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Samstag, 17. Mai 1930
57. Zahrg
Doch noch ein Nokopfer.
Die wirtschaftliche Krise, die zurzeit über vrutschland mit besonderem Druck lastet, macht ungewöhnliche Hilfsmaßnahmen erforderlich. In der Zentrumsfraktivn des Reichstages wurde im Rahmen der Berichterstattung über die Lage im Lande eine hochpolitische Debatte eröffnet. Man war sich allgemein darüber einig, daß zur Hebung der Not der Arbeitslosen und der Ar- bntslosigkeit sofort besondere Maßnahmen ergriffe werden müßten. Welche Wege man einschla- aen soll, darüber will man noch des näheren beraten: aber es kam schon zum Ausdruck, daß der Mrg über ein Nvtsofortprogramm beschritten werden müßte. Im Zusammenhang hiermit wurde die Anregung gegeben, die allseitige Zustimmung fand, daß der Reichstag voran- qeh en sollte, und zwar dadurch, daß die Reichs- ragsabgeordneten auf einen Teil ihrer DiätenzugunsteneinesFondszurLin- derungderNotderArbeitslosenver- zichten. Der Reichstag soll also in dieser Frage vorangehen. Darüber hinaus wurde auch die Wiedererstehung des Nvtopfers der F e st - besoldeten besprochen. Vor allem wurde dafür eingetreten, daß man den Baumarkt beleben' müsse._____________________
leben den Außenministern Englands, Frankreichs und Italiens. Natürlich kam auch hier das Gespräch auf reine Völkerbundsfragen, über deren personellen und organisatorischen Aspekte sich das deutsche Ratsmitglied über die schon bei seinem ersten Aufenthalt in Genf durch einen längeren Besuch beim Generalsekretär Sir Eric Drummond unterrichten wollte.
V.D.Z. Berlin, 16. Mai. (Gig. Meld.) Im G e- schäft 5 ordnungsausschuß des Reichstages wurde die Einleitung eines Privatklagever- fahrens gegen den Abgeordneten Wagner (Nationalsozialist) wegen Beleidigung durch die Presse genehmigt, desgleichen wurde die Genehmigung zur Strafverfolgung der Abgeordneten Dr. Goebbels (Nationalsozialist) und B e d e r (Nationalsozialist) wegen Beleidigung erteilt.
C.N.B. Berlin, 1. Mai. (Gig. Meld.) Das Reichskabinett ist heute vormittag zusammengetreten, um die beiden Gesetze über die O st Hilfe redaktionell zu überarbeiten.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die West im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Der Kampf der Pariser Post.
Die kommunisttschrn Pariser Postangestellten planen 24 stündigen Generalstreik.
wtb. Paris, 16. Mai. (Gig. Meld.) Die Pariser Postbeamten und Angestellten Moskauer Richtung hielten gestern abend eine Versammlung ab. Sie beschlossen die sofortige Bildung von Kampf-Komitees mit einem Zentralkamp f ko mibee an der Spitze zur Durchsetzung .ihrer Lohn- und Gehaltsforderungen und zur s ch n e l l st e n V o r b e r e i t u n g e i n e s 24 st ü n- digen Generalstreiks. Außerdem wird in der in der Versammlung angenommenen Entschlie-
trotz des Verbotes. Die Zeitungsverkäufer, die das Blatt, feilboten, wurden verhaftet.
Die Schwägerin Frau Naidus zu Gefängnis verurteilt.
wtb. Bombay, 16. Mai. (Gig. Meld.) Frau Kamaladevi Chattopadhyaya, die Schwägerin der Frau Naidu, wurde zu 6 Monaten Gefänz» nis verurteilt.
ßung gefordert, daß die Regierung keine Strafmaßnahmen ergreift und daß keine Entlassungen vorgenommen werden.
