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Der Garten im Juni.

Den „Mai kühl und nah" hätten wir ja glücklich erlebt; hoffentlich folgt nun auch' „füllt dem Bauer Scheuer und Faß". — Durch das absonderliche Mai- metter ist auch die gefürchtete Maikäferplage nur örtlich in Erscheinung getreten, und auch das an­dere Ungeziefer, das sich in diesem Monat gern am gedeckten Tisch niederläht, ist nicht so recht warm geworden, worüber wir uns freuen können. Die Aussaaten und Pflanzungen smd beendet, die gefürchteten Nachtfröste blieben aus, der Frucht- cmsatz ist vielversprechend, und ich könnte meinem lieben Gartenfreund einige Wochen Ferien geben, wenn nicht der Kampf gegen das Unkraut nötig wäre; auch fönst gibt es noch allerhand zu tun, da­für winken aber auch schon erste Erntefreuden, und man sieht es jetzt förmlich wachsen. Halten wir also ein wenig Umschau: Im

Ziergarten

ist Vergißmeinnicht, Goldlack usw. im Verblühen, und der Sommerflor kann zu seinem Rechte kom­men. Vor allem die Rose herrscht in diesem Mo­nat, die unbestrittene Königin der Blumen; sie sollte in keinem Garten fehlen; sie ist so richtig das Lieblingspflegekind des Gartenfreundes und war es schon vor urdenklichen Zeiten. — Nach Beendi­gung der Blüte ist nunmehr der Schnitt an den Frühjahrsblütensträuchern vorzunehmen. Ein et­was scharfer Riickschnitt der diesjährigen Blüten­triebe und sinngemäßes Auslichten bringt die not­wendigen starken Blütentriebe für das nächste Jahr. Der Bast spielt jetzt ebenfalls eine wichtige Rolle, denn überall gibt es etwas anzubinden, sei es eine Ranke oder ein gelockerter Roscnhochstamm, auch die Dahlien müssen ihren Pfabl bekommen. Neu­anpflanzungen von Schlinggewächsen mit Topfbal­len ist auch jetzt noch gut möglich. Alle Pflanzen und auch der Rasen braucht aber ständige Feuchtig­keit, vor allem die neugepflanzten Sträucher, Stau­den und Koniferen. Im

Gemüsegarten

ist der Spargelstich in vollem Gange. Anfang Ium reifen auch die ersten Erdbeeren. Man achte darauf, daß dieise nicht in feuchtem Zustande ge­pflückt werden und bedecke die Pflückbehälter auch gegen allzu scharfe Sonne. Nach der Erdbeerernte sind die Beete sofort gründlich zu reinigen und aufzulockern, damit die jungen Ablegerpflanzen sich gut bewurzeln können, alte Beete sind umzugra­ben und mit Gemüse zu bestellen. Nach der Spar­gelernte kann eine kräftige Düngung der Beete mit Jauche erfolgen, aber auch Stallmist und Kunst­dünger kann nach dem Abschluß der Ernte Verwen­dung finden. — Als Gartenpolizisten sind zu scho­nen der Maulwurf und die Kröte, alles Ungezie­fer ist restlos zu vernichten. Im

obstgartcn

gilt unsere ganze Sorgfalt den Neuanpflanzungen. Die Baumscheiben sind zu lockern und zu wässern, Baumbänder müssen festsitzen. Die Stachelbeeren können ausgepflückt werden, dadurch werden spä­ter die reifen Beeren bedeutend größer. Im Spa­liergarten heißt es Anheften und Pinzieven, des­gleichen auch am Weinspalier. Die Schädlinge zei­gen sich jetzt überall und müssen rücksichtslos be­kämpft werden, ebenso natürlich auch der Mehllau usw.

Der Aimmergarken.

