich bereits gezwungen Uehen, einen Alarmruf gegen die ungewöhnliche Aktivität der russischen Gläubigen zu erheben. Es heißt darin: „Die religiösen Elemente kämpfen jetzt um jede Fabrik, um jeDes Bergwerk, um jede Kn- '^ne." In der Zeitung „Neue Welt" lesen wir: „Die Kirche paßt sich mit unerhörter Schmiegsam- jett an die revolutionären Verhältnisse an, wech- . vr« gönnen und den Inhalt ihrer Agirations- arbeit. Cs wird von den theologischen Schulen in Petersburg, in Moskau und anderwärts qespro- ■ 2'Jn $encn nicht bloß die Theologie, sondern auch die deutsche Sprache und die sozialistische Ethik tzudlert werden. ,,Jn den öffentlichen Bibliotheken wühlen schweigiam Jünglinge in alten Folianten bcrum. Es sind zukünftige Generalstäbler der Po- penarmee; sie studieren fleißig die sozialistische und
^CHs
Schweres Kopfzerbrechen im Reichskabinett.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Actlendruckerei, Fulda
Dr. Edwin Redslab,
der deutsche Reichskunstwart, hat anläßlich der Rheinlandräumung ein Theaterstück „Der deutsche Strom" geschrieben, das bei den rheinländischen Befreiungsfeiern in Wiesbaden uraufgeführt wird.
Kunst und Likeraiur.
— Hermann Sfegemann - Ehrung in Koblenz. Am Mittwoch abend veranstaltete die Stadt Koblenz in Gemeinschaft mit der Koblenzer Literarischen Gesellschaft im großen Saale der Stadthalle eine würdige Hermann Stegemann-Ehrung aus Anlaß des 6 0. Geburtstages des bekannten Dichters und Schriftstellers. In feiner Festrede hob Oberstudienrat Dr. Wagener-Kob- lenz Stegemanns Werke der Bedeutung entsprechend hervor. Der Redner führte u. a. aus: Stegemann, mit genügendem Rüstzeug versehen, wurde der Deuter des ungeheuersten Geschehens der Weltgeschichte. Er wurde zum Verfechter der deutschen Sache in der offensten Weise. Oberbürgermeister Rüssel hielt darauf «ine Rede, die er mit den Worten schloß „Der ist in tiefste» Seele treu, der die Heimat liebt wie Du!"
WM
Die kleine Eva.
| * Roman von C. F r aser-Simson.
Berechtigte Uebersetzung von h. Steinitzer. Deutsches Recht beim «erlag Georg Müller in München. ~06 Anhalten des Wogens weckte ihn auf. Die Tür ..lnem wurde aufgerissen und ein Tuch über Besicht geworfen. '
"®°^n bringen Sie mich denn?" fragte er. „Wenns imiH •ntcnI><1U6 würde ich wirklich viel lieber in el9nes Haus gebracht werden, hören Sie?"
Ü(/'s mar ">cht ganz einfach, durch das Tuch sich verständ- Bim U ma(ben, und da niemand auf feine Sitte rea- 8 L c' .hie er, das Beste würde fein, zu warten, bis > kemi" - cm Bestimmungsort war und das Tuch ent« wurde, um dann feine Wünsche oorzubringen.
r wurde aus dem Wagen heraus und einige Stu« iBiehC.ln?,^r®etra.9cn" Dann ginge ein wenig weiter und Tre- C Stufen hinauf. Es mußte eine hohe
ihn x R' na* stimr Schätzung. Endlich setzte man nehm C°Cr'-.Unb cr ^ckste, da hinan nun das Tuch weg- IdiiehJ" ^röe. Aber anstatt dessen hörte er, daß ver- unh „nCr,^d,ritfe sich entfernten und eine Tür zugemacht "erschlossen wurde.
