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onnerskag, Öen 29. Mai 1930.
Aeldbikkgaug auf Christi Himmelfahrt.
Von Goerge.
Himmelfahrt ist immer, wenn die Erde am lensten geziert ist. Die Welt steht in jauchzender Ale, die Erde voll überschiestender Schöpfungs- lust. Quellendes Leben, wohin das Auge schaut, vnd der sinnende Mensch steht mit Ehrfurcht still ror den Unbegreiflichkeiten der Schöpfung. Gefaltete Hände breiten sich bittend und flehend über die junge Saat. Flurprozession und Bittgänge macht die katholische Christenheit, um Saat und Scholle zu heiligen. Gott selber geht durch die Flur und die Gemeinde gibt ihm das Geleit. Segen will die Kirche ausgießen über die ganze weite tzlur, macht die engen Straßen zu Flügeln ihres qtcf’cren Tempels, die weiten.Plätze zu einem großen Kirchenschiffe, über das der Himmel seine erhabene Wölbung zieht. Die Prozessionen sind der Ausdruck jener christlichen Begeisterung, Oer es in der Kirche gleichsam zu eng wird und die ihre Empfindungen gleichsam in die ganze Welt Mausrufen und vor Himmel und Erde ihre Gefühle aussprechen will. Bittprozessionen Md lebendige non Genius der Heimat beseelte Re- lioiostät, ist wahrhaft katholisches Lebensgefühl, das Natur und Seele, Erde und Himmel, Heimat und weitesten Kosmos zusammenbindet. Ist uns auch heute noch der Bittgang durch den Frühlingstag die herzhaft gläubige Scheu in Softes Werk und Welt? Ober ist er Schale ohne Sein geworden? Sind roi.- uns nicht mehr be« nutzt der großen hl. Weihe, bie über der Flur- xrozession liegt?
Kindertage und Kindheitserinnerunge.i werden nach, wenn ich betende und singende Scharen durch hiimatliche Fluren wallen sehe. Dann fühle icy c- immer wieder als harte Last, in d i e D i a - spora verbannt zu sein, wo vom katholisch flutenden Leben so gar wenig zu spüren ist. Die Sehnsucht nach katholischem Land brennt in meinem Herzen. Noch immer schallt da in mein Herz hinein die sonntägliche Verkündigung he- Pfarrers: Auf Christi Himmelfahrt ist Nachmittags die Flurprozession für das Gedeihen der Feldsrüchte. Das gab uns Dvrfjungen einen Stoß. Wir rannten uns wohl auch heimlich und leise an i und schauten uns fröhlich in die Augen. Vielleicht hatten wir kleinen Knirpse dieses Jahr das Glück und dursten auch mal ein Stück die Fahne tragen. In endloser Prozession gings durch die weite Gemarkung des großen Dorfes, so war es von al- tirsljer Sitte und Brauch.
Feierlich läuteten die Glocken vom hohen Kirchturm herab. Wir Jungen gingen heute gleich in die Kirche hinein und stellten uns nicht erst noch draußen vor das Tor. Die rechte Hand liegt kiampfhaft am Kameraden fest, damit ihn nur nicht w letzter Minute ein anderer wegnähme. Die Orgel begann zu brausen und mit mächtiger Feierlichkeit fang die Gemeinde: „O Gott, streck aus Deine milde Hand und benedeie Leut und Land." Echan kommen auch die Meßjungen aus der Sakristei, mit kühnem Griff hoben sie die Standarten empor und stellen sich vor der Sakristeitüre auf, zwei andere kamen in das Schiff und ergriffen die Fahnen, die direkt hinter uns standen. Jeder von uns wollte direkt hinter ihnen stehen, hatte schon am Tage vorher flehentlich gebeten, daß er doch
Zuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Acklendruckerei. Fulda
auch mal die Fahne tragen dürfe und gar wohl ein kleines Meßopfer, an dem das Herz hing, als Preis geopfert. Dann kam der „Kastenmeister" bedächtig aus der Sakristei und nahm das Vortragskreuz und stellte sich an der Kommunionbank auf, schließlich der Pfarrer mit vier Meßdienern; vor dem Altar die Kniebeugung, der Pfarrer stieg die Stufen empor und mit tönender frische, Stimme erklang es aus des Priesters Mund: „Procedamus in paee", worauf alle antworteten: „In nomine Christi. Amen." Das war das Zeichen des Aufbruches. Unsere kleine Herzen hüpften auf. Es geht hinaus. Weit öffnen sich die Kirchen- portale. Laut tönen die Trompeten der Orgel: „In Gottes Namen wollen wir und feine Gnad begehren wir." Hinaus mögt bie Prozession.
