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stvoch, den 14. Mai 1930.
Römischer Vries.
Bon unserem römischen Mitarbeiter.
n der diesjährige deutsche Katholikentag in ter im Zeichen des AugustinusIuöiläums unter dem Motto: „Veritas et caritas", so für seine Leitgedanken sicher die jüngste Enzyklika jalutem humani generis" über den heiligen austinus, Bischof und Kirchenlehrer, zum 15. ” ear seines Todes von grundlegnder Bedeu- __ Mit diesem umfangreichen und tieigründi- päpstlichen Erlaß, den der Osservatore am 23. U veröffentlichte, wird man sich am besten ^Zusammenhang mit dem kommenden Katholi- q eingehend 'beschäftigen.
Der Tagung vorauf geht der sogenannte Vertretertag, der im Anschluß an die päpstliche Erzie- nasenzyklika die Fragen der christlichen Erzie- ng mit ihren Folgerungen gegenüber der sozia- tiscken und naturalistischen Erziehung erörtern l In dieser Beziehung gab es dieser Tage wieder' eine Bekundung des päpstlichen Erziehungs- ideols, wie es Pius XI. nun schon so oft in immer neuen' Wendungen mit Wärme dargestellt hat.
Diesmal handelte es sich um eine Papstaudienz von 720 faschistischen Lehrern und Lehrerinnen aus Diemont und 480 solchen Lehrkräften aus der Lom- baröci- Der Hl. Vater stellte sxh als alter Lehrer den Lehrern vor. In seiner Jugend gab er Unterricht in der vierten Elementarklasse, und mit Freuden erinnere er sich unter alten Kollegen jener Zeiten.
„Die ganze Erhabenheit der Aufgabe und des Amtes liegt in der Fortführung jener Lehrtätig- ’ kett, jener neuen Ueberzeugung, die der Heiland selber uns gebracht hat. Eines Tages — und es ist für die Geschichte der Menschheit wirklich ein glücklicher Tag, an neuem Leben reich für die ganze Welt — sagte die göttliche Stimme:
„Gehet hin und lehret!" Jene an die Apostel gerichtete Stimme Gottes, die die Welt erlösen und die Menschheit erneuern sollte, ist auch an die Lehrer gerichtet. Mag ihnen auch der Lehrauftrag auf andern, sicherlich hohen und erhabenen Wegen zugehen, so darf doch an jene erste göttliche Quelle erinnert werden.
Dieses Wort — Lehret! — geht ihnen zunächst von der Familie zu, die ihnen ihre Kinder arioer- traut, als ob es sich bei den Erziehern um einen lebendigen und organischen Teil der Familie selber handle. Sie übergeben die Kleinen ihrer Fürsorge, damit ihnen das zuteil werde, was die weitaus größte Zahl der Eltern unmöglich selber besorgen könnte. Da sind auch die Gesellschaft, das Vaterland, der Staat. Der Staat besitzt in den Lehrkräften Mittel und Wege, um die Pflicht zu erfüllen, der Familie in der Heranbildung guter Bürger zu Hilfe zu kommen, damit sie mit guter Schulung, reich an allen geistigen Schätzen, ins Leben treten können und Stützen der Ruhe, der Ordnung und der Wohlfahrt der menschlichen Ge- / sellschaft und des Vaterlandes werden.
„Gehet hin und lehret!" ist drittens die 3 Stimme der Kirche Gottes, der Lehrerin der Wahr- ; -eit, die Gott ins Zentrum der Jahrhunderte und | der Welt gesetzt hat. Diese Stimme muß lauter und mächtiger denn je Beifall und Zustimmung inden. Diese Stimme erinnert uns daran, daß es ich nicht nur um Kinder von Bürgern handelt, andern um die mit dem Blute des Erlösers für ihr ewiges Leben erkauften Seelen; denn für sie ist I das gegenwärtige Leben nichts weiter als eine Episode.
