Einzelbild herunterladen
 

. ...

k 30. Inrernationaler M Eucharistischer Longrest.

Teilnehmer aus 17 verschiedenen Ländern. — Der Lmp- L- *8 &cs Kardinal-Legalen beim Bey von Tunis. — Er- Sttifenbc religiöse Kundgebung: 6000 Kinder nahen sich dem Tische des Herrn.

Karthago, 9. ..'lai 1930.

■ Die hier in diesen Tagen stattfindende Welthuldigung r die hl. Eucharistie trägt in mehr d.un einer Richtung VN einen denkwürdigen Charakter. Infolge der Aus- ■ ’nun9 Italiens mit dem Vatikan fährt zum ersten Male Eg“ 1870 der Legat des Papstes von dem Vorhafen von ■ Vecchio, aus dem Orte zur Ausübung sei-

hohen Mission entgegen. Der Telegraph hat der Welt g v reits die Ankunft des päpstlichen Vertreters, des Kar- 7* . , 5 Lepicier, seinen begeisterten Empfang auf afrika- Boden und die eindrucksvolle Eröffnung des Kon- - Sb ^geteilt. Der Zustrom von Pilgern >. e"; ’tc i gt hochgespannte Erwartungen. Kh ^er ausgegebenen Mitgliedskarten beträgt mehr D??" 25 000, mehr als 15 000 entfallen auf Kongreßmit- ■Lc. r aus überseeischen LÄidern, aus 17 verschiedenen jgvionen. Frankreich, die Kolonialmacht von Tunis, Mehr als die Hälfte der Teilnehmer, rund 40 Kar- a e und Bischöfe, 2000 Priester, 1200 Seminaristen, Reihe Mitglieder der Deputiertenkammer, Belgien W^^dte unter Führung des Kardinals van Roey (Me- ■3?!? und des Bischofs Mfgr. Heylen (Namur), des eni>cn des Permanenten Komitees für die Jnter- onalen Eucharistischen Kongresse, 300 Pilger, Kardi- I ®en °n& Warschau) ist mit 180 Polen gekommen, der L^?^alsuperior der Mariaviten mit 80 Litauern, ferner K? vertreten: Holland, Deutschland, Italien, England, ■j*7l,en- Irland, die Tschechoslowakei, Schweden, Nor- IljtV’ Mexiko, die Vereinigten Staaten. Selbst der 82- ■K*19c Erzbischof Msgr. Kelley von Sidney, wo der letzte Eg*; 8reß stattsand, ist ungeachtet seines hohen Alters mit ■ 8en Priestern hier erschienen. 7000 Personen woh- IIjj ,auf 14 Schiffen im Hasen von Tunis, 4000 wohnen ■Wno un& Privatwohnungen, die zum Teil von der E*e°orenen Bevölkerung zurVerfügung gestellt wurden.

Sonntag Cantate.

Ewgangslied: ps. 97, 1 u. 2.

Cantate Domino canticum novum, alleluja ....

Singt dem Herrn ein neues Lied, alleluja; denn der Herr hat Wunder getan, alleluja. Vor den Augen der Heiden hat er feine Gerechtigkeit ent« hüllt, alleluja, alleluja, alleluja. (Pf. ebb. 1) Ihm feine Rechte, fein heiliger Arm.

Evangelium: 3otj. 16, 8—14.

Sn jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich gehe zu dem, der mich gesandt hat, und kei­ner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer Herz voll Trauriz« keit, weil ich euch das gesagt habe. Allein B ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, kommt der Tröster nicht zu euch; wenn ich aber hingehe, will ich ihn euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt deutlich zeigen, daß es eine Sünde gibt, eine Gerechtigkeit und ein Gericht: Eine Sünde, weil sie an mich nicht glaubt: eine Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr sehen werdet; ein Gericht, weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist. Noch vie­les hätte ich euch zu tagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird er euch alle Wahrheit leh­ren. Er wird nicht aus sich reden, sondern was er hört, wird er reden, und was zukünftig ist, euch verkünden. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen und es euch ver­künden.

