Einzelbild herunterladen
 

zen Tag und kommen doch nicht vorwärts, weil ihnen die richtige Zeiteinteilung und die Uedersicht fehlt.

Es stört aber auch den Frieden der besten Ehe, wenn es fortgesetzt Händel und Unangenehmes mit den Dienst­boten gibt und der Mann nichts anderes zu hören be­kommt, als Klagen und immer wieder Klagen über den dienstbaren Geist. Eine verständige Frfau wird den Mann mit solchen Dingen überhaupt nicht belästigen und alles tun, um den Frieden des Hauses zu erhalten. Familienglück ist etwas Heiliges. Es steht hoch über allen materiellen Vorteilen und Genüssen. Und es ist an keinen Stand gebunden. In der Arbeiterfamilie ist es ebenso leicht und noch häufiger zu finden, als im Hause des Geldmenschen und am Fürstenhof. Es festzu­halten liegt in den Händen der Frau. Eine tüchtige Hausfrau, die ihren Beruf als Gattin und Mutter rich­tig erfaßt und ihre Pflicht kennt und beachtet, wird das verstehen.

Darum chr Müter, seid nicht oberflächlich und äußer­lich bei der Erziehung eurer Töchter zu Hausfrauen. Es knüpft sich viel Segen und viel Fluch daran; denn das Wohl der Familien liegt in den Händen der Gattinnen und Mütter.

Mom Beruf der Stenoftjpiffin,

Eine sehr lehrreiche, wissenschaftlich wohlbegrün­dete und auf genauer Kenntnis der Praxis beruhende Abhandlung über die Stenotypistin bringt der sechste Band des vom Verband der weiblichen Handels- und Düroangestellten (Berlin-Wilmersdorf) herausgegeben Jahrbuchs der Frauenarbeit aus der Feder von Dr. Bode in Braunschweig, der als Vorstand des stenogrv- phischen Landesamts und Herausgeber der „Wertschrist" in Fachkreisen sich eines sehr guten Rufes erfreut Wir geben einen Auszug aus dem Aufsatze hier wieder:

Stenotypistin sein heißt berufsmäßig Kurzschrift und Schreibmaschine verwenden zur Herstellung von Rein­schriften. . Die Tätigkeit ist an sich keine einheitilche, sie ist oft gemischt mit anderer Arbeit, wie sie in den Kon­toren und Schreibstuben vorkommt, der Beruf kann außerdem eine Tätigkeit als Abschreiberin, als Korre­spondentin wie als Privatsekretärin bedeuten und ist, wie der Verfasser besonders hervorhebt, nicht mecha­nisch, weil verständiges Stenographieren nie mechanisch weil verständiges Stenographieren nie mechanisch sein kann, um so weniger, als die Eigenart des Diktieren­den berücksichtigt werden muß. Für die Höchstleistungen kommen folgende Eigenschaften in Betracht: Gute Ner­ven, Handgeschicklichkeit, Beherrschtheit, Raumsinn, Au­genmaß, Reaktionsgeschwindigkeit, Unempfindlichkeit gegen störende Reize, Fähigkeit zum Umsetzen von Schall in Bewegung, Fähigkeit zum Mehrfachhandeln, Konzentration, Gedächtniskraft, Finden von Wider­sprüchen, Kombinationsfähigkeit, Erkenntnis des We­sentlichen. Das Stenographieren ist eine ständige Mehrfacharbeit und reibt stark auf. Die Durchschnitts­geschwindigkeit, mit der diktiert wird, liegt meistens unter 150 Silben in der Minute, aber schon die Schnel­ligkeit von 120 Silben in der Minute, und zwar 10 Mi­nuten hintereinander, bedeutet eine achtbare Leistung. Unerläßliche Voraussetzung ist die volle Beherrschung der Muttersprache.

Die gute Maschinenschreiberin kann normalerweise, ohne ihre Gesundheit zu gefährden, über 44 000 An­schläge am voll ausgenutzten Tage auf die Dauer nicht leisten, wenn Durchschläge gemacht werden müssen. In einigen Betrieben wird mehr gefordert, das hält man aber nicht sehr lange aus. Versuche, im Akkord Ma­schinenschreiben zu lassen, haben bislang im allgemeinen nicht befriedigt, da das zu liefernde Werkstück in federn einzelnen Falle, außer bei Schemabriefen, anders aus- sieht; die Arbeit des Stenographierens kann überhmipt nicht genormt werden. Leider wird die Stenotypistin nicht nach ihrem Werte bezahlt, nach den gellenden Ta­rifen ist sie meist unterbewertet. Die Berufsinvalidk- tät der Stenotypistinnen liegt hoch. Die Nerven hal­ten selten länger als 15 Jahre stand.