I r Die Kirche lehrt, daß gerade auf dieses künftige Aben erzogen werden müsse gemäß den Geboten Gottes und seiner Gesetze, damit die göttlichen Gnaden die jungen Wesen stärke, und damit sie ihnen helfe zu allen Graden der menschlichen Es- ' Mchstft und zur Förderung dieser armen und doch I® reichen, dieser armseligen und doch so großen -Menschheit, indem sie die ihnen vom göttlichen Er- loser gewährten Verdienste und Gnaden in uer übernatürlichen Ordnung der Dinge zur Geltuna bringen."
Zum Schluß wiederholte der Hl. Vater, daß ihm kein anderes Licht so feierlich, so bedeutsam - Enö groß erschienen sei, wie dasjenige, das die I Akrantwortung der Lehrerschaft umgibt; denn ihr ,*■'.Mi nur eine ganze Fülle irdischer Vorsorge, Ivnoern auch göttlichen Beistandes anvertraut. — I «in u'e,e. schön® Papstansprache gibt eine treffliche K ^chranon zur Erziehungsenzyklika, wie man sieht;
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda
besser als manche gründliche Betrachtung wird die Ansprache in dieses einführen.
Auch das bis zum 30. Juni verlängerte außerordentliche Pilgerjahr neigt sich nun seinem Ende zu. Der Monat Juni wird noch einmal allerlei große Feierlichkeiten bringen, über die im einz.-lnen noch zu berichten ist, und dann wird der römische Sommer zugleich auch diesen bedeutsamen Abschnitt der Kirchengeschichte abschließen. Ist es für einen Bischof und Priester schon eine seltene Gnade, daß er sein Goldenes Priesterjubiläum in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit feiern darf, so war es das für die Gesamtkirche ganz besonders, daß dieser Papst, der für die Kirche zu einem Eckpfeiler ihrer neuen Geschichte wurde, diese Feier begehen durfte. Seit Weihnachten 1928 reiht fid) Ereignis an Ereignis. Nun soll es einstweilen eine Ruhepause zur Vorbereitung auf neue kirchliche Ereignisse geben, zu denen unzweifelhaft an erster Stelle das Konzil gehört, das aber doch kaum bereits im nächsten Jahre zu ermatten ist. Man wird sich nun erst einmal wieder mit dem Geist und der Bedeutung der Konzile befassen, sich auf ihre in die Tiefe gehende, die so ganz und gar dem politischen und sensationserfüllten Tageswirken abgekehrte Eigenart einstellen müssen, ehe es zur allgemeinen Kirchenversammlung kommen kann.
Indessen segelt zum Eucharistischen Kongreß in Karthago mit der päpstlichen Mission ein vorn Vatikan besonders gemietetes Schiff, die „Citta di Napoli". Es führte zum ersten Male die neue päpstliche Flagge und ist so in seiner Art auch ein Zeuge der neuen Zeit. Nicht nur Abschluß eiruer großen Epoche bedeutet der Schluß des Jubil'iums- jahres, sondern reckt eigentlich auch Auftakt für eine solche, die noch Tag für Tag neue und oftmals gewiß überraschende Bekundungen der kirchlichen Lebensentfaltung bringen wird.
* Fertigstellung der Anklageschrift in der Bombenaffäre. Die Staatsanwaltschaft in Altona hat in Sachen der Untersuchung wegen der in den Jahren 1928/29 in Schleswig-Holstein, Hannover und Oldenburg begangenen Bombenanschläge die umfangreiche Anklageschrift fertiggestellt und der Strafkammer mit dem Antrag auf Eröffnung des Hauptverfahrens eingereicht. Die Antlageichrtst legt den Angeschuldigten Verbrechen und Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz, einigen auch Diebstahl von Sprengstoff und einem Angeschuldigten Meineid zur Last. Sie bezieht sich auf die Attentate bezw. Attentatsversuche von Hollingstedt Nie- buell, Schleswig und Lüneburg. Sieben Ange- schuldigte befinden sich noch in Untersuchungshaft.
