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Fuldaer Zeitung

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Goeoet in der Pfalz! Wem käme nicht beim ^dieses Namens Erinnern an Stunden, in Bilder aus Glanz- und Elendszeiten beut» Geschichte vor sein geistiges Auge traten!

' =5n Jahre 1030 ---. Wir Menschen von

Moloch leidend unter den Kämpfen und Schmer­großen Krieges, und beunruhigt von den m und der Unsicherheit einer neuen Epoche Geßchlechtes, sind gern geneigt, die Dinge ^Vergangenheit schärfer zu sehen. Und ver- Vir nicht mit Recht, in fremdem Geschehe.", und Gleichnis des eigenen Geschicks und Bieres Volkes wiederzufinden?

An Jahre 1030. Konrad H der mächtige Kai- gas dem fränkischen Geschlecht, stand im Schei- ftines Lebens, als er in Speyer den ein zum Dome legte. Sem Reich schien chlen ©eiten gefestigt. Neue Quellen des Le­brachen auf. Die Kräfte des Geistes wandten aus der Verteidigung der inneren gläubigen zu. Der Boden, tief gelockert durch die ^jchLltige Arbeit der Völker, gab bereits Frucht unb Ernte einer neuen Zeit. Das Christentum war «imz eingegangen in die Herzen der Menschen. Da Wanden auch am Rhein die großen anchitekto- Mchen Schöpfungen. Es wuchs jene Reihe von Nimen, Kirchen und Abteien himmelan, die heute M ihr Antlitz im Strome spiegeln, Geschlechter, »rirge, Völker und Reiche überdauert haben, sorg- fam den Schimmer der ewigen Lampe hütend bis M unsere Tage und Stunden. In Freiburg, Kraßburg, Speyer und Worms, Frankfurt, Mainz chd Köln stehen die stolzen Gotteshäuser wie eine »nxdtige Front von Burgen katholischen und deuk- Geistes. Hier fanden sich in einem neuen Mtgefühle die schöpferischen Kräfte wieder, welche in breitem Flusse aus Italien, Burgund, aus der ijtormanbie und aus der Ostmark eingemünbet garen. Kirche, Volk unb Landschaft hatten sich in der Einheit der abendländischen Christenheit ge­sunden unb gebunben zu neuem Werk, bas uns deute noch mit froher Zukunftshoffnung erfüllt.

In Speyer hatte Heinrich HL im Jahre 1060 ben ersten Erweiterungsbau bes Domes ausgeführt. Iber er hütete die große Trabition feines Vor­gängers. Auch Heinrich IV., der 1080 einen Neubau begann unb gegen 1105 vollendete, ließ nach ben Wundervollen Plänen Konrabs H. bauen. Zwar unten inzwischen von ben Baumeistern bie Ge­lehe für gewölbte Deckenkonstruktionen entdeckt unb benutzt worben, boch ber Speyerer Dom sprach in seiner romantischen Schönheit auch bann noch bie cken kaiserlichen Worte, wie Wilhelm Pinber es mdrückt. Das Gesicht blieb ungewandelt, bas sich die Zeit Konrabs II. hatte geben wollen aus ben Kräften bes unangefochtenen deutschen Kaisertums M aus den erwachenden Widersprüchen, in benen dieies Kaisertum im Wirrwarr ber Kämpfe um

rührte an bie Funbarnente des Abenblanbes. 1794 brach von Westen ber Brand ber französischen Re­volution in bie Pfalz ein, verwüstete ben Dom in Speyer, zerstörte bie Altäre und Kreuze und be­nutzte das kostbare Gefäß des Bauwerks als Stall. 1806 war die Zeit reif für den Entschluß, den Dom nieberzureißen. Da brach langsam etwas Neues an mit dem ersten Dämmern unb Wissen von einer großen Vergangenheit. Das Mittelalter war zwar längst zu Enbe, feine letzten Ausläufer aber rette­ten den Dom in Speyer, das echte Denkmal ber beutfchen Nation am katholischen Rhein.

Unb nun 1930. Der Weltkrieg ist vorüber. Die letzten Truppen ber Franzosen werben int Som­mer ben Rest bes besetzten deutschen Bodens ver- ilafsen. Und einstmals wird bie Geschichte verkün­den, daß der Dom in Speyer auch die Jahre dieser Unfreiheit erlebt hat. Aber der Dom bleibt das große Zeichen der Freiheit für die Pfalz.' Die Tage ber Unfreiheit sinb gezählt.