Die Frau in der Küche.

f. Treffliche kalke Schnikklauchfauce, gut zu kalten) Fleisch. Zutaten: 2 Eßlöffel gehackter Schnittlauch, eine geschälte saure Gurke, 2 harte Eier, 6 Eßlöffel Salatöl, 2 Teelöffel Mostrich, 3 Eßlöffel Essig, 10 Stop­fen Maggis Würze, ein wenig feiner Pfeffer, Prise Salz: Zubereitung: Die beiden Eier müssen ganz hart kochen, völlig erkalten, bevor man sie schält und mit der ebenfalls geschälten sauren Gurke und dem Schnittlauch möglichst fein, hackt. Dann rührt man das Del mit dem Essig und Mostrich zusammen, gibt die gewiegten Zutaten hinein und schmeckt die dickliche Soße mit Maggis Würze, etwas Pfeffer und Salz ab.

f. Semmelsuppe mit Gemüsen. (Für 4 Personen, 1 Stunde). Zutaten: VA Liier Fleischbrühe, her- gestellt aus 5 Maggis Fleischbrühwürfeln, 1 Mohr­rübe, 1 Zwiebel, 1 Stückchen Sellerie, 1 Stange Porre, 1 Petersilienwurzel, 50 Gramm Schweinefett, 1 Eß­löffel gehackte, frische Petersilie und Schnittlauch, 2 alle Semmeln. Zubereitung: In der Fleischbrühe kocht man sämtliche in Würfel geschnittene Gemüse gar, gibt das in der Stielpfanne gebräunte Schweinefett und die geriebenen Semmeln hinein, läßt noch 10 Minuten langsam ziehen, um das Semmelmehl gut ausquellen zu lassen, und streut zuletzt 1 Eßlöffel gehackte Peter­silie und Schnittlauch an die Suppe.

Die praktische Hausfrau.

Eingerostete Nägel und Schrauben können gelockert werden, indem man Oel darauf tropft.

Gegen Insektenstiche reibt man die Haut mit fol­gender Lösung ein: 8 Teile Kölnisches Wasser, 1 Teil Nelkeno el, etwas Alkohol.

Versengte Stellen an Wäsche, die beim Bügeln ent­standen sind, befeuchtet man mit kaltem Wasser, streut Kochsalz darauf, läßt dieses kurze Zeit einwirken und wäscht in klarem Wasser nach.

Fettflecken an Tapeten entfernt man mit einem Brei aus Magnesiumpulver und Benzin. Man streicht de« Brei auf den Fleck auf und läßt ihn 8—10 Stund-n liegen. Mit einer ganz weichen Bürste oder mit ein un sauberen Leintuch wird der trockene Brei entfernt u'> der Fleck ist mit ihm verschwunden.

Bei der Reinigung von Kämmen fügt man dem Was­ser zweckmäßigerweise etwas Salmiak oder Spiritus zu. Der Schmutz löst sich dadurch leicht und ist mit einer weichen Bürste leicht zwischen den Zinken zu ent­fernen.

Ameisen vertreibt man schnell und dauernd aus Wohnräumen mit einem Gemisch von drei Teilen Schwefelblüte und zwei Teilen getrocknetem und zu Pulver geriebenen Lavendel, welches an den zumeist ausgesuchten Stellen ausgestreut wird.

Fliegenschmuh entfernt man an seidenen Lampen schirmen mit lauwarmem Essigwasser. Ein saubere weiches Leinenläppchen wird in das Essigwasser g< taucht und die beschmutzten Stellen vorsichtig abger:t ben. Weder der Farbe noch der Seide fügt diese B» Handlung Schaden zu.

Kind und Leben.

Auch aus Kindern werden Leute, das sollten alle bk bedenken, die glauben, ein Kind als ein Nichts ab tun zu dürfen. Pestalozzi.

Bilde rechtzeitig die Seelen der Kinder, dann wird es auch leicht sein, auch die Herzen der Erwachsenen zu schmieden. Bischof von Keppler.

