NILS
Ar. 128
Beilage zur Fuldaer Zeitung
4. Ium
Der junge Fischer.
Dort bläht ein Schiff die Segel, Frisch saust hinein der Wind;
Der Anker wird gelichtet Das Steuer flugs gerichtet, Nun fliegts hinaus geschwind.
Ein kühner Wasservogel Kreist grüßend um den Mast, Die Sonne brennt herunter, Manch Fischlein, blank und munter, Umgaukelt keck den Gast.
Wär gern hineingesprungen ; Da draußen ist mein Reich
Ich bin ja jung an Jahren, Da ist's mir nur ums Fahren Wohin? Das gilt mir gleich.
Friedrich Hebbel.
Marienfeier in Hünfeld.
/ „Maria hilf uns ollen aus unsrer tiefen Jtot“.
Aus Hünfeld wird uns geschrieben.
Im Maimonat wollen mir vom katholischen Jungst auenoerein eine Marienfeier veranstalten, in Hünfeld. Alle Schwesternkongregationen des Dekanates sollen eingeladen werden. Es ist ein neuer Plan. Wie ihn gestalten — und ob wir Erfolg haben? — Die Helferin- ncngruppe sucht und überlegt. Der Gedanke findet Anklang. Wir müssen Nachbarschaft halten. Wir müssen auch gemeinsam arbeiten mit tiefer Zielsetzung und mit allen Methoden moderner Mädchen- sührung. Jede will helfen, daß der Tag gelingt. Dir legen fest: Wir halten die Marienfeier in der Kirche. Dann sollen uns einige Stunden zu schwesler- licher Gemeinschaft zufammenfinden. Da wollen wir Einblick geben in unser Schaffen. Wie die Eigenart der Kongregationsarbeit. Die Arbeit ist verteilt. Emsige Borbereitung . . .
Die Präsides und die Präfektinnen des Dekanates sagen zu. Allen Vorbereitungen nach wird der Tag gelingen. Schade, Laß der Diözesanpräses nicht teilneh- msn kann. Er will zu einem Mädchentreffen in Volkmarsen.
Der 18. Mai ist ein schöner Frühlingstag. Wir gedenken am Morgen schon der vielen Mitschwestern von nah und fern. Der frühe Nachmittag bringt guten Besuch. Auf allen Straßen Leben. Man zählt über 400 Teilnehmerinnen. In der alten Stadtpfarrkirche singen wir Lab der Maienkönigin. ..Maria, sieh wir weihen die Herzen dir allein". Es ist Frühling. Laßt uns die Blumen pflücken und sie zu dem Maialtar tragen! „Schön sind die Blumen. Doch schöner sind die Menschen in der frischen Jugendzeit." Vom Frühling des Lebens kündet uns ein Präses auf der Kanzel und von den Veilchen, Rosen und Lilien, die die Jugend der Mutter bringt als Festesgruß. Von besonderer Bedeutung waren die Worte vom Wert der Jungfräulichkeit für Familie und Ehe. Das Mädchen soll suchen, „was des Herrn ist". Auch auf dem Verbandstag in Düsseldorf wurde dieses Thema behandelt in dem klassischen Referat von Frl. Eh. Straßner. Pfarrer Seifert- Mackenzell hält die Konqregntionsandacht. Während der Aussetzung singt der Chor das herrlich vertonte: Seele Christi von A. Hänsel und vor dem Segen das Salve Regina von Rheinberger.
Die Feier im Gesellenhaus zeigte noch, wie wir heute arbeiten können. Verschiedene Gruppen wirkten am Nachmittag mit, und man kann sogen: Die Mädchen sind frisch dabei. Biel froher Schaffensdrang kann sich so entfalten. Die Verantwortung für die Sache und für einander wächst. Gott segne diese Jugend, die solch frohe Stunden uns bereitet hak. Die Gefanggruppe hat feine Proben ihres Könnens gezeigt. Die Agnesgrupp« fand reichen Beifall mit ihren Volks- und Weihetänzen. Die Hildegardgruppe stellte die Mutter in den Mittelpunkt einer Arbeitsstunde, um Einblick in die Gruppenarbeit zu geben. Man kann vohl sagen: Der 18. Mai in Hünfeld trug feine Frucht.
