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Beilage zur Fuldaer Zeitung
IS. Mai
Das
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Das Bis Inb
pia und Nordindien zu suchen. Von dort gelangte er H Kleinasien und nach der Türkei. Im Jahre 1560 achte ein Gesandter des deutschen Kaisers Ferdinand „ ein gewisser Busberg, die erste Fliederstaude nach Bien. Sie fand allgemeine Bewunderung, und nach bitgen Jahrzehnten zierte der Flieder schon vielfach die cherlichen Gärten. Im 17. und 18. Jahrhundert verleitete sich die Pflanze über ganz Deutschland, und cor zunächst unter dem Namen „Flederbaum" und Flnderbeer". Es ist also zwar kein Anachronismus, wmt Richard Wagner in feinen um die Mitte des 16.
Zchchunderts spielenden „Meistersingern" vor Hans Sachsens Haus einen Fliederbaum stehen und Hans Sachs fingen läßt: „Der Flieder wars — Johannisnacht!', aber man hat dabei nicht an den Strauch zu denken, der heute unter diesem Namen geht, fonbern an
„Der Flieder roac’s
oon der tiefsten Ewigkeit umfangen «uen wir das klare Gotteswesen.
dürfen an dem hohen Himmel lesen höchsten Liebe heiliges Verlangen.
immer näher schwebt ein zartes Klingen, stille Land wird wundertief durchwoben ist der frommen Andacht ganz ergeben: Wesen Gottes will die Welt durchdringen, jedes Sein das Herz emporgehoben nur noch wünscht, im reinsten Licht zu leben.
Wunder Gottes.
Don Franz Cingia.
Himmel glänzt von abertausend Sternen
„d freundlich grüßt der Mond die Menschen wieder. ie ^misten Winde bringen leise Lieder
»r wunderbaren, lichtverklärten Fernen.
„Flieder" ist ein uraltes deutsches Wort, dessen Ur- Lnmg freilich dunkel ist. In den hochdeutschen Mund- nrtflt ist es nicht bezeugt, dagegen kommt es in den niederdeutschen Mundarten vor. „Vlier" heißt es im Weimländischcn, und „vleder" im Mittelniederdeut- jjm. Daraus darf man jedoch nicht entnehmen, daß die Pflanze selber in deutschen Landen heimisch wäre. Das Wort „Meder" ist vielmehr die alte Bezeichnung für len Holunder und wurde erst im 16. und 17. Iahrhun- öert <mf den damals nach Deutschland gelangten Flieder übertragen. Der Flieder selbst ist keine in Europa heimische Pflanze, sondern er stammt aus Asien. Wahrscheinlich ist seine Heimat in Mittelasien, Persien, West-
Sechs Fäuste
bet Holunder, der damals als Fliederbaum bezeichnet einte. Wenn jedoch die Bühnen bei den Aufführun» gtr. nicht «inen Holunderstrauch, sondern einen richtigen Merftrauch vor Hans Sachsens Tür setzen, so machen ße sich damit eines zweifelhaften Anachronismus schuldig. In manchen hochdeutschen Gegenden ist übrigens heute noch das Wort „Flieder" nahezu unbekannt, man gtbnmcht dafür das Wort „Holder", das eine Abkürzung «nt „Holunder" ist.
I. Endringer.
Es war im Monat Mai.
Ein Kindlein lag in seinem ärmlichen Bett. Es PWe seine beiden Händchen geballt gegen die Stirn, hätte es sich den Weg ins Leben mit seinen Fäusten "tnen muffen.
An der anderen Wand lag eine abgehärmte blaße knu, die Augen starr zur Decke gerichtet, die Arme Mg zu beiden Seiten ihres Körpers ausgestreckt und ■* Hände wie int Krampf zusammengeballt. Neber 7Km Bett als einziger Schmuck ein Marienbild, mit «nm Maienkranz umgeben.
Am Tisch in der Mitte des Zimmers ein Mann, dü- ” Por sich hinstarrend, die eine Hand wie eine Keule
Wer von dervogelweide
Zum 700. Todestag des Dichters.
