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§c. 1K.

jreitag. den 31. Mai 1930.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt

Druck der Fuldaer Acliendruckerei, Fulda

Reformen in der Steuer-Verwaltung.

Eine Vorprüfung durch den Reichssparkommissar.

Von besonderer Seite

3n der O Öffentlichkeit ist die Steuerverwaltung getadelt worden, weil die Neufestsetzung der Ein- >,xjtsbe Wertung auch in diesem Jahre nicht stattfinden soll. Schon 1928 hatte der Ncichsfinanzminister darauf Hinweisen müssen, daß selbst eine Härtennachprüfung bei der Einheitsbe- ivertung im wesentlichen an den technischen Un­möglichkeiten scheitere.

Inzwischen haben nun Beauftragte des Reichs­sparkommissars unter der Leitung des Präsidenten fl I. p. Laer mit der Durchprüfung der Reichsfi- nanwerwaltung begonnen und beim Landesfinanz-

Brandenburg eine Vorprüfung veranstaltet. Dem Vernehmen nach hat sich bereits dabei di- Mtsächliche Ueberbürdung der Steuerverwaltung flennen lassen. Die Reichsfinanzverwaltung hat in dem Bestreben, den Unkostenkoeffizienten nach Möglichkeit niedrig zu halten, zwar eine vorsichtige Personalpolitik getrieben, aber nicht zugleich auch für die notwendige Vereinfachung des Geschäfts­betriebes Sorge getragen. Hier bieten sich demnach 6cm Reichssparkommissar reiche Möglichkeiten, nicht nur der inneren Ueberlastung zu steuern, evtl. durch eine Behördenverringerung noch zu weiteren Einsparungen zu kommen.

Wie man hört, ist das Augenmerk des Reichs- sparkommifsars auch tatsächlich auf einen BcHör­denabbau gerichtet. Von den lokalen Finanzämtern sollen etwa 100—150 im ganzen Reichs gebt et ver­schwinden. Auch die Landesfinanzämter sollen nicht geschont werden. Die geplanten, vielfach sehr einschneidenden Maßnahmen dürften dadurch tragbar gestaltet werden, daß bei dieser Gelegen­heit mit dem historisch-politischen äußeren Aufbau der Steuerverwaltung anscheinend gebrochen wer­den soll. So beabsichtigt man z. B. das Landes- finanzamt Mecklenburg-Lübeck aufzuteilen, Unter­weser (Bremen) mit Oldenburg zu vereinigen und Ober- und Niederschlesien zu verschmelzen.

Umstürzender dürfte noch die im rheinisch-mai- «ischen Wirtschaftsgebiet geplante Aenderung sein.

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xun Sonntag., den 1. Juni 1930

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wird uns geschrieben:

Dort soll nämlich in Frankfurt a. M. ein neues Landesfinanzamt gegründet werden, in dem das bisherige Landesfinanzamt Darmstadt und auch der südliche Teil des Landesfinanzamtes Kassel aufgehen sollen. Hier wird der Grundsatz, den äußeren Aufbau der Steuerverwaltung den W>rt- ichaftsgebieten anzupassen, besonders deutlich. Die Anwendung dieses Grundsatzes aber sollte vor den lokalen Steuerbehörden nicht Halt machen, da sich nur auf diesem Wege die sonst leicht möglichen, un­liebsamen wirtschaftlichen Auswirkungen vermeiden lassen werden.

Bei der inneren Geschäftsvereinfachung dürfte es vor allem darauf ankommen, einer drohenden Personalvermehrung vorzubeugen. Bei den heu­tigen Verhältnissen ist eine solche unvermeidbar. Erst vor wenigen Wochen mußte z. B. das Lan- dessinanzamt Berlin 600 Angestellte neu einftelen, bloß um die Rückzahlungen aus der Lohnsteuer zu erledigen. Dabei beträgt der Durchschnittssatz der Rückvergütungen nur IS.— Mark. Die Anregung, diese. Rückzahlung durch eine pauschaliter.Nr Ar­beitslosenversicherung zu zahlende Summ- abzu­gelten, die sich auf rund 40 Millionen Mak belau­fen würde, sollte daher ernstlich in Erwägung ge­zogen werden.