Der Dank des Tages soll die Arbeit sein. Die Aufgaben sind groß, und Schwierigkeiten gibt es genug. Die Präsides und alle Mitarbeiterinnen der Kongregationen werden gewiß mit Freude feststellen, daß Jugendarbeit noch nicht umsonst ist. Was der Tag brin
gen sollte, war dies: zu zeigen, wie in der Mädchenarbeit das Mädchen und die Frau selb st verantwortlich mrtge st alten muß. Cs liegen noch reiche Kräfte bereit, die einzugliedern sind in die Arbeit des Jugend-Reiches der Kinder Gottes. Soll die Arbeit tiefe Erziehungsarbeit für das Leben fein, dann gilt es Helferinnen zu schulen und zu bilden, die im Sinne der kathol. Aktion vom Geiste der Mütterlicykeit getragen dem Mädchen Fuhrerinnen sind aus schwierigen Lebenspfaden. Wie klingt es dem Mädchen doch wohltuend und beglückend zugleich, wenn eine Kongreganistin
In dem romantischen Lahnstädtchen Marburg tagte kürzlich der „Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände", der als Spitzenorganisation aller deutschen Jugendverbände mehr als 4 Millionen der hündischen Jugend aller politischen und geistigen Richtungen umfaßt. In einer sogenannten „Führertagung" wagte man den Versuch, in mehrtägiger Arbeit das Problem
„Geistige Formung der Jugend in der Gegenwart"
einer Klärung entgegenzuführen. Jedem Einsichtigen wird bereits vorher klar geworden [ein, daß eine wirkliche tiefgehende Behandlung und Klärung dieser Frage int Hinblick auf das Riesenausmaß der hier zur Debatte stehenden Problematik und dem Krisenzustand unserer kulturellen Gegenwart kaum möglich war. Ebenso mußte die verschiedenartigste weltanschauliche und soziale Gliederung dieses „Jugendparlamentes" (es waren über 200 „Führer" aller Jugendrichtungen anwesend), eine einheitliche Klärung der Problematik stark beeinträchtigen. Und doch — dies sei vorweggenommen — war man angenehm enttäuscht, über die teils vornehme Zurückhaltung der verschiedenen weltanschaulichen Exponnenten dieser Tagung, sowie ihres ehrlichen Willens zur Achtung und Anerkennung einer Gemeinsamkeit in Ethos und Haltung gegenüber gewissen Grundfragen des Problems der heutigen Jugend und einer lebendigen Gestaltung der für ihre Lebenswelt maßgebenden Kräfte unseres heutigen geistigen Seins. 'Ausgenommen hiervon fei der Vortrag Fritz K l a t t's, der in feiner extrem aktivistischen Art der Propagierung kultursozialistischer Er ziehungsideale und den oft geradezu unerhörten Verdächtigungen gerade der kath. Priesterschaft als „Verführer", der „an der Schwelle der Jugend als Priester einer Jenseitsreligion lauert, um den jugendlichen Menschen an der Erfüllung seiner Diesseitsaufgaben zu hindern . . . einen stark beunruhigenden Mißton in die Haltung der gesamten Tagung brachte.
Eigentlich zerfiel die Tagung nach Art der Referate und Diskussionen in eine mehr theoretische und eine vorwiegend praktisch-reale Schau des Problems. Und hierbei konnte man nun die überraschende Feststellung machen, daß im sogen. „Jugendparlament" eigentlich gor nicht d i e Jugend selb st gegenwärtig war, redete und handelte, sondern vielmehr ein Ringen jener Kräfte zutage trat, die in ihrer Eigenschaft als sich verantwortlich fühlende Führereigenschaft der Jugend, nun im N amen der heutigen Jugend die Dinge zu meistern versuchte. Dabei muß als wichtigste Tatsache festgestellt werden, daß Verlauf und Ergebnis dieser Tagung die heutige Jugend vorwiegend alsObjektderFührungund Erziehung sahen, und nur noch in ganz geringem Maße als mitbestimmendes und schaffendes Subjekt mit einem betonten Eigenwillen zur Selbstgestaltung ihres Seins. (Diese Tagung unterschied sich also wesentlich von jugendbewegten Tagungen in der Vor- und Nachkriegszeit. Die Schriftleitung.)