Von Dr. Willi Beils, Hünfeld.
lieblichen Mai, den der liebenswürdigste Sänger deutschen Mittelalters so oft besungen hat, rüsten dte süddeutschen und österreichischen Lande, den 700. **a9 Walthers von der Vogelweide zu begehen. ! Een Gauen werden jugendliche Scharen nach "Zburg ziehen, wo der Ueberlieferung nach sein ® ®&r. Zwar ist das genaue Jahr seines Todes ^annt; zwischen 1228 und 1230 schwankt die An-
Walther von der Vogelweide, wer deß' ver- Ver töt mir leide", singt der mittelalterliche Dich- von Trimberg, und Gottfried von Straßburg y °n einer berühmten Stelle seiner Tristcmdichtung "her den Führer der übrigen Minnesänger. Dieses e l.ob der Zeitgenossen läßt erkennen, welch großer sich Walther schon zu seiner Zeit erfreut; Gegenwart hat dieses Lob ganz und gar über- mten.
JW Rast und Ruh zog der Sänger unstät durch die * ' Don Burg zu Burg und bat um Einlaß, um Hetzer vorzutragen. Ritterehre und Frauenlob । . hauptsächlichsten Themen dieser Sänger, die Frankreich, der Heimat des Minnegesangs, Ers (Troubadoure), in Deutschland Minnesänger t - Neben Motiven aus der französischen Beein- ^9 besingen die Sänger Themen, die durchaus sind: Liebe, Natur, Vaterland, Glauben Am , Weichsten jst natürlich die eigentliche Minnedich- j^J^cr „Minne" (eigentlich „liebevolles Gedenken") die mittelalterlichen Sänger die lieberfüllte ptJ/S hu einer — meist verheirateten — Frau: sie Steliu Um 'dre Liebe zu werben (durchweg ohne g? ®er Erhörung), war dem Sänger höchstes Ziel.
des Herzens mußte hohem Stande angehö- he Minne"); wirkliches Liebesempfinden zu s ^.'"lachen Mädchen nannte man verächtlich „nie- tge^,r*5 • Schon ehe der fremdländische Einfluß die
*n vorgeschriebene Formen goß, gab es echte Liebeslyrik von zartem Klang. Aber Einfluß und die Macht des Althergebrachten ^ustark, daß schon die dichterische Kraft eines "venden Sängers wie Walcher von der SBogel-
in der Tasche, die andere, ebenfalls eine Faust, lag schwer auf dem Tisch.
Sechs Fäuste. . .
„Da ist es nun", sagte der Mann dumpf.
Die Frau antwortete nicht.
Er lachte bitter auf. „Im schönen Monat Mm. Und immer noch die Fäuste unnütz in der Tasche."
Die Frau antwortete wieder nicht.
„Bei uns jubilieren keine Engel. Da heißt es nur, es ist kein Platz in der Herberge. Und keine Arbeit in der Werkstatt."
Er versank ins Brüten.
Da erscholl ein leises Wimmern von dem Bettchen her. Der Mann horchte auf, die Frau wandte schwach den Kopf.
„Gehst du vielleicht einmal sehen?" sagte sie.
Langsam stand der Mann auf. Er ging auf das Bettchen zu. Seine Fäuste pendelten schwerfällig hin und her. Tief mußte er sich hinunterneigen; denn das Zimmer war verdunkeü. Er tastete vorsichtig nach dem kleinen Wesen.
Da fühlte er, wie seine Finger von einer kleinen weichen Hand umschlossen wurden. Die Hand drückte leicht und leise, ließ los, griff wieder zu. Und gleich
zeitig hörte das Kind auf zu meinen, als spürte es die Nähe eines, der ihm helfen wollte.
Oder war es anders? Wollte das Kind vielmehr ihm helfen? Wollte es durch seine schwache Liebkosung diese Faust auseinanderbrechen und Ergebung, Zuversicht, Vertrauen in sie legen?