Hoch von ber Glockenstube bes Domes aus schauen wir über bas gesegnete ernteverheißende Land ber Pfalz bis zu den blassen Rändern ber Vogesen. Das ist alles bemiches Lanb zu unfern Füßen. Schön gewunben gleitet bas funkelnde Band des Stromes zwischen wiesenbreiten unb pappelumsäumten Ufern. Die scheibende Sonne umglüht ben warmen leuchtenben Stein bes Got­teshauses unb zeigt uns noch einmal bie Schönheit und das Geheimnis dieser Landschaft, ihres Domes und feiner formgewordenen Geschichte.

131.

gfflg, den t. Ium 1930.

Italiens Wirtschaftskrise.

Von unserem römischen Mitarbeiter.

Mussolini betont in seiner Mailänder Rebe:

Man hat gesagt, baß meine Reise, bie in ganz Italien unermeßliche Begeisterungsstürme entfei- felt hat, angesichts ber wirtschaftlichen Lage ber Nation unternommen würbe. Das ist grundfalsch unb diejenigen, die bas behaupten, sprechen bewußt eine Lüge aus. Die wirtschaftliche Sage Italiens, unb das möge in biefer Stabt, bem bebeutenbften Produktionszentrum des Landes, proklamiert werden, ist nicht schlechter als die der anderen Län­der!"

An dieser Aeußerung, die an sich wohl zutref­fend sein mag, ist das bemerkenswert, daß sie direkt zugibt, baß bie italienische Wirtschaftslage nicht aut ist. Aus ben jüngsten Kammerreben ber Fachminister ftnben sich dazu Belege, bie vor allem Zweifel aufkommen lassen müssen, ob sich rein auf diktatorischem Wege eine Besserung herbeiführen läßt.

So sagte nach italienischen Berichten der Mini­ster Bottai, ohne Zweifel bestehe ein Mißverhält­nis zwischen Produktion und Konsum in dem Sinne, daß mehr produziert werde, als die ge­schwächten Märkte aufzunshmen vermögen. Am stichhaltigsten sei noch die Annahme, baß die Durchführung ber Währung-siystemisierung auf ber Gclbbasis unb ber Sturz ber Silberpreise die tie­feren Gründe für die gegenwärtige Situation seien-

Reich und Sinn seiner Herrschaft eine tragische Größe entwickeln sollte.

tz Wir spüren hinter Zahlen ber Geschichte unb Namen ber Toten heute tiefere Bebeutung, Um» kreis unb Bewegung bes Schicksals. Unsere Augen sehen bie Hintergründe des Geschehens, wir sinb wieder empfänglich geworben für die Erdbeben, welche bie Menschheit oermanbeln, Generationen aus Frieden und satter Lebensfreude in Kummer und tiefe Sorge versetzen. Wenn wir vor den Kai­sergräbern in der Krypta bes Domes stehen, über» kommen uns solche Gedanken. Hier liegen unb ruhen bis zum Tage ber Auferstehung bie großen Zeugen einer großen Vergangenheit, hier schlafen Träger ber Herrlichkeit des alten Reiches. Einst­mals waren sie Richter, Feldherrn, Organisatoren, Schirmer ber Christenheit. Wo gibt es in Deutfch- lanb einen gleichen Platz? Unb doch, wenn mir aus bem Dunkel ber Krypta wieder draußen im Schatten bes Dornes sinb, bann ist auch unsere Zeit groß und wert gelebt zu werben. Unb weil sie Senbung unb Aufgabe nur in ber unendlichen Kette ber Geschlechter erfüllt, darum wollen wir unsere Bestimmung erfüllen. Ehern verkündet bie Glocke vom Dome die Mittagsstunde.

1039 starb Konrad II. Sein Werk, kaum begon­nen und boch im Plan Zeiten überbauernb, würbe für ihn Grab unb Denkmal. Er war ber erste, der unter ber Krypta seine Ruhestätte unter ber gewaltigen Vierung fanb, wo Zeit unb Raum ein- anber sich vermählen.

Es mag für eine spätere Zeit einmal wie eine Sage klingen: als im Weltkriege österreichische Ar­tilleriemannschaften über Speyer an die Westfront fuhren, legten sie Kränze in ber Kaisergruft nieber. Hier ruhen für sie heilige Toten. Acht Kaiser, acht Verwalter bes großen römischen Reiches deutscher Nation fanden in Speyer die letzte Ruhe. Unter ihnen der fromme Rudolf von Habsburg. Er starb 1291. Der letzte war Albrecht von Oesterreich im Jahre 1308.