* Rechtzeitige Entdeckung eines Eisenbahnfrevels. Auf der Bahnstrecke Harburg-Lehrte ist zwischen den Bahnhöfen Sudersburg und Unterlüß von einem Streckenläufer ein Gleisschaden festgestellt worden, der einen verbrecherischen Anschlag vermuten läßt. Auf einer Länge der äußeren Schiene waren sämtliche Schwellenschrauben bis vier Zentimeter herausgedreht und die Laschen- schrauben gelockert. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Musik, Maschine und mir.
Aus Fachkreisen wird uns geschrieben:
Rundfunk und Schallplatte, bergen sie nicht auch eine große Gefahr in sich? Wird die Musik, vermittelt durch die Maschine, nicht für uns zu einer Alltäglichkeit. Und leidet nicht gerade durch biefc Alltäglichkeit der Wert der Musik?
Das sind Fragen, die heute weite Kreise bewegen. Nicht für oder gegen sie soll hier entschieden werden; nur untersucht, welchen Einfluß die immer mehr ansteigende Verbreitung der mechanischen Musik auf den Menschen hat.
Wir all« hören sehr gern und möglichst oft Musik. Früher waren es die Konzerte, die gute alte Hausmusik, die uns ab und zu Feierstunden gewährten. Erholung für Körper und Geist. Heute hat man es bequemer. Im bequemen Lehnstuhl am häuslichen Kamin kann er, so oft er will und Zeit hat. den oft vortrefflichen Konzerten der mechanischen Musik lauschen. Und doch! Es fehlt etwas. Leicht wird es zuviel. Nicht nur, daß der Geist ermüdet, nicht mehr so aufnahmefähig ist. Plötzlich, man hat gerade eine Reihe von Musikvorträgen gehört, ergreift einen die Lust, s e l b st Musik zu machen. Die Passivität macht zu Gunsten einer produktiven Aktivität Platz.
Tief in jedem Menschen schlummert das Verlangen zur Tat. Warum bewegt wohl der Zuhörer ganz un
willkürlich die Lippen, warum wohl summt er leise für sich die Melodie mit? Eine Unart, wenn er dadurch andere Zuhörer stört. Gewiß! Aber doch auch der Beweis des Dranges, selbst Musik auszuüben. Die Spieler reißen ihn eben mit. Nur gleichgültige Menschen sagen: Man hat es ja so bequem mit der maschinellen Musik. Nur passive Naturen können hier zufrieden sein. Wer immer auch nur etwas musikalisches Gefühl und Empfinden hat, der versucht ein Instrument, Klavier, Geige, Klampfe oder Flöte zu spielen. Nur dann kann er sein musikalisches Verständnis fortbilden, nur so hat er die Möglichkeit, des Erlebens beim Anhören großer Konzertstücke. Ist er aber ein passiver Charakter, dann ist ihm Musik, lediglich angehört, nur Unterhaltung, nicht Feierstunde und wirkliche Erholung. Daher ist die Pflege der ausübenden Musik eine Kulturforderung, ein Kampfmittel gegen die Verflachung des Geistes im Zeitalter der Maschine. Welch eine Hingabe, welch ein Genuß, wenn man zu gegebener Zeit sich selbst ganz in ein Musikstück vertiefen kann. Wer hat nicht schon einmal einen Musizierenden beobachtet, wie er entrückt der Gegenwart und Umgebung, nur seinem Spiele lebte?
Hohe Verantwortung tragen Eltern und Erzieher unserer Jugend. Sind sie sich dieser voll bewußt, so werden sie nicht versäumen, unseren Kindern und damit der Zukunft unseres Volkes durch das Erlernen des Spieles eines Musikinstrumentes «in Gut mit auf den Lebensweg zu geben, das ihnen ein wertvoller Begleiter im Kampf ums Dasein werden wird.