Ganz vorn geht ber Kastenmeister mit bem Vortragskreuz, ihm zur Seite bie beiden Meßdiener im blauen Meßröcklein und halten die Fahnen, die sich im Frühlingswinde wiegen. Vor dem Dorfe werden die Fahnen abgehangen und wir Kleineren sind so glücklich, wenn wir dann die Stangen ober bas zusammengewickelte Fahnentuch tragen biirfen. Rechts gehen bie Knaben unb links die Mädchen in ihrer bunten Tracht. Dahinter zunächst die Burschen, die sich in ihrem Drang und ihrer Eckigkeit nie so ganz richtig in die Prozes- sicn einfügen können, dann ber Pfarrer mit ben 6 Meßbienern, bie Jungfrauen, bie in ber Nähe bes Pfarrers befonbers fromm sind, dann die Männer mit wuchtigem Schritt und am Ende bie Frauen in frommer Würde. Mehr als ein altes Mütterlein nimmt ein noch nicht schulpflichtiges Kind mit unb geht bann fo ganz gemächlich am Schluß der Prozession.
Zwischenburch ist viel buntes, farbenfrohes Gewimmel. Von kräftiger Burschenhanb getragen, weiße unb blaue, rote unb grüne Fahnen, die hell und lustig im Winde flattern. Und über allem liegt es wie ein Singen und Klingen. Vorn er- klingcn bie Hellen Kehlen ber Jungen, hinten bie tiefen, markigen Stimmen ber Alten, baß Wälder und Felder aufhorchen unb widerklingen. Das Singen wird abgelöst durch bas Beten, und Gebete unb Lieder wehen in buntem Wechsel über die zartgrünen Felder dahin.
Was für ein Tag war bas! Der Himmel hatte zur Feier sein zartestes lichtblaues Kleib angc- legt, unb wie selige Geister zogen die weißen Frühlingswölkchen dahin. Durch bie Heimatflur schritten wir hindurch, durch bunte Wiesenmulden und jungfrisches Waldgrün, vorüber an Ber jungen sprossenden Saat. Und immer wieder Beten, Singen und Klingen. Und Vögel und Blumen und alle Welt und Natur da draußen, alle blühende, singende und springende Kreatur jubelt und sang unb betete mit zum Schöpfer, ber alles segnet unb nährt. Und die Häslein horchten auf im grünen Feld, Lerchen trillerten und fern aus feuchten Waldgründen rief der Kuckuck. Und alles fiel ein in ben Chor der Bittgänger und aus aller Herz quoll wieder Andachtsbitte unb Ruf.
„Ach segne, Herr, mit deiner Hand Die liebe« Früchte und das Land. Wend ab Frost, Hagel, Donnerschlag Und alles, das uns schaden mag." -------—
An den vier Feldkreuzen, mit leuchtenden Johanniskräutern, Marienblürnchen und frischen
Laubkränzen geschmückt, machten die Bittgänger Halt. Hier war der Segen über die weiten Fluren. Hier rief der Priester mit Inbrunst und weithin schallender Stimme die großen Fürbitten der Allerheiligenlitanei: „Vor Blitz u. Ungewitter .bewahre uns, o Herr." Hier hob der altehrwürdige Friedenssang an: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unfern Zeiten." Und jedesmal antwortete unb schwingen bazu bie Glok- ken bes hohen Turmes der Heimatkirche.
