Einzelbild herunterladen
 

uldaerZertung

E Anzeiger für die Stabt Jutba unb ben Landkreis Julba. Amtliches Kreisblatt.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt

IM fRilh* Itnh SRitrf»0ti'hTnH0r</ itnX SHa-tIaa

Mm 11 Ä im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag JlV« Alv der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

Donnerstag, 22. Mai 1930

57. Z-Hkg

:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151.

Monatlich 1,80 einschliehl. Postgebühr (48 Pf.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Lol.) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 Jut. Reklamezeile: lokal0,60 /Ut, auswärts0,80 .tut. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Franks, a. M. 4051.

Der Geist von dazumal.

Vor Zeit zu Zeit werden auch diejenigen deut­schen Katholiken, die in freundlichem Optimismus schon vergessen haben, was sich in zehn Jahren seit dem Bestehen des Volksstaates zu unseren Gun­sten geändert hat, daran erinnert, daß es ein- inal anders war. Heute mag es einem gelegent­lich so vorkommen, als ob jener unduldsame Geist, unter dem wir wahrhaftig bis zur Unterdrückung unseres Eigengefühls gelitten haben, bereits einer grauen Vorzeit angehöre. Man wird undankbar gegen Einrichtungen, an die man sich schon wie an etwas Selbstverständliches gewöhnt hat u. vergniht, daß noch mitten im Kriege in der Behandlung katholischer Deutscher Dinge möglich waren, die heute unglaublich scheinen.

Jener Geist von vorgestern lebt noch. Und wenn es wahr ist, daß zu einer Tagung des G e- jamt v orstandes des Alldeutsch en Ver­bandes am Sonntag in Potsdam etwa 45 Ver­treter, wie die Deutsche Zeitung berichtet, erschienen waren, so muß, soll nicht der Verband nur aus dem Vorstand bestehen, angenommen werden, daß die Gesinnung, die die Alldeutschen trägt, noch von sehr vielen Menschen im Reiche geteilt wird. Daß diele Gesinnung auch politisch von einer Eng­stirnigkeit ohnegleichen ist, sei nur nebenbei ver­merkt. Die Deutsche Zeitung überschreibt ihren Be­richt: Statt Pan-Europa Potsdam. Darin offenbart sich die gedankenarme Instinkt­losigkeit in ihrem stupiden Haß gegen weltweite Völkerpolitik.

Der erste Redner auf dieser. Tagung war I u- stizra t El. Immer noch derselbe, der seit Jahrzehnten in dem Vorgeben, deutsche Interessen zu vertreten, das Volk durcheinander bringt. Seine Rede erhielt diesmal eine charakteristische Rote durch die wiederholten Angriffe auf den Reichspräsidenten. Claß sprach von Hin­denburgs höchst bedauerlicher Mitwirkung bei den Dounggesetzen, er habe den Leuten freie Hand ge­lassen, deren Hauptzweck es war, die nationale Op­position zu zertrümmern, daß der Reichspräsident mitgewirkt habe, sei ein furchtbarer Vorgang, und was der bekümmerten Redensarten eines Mannes, "flcn Blick nicht über die Havel hinausreicht, mehr in mögen.