Wenn das Kind nichts mehr gilt, hat die Menschheit, die aus dem Kinde wächst, ihren Wert verloren. Nach der Stellungnahme eines Menschen zum Kinde schätzt man seinen seelischen Wert und ein Volk, das wenig von diesem Seelenwert besitzt, wird früher oder später anderen Völkern unter der Sonne den Platz räumen müssen. Darum ist Liebe zur Heimat zuerst Liebe zum Kinde. Goldau.

NILS

■44?

MM

Ar. 125

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Wiegenlieder.

Von Kurt Erich Meurer.

I.

Fremdes Leben, mir entstiegen, wie ich aus dem Fremden steige, darf ich deine Glieder wiegen, klingt die Wett wie eine Geige.

Fremd und Fremdes: tieffte Nähe waltet mütterlich im Haus, und ich finge. Singend fäe ich mich selber selig aus.

II.

Nicht in Sternenchöre fall ich ein, viel zu sehr beschwert vom Staub des Tages, doch verschwistert soll mein Odern sein der Musik des Nachtigallenschlages.

Nur von Wind und Flöte ein Duett, Perlenschifflein auf gehauchten Wogen, von drei Faltern an das Gatterbett meines lieben Kindes hingezogen.

Konkordia.

Don Dr. Maria A l t e n d o r n.

iEie Ehe verbindet nicht nur, sie trennt auch. Aus i Steife der Familie tritt die Tochter in ein neues m. Auch der Sohn muß „Vater und Mutter Der- Men > an feinem Weibe hängen". Wohl gewinnen bie Ellern durch den Schwiegersohn oder die Schwieger- süchter einen neuen Sohn oder eine neue Tochter, aber las Mutterherz fühlt doch, daß der Sohn jetzt nicht mehr nit feinen Freuden u. Traurigkeiten zu ihr, der Mutter $tau ist, sondern auch seine Mutter wurde. Und da tarnt es denn leider nicht selten vor, daß die Mutter liefen Verlust gar zu schmerzlich empfindet, der ihr, der ühitfcr, etwas genommen hat. Zwingt nun die heutige Boijnungsnot das junge Paar, wie es so häufig ist, üe erste Zeit der jungen Ehe im Hause der Eltern zu «rieben, so besteht, wenn die Mutter sich nicht ihrer Dpjerpflidjt bewußt ist, die Gefahr, daß die Brücke zu I «im herzlichen Verhältnis zwischen Mutter und Wkhwiegertochter nicht geschlagen wird. Daraus ent« UsHen Mißakkorde, die den Seelenfrieden einer jungen W nicht begünstigen.

Ws ist gewiß nicht zu viel behauptet, daß manche Ehe, Bfein Unfrieden lebt, den Keim hierzu von einer Mui- U tr erhielt, die das gewiß nicht beabsichtigt haben mag. ■ vielleicht hat sie, nachdem der Sohn eine Frau Halle, I W erst recht für ihn wirken und fühlen wollen, aber Ulie junge Frau nahm, und wohl mit natürlichem Rechte, Ifeics Önjerredjt für sich in Anspruch, kam sie doch mit s« zu ihrem Manne, wollte sie ihm doch Frau, | und Mutter sein. Das muß jede Mutter er- ®™en- Die junge Ehe stellt die Mutter vor die

daß hier etwas Neues, Selbständiges geschaffen »«den ist, in das ein Anderer nicht hineingreifen soll. Wch Mutterliebe kann Last werden. Die junge Frau) HfM in ihrer Liebe beeinträchtigt sieht, wird an E~e, M ihrer Schwiegermutter umsomehr einbüßen, ■T Me sie, die junge Frau als etwas Nebensächliches Wtaichtet, das bevormundet werden muß. Wie oft fin« ® nun aber gerade in den Familien diesen Zustand, * Eltern und junge Paare wegen der Wohnungsnot kWmmenhallen. Die Mutter muß opfern! Sie muß .B Mssthnen mit dem Gedanken, daß die Schwieger- ®*Er sttzt all die Rechte und Pflichten und noch mehr Mkriwmmen hat, die sie, die Mutter, dem Sohne gegen- Rr hatte. Höhere Rechte und Pflichten hat die junge

Sie soll Einheit fein, leiblich und seelisch und ^Ms^inheij soll niemand stören.

