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bitte!

ist aber Christus der Angelpunkt. Das bringt grund­sätzliche Scheidung, die natürlich nicht ausschließt, daß

Soviel dürft« nämlich feststehen: Ob f er oder R a fsen k äm p fer, sie ihrer Verwirrung einen neuen mag er nun Klasse oder Rasse

Klassenkämp- all« haben sich in Götzen errichtet, heißen. Für uns

man die von rechts und links geäußerten prüft und würdigt.

lieber diese akademischen Es ist be-

Hinsicht aber hat man es heute lieber mit dem Anzün­den zu tun

■ Aehnlich liegen die Dinge im Wirtschaftlichen. In sehr vielen Versammlungen und Fachblättern wird immer nur der eine Nachweis zu erbringen versucht, wie sehr der Bauernstand vernachlässigt und benach­teiligt ist gegenüber anderen Berufen. Da wird nach- geroiefen, daß der Bauer derjenige ist, der am meisten arbeiten muß und am schlechtesten lebt und wie gut es andere haben im Vergleich zu ihm. Daß der Bauern­stand auch Vorzüge hat gegenüber anderen Berufen, und zwar sehr schwerwiegende Vorzüge, davon hört man nichts. Daß die Arbeit 'm den neuzeitlichen Be­trieben, vor allem die am laufenden Band, weit schwe­rer und zermürbender ist als die Bauernarbeit, davon wird nichts gesagt. Und daß der Bauer trotz seiner Notlage — denn die wird durchaus nicht bestritten — inbezug aus die notwendigsten Dinge, also Nahrung und Wohnung, besser gestellt ist als ein großer Teil der Volksgenossen, das wird ebenfalls niemand in Abrede stellen.

Damit ist nichts gegen die Politik und nichts gegen die Wirtschaft gesagt. All diese Dinge sind gut, wenn sie recht gebraucht werden. Sie werden schon heute in sehr vielen Fällen nur dazu benutzt, in einseitiger Weise die Schattenseiten der Dinge hervorzuheben. Einer der führenden Männer in Rußland hat gesagt, daß sie dort keine Nächstenliebe brauchen, sondern den Haß. Bei uns hat das zwar noch niemand gesagt, aber es scheint, als ob auch hier der Haß oder doch wenig­stens Neid und Unzufriedenheit allgemach an die Stelle der Liebe treten sollten.

Jedenfalls sind uns all diese dunklen und trüben Dinge lange genug vorgedeutet worden, daß ein großer Teil der Menschen auf dem Dorfe sie nun auch wirkt ch glaubt. Eines hat dieser Glaube schon erreicht: Es ist in unser Leben ein gewisser Zug von grämlicher 23er»

Das neue Dorf bedeutet eine seelische Erneuerung, eine Umwandlung in der geistigen Haltung der Dors- bewohner zu den Dingen der Gegenwart. Dazu gehört in erster Linie mehr Selbstbewußtsein.

Es ist heute doch schon so, daß der Dorfbewohner, in erster Linie der Bauer, sich für den ärmsten, verachtet- sten und vernachlässigsten Menschen auf Gottes weiter Welt hält. Schuld daran ist die Notlage der Zeit, die so viel wirtschaftliche und politische Verhetzung brachte. Bleiben wir zunächst beim Politischen. Es ist eine Selbstverständlichkeit und unser gutes Recht, für sachgemäße und zufriedenstellende Vertretung unserer Interessen im Parlament zu sorgen. Aber man darf bei alledem nicht vergessen, daß es in Deutschland nicht nur Bauern, sondern auch noch andere Menschen gibt, die ebenfalls leben wollen. Und das Parlament ist nicb* dazu da, um einzelnen Ständen Vorteile zu verschaffen, sondern um allen zu dienen. Leider gibt es heutzu­tage politische Parteien genug, die nur von der Ver- hetzung leben und bewußt die Unzufriedenheit breiter Volksmassen Hervorrufen, um sie dann in ihrem Sinne und zu ihrem Vorteil auszubeuten. Sie haben es leicht denn nichts ist einfacher, als Unzufriedenheit zu erzeu­gen. Dazu ist nämlich immer Grund vorhanden, so lange wir in dieser unvollkommenen $3elt leben. Eine gefüllte Scheune anzuzünden ist keine Kleinigkeit, sie zu bauen und zu füllen ist etwas schwerer. In politischer

Unter dieser Ueberschrift richtet Studienrat Walter Peters in Dillenburg (Nassau) in der Münchener „Allgemeinen Rundschau", Wochen­schrift für Politik und Kultur, ein offnes Wort an die Mitglieder der katholischen akademischen Verbände, das wir hier gekürzt wiedergeben.

Rheinland halten zu können. Um Reparationen war es ihnen nicht so sehr zu tun, als um den Besitz des Rheins.

Erst dieser Tage las ich wieder in den Erinnerungen des französischen Marschalls Fach. Immer kehrt dort der Ruf nach der Rheingrenze wieder. Deutschland müßte gedemütigt und der Rheinlande beraubt werden. Sonst wäre der Krieg umsonst geführt.

Und wie liegen die Dinge ein Jahrzehnt nach dem Friedensdiktat? Das Rheinland ist zum größten Teil frei und die noch besetzten Teil« werden in diesem Jahre geräumt. Das ist eine Tatsache, die man mit lauten Reden und billigen Mätzchen nicht entkräften kann. Das konnte nur erreicht werden durch die Verständi­gungspolitik, die von den Zentrumsministern ein- geleitet und später von Stresemann erfolgreich weiter geführt worden ist. Man mußte den Franzosen den Wind aus den Segeln nehmen. Als damals die schwe­ren Entscheidungen getroffen werden mußten, gab cs noch keine Rechtsradikalen. In dieser furchtbaren