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Ar. 132
Beilage zur Mldaer Zeitung
Pfingsten.
Nun gießet des Lichtes entfssfelt« Flut
Ihr Leuchten hin über unendliches Blühen, bricht aus dem ©tauften lebendiges Glühen,
Gott segnet sein Werk, und sieh, es ist gut.
Deim was er erschaffen an Wundern der Welt, Und was er an Wundern der Seele gegeben, Es stieg aus den Banden des Todes zum Leben, Und jauchzte ins Zeichen des Kreuzes gestellt.
Und heut ward ihm Stimme und zündendes Wort, Und heute ward Glauben zu Geist und zu Güte, Und heute ward Knospe zu leuchtender Blüte.
Mit flammenden Zungen klingt ewig nun fort.
Die Sprache der Liebe, di« jedem ertönt, Dor der alle Herzen verstehend sich neigen, Und Erde und Himmel in blühendem Reigen Umarmen einander befreit und versöhnt.
Marcha Groh«.
Pfingstliche Tage.
* . Don Joseph Robert Harrer.
Dfingsten, das ist blühender Höhepunkt des Frühlings und unerwartetes Wissen um den Sommer, her ferne hinter einem Wald, im Hinüberdämmern einer unendlichen Heide in den blauen Himmel seine weiche Wolkenhand hebt, als sagte er: Da bin ich und ich komme bald ....
Pfingsten, das ist ein reifes Fest, — «in majestätischer Saal, dessen Fenster nach zwei Seiten schauen
Die eine Gegend kam man geschritten durch junges Grün, durch erste Blütenfarben: nun rastet man im Saal und geht dann weiter in die zweite Gegend. Und diese Gegend wird bald in die Reife des Sommers führen. Pald, bald . . .
Pfingsttage sind Tage, da das Herz, das den ersten Frichling hindurch unbesonnen schwärmte, seinen ernsten Freund wieder erkennt, den Geist, den göttlichen Geist, der es hinweist, auf die ernste Aufgabe, zu reifen und Frucht zu bringen. Ja, der junge Frühling trieb sein Spiel mit jungen Wolken und aufwachenden Wäl- dem, er trug Sehnsucht und Drang und Ungewißheit der Menschen mit launenhaften Händen durch Sonnentage und Mondnächte. Run rastet er unter schweren Blütentrauben und findet seinen Ernst wieder.
Und die kleinen Wolken, mit denen 6r tollte, werden auch stark werden und kraftvoller. Seht nur, über jenem Berg hebt sich schon eine Wolke, eine schwere, gewitterbange Wolke . . .
Und die Wälder werden dichter werden und stiller. Blitz und Donner werden sie durchwandern und Sturzregen werden durch sie brausen wie eine gewaltige Symphonie . . .
Sommer, Sommer . . .
Und Pfingsten ist die Brücke, die leicht schaukelnde Brücke vom Frühling zum Sommer.
Wir stehen auf dieser Brücke und blicken zurück und blicken vorwärts, und unten rauscht die Zeit mit glitzernden Wellen.
Wir gehen über die Brücke, und dann haben wir schon das andere Ufer erreicht. Fern verschwimmt das ? Land, aus dem wir kamen. Und vor uns liegt das | wachsende Feld mit feinem Drang zur Reife.
Heurige Mngslen gleiten über die Weiten..
Vas Fest -es Schöpfergeistes als Spiegel des Zeikerlebens.
Bon Wilhelm Schulte.
Flehender als unser Geschlecht hat noch keines zum Pchöpfergott gebetet, zum Tröster, dem Dater der Armen, „Ausruhn in der Mühetast, / Kühlseiwind im Mittagsglast, / Tröstung in der Tränenzeit". Wir Verkommenen wissen wieder: „Ohne Zuspruch deines Lichts, Ist der Mensch ein hohles Nichts, / Ist vor Schaden nichts gefeit." Diele Pfingstfequenz der Liturgie ist der Notruf unserer Zett:
„Wasche, was im Kot verdirbt, Netze, was in Dürrnis stirbt, Heile, was in Wunden schreit."