Unter Mariens Schutz und Schirm

Sm Maienmonat versammeln sich die Gläubi­gen um die Altäre der Gottesmutter. Zn ihr steigt das Flehen bittender Seelen empor: Unter deinen 1 Schutz und Schirm fliehen wir o heilige Gottes­gebärerin.

Der Beginn dieses Gebetes wurde der Anlaß w den vielen Darstellungen der sogenannten Schutzmantelmadonnen. Unter Ma­rien- Mantel sucht die gläubige Christenheit Schutz - gegen die Fahrnisse des Leibes und der Seele Siete Auffassung ist aus germanischer Rechtscm- scho.uung erwachsen und sinngebend ins Religiöse < übernommen worden. Sn alten deutschen Sitten galt es als ein Zeichen des Schutzes und der 2Iner fennung, wenn jemand einen anderen unter feinen Mantel nahm. Diese sinnbildliche Handlung geht B auf die natürliche Bedeutung der Kleidung — vor Unbilden der Witterung zu schützen — zurück. Be­sonders bei Königen und Königinnen war von alters her der Mantel — ein weites faltenreiches Gewand — als Schutzsymbol bekannt (vergl. auch in Wagners Tannhäuser). Bei Annahme sowohl als «ch bei Anerkennung an Kindesstatt (Adoption und Legitimation) wurden die Kinder unter den Man­tel genommen (Mantelkinder).

...Diese Rechtsgebräuche wuchsen nun mit reli- 3icfen Vorstellungen zusammen. Das 13. Jahr- hundert etwa bringt uns die literarische Ausfor­mung dieser Gedanken, Gebete, Erscheinungen und Lebenden spiegeln diese Auffassungen wieder. Ein altdeutsches Lied beginnt: „Maria breit den Man- W aus, mach uns ein Schirm und Schild daraus." -er hl. Brigitta sagt in einer Offenbarung über ®te|en Mantel Maria folgendes: „Mein weiter Mantel ist meine Barmherzigkeit. Von allen werde I V angerufen als Mutter der Barmherzigkeit.

Drahrlich, meine Tochter, barmherzig machte "mich meines Sohnes Barmherzigkeit. Deshalb wird Henb fein, wer nicht hinflieht zur Barmherzigkeit.

er es vermöchte. Komm du also, meine •tMiter, und verbirg dich unter meinen Mantel." allen Orden ist die Legende bekannt: Ein I L?miPP5 Glied des Ordens kam in den Himmel, W) aber nirgends Orbensgenoffen. Nach langem U-huchen kam er zu Maria; diese öffnete ihren Man­

tel, und er fand unter ihm alle feine Ordensbrü­der." An diese Wanderlegende knüpft eine bild­künstlerische Darstellung an, die sich auf einem Schlußstein im Mittelschiff der Dominikanerkirche (um 1360) zu Treysa (hessisch) befindet: Maria öffnete weite ihren Mantel und unter ihm knieen nebeneinanbergeftellt (links und rechts) je drei Mönche. Auch auf den übrigen, für Klöster oder deren Kirchen angefertigten Schutzmantelbildern finden wir Männer oder Frauen der betreffenden Orden in kleinerer Gestalt unten neben Maria ver­sammelt. Sie alle haben sich wie Küchlein unter den Flügeln der Henne so unter den Schutzmantel der himmlischen Mutter geflüchtet. In den für Stadtkirchen oder Bürgerhäuser bestimmten Schutz­mantelbildern sieht man Laien unter Mariens Mantel versammelt. So bei der Hirscherschen Ma­donna in Berlin im Kaiser Friedrich-Museum und auf Holbeins Bild: Die Madonna des Bürgermei­sters Meyer.