Abschließend kann man zu dieser kleinen Betrachtung wohl sagen: Es ist ohne Zweifel, daß Radio, Schallplatte und die mechanische Musik schlechtweg zur Beliebtheit der Musik, als auch zum Verständnis im All- meinen sehr viel beigetragen haben. Dafür soll mit Dank und Anerkennung mcht gespart werden. Nur hüte man sich vor Uebertreibung, hüte man sich, das reine Anhören mechanischer Musik als Ersatz für Selbstspielen anzusehen. Es ist hier wie bei allem Ersatz... Aushilfe, und birgt die große Gefahr der Ermüdung, des Abstumpfens in sich. Vielmehr lass« man sich gerade durch das Anhären vortrefflicher Musikstücke dazu an- regen, selbst ein Instrument spielen zu lernen. Dann werden die mechanische und ausübende Musik zum Segen der Allgemeinheit harmonisch zusammenarbeiten.
Soziales.
— Große Entlassungen im Saarbergbau. Bei einer Besprechung zwischen der französischen Verwaltung und den Vertretern der Gewerkschaften erklärte Bergwerksdirektor Mafsing, daß die Absatzlage sich weiterhin verschlechtert habe und im Mai zwei weitere Feierfchichten eingelegt werden. Für Juni und Juli sei die Lage noch unangenehmer. Ungefähr 300 000 To. Kohlen lägen auf den Halden. Es bestände nicht mehr die technische Möglichkeit, noch viele Tonnen zu stürzen und deshalb sollten 1400 Saarl ergleute abgebaut werden. Die Entlassungen würden zum 1. Juni vorgenommen. Die Vertreter der Gewerkschaften wandten sich mit aller Entschiedenheit gegen diese Maßnahme der stanzösischen Bergwerksdirektion. Die Ablegung könnte vermieden werden, wenn für die 57 000 Mann starke Belegschaft
alle 40 Tage eine weitere Feierschicht eingelegt würde Die Vertreter der Saarbergarbeiterschaft beschlossen, bei der Saarregierung fowie bei dem französischen Arbeitsminister Vorstellungen zu erheben.
Reise und Wanderung.
— Wegweiser und Hotelführer „Babnerlanb- Schwarzwald" 1930. Der Ratgeber für Erholungsuchende fowie für Rundreisen und Wanderungen im Badnerland ist in neuer Auflage erschienen. lieber 200 Fremdenplätze, Bäder, Kurorte und Sommerfrischen in den verschiedenen Höhenlagen bis zu 1500 Meter ii. M. sind hinsichtlich der Sehenswürdigkeiten, der Heilanzeigen sowie der landschaftlichen und örtlichen Eigenarten usw. erschöpfend behandelt. Die Wahl eines Erholungsaufenthalts wird durch die übersichtliche Darstellung der klimatisch und landschaftlich gleich bevorzugten Gebiete im Schwarzwald und Odenwald, am Neckar, Oberrhein und Bodensee wesentlich erleichtert. Die Angabe der genauen Preise für Unterkunft und Verpflegung bei über 1300 Gaststätten erhöhen den Wert des prakischen Ratgebers, der zugleich ein wertvoller Begleiter für die beliebten Höhenwanderungen sowie für Eisenbahn- und Auto-Rundfahrten bildet. Das handliche, reich illustrierte Merkchen ist bei den Reise- und Verkehrsbüros sowie gegen Einsendung von 20 Pf. franko durch den Badischen Berkehrsverband, Karlsruhe (Postscheckkonto Karlsruhe 4422) erhältlich.
* Die Zahl der Aerzle in Deutschland. Nach den vorliegenden endgültigen Ziffern der letzten Berufszählung betrug die Zahl der in Deutschland tätigen Aerzte 45332, das sind 35 Prozent mehr als 1913. 1928 wurden sogar 47 338 Aerzte gezählt, so daß seitdem eine Abnahme festzustellen ist. Der Anteil der weiblichen Aerzte tritt immer stärker hervor. Ebenso ist es bei den Zahnärzten sind es jetzt 2562. Ebenso ist es bei den Zahnärzten und Dentisten; es gibt rund 10 000 Zahnärzte, darunter 900 weibliche und 24 000 Dentisten, darunter 400 weibliche. _____________________________
Technik und Verkehr.