Dem Mann wurde weich ums Herz. Seine flache Hand sttich sanft über das kleine Köpfchen.
„Armes Wurm!" sagte er. „Bist ja nun einmal da."
„Bring es mir!" wünschte die Frau. Und gleichzei- tig lösten sich auch ihre verkrampften Hände, ihr Blick suchte das Bild über chrem Bett: „Barmherzige Mutter . . ."
Der Mann horchte auf. Er stutzte. Auch er warf einen Blick auf das Bild. Dann legte er der Frau das Kind in die Arme, riß den Hut vom Nagel und stürzte davon.
Als er zurückkam, da war er müde, todmüde. Er sank an dem Tisch nieder und rang nach Atem. Aber sein Gesicht leuchtete.
„Ich hab ihnen gesagt, daß ein Kleines da ist", keuchte er. „Und daß ich Arbeit haben muß . . . muß! Da hats einen doch erbarmt."
Und scheu streifte sein Blick das Bild an der Wand
Em Tageblatt vor 2000 Jahren.
Geschichtliche Studie von V. Franke.
Die wefenüichste Aufgabe unserer Zeitungen besteht darin, die täglichen Ereignisse der Mitwelt kundzugebep und der Nachwelt zu erhalten. Dabei kommen der Presse die Erfindungen der Buchdruckerkunst, des Telegraphen und des Telephons, des Dampfes und der Elektrizität sehr zu statten.
Wie war es aber bei den Völkern des grauen Altertums, die dieselben Wünsche und Bedürfnisse hatten, aber nicht im Besitze dieser Mittel waren? —
"Nun denn: die bedeutendsten Geschehnisse pflanzten sich von Mund zu Mund fort und gestalteten sich gar zu Liedern und Gedichten. Es folgten einfache Denkmäler und schlichte schriftliche Aufzeichnungen auf Holz, Stein ober Metall. Später kamen längere Niederschriften und weiüäufig geschriebene Bücher, und schließlich die wunderbare Vervielfälttgung durch den Druck.
Die Römer hatten schon frühzeitig öffenlliche, vom Staate ausgehende Anstalten, die das geschichtlich Wichtige aufzuzeichnen verpflichtet waren. Ursprünglich von der Zeit der Könige an oblag es dem obersten rieft er, die hervorragendsten Ereignisse eines jeden Jahres unter Angabe des Tages auf großen Tafeln zu vermerken, die dann zur Kenntnisnahme für das Volk öffentlich ausgestellt wurden. Leider fehlen nähere Angaben über diese verloren gegangenen Urkunden; wir wissen nur, daß ihre Abfassung bis in den Anfang des 7. Jahrhunderts der Stadt Rom (oder des letzten vorchristlichen) fortgesetzt wurde.
Etwa 7 Jahrzehnte später entstand eine andere Einrichtung, die der oben erwähnten wohl noch ähnlich war, anderseits der Institution unserer Zeitungen doch schon recht nahe kam. Auf Veranlassung des Staates und unter feiner Oberaufsicht mußten nämlich nunmehr die Neuigkeiten Tag für Tag ausgezeichnet und in Rom bekannt gegeben werden, von wo sie weiter in die Provinzen des römischen Reiches verbreitet wurden.
Nach dem römischen Schriftsteller Sueton geht diese Einrichtung auf Julius Caesar zurück und fällt in das Jahr 58 ober 59 v. Ehr. Dieser ebenso geniale Staatsmann wie große Felbherr grünbete nämlich in bent genannten Jahre bie „Acta populi romani diurna = Die Tagesakten des römischen Volkes", von benen wir im folgenden sprechen wollen.
Dieses römische Tageblatt, so können wir es vielleicht nennen, brachte also das „Neueste vom Tage", vor allem kurze Protokolle aus den Senatsfit»
jungen, ähnlich wie ja auch unsere Zeitungen berichten „Aus dem Reichstags", „Aus dem Landtage" oder „Aus der Stadtverordnetenversammlung."