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Am 15. Mai vormittags 11 Uhr ist in den Pariser Post- und Telegraphenämtern der seit einigen Tagen drohende Streik der Angestellten teilweise verwirklicht worden. Am fühlbarsten macht sich die Bewegung auf den Haupttelegraphenämtern bemerkbar. Gs handelt sich vorläufig mehr um einen passiven Widerstand insofern, als die Angestellten wohl an der Arbeitsstätte bleiben, aber telefonische und telegraphische Weckrufe Nicht beachten.
Der zweistündige Poststreik wurde auch in einigen großen P r o v i n z st ä d t e n durchgeführt, so in Marseille, Lyon und Lille.
Der ängstliche Vomcar«.
Er hak viel Sorgen über Deutschlands Pläne.
Der Pariser „Ercelsior" veröftentlicht gleichzeitig mit der in Buenos Aires erscheinenden „La Naclon" die übliche Halbmonatsübersicht Poin- cares. die wieder eine Anklagerede darstellt. Poincarg äußert darin Bedenken, daß Deutschland loyal gewillt fei, den Poungplan zu erfüllen, habe doch bereits Dr. Stresemann nur von einem Provisorium gesprochen. Poincare geht dann auch auf. die deutschen militärischen Ausgaben ein und benutzt hier die gleichen Argumente, mit denen besonders die nationalistische französische Presse in der letzten Zeit arbeitet. Beunruhigend seien auch die deutschen Kommentare anläßlich der Reise des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Schober nach Paris, da in ihnen unverhüllt der Anschlußwille zum Ausdruck komme Auch die Saarfrage enthalte beunruhigende Momente. Frankreich habe sich niemals bereit erklärt, über ein politisches Saarabkommen zu verhandeln. Die französifchrrfeits vorsichtig geführten Saarverhandlungen hätten ernste Schwierigkeiten zu Tage treten lassen. Die Deutschen möchten natürlich,"daß alles zu ihrem Vorteile geregelt werde, aber Frankreich habe keinen Grund, sich einem derartigen Wunsche zu unterwerfen. Auch die Beziehungen der Reichsregierung zu Sowjetrußland blieben verdächtig. Die russischen Fabriken schienen noch nicht aufgehört zu haben, Kriegsmaterial für Deutschland herzustellen, und auch die Frage des Rapallö- vertrages hätte noch nicht ihre beunruhigende Seltsamkeit verloren. Pomcarz weist in diesem Zusammenhang auf die Fahrt zweier russischer Kriegsschiffe' durch den Bosporus in das Schwarze Meer hin. Das fei ein scharmantes Postskriptum zur Londoner Seeabrüstungskonferenz. Zu gleicher Zeit verlangten die deutschen TkW -- Genf, daß der vorbereitende Abrüstungsausschuß in Genf so bald wie möglich zusammentrete. Zwar sei der Zeitpunkt des Zusammentrittes des vorbereitenden Abrüstungsausschusses auf den 3. November verlegt worden, aber man dürfe sich keinen Illusionen hingeben, Deutschland werde bald wieder auftreten und erklären: es genügt nicht, dost Frankreich seine Militärdienstzeit auf ein Jahr herabgesetzt hat, Frankreich muß weitergehen. Gs hat auch von niemand etwas zu befürchten, und der italienische Delegierte wird mit dem Brustton der Ueberzeugung hinzufügen: weder zu Lande noch zu Wasser. In das gleiche Horn wird auch der Delegierte der Sowjetunion stoßen. Araosichi§ emer derartigen Lage müsse Frankreich, so schließt Poincarv-, sich auf den Standpunkt stellen: Apres vous messieurs! Fangt ihr erst einmal an, eure wahre militärische Lage genau zu untersuchen.
Wann wird es bester?
Snowden und Graham über die Ursachen der Wirtschastsdeprefsion.