Am interessantesten aber ist für uns der Um« md, daß Claß das Zustandekommen des abinetts Brüning, vorher schon die An­nahme des Doungplanes und die späteren politi- Wen Vorgänge in Deutschland unter dem Gesichts­winkel römischen Einflusses sieht:Der Zen- numsgewerkschLftler und Demokrat Dr. Brüning hat für die römische Sache von heute einen Sieg erstritten, zu dem ihm ahnungslos protestantisch- konservative Leute geholfen haben. geholfen in einer Verblendung, die nach allen Erfahrungen mit mn Zentrum unfaßbar ist." Herr Claß steht alio mit seiner Beurteilung deutscher Politik und deut- lcyer Staatsnotwendigkeit noch, et was im en Drittel des 16. Jahrhunderts »«Lu169 s'ch in den siebziger Jahren des 19. einen rnischauungsunterrichr nach seinem Herzen dazu E^attet haben.Ruch immer ist es nicht allge- mem erkannt, daß Zentrumspolitik und deutsche «aatskunst unvereinbare Begriffe sind, daß es w unter Zentrumsführung ausgeschlossen ist, eine vontik zu treiben, die Deutschland voran hilft." ?arf ein Mann aussprechen, der mit fei« Gesinungsgenossen, gewiß nicht unschul- daran ist, daß das Deutsche Reich nach unseligen Kriege zusam men - rach' bet aber wissen müßte, wie sehr gerade »$ Zentrum damals mit dabei gewesen ist, den ?.ren wiederaus dem Dreck heran s- L®1 e v e n, in den ihn die alldeutschen Banner- ,:9er Stacht hatten. Aber Herr Claß hat sich ne andere Theorie zurechtgelegt:Im Weltkrieg IT ans Oie Zwietracht der Heimat um den Sieg »»2as ist eine ganz neue Ent- cru n g. Sollte Herr Claß damals in der glück- rn Lage gewesen sein, am eigenen Leibe nichts spüren, wie das deutsche Volk, von mili- lchen Dingen abgesehen, trotz heldenhaften Wi- l an^es an Hunger und an Entbehrungen jeg- r Art zugrunde ging, und darum und nur dar- oer Zusammenbruch kommen mußte, wie er »mmen ist? Das unfaßbare Verhalten des -.^Präsidenten, wie Claß sich ausdrückt, hat frei» ._®Or^8t»örf Jahren bewirkt, daß das Reich uAlldeutschen nicht vor die roif ix 9 *n S und die sich damals mit dem Ge- üeidmarfchall zufammentaten, um zu retten, n°d) zu retten war, waren Männer, die dem uumssührern sehr naheftehen.

>it rs/cnn uian ernstlich mit einem Manne 'EU' der emphatisch erklärt ,bie politische Aus« , 7 *u n 8 Hugenbergs würdeein ge- , 29t^"hrlicher Erfolg Roms" sein? ? Zentrum hat nach Claß von altersher sich das 9fietzt, den preußischen Gedanken zu vernich- ' ~renn der preußische Gedanke, unter dem wir ma5 Gutes vorstellen können, allerdings weist des Alldeutschen Verbandes und seines ers wäre, dann wüßten wir uns kaum eine «endere Aufgabe, als ihn zu vernichten. 1 .es ist Gott fei Dank noch nicht so, daß der, 'Nen Gedanken für sich in Anspruch nimmt, U£9 schon besäße. Goethes Wort von dem : öfr Väter, das man erst erwerben muß, ist niemals an das Ohr eines echt alldeutschen "es gekommen. Denn sonst könnten sie nicht ^oße, das auch wir an Preußen und Fried- ,ud Potsdam anerkennen, (freilich ohne des- ,e°.er Legende würdelos nachzuplärren), so erlich verkleinern.

e nächsten politischen Ziele des Alldeutschen 'Udes liegen in einer Wiederzusammsnsuh-

rung dessen, was sie die nationale Opposition nen­nen, der Deutschnationalen Volkspartei, des Stahl­helms, der Nationalsozialisten. Um dieses Zieles willen wäre Claß. kein Mittel zu schlecht, und fo hofft er allen Ernstes auf denunaus­bleiblichen Mißerfolg der Schiele- fchen Landwirtschafts- und Ofthilfe". Auch das ist einePolitik", deren Kennzeichnung wir uns aber wohl ersparen dürfen. Claß unter­schätzt im übrigen die Breite der Kluft, die sich auf der Rechten bereits aufgetan hat. Selbst Hit­ler dürste es nicht mehr gelingen, feine Mannen Hugenbsrg wieder zuzuführen. Und der Stahl­helm? Kapitän Ehrhardt hat ihn in seiner großen Auseinandersetzung in der Berliner Börsen- Zeitung mit ein paar Worten als einfach kit- s ch i g abgetan, Patriotismus ist Kitsch, Nationalis­mus ist Stil, sagt Ehrhardt. Was der Alldeutsche Verband betreibt, das ist, so möchten mir hinzu­fügen, eine Linie, auf der der vielleicht harmlose Kitsch in bewußte Verlogenheit abgleitet.

Reich und Thüringen.