Der Weg würbe uns Kinbern boch bann langsam sauer, wir waren erleichtert unb froh, ba bas Heimatdorf immer näher kam und gaben uns noch einmal einen Ruck, wenn die ersten Häuser schon winkten. Dann erklang gar so wuchtig das „Großer Gott, wir loben dich." Unter dem Geläut der Glocken ging es in die Kirche zurück. Der wimmelnde Kinderhaufen drängte sieh in bie vordersten Reihen und nicht schnell genug konnten wir nach dem Segen den Ausgang geminnen. Die großen Kinderaugen waren merklich kleiner geworden, so ein Lärmen und Jauchzen wie sonst war nicht mehr, wir gingen still nach Hause, bie Sohlen brannten doch etwas, aber bei Kaffee und Kuchen im Vaterhaus strahlten doch fröhliche Gesichter, man erzählte feine Heldentaten, daß man die Fahnen hatte tragen dürfen unb gar nicht mübe war. Die Nachbarn unterhielten sich auch ein Weilchen über den Stand der Saaten, aber ben ganzen Feiertag lag über dem Dorf eirw trauliche Stille, als wenn Gottes Obern leife und segnend durch bie stillen Gassen ginge.
Aus aller Wett.
♦ Werber für die Fremdemlegion oerurteilt Der aus Berlin gebürtige Franz Geißler wurde Ende April in ber Herberge zu Bingen verhaftet, da er versucht hatte, einen Wanderkollegen zum Eintritt in die Fremdenlegion zu überreden. Geißler, ber bereits fünf Jahre in ber Fremdenlegion verbracht hat, bestritt seither entschieden das ihm zur Last gelegte Vergehen, bequemte sich aber in der Gerichtsverhandlung zu einem Geständnis. Es konnte ihm allerdings nur ein Fall nachge,- wiesen werden. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu fünf Wochen Gefängnis.
♦ Schachgergeschäfte mit deutschem Eigentum. Dieser Tage sand in Mainz die Versteigerung von insgesamt 21 Flugzeughallen vom Flugplatz Lachen- Speyerdorfs statt. Bei dieser Versteigerung haben sich, wie wir hören, höchst sonderbare Dinge abgespielt. So hat z. B. ein in Lachen wohnenide-ll Zivilfranzose namens Allemort die moderne Flugzeugwerft zum Preise von 500 Mark ersteigert. Der Neubauwert dieser Werft beläuft sich auf rund 30000 Mk. Der Franzose veräußerte gleich nachdem der Zuschlag erteilt war, die Werft an einen anderen Liebhaber um 1500 Mk. weiter. Der neue Besitzer bot die Werft anderen Kaufliebhabern zu einem weit höheren Preis wieder an. Ob es zu einer nochmaligen Veräußerung gekommen ist, fonnts bisher noch nicht festgestellt werden.
Am Ungarns Königsthron.
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Prinz Otto von Habsburg, ber älteste Sohn bes verstorbenen Kaisers Karl, soll nachdem fein Gegenprüsident Albrecht auf bie Krone verzichtet hat, im November zum König von Ungarn gekrönt werden. Zu diesem.Zeitpunkt erlangt er die Volljährigkeit.
Prinzessin Maria v. Savoyen, die jüngste Tochter bes Königs von Italien, soll am Krönungstage mit bem Prinzen Otto verlobt werden.
Reichsverweser horlhy soll bereits mit dem römischen Hof über die Verlobung Ottos mit ber Prinzessin Maria verhandelt Haden.
Der Dreizehnte.
Roman von Anny von Panhuys.