Sicher, unsere Zeit ist nicht die erste der Mensch^n- geschichte, über die Not und Tod hereinbrach. Aber welche Pfingstdichtung hätten wir aus den Zeiten vor ■m, die mehr wäre als nur Uebertragung und Nachbildung jener klassischen Hymnen Beni Creator Spiritus und Dem Sancte Spiritus — so, daß wie Beute das Herzblut der Dichter sich in sie ergoß, die Not und Sehnsucht chres Jahrhunderts darin bettend, ja das ganze Schicksal ihrer Zeit darin meinen, aufschreien lassend! Die Pfingsllieder unserer Tage — und cs werden heute mehr gedichtet als zu irgend einer anderen 3«it — sind die Symphonie all dessen, was unter uns »ieber neu werden will, aus Schlamm und Verwesung hinaus in das Reich des Lichtes und des Lebens:
Es ist so viel im Dunkeln, Das wartet auf den Schein. O komm mit deinem Funkeln Ins arme Leben «in. — Es ist so viel gebunden, So viel, was tot und kalt. Roch flehen taufend Wunden: O Geist des Lichts, komm bald!
Zum gewaltigen Hymnus wölbt sich diese einfache Melodie Gustav Schülers bei Ernst Lissauer, ®«m Dichter der „Ewigen Pfingsten": "Einmal, ich weiß, es geschieht:
?J. rasten mit eins alle Bahnen, Werke, Maschinen ängstliches Licht steht ob der Zeit im Zenit,
Huf her amerikanischen Lanhslratze.
Ein« junge Fuldaerin, di« vor nicht langer Zett die Steife über den großen Teich machte, um !sch 'n der neuen Welt durch ihrer Hände Arbeit '9“" Lebensunterhalt zu verdienen, erzählt in nachstehenden Ausführungen von ihren Erfahrun- g«r mck Erlebnissen in Amerika. Die Schilderung .^ilgt, daß auch im Dollartande nicht alles Gold stk, was glänzt. Der Beitrag dürste eine mitt« tommene Ergänzung zu den augenblicklich in unfe- Statte erscheinenden „amerikanischen '*?neetinnerungen" von Fr. Pfann- o r 6*tben und vor allem von der weiblichen -reserschast mit Interest« gelesen werden.
Die Schrift!.
2ch habe Glück gehabt, habe wieder Arbeit gefunden führt,anirnun *n blitze abwarten, ob meine Pläne aus» tarm 01 inb’ ®r- Schmidt sein Versprechen hallen auf ar*mar freundlich, als ich meine Stelle bei ihm
i , Unb 'hm von meiner Absicht, nach Deutschland bemüh "Mite. Hat sogar versprochen, sich für mich einem m.DlIen: vielleicht könne er eine Stelle auf bo 2 ', f für mich finden, er habe Bekannte da und . a6er solle ich Ferien machen und auf Be- °Dn 'hm warten.
"tidi'm**1 ,mac9en"> das klingt sehr schön und ich habe fes tai.f ?'"zehn Tage bet Onkel ausgeruht. Doch bie- ! üch na* 2!e Sorten macht nervös, und wenn ich wirk- - Ws ^^"Efchland komme, brauche ich Geld und noch-
Ut,iUi*fQ plötzlich wieder auf der Stellensuche
Sie , ®e fpöter bet Mrs. Monroe, int Roadhaus. vnkei Wir hatten eine Spazierfahrt gemacht,
DiMpE unb m'r hotten, wie schon so oft, Vergleiche foft/hVi0 ^"lerschied, eine Fahrt durch deutsche Land- ^öwbevsla putschen Wald und auf apfel- und bim» iu beiben oLndstraßen mit nickenden Kornfeldern breit Unh ^’er ~ endlose Autostraßen, zwar
bas nan ovlgepslegt, doch nüchtern und monoton wie huft ma *-°n6fd)aftsbiIb. Riefenstrecken Landes burch-
- *e brach liegen, unbebaut, ungepflegt. Nähert
Ob den Schloten ergülbet der Qualm, und es funkeln di« Brücken und Schienen
Lang durch die Zinshäuserstraßen, in Fabriksaal und ßiabuft,
Bis in di« Winkel der Obdachlosen,
Versprüht und versplittert. Feuriges Scheinen zittert Und schauert und flammt und zuckt."