Im Haupt-Ausschuß des Reichstags hat Reichs­innenminister Dr. Wirth seinen Standpunkt zu den Vorgängen in Thüringen, die sich an den Namen des Herrn Dr. Fricke knüpfen, bargelegt und eine sachlich-besonnene Stellungnahme zu den merkwürdigen Maßnahmen des Herrn Frick er­kennen lassen. Auch ein Schreiben Wirths an den Thüringischen Staatschef ist bekannt gegeben wor­den. Aus Weimar wird nunmehr berichtet: Die Antwort des Staatsministers Baum auf den Brief des Reichsinnenministers Dr. Wirth, in dem dieser Bedenken hinsichtlich der Organisation der thüringischen Polizei und hinsichtlich des vom thü­ringischen Vvlksbildungsminister Dr. Frick empfoh­lenen Schulgebetes äußert, wird am Mitt­woch nach 'Berlin abgehen. Die Antwort ist, ent­sprechend dem rein privat gehaltenen Schrei­ben Dr. Wirths ohne Kabinettsbeschluß wesentlich vom Staatsminister Baum abgefaßt und wurde, wie er versichert, durch die Vorgänge im Haus- haltsausschuß des Reichstages, wo von Dr. Wirth und volksparteilichen Abgeordneten scharfe Kritik an Thüringen geübt worden ist, in keiner Weise beeinflußt. Der Wortlaut desSchrei- bens ist noch nicht bekannt. i

Neuwahl in Sachsen.

Dec Sächsische Landtag aufgelöst.

Im Sächsischen Landtag fand in der fünften Stunde die Abstimmung über die sozialdemokrati­schen Auflösungsanträge statt. Für die Anträge wurden 50 Stimmen abgegeben, dagegen 46. Landtagspräsident Weckel erklärte darauf den Säch­sischen Landtag auf Grund dieses Stimmergebnis- fes für aufgelöst.

Bei der Abstimmung über die sozialdemokrati­schen und kommunistischen Auflösungsanträge ha­

ben die Sozialdemokraten, Kommunisten und N a - tionalsozialisten geschlossen für die Auf­lös u n g gestimmt, während alle bürgerlichen Par­teien die Anträge ablehnten.

Die Neuwahl wird am 22. Juni stattfinden.

In Sachsen fehlt das Zentrum. Infolgedes­sen ist dort feit der Revolution eine dauerhafte, krisenhaften Radikalismus vermeidende Regierung noch nicht zu Stande gekommen.

Gerechte Strafe.

Der Berliner Oberbürgermeister Böß als unwürdig seines Amtes erklärk und mit Dienst Entlassung destrafl.

Der Bezirksausschuß in Berlin, vor dem wie schon berichtet, die Disziplinarverhandlung gegen den Oberbürgermeister Böß zur Durchführung kam, fällte folgendes Urteil:

Der Angeklagte hat feine Pflichten ver­letzt, die ihm das Amt auferlegt hat, und hat sich durch fein Verhalten im Amt und außerhalb des Amtes der Achtung, des Ansehens und des Ver­trauens, das fein Beruf erfordert, un würdig gezeigt. Der Angeschuldigte wird deshalb mit Dienstentlassung bestraft. Dem Angeschul- digten werden auf Lebenszeit zwei Drittel des ihm gesetzlich zustehenden Pensionsbetrages ge­währt. Die Barauslagen des Verfahrens fallen dem Angeschuldigten zur Last.

Oberbürgermeister Böß hat gegen dieses Urteil durch seine Anwälte sofort Berufung eingelegt. Der Fall wird also noch einmal das Oberverwal­tungsgericht beschäftigen. Erfahrungsgemäß dauern die Vorbereitungen für diese Verfahren längere Zeit, so daß nicht damit zu rechnen ist, daß die Berufungsverhandlung bereits in der nächsten Zeit stattfinden kann.

In der Urteilsbegründung betonte Prä­sident Mooshake, daß das Gericht in der bekannten Pelzaffäre einen Vorgang sähe, der einen Oberbürgermeister oder einem Beamten in expo­nierter Stellung nicht hätte passieren dürfen. In der Frage der mangelnden Dienstaufsicht könne sich dagegen das Gericht der Anschuldigungsschrift nicht anschließen. Die Darlehnsverträge zwischen den Gebrüdern Sklarek und der Stadtbank sowie die mit diesem Komplex zusammenhängenden anderen Geschäfte seien nicht Sache des Oberbürgermeisters gewesen. Dagegen hätte Oberbürgermeister Böß von dem Zeitpunkt an, als er durch den verstor­benen Obermagistratsrat Schalldach, den Leiter des Anschaffungsamtes, auf Unregelmäßigkeiten auf­merksam gemacht worden fei. die ernste Pflicht ge­habt, energisch durchzugreifen. Wenn auch Ober­magistratsrat Schalldach inzwischen verstorben sei und heute nicht mehr zu seinen früheren Bekun­dungen stehen könne, glaube das Gericht dieser Aussage, da Schalldach von Oberregierungsrat Ta- polski eidlich vernommen worden sei.

