fit. 129.
Vounerstag, den 5. Juni 1930.
Fuldaer Zeitung
2. Statt.
Druck der Fuldaer Actiendruckerei. Fulda
Mr -le christliche Schule.
Bei den Wahlen zu den Elternbeiräten am Sonntag in Berlin, hat die sogenannte christlich-unpolitisch» Liste mit großer Mehrheit geliegt. Die sozialdemokratische Liste Schulaufbau brachte es nur auf etwa ein Viertel der christlichen Sitze. Und die Kommunisten wiederum nur auf ein Drittel der Sozialdemokraten. Zu den EhristlichtUnpolitischen sind noch die katholischen Elternbeiräte an 56 katholischen Schulen zu rechnen, so daß die Mehrheit der Anhänger der konfessionellen Schule geradezu erdrückend wird. Das ist ein Erfolg, der nicht unterschätzt werden darf. Gerade -n Berlin wogt der Kampf um die Schule in letzter Zeit besonders stürmisch. Was sich die Kommunisten auf diesem Gebiet bis zur Terrorisierung der Kinder und ihrer Eltern geleistet haben, ist bekannt. Ihre Wahlniederlage ift ein Beweis dafür, daß bei ihnen der Terror wirklich eine größere Rolle spielt als die Gesinnung. Aber auch die Sozialdemokraten haben schlecht abgefchnitten. Man wird von ihrer Seite die Niederlage mit einer Reihe von Scheingründen bemänteln oder mit Rechenkunststücken in das Gegenteil umzudeuten versuchen.
Dennoch kann uns dieser Erfolg kein Grund sein, die Hände in den Schoß zu legen. Di» Sozialdemokratie zum mindesten mit ihrem riesigen und exakt arbeitenden Organisationsapparat wird alles daransetzen, um näher an die Schule heran- zukommen und dann bei der nächsten Gelegenheit die jetzt erlittene Scharte um so sichrer 'auszuwetzen. Es muß darum alles darangesetzt werden, daß auch die säumigen Eltern, die auf christlichem Boden stehen und trotzdem den jetzigen Wahlen fern geblieben sind, von der Bedeutung der Elternbeiräte durchdrungen werden. Auch in christlichen Kreisen wird die'e Einrichtung noch vielfach unterschätzt. Das ist schon darum falsch, weil die Gegner der Bekenntnisschule sich ihrer unter allen Umständen bedienen. Man soll nicht mit dem Einwand kommen, diese Beiräte seien em Ergebnis der Revolution und darum überflüssig. Sie sind notwendig und sor »llem sie sind da. Wir müssen so stark wie möglich in ihnen vertreten sein. Nur solche Einrichtungen können nicht gegen unsere Interessen ausgenutzt werden, die wir uns zu eigen machen und in denen wir Mitarbeiten.
Das Ergebnis der Berliner Elternbeiratswahlen mag auch ganz allgemein ein Licht auf die Verhältnisse in der soviel verlästerten Reichshauptstadt werfen. Auch Berlin ist nicht verloren, wenn die Anhänger einer christlichen Kulturauffassung sich die Hand reichen unb' ohne parteipolitische Verbohrtheit sich der Sache selbst, nämlich den Belangen eines christlichen Staats widmen.
Rerchspost und ArbeiksbefchWng.
Man schreibt uns:
Die Verhandlungen über die Auflegung der Young-Anleihe, die jetzt in Paris stattfinden, werden in den nächsten Tagen zum Abschluß kommen. Mn den aus dieser Anleihe auftommenden Beträgen soll Deutschland bekanntlich 400 Millionen Mark erhalten, die in der Hauptsache zu der so nötigen Ankurbelung der deutschen Wirtschaft und Belebung des Arbeitsmarktes Verwendung finden sollen.