Lm Zimmer sind nur einige Blumen, denn die meisten, auch die ihrer Zartheit wegen bisher in der Stube gebliebenen, sind hinausgewandert in den Garten oder auf die Fensterbretter und Bal- kone. Die Palmen lassen sich vorteilhaft zum Schmuck von etwas beschatteten Stellen verwen­den, während man die Farne im Schatten von Laubbäumen aufstellt, wo sie bei täglich wieder­holtem Spritzen sehr gut gedeihen; auch die mei­sten Kakteen und sonstigen Fettgewächse stehen jetzt besser im Freien als im Zimmer, verlangen aber fast ausnahmslos die vollste Sonne. Durch Aus­saat kann man chinesische Primeln, Zinerarien,

Goldlack für das nächste Jahr vermehren. — nur einmal am Tage zu gießen genügt durchschnittlich nicht mehr, früh und abends sollte es zum minde sten erfolgen, und ein der Hitze entsprechendes, mindestens einmaliges Ueberbrausen tagsüber er­frischt noch besonders. Bei den eingewurzelten Topfgewächsen darf mit flüssigem Dünger nicht ge­spart' werden. Die raschwüchsigsten der im März versetzten Topfpflanzen sind bereits derart durch­gewurzelt, daß ein zweites Verpflanzen nötig wird. Im allaemeinen bringt der Monat nicht über­mäßige Arbeit, man erntet gewissermaßen den Dank für frühere Mühen. kos.

Die Frühlingsheide (Erica carnea) ist ein sehr beliebter Frühlingsschmuck. Die im Herbst vorge­bildeten Blüten des Sträuchleins entwickeln sich zeitig im Frühjahrr und sind der beste Schmuck für Böschungen, Einfassungen usw. Auch auf Gräbern nimmt sie sich sehr schön aus. Die Farbe der Blü­ten ist bei der Stammform fleischrot, doch gibt es jetzt auch weiße und purpurrote. kos.

Vlattlausbekämpfung.

Ein sehr lästiges Ungeziefer aller Gemüse-, Blu­men-, und Blattpflanzen, von Obstbäumen und Beerensträuchern sind die Blattläuse. Besonders die schwarzen Läuse an Puff- und Pferdebohnen, welche auch Busch- und Slangenbohnen sowie Gar­tenmohn befallen, und die weißgrauen Läuse am Kohl machen dem Gartenbesitzer außerordentlich viel zu schaffen. Namentlich an heißen und trocke­nen Tagen geht die Vermehrung, welche auf un­geschlechtlichem Wege erfolgt, dermaßen schnell vor sich, daß in unglaublich kurzer Zeit ganze Kultu­ren von den Läusen bedeckt sind. Durch den fort­gesetzten Saftentzug verkümmern, die Pflanzen, welche dann auch keine richtige Ernte bringen.

Das Wichtigste in der Bekämpfung der Blatt­läuse ist, daß sie schon beim ersten Auftreten der Schädlinge einsetzt, bevor die Vermehrung der Blattläuse sich bereits ins Uferlose gesteigert hat. Alte Hausmittel anzuwenden, ist meist zwecklos. Auch die Selbstherstellung von Spritzbriihen durch Auskochen von Tabak empfiehlt sich nicht. Man nehme lieber das von Wissenschaft und Praxis empfohlene fertige Handelspräparat Venetan, das in 1—1,5prozentiger wässeriger Löisung angewandt wird. Venetan hat sich nicht nur gegen Blattläuse an Freilandgewächsen bewährt, sondern es können damit auch empfindliche Gewächshauspflanzen be­handelt werden.

Einjährige Schlinggewächse im Garlen.