$nn ^Jn^rbares Krankenhaus dachte er und schlief fiihuJ3 ,er ®*cber erwachte, mar sein Kopf freier und er e$ ' ,ö°6 'hm der Schlaf wohlgetan hatte. Nun galt >>n,aI' t)as Tuch von feinem Gesicht wegzu- R0Dj Das war nicht so leicht. Aber indem er den «usEinfr S<üte zur anderen rollte und mit der WWkMg C , n 3unge nach half, sand er, daß er es ein ihn baLaf'E^en fonnto- Eine ermüdende Sache, die Ausr>,schwindelig machte und immer wieder zum toeit ,, ,ln Jn?anS- Aber endlich hatte er das Tuch doch os SthnJ/ beite geschoben, daß es durch seine eigne i Er f Dj?m. Besicht auf den Boden herabglitt.
Etta]' m. n” sich in einem geräumigen Schlafzimmer lic- ilett apu?. si"tte die Tragbahre einfach auf ein großes e t- .. Durch die wagrechte Lage wurde seine ^"wungefabigfeit naturgemäß erheblich einge
schränkt. Was er so sehen konnte, war ein hoher Kaminsims gegenüber und etwas rechts davon eine halb- offene Tür. An der Wand rechts befanden sich zwei große Fenster, und ihnen gegenüber mußte die Tür fein, durch die man ihn hereingetragen hatte.
So weit war er in feinen Beobachtungen gekommen, als diese Türe geöffnet wurde und ein Mann, eine Tasche mit Zimmermannswerkzeugen in der Hand, hereintrat. Er warf einen Blick auf das Bett, ging bann, ohne rin Wort zu sagen, zu den Fenstern, schloß beide Laden und drehte das Licht an.
Peter sah ihm erstaunt zu.
lieber jeden Laden lief eine Eisenftange, die am einen Ende befestigt war und am anderen in eine feste Zwinge einschnappte. An diesem Ende bohrte der Mann Löcher in die Stange und schraubte sie an den Laden fest, so daß es unmöglich wurde, sie von innen oder mißen zu öffnen. Als er mit feiner Arbeit zu Ende war, nahm -r seine Werkzeugtasche wieder auf und machte sich schweigend daran, das Zimmer zu verlassen.
„Also so ist die Geschichte", sagte Peter.
Der Mann antwortete nicht, ging hinaus und schloß die Tür hinter sich.
Taub, stumm oder beides, dachte Peter, halten sie mich vielleicht ’ür einen Herkules oder Simfon, daß sie die Laden zuschrauben und die Tür absperren, obwohl sie mich zu all dem noch festgebunden haben?
Peter überlegte. Das, was er eben beobachtet hatte, machte ihm Verschiedenes klar. Erstens, daß er vermutlich bald losgebunden würde; zweitens, daß es irgendeine Möglichkeit geben mußte, durch die Fenster zu entkommen. Drittens, daß cr sich weder in einem Krankenhaus noch in einem Irrenhaus befand. Dort hatte man andere Mittel, um Gewalttätigkeiten zu verhindern. Das sah schon mehr nach irgendeiner Räubergeschichte aus.
Das Ganze war wirklich wie ein schlimmer Traum. Wie hing das nur alles zusammen? Er rief sich den sympathischen Fremden aus dem Zug wieder ins Gedächtnis. Und den Whisky, den sie nach dem Essen zusammen getrunken hatten.
Ein Schlafmittel drin, natürlich.
Wahrscheinlich auch im Tee.
Der Sanitätswagen? Der Kerl war offenbar als fein Freund aufgetreten und hatte ihn fo wegschaffen lassen.
Jedenfalls lag er nun sestgeschnallt hier.
Aber was konnten sie nur von ihm wollen? Wenn es auf einen einfachen Raub abgesehen war, so hätten sie den doch in aller Deguemlichkeit im Zug ausführen können. Die einzig mögliche Losung war, daß sie ein Lösegeld aus ihm herauszupressen beabsichtigten. Eine geradezu phantastische Vorstellung!
6. Kapitel.
Die Tür wurde von neuem auf gesperrt, und ein langer, magerer, schwarzhaariger Mann erschien im Zimmer. Er hatte eine spitzige Nase, und fein Kinn war unter einem kurzgeschnittenen Bart verborgen. Nachdem er die Tür wieder verschlossen hatte, kam er langsam auf Peter zu.