Im 15. Jahrhundert wurde es dann Sitte, die fchutzflehende Menschheit durch die Vertreter der Stände darzustellsn. Auf solchen Bildern finden wir knieend zur Rechten Mariens den Papst, die Vertreter der Geistlichkeit und der Mönche — ben Lehrstanb —, links den Kaiser, Fürsten, Ritter und andere Laien, Bauern, also den Wehr- und Nährstand (z. B. Fuldaer Dom, Marien- k a p e l l e). Vielfach wurde so die Gruppe der Schutzsuchenden sehr figurenreich. Darum half man sich seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, indem Engel den Mantel Mariens ausbreiten ließ. So steht er weit ab und bildet ein Zelt. Dadurch werden die Hände Mariens frei. Nunmehr kann sie mit beiden Armen ihr Kind tragen. (Vgl.Ful­daer Dom, Freiburger Münster.) Damit aber fällt in der bilbkünstlerischen Ausprägung bie wich­tige, unmittelbare Rechtshandlung, das wirkliche „Unter den Mantel", b. h. in Schutz nehmen fort. Diesem Mangel hat in zwar eigenartiger, aber sehr tiefsinniger Weife ein Künstler abgeholfen, der die Schutzmantelmadonna einer Klosterkirche zu Venedig geschaffen hat. Heute ist sie im Viktoria und Albert-Museum zu London. Sie ist etwa um 1430 entstanden. Der Mantel Mariens ist über der Brust mit einer großen Schließe (Agraffe) zu­sammengehalten. In derselben hat der schaffende Meister dem segnenden Jefusknaben feinen Platz gegeben. So kann Maria persönlich und im voll­sten Sinne des Wortes die Flehenden' unter ihren Mantel nehmen. Zugleich aber ist auch in dieser Darstellung die Bedeutung Mariens klar und deut­lich betont. Sie ist als Mutter des Erlö­sers Mittlerin der Erlösung, Mut­ter der Erlösten. Dieser Aufsafsung nähert sich in jüngster Zeit eine glückliche Darstellung des Malers A. Kolb in der kath. Kirche zu Frankft.- Heddernheim. Maria hält mit der linken Hand ihren Mantel auf. Auf dem. rechten Arm trägt sie den Sefusfnaben; dieser hinwiederum seinerseits öffnet mit seiner rechten Hand ben rechten Teil von Mariens Mantel. Eine Unterschrift zu diesem Bilde lautet: Im Himmel ist sie Königin, puf Gr- ben Schutz unb Trösterin. So wirb auch hier Mariens Stellung im Heilsplan unb ihre Rolle als Mittlerin deutlich zum Ausbruck gebracht.

Eine besondere Erweiterung des Schuhmantel- gebantens finb bie sog. fße ft blätter, die Schutz- mantelmabonna als Beschützerin in Pest- gefahr. Auf solchen Bildern erscheint zumeist Gott Vater als Brustbild in den Wolken. In der Hand hält er einen Bogen. Pfeile des göttlichen Zor­nes legt er darauf, um fie gegen die fündige Menschheit zu schleudern. Nach heidnischen (Ilias 1, 46) unb nach jüdischen Vorstellungen (Ps. 7, 13) ist der Pfeil Sinnbild einer plötzlich kommenden Krankheit. Der Dulder Job klagt in seinem Elend: Die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, deren Gift trinkt mein Geist. (Job 6, 4) Maria breitet nun auf dielen Pestbildern schützend ihren Mantel über die Flehenden, „macht uns ein Schirm und Schild daraus" und fängt die Pfeile ab.

Eine große Zahl von Pilgern haben Quartier genommen in einem Masfen-Zeltlager. Jedes der Zelte, die in ihrem blendenden Weiß einen malerischen Anblick gewähren, bietet Raum für 4 Personen, die auf Feldbetten nächti­gen.