Auch die starke Belastung der Finanzämter durch das zweifache Veranlagungsgeschäft im Frühjahr und Herbst wird nicht übersehen werden können. Auf diese doppelte Veranlagung dürfte es u. a. zurückzuführen sein, daß z. B. die Neu­feststellung der Einheitsbewertung, über deren Ausbleiben die Wirtschaft — wie gesagt — stark beunruhigt ist, immer wieder hinausgezögert wer­den mußte. Die Einheitsbewertung verträgt aber auch selbst eine starke Vereinfachung, wozu in aller Welt muß der veranlagende Beamte an sich selbst Steuerbescheide ausfertigen? Komckit es doch ga"- nicht so selten vor, daß wenn ein ßenfit z. B? in­nerhalb eines und desselben Bezirks mehrere Grundstücke hat. oft mehr als 100 solcher Selbsi- benochrichtigungen auszufertigen sind. Das ist schlechterdings eine so bürokratische Uebersctzung des steuerlichen Apparates, daß die s. Zt. com Reichsfinanzminister Hilferding ^geschützten tech­nischen Unmöglichkeiten doch inirecht eigenartigem Licht erscheinen. i

Auf einen besonderen Krebsschaden der Steuer- vcrwallung mag schließlich noch mit einigen Wor­ten hingewiesen werden. M«r hat ihr nach der Staaisumwälzung ein juristisches Gewand zuge­schnitten, das ihr durchaus uicht passen will, und das oft erstaunliche formc-ljukistische Auswucherun­gen aufweist. Während z. x. ein vor Gericht ge­schlossener Vergleich den mm vorausgegangenen Rechtsstreit endgültig erled/gt, kann sich bei der Steuerbehörde leicht folgendes ereignen: Auf das Rechtsmittel eines Zensiten hin überzeugt sich das Finanzamt von der UnhÄtbarkeit seines ersten Steuerbescheides. Es nimmt nun diesen zurück und

erteilt einen neuen Bescheid, mit dem der Zensit einverstanden ist. Man sollte nun meinen, damit wäre die Sache erledigt. Aber nein!

Ein jüngst ergangenes Urteil des Reichsfinanz­hofes verlangt, daß nach 4 Wochen, wenn der neue Bescheid rechtskräftig geworden ist, noch das ur­sprüngliche Rechtsmittel formell zurückzuziehen ist, widrigenfalls das Rechtsmittelverfahren gegen ei­nen gar nicht mehr vorhandenen Steuerbescheid in aller Form durchzuführen ist. Höher gehts wohl nimmer! Der Reichssparkommiffar findet da wirklich ein weites Feld für nutzbringende Tätig­keit.

Bolschewismus in der Schule.

Vor einer Reihe von Wochen berichteten die Zeitungen tagelang über einen Streik der Schulkinder in Neukölln. Das ist derjenige Stadtteil Berlin, den der Kommunismus als feine Domäne betrachtet. Von hier aus entwickeln sich die großen Straßendemonstrationen. Hier ist der Bolschewismus immer eines gewissen Zulaufs sicher, hier konnte er auch mit bester Aussicht auf Erfolg die Mobilisierung der Schulkinder im Sinne Moskaus beginnen. In einer Reihe von Volks­schulen ist damals tagelang ein geordneter Unter­richt nicht möglich gewesen. In einer Kneipe hatte sich die Streikleitung niedergelassen, die aus einem halben Dutzend halbwüchsiger Buhschen bestand. Vor den Schulen standen Streikposten, die ihre Kinder begleiten, wurden belästigt. Abends bil­deten die Kommunisten Demcmstraticmszüge, in denen die Kinder den tapferen Erwachsenen vorauf­ziehen mußten, die sich auf diese Weise gegen den

Gummiknüppel der Schupo schützten. Die Sache hat, wie gesagt, mehrere Tage gedauert. Dann brach der Streik zusammen, und es wird wohl Strafmandate gehagelt haben.

Angeblich richtete sich dieser Kinderstreik gegen die Sparmaßnahmen der städtischen Schulverwal­tung. Die finanzielle Lage der Reichshauptstadt ist sehr schlecht, und darum soll auch in den Aus­gaben für die städtischen Schulen in diesem Haus­haltsjahr gespart werden. Es wird kaum jemand geben, der ausgerechnet den Kommunisten glau­ben möchten, daß sie wegen einer Sparpolitik, die sich bei dem einzelnen Schulkinde garnicht aus­wirkt, einen Schulstreik inszenieren. Vielmehr war hier nur ein bequemer Anlaß gefunden, um schon in der Kindesseele revolutionäre Instinkte zu wek- ken. Eine Zeitung der Arbeiter- und Bauern­kinder Deutschlands, die unter dem Namen „Die Trommel" erscheint, berichtet mit großem Behagen darüber, wie der Streik vor sich gegangen ist und wie man dabei der Polizei ein Schnippchen übers andere geschlagen habe. Zum Schluß heißt es: „Es lebe der gemeinsame Kampf der Arbeiter und Arbeiterkinder. Es lebe das 2. Welttreffen der Arbeiter- und Bauernkinder in Halle 1930."