Aus diesen Wehen wird der Schöpfergeist ein neues Leben aufsteigen lassen:
„ . Stein und Beton erglänzen wie Felsen von Rosen, — lieber den Menschen kreist Gnade, und Gott, und Geist."
Doch ehe wir so von den Dingen erlöst werden können — damit mir sie wieder unter unsere Herrschaft bekommen! — müssen wir Menschen uns von uns selber befreien:
„Wie unterm letzten Hemde noch
Die Schattengreis« im Spital sie hassen bis zum letzten Mal, und jeder, sh er ostwärts mündet, allein fein Abendlicht entzündet, so sind wir eitel eingespannt und hocken bös an unferm Rand, und morden uns an jedem Tisch . ."
So gesteht Franz Werfel di« Schuld unserer Tage in seinem Bekenntnis „Beni Creator Spiritus", er ruft den Geist der Siebe an:
„daß nicht mehr fern und unerreicht ein Wesen um das andre schleicht, daß jauchzend wir in Blick, Hand, Mund und Haaren und in uns selbst dein Attribut erfahren! Daß wer dem Bruder in die Arm« fällt, dein tiefes Schlagen süß am Herzen hält, daß, wer des armen Hundes Scham empfängt, von deinem weisen Blicke wird beschenkt, daß alle wir in Küssens Ueberflüssen nur deine reine heilge Sippe küssen!"
Uns, so von der Schöpferkraft heiliger Siebe ergriffenen Menschen des Asphaltes wenden auch Pflanze
man sich einer Ortschaft, so zieren schon auf Meilen voraus Reklameschilder in den schreiendsten Farben die Ränder der Straße. „Willkommen in Galridge" heißt es oder „Lebwohl, kommen Sie zurück nach Galdridge".
Bunte Schilder empfehlen die nächste Badeküste, Ziga- rettenmarken, Hotels, Vergnügungsparks, ein buntes Durcheinander von Anpreisungen aller Art. Die Ortschaft selbst nicht das erwartete Dörflein mit Giebelhäusern und Misthaufen, sondern eine Anzahl hübschgebauter Wohnstätten, Holzhäuser meistens, die wohl sauber und freunb- lich, doch da man ihnen immer wieder begegnet, langweilig wirken. Wandersleute, Fußgänger wird man auch selten ober nie auf den Landstraßen antreffen. Wer wagte sich auch hinaus zwischen all die hupenden, staubenden Autos. Vergnügen — ftische Lust — da muß man schon in die Berge gehen ober am Fluß entlang, hier wird man keins von beiden finden.
Eins aber ist charakteristisch und einzig in seiner Art. Das sind die Roabhäuser (roab — Straße). Von den kleinsten Eisereambuben bis zu ausgedehnten Restaurationsbetrieben findet man sie allenthalben auf der amerikanischen Landstraße. Es gibt Hunderte davon — Tausende — wo eine neue Straße eröffnet wird, schießen sie hervor wie Pilze aus der (Erbe; unb sie alle suchen unb finden ihre Existenz in dem Autoverkehr.