— Wil Kraftpost von Kassel nach Köln. Schon seit längerer Zeit besteht der Plan einer Kraftpostverbindung von Kassel nach Köln und zurück, die zunächst als Wochenendfahrt und dann als regelmäßiger Fernverkehr gedacht ist, ähnlich wie die in die in diesen Tagen zur Eröffnung kommende Kraftpo st Verbindung zwischen Kassel und Bre men. Wie wir hören, ist nicht zu erwarten, daß die Verhandlungen der Oberpostdirektion bereits in diesem Jahre zur Verwirklichung des Projekts führen. Bedenken, ob es sich überhaupt rentieren wird, find nicht von der Hand zu weisen, da gegenüber der Schnellzugverbindung nach Köln ein Zeitgewinn kaum zu erzielen sein dürfte. Es wird sich also im wesentlichen um die Frage drehen, ob die auf der Strecke selbst gelegenen, nicht mit gleich guter Eisenbahnverbindung versehenenen Orte ein Interesse an der Benutzung des Autos haben.
Auferstehung der Antike in Delphi.
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Eine Szene aus den „Flehenden" des Aeschylos, die jetzt in der klassischen Apollo-Arena von Delphi in der Ursprache und mit den altgriechischen Kostümen zur Ausführung gelangten.
Bon Ma nach Chicago.
Reise-Erinnerungen
von Fr. Donatus Pfannmüller, Fulda.
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tNt pJ?16 Höhle der Winde geht man in einem Mei« in en Regenbogen zu, dessen Mittelpunkt, man ^"sant ist auch der Weg aus der Ankleide- [jj das sonntägig geputzte und belustigte Publi- K un/ • ®an logt ihn in einer grauen Sträflings- . einer Teerjacke darüber zurück. So steigen ^BPSba Cn $urm hinunter, der bis zu dem Pfad nach Unt & u.ntcr dem Brautschleierfall hinunterreicht. t o», wahrend wir uns gut und treu an den
Bitarn *f^renb m*r hier oben stehen, kommt drunten das I bi» horchen langsam heran .fährt langsam so nahe an I__ mporftiebenben Dampfwolken und folgt der Bie- jgtf" Oc® Hufeisens. Von dort unten müssen die stür- Huv.Essermassen einen noch weit großartigeren Andas rl-t” a's DOn hier oben. Das Wasser, über das r in führt, muß eine außerordentliche Tiefe ,‘onft würde das Schiff vom Rückstoß der auf «, prallenden Wogen emporgeworfen werden, ick fUsruf eines Kindes läßt mich aufblicken. Da "üben auf der anderen Seite des Falles einen ■ ’Mlt ffi(Qt,er farbenprächtigen Regenbogen. Er steht ■|» j ’. sondern wandert von links nach rechts, fchnel- EjL. . Cln Mensch geht. Und gleich hinter dem ersten ■lüften °»9Cn bildet sich ein neuer. Und über uns in den E^öllen h- 31 ein Flugzeug, zieht abermals über den ■ |Hg her, um dann in der Richtung auf Buf-
by^lnt Vlick auf die Uhr sagt mir, daß wir uns schon 81 stunden an den Fällen aufhalten, und mir ist eQt„m wären es nur Minuten. Nun verstehe ich, WU^.weine Gefährten vorhin so sehr drängten. Ach, >m s7° so viel zu sehen, und die Zeit wird btr J°lUr3- daß man tagelang bleiben möchte. Eine Uns sticht besuchten Sehenswürdigkeiten ist die ^^^^/„^"Windhöhle" unter dem amerikanischen Fall, "sicher Reisender, der sie besuchte, schreibt bar»
Händen festhalten —- nicht so sehr der Gefahr wegen, sondern der Führer ladet feine Verantwortung auf die einzelnen feiner Herde ab — dort unten hat man dann wieder feinen großen Augenblick. Das schreckliche Wasser, das hinter uns hinunterdonnert, führt keinen Orgelton mehr mit sich, auch das Donnern der größten Maschinen der Welt ist dagegen nur wie das Atemholen eines schlafenden Kindes. Ich probiere fo laut zu brüllen, als ich nur kann, um zu sehen, ob ich inwendig etwas davon höre, aber nur die Hände meiner Nachbarin zucken ein wenig, und die sind auch von dem Laut der Ewigkeit ober ber treifenben Sterne geschüttelt. Unser Leben sitzt uns wie ein Knebel hinten im Genick. Auf bem Rückweg breht sich mein Nachbar von rechts nach mir um und fragt: „Nicht wahr, bas ist eine gute Prüfung für bie Nerven?"