Wir haben also noch ein Schauspiel besonderer Art zu erwarten. Wie das Jugendtreffen in Leipzig jüngst ausgelaufen ist, sucht noch in grau­siger Erinnerung. Werden demnächst in Halls Kinderleichen die Straße bedecken? — Die Trom­mel ruft zum Streite. Vom Kreuzzug gegen die Sowjetunion ist die Rede, wobei als Illustration den Kindern die Zeichnung Christus mit der Gas­maske von Georg Groß vorgeführt wird. Alle Arbeiterkinder, so heißt es in derselben Nummer,

Vorschläge für $afyie und Wappen des Völkerbundes.

Entwürfe für Wappen, Siegel und Fahne des Völkerbundes.

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Die Union der Völkerbundsvereinigungen in Brüssel hat für den Entwurf von Fahne, Mappe: und Siegel des Völkerbundes ein Preisausschreiben erlassen, an dem sich zahlreiche Heraldiker aller Länder beteiligten. Ein erster Preis wurde nicht erteilt. Den zweiten Preis ge­wannen Ottfried Neubecker-Berlin und General-Major Novottny-Wien, den dritten Preis Tobias Schwab-Berlin.

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'Warfen Sie nicht bis es zu spat ist!

Jhrem Motor fehlt die richtige Schmierung, Metall refbtsich auf Metall. So enstehen 75 % aller Motorstorungen. Wie kann man dieses vermeiden?

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Der Dreizehnte.

Roman von Anny von Panhuys.

Copyright 1929 by Verlag Bechtholü, Braunschweig.)

371 (Schluß.)

gehe ich nicht, lachte die McmU

1

beruhigen

Vater er-

an Montserrat. Helle schien überall zu trüben Abend zu durchleuchten. Cs war an Eva.

an den ersten davon heran und gab dem Wir, Adresse an.

jCLMrfjcr, der in seinem Pelz und seiner Schaf-

■jjjZ -?•<* ein russischer Muschik aussah, nickte: - fc z toe man in". Dann begann die Fahrt.

tuf03 Augen blickten dabei aufmerksam nach rechts lei» Uni) stm Gesicht ward versonnen und weich.

btadt, durch die er fuhr, war ja Eva Hirt-

R fangen die Glöckchen der Pferde durch den k vertag. In Schnee laa alles eingebettet und

i'n und den ■ Gedanke

-Nein, ohne ihn und freute sich

v ®’G ein toller, grauenhafter Spuk schien ihm jetzt l»- ?3enc von vorhin in dem Zimmer des alten Hau- der Herrengracht.

EL, "es ziellos durch die winterkaltcn und abend- R?en Straßen der fremden Stadt, bis er allmählich Egr* u>ard. Wie ein unnennbares, überwältigendes ' ®'e ein seliger Friedensgruß erwachte mit ei- ule der Gedanke an Eva, an fein blondes Lieb. Ichn, a meiste er zu ihr, um sie aus dem kleinen marki- S,Er , matstädtchen in die große Stadt am Mittel- holen, wo er geboren war und wo ihrer bei- Zukunft lag.

Schatten schwand vor ihm. Cs war

21. Kapitel.

Zug Berlin-Stettin hielt auf der kleinen Sta- Bfsm Duero hatte Eva feine Ankunft nicht ange- Kge( ■~fnn sie ihn auch in den Tagen erwartete, so ■ $r \ l!> mit einer telegraphischen Anmeldung. Il^ng ufe sich schon im voraus auf ihre lieber- in d*n letzten Tagen heftig geschneit und ■k. -Bahnhofsgebäude standen ein paar Miets-

n» und freute sich, daß die erste so bedrohlich aufge- egene Gefahr wegen der blauen Brillanten so harrn- 5 oerlaufen war.

Duero aber lief noch stundenlang durch die mit den vielen Grachten, um sich zu

®torb f ^Utsetzliche Gewißheit, wer seinen

die Mittagssonne riß silbernes Blitzen aus den weißen Decken.