Sie haben mich schon immer interessiert, diese Würstchenbuden und Getränkestände und ich habe mich oft gefragt, ob sich die Sache denn wirklich lohne, ob der Einzelne bei dieser Anzahl von Roadhäusern denn auch auf seine Kosten komme, und so begrüßte ich es freubig, als Onkel vorschlug, bei Mrs. Monroe einen Imbiß zu nehmen. Mrs. Monroe war eine gemütliche Wirtin, bie sich, ba es gerabe nicht viel zu tun gab, einen Moment zu uns setzte unb uns Gesellschaft leistete. Salb waren wir in angeregter Unterhaltung, als Onkel halb im Scherz fragte, ob sie nicht eine Hilfe gebrauchen könnne. „Hier mein Nichtchen, sehn Sie sich doch mal an! Einundzwanzig Jahre und erfahren in Haus und Küche!
Bei den letzten Worten trat ich Onkel mahnend auf die Fußspitzen und er blinzelte mir verständnisvoll zu. Mrs. Monroe schien aber gar nicht abgeneigt, es gäbe jetzt Hochbetrieb im Juli und da sie Onkel kenne und viel von ihm hielte — well, ich solle mal hierbleiben, für ein paar Tage wenigstens.
unb Tier bann wieder werden, was sie dem heiligen Franz bedeuteten. Das ist doch der tiefste Drang hinter all unferm neuen Bemühen um bie Natur: Wir sehnen uns heute nach mehr als dem nur körperhaften Erlebnis des Lieblichen Festes". Durch bie „Hochzeit bes Frühlings", in der grünenden unb blühenden Pracht der Natur möchten wir nahe kommen dem Geheimnis des götllichen Schöpferwirkens, damit es auch in uns „löse, was hart und starr". Wie schon um 1250 ein deutscher Sänger am Niederrhein seine natursym- dolische Pfingstfequenz begann:
„Nach des Nordwinds wildem Fauchen Laß durch unfern Garten hauchen, Himmelsfüd, dein lindes Wehn!"
Das ist der Sinn den das altdeutsche Flurgebet für uns wieder hat: „Wo der Geist der Pfingsten weht, ba fällt bie Freude hin." „Laß nur zu deines Herzens Toren / Der Pfingsten vollen Segen ein, Getrost, unb du wirft neugeboren / Aus Geist unb Feuerflammen fein!"
Vor bem Kriege schöpften wir aus biefer Losung Seibels Kraft nur im Ringen um unfern Glauben. Um bie,en allein litten wir damals Not, so wie Annett« Droste, bie im „Geistlichen Jahr" am Pfingstsonntag ben heiligen Geist zagend als Helfer anruft in ihrer Glaubensbedrängnis:
„0 Licht, o Tröster, bist du, ach.
Nur jener Zeit, nur jener Schar verkündet? Nicht uns, nicht überall, wo wach Unb Trostes bar sich eine Seele findet?
Ich schmachte in der schwülen Nacht;
O leuchte, eh das Auge ganz erblindet!
Es meint und wacht."
Wir heute verstehen dies Gebet nicht nur als Notruf des gefährdeten, persönlichen Glaubens, sondern in der weltumfassenden Weite unb Breite jenes 103. Psalms, mit bem die Kirche am Pfingsttag bem Schöpfergott zujubelt:
..Den Herrn lobpreise, meine Seele.
Wie bist bu, Herr, mein Gott, gewaltig groß!
In Glanz und Pracht bist bu gekleidet,
In Licht gehüllt gleichwie in fein Gewand . . . Und all die Wesen harren dein . . .
Doch wendest bu bich ab, erschrecken sie;
Nimmst du den Odem ihnen weg, so sterben sie Und werden wieder Staub.
Du sendest deinen Odem: sie sind da,
Unb bu erneust bas Angesicht ber Erde."
Gang ins Leben.
Von Christel Broehl-Delhaes.
So saß er jetzt immer vor ber Haustür, seit das Wetter schön geworden war: bie Hänbe aus ben Knien, bie lichtlosen Augen ins Leere gerichtet. Manchmal sprach er auch mit Senta, bem treuen Leithunb, ber ihm zu Füßen lag.