Dies wird geschehen durch die Reichsbahn imd die R e i ch s p o st. Der Reichspost wird ein Betrag von 150 Millionen zugeleitet werden, der «n die Postscheckverwaltung überwiesen wird. In früheren Jahren, als der Kapitalmarkt noch flüssig ®nr' hat die Rcichspost einen gewissen Prozentsatz der Pastscheckgelder dem Reich, den Ländern und den Staatsbanken in Form von Darlehn zur Ver-
fügung gestellt, die dann ihrerseits dieses Geld in der Privatwirtschaft arbeiten lassen konnten. Das horte aber ans, als in den vergangenen Jahren das Geld immer knapper wurde und die Post sich gezwungen sah, zu Ausbau und Aufrechterhaltung des Betriebes in gewissem Umfange auf die Postscheckgelder zurückzugrerfen. Jetzt beabsichtigt die Rerchspost mit den auf sie entfallenden Anteil der Poung-Anleihe Reichsbankwechsel zu kaufen und auf diesem Wege das Geld wieder in die Wirtschaft zu leiten. Dieses von der Reichspost beabsichtigte Verfahren paßt sich den Wünschen der Reichsregie- rnng an, die im Zusammenhang mit der kommenden Noung-Anleihe mit Reichsbahn und Reichspost über die Möglichkeiten der Belebung der Wirtschaft durch Auftragerteilungen durch diese großen deutschen Verkehrsunternehmungen verhandelt hat. Unabhängig davon hat die Reichspost für das Jahr 1930 bereits Neubauten und Sachausgaben in Höhe von 450 Mill. Mark vergeben. Neben der ansehnlichen Höhe der aus der Reichspost in die deutsche Wirtschaft fliehenden Kapitalien wird das Ablieferungssoll an die Reichskasfs ungekürzt zur Verfügung stehen. Seins Erfüllung in Höhe von 145 Millionen stellt neben der vertragsmäßigen jährlichen Ablieferung an die Reichsbahn mit über 100 Millionen unter diesen Umständen eine erhebliche Leistung dar.
Aus allen diesen Tatsachen ist zu ersehen, daß die Reichspost dauernd bemüht ist, dem Arbeitslosenproblem die allergrößte Aufmerksamkeit zu widmen und bemüht ist, zur Linderung der Arbeitslosigkeit beizutragen, was in ihren Kräften steht. (Sch.)
* Der Schlußtermin im Konkurs Subkoff. Im Konkurs der verstorbenen Frau Subkoff der ehemaligen Prinzessin Viktoria von Preußen, wurde am Montag mittag in Bonn der Schlußtermin abgehalten. Wie der Konkursverwalter mitteilt, hat der Fürst zu Schaumburg-Lippe alle vorberechtigten Forderungen und die der Bonner Geschäftsleute zu 80—100 v. H. aufgekauft und dafür insgesamt 210 294 Mk. gezahlt. Es find außerdem noch über 800 000 Mk. gewöhnliche Forderungen angemeldet, wovon 323 576 Mk. aufgekauft wurden. Zu verteilen sind 97 000 Mk. von 110 000, die der Fürst zu Schaumburg-Lippe als Vergleichs- summe gezahlt hat, sodaß die Gläubiger'der anerkannten Forderungen 30 v. H. erhalten. Gegen diese Schlußrechnung wurden! Einwendungen nicht erhoben.
* Blitzschlag halbiert einen Fabrikfchornstein. Bei einem über dem Letzenberg bei M a l s b a ch (Baden) niedergegangenens chwerenGewitter schlug der Blitz in den 38 Meter hohen Schornstein des Tonwerkes Malsch der Gebrüder Bott. Die östliche Hälfte des Schornsteins wurden om Blitz heruntergeschlagen, während die westliche Hälfte des runden Backsteinbaues bis zur Krone hinauf stehen blieb. Die zusammonstürzenden Trümmer des Kamins zerstörten einen Teil des Daches des erst im letzten Jahr erbauten Ofengebäudes. Die übrige Hälfte des Schornsteins weist starke Sprünge auf, sodaß der Platz polizeilich abgesperrt werben mußte. Der Abbruch des 38 Meter hohen Schornsteins dürfte infolge der Einsturzgefahr sehr schwierig fein.
* Immer noch Legions-Derbung. Im März und im April 1930 wurden in der Pfalz 127 Legionswärter aufgegriffen, wobei in 76 Fällen wieder die Mitwirkung der französischen Besatzung festgestellt werden mußte. Frankreich nutzt alle Mittel aus, Legionäre zu bekommen, denn in diesem Jahre laufen Frankreichs Verträge mit den übrigen Ländern ab. Nach dem Versailler Vertrag hat Frankreich die Berechtigung, Deutsche in die Legion einzustellen, lieber zwei Drittel der gesamten Legion bestehen aus Deutschen. Ein trauriges Zeichen.
katholische Well.
Seligsprechung eines deutschen Laienbruders.