Der Vertreter der Anklage hatte aufs chul- d i g" plädiert, ohne dabei jedoch bemerkenswerter-

Die Räumung der deutschenPfalz.

Die Franzosen feiern Abfchied. Reine Truppenübungen mehr. Das Militärgericht bleibt noch.

CNB. Landau, 21. Mai. (Eig. Meld.) Seit In­krafttreten des Räumungsbefehles macht sich in den französischen Garnisonen die bevorstehende Räu­mung lebhaft bemerkbar. Die Landauer Besat- zunq hat die städtische Festhalle zu einer Abschieds- feter verlangt und in den belegten Schulen werden kleinere Feiern abgehalten. Der französische Bri- gadegeneral B l a n ch a r d , der stellvertretende Chef der Besatzungstruppen, der bekanntlich an­fangs Mai mit dem besonderen Auftrag der Auslö- fitng der französischen Rheinarmee entsandt wurde, ist in der Pfalz angekommen und besucht die fran­zösischen Garnisonen. In den Kasernen in Landau und anderen pfälzischen Orten kann man eifriges Packen und Materialoersenden aus Auto-Trainko- lonnen beobachten. Die Truppen rücken nicht mehr zum Exerzieren aus, sie sind durch die Derpackungs- anbeiten in den Kasernen sestgehalten. Zahlreiche

französische Offiziersfamilien sind bereits nach Frankreich abgereift. Ende der Woche wird der noch verbleibende größere Teil der Familienange­hörigen durch Extrazüge abtransportiert werden.

lieber die Art des Abmarsches der französischen Truppen sind Einzelheiten noch nicht zu erfahren. Befatzungskreise lassen durchblicken, daß der Abzug im Stille n" erfolgen soll. Also: auf französisch! In Landau selbst werden den deutschen Behörden täglich Besatzungswohnungen zurückgegeben. Eine Kommission der Feststellungsbehörde für Besat­zungsschäden weilt bei der Üebergabe von Gebäu­den an Ort und Stelle, um die Ersatzansprüche fest- zustellen und mit dem Eigentümer über die Höhe der Entschädigung sofort zu verhandeln.

Das Militärgericht hat seine Tätigkeit noch nicht eingestellt, sondern eine neuerliche Verhandlung gegen einen Deutschen angefetzt.

WM -

1

U

M '

» i W

EM r--

...

<

*

.fei ~x

..

WM

7.' t,

3 * iiW ?

/ v, - WM A. '. 1?:

Die Franzosen verlassen Worms.

Die Einrichtung eines Offizierskasinos wird Abtransport eines abmontierten Armeeflugzeugs, verpackt.

weise einen Antrag bezüglich der Höhe des Straf­maßes überhaupt zu stellen. Die Verteidiger hat­ten den vollkommenen Freispruch des Oberbürger­meisters verlangt.

Bei der Abfahrt des Oberbürgermeisters, der einen stark erschütterten Eindruck machte, hatten sich zahlreiche Neugierige eingefunden, doch sorgte die Polizei dafür, daß es nicht zu Kundgebungen kam.

Die Strenge des Urteils entspricht, so schreibt die Franks. Ztg. dazu, dem natürlichen Volks­empfinden vor allem deshalb, weil es ernst macht mit dem Grundsatz, daß einem hervorragenden Amte auch eine besonders rigorose Pflichtauf­fas s u n g zur Seite zu stehen habe. In der Tat das entspricht einer wohlverstandenen Führeridee im demokratischen Snstem, daß der Führer in noch höherem Maße für feine Handlungen verantwort­lich, sei als jeder sonstige Staatsbürger. Ver­ständliches Mitgefühl mit einem an sich wahrschein­lich wohlmeinenden Beamten hat hier hinter den Notwendigkeiten des Ganzen zurückzustehen, für das die Laxheit, mit der so oft Fehler und Ver­fehlungen in den letzten Jahren übersehen oder ver­ziehen wurden, allmählich zu einer schweren Ge­fahr geworden ist. Das Pelzgeschäft des Herrn Böß war für das Oberhaupt einer Piermillionen­stadt eine unmögliche und unerträgliche Handlungsweise-, der Oberbürgermeister wäre auch ohne dies Urteil politisch ein toter Mann gewesen, und so hat das Urteil im Grunde aus dieser Tatsache nur noch formell die Konse­quenz gezogen, die Konsequenz, die allerdings bis­her allzuhäufig vermieden wurde. Wenn man die Gültigkeit des Urteils das freilich, weil Beru­fung -eingelegt wurde, noch nicht rechtskräftig ist trotz einiger Härten nach der menschlichen Seite hin in diesem Falle anerkennt, so liegt darin zu­gleich die Forderung, daß die Gesinnung, die es enthält, für alle Urteile und für alle Verhältnisse in Zukunft Geltung erlange.