Von 1030 bis dahin war bie Zeit gewaltig vor­geschritten. Das Bürgertum in de» Städten war anders geworben. Es führte große Geschäfte, hatte .sich organisiert und gewandelt unb wieber gewan­delt. Ein neues Geheimnis des Schaffens trieb die Baumeister und Künstler an die Arbeit. 1146 hatte ber heilige Bernhard im Dome zu Speyer zum Kreuzzuge gepredigt. Seinem Aufrufe mar eine gewaltige Mobilmachung ber Waffen unb Gewissen gefolgt' Tausende von Männern zogen gepanzert und bewehrt nach Osten in ein ungewisses Schick­sal, aber mit einem klaren Ziel und unbeugsamen Willen. Sie wurden erschlagen, sie siegten und wurden besiegt, aber sie taten ihre Pflicht.

1544 hielt ber große Karl 5., erfüllt von Rie- senplänen, geplagt von großen und kleinen Sorgen um fein Reich, ben berühmten Reichstag im Doms zu Speyer ab. Die Welle bes Protestantismus

0 Zahle Dom und Kaisergräber in Speyer Von 3. F. Schaefer.

2. Statt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda

Die amerikanischen Einflüsfe aus ben europäischen Märkten haben in Ausfuhr- unb Einfuhrkreisen Störungen heroorgerufen, unb bie Konsumkreise verschanzten sich hinter einer Psychologie bes Ab­wartens. Die allgemeine Unlust der Märkte be­wirke ein Mißverhältnis zwischen Großhanbels- und Kleinhandelspreisen, eine Vennehrung der Wechsel­proteste und Konkurse, eine Steigerung ber Ar­beitslosigkeit unb eine Verschärfung ber Zollpolitik. Wann bas Gleichgewicht hergestellt werben könne, lasse sich nicht ohne weiteres sagen. Sicher sei aber, baß bie Krise nicht innerhalb einer kurzen Frist gelöst werben könne.

Äusbrücklich erkannte Minister Bottai an, baß Italien biefe Symptome nut ber übrigen Welt­wirtschaft teile, daß besonders seine landwirtschaft­liche Produktion darunter leide. Die nächste Folge sei eine Abnahme der Kaufkraft der bäuerlichen Bevölkerung. Dabei hielten sich die Kleinverkaufs­preise auf der früheren Höhe, ober sie senkten sich zum mindesten boch verhältnismäßig langsam. Namentlich hob ber Minister die (Steigerung ber Arbeitslosigkeit, Zunahme der Konkurse, Flauheit der Geschäfte und Unsicherheit der industriellen U». ternehmungen hervor. Er glaubt aber, daß Italien sich im Vergleich zu reicheren Ländern noch ganz gut behaupte.

Als wesentlichste Heilmittel empfielt Minister Bottai: Die bei uns hergestellten Produkte müssen Qualitätsware sein, und sie müssen im Preise niediger fein, als in jedem anderen Lande."

Das ist natürlich ein guter Rat, mit dem das bedrängte Volk auch nicht allzuviel wird anfangen können. Wenn er endlich stärkere Spezialisierung verlangte, wobei er gleichzeitig amerikanische Ar­beitsmethoden ablehnt, so sind das alles Gemein­plätze, mit denen man sich nur bei einer ziemlich hochentwickelten Genügsamkeit abspeisen läßt.

Sehr interessant war eine kleine Kontroverse mit dem Abgeordneten Rotigliani. Dieser hatte nämlich bie Bezeichnungkorporativer Staat" ab* gelehnt mit ber Begründung, daß der Begriff Staat keinerlei Attribute vertrage. Hier wurde als be­weiskräftigstes Gegenargument vom Minister aus­geführt, baß Mussolini selber biesen Begriff ge­prägt und des öfteren gebraucht hätte.

Tatsächlich tut sich hier der eigentliche Abgrund auf: wird es ber Staat vertragen, daß man mit ihm das Experiment deskorporativen Staates" macht "in einem Augenblick, da eine so schwere Krise bie Weltwirtschaft heimsucht? Wird Italien es sich leisten können, da es so sehr mit der welt­wirtschaftlichen Not verflochten ist, sich aus dem all­gemeinen Wirtschaftsrahmen herauszulösen unb eine Welt für sich zu bilben?

Noch ist bas meiste nur in neuen Plänen und Systemen stecken geblieben. Unb durch mächtige Antriebe ist auch viel Achtunggebietendes geleistet worden. Aber die entscheidende Rettungstat steht noch aus. Dabei geht es zugleich um Sein ober Nichtsein bes Faschismus. Jebenfalls ist seit dein Siege bes Faschismus noch niemals ein so ehrlich büfteres Bild der italienischen Wirtschaftslage ge­zeichnet worden, als hier durch Minister Bottai.

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