Viele Male sah Renate ben Blinben so sitzen, wenn sie an ihm vorüber in bas Haus schritt, in dem sie ben zweiten Stock bewohnte. Allmählich erhorchte der Blinde ihren Schritt, kannte ihn unter hunderten heraus: Renate rief wohl einen hellen Gruß herüber, plauderte int Vorübergehen in ihrer unwiderstehlichen Art ein p aar sonnige Worte und setzt« sich schließlich einmal zu ihm auf die Bank und erzählt« ihm etwas. Glückselig lauschte ber Blinde den schwingenden Worten. Er spürte das frische, gesunde, bescheidene Mädchen hinter den natürlichen und ganz und gar ungezierten Berichten. Ach, er kannte sie längst. Vor zwölf Jahren war sie noch ein richtiges, kleines Mädchen gewesen mit Hängezöpfen und ungelenken Gliedern. Hübsch hatte sie schon immer ausgeschaut. Wie sie sich wohl entrnickelt haben mochte?
Als er damals heimkehrte aus bem großen Kriege, ließ er sein Augenlicht zurück, unb die junge Renate Bungarten war in einer anderen Stadt gewesen, um zu studieren. Jetzt aber ging sie wieder ein unb aus in seinem Vaterhaus«, seit sie aus der Stadt zurückgekommen war. Mal«, bie treue Alte, bie schon seinen Eltern unb Großeltern gebient hatte und nun sein stilles Hauswesen besorgte, hatte ihm recht wichtig von Fräulein Renate aus dem zweiten Stock erzählt, davon, daß sie
Ehe ich mich versah, hatte ich eine weiße Schürze um, war mir ein grüner Block in die Hand gedrückt und ich war Waitreß-Kellnerin bei Mrs. Monroe.
Onkels .„Hudson" (Automarke) hupte ein krächzendes leb wohl—wohl, und sauste fort, ohne mich. Ließ mich allein bei Mrs. Monroe, zwei Stunden von der nächsten Ortschaft, von einer Bahnverbindung mit Newyork, allein auf ber amerikanischen Landstraße.
Mein Tätigkettsfeld, das Roadhaus, ist ein flaches, ausgedehntes Holzgebäube, beffen weit hervorfpringen- bes Dach auf beiden Seiten Sitzplätzen und im Vordergrund einem mit der Straße abschließenden Ladentisch Schutz bieten. Hinter diesem Ladentisch spielt sich der Hauptbetrieb ab. Was hier nicht alle aufgebaut ist in mehr ober weniger malerischer Anordnung!
Candies (Süssigkeiten) für bie Kleinsten, Hershey's Milchschokolabe in 5 Cent Packungen und alle Arten von Biskuits und Keks Crackers genannt. Den Glanzpunkt bilden die Lolliepops, Zuckerfteine an Holzstäbchen, das einzige Mittel ein schreiendes, tretendes Amerikanerbübchen in ein artiges Kind zu verwandeln. Gezuckerte und gesalzene Nüsse, Rosinen in kleinen Tütchen, Bonbonieren, dann vor allem Drinks. Das sind kalte Getränke, die in Flaschen mit Strohhalmen darin verkauft werden. Sie liegen beständig auf Eis und es gibt deren unendlich viele Arten.
Der Amerikaner, der ja von Rechts wegen keinen Alkohol trinken soll, hat sich mit feinem Ersindungsgeist auf alkoholfreie Getränke gelegt. Hat aus Obstsäften, Mineralwassern u. dgl. mehr die mannigfachsten Drinks herge- ftettt, und damit einen ganz neuen Industriezweig hervorgerufen.