Insofern wird man auch von dem vorwiegend theoretisch-philosophisch gearteten Teil der Verhandlungen eine besondere Bedeutung zumessen müssen. Gemeint sind hier die Referate von Dr. Fritz Klatt- Prerow und Prof. Wenige r-Altona. Bei aller Achtung der teils
aus ihrer Mädchenart zu ihm spricht. Man konnte es feststellen, wie alle aufhorchten, als eine Kongreganistin von dem Sinn und der Aufgabe des Tages sprach. Einen Gruß noch an den Gencralpräses zu seinem fitbernen Priesterjubiläum und das Versprechen, seiner im Gebete zu gedenken — und wir fingen als Abschiedslied: „Meer- ftern ich dich grüße".
Auch die Mädchenwelt in Stadt und Land ist in tiefer Not. Unsere Helferin und Führerin ist Maria, und unser Gebet soll nicht verstummen: Maria hilf uns allen aus unsrer tiefen Not.
von einem starken Ethos getragenen Ausführungen von Klatt über
„Generationsschichkungen vom Standpunkt der Bildungsmöglichkeiten"
werden wir als Vertreter christlicher Jugendführung und universalistisch-organischer Lebensauffassung, seine überspitz individualistisch formulierte Jugendpädagogik entschieden ablehnen müssen. Seine extrem kultursozialistische Deutung des heutigen geistig-politischen („diktatorischen") und „priesterlichen" Führeriums als „Verführer", wird an anderer Stelle im Rahmen größerer Diskufsionsmög- lichkeiten eine entschiedene, weltanschaulich begründete Zurechtweisung und Ablehnung erfahren. Bedauerlich und für die Tagungsleitung insbesondere unentschuldbar ist aber vor allem der Umstand, daß Klatt „infolge anderer dringender Verpflichtungen", nicht die Zeit und Möglichkeit einer Diskussion seiner „Auffassungen", die schon mehr Anklagen waren, zuließ. Wir empfinden es als eine Pflichtverfäumnis der anwesenden christlichen Ju- gendfiihrer, auch der katholischen, daß sie weder hiergegen Protest einlegten noch im Laufe der Diskussionen während der gesamten Tagung auch nur mit einem kritischen Wort auf die Angriffe Klatts eingingen. Jede Entschuldigung dieser Kreise wird durch die nackten Tatsachen selbst gerichtet werden.
Dagegen werden wir Pros. Dr. Weniger in seinen Ausführungen über
„Jugend und die Lebensmächte der Gegenwart" weitgehend zustimmen müssen, obwohl er die Themastellung keineswegs restlos erfüllte. Seine scharfsinnige
herbergsrecht.
Die Jugendherbergen (JH.) stehen der gesamten, unter einem verantwortlichen Führer wandernden Jugend sowie Einzelwanderern beiderlei Geschlechts bis zum vollendeten 20. Lebensjahre offen. Aufnahme finden nur Wanderer (auch Radfahrer, Baatfahrer, Schneeläufer), also Natursucher, nicht aber Arbeitsucher, Geschäftsreisende, Sommerfrischler, und dergleichen. Jugendgruppen, deren Führer nicht in der JH. nächtigen, finden keine Aufnahme.