Der Niagara ist ber Abfluß bes Erie-, Huronen-, Michigan- unb Oberen Sees. Er füllt auf feinem 55 Klrn. langen Laufe um 100 Meter. Die Gewässer bes Niagara ergießen sich in den Ontario-See, der dann wiederum den St. Lorenzostrom speist.
Die Niagarafälle stürzen über «ine 25 Meter dicke, fast horizontale Kalksteinbank herab, unterhalb deren weichere Schiefer- und Sanbfteinmaffen von noch größerer Mächtigkeit liegen. Die nicht mehr unterstützten Teile des unterwaschenen Kalksteins stürzen daher häufig herab und die Fälle selbst weichen flußaufwärts allmählich zurück, am Hufeisenfall jährlich etwa 66 Zentimeter, auf. der amerikanischen Seite 20 Zentimeter.
Herr Tromm blickt auf feine Uhr. Wie mir Bruder Ferdinand gesagt hat, ist Mr. Tromm für den Abend zu einer Gesellschaft geladen, darum müssen wir heim. Auch werden wir naß, wenn wir noch lange hier stehen. Die von da unten emporgewirbelten Dämpfe betauen uns und bie ganze Gegend. Wir besteigen wieder unser Auto, und ich muß diesem herrlichen Naturfchauspiel Lebewohl sagen für immer.
Herr Tromm kehrt nicht über bie Stahlbrücke auf bie amerikanische Seite zurück, sondern fährt auf kanadischem Gebiet flußaufwärts. Die Straße ist gut, und ber Verkehr ist auf biefer Seite nur schwach, was für unsere Fahrt günstig ist. Es geht schon stark auf ben Abend zu. Ein Stück oberhalb der Fälle machen sie mich auf ein gestrandetes Schmugglerschiff aufmerksam,
bas als Trümmerhaufen im Strome liegt. Auf ber Flucht ist es festgefahren, unb die Wogen haben es zerbrochen. Dann kommen wir an bem Flugplatz vorbei, von bem bas Passagierflugzug, bas wir vorhin gesehen haben, zu seinen Flügen über die Fälle aufsteigt. Hier auf ber kanabischen Seite mutet mich alles wunber- bar heimatlich an. Die Höfe sehen alle so kleinbäuerlich aus, Aecker und Wiesen sind gut gepflegt, ganz wie daheim. Hier sieht es nicht mehr „amerikanisch" aus, unb bas tut mir wohl. Ich glaube, ich bin von ben Großstädten der letzten Zeit übersättigt.
Wir haben etwa 50 Kilometer weit zu fahren, aber wir kommen rasch voran, trotzdem wir auf keiner schnurgeraden amerikanischen Autostraße fahren. Herr Tromm hat ein sehr hohes Tempo eingeschaltet, daß wir nur so dahinfliegen. Sein ältester Sohn, ein sechzehnjähriger Student, fragt mich in gebrochenem Deutsch: „Sieben Sie schnell fahren?"
„Ja, wenn ein tüchtiger Fahrer am Steuer sitzt."
„O — ich lieben es auch."