Besonders in kleineren Mietgärten, wenn der Pächter oft nicht weiß, wie lange er seinen Gar­ten behalten kann oder will, empfiehlt sich die An­pflanzung von einjährigen Schlingpflanzen für Lauben und unschön wirkende Wände, zur Ver­deckung von Nebenräumlichkeiten oder auch des Komposthaufens, des Hühnerauslaufes ufw. Aber auch in anderen Gärten, dort, wo ausdauernde Schlingpflanzen noch zu jung sind, um die ge­wünschte Deckung zu schaffen, können einjährige Schlingpflanzen als Schmuck angepflanzt werden. Ebenso lieben es manche Gartenbesitzer, zwischen ausdauernden Schlinggewächsen noch einjährige zu fetzen. Als die schönste derartige Pflanze ist wohl die Gartenwinde anzusehen; sie bringt wunder- schöne Blüten hervor, die von weiß bis blau dif­ferieren. Die Gartenwinde will allerdings einen sonnigen Platz, viel Wasser und nicht den schlech­testen Boden haben. Man braucht sie nicht erst in Töpfe auszusäen, sondern kann sie gleich auf das Land bringen. Eine sehr schöne einjährige Schlingpflanze ist auch die wohlriechende Wicke oder Gartenwicke. Die Farbe ihrer Blüten ist sehr nuancenreich. Bei der Aussaat im Freien ist ein Abstand von 10—12 Zentimeter zu empfehlen; spä­ter, wenn zu übersehen ist, welche Pflanzen am besten fortkommen, muß der Abstand vergrößert werdend Die schwächeren Pflanzen werden fort­genommen. Steht die wohlriechende Wicke zu eng

zusammen, so kann sie sich nicht voll entwickeln, was sich and) beim Blühen bemerkbar macht; die Blüten werden weniger groß und nicht so schon. Bei einigermaßen günstiger Witterung blüht die Wicke schon Ende Mai oder Anfang Juni. Sie blüht dann dauernd, bis im Herbst die Nachtfröste einsetzen. Die Wicke gedeiht auch auf leichtem Bo­den; sie beansprucht aber häufiges Gießen. Zur Bedeckung von Wänden, Mauern, Gittern, aber auch zur Ausschmückung des Balkons eignet sich be­sonders die Kobäa, eine aus Mexiko stammende einjährige Schlingpflanze mit reichem Laub und großen Blüten in violetter Farbe. Ebenso eignen sich die Zierkürbisse, von denen wir verschiedene Arten kennen, als einjährige Schlingpflanzen. Vor allem auf Abhängen, die sonst wenig oder gar nicht ausgenutzt werden können, und die doch

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hübsch werden sollen, ist die Anpflanzung von Zier­kürbissen zu empfehlen. Allerdings verlangen diese Pflanzen viel Wasser. In Gärten, wo man mit dem Wasser sehr sparsam sein muß, werden Zier- kürbisse stets ein spillriges Aussehen haben. Be­sonders zur Bildung von Festons ist die Schön- rebe zu empfehlen, eine aus Chile stammende Pflanze, die bis zu sechs Meier rankt. Die Schön­rebe wird in Töpfen angepflanzt und dann auf das Land gebracht. Bedingungen des Gedeihens sind sonnige Lage und eine Erde, die vorher gut gedüngt worden ist. A. M.

Dodenmüdigkeit

nennt man den Zustand des Bodens, wenn eine Frucht nach wiederholtem Anbau oder längerem Stand am gleichen Platze nicht mehr gedeihen will. Besonders auffällig ist die Bodenmüdigkeit in allen Obstgärten. Wo Kernobst oder Steinobst jahr­zehntelang gestanden haben, ist trotz reicher Gaben von Dünger und anderen Nährmitteln der Boden einseitig ausgewogen, daßs neugepslanzte Bäume gleicher Art nicht mehr fortkommen. Entweder muß anderes Obst eingepflanzt werden, oder es muß die alte Erde tief ausgeschachtet und sortge- schofft und neue Erde dafür angefahren werden. Schwefelkohlenstoff hebt die Bodenmüdigkeit in ge­wissem Grade, doch ist ein wirklich durchgeführter Fruchtwechsel immer das beste Mittel gegen jegliche Bodenmüdigkeit. v \

Der Memtierhos im Juni.