Es soll nicht in Abrede gestellt werden, daß auch viel Schuld bei den jungen Eheleuten zu suchen ist. Wie manche Schwiegertochter kehrt der Schwiegermutter den Rücken, weil sie ihr nicht vornehm genug ist, oder weil sie glaubt, einen gut gemeinten Rat der alten Mutter nW nötig zu haben. In solchen Fällen leidet das Mutterherz und der Unfriede, der zwischen Schwieger- etiern und Kindern eintritt, ist dann gewiß nicht Schuld der Mutter. Da scheint es denn zuweilen schwer, das rechte Maß des Verhallens zu einander zu finden. Und doch ist es eigentlich gar nicht so schwer, die Harmonie zu erhalten und zu vertiefen. Das Buch der Bücher hat in den Gestatten Noemi und Ruth so schön gezeigt, wel­ches Derhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwie­gertochter bestehen soll. Es ist ein rührendes Beispiel echter Liebe. Noemi, die alte Mutter hatte ihren Mann und beide Söhne verloren. Betrübt kehrte sie in die frühere Heimat zurück und wollte chre Schwiegertöchter, mit denen sie nichts mehr verband, in dem Land zurück- lassen. Aber die Töchter gingen mit. Etwas mehr als das Verhältnis der Schwiegertöchter zur Schwieger­mutter war hier Geisteseigentum aller geworden. Noemi, die Mutter, erkannte dadurch, daß die jungen Witwen die Frauen ihrer Söhne waren, sie als ihre Blutsverwandten, als ihre eigenen Kircher an und so liebten auch die Töchter die Mutter wie ihre leibliche.

Konkordia! So muß es fein. So wie Mann und Weib ein Leib, ein Herz und eine Seele sind, so muß sich auch die Siebe fortpflanzen auf die neuen Eltern und von diesen auf die neuen Kinder. Konkordia! Wo dieses Erleben des götttichen Friedens eingezogen ist, da können wohl Eltern und Kinder in dieser Zeit der Wohnungsnot in Frieden beieinander leben. Und solche Familien werden, wenn sie sich, sobald die junge Ehe ein eigenes Heim bezogen hat, trennen, immer noch innig verbunden fein, Eltern und Kinder und von diesen Verwandten wird der Friede weiter ausgehen in das Land und Früchte der Harmonie und des Glückes aller tragen.

Nach der Hochzett.

Don Dina Ern st berge r, Neunkirchen am Brand.

Es ist unsagbar traurig, zu sehen, wie wenig ernst viele Mädchen den Beruf der Hausfrau, Gattin und Mutter erfassen. Bei vielen ist nur die Hauptsache, daß man überhaupt einen Mann bekommt. Und wenn dann die gegenseitigen Eeldverhältnisse auch noch zu­sammenpassen, harmoniert alles wundervoll. Daß erst die Hausfrauerttüchtigkeit das künftige Eheleben zum Guten oder Bösen gestaltet, daran denkt man vor der Hochzeit gar nicht. Das macht sich erst im Familien­leben geltend, wenn das Bedürfnis nach häuslicher Be­haglichkeit sich regt. Wehe dann, wenn die Frau als Hausfrau versagt. Zuerst zeigt es sich in der Küche.

Wie beschämend ist es für eine junge Frau, wenn sie mit Zittern und Zagen sich zu Tisch setzt, weil sie fühlt, daß ihre Kochkenntnisse den Ansprüchen des Gatten nicht gewachsen sind. Bei Tisch kommen gewöhnlich die ersten Verstimmungen in einer Che. Auf einmal wird der junge Gatte sehend. Manches was ihm an feiner Braut unentbehrlich schien, würde er jetzt ganz gern vermissen, wenn die ringgeschmückten, gepflegten Hände das Haushaltungsrad ebenso wie den Pinsel und die Feder meistern könnten. Ist der gute Wille bei einer jungen Frau da, den Platz der Hausfrau würdig auszu­füllen, so kann das, was die Frau Schwiegermutter bei der Erziehung des Töchterleins versäumt hat, noch nach­geholt werden, wenn auch mit großer Mühe und vielen persönlichen Opfern. Fehlt aber auch dieser gute Wille, dann ist das Unglück in der Ehe fertig. Wenn dem Manne die häusliche Behaglichkeit fehlt, so treibt cs ihn aus dem Hause.