Unter den zahlreichen Empfängen, welche beim Kar­dinallegaten von den offiziellen Persönlichkeiten bereitet wurden, gestaltete sich der Empfang in La Marsa, der Residenz des Beys von Tunis, besonders feierlich. Achmed Nascha hatte dem Sartinallegaten zur Stadtgrenze seine Galakarosse, ein mit zwei prachtvollen Mauleseln bespanntes Fahrzeug, entgegen gesandt. Vor dem Palais des Bey erwiesen die Truppen dem hohen Gaste Ehrenbezeugungen. In Begleitung des Kardinal­legaten befanden sich unter anderem der Generalresident von Tunis, ferner Kardinal Verdier (Paris), Kardinal Charost (Rennes), Bischof Heylen (Namur), Gras d'Ian- oille. Der Bey empfing den Kardinallegaten und sein Gefolge im Thronsessel seines Palastes, umgeben vom Stade seiner Minister in der herzlichsten Weise. Einlei­tend dankte der Generalresident dem Bey in kurzen Wor­ten für den freundlichen Empfang, welcher den Kongreß­teilnehmern und Pilgern aus allen Weltteilen durch die eingeborene Bevölkerung zuteil geworden sei. Danach ergriff der Kardiuallegat das Wort, um im Na­men des päpstlichen Souveräns dem Fürsten verbindli­chen Dank zu bekunden für die Liebenswürdigkeit, mit welcher er den Ehrenvorsiß im vorbereitenden Komitee von Tunis übernommen habe. Er pries den Geist vor­nehmer Duldsamkeit als eine hervorstechende Eigenschaft des Bey, die ihn auch bewogen habe, das Ehrenpräsidium dieses herrlichen, alle Völker der Erde in Friede und Ein­tracht umfassenden Kongresses zu übernehmen. Indem der Papst das Land Afrika als Tagungsort für den Kon­greß gewählt habe, habe er seine Sympathie für diesen Weltteil bezeugen wollen, der heroorrage durch so viele ruhmreiche Erinnerungen, gleichzeitig habe er aber auch seine Sympathie für den Fürsten bekunden wollen, wel­cher so vieles für die Wohlfahrt seines Volkes habe voll­bringen können.

Achmed Pascha ließ durch einen seiner Dolmet­scher-Offiziere kurze Worte des Dankes und der Huldi­gung übermitteln. Dann nahm er Platz auf (einem Thron und begann eine überaus herzliche Unterhaltung mit dem Kardinallegaten »-->> 'einem Gefolge. Am

So kennt die Kunstgeschichte Maria in ihren Bildern als die Schätzerin und Trösterin. Mag aber auch die Schutzmantelmadonna eins von den „tausend Bildern" sein, die Maria lieblich aus­drücken, so kann sie dies Bild doch nicht schildern, wie die gläubige Seele sie schaut. Ihr Vertrauen klingt mit in dem alten Gebete, das die Gläubigen heute noch beten: „Unter deinen Schutz und Schirm", ihr Vertrauen klingt weiter in dem Liede, welches das Volk heute noch singt:

Maria breit den Mantel aus, Mach uns ein Schirm und Schild daraus, Laß uns darunter sicher stehn, Bis alle Feind vorüber gehn.

Dein Mantel ist so schön und weit, Bedeckt die ganze Christenheit, Bedeckt di» ganze weite Welt, Ist aller Zuflucht und Gezelt.

Er ist so schön und himmelblau, Ist unser Schild wie ich vertrau; Wer eifrig sich darunter stellt, Der wird von keinem Feind gefällt.

O Mutter der Barmherzigkeit, Hoch über uns den Mantel breit, Uns all darunter wohl bewahr. Zu jeder Zeit, in aller Fahr.

Ein Held.