Eine ständige Rubrik in dem römffchen Tageblatte bildeten ferner die Mitteilungen über merkwürdige Rechtshändel, Urteile und Urteilsoorllstreckungen. Wer denkt da nicht an unsere Rubrik „Aus dem Gerichtssaal"? Allerdings Hing in der Zeit der kaiserlichen Allgewalt das Maß dessen, was man der Allgemeinheit bekanntgeben wollle, von dem Machtwort des Kaisers, resp. der Politik der Mehrheit ab. So wird von dem Kaiser Domitian berichtet, daß er das Verbot erlassen habe, die Zahl und die Namen der bei einer Verschwörung gegen ihn Hingerichteten Personen anzugeben.
Außerdem gelangten zur Veröffentlichung Anzeigen über Geburten, Eheschließungen, Ehescheidungen und Sterbefälle. Doch ist es sehr zweifelhaft, ob dieser „Auszug aus dem Standesamt", wie es bei uns heißt, Äle vorkommenden Fälle umfaßte oder blos die aus „prominenten" Kreisen.
Unter dem Titel „Aus der Stadt" wurden die Tages- neuigfeüen gebracht. Welcher Art diese waren? — Nun wir wollen einige nachlesen, bie der ältere Plinius aus dem römischen Tageblatts in seine „Naturgeschichte" übernommen hat. Da heißt es z. B.:
„An dem Tage, als der durch Ciceros Verteidigungsrede bekannte Milo sich vor Gericht verteidigte, regnete es Ziegelsteine".
Es bleibt den Naturforschern überlassen zu untersuchen, ob hierbei vielleicht an ein Herabfallen von Meteorsteinen zu denken ist. ob ein Windstoß die Ziegel von den Dächern der Weltstadt hinwegfegte, oder ob diese Ausdrucksweise nur eine Redensart war, wie wir sie auch gebrauchen, wenn wir sagen, daß es „Backsteine" regnet. — Ein anderes Mal schreibt Plinius:
„Zur Zeit des Kaisers Augustus unter seinem und des Lucius Sylla Konsulate, den 10. April, zog C. Crispinus Hilorus, ein Bürger der Stadt Faesulae, mit einer langen Prozession auf das Kapitol und opferte. Die ganze Prozession aber bestand nur aus seiner Nachkommenschaft, als da waren: 9 Kinder (darunter 2 Töchter), 17 Enkel, 8 Enkelinnen und 29 Urenkel".
Plinius tat wohl daran, dieses Beispiel zahlreicher Nachkommenschaft gegenüber den zahlreichen Ehescheidungen .und Eheentweihungen seiner Zeit gebührend hervorzu
roeibe dazu gehörte, um wahres Gefühl an Stelle leere: Worte zu fetzen.
Leider ist bie Lebensgeschichte unseres größten mittelalterlichen Lyrikers nur eine Kette von Vermutungen In Bozen ragt sein Denkmal; ber Vogelweidehof im Lay euer Ried in Südtirol soll sein Vaterhaus gewesen sein. Doch es gibt mehrere Höfs dieses Namens, und zudem hören wir nie von einem Aufenchalt Walthers in Tirol. Eher kann man Niederösterreich als feine Heimat ansehen, wo er ja auch nach seinen eigenen Worten singen und sagen lernte. Dort wird er kurz vor 1170 geboren sein, und zwar Äs Nachkomme eines edlen, aber verarmten Geschlechtes. Che die Gnade eines Fürsten ihm einen kleinen Gutshof schenkte, besaß Walther kein eigenes Heim; unstät zog er umher. So mußte er sich früh in den Dienst eines Herren begeben, um bei diesem Stellung und Brot zu finden. Auf diese Weise kam Walther nach Wien an den Hof Leopolds V.