„Ich muß Sie für diese ein wenig schnöde Behandlung um Entschuldigung bitten", sagte er. „Hoffentlich haben Sie keine Verletzung erlitten?"
Cs war nicht ganz einfach, darauf zu antworten, und Peter beschloß, ehe er klar in der Sache sah, alle Vorsicht walten zu lassen.
„Sehr bequem ist cs gerade nicht", entgegnete er. „Sie könnten mich eigentlich losbinden."
Zu seinem Erstaunen erfüllte der Mann sofort seine Bitte. Er durchschnitt die Stricke, half ihm auf die Füße und geleitete ihn zu einem Lehnstuhl neben dem Kamin, wo ein Helles Feuer brannte. Peter fühlte sich schw'nchelig und war für die Unterstützung dankbar. Die Geschichte begann ihn allmählich zu interessieren. S'C ernst zu nehmen, konnte er noch nicht über sich gewinnen.
Er lehnte sich in den Armstuhl zurück und bettachtete die hagere vor ihm stehende Gestalt.
„Was hat das alles für einen Sinn?" fragte er, „und warum hat man mich hierher gebracht?"
Der Mann sah ihn einen Augenblick schweigend an und sagte dann: „Ich gehöre nicht zu den Leuten, die lange Umschweife lieben. Daher will ich gleich zur Sache kommen. Meine Auftraggeber nahmen an, daß Sie gewisse Papiere bei sich hätten, als Sie Schottland verließen. Sic wurden durcksiucht und, da man bft
Papiere nicht bei Ihnen fand, hierher gebracht. Das erschien uns nötig. Hätte man die Papiere bei Ihnen gefunden, so würde man Sie an der Weiterreise nicht gehindert haben."
Peter konnte kaum seinen Ohren trauen, und fein Zorn wurde durch die kühle selbstverständliche Art und Weise noch angefacht, in der der andere diesen unerhörten Sachverhalt vorbrachte.
„Was, zum Teufel, soll das heißen?!" sagte er. „Glauben Sie wirklich, daß das einfach so geht? Wer sind Ihre Auftraggeber? Wahrscheinlich Bolschewiken — aber ich mochte wirklich wissen, welches Interesse die an meinen Papieren haben können?"
„Ich bin hier, zu fragen, nicht Fragen zu beantworten", entgegnete der Mann ruhig.
Peter wurde immer wütender.
„Arn besten wäre es für Sie, Sie ließen mich frei*, rief er. „Noch gibt es Gesetze für solche Halunken, wie Sie einer sind, und Sie können sich darauf verlassen, daß ich für ihre Anwendung Sorge tragen werde."
Die Beiden schwiegen, als mäßen sie gegenseitig ihre Kräfte.
Peter überlegte blitzschnell. Die einzigen wichtigen Papiere, die augenblicklich in feinem Besitz waren, waren die Akten, die er Eva gezeigt hatte. Nur mit Mühe unterdrückte er den Impuls, nachzufühlen, ob sie sich noch immer in seiner Innentasche befanden. Aber wie merkwürdig! Wenn sie nach diesen Papieren aus waren. warum hatten sie sie dann nickt gestohlen, solange cr bewußtlos dalag? Und hatten ihn dann laufen lassen? Plötzlich überfiel ihn der Gedanek an das Unerhörte der ganzen Sache.
„Was für ein niederträchtiger Plan!" sagte er.
„Mag sein", gab der Hagere kühl zurück. „Aber mir müssen diese Papiere haben, und es schien der einzige Weg, sie zu kriegen. Ich bin jetzt hier, um an Sic zwei Fragen zu stellen: erstens, wo befinden sich die Papiere zur Zeit?"
„Das möchten Sic wohl gern wissen", sagte Peter, her Zeit gewinnen wollte.
„Wir werden es schon erfahren."
„Wirklich? Und Ihre zweite Frage? "
(Fortsetzung folgt.?