Vor einiger Zeit starb in einem Jndustrie- orte der Steiermark der Monteur Heinrich Ex- n e r. Er war in den Tagen des Umsturzes in Oesterreich zu einem wahren Märtyrer seiner Ue- berzeugung geworden. Fast ein Dierteljahrhun- dert arbeitete er bei der gleichen Firma, die ihn in den Tagen der Revolution nicht schützen konnte, als die Sozialdemokraten an Exner die Forderung stellten: „Entweder Austritt aus dem katholischen Arbeiterverein und der christlichen Gewerkschaft oder Entlassung!" In der ganzen Gegend — der Vorfall spielte sich in Hilm-Kematen in Nie­derösterreich ab — gab es für Heinrich Exner kein Brot. So groß war die Angst vor dem sozialdemo­kratischen Terror. Exner blieb seiner lieber- zeugung treu, mußte Frau und fünf Kinder zu­rucklassen und begab sich auf die Wanderschaft, bis er bei einem Kleinmeister wieder Brot und Ar­beit fand. In den Jahren des schrankenlosen so­zialistischen Terrors war Exner eine festeSäule der katholischen Arbeiterschaft in Steiermark, war Vorstand des katholischen Arbei­tervereins Kapfenberg. Um ihn sammelte sich die katholisch« Arbeiterschaft des DUirztales, bis end- lich die Sklavenketten des sozialistislb.-n Terrors gesprengt wurden. Als Vorkämpfer fcSier katholi­schen lieber,teugung ist Exner vor kurzem gestor- ben.

Nach seinem Tode wurde ein Brief bekannt, den Exner an einen katholischen Journalisten schrieb, und der folgenden Wortlaut hat, ein Zeichen der Standhaftigkeit katholischer Arbeiter im Kampfe:

„Wegen Teilnahme und Betätigung an der christlichen Arbeiterbewegung und weil ich mich nicht rot organisieren will, verlangten die Roten meine Entlassung. Ich mußte mit meinem Weib, meinen fünf Kindern und den alten Eltern mei­ner Frau auswandern. Es nützte mir nichts, daß ich der Fabrik 24 Jahre treu gedient habcj. Auch mein Vater war 42 Jahre bei der Firma und mein Schwiegervater 35 J-chr.'. Das alles wurde nicht berücksichtigt. Die Fabrikbeamten, die früher deutsch-freisinnig gewesen waren, gingen nach dem Umsturz zu den Roten über und hatten nicht den Mut, mir Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Der aber selbst einst in der verborgenen Werkstätte zu Nazareth harter Arbeit oblag, hat mich nie ver­lassen. Ich habe wieder Arbeit gefunden. Noch schmerzt die Wunde, aber ich habe keinen Haß im Herzen- vielmehr bete ich für die Andersgesinnten, daß sie sich frei machen von der Unterdrückung fal- Schlüsse dieser von dem Fürsten persönlich geführten Un­terhaltung bat er ben Legaten, aus seinen Händen Or- dei'.sauszeichnungen entgegenzunehmen. Er überreichte daraufhin dem päpstlichen Abgesandten seinen Haus- orden. Auch der Kardinal Verdier erhielt diese Auszeich­nung. Dieser Feierlichkeit wohnten Honoratioren von Tunis, sowie die Oberen der ansässigen Klöster bei. Als der Legat den Palast wiederum in feierlichem Zuge ver­lieh, wurde er aus der Menge der hier zusammenge- strömten Araber laut unb warm begrüßt. Welch ein Wanbel ber Dinge! In den zurückliegenden Jahrhunder­ten erblickten bie Spitzen des Islams in den Christen eine Brut, die ausgerottet werden mußte, ja selbst die Erinnerung an sie durfte nicht fortbestehen. Heute hat der Bey des Landes Tunis sich in eigner Person bereit gesunden, das Gelingen des Internationalen Eucharisti­schen Kongresses auf afrikanischem Boden sichern zu helfen.

Kurz nach der Rückkehr des Sarbinallegaten erschien ber Sohn bes Bay von Tunis, um bem Vertreter des Papstes den Gegenbesuch des Fürsten abzustatten. Der herzliche Empfang bei bem Sanbesfürften, feine Auf­merksamkeit gegenüber dem hohen Gast unb der Ge­genbesuch des Souveräns hat bei ben Kongreßteilneh­mern, sowie in ganz Tunis einen ausgezeichneten Ein­druck hinterlassen.

Der Tag der Sinder.