Hier hat Walther auch seins Ausbildung in der Kunst des Minnegesanges erhalten. Man kann ihn als gelernten Sänger bezeichnen, der die Muster seiner Vorgänger gut nachzuahmen verstand. Erst Älmühlich, traft seiner echten dichterischen Sendung, gelang es Walther, sich zu einer persönlichen Kunst zu entwickel«. Sein Vorbild war Reinmar der Alte, der be- begabtefte unter den Sängern des frühen Minnege- fanges. An dessen Kunst finden sich in den frühesten Dichtungen Wathers die meisten Anklänge, bis er sich schließlich über diesen erhebt. Diese Abhängigkeit ist ein gutes Mittel für die Datierung, denn die am meisten an Reinmar anklingenden Lieder werden die frühesten sein. Immer mehr näherte sich Walther dem Können Reinmars, des begünstigten Hofpoeten in Wien. Da trat um das Jahr 1200 ein Wendepunkt ein: Walther verließ den Wiener Hof und trat sein Wanderleben an.
Als nach dem Tode Friedrichs, des Sohnes und Nachfolgers Leopolds V., Leopolds VI. Herzog war, wußte Walther sich mit dem neuen Herren nicht in gutes Einvernehmen zu scheu. Ueberzeugt von der Notwendigkeit, Abschied zu nehmen, wanderte er „schleichend wie em Pfau" fort.
Nun begann eine über zwanzig Jahre dauernde Wanderschaft. Nur seine Gedichte geben uns Kunde, wo Walther weilte und wielangs er sich an den einzelnen Orten aufhielt. So ritt er durch die Lande als fahrender Spielmann und klopfte an die Türen der Großen. Wie glücklich war er, wenn ihm die Freigebigkeit eines kunstverständigen Herren Geld, Stoffe, Pelzwerk oder
gar ein Pferd schenkte! Gar mandjmal mußte er über geizige Herren klagen, und auch unter Konkurrenten hatte er zu leiden. Im Sommer machte das ungebundene Wandern große Freude; im Winter aber war längere Aufnahme auf einer Burg sehr begehrt. Hatte der Sänger Einlaß gefunden, bann trug er im großen Saale seine Lieber vor, währenb fein Gefährte ihn auf ber Fiebel begleitete; benn gleichzeitig fingen unb spielen konnte er nicht. Walthers musikalisches Talent muß recht groß gewesen sein; bie erhaltenen Lieber lassen auf mindestens hundert verschiedene Kom- pofttionen schließen. Um so schmerzlicher ist es, daß keine dieser Melodien erhalten ist. Diese Wanderfahrten erstreckten sich von der Ostsee bis zum Po, von Paris bis zur Mur. So hat Walther die große Welt mit eigenen Augen kennengelernt.
Fast gleichzeitig mit Walthers Auszug aus Wien starb zu Messina Kaiser Heinrich VI. Nun zerfiel dessen Reich, und habgierige, selbstbewußte Fürsten teilten das kaiserliche Gut unter sich. Heinrichs Sohn Friedrich stand unter der Vormundschaft des Papstes Iuno- cenz III. Im März 1198 wählten die Fürsten Philipp von Schwaben zum Nachfolger. Waüher trat sofort auf dessen Seite und besang den rechtmäßigen Kaiser in zahlreichen Sprüchen. Aber die Macht Philipps war keineswegs gefestigt; nur ber Süben hin ihm an. Der Narben wählte den Welsen Otto IV., auf dessen Seite auch der Papst trat. Aus diesen trüben Zeiten stammt roa!« thers berühmtes Gedicht „Ich saß auf einem Steine" (das Bildnis in der Manessischen Handschrift stellt den Dichter in ber Haltung bar, bie er in bem Gedicht angibt.) Überzeugt von ber Rechtmäßigkeit Philipps, ber ja ein Bruder des Verstorbenen war, sah Walther in dem Papst den Gegner ber deutschen Sache und be‘- fehbete ihn in seinen Sprüchen. Schon schien sich Philipps Sache zum Besseren zu wenden, schon hatte ber Papst unter den veränderten Verhältnissen bie Versöhnung mit bem Staufer gesucht: ba wurde Philipp 1208 ermordet.