Grundsätzlich haben nur diejenigen Aelteren einen Anspruch auf Herbergsbenutzung, die als Jugendführer mit einer Jugendwandergruppe kommen. Alle übrigen Aelteren können als Mitglieder des Reichsoerbandes in den JH. ausgenommen werden, soweit bis zu dem betreffenden Abend um 19 Uhr die Plätze der JH. nicht durch Jugendliche belegt oder durch Voranmeldung von Jugendlichen versagt sind. Nach 19 Uhr wird gleichberechtigte Herbergsbenutzung für Jugendliche und Aeltere festgesetzt und zwar in der Reihenfolge des Eintreffens. Reuankommende haben unter allen Umständen Vorrecht vor solchen, die schon einmal in der JH. übernachteten, und zwar auf die besten Plätze.
Analyse des Lebenszustandes der heutigen Jugend bewies einleuchtend, daß die heutige Jugend in ihrer Gesamtheit nicht mehr als ein Aktivum der Bildung im Sinne der tätigformenden „Bewegung" zu gelten hat, sondern lediglich als „Z uftan d", als weitgehendst passives Objekt der heutigen Lebens- und Bildungsmächte. Denn tatsächlich ist unsere heutige Jugend trotz aller Bewegtheit der Zeit, als soziologisches und seelisches Ganzes gesehen, weitgehend „zur Ruhe" gekommen, d. h. in ihr selbst ist nicht mehr jener die „Jugendbewegung" der letzten Jahrzehnte so stark beherrschende Geist eigener Lebensgestaltung und stark oppositioneller Gegenstellung zu den öffentlichen Bildungsfaktoren lebendig. Vielmehr ist hier das Wort von der „seelischen Verarmung" der Jugend, von ihrer geistigen Trägheit, nicht als Kritik, sondern lediglich als Charakteristikum ihres heutigen Lebenszustandes durchaus am Platze. Daran kann auch die leidenschaftliche Gefolgschaft gewisser Jugendgruppen zu dem politischen Radikalismus und gewisser pädagogischer Ideologien von links und rechts der Lebensmitte nichts ändern. Im Gegenteil, gerade diese kritiklose Gefolgschaft beweist uns die geb stig-seelische Leere und Unreife der reaktionären politischen Jugend, deren Wesen und Sein sich im Aeußer- lichen, im „Betrieb" und „Protest" erschöpft, ohne daß diesen Dingen ein tieferer, vom Geist wahrer Sehens- geftaltung und seelischer Bewußtwertung getragener Sinn schöpferisch wirkend innewohnt.
Im Widerspruch hierzu stand aber Wenigers leiden- schaftliche Ablehnung des heutigen Führerbegriffs und feine Ersetzung durch den verschwommenen und nichts- sagenden des „Funktionärs" der Bildung. Denn gerade wenn die heutige Jugend nur noch „Zustand", nur noch soziologische Individualität des Volksganzen sein soll (und es ja auch mit geringen Ausnahmen einzelner heute noch „jugendbewegter" Kreise tatsächlich ist), wird sie den „Führer im allerpersönlichsten Sinne fest- umrissener und geprägter Lebensauffassung und Weltanschauung doppelt notwendig haben. Das Referat Wenigers, eine wirklich glänzende und tiefgehende Analyse der soziologischen Struktur und psychologischen Gesamtsituation der Lebenswelt unserer heutigen Jugend, war uns aber nur eine Teilersüllung des Themas. Denn dort wo es endete, begann eigentlich erst die zweite, ebenso wichtige Ausgabe der Themastellung, eben die Aufzeichnung und Herausstellung der eigentlichen Wertwelt unseres kulturellen Seins und die geisteswissenschaftliche Sichtbarmachung der wichtigsten Kräftekomponenten in- nerhalb der Bildungsmächte der Gegenwart.
(Fortsetzung folgt.)
Wer in der JH. raucht ober Alkohol genießt, ist rücksichtslos hinauszubefördern und dem Gau zu melden.
Ausweispslichl.
Es haben sich auszuweisen:
1. jugendliche Ein zelwanderer bis zum vollen, beten 20. Jahr durch den Bleibeausweis mit Angabe, des Alters, ab gestempeltem Lichtbild und gültiger Jahresmarke.