Hinter unferm Ladentisch kann man sie alle finden unb es erfordert ein ganzes Studium, all bie verschiede- nen Namen zu behalten und gleich zu wissen, wo sie aufbewahrt sind. Da gibt es Orangeades, Lemonades, Li» mefobas unb Traudensodasl, Ginger Ales und White Rock Setterswasser, daneben ein Getränk, das den erlaubten Prozentsatz Alkohol enthält und den hochtönenden Namen Bier führt. „Nearbier" heißt es, und das einzige, was es mit unserem Münchener Hell oder Dunkel gemein hat, ist der Nam«. Selbstverständlich ist auch bas amerikanische Nationalgericht Eis-cream in allen möglichen Aufmachungen hier vertreten.
s. Sunt
mehrere Examen bestanden hätte unb in der Stadt iw Kunstgewerbe schon ein schönes Geld verdiene.
Als bie Sonne am Abenb vor dem Pfingstfest $w Ruhe gehen wollte, klang Renates Schritt früher als sonst über bie Pflaster bes Steingartens vor bem Hause Der Blinde lächelte ihr entgegen.
„Schon ba, Fräulein Renate?"
„Ja," lachte sie, „heute war früh Schluß! Riechen Sie etwas? Ja? Ja, das ist wilder Flieder! Bei ben Ruinen gepflückt!" Sie hielt ihm den Riesenstrauß vo; bas Gesicht unb sah, wie er bie Lider senkte über bie er loschenen Lichter.
„Bei den Ruinen--" träumte er, „bei den Ruinen war ich — zwölf Jahre nicht mehr--"
„Oh", tröstet« sie unbedacht, „es ist auch nichts meh: Besonderes da----"
„Nichts Besonderes" erwiderte er seltsam. — „Fifi mich ist das schon was Besonderes: ber 5lieber!"
„Ach, es gibt doch jetzt überall Flieder--
,Za, für Sie!"
Da schoß Rot in Renates Gesicht. Quälend empfand sie bas Unzarte ihrer Worte.
„Sie sollten auch einmal--zu den Ruinen--*
stotterte sie.
Der Blinbe senkte den Kopf tiefer.
„Sie sagen das so wunderbar leicht, Renate. Wenn ich schon hinfände, so hätte ich doch , niemand, der m'r bas alles erklärte unb mir mit guten Worten sichtbar machte, was ich nicht sehen, nur ahnen kann!"
„Soll ich Sie hinführen?" sagte Renate ohne Pathos.
„Ihr Ernst, Fräulein Renate?" kam es erregt zurück.
„Ja, warum denn nicht? Jetzt gleich! Und wenn es Abend würde darüber---mir haben ja Vollmond!"
„Fräulein Renate, das wäre ja ein Erlebnis in meinem Einerlei---"
„Soll es ja auch! Ich hole Ihren Mantel unb sage Male Bescheid!"
Wie betäubt saß ber Blinde. Glück überströmte heiß seine barbenbe Seeele. Renate Bungarten verwirklichte unwissentlich einen lang gehegten Traum.
Da kam sie schon zurück und nahm seinen Arm Senta wurde angeleint, die Hand des Blinden griff nach dem Riemengriff.
Als sie schon weit vor der Stadt waren, wo die weiten Wiesen anbuben, die in den Wald führten, bat Renate:
„Darf Senta einmal Ferien Haven? Imnier muß fie so still und sittsam dahertraben. Aber ich sehe ihr an, daß sie einmal über die Wiese jagen möchte, toll und wild, als ginge es in die Unendlichkeit."
Jnkamp nickte stumm unb hörte, wie Renate bas Tier vom Zaumzeug befreite. In glücklichen Sprüngen raste Senta davon.
„Nun müssen Sie meinen Arm nehmen!" befahl Senate. „Nun führe i ch!"
„Ja, es ist schwer für den, ber immer still unb sittsam neben mir hertraben muß —--" ber Blind«
blieb stehen unb nahm Senates Arm nicht.
„Wollen Sie meinen Arm nicht nehmen?" fragte Senate, betroffen über ben bitteren Ton. Und in Bedrängnis, feine Schwermut niederzukämpfen, scherzte sie: „Oder haben Sie Angst, daß man uns für ein Ehepaar halten wird? Keine Angst!"