Der englische Schatzkanzler Snowden hielt als Gast der Vereinigung britischer Bankiers eine Rede über die große Arbeitslosigkeit in allen Industrieländern der Welt. Diese Grscheinung habe im wesentlichen eine internationale Ursache, nämlich den erschreckenden Preissturz und das Mißverhältnis zwischen en gros — und detail-Preifen. Hierfür feien keine sofortigen Heilmittel vorhanden, doch glaube er, daß, wenn der größte Tiefstand der Preise erreicht sei, eine sehr schnelle G r* holung des Handels eintreten werde. Pessimismus sei nicht am Platze.
Auch der Präsident des Handelsamtes, Grast a m, sprach im Unterhaus über die Lage des Handels und sagte: Das Steigen der Zahl der Arbeitslosen in England auf über 1 700 000 ist zurückzuführen auf die Unsicherheit infolge des geplanten amerikanischen Zolltarifs, die politischen Unruhen in Indien, das Wiederaufleben des Bürgerkrieges in China und die Ausdehnung der japanischen Industrie, was besonders den englischen Baumwollhandel schwer trifft. Gin weiterer schädlicher Faktor war der Wallstreetkrach, doch wird dieser wohl auf die Dauer infolge der (Entmutigung der Spekulation und des Gründerunwesens in Zukunft eine günstige Wirkung haben. Gin weiterer günstiger Faktor sind die neuen canadischen Tarifpläne, die Stabilität, die der Annahme des Poungplanes folgen wird, und die Wahrscheinlichkeit, daß die P r ei s e jetzt ihren t i e fft e n Stand erreicht haben.
Die Ost-Hilfe.
Vom Reichskabinett sind am Donnerstag zwei Gesetze beschlossen worden, und zwar das Hauptgesetz für die Osthilfe und das Gesetz über die A b - lös«ngsbank. Damit hat man sich weitgehend an die "Vorschläge des Reichsinnenministeriums gehalten und den ursprünglichen Plan fallen gelassen, ein Rahmengesetz mit einer Reihe von Untergesetzen zu schaffen. Das Hauptgesetz für die Osthilse enthält in etwas mehr als 40 Paragraphen die notwendigen gesetzgeberischen Ginzelheiten. Für dieses Jahr werden 116 Millionen bereit gestellt, die auch im Etat zum Ausdruck kommen. Darüber hinaus ist das Programm für fünf Jahre feftgetegt worden Auch für diese Zeit sind bereits die finanziellen Mittel bestimmt, und Mr für jedes Jahr 101 Millionen, wovon 50 Millionen aus der Verzinsung der Jndustrieobliga- Z lionen zu decken sind. In der halben Milliarde, Wie durch das Hauptgesetz für die Osthil'c sicher- WGllt wird, ist die Vürgschaftsübernahme für Hy- ü,Mheken und andere Verbindlichkeiten noch nicht -wbegrifftn.
Für die Umschuldung wird durch das Zweite Gesetz also eine neue Bank geschafft- Daran ist von besonderem Interesse, daß nun auch die Mitwirkung der P r c u ß e n k a s s e sicher- .gestellt ist. Dieses Ergebnis dürfte nicht zuletzt durch, die Verhandlungen erzielt worden sein, die Mischen einem Mitglied des Reichskabinetts und l dem preußischen Finanzminister Höpker-Aschoff hatzgefunden haben. Die Höhe der Beteiligung der Preußenkasse wird noch Gegenstand weiterer Verhandlungen fein.
Auf Wiedersehen im September.
Elm Schluß der Genfer Ratstagung. — Nächste
| Sitzung am 5. September.
der Genfer Schlußsitzung des Völkerbunds- mes entschied sich der Rat endgültig dafür, bis s r*i Fertigstellung des Völkerbundspalastes, mit "sisen Ban in den letzten Wochen begonnen wor-
Mt die Bundesversammlung nicht mehr im ^etormationssaal, sondern im Genfer Wahl- abzuhalten. Die notwendigen Kredite wurde bewilligt.
Die nächste Ratstagung ist auf Freitag, den 5. ctptember, einberufen, während die Völkerbunds- arrt Mittwoch der darauf folgenden . «oche zufammentreten soll.