2. die Mi tglieber burch bie Mitgliebskarte mit abgestempeltem Lichtbilb unb gültiger Jahresmarke;
3. Führer ber Jugenb unb Schülergruppen (Min- beftalter bes Führers 16 Jahre) in allen JH. mii Ausnahme ber in ben Alpen unb bem Alpenvorland durch ben Führerausweis mit abgestempeltem Lichtbild unb gültiger Jahresmarke. Der Führerausweis wird durch die Schulen und bie als körperschaftliche Mitglieber ben Ortsgruppen ober Gauen angeschlossenen Vereine ausgestellt unb unterzeichnet. Wanderführer, die weder in Schulen noch in Vereinen wirken, erhalten ihn durch die Ortsgruppe; ohne Mitgliedschaft erwerben zu müssen.
Keines Ausweises bedürfen Jugendliche und Schüler bis zum vollendeten 20. Jahre in
Die Jugend im Ringen der Zeik.
Bericht und Lritik zur vierten Führertagung des „Reichsausschutz der deutschen Iugend-Berdünde" in Marburg.
Don Alex E m m e r i ch-Marburg.
Neueste Bestimmungen für Benutzung der Zugend-tzerdergen.
Kneipe im Berbindungsheim.
4] Kur eine Borkrlcgsgeschichte?
Aus dem Buch „Helmut H ä r r i n g a":
Fitzwilliams fühlte das Bedürfnis, den Waschrauin Zu betreten. Mit feierlicher Zuvorkommenheit öffnete ein Korpsbursche ber Baltia dem Gaste die Tür, die aus bem Kneipzimmer zum Vorplatz führte, und dann ®>e vom Vorplatz zum Wafchraum.
Holt merkte, wie ihm immer wirrer im Stopfe wurde. Und in der steigenden Unklarheit vergaß er ei- n|ls ber heiligsten Gesetze der Kneipe: An seinen Nebenmann Niclassen. der wie er selbst Jurist war, richtete er **ne Frage, bie sich auf bie Jnstitutionenvorlesung des Professors Mechesius bezog; bie Frage war ziemlich Unnlos, aber er hatte bas dringende Bedürfnis, einen Augenblick lang an etwas anderes zu denken, als an Dinge um ihn herum.
. Niclassen war vorsichtig genug, mit ber Antwort zu *°9frn und hatte das Glück, noch nichts gesagt zu ha- en, a[s nun Mcdow dazwischen fuhr: „Holt, wie oft wl ich dir sagen, daß die Fachsimpelei verboten ist. 'Jn die Kanne! Eins, ist ein, zwei ist Zwei, drei ist . . ."
Bei den ersten Worten hatte Holt eine wahnsinnige SW in sich gespürt, dem brutalen Gesellen feine Faust 'n das breite Slawengesicht zu schlagen. Aber — er Mte an seinen Vater unb konnte sie nur in der Tasche ullcn. Ihn schauderte, als er bas Gemäß an ben Mund
Doch wider alles Erwarten brachte er auch dies- aI das Bier noch hinunter.
Aber bann begann es ihn zu schütteln, stärker unb Wttner stärker. Wohl stimmte auf Ahlefelds Kommando wcabc jetzt die Korona das zweite Sieb an „So pünkt-
Zur Sekunde", aber Holt war es nicht mehr möglich, y” Mund zu öffnen. Wies, was er denken konnte, B?\Quf einen Punkt gerichtet: daß er sich nur »’*t in das Kneipzimmer hinein erbrach.