Der erste Tag des Kongresses begann mit der Feier der hl. Messe in den verschiedenen Kirchen und Ka­pellen. Die Sektionen der verschiedenen Länder hielten ihre Sondergottesdienste ab. Hier trat auch innerhalb des Gottesdienstes der internationale Charakter des Kon­gresses in die Erscheinung. Bei vielen hl. Messen wur­den kurze Ansprachen gehalten. Man hörte Redner in französischer, italienischer, deutscher, englischer und pol­nischer Sprache.

Ein unvergeßliches Schauspiel bot für die Kongreß­teilnehmer das große Stadion im Belvedere-Park von Tunis. Aus der Ferne leuchtete das grandiose Amphi­theater von Karthago unter den Gluten der Morgensonne herüber. Die Berge, die den Talkessel umsäumen, zei­gen alten großen Baumbestand von Euc lyptus, Tama­rinde, Oliven unb Feigen. In der Mitte des Stadions ist ein Altar bereitet. Ein Baldachin in den päpft-

scher Führer, die nicht Frieden noch Freundschaft kennen, wenn sie solche Worte noch so oft im Munde führen. Ins Werk setzen diese Ideale doch nur die christlichen Gewerkschaften."

Dom Dolksverein.

24. Volkswirtschaftlicher und staatsbürgerlicher Kursus.

Wir Katholiken haben für die Aufgabe dec Führerfchulung den Volksverein für das katholltziche Deutschland. * Seit Jahren leistet er Schulung-- und Bildungsarbeit am Erwachsenen. Nachdem die Berufsorgansationen und Standes- vereine die Ausbildung ihrer freigestellten Beam­ten selbst in die Hand genommen haben, hat sich der Volksverein in seinem Paderborner Bil­dungsheim Franz-Hitze-Haus der intensiven Bildung solcher Erwachsenen gewidmet, die nicht die ausgesprochene Absicht haben, beamtete Füh­rer zu werden, sondern im Arbeitsverhältnis bleie den wollen, die aber als Menschen des Vertrauens unter ihren Berufsgenossen, in der Gemeinde, in den heimischen Körperschaften des öffentlichen Le­bens als Betriebsräte, Elternräte, Gemeinderäte, als Wohlfahrtspfleger, als ehrenamtliche Führer mittun möchten. Viel guter Wille zu solchem Wir­ken ist vorhanden, aber auch viele Unklarheit und Hilfslosigkeit, wenn es sich um dis praktische Ar­beit handelt. Diese Unklarheit und Hilflosigkeit will der Volksverein überwinden helfen.

Darum ladet er alle, die den echten Beruf und die Fähigkeit zu solcher Führerarbeit haben, zur Teilnahme am 24. Volkswirtschaftlichen und staats­bürgerlichen Kursus ein. Er bittet alle, die ins Gemeinschaftsleben der deutschen Katholiken an verantwortungsvoller Stelle stehen, geeignete Männer und besonders Jungmänner zur Teil­nahme an diesem Kursus aufzumuntern, nötigen­falls ihnen aus Mitteln der Gemeinschaft behilf lich zu sein, die Kosten des Besuches jenes Kuvsm zu bestreiten. Der Kursus soll stattfinden in Pa derborn in der Zeit vom 30. Juni bis zum 9. Aug Das umfangreiche Kursusprogramm ist zr ersehen aus einem ausführlichen Prospekt, der an Interessenten gerne versandt wird.

Der Kursus ist keine populärwissenschaftliche Vortragsreihe, die sich mit Vermittlung bloßer Kenntnisse begnügt. Er ist vielmehr eine dungsarbeitsgemeinfchaft, deren Mitglieder in l den Menschen bilden, erziehen und schulen n* len, und zwar durch das Gemeinschaftsleben r die Gemeinschaftsarbeit untereinander und mit L Lehrern.

Anmeldungen sind spätestens bis zum 20. Juni zu richten an das Volksvereinshaus (Kursuslei- tung) in M.-Gladbach, Sandstraße 5—11. Den­selben ist ein Lebenslauf und eine Empfehlung beizufügen.

kleine Mitteilungen.