' Copyright 1929 by Verlag Bechthold, Braunschweig.) 36] ___________
Montserrat aber sprach leidenschaftlich bewegt weiter: j7il.cr wurde ich fcstgehalten, der alte Gauner hat an« Wnenb die Steine schon in den Handel gebracht und M >st dadurch ausgerührt worden, was so weit hinter W es mich kaum noch berührt«. Und nun S". man mich hier fest und ich mußte doch zurück nach £?n5- Mein Mann ist ein paar Tage in London.
!"öglicherweife wird er «her wieder in Paris J** wie ich. Und vielleicht reift «r dann gänzlich ab ich weiß nicht wohin. Er ist unberechenbar und ES**. sicher, ich hätte ihn verlassen!" Sie schrie auf: ihn verlassen! In Tropfen gäbe ich mein Blut H 7n hin." Ihr Fuß stampft« den Boden. „Ich tt’n! Hätte ich mich doch nicht mehr um die «lenden *»Ine gekümmert, man gibt mir ja doch nur buntes Ufte? . und wer ich in Wirklichkeit war, wußte ttfcn "'EMond. Hätte ich mich doch nicht mehr darum ge- ^enn "ichis auf der Welt ist wichtiger als er, liebe". Ihr« Augen flammten und um ihre scharf nsten Lippen zuckte es unaufhörlich nervös, her & t bi" ich eine Frau ohne Gewissen, aber ein ilebört doch. Ein Herz, das meinem Manne 3ft er mir verloren gegangen jetzt, dann ist mir
^ieich, dann renne ich mit dem Kopf gegen die KJ®- bis ich nicht mehr weiß, wie schön jeder Ge- -^riin °n &en Geliebten ist." Sie hob die Hände gegen pfeL/” Duero. „Was kann dir an meiner Verhaftung ■F**: Dein Vater ist tot, den kannst du nicht mehr
*»°r sogenannten Sühne ins Leben zurückrufen. Stfen * «mpstvde ich nicht. Gar keine! Nur das noch rechtzeitig nach Paris zu kommen, heiße verzehrende Sehnsucht nach meinem n Unb nach der seligen, unbegrenzten Weite unseres t5r-“erI'bcns-"
®U1 Duero erhob sich langsam und sein Blick war
Kennst du nicht das Bibelwort: Wer Blut v«r- > des Pint soll wieder vergossen werden? Ich halte *i“oran- Ich will, daß der Mord gesühnt wird" KBif/vtctc f'ch höher auf.
K? da feinen Illusionen hin. Dein Vater hat jV^’ii wie «in zugelaufenes Aschenbrödel niedrig- »önung behandelt. Dafür gibt es Zeugen und sein bezeugt es auch. Das spricht zu meinen
Gunsten. Deine Küsse kommen dazu, die mich in ben Glauben wiegten, von dir aus beschämender Abhängigkeit erlöst zu werden. Deines Vaters Tod wird sicher nicht durch mein Blut gesühnt werden. Ein paar Jahre Kerker wäre das Schlimmste, was mir geschehen könnte. Für mich allerdings wäre das tausendmal schlimmer als der Tod. Denn wenn ich meinen Mann verlieren müßte, dann hat das Sterben keinen Schrek- ken mehr für mich. Unb wenn bu auf bie Sühne bestehst, bann bedenke auch vorher, mein Mädchenname ist der gleiche wie dein Name. Ich bin auch eine Duero, und es würde fortan wie Schande über dem Namen liegen." Sie sah ihn scharf an. ,Lch weiß, dein Batrr war sehr stolz auf die Reinheit seines Namens unb dir wirb es sicher auch keine tfreube bereiten, wenn der Name für die Zukunft identisch ist mit dem einer Mörderin. Laß mich gehen Primo, denn glaube mir, eine wirkliche Genugtuung wirst du doch nicht darüber empfinden, wenn bu mich in irgend einem Zuchthaus weißt. Mein Mann ist ein Spieler, ein Aventurero (Abenteurer) großen Stils