Die Bäume der Brunncnstraße trugen weißen Schmuck von unerhörter Pracht, und als der Schlitten nun vor einer kleinen Villa hielt, mußte Primo den­ken, so lieb und traut schob sich das einfache nette Häuschen in die weiße Herrlichkeit hinein, als wäre es das Schlößchen einer Norlandskönigin.

Mit heiß aufquellendem Jubelgefühl sprang er aus dem Schlitten und läutete am Gartentürchen.

Eva haft schon den ganzen Vormittag in einer selt­samen Unruhe verbracht. Sie hatte seit Tagen keine Nachricht mehr von dem Geliebten erhalten, der sonst so häufig geschrieben. Ein Kärtchen hatte ihr seine Ab­reise nach Amsterdam gemeldet, seitdem schwieg er. Und sie war doch auf das äußerste gespannt, zu erfahren, was der Geliebte von jener Frau gehört hatte, von der die blauen Brillanten bei Nicolaas Sneek versetzt wor­den waren. Er hatte ihr ja ausführlich mitgeteilt, was er bei feinem Aufenthalt in Amsterdam erfahren.

Um ihre Unruhe immer wieder zu beschwichtigen, machte sie sich klar, sie konnte kaum Nachricht von Primo haben.

Als es nun am Gartentürchen mehrmals so lebhaft schellte, war ihr erster Gedanke, es könnte ein Depe­schenbote fein.

Paquita Casanovas war schon vor ihr ans Fenster getreten und rief ihr nun strahlend entgegen: „Ihr novio ist gekommen. Eva!"

Das blonde Mädchen begriff die Worte gar nicht im ersten Moment, so klar und deutlich sie auch wa­ren. Sie stand wie gelähmt, bis Paquita lärmte: „Ihr novio ist angekommen, Eva! Schnell, schnell, holen Sie ihn in das warme Zimmer, sonst erfriert er in dem Schnee da draußen!"

Jetzt erst kam Leben in die schlanke Gestalt, und ehe die alte Frieda dem Besucher noch zu öffnen ver­mochte, war Eva schon an ihr vorbeigestürmt und hatte die Gartentür aufgeschlossen.

Unbekümmert um die Akigen des Kutschers und der alten Haushälterin, ließ sie sich umarmen und küssen.

Drinnen im Haus, im behaglich warmen Zimmer, begrüßte Primo Duero die zierliche Paquita.

Er meinte verwundert: „Ihnen ist die Luft im Nor­den aber geradezu wunderbar bekommen, Paquita! So hübsch wie jetzt, waren Sie in Spanien nicht."

Mit schelmischem Lächeln erwiderte Paquita: „Dort hatte ich auch keinen novio, Don Primo."

„Ay, mi madre!" entfuhr es Primo Duero belu­stigt, „Sie werden sich in der kurzen Zeit hier doch noch keinen novio zugelegt haben! Das wäre doch ein etwas chnell errungener Bräutigam!"

Paquita lacht« übermütig: „Eva hat mir ihren alten novio überlasten."

Primo Duero blickte voll Spannung auf Eva, die ihm mit wenigen Worten erklärte, wie es gekommen, daß Hans Felsen nun Paquita heiraten würde, sie selbst sich aber für ihn wieder zurllckverwanüelt hatte in feine Kindheitsfreundin.

Ganz laut atmete da Primo Duero auf.

„Dem Himmel sei Dank, da brauche ich mir also keine Eewifsensbisse machen, einen ankeren um sein Glück gebracht zu haben Der Gedanke hat mich oft gequält." Er nahm Paquitas Hände: „Meine innig­sten Wünsche."

Es pfiff draußen, hell und scharf.

Paquita hob lauschend den Kopf und ihre Augen strahlten.

„Mein novio pfeift. Wir wollen uns mit Schnee­bällen werfen." Sie lachte Primo an. „Das ist näm­lich das schönste Vergnügen der Well."

Fort war sie.

Primo Duero schüttelte den Kopf.

„Wie ist denn bas' überhaupt nur möglich gewe­sen, Eva, wie konnte sich denn der Mann so schnell über deinen Verlust trösten?"

Das blonde Mädchen blickte sehr ernst.

„Hans hat eine Kindheitsfreundschaft für Lieb« ge­halten, das ist alles. Pasquita schwarze Augen aber haben ihm sehr rasch und überzeugend klar gemacht, was mir beide mit aller Ueberredungskunst nicht zu­stande gebracht hätten."