Freier Auslauf ist, soll sich die Hühnerhal­tung bezahlt machen, unbedingt nötig und bei ihm ernährt sich das Geflügel im Sommer fall allein und gebraudjt Beifutter nur in geringen

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Mengen. Wo es an freiem Auslauf mangelt, gebe man reichlich Grünfutter, von dem nötigen Weich­futter aber gerade nur so viel, als gleich gefressen wird, es verdirbt bei Hitze zu schnell. Die Ställe sind gründlich rein zu halten, außerdem stelle man Sand- und Staubbäder her, die zum Gedeihen der Hühner und zur Verringerung des Ungeziefers sehr viel beitragen. Wo für die Enten und Gänie keine natürlichen Bade- und Schwimmgelegenheiten vorhanden sind, gebe man reichlich Wasser, fie brauchen es und gedeihen am besten, wenn sie je­den Bissen mit Wasser hinunterspulen können. Für die Tauben ist auf den Feldern der Tisch nicht mehr so gut gedeckt, sie sind deshalb besser als bis. her zu füttern. — Den Jungtieren der Sanin.z d) e n gibt man, wenn möglich, einen großen Lauf, platz undt renne die Geschlechter im Aller von etwa vier Monaten. Die Futtergeschirre sind täglich reinigen und die Stallungen mit Kalk auszustrei­chen. Grünfutter ist für die Kaninchen zurzeit auch das beste und gesündeste Nahrungsmittel, weshalb Heu, Kartoffeln, Kleie ufw. nur als Beifutter an. zusehen find. Bei den Ziegen ist Weidegang oder nicht zu beschränkter Auslauf ebenfalls am vorteilhaftesten, da diese Lebensweise am natur- gemäßesten und demnach am gesündesten ist. kor.

Verschiedenes.

Bruteier müssen möglichst frisch sein, da länge, res Liegen auf die Keimfähigkeit nachteilig ein. mutt; nicht minder müssen sic gut und zweckmäßig verpackt werden, weil Erschütterungen das Zu- fammensließen des Eiinhalts veranlassen können, wodurch die Eier ebenfalls zur Bebrütung unge­eignet werden. Als sehr praktisch haben sich Papp- kartons erwiesen, die ein ober mehrere Dutzend Bruteier ausnehmen. Werden diese Pappkarton, «mch in Spankörben gut zwischen Lagen von Well- pappe, Holz- ober Papierwolle eingepackt, so hat der Verkäufer sein Möglichstes getan, um die Eie; vor Schäbigungen zu bewahren.

Knochenschrot ist ein gutes Beifutter für alles Rutztier des Hofes. Dem gekauften ist aber nicht fo ohne weiteres zu trauen, da es leicht entfettet fein kann und dann wertlos ist. Am besten stellt . man es sich auf einer Knochenmühle aus frischen Markknochen selbst her. kos.

Staubbäder für Hühner sind leicht herzustellen Man füllt eine Bodenvertiefung (natürlich an einem ' trockenen Platz) ober eine große, flache Kiste mit Staub unb zerkleinerter, feingesiebter Holzasche j (man kann auch Tabak- unb Schwefelblüte zusetzens. Das ist alles Im Sommer wirb bieses Bab am besten im Freien, im Winter im Scharraum unter« 1 gebracht. kos. 5 '

Gesunde Tauben baden gern unb scheuen auch kaltes Wasser nicht, wie man es im Frühjahr bei der Schneeschmelze leicht beobachten kann. Zeigen , sie vor bem Wasser Wiberwillen, so ist bies ein Wink für den Besitzer, sich um ihr Befinben zu be­mühen. *,« |

Um Sahen vom Taubenschlag fernzuhalten, braucht man nur Pfefferstaub auf die Flugbretter zu streuen. Katzen, denen einmal Pfeffer in die Nase gekommen ist, kehren nicht wieder zurück, kos.

Sind Kaninchen mit Ungeziefer behaftet, so i|t der Stall auszuräumen und gründlich auszuweißen, alle Einrichtungsgegenstände sind mit Karbolineuni zu bestreichen und die Tiere mit Kamm unb Bürste zu reinigen. Dann stäubt man sie mit gutem trockenen Insektenpulver, das aber bis auf die Haut bringen muß, ein. Nur bei biefer streng durchgeführten Behandlung kann man ai,f Erfols; rechnen.

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