und ich passe zu ihm. Jetzt besteht noch die Möglichkeit, wenn sie auch gering ist, vor ihm in unserer Pariser Wohnung eihautreffen, laß mich die Möglichkeit benützen. Ich habe immer den Hang gehabt, frei durch bie Welt zu ziehen, nach meinen eigenen Gesetzen zu leben. Mein Mann empfinbet ebenso. Wir passen zueinanber, als wenn uns das Schicksal von je füreinander bestimmt hat. Ich lüge und betrüge für ihn und mit ihm, zusammen aber lachen wir über die Philister. Wir find mir, sind vor uns groß, find selbscherrisch von eigenen Gnaden. Wir leben, ihr vegetiert nur, wir genießen, ihr wagt kaum zu kosten, mir stehen über dem Schicksal, ihr fürchtet es." Ihre Stimm« schwankte. „Das heißt, jetzt fürchte ich es auch, weil meine Liebe in Gefahr ist. Laß mich laufen, Primo, und wenn es dich beruhigt, dann denke, eine Natur wie die meine, bie keinen Unterschied $roi« scheu Recht und Unrecht macht, die darauf loslebt mit einem Genossen ihrer Art, der es gleich ist, wohin ihr Lebensschifflein steuerlos treibt, die wird schon eines Tages von irgendeinem Sturm über Bord gespült werden."
Primo Duero empfand nicht die mindeste Weichheit, nicht das mindeste Mitleid. Ihr war es, als umlagere ihn eine schwere bedrückende Wolke von Verachtung und Ekel, durch die er nicht hindurchschauen konnte.
Nur eines sah er, eins begriff er. Bestand er auf bie Sühne, bann kam ber Nam« Duero an ben Pranger, der Name, den er trug und den nun auch bald sein blondes Lieb mit ihm teilen würde. Vielleicht durfte er eines Tages ein Kindchen im Arm halten: Evas Kind und das sein«, und das trug bann auch den
Namen. Es würde dann später vielleicht hören von der Montserrat Duero, die in einem Zuchthaus ihre Tage verbrachte.
Er fror bei der Vorstellung.
Klanglos sprach er: „Geh, aber komm niemals in meine Nähe, niemals. Um des Namens Duero willen will ich unterlassen, was mir Pflicht und Gewissen ge- 1 bieten. Aber gehe schnell, ehe es mir leid tut, ehe ich ' es bereue."
Ueber Montserrats Zuge glitt ein Aufleuchten. „Ich danke dir, Primo, ich —"
„Geh", gebot er hart, „du hast keinen Grund dich bei mir zu bedanken, denn auf dich nahm ich bei meiner Entscheidung nicht die geringste Rücksicht, sondern nur auf den Namen Duero."
Es schien, als wollte sie noch etwas sagen, er aber gebot ihr herrisch Schweigen.
„Setze die graue Perücke wieder auf, es ist für alle Fälle besser, es erblickt dich hier niemand so, wie du wirklich aussiehst."
Sie trat vor den kleinen Spiegel und zog di« grauen tiefen Scheitel über ihr dunkles kurzes Haar, umwand den Kopf mit dem Spitzenschal und schlüpfte in den viel zu weiten Mantel.
Primo Duero öffnete die Tür und verließ gemeinsam mit ihr das Zimmer. Allein würde sie der riesige Wächter vor ber Tür gar nicht burchlassen, bachte er.
Unten im Laden befanden sich Nicolaas Sneek unb seine Tochter, beide mit bangen und erwartungsvollen Gesichtern.
Primo Duero sagte zu der Montirossi: „Die Frau konnte mir einwandfrei beweisen, daß sie die Steine rechtmäßig erworben hat, unb es fcheint, ich habe mich in den Steinen getäuscht, sie ähneln den anderen, die ich suchte, nur zum Verwechseln."