In diese Wanderjahre gehören die besten Lieder WÄchers. Gegen seinen früheren Lehrer Reinmar stand nun fein farbenprühendes Singen im schärfsten Gegensatz. Aus der Lebendigkeit und Gegenständlichkeit der Sprache ergibt sich, daß die Dichtungen Walthers echte Empfinden sind daß sie an sich an bestimmte Personen richten, also nicht, wie bei Reimar Erzeugnisse des Verstandes, sondern aus dem wirklichen Leben geschöpfte echte schöpferische Poesie sind. Durch Reinmar
heben. Und wir? — Wenn mal bei uns ein braves Ehepaar fein „Goldenes" feiert, fo findet eine kirchliche oder weltliche Feier statt unter der Teilnahme ber ganzen Familie, unb — unsere Zeitungen bringen eine entsprech enbe Notiz wie roeilanb „Herr Plinius" resy. bas römische Tageblatt.
Ja wir finden in der 2000 Jahre alten römischer Zeitung sogar ein Urbild jener blinden Schwärmerei, wie sie unsere Zeit so oft für einen Theater- ober Boxkampfhelden zur Schau trägt, wie folgender Fall beweist. Bekannt ist die Vorliebe der Römer für Wett- spiele, besonders ihre Leidenschaft für Wagenrennen. Nun berichtet eine Zeitungsnummer des alten Rom, daß, als einst ein berühmter Rennfahrer gestorben fei. einer feiner begeisterten Anhänger, untröstlich, angesichts ber Leiche sich in ben brennenden Scheiterhaufen gestürzt habe, worauf aber prompt ein „Eingesandt" erfolgte, Herr 3E habe sich nicht absichtlich in die Flammen gestürzt, sondern sei infolge eines plötzlichen Unwohlseins in das Feuer gefallen.
lieber bas Material, auf welches das Tageblatt niedergeschrieben wurde, wissen wir nichts Näheres. Sicher ist, daß Aktenstücke wichtiger Art nicht auf so ver- gänglÄhes Material geschrieben wurden wie heutzutage man grub sie ein in Stein und Erz. Die Zeitung, di« zur allgemeinen Kenntnisnahme und zum privaten Abschreiben bestimmt war, wurde wahrscheinlich mit Kohl« ober Rötel auf weiß gestrichene Tafeln niedergeschrie- ben.
Auch wissen wir nicht, wo sich die Redaktion des Blattes befand. Ohne Zweifel nahm ber Chefrebak- teur eine sehr geachtete Stellung ein. Er war Beamter bes Staates, der es wohl verstehen mußte, bie besten Beziehungen „nach oben hin" zu unterhalten.
Noch in den Abendstunden, spätestens aber in ber Dämmerung der Morgenfrühe erhielt er bas Material, das, soweit es sich um amtliche Mitteilungen handelte, schon redigiert und „zensiert" war. Die Berichte übet die Senatssitzungen beschränkten sich vorzugsweise, ohne jedes „Stimmungsbild", auf die Namhaftmachung bet einzelnen Redner unb bie wörtliche Wiebergabe der gefaßten Beschlüsse. Die einlaufenden Stabtneuigteiten hingegen sowie bie Depeschen, bie burch kaiserliche Eilboten aus den fernsten Gegenden des Reiches tarnen, bedurften einer gewissen Bearbeitung.
Sobald nun eine Zeitungsnummer, die stets eine größere Anzahl von Blättern umfaßte, fertig gestellt war, wurde sie auf ihre politische Unverfänglichkeit noch einmal geprüft und ging dann an mehrere Diktierer, die vielleicht mit den Ünterrebatteuren identisch waren. Jeder von ihnen begab sich darauf in einen Saal, in dem einige hundert Sklaven, mit bem nötigen Schreibzeug versehen — Schreibrohr, Tinte, Papyrus — ihrer Ausgabe harrten.
Diese Schreibsklaoen besaßen eine unglaubliche Fertigkeit in ber Aufnahme von Diktaten. In kürzester Zeit hatte man fo eine stattliche Anzahl von Exemplaren, die sofort an bie wichtigsten Interessenten — ben Hof, bie Behörben, die Häupter der Adelsfami- lien — verteilt wurden.