Handelsvertrags-Verhandlungen.

Beginn der deutsch-rumänischen Handelsvertrags- Verhandlungen in Bukarest.

totb. Bukarest, 21. Mai. (Eig. Meld.) Die deutsche ^Delegation für die Handelsvertragsver­handlungen wurde vom Handelsminister Mirto mit einer Ansprache begrüßt, auf die der Führer der deutschen Delegation, Windel, erwiderte. Hier­auf gab der Vorsitzende der rumänischen Dele­gation, Antippa, ein Expose über den bisherigen Verlauf der Verhandlungen.

Aus den Parlamenten.

Im Reichstag wurde am Dienstag die zweite Beratung des Verkehrsetats zu Ende ge­führt. Reichsverkehrsminister von Guerard nahm noch einmal das Wort, um daraus hinzuweisen, daß die Ausgaben für den deutschen Luftverkehr sehr gering seien im Verhältnis zu den übrigen Ländern. Der Minister erklärte weiter, daß das Reichsverkehrsministerium an der in diesem Jahre in Berlin stattfindenden Weltkonferenz regen An- teil nehmen werde.

Der Haushalt des Reichsoerkehrsministeriums wurde nach langer Debatte mit geringfügigen Aem- berungen angenommen. Angenommen wurden auch Anträge des Verkehrsausschusses, in denen eine Gleichstellung der Kleinkrafträder mit den Kraftfahrzeugen im Kraftfahrzeugverkehrsgefetz und die Beseitigung der Uferabbrüche an der Unterelbe verlangt wird. Weiter wurde ein beutfebnationakr Antrag angenommen, ber Fahrpreisermä­ßigungen für ben B es u ch von Krie­gergräbern burch Angehörige bes Gefallenen verlangt, sowie eine kommunistische Entschließung, bie sich gegen bie Gütertariferhöhung bei ber Reichsbahn menbet.

Am Mittwoch 15 Uhr soll der Wehretat zur zweiten Beratung kommen.

Breußischer Landtag.

Obwohl nebenbei auch noch allerlei kleine Vor­lagen erledigt werden mußten, gelang es dem Preußischen Landtag doch, in emsiger Arbeit am Dienstag die zweite Lesung des preußischen Haus­haltsplans samt dem Etatgesetz und ber von ben Koalitionsparteien eingebrachten Deckungsvorlage für bas bis bahin noch verbliebene Defizit burch Verboppelung ber Orunbfteuer zu Ende zu führen. Die britte Lesung bes Etats soll am Mitt­woch beginnen, währenb bie britte Beratung ber Grunbsteuervorlage erst am Freitag vorgenomme> wirb. ___*i*i*i*

Südafrika.

totb. Kapstadt, 21. Mai. (Eig. Meld.) Reuter: Im südafrikanischen Unterhaus kam es gestern zu einer Debatte über die Frage des Rechtes Südafrikas, sich vom britischen Reiche zu trennen. General Smuts verttat die Auf­fassung, daß Südafrika einen solchen Schritt nur mit voller und einstimmiger Billigung aller ande­ren Dominien und des britischen Parlaments tun könne. Diese Ausführungen erregten bei den Na­tionalisten großes Mißfallen. Der Derteidigungs- minister, Oberst Crestoell, erklätte, Südafrika habe das Recht der Sezession, wenn es auch nicht beab­sichtige, davon Gebrauch zu machen. Premiermini­ster General Hertzog sagte, er werde die Ange­legenheit auf der nächsten britischen Reichskon ferenz zur Sprache bringen. Danach wurde da: Haus auf heute vertagt,