Es gibt viele Frauen, die zwar Hausfrauentüchtig­keit besitzen, aber dennoch mit ihrer Arbeit nie fertig werden. Auch das schafft Ungemütlichkeit in der Fa­milie. Sie laufen und arbeiten und sorgen den gan­

31. Mai

—

kein Paß, leineJcl/acken ’

Frau neben der Mode.

0011 Trude Hermann- Berlin-Charlottenburg.

L?frau sollte sich dann und wann einmal mit .Wen Grundzügen der Mode befassen, die immer A und auf denen sich die ganze äußere Kul- r Frau aufbaut.

R Trost und zur Ermunterung sei gleich zu Be- läfies Ausführung ein in unserer Zeit leider so gy Thema gestreift. Gut angezogen zu sein und ft ^sehen ist weniger eine Angelegenheit der Geld- k * der Geschicklichkeit und des guten Geschmacks, ^»erstehen wir überhaupt unter „gut angezogen fäffn f ^age läßt sich mit den wichtigsten Grund- Itft kultivierten Geschmacks beantworten: Ein- UnauffäHigteit. Und wodurch diese er- Sf > " Zunächst durch die Abstimmung der ein- H^ndungsstücke aufeinander. Das setzt aber lo- voraus, daß die Frau ihre Anschaffungen u>ohl überlegten System tätigen kann.

l, fog3 ?. Feind dieses systematischen Kaufens ist die | Warenhäuser lockend und verführerisch an I »6r 6 magischen Buchstaben aufleben las- £ eL °°er Inventurausverkauf", „Saisonausoer- ^^..plötzlich eine Frau, die nur ein Paar Kin- fcgg. 'ur das Jüngste erstehen wollte, bei ihrem KjgL uurch die aufgestapelten Herrlichkeiten ,Uch doch alles einmal ansehen, wenn man K$L"Qufen will"), einen Hut, einen reizenden, fa°D billig, „daß man ihn kaufen muß." Än 'M also, erfreut über ihr Glück und stolz

■ ®rQff' 1L übersieht in diesem Augen- I rogikoinödie noch nicht, daß dieser süße.

kleine, hellrote Filzhut eigentlich zu gar keinem ihrer Kleider paßt und am allerwenigsten zu dem roten Kostüm, zu dem sie doch einen Hut am allernotwendig- ften brauchte. Und eine andere kauft drei Meter groß- karierten Taft auf gelbem Grunde, weil er doch „halb geschenkt" ist, und wollte ursprünglich blauen Rips zu einem Nachmittagskleid, das den blauen Herbstmantel so schön ergänzt hätte . . . „Aber zu diesem Spottpreis. Vielleicht kann man es zu demselben Zweck verarbeiten? Wie, zu auffällig? .... Und für den Abend? Im Muster zu wenig elegant? Uebrigens habe ich ja schon ein Abendkleid und ziehe es fast garnicht an, weil ich ja so selten ausgehe."

Diese Beispiele könnten wir noch in zahllosen Va­riationen fortsetzen. Seien wir ehrlich, ist es uns nicht selbst schon so gegangen? oder haben mir nicht wenig­stens schon in der schworen Versuchung geschwebt: „Soll ich, soll ich nicht?" . . . „Sooo billig" . . . Tod diesem Wort und fort mit dieser Untugend! Das Prin­zip soll lauten: „Nichts kaufen, das nicht sorgfältig aus feine Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit geprüft wurde." Die harmonische Zusammenstellung des ganzen Anzugs ist ein notwendiger Faktor der Eleganz.

Der zweite wichtige Grundsatz, der uns bei unseren. Neuanschaffungen leiten soll, ist: „Nur Frauen, die ihre Garderobe nicht lange zu tragen brauchen, können es sich gestatten, modische Extravaganzen mttzumachen." Es gibt Dinge, die niemals aus der Mode kommen, weil ■ sie, bis auf geringe Schwankungen der Mode nicht un­terliegen, wie das englifehe „Taylor-made" oder die weiße Hemdbluse.

Es gibt Farben, die immer elegant und vornehm wirken, und fylche, die einen Sommer, einen Winter lang erklärter Favorit der Mode sind, der plötzlich bei feiner unberechenbaren Herrin in Ungnade fällt, und der

dann nicht selten so verachtet wird, wie er einst beliebt I war.