In Gegenwart des Papstes tagte am Dienstag im Vatikan die allgemeine Kongregation der Riten, die sich mit der Seligsprechung des deutschen Kapuziner- Laienbruders Konrad von P a r z h a m befaßte. Am Mittwoch wird in Gegenwart des Papstes das Dekret über diese Seligsprechung verlesen und am Son n- t a g, den 15. d. M., wird in der Peterskirche die feier- liche Seligsprechung oorgenommen werden.
- Nuntius Cesare Orfenigo in Breslau. Der päpstliche Nuntius Cesare Orfenigo weilte in Breslau. Der Nuntius begab sich nach dem Fürstbischöflichen Palais, wo er devi Kardinal Bertram, dem Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, seine Aufwartung machte.
Tagungen.
— Reichstagung der Krankenkassenbeamten. Man schreibt uns: Der Bund deutscher Krankenkassenbeamten und -Angestellten e. V. hielt am 31. Mai und 1. Juni 1930 in Hannover unter dem Vorsitz des Verwaltungsdirektors Hecker-Wittenberg und unter Beteiligung von mehreren Hunderten Delegierten aus dem ganzen Reichsgebiete seinen Bundestag ab. Das Reichsarbeits- minifterium, der Oberpräsident der Provinz Hannover, der Regierungspräsident von Hannover, der Oberbürgermeister von Hannover, die Krankenkassenspitzenoerbände und deren Unterverbände, das Internationale Arbeiis- amt, zahlreiche Oberversicherungsämter undVersicherungs- ämter, das Hauptversorgungsamt unb das Landesarbeitsamt Hannover, sowie die Reichstagsfraktionen unb Parteien, bie österreichische Sozialversicherung, die Leibniz-Akademie Hannover, die Gesellschaft für soziale Reform unb viele anbere Behörden, sowie eine Reihe von Beamtenverbänden hatten hierzu ihre Vertreter, zum großen Teil ihre Vorsitzenden, entsandt. Dr. Fey vom Deutschen Beamtenbund sprach über die notwendige Erhaltung des Berufsbeamtentums, üer den beabsichtigten Beamtenabbau und etwaige Heranziehung der Beamten zu Sonderabgaben. Universitätsprofessor Dr. Dr. Dersch, Direktor im Reichsversicherungsamt, hielt einen Vortrag über „Die Stellung der Sozialversicherung zu Wirtschaft,
Politik unb Weltanschauung", insbesondere über die hohe Bedeutung der Sozialversicherung für das deutsche Volk. Die Sozialversicherung müsse, da sie einen Aktivposten in der deutschen Gesamtwirtschaft darstelle, erhalten blecken, wenn auch gewisse Mängel vorhanden seien. Sie abzustellen sei der Praxis der Sozialversicherung möglich, umsomehr, als von einer Entartung, wie das so häufig dargestellt werde, nicht gesprochen werden könne, vielmehr es sich nur um vereinzelte typische Fälle handle, die man im allgemeinen genau tnene. Bundesdirektor Brücker sprach über die Notwendigkeit einer einheit- lichen Regelung der Ruhegehalts- unb ber Hinterblre- benenfürforge für alle ber Dienftorbnung unterstehen- den Krankenkassenbeamten, da diese im Zeichen der Reform unb Sparmaßnahmen auch für die Krankenkassen von einschneidender Bedeutung sei; außerdem forderte er ein neuzeitliches, der öffentlichen Stellung der Krankenkassenbeamten unb -angestellten entsprechendes Dis- ziplinarrecht vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus unb die Einführung von staatlich anerkannten Schiedsgerichten für Streitigkeiten aus dem Anstellungsverhältnis. Am 2. Tage befaßte sich die Versammlung hauptsächlich mit einem einzuführenden neuen, einheitlichen Beamtenrecht für die Krankenkasfenangeftellteri, das in voller Einmütigkeit auf das allerdringendste von der Versamm- tung gefordert wurde.
Frankfurter Oper.
Donnerstag, 5. Juni, 19.30 Uhr: Transatlantik.
Freitag, 6. Juni, 20 Uhr: Der getreue Musikmeister. Hierauf Petroufchka.
Gute Schuhe für wenig Gelb lautet bie Parole, unter welcher ber Verkauf ber Wolko-Schuhe — dem bekannten deutschen Markenerzeugnis — im Schuhhaus Hobes Fulda, ftarlfft. 23 steht. Die Vorteile, bie ber Einkauf im genannten Schuhhaus bietet, werben gerade jetzt, wo die Ferien- und Reifezeit naht, sehr willkommen fein. Dadurch, daß es der Fabrik durch den großen Umsatz ermöglicht wurde, für das ganze Reich vier Einheitspreislagen: 8.75, 10.75, 12.75, 14.75 festzulegen, ist jedem die Anschaffung strapazierfähiger Schuhe leicht gemacht.