Nicolaas Sneek trat von einem Fuß auf den anderen, als ob er an den Füßen fror. So angenehm, es war, in keine Morbgeschichte hineinverwickelt zu werden, fo peinlich würde nun die Auseinandersetzung zwischen ihm unb ber grauhaarigen Frau werden. Wenn ber Spanier sich nicht eingemischt hätte, wäre man jetzt wohl schon auf bem Wege nach Florida. Nun begann der Tanz zwischen ihm und der Dersetzerin. Aerger und Unannehmlichkeiten standen ihm sicher in Hülle und Fülle bevor, wenn es chm nicht gelang, sich mit ber Frau zu einigen. Vielleicht mußte er alles Gelb, das Io dafür erhalten, herausrücken, oder gar die Steine wieder zurückschaffen.
Er fluchte innerlich, und erwartete den Angriff der Frau. Doch die sprach kein Wort, sondern eilte plötzlich auf die Ladentür zu und verschwand mit größter Schnelligkeit, als müsse sie fliehen.
Nicolaas Sneek sah seine Tochter an und Io sah Primo Duero an.
„Was bedeutet denn bas?" fragte sie maßlos erstaunt.
Primo Duero zuckte die Achseln.
„Sie hat anscheinend doch ein schlechtes Gewissen! Jedenfalls ließe sie sonst nicht einen so großen Wert int Stich. Aber Ihnen liegt ja nichts daran, von dieser Frau wegen Unterschlagung belangt zu werden, unb ich will jetzt auch keine Nachforschungen mehr anstellen, ich gebe es auf. Ich kann nicht mehr. Also freuen Sie sich über den unrechtmäßigen Verkauf ber blauen Brillanten, es werben Ihnen anscheinend daraus keine Schwierigkeiten erwachsen."
Nicolaas Sneeks Mund zog sich bedenklich in die Breite, fo schmunzelte er.
Primo Duero hielt der Montiroffi einen Ring entgegen.
„Ich versprach ihn Ihnen, unb Sie erhalten ihn für Ihre Bemühungen mit ber Frau. Wenn nun auch alles resultatlos für mich verlief, so können Sie boch nichts dafür."
Die Montirossi ließ einen entzückten Ausruf hören und griff fast gierig nach dem Ringe, einer gut gelungenen Nachbildung bes Blumenringes, ben Primo Duero bei ihrem Vater gekauft, für ben breitaufenb Gulben bezahlt unb ben sie durch eine Komödie wieder hatte an sich bringen wollen.
Primo Duero sagte ruhig: „Ich danke Ihnen beiden sehr für Ihre Bemühungen", grüßte und ging. —
Alles, von dem Augenblick an, wo ber Spanier mit ber Frau in ben Gaben getreten, bis jetzt, hatte sich so überschnell abgespielt, daß sie beide bis zu dieser Sekunde unter einem Alpdruck gestanden. Io betrachtete nachdenklich den Ring.
„Vater, verhält sich bas wohl alles so, rote wir es eben hörten? Ich glaube es nicht so recht."
„Unb ich glaube es gar nicht!" Nicolaas Sneek nahm seine Hornbrille von ber etwas zu kräftig geratenen Nase. „Die zwei haben uns etwas aufgetifd)t, was sich bestimmt anbers verhält. Aber warum sie es taten, geht uns nichts an, wir haben keine Ursache, neugierig zu fein. Sei überzeugt, von ben beiben kommt feiner wieder, und bas gute Geschäft haben wir gemacht. Niemand vermasselt es uns noch nachträglich. Du hast einen wertvollen Ring, ich das Geld für die blauen Brillanten, und die alte Bude hier geben wir für alle Fälle schleunigst auf und reifen nach Forida, du, ich und Pieter, denn ohne deinen Ersten gehst du ja boch nicht, Frau Prinzessin."
(Schluß folgt.)