In einem kleinen Ort nicht weit von den Fällen haben wir einen kurzen Halt gemacht. Herr Tromm kaufte für uns unb . feine Söhne Fruchteis unb für mich einige Ansichten von ben Fällen.
Ehe ich es mich versehe, sind wir wieder in ber Nähe von Buffalo angelangt. Hier laufen mehrere große Routen zusammen, die alle über bie neue große „Frie- bensbrürfe" in bie Stabt führen. Polizisten birigieren bie zahlreich antommenben Autos nach ben verschiedenen Häuschen am Eingang der Brücke, an denen ein Brückenzoll erhoben wird. Es geht das alles „wie geschmiert". Der Polizist verteilt spielend bie vielen Autos an bie einzelnen Häuschen, unb alles wickelt sich statt ab.
Diese Friebensbrücke, eine mehrere hundert Meter lange Steinbrücke, wurde erst nach bem Weltkrieg gebaut. Wie mir bie Amerikaner mit einigem Stolze erklären, haben sich bei ber Einweihungsfeier da auf ber Brückenmitte Präsibent Coolidge unb ber Prinz von Wales bie Hanb gedrückt. Ein großes Ereignis!
Auf der amerikanischen Seite wickelt sich der Verkehr zu unferm Leidwesen nicht so rasch ab, wie wir es wünschen. Vier lange Autoreihen roarkn und rücken
nur schrittweise vor. Die amerikanischen Paß- unb Zollonkels nehmen es heute, trotz bes Sonntags, wieder einmal sehr genau. Als wir an die Reihe kommen, zeigt Herr Tromm feinen roten Zettel vor, wir beiden Brüder müssen unsere Passe vorzeigen, bie genau kontrolliert werden. Dann kommt ein anderer Beamter aufs Trittbrett unb fchaut unb fühlt in allen Ecken bes Wagens herum, ob wir nicht irgendwo eine Flasche des gefürchteten kanadischen Branntweins versteckt haben. Aber mir sind wirklich vvllkom—n „trocken" unb bürfen darum roeiteifai,ren.
Nach längerer Kreuz- und Querfahrt kommen wir beim Hause bes Herrn Tromm an unb müssen aussteigen unb mit ins Haus kommen. Es ist eine schöne, zweistöckige Holzoilla, bie er mit feiner Familie ganz allein bewohnt. Wir lernen feine muntere Gemahlin kennen, bie leiber kein Deutsch versteht, trotzdem sie eine deutsche Mutter hat, eine rüstige Dame aus der Gegend von Wittlich. Diese spricht aber noch Deutsch, obwohl es ihr einige Mühe macht. Ts ist merkwürdig, wie sich doch mit ber Zeit bie Muttersprache vergißt, wenn man sie nicht mehr gebraucht. Unb mertroürbig ist auch bas ganz auf sich selbst eingestellte Familienleben in Amerika, wie es sich aus einer Bemerkung bes Herrn Tromm ergibt. Diesen Sommer hat er sich in Floriba mit einem netten Herrn angefreunbet. Und als sie sich ihre Abressen sagen, machen sie beide große Augen. Seit zwölf Jahren wohnen sie nebeneinander, nur durch einen dreißig Schritte breiten Garten getrennt — unb kennen sich nicht.
Unb mieberum merkwürdig ist, daß uns in einem Lande, in bem eine Schnapsflasche vom Gesetz als der schrecklichste der Schrecken hingestellt wird, und in einem „guten Hause" neben einem Glase Obstwein auch ein Gläschen Kognak gereicht wird. Herr Tromm will bie Gläschen sogar noch ein zweitesmal füllen, aber so sehr er auch die Flasche drückt und kneift, es kommt nichts mehr heraus. Da meint er launig: „Es steckt fein Segen in der geschmuggelten Ware. Die Flaschen sind immer viel zu schnell leer." — Wäre Amerika frei von diesem törichter. Prohibitionsgesetz, dann würden Millionen, die heute einen Trunk Branntwein für ei.-un Leckerbissen halten, das Zeug verachten.
• (Fortsetzung folgt).