„Unb — warum nicht?"
„Weil---" sie stotterte unb wußte nicht, was
sie sagen sollte.
„Weil ich ein — Krüppel bin!" vollendete er herb.
„Sein, nein! Das dürfen Sie nicht wieder sagen, Herr Jnkamp! Es gibt nicht mehr viel Männer wie Sie!
Vorabend vor Pfingsten.
Von Stefan Musius.
Sprühregen stäubt aus dunklen Wolkenbetten noch einmal hastig über’s Feld.
Das Gras schmückt sich mit vielen Perlenketten, ein Brachfeld schafft an tünft’gem Brot, und tausend Blüten springen jauchzend in den Tob.
Nun ranbet eine rote Sonne
bie Wolkenschwärme all mit Feuer ein.
Der Abend leuchtet feierlich herein---
Mir bricht bas Herz — wie eine Blüte weh' ich dem Herrn zu Füßen
und sinke tief ins Erdreich seiner Liebe, seiner Güte.
Die meiste Arbeit machen, aber auch am meisten gekauft werden die „heißen Hündchen", auch „Frankfurters" genannt. Es sind schmale Würstchen, liegen auf heißer Metallplatte, um warm unb knusprig zu werben; bann platzen sie auf unb man schiebt sie in ein burch- schnittenes, längliches Brötchen, streicht ein wenig Senf darauf und läßt sich gut schmecken. Doch wirklich köstlich sind die am Spieß gebratenen jungen Hühnchen, die selbst mein europäisch gewöhnter Gaumen mit größtem Appetit verzehrt.
Mit all diesen Herrlichkeiten treibe ich nun schwunghaften Handel. So einfach ists oft nicht, es kommt vor, daß sechs, sieben Personen auf einmal vor mir stehen und ich wende Würstchen, öffne Bierflaschen und setze kleine Eiscreambällchen in knusperige Waffeltütchen.
Es ist ganz lustig und auch interessant, die verschiebenden Physiognomien und Typen zu beobachten. Noch weht ein kühler Wind, ber sogar bas Oefchen mit ben Frankfurters erträglich macht, neben mir fingts unb fpielts im Rabiolautsprecher unaufhörlich, Autos kommen, Autos gehen. Ich finbe, daß mir mein weißes Schürzchen gut steht unb bin vergnügt. Wie lange wirb- bauern? Ob Frau Monroe mich wohl behalten wirb: Ich bliebe ganz gern ein paar Wochen hier, wenn ich auch allerhanb Unangenehmes mit in Kauf nehmen muß. Das Schlimmste ist meine Schlafgelegenheit. Im Roadhaus selbst, wo 3Dt- . Monroe und ihr Sohn Harry schlafen, ist anscheinend kein Platz für mehr Menschen, darum ist mir ein Zimmer in einem alten, halbverfallenen Haus, das auch Mrs Monroe gehört, angewiesen worden. Zum Glück bin ich ba nicht allein, Lois, Mrs. Monroes einzige Tochter, eine blasse Frau von vielleicht 35 Jahren, mit ihren zwei Kindern, teilen ben Raum mit mir. Ohne sie würde ich mich fürchten in dem schrecklichen Haus, das mir fast unheimlich erscheint und Angst einfloßt. Es ist eins jener alten, vielstöckigen Holzgebäude, wie man sie vor fünfzig Jahren schön gefunden hat und bie heute bem Verfall übertaffen sind. Liegt wohl eine ',alde Stunde vom Roadhaus entfernt, zwischen Gestrüpp und allen Bäumen, glücklicherweise, unsichtbar für die Vorüb ersah- ' renben, benn fein Anblick ist beinahe furchterregend. Eine angebaute Veranda — heute ein Trümmerhaufen; btt Fensterlöcher sind fast alle hohl ober bas Glas zerbrochen. Das Dach scheint nur auf ben günstigen Winbstoß