Er lächelte: „Es ist gut so, ich freue mich über die Löspng." Er legte seinen Arm um ihre Schultern. „Eva. ich habe dir viel zu berichten. Ganz befonders Ucberraschendes. Am liebsten wäre ich es gleich los, damit ich mich freier mache von einem erschütternden Erlebnis."

Eva ließ sich zum Sofa führen.

„Erzähle nur gleich, Primo, es wird uns niemand stören. Paquita kommt so bald nicht zurück und in un­gefähr einer Stunde werden wir erst essen".

Sie saßen dann nebeneinander, Hand in Hand, und der Mann erzählte dem blonden Mädchen, was er in Amsterdam erlebte.

Eva schrie laut auf, als sie hörte, wer den Mord auf dem Gewissen habe. In ihren klaren Augen spie­gelten sich nur zu deutlich das furchtbare Entsetzen wider, das sie empfand.

„Aber weshalb hast du Montserrat gehen lassen?" fragte sie, noch immer von Empörung und Grauen ge- fchütielt ob dieser Erklärung eines bisher ungelösten Rätsels. „Sie hat es nicht verdient, straflos ihr Aben­teurerleben weiterzuleben."

Er erwiderte leise: „Weil ihr Mädchenname auch mein Name ist und du ihn in nicht allzu ferner Zeit mit mir teilen sollst. So uns Gott aber ein Kind schen­ken wird, darf kein Schatten auf den Namen fallen.

Sieh, deshalb soll eine Duero nicht als Mörderin hin­ter Zuchthausmauern leben. Denn eine Duero bleibt Montserrat, wenn sie auch jetzt einen anderen Namen führt durch ihre Heirat. Wie sie jetzt heißt, weiß ick nicht einmal, denn der Name Kerstens, den sie Nicolaas Sneek genannt, war falsch."

Eva atmete tief auf.

„Du hast recht, Primo, nun verstehe ich dich. Mag sie also, ohne ihr Verbrechen sühnen zu müssen, das Dasein weiterführen, das ihrem Charakter entspricht. Irgendwie und irgendwo wird sich schon ihr Schicksal erfüllen. Ich glaube fest daran, daß sich jede Schuld auf Erden rächt."

Kaum hatte sie das Wort gesprochen, klopfte cs überlaut an, gleich darauf sprang di« Tür auf und Pa­quita zog den etwas widerstrebenden Hans Felsen ins Zimmer.

„Hier bringe ich meinen novio!" lachte sie übermü­tig. „Er wollte nicht mit ins Haus, weil er Eva ein­mal etwas Unangenehmes gesagt hat vor Don Primo. Aber, nicht wahr, das hat doch jetzt gar keine Gültig­keit mehr?"

Um Primo Dueros Sippen zuckte ein Lächeln.

„Nein, das hat gar keine Gültigkeit mehr! Sen- vor Felsen gönnt mir jetzt ja Eva, wie ich annehme."

Paquita übersetzte bas nun für Hans auf ihre Art ins Deutsche.

„Verdad, 'Ans Felsen, du wollen nichts mehr vor die Eva, kein Stück?"

Hans Felsen strahlte bas kleine, ein wenig bunfel häutige Menschenkind an.

„Nein, kein Stück will ich mehr von ihr, alles darf sie behalten für den Mann, den sie liebt."

Eva lachte laut auf und Paquita rief befriedigt: „Muy b'en!" und legte die beiden rechten Hände der Männer ineinander.

Nachdem sie beobachtet, wie kräftig und aufrichtig der Händedruck gewesen, den die beiden gewechselt, jubelt sie: „Ich bin ein Unmensch vor zu viele Glück!"

Da konnte Hans nicht mehr widerstehen, ungeniert riß er das süße spanische Mädel in die Arme.

Aber jetzt gab es auch für Primo Duero keine Hem­mung mehr. Er zog Eva an sich und küßte sie heiß und innig,

Draußen begann es wieder zu schneien. Langsam und feierlich legten sich die himmlischen Federchen auf das Dach des kleinen Hauses nieder, unter dem vier Menfchenherzen in seligstem Glück erbebten.

Primo Duero war es, als verschwände für immer in nebelgrauen Wellen die Gestalt des roten Clowns, als löste er sich in Dunst auf, der furchtbare Dreizehnte dessen Rätsel sein Leben belastet seit drei Jahren.

Fern lag alle Finsternis, goldenste Sonne war auf­gegangen an seinem Lebenshimmel.