Hierauf begann das Diktieren von neuem. Mit dieser 2. Auflage, so könnte man saft sagen, wurden die übrigen städtischen Abonnenten zufrieden gestellt. Einige Sortimenter und sonstige Unternehmer mögen noch auf eigene Faust eine weitere Vervielfältigung vorgenommen haben, sonst wäre es kaum zu erklären, daß wenige Stunden nach der Herausgabe der 1. Auflage in ganz Rom das „Neueste vom Tage" ausgeboten wurde. Selbstverständlich hatte jeder gebildete Römer seine Pri- oatzeitung.
Wenn auch die Herstellung und Verbreitung der Zeitung vor 2000 Jahren uns modernen Menschen primitiv und „vorsintflutlich" vorkommt, so werden wir doch dem reichen und aktuellen Inhalte der damaligen Zeitung unsere Bewunderung nicht versagen können.
Mit Recht nennt man die moderne Presse eine I Großmacht, etwas Aehnliches war aber schon das I Tageblatt im alten Rom.
angeregt wurde auch Walthers berühmtes Preislied auf deutsche Frauen und deutsches Wesen:
Ihr sollt sprechen: Sei willkommen! Der euch Neues kündet, das bin ich. Alles, was ihr habt vernommen. Das verweht im Wind; nun höret mich!
Auf diese Einleitung folgt bann das eigentliche Preislied. Mit diesem prächtigen Lied vollzieht WÄther den Uebergang vom allgemeinen Frauenlob zum Preise des eigenen Liebens (vgl. den Schluß!). In wundervollem Einklang mit der blühenden Maienpracht preist WÄther bie Schönheit feiner Herrin; wie in dem Lied: „Wenn bie Blumen aus bem Grase bringen". Hier sprüht wahrhaftes bichterisches Leben; keine Veschrei'- bung nach altem Muster, vielmehr kühne Gestaltung aus bem wirklichen Leben. Die Uebevlegenheit gegenüber Reinmar ist erreicht, ber Bruch vollzogen. Es ist unmöglich, die Fülle ber anmutigen Minnelieber Walthers auch nur zu erwähnen; eigenes Lesen soll ben Weg zeigen. Mit Ungestüm ist bie Allgewalt ber Liebe in sein Herz gedrungen, mächttg rauscht der Strom her» licher Lieder, fo daß der Dichter erstaunt fragt „Wer gab dir, Minne, die Gewalt?"--
Als nun Otto IV. auf Sizilien Anspruch erhob, sprach ber Papst ben Bann über ihn aus. Bereits 1212 wurde Friedrich IL, ber Sohn Heinrichs IV., gewählt. Walcher nahm anfangs für Otto Partei ur£ richtete wieder feine Sprüche gegen ben Papst. Aber der kalte Undank, ben er von Otto erhielt, trieb ihn auf bie Seite Friedrichs. Dieser wußte den Wert bes bekannten Sängers zu schätzen, unb nunmehr wurde endlich ber sehnlichste Wunsch bes Dichters erfüllt Friedrich gab Walther ein Lehen in ber Nähe vo: Würzburg. Ueberglücklich ruft er aus: „Ich hab mei: Lehen, all bie Welt, ich hab mein Lehen!"
Noch einmal sollte Walthers Leier im Streit zwi scheu Kaiser unb Papst erklingen. Als Friebrich, vor ber Seuche in seinem Heere getrieben, in Brindisi vor dem geplanten Kreuzzug abftanb, sprach ber Papst über ihn ben Bann aus. Wieber griff Walther mächttg in bie Saiten. Auch er hatte zum Kreuzzug aufgerufen, unb man glaubt annehmen zu dürfen, daß er den 1228 ausgeführten Kreuzzug Friedrichs mitmachte.
Aus dieser politischen Stellungnahme Walthers gegen politische Pläne bes Papstes darf man keinen Rückschluß ziehen auf Walthers Verhältnis zur Kirche. Seine Dichtungen verkünden es deutlich, daß fein Leben