Deutscher Reichstag.
Nach \Va Wochen Pause, in denen der Haus- staltsansschuß den Etat zur Beratung im Plenum vorbereiten sollte, trat der Reichstag am Donnerstag wieder zusammen. Die zweite Lesung des Haushaltsplanes konnte jedoch noch nicht in Angriff genommen werden, weil die ganze Sitzung von den noch zu erledigenden kleinen Borlagen in Anspruch genommen wurde. Da war zunächst die sogenannte kleine Justizreform, die u. a. die Berufungsgrenzen hinauffetzen und die Gebühren für die Rechtsanwält in Armenfachen herabfetzen wollte In seltener Einmütigkeit wurde diese Vorlage der Regierung von allen Parteien ohne Ausnahme abgelehnt.
Mehr Glück hatte der Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer mit feinem Ermächtigungsgesetz. Dieses soll ihm das Recht geben, sobald die Entwicklung der Finanzlage und der Wirtschaftslage es gestatten, die verschiedenen Kapital steuern zu ermäßigen. Die Vorlage wurde dem Steuerausschuß überwiesen.
Der Reichstag selbst beginnt am Freitag die zweite Lesung des Etats. Zunächst komrner Lie Haushalte des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und des Justizministers zur Beratung.
Sie haben sich am Kragen.
Nationalsozialisten und Sozialdemokraten der Berliner Stadtverordnetenversammlung im
Handgemenge.
In der letzten Berliner Stadtverordnetenversammlung kam es zu großen Tumulten gelegentlich der Besprechung eines nationalsozialistischen Antrages, der fid> gegen den Poungplan wendete. Die Deutsche Volkspartei hatte Uebergang zur Tagesordnung beantragt, und ein demokratischer Redner beabsichtigte, diesen Uebergangsantrag zu unterstützen. Bei seinem Erscheinen auf der Rednertribüne erhob sich jedoch bei den Parteien der Rechten und bei den Kommunisten ein derartiger Lärm, daß der Stadtverordnetenvorfteher die Sitzung auf zehn Minuten unterbrechen mußte. Der Aeltesten- ausschuß entschied, daß zunächst die Antragsteller das Wort erhalten sollten, und daß später ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung gestellt werden könne. Der nationalsozialistische Städtver- ordnete Engel begründete dann den Antrag, der u. a. verlangt, daß der Magistrat gegenüber den Reichsbehörden .jede Verantwortung für den Poungplan ablehnt. Als man dann auf Antrag der Nationalsozialisten namentlich über den Uebergangsantrag zur Tagesordnung abstimmen wollte, verkündete der Vorsteher, daß dieser Antrag inzwischen zurückgezogen worden fei, und es kam zu keiner Abstimmung, trotzdem von der Rechten hiergegen protestiert wurde.
Während der Rede des sozialdemokratischen Stadtverordneten Riese zu den vorliegenden na» tionalfozialiftischen und kommunistischen Anträgen gegen die Houng-Gesetze geriet eine A n z a h l Nationalsozialisten und Deutsch- nationale, die in der Nähe der Rednertribüne standen, mit einer größeren Anzahl S o- z i a l d e m o k r a t en, die sich nach ihnen ebenfalls an der Tribüne gesammelt hatten, in einen Wortwechsel, in dessen Verlaus ein Sozialdemokrat den Deutschnationalen Krüger anpackte. Dieser sch l u a nach dem Sozialdemokraten, worauf sich ein allgemeines Hand gern enge zwischen den Nationalsozialisten und einigen Deutschnationalen auf der einen Seite und Sozialdemokraten auf der anderen Seite entstand. Der stellvertretende Vorsteher Granasch hob nun die Sitzung auf, woraus die Stadtverordneten unter ungeheurer Grrcguna den Saal räumten. Eine kleine Abteilung Schutzpolizei war in.zwifchen im Rathaus erschienen. Sie brauchte jedoch nicht mehr einzugreifen.