Der kalholiMs Priestermangel.

Sollte man nicht von Priestermangel reden, dann müßte wenigstens für 1000 Katholiken ein Seelsorger ztir Verfügung stehen. Das ist aber nicht der Fall bei allen Diözesen. Nach der letzten Zählung für 1927 treffen in der Diözese Köln auf ein Seelsorger 1731 Seelen, in Breslau 1962 Seelen, in Münster 1 307, in Limburg 1493, in Meißen 1445, in Trier 1 380, Paderborn 1361, Ermland 1342, Osnabrück 1314, Schneidemühle 1264, Olmütz 1 262, Hildesheim 1059, Fulda 9 9 6. In den südlichen deutschen Diözesen sind die Verhältnisse im allgemeinen besser. In der Diö­zese Mainz entfielen auf einen Miester 1 939 See­len, in Speyer 1 346, in Bamberg 1202, Mün­chen-Freising 1201, Freiburg 991, Rottenburg 887.

In Frankreich ist bekanntlich der Priester­mangel sehr groß; dort find über 4 400 Pfarreien agnz verwaist und in 5—6600 Psarreien ist wenig­stens noch ein Priester vorhanden.

liefen Farben weiß und golb ragt empor. Mehr als 6000 Kinder, Knaben und Mädchen, haben hier Auf­stellung genommen und zwar finniger Weise in der Form eines großen Kreuzes. Die Kreuzesform tritt um so sinnfälliger und eindrucksvoller hervor, weil die Kin­der alle weiße Gewänder tragen und auf der Brust ein rotes Kreuz zeigen. Die Kleidung erinnert an die Tracht der Kreuzfahrer und im Volksmunde werden die Jugendlichen auch als „kleine Kreuzfahrer" bezeichnet. Der Altar befindet sich im Schnittpunkte der „Kreuzbal­ken". 10—15 000 Personen hatten sich in der frühen Vormittagsstunde an den Außenseiten des Stadions ein­gefunden, um der Massenkommunion der Kinder bei­zuwohnen. Als der Zelebrant, der Primas von Polen, Kardinal Hlond, begleitet von Kardinal Verdier, im Stadion erschien, wurden sie von den Kindern mit be­geisterten Zurufen begrüßt. — Während des hl. Meo- opfers fangen die Kinder wie bei uns in Deutschland — hier jedoch unter Fanfarenbegleitung — gemeinsame Kirchenlieder. Die Andacht und Sammlung der Kin­der machte einen erhebenden Eindruck. Während der Austeilung der hl. Kommunion verstummten die Fan­faren und es erklang in dezenter Vortragsweise das uns Deutschen fo sympathische Ave Verum in der berückend schonen Vertonung von Mozart. Unwillkürlich fühlte man sich in eine Erftkommunionfeier der deutschen Hei­mat zurückversetzt.

In tadelloser Ordnung und erbaulicher Haltung schrit­ten die Kleinen zum Tische des Herrn. 12 Priester reüy- ten von den Kommunionbänken an den vier Seiten des Altars den Kindern die himmlische Speise. Während der heiligen Handlung kreiste am blauen Horizont eint Flugmaschine, um so auf ihre Weise der hl. Eucharisti« einen Huldigungsgruß darzubieten. Niemals empfand ich eindrucksvoller und wuchtiger den Bittruf des gött- lichen Heilandes: Lasset die Kleinen zu mir kommen! Mit einem so aufwachsenden Geschlecht darf man für die christliche Zukunft Nordafrikas frohe Hoffnungen hegen.

Im Anschluß an die Kinderkommunion fand ein Pon­tifikalamt in der Kathedrale von Karthago statt, ht jenem Gottestempel, der ein Meisterwerk des berühmten Kar­dinals Lavigerie ist, und dessen Grab sich auch in diese, Kirche befindet. Die liturgischen Gesänge wurden non den Kongregteiinehmern nach dem gregorianischen Cho­ral ausgefiihrt.