I Jede Frau sollte ihren Blick für modische Angelegen­heiten so weit schärfen, daß sie beurteilen kann, was vergängliche Modekaprice und was bleibende Mode- richtung ist. Die Sachen, die dem Modewechsel nicht unterliegen, sollten'dafür nur aus guten, teuren Stoffen . in bester Verarbeitung hergestellt werden. Das Teuerste ist immer noch das Billigste. An der Qualität des Stoffes sparen wollen wäre Verschwendung und Spar­samkeit am falschen Fleck. Erfahrungsgemäß hat man am Tragen eines gutgearbeiteten Stückes aus gediege­nem, erlesenem Material viel mehr Freude als an zwei, drei billigen Sachen, die man wohl für dasselbe Geld haben kann. Bei entsprechender Kleiderpflege wird ein solch teueres, elegantes Kostüm noch nach Jahren einen eleganten Eindruck machen, während alles Billige wohl im ersten Augenblick besticht, doch schon nach kur­zem Gebrauch der Charakter der Minderwertigkeit ober oft sogar Schäbigkeit offen zu Tage tritt. Es ist eine alte Wahrheit, daß der Kaufmann an billigen Sachen viel mehr verdient als an teuren. Ein Bestandteil un­serer Kleidung, an dem vor allen Dingen nicht gespart werden darf, ist bas Schuhwerk. Das eleganteste Kostüm, das fescheste Kleid kann niemals zur Wirkung kommen, wenn der Schuh, der dazu getragen wird, die­sem Anzug nicht entspricht.

Und damit verrate ich ein weiteres Geheimnis des kultivierten Geschmacks, zusammengefaßt in die Devise: „Auf die Kleinigkeiten kommt es an." Eine abgegriffene Handtasche, ein schlechter Schirm, ein schmutziger oder geflickter Handschuh ist für die Gesamtwirkung einer Frauenerscheinung von katastrophaler Bedeutung. Ein altes Sprichwort sagt: „Man sieht einer Frau zuerst guf den Kopf und auf den Fuß." Nicht nur, daß die, denen man im allgemeinen viel zu wenig Wert beimißt,

von tadelloser Beschaffenheit sein sollten, sie sollten sich mich entweder in unauffälligster Art in die allgemeine Farbenharmonie des Auges einfinden ober in geschmack­voller, sorgfältig abgestimmter Kontrastierung diese un­terstreichen und ergänzen. Am leichtesten wird es die Frau haben, stetig wechselnd ihren Anzug zusammen- zustellen, bei der wenige Farben im Kleiderschrank oor- herrschen.

Zu keiner anderen Gelegenheit sieht man so kuriose Bilder, als wenn man an einem echten, rechten Regen­tag die Ausrüstung der Frauenwelt betrachtet. Ich wurde dazu durch den treffenden Ausspruch eines be­kannten Arztes angeregt. Dieser riet einer bleichsüchti­gen, nervösen Patientin, jeden Tag eine Stunde ins Freie zu gehen. „Auch bei schlechtem Wetter?" fragte die Dame und erhielt zur Antwort: „Gnädige Frau, es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur gute Kleider!" Ein ganz kleiner Prozentsatz von Frauen besitzt ausge­sprochene Regengarderobe, d. h. einen imprägnierten oder Gummimantel mit passender Kopfbedeckung. Und dazu einen passenden, festen Regenschuh. Zum großen Teil huldigt man noch immer dem Grundsatz, alle ab­getragenen Sachen, die man eigentlich nicht mehr gut anziehen kann, beifeite zu hängen für „schlechtes Wetter."

Es wäre über diese Dinge noch unendlich viel zu sagen, doch ich beende meine Ratschläge und überlasse bie Beantwortung noch offengebliebener Fragen dem noch immer treuesten und ehrlichsten Freund der Frau: Dem Spiegel. Er ist ein nicht zu unterschätzender, un­entbehrlicher Führer auf dem Wege moderner Ge- schmacksbildung, ben wir Frauen gar nicht gründlich genug befragen können, auch wenn seine Antwort oft bitter genug ist. Es ist immer noch besser, sie diskret unter vier Augen von ihm zu hören, als aus dem Ge­klatsch seiner lieben Mitmenschen.

I