VMsr von Scheffel-Feier in Säckingen.
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Das Tronipcler-Denkmal in Säckingen. Das Scheffel-Haus (mik Pfeil) in Säckingen.
In diesem Frühjahr waren es 75 Jahre, daß Scheffels berühmter „Trompeter von Säckingen" zum ersten Mal in Druck erschien. Dieses Jubiläum wird das Städtchen Säckingen in Baden, wo der Dichter 1850—51 Gerichtsbeamter war, zu Pfingsten feierlich begehen. An den Festlichkeiten werden neben der Stuttgarter Scheffelgemeinde auch ber letzte Nachkomme Uhlands, ein Apotheker in Walbenbruch, unb bie Linbenwirtin Aennchen von Gobesberg teilnehmen.
Sie rvoltto zum film!
. Aiels Damen haben eine unbezähmbare Neigung, chlmschanspielerin zu werden. Dazu gehört vor allem m anmutiges, schönes Gesicht. Schönes Aussehen ist »st wichtiger, als großes Talent!
Dame mit ausdrucksvollem Mienenspiel wollte MN Film gehen. Sie lud Filmregisseure und Direk- wren ein, einem neuartigen Rezitationsabend von ihr eizuwohnen. Der Abend kam, und auch etliche der ^ciaoonen kamen. Sie beurteilten das Mienenspiel der
Die kleine Eva.
Roman von C. Fraser-Simson.
Berechtigte Uebersetzung von H. Steinitzer.
Deutscher Recht beim Berkas Georg Müller in München.
Greafon schien seine Entlassung etwas ungnädig auf» sunehwen, aber es blieb ihm kaum etwas anderes übrig. ®s sich damit zufrieden zu geben. Während er die Ape hinaufstieg, wunderte sich Eva, warum sie ihm <cht das ganze Haus gezeigt und weshalb sie diesmal iNerlei Vergnügen dabei empfunden hatte.
, Als sie auf dem Korridor vor ihrem Zimmer stand die Tür hinter sich geschlossen hatte, kam ein Ge- Jn der Befreiung unb Sicherheit über sie. In ihrem far|b f*e ihre Jungfer, bie ein Abendkleid aus- «. bin jetzt schon zum Umkleiden heraufgekommen, Jt1" - sagte sie, „und möchte gern noch ein Bad "kywen."
ü .^“n9fam zog sie sich vor dem Feuer im Karnin aus fj® lauschte vergnügt auf die vertrauten Geräusche, die ® dem Nebenraum herdrangen, wo Janet bas Bad .sichtete. Dann schlüpfte sie in einen Morgenrock und ute sich schon in Gedanken auf eine lange und mit • Schikanen auszukostcnde Ankleidestunde.
Be einige Minuten später im Bad saß, versuchte er»-? 3U erinnern, ob Peter jemals Creason vor ihr tu hatte. Aber so sehr sie ihr Gedächtnis auch an*
Ä "9te, wollte ihr kein Name einfallen, der auch nur 2g l(t) geklungen hätte. Jedenfalls konnte sie sich diesen
a|s Freund Peters- nicht vorstellen, und je mehr Uber ihn nachdachte, desto stärker wurde ihre Anti- w*)ie gegen ihn.
4. Kapitel.
Sqs Abendessen verlies ein wenig gemütlicher als ^/"^tunbe. Eva bot ein liebliches Bild in ihrem von ber lichtgrünen Farbe der Maiblumon- . Es hatte lange, enganschließende Aermel unb E^ttetfigen Halsausschnitt, so daß ihre schmächtige der es wie angegossen faß, in dem abgeblendeten
Dame günstig: aber bie Dame hatte in ihrem Gesicht einige harte Züge unb scharfe Linien. Diese störenden Linien machten eine Filmlaufbahn, wie man der Dame schonend sagte, kaum aussichtsreich.
Einer der Regisseure nahm bie Dame zur Seite und sagte, daß sie die Fehler ihres Gesichtes beseitigen könne. Er kenne ein erprobtes Mittel. Er selbst wende es an unb andere Filmkünstler unb Filmkünstlerinnen ebenfalls. Dies begehrenswerte Mittel fei Marylan-Creme!