** Zwanzig Mark Geldstrafe wären ja zu ertragen ge- l vert- Aber Ahlefeld, gerade Ahlefeld, in bie Lage Wgen, ihn nachher vor dem ganzen Renoncenkonvent °eSen solch' kolossaler Direktionslosigkeit rüffeln zu
u — nein, nur das nicht. Er würgte und würgte, nd bas Lied ertönte. Drei Verse lang ging die
Doch als nun ber vierte Vers einsetzte, ba konnte er nicht mehr, und «ährend es erklang:
„O Baltia. Dir gehör ich Dich lieb ich treu und heiß, Auf deine Farbe schwör ich, Sic' Färb' blau-silber-weiß"
stürzte er ganz formlos, trotz Medows zorniger Blicke, hinaus auf den Vorplatz. Es war ihm gleichgültig, daß er draußen Fitzwilliams fast umwarf, der gerade aus dem Wafchraum heraustrat. Er rannte nur wie besessen, und den Mund krampfhaft geschlossen und beide Hände fest davor gepreßt, in eine Ecke des Vorplatzes, und beugte sich über einen trichterförmigen Porzellanbehälter, der dort in Brusthöhe eingebaut war und nach unten in eine Blechröhre endete, die sich in den Boden verlief. Seine Hände packten zwei Mesfinggriffe, die rechts und links an ber Wand angebracht waren, und während ber ganze Körper krampfhaft erschüttert wurde, brachen ihm aus Mund und Nase dicke Ströme von Bier, Schleim unb Magensäure.
Dazu klang von brinnen der letzte Vers des Liedes, den sie alle stehend fangen:
„Wir Balten rooll’ns beweisen, Beweisen durch bie Tat, Daß Batten-Herz unb -Eisen Stets brav geschlagen hat."
Holt kam gerade rechtzeitig wieder hinein, um ben siebenten unb achten Halben, den der Fuchsmajor jetzt nachkam, mittrinken zu können. Zwar zitierte seine Hand noch ein wenig von ber Anstrengung draußen, unb als er infolgebessen etwas Bier vergoß, ließ ihn Mebow zur Strafe gleich noch einen Ganzen hinterher trinken. Uedri- gens mußte in diesem Augenblick auch Niclassen den Vorplatz unb den Trichter in ber Ecke aufsuchen.
Graf Ahlefelb sah mit verstohlenem Gähnen nach ber Uhr. Gegen dreiviertel zehn. Also mindestens fünfviertel Stunden noch muß es bauern.
Die Trinkenden fühlten sich erregter, das Bier hatte die Rauflust angestachelt. Zwar die unverbrüchlichen Gesetze hietten nach wie vor alles im Banne strenger Feierlichkeit. Aber diese Gesetze selbst boten ja bestimmte Bahnen, auf denen man bas Tier rasen lasten konnte. Die Bierrempeleien, wie erst zwischen Stavenhusen und Nie
buhr, mehrten sich. Unb immer häufiger schall auch bas | Wort „Bierjunge" unb bie Antwort „hängt".
Jetzt rief Sievers, der bisher verhältnismäßig wenig getrunken hatte, bie Herausforberung zu Scharnweber hinüber. Er war an ben Verkehrten gekommen. Scharnweber wußte sich überlegen unb antwortete: „Prost hoppelt"! Sievers fühlte sich vom Mut ber Verzweiflung gepackt und rief: „Prost breifach!"
„Lührs ist Unparteiischer", bestimmte bem Gesetze gemäß Scharnweber als der Geforderte.
„Silentium! ich bin's", rief der dritte Chargierte Lührs, unb währenb auf feinen Wink Christian unb bie beiben Fäxe brei volle Gemäße vor jeben ber beiben Gegner hinstellten, fuhr er fort: „Ich zähle bis brei. Auf drei wird getrunken. „Popokatepetl" entscheidet.
Die Kämpfer standen bereit. Sobald Lührs bis brei gezählt hat, floß das Bier des ersten Seidels in bie beiben weitaufgeriffenen Schlünde hinab. Als sie es hinunter hatten, war noch fein Vorteil auf einer Seite zu sehen ganz gleichzeitig flogen die zweiten Seidel hinauf. Nun gelang es Sievers, der mit rasendem Mut zog, zwei Sekunden eher fertig zu werden. Schon meinte Parn- hagen leise zu seinem Nachbar Mosler: „Das hätte ich doch nicht gelaubt, daß Scharnweber sich von bem an» siegen läßt." Aber es kam boch anbers. Scharnweber dachte jetzt an ben burch brei Semester fest begrünbeten Ruhm, ber zu verlieren war; bas gab ihm Halt und Kraft. Wie ein Gletfcherbach in ben Adgrunb stürzte er bas britte Seibel in seinen Magen, unb als Sievers erst ben letzten Tropfen hinabgoß, hatte fein Gegner schon bas Wort bes Sieges „Popokatepetl" ausgesprochen. Ja, fein Triumph würbe noch größer: Denn währenb Sievers nun sofort hinausstürzen mußte, um an den Trichter auf dem Vorplatz zu gelangen, vermochte es Scharnweber, noch in guter Haltung Lührs' Entscheidung mit anzuhö- ren: „Sievers dürste zweiter Sieger fein".