Wer sich s e l b st n i ch t beherrschen kann, sollte nicht in Körperschaften berufen werden, deren Mitglieder den anderen Mitbürgern ein B e i - spiel der Selbstzucht im Interesse des Gemeinwohls geben sollen.
abgeschlossenen Ratstagung sind auch twn Besprechungen zwischen den einzel-
r#ik ra®enm*n’ftern beendet. Grandi hat be- ttfciLs ? verlassen, Briand und Gurtius werden abreisen. Briand erwidert den Besuch, den am Dienstag gemacht hat. Die Minister setzten ihre Aussprache fort. Sie sfcft ausschließlich auf technische Fragen, die l-rönm r bevorstehenden Rheinland- basen» ?" 9 Zusammenhängen. lieber die Flug- deren Zerstörung von einigen ftan- v>ei? " Besatzungsstellen mit dem formalen Hm- Bestimmungen des Versailler Vertrages v wstch sollen aufgrund der Ministerbespre- ES* Oie Verhandlungen in Paris zwischen Bot- E&7 D,°n Hoesch und der französischen Regierung '^geführt werden.
«6-, feinen Besprechungen mit dem polnischen .tiiiz nn*ntIter 3 a I e f f i erkundigte sich Dr. Gue= nhfrk °en Ratifizierungsmöglichkeiten für den N - polnischen Handelsvertrag M^nutzte die Gelegenheit, um in Grtäuterung Antwortnote klarzulegen, daß mit der der deutschen Agrarzölle keine solche M,^D>iing der Basis eingetreten sei, die eine Un- ^tt) sn8r °^er Verzögerung der Ratifizierung Polen rechtfertigen würde. Zaleskj gab die M»s^vg, diese ergänzenden Darlegungen dem Kabinett vorzutragen.
Besprechungen ergaben sich zwanglos NM c^oenen gesellschaftlichen Veranstaltungen, ■ h, nu italienischen Außenminister Grandi, iA das deutsche Ratsmitglied hauptsäch- Ms Völkerbundsfragen, aber auch über das ».^opäische Problem unterhalten konnte. Bei t dven Gesprächen mit Henderson die Räumungsfrage, die Sec- uskonferenz und die Besprechungen zwi-
Zum Wahl-Ergebnis in Ssl-0berschlesien.
In Polen wie in Deutschland, aber auch in den Staaten, welche dem Völkerbund angehören, haben die jetzt getätigten Wahlen zum ost-oberschlesischem Sejm das größte Interesse beansprucht. Seit Jahren wurde gerade Ost-Oberschlesien in der willkürlichsten Weise von dem Wojwoden Grazynski beherrscht. Die parlamentarische Vertretung war aufgelöst worden, Neuwahlen wurden von einem Termin zum anderen verschoben. Nach polnischer Ansicht war man noch nicht so weit mit der Unterdrückung des Deutschtums gekommen, daß man sich einen fühlbaren Erfolg bei Neuwahlen versprechen konnte. Wohl halte der Unterdrückungskamps schwerste Folgen gezeitigt. Hunderte von Deutschen sind aus Polen ausgewandert, die deutschen Wähler selbst wurden eingeschüchilert, auf dem Gebiete der Selbstverwaltung war die deutsche Minderheit so gut wie ausgeschaltet.
Und jetzt der Wahlausfall? Er bildet sicher die größte Ueberraschung für Polen selbst. Dsese hatten 14 Listen aufgestellt, welche jedoch wieder teilweise unter sich verbunden waren. Das berücksichtigt, kann man von 5 großen Parteigruppen sprechen, welche den Wahlkampf bestritten. Auf deutscher Seite fanden wir die „Deutsche Wahlge- meinschast" vor, bestehend aus der Deutschen Partei und der deutschen Katholischen Partei. Die deutschen Sozialisten dagegen hatten Listenverbindung mit den polnischen Sozialisten. Das Wahlgebiet Ost-Oberschlesien war in 3 Wahlkreise gegliedert, der erste umfassend die früheren österreichischen Gebiete van Teschen und Bielitz, die ehemals preußische Gebiete Pleß und Rybnik, der zweite Wahlkreis, das ehemalige Gebiet um Katto- witz, schließlich der dritte Wahlkreis mit Dem Bezirk Königshütte.