Die angehende Filmbioa begann, Marylan-Creme zu erproben. Schnell spürte sie den Erfolg. Die Falten verschwanden immer mehr und mehr und ihre graue,
Lampenlicht wie aus einem gotischen Gemälde herans- geschnitten erschien.
Sie erkundigte sich nach Peter, unb Creason erzählte ihr, baß er ihn bei seiner Ankunft in London getroffen habe unb daß Peter ihm auf sein schlechtes Aussehen hin gleich einen Erholungsaufenthalt in Schottland vorgeschlagen hätte. Wie er sagte, hatten sie sich schon seit Jahren gekannt unb manche Arbeit gemeinschaftlich erledigt.
Mit einem Male ging es Eva durch den Kopf, in welch unwahrscheinlich kurzer Zeit Creason die Strecke von London zurnckgelegt hatte. Sie und Peter hatten zwei volle Tage dazu gebraucht, waren schnell gefahren und hatten beim Steuern abwechseln können. Sie fragte ihn daher nach Einzelheiten feiner Fahrt, und schien es ihr nur ober war es wirklich so, jedenfalls hatte sie den Eindruck, daß er ausweichend antwortete und rasch auf einen anderen Gesprächsgegenstand übersprang.
Leichthin deutete er an, daß er ohne jede Schwierigkeit über die Bergpässe gekommen wäre. Eva verschwieg nicht, daß sie bas erstaunlich fände, da zu dieser Jahreszeit dort meistens kaum durchzukommen wäre, worauf er geschmeidig sofort zugab, daß die Straßen recht schlecht gewesen seien, was aber einem hervorragenden Fahrer, wie er einer märe, nicht viel ausmache.
Dann versuchte Eva, chn wieder auf Peter zu bringen, doch verstand er es, immer wieder abzulenken.
Unb da war es, daß ihr zum erstenmal ernstliche Zweifel aufftiegen. Zweifel, die sich immer mehr verstärkten, während unter gleichgültigen Gesprächen das Abendessen zu Ende ging.
Sie fühlte, baß mit dem plötzlichen Erscheinen dieses Mannes unb mit Peters Einführungsbrief irgend etwas nicht in Ordnung war. Nicht, als ob eine derartige un= zevemoniöse Einladung nicht zu Peters Charakter gepaßt hätte! Aber es sah ihm unähnlich, ihr diesen un* sympathischen Gast aufzuhalsen, wenn sie allein war. Warum hatte er nicht telegraphiert, um sie auf ihn oor- zubereiten? Natürlich mochte er die Absicht gehabt unb es im Drange ber Geschäfte vergessen haben. Je länger sie darüber nachdachte, desto merkwürdiger erschien ihr das alles. Und doch war kein Zweifel möglich, daß Peter selbst diesen Menschen geschickt hatte.
feste Haut wurde weich und von durchsichtiger, rosiger, entzückender Frische.
Daraus können auch Sie eine wichtige Lehre für sich ziehen: Schönheit braucht keineswegs angeboren zu fein, sie kann zu einem großen Teil erworben werden. Haben Sie ein schönes Aussehen, so hüten Sie es wie ein Juwel, indem Sie Ihr Gesicht nur mit Marylan- Creme pflegen. Wollen Sie sich ein günstiges schönes Aussehen erwerben und es ohne Falten behalten, so greifen Sie ebenfalls schnell zur besten Freundin Ihres Gesichts: Marylan-Creme. Ueber 19 000 glänzende Anerkennungen (notariell beglaubigt) sind voll des Lobes!
Während des ganzen Abends, der sich unter immer wieder einschlafenden Gesprächen ermüdend hinzog, strengte sich Eva an, eine wirkliche Erklärung für die Anwesenheit ihres Gastes zu finden. Unb ihre Unbehaglichkeit wuchs, als sie merken mußte, daß Creason ihr Mißtrauen beutlich verspürte.
Cs war eine Erlösung für sie. als er sich schon frühzeitig mit einer Entschuldigung erhob, um sich zu Bett zu begeben.
So ermüdet war sie von all ihren Zweifeln unb Befürchtungen, daß sie im Augenblick, als sie ihn die Korridortür schließen hörte, das Licht ausdrehte und sofort ihr Schlafzimmer aufscichte. Das flackernde Kaminfeuer verbreitete dort eine behagliche Wärme. Sie zauderte nicht lange, schlüpfte ins Bett und fiel fast noch in derselben Minute in einen tiefen, ungestörten Schlaf.