Dann allerdings war es auch für ihn höchste Zeit, und er tarn jetzt so rasch an ben Trichter, baß sich ber Anfang bes Bierstromes aus feinem Munde noch mit den letzten Resten dessen vereinigen konnte, was Sievers ausspie.
Der Trichter blieb jetzt überhaupt nicht fünf Minuten lang mehr unbenutzt. Nicht nur, daß brinnen die Bier- rempeleien unb bie Bierjungen sich stetig häuften, daß non den letzteren noch ein Dreifacher und zwei Doppette
getrunken wurden, auch bem Fuchsmajor war man nach Erledigung ber ersten zehn Halben sofort zehn weitere vorgekommen. Als Graf Ahlefelb enblich erleichtert für sich feststellte, daß es elf Uhr geworden sei, war unter den Füchsen keiner mehr, der nicht zweimal draußen am Trichter gewesen war. Und als jetzt das Lied erscholl „Ich kenn' einen Helden seltener Art", beugte sich gerade Holt zum dritten Male über bas Gerät.
Als er wieder herein kam, sah er totenblaß aus, und als er sich hingesetzt hatte, fiel fein Kopf schwer auf ben Tisch. Sofort rief Mebow: „Fuchs, setze bich gefälligff orbentlich hin, sofort in bie Kanne! Eins ist eins . . a
Aber weiter tarn er nicht, benn mit ganz ungewohnter Schärfe fuhr ihn Ahlefelb an: „So Mebow, nun ist's genug, bu sorgst jetzt bafiir, baß ber arme Kerl im Nebenzimmer aufs Sofa gepackt wirb."
Mebow knurrte tückisch in sich hinein, wagte aber nicht zu wibersprechen unb ließ bie Anorbnung burch Niclassen unb einen anbern Fuchs ausführen. Die Beiben konnten übrigens auch kaum mehr auf ben Seiner stehen, unb als gleich barauf Ahlefelb bie Mütze vor sick auf ben Tisch legte unb rief: „Silentium! Offizielle Kneipe ex", ba gingen auch sie zugleich mit ben meisten anbern Füchsen ins Nebenzimmer, um dort halbtot auf bas Sofa, bie Sessel unb bie Stühle zu sinken.
Was von den Füchsen noch auf ben Beinen ftanb - es waren noch brei ober vier —, blieb mit ben Korps- burschen in ber tabakgeschwängerten Luft bes Kneipzim mers unb trank weiter. O
Aber schon nach einer SBiertelftunbe zog Ahlefeld feine Uhr unb sagte: „So, mir wollen nach Hause gehen", — unb zu Harringa, Mosler unb Fitzwilliams gemenbet — „die Korpsburschen Lührs und Medow werben sich die Ehre geben, bie Herren zu geleiten."
Friedrich verständigte sich durch einen raschen Blick mit Fitzwilliams und lehnte dann dankend ab: Medow, den er im Laufe des Abends beobachtet hatte, war ihm zu unerfreulich geworden, als daß er seine Gesellschaft noch länger gewünschte hätte, und Lührs sah so todmüde aus, daß es ihm leid tat, ihn noch wach zu halten.
So sand er sich denn nach ein paar Minuten mit Mosler und bem Englänber allein vor bem Hause unb atmete m tiefen Zügen die reine Luft der köstlichen Sommer- I nacht ein.