Die deutschen Parteien haben nach den bisherigen Zählungen im ersten Wahlkreis 4 Abgeordnete und einen deutschen Sozialisten, im zweiten Wahlkreis 5 und im dritten 6 Mandate erhalten Es fehlen noch einige kleinere Bezirke, woraus vielleicht geschlossen werden kann, daß sich die Zahl der deutschen Mandate mindestens noch um eins vermehrt, wodurch der Gesamtgewinn auf bre^ Mandate erhöht wird. Im Jahre 1922 erhielte! die deutschen Parteien 80 000, bei den Wahlen zun polnischen Sejm 100 000 Stimmen, sind also bet dieser Wahl auf mindestens 176 000 gestiegen.
Die Polen dagegen erhielten insgesamt 35 Mandate, und zwar der Regierungsblock Grazynski 16, die Partei Korfantys 13, die polnischen Sozialisten 4 und die Kommunisten 2 Sitze. Mithin bleiben also im ost-oberschlesischen Sejm die Deutschen die stärkste Einzelpartei. Im zweiten und dritten Wahlkreis stehen sie an der Spitze aller Parteien.
Schon diese Aufstellung zeigt uns den großen Erfolg der deutschen Minderheiten in Ost-Oberschle- sien. Der Sieg ist aber noch bedeutender, wenn man die Ergebnisse aus einzelnen Städten berücksichtigt, wo trotz der von Polen günstig geforder- den Zuwanderung polnische Arbeiter auch heute noch die Deutschen die stärkste Partei darstelle!:. Ja selbst in den industrialisierten Landbezirken sind
Gandhis Kampfmekhode.
Stau Naidu und ihre Freiwilligen hungern und dürsten, spinnen und plaudern.
wtb. Dharasana, 16. Mai. (Gig. Meld.) Frau Naidu und ihre Freiwilligen saßen gestern, nachdem sie von der Polizei am Weitermarsch gehindert worden waren, den ganzen Tag am Wege, ohne zu essen und zu trinken. Mehrere Frauen, die den Freiwilligen Wasser anbieten wollten, wurden von der Polizei daran gehindert. Die Polizei vertritt den Standpunkt, daß die Freiwilligen nur außerhalb der Sperrkette Wasser hinten dürfen, was von den Freiwilligen abgelehnt wird. Die Umzingelten verbringen ihre Zeit mit Spinnen und mit Geplauder. <T'/*3 Schausviel hat viele Neugierige angelockt. Die nächste Abteilung Freiwilliger wird heute erwartet.
100 Anhänger Gandhis verhaftet.
wtb. Bombay, 16. Mai. (Gig. Meld.) 100 Anhänger Gandhis, die nach Schiroda marschierten, um in die dortige Salzniederlage 'einzudringen, wurden heute früh in dem Augenblick verhaftet, als sie sich auf einen italienischen Dampfer ein- schiffen wollten.
Zusammenstotz zwischen Polizei und Anhängern Gandhis.
wtb. Maimanfing (Bengalen), 16. Mai, (Gig. Meld.) Bei einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Anhängern Gandhis, die die Lieferung albo- holischer Gettänke an Schankwirte durch Regierungsbeamte verhindern wollten, wurden ungefähr 90 Personen verwundet.
Verbotswidriges Erscheinen des Gandhi-Blattes.
wtb. Bombay, 16. Mai. (Gig. Meld.) Das Mitteilungsblatt des Kongresses von Bombay, das aestern verboten worden war. erschien beute früb
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M Anzeiger für die Stabt Aulda und den Landkreis Aulda. Amtliches Kreisblatt.