Irgend etwas weckte sie auf!
Kam es von ber Ueberfpannung ihrer Nerven oder war es ein Geräusch im Hause? Sie lag ganz still, zitternd vor Furcht, unfähig sich zu bewegen, wagte kaum zu atmen. Endlich raffte sie sich so weit auf, um bas Licht ber Nachttischlampe anzudrehen.
Wie bas Licht doch sogleich alles anders machte! In einem Augenblick schien alles, wie es immer war. Sie horchte angestrengt, doch kein Laut war zu hören. Da sie noch immer ein leises Unbehagen empfand, beschloß sie, bie Lampe brennen zu lassen, bis sie von neuem schläfrig würbe.
Doch ber Schlaf wollte nicht kommen. Etwas in ihrem Unterbewußtsein hielt sie wach. Sie legte sich von einer Seite auf bie andere, aber ein Gefühl der Unruhe ließ sich nicht abschütteln. Nach und nach formte es sich zu der Empfindung einer fast sicheren Ahnung: mit Peter war nicht alles so, wie es fein sollte.
Zuerst fein merkwürdiger Brief, bann bas Herschicken dieses unsympathischen Menschen, schließlich bi» fonberbare Art feiner Einführung bei ihr — was hatte das alles zu bedeuten? Irgend etwas war nicht in Ordnung, bas wußte sie jetzt so gut als gewiß.
Sie erinnerte sich gehört zu haben, baß es Leute gab, bie auch über große Entfernungen hinweg die Krankheit eines geliebten Menschen gleichsam witterten. Besaß vielleicht auch sie diesen sechsten Sinn? War es möglich, daß Peter krank war unb nn* ihr verlangte?
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Und bann fiel ihr plötzlich wieder die alte Jeanne ein. Was mochte sie wohl über Peter gesagt haben? War es ihr gegeben, Mißgeschick und Unheil vovauszusehen? Eva beharrte dabei, daß sie an solche Sachen nicht glauben wollte — wenigstens nicht bei Tageslicht. In der 'Nacht aber war es doch schwerer, sich darüber klar zu werden, was man glaubte ober nicht glaubte! Sie wünschte nun, sie hätte sich nach der Prophezeiung ber Alten erkundigt. Wie sie auch war, besser war es immer zu wissen, als da zu liegen und sich mit Zweifeln den Kopf zu zermartern.
Als sie sich endlich in einen ' Zustand regelrechter Angst hineingearbeitet hatte, gab sie jeden Gedanken an Schlaf auf. Sie beschloß, bie beiden Briefe Peters noch einmal genau durchzufehen, ob sie nicht doch eine Er- tlärung für ihren merkwürdigen Inhalt fände.
Sie lagen auf dem Tisch neben ihrem Bett, und sie nahm den ersten Brief auf und überlas ihn von neuem. Da war^ dieser Irrtum in der Hausnummer. Jetzt, da sie die Stelle aufmerksam betrachtete, glaubte sie zu bemerken, daß sie wie unterstrichen war. Nicht mit bet Feber, sondern so, als ob jemand mit dem Fingernagel darunter hingefahren wäre.
Also handelte es sich doch nicht um einen Irrtum, sondern um eine Absicht! Aber wenn so, was mochte für ein Zweck damit verbunden fein? Ihre Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, aber auf was?
Sie spannte alle ihre Fähigkeiten an. Ihre Einbildungskraft führte sie phantastische Pfade, die ihr gesunder Menschenverstand bei Tage niemals eingeschlagen hätte.
Diese sinnlofen Aufträge! Auch wieder Absicht. Wik Signallichter: Halt! Gib acht! . . .
Sie nahm den zweiten Brief zur Hand.
Die falsche Hausnummer und wieder die Spuren eines Fingernagels. Was hatte bas zu bedeuten?
Sie las die beiden Bries zu Ende unb hielt sie bann wagerecht so, daß das volle Licht der Lampe daraufliel, um nicht zu übersehen, wenn noch ein anderes Wort unterstrichen war. Und ihre Mühe wurde belohnt.
„Ich hoffe, daß es Dir gut geht und daß Du nicht vergessen hast, bie Sache mit den Blumenzwiebeln usw. in Ordnung zu bringen."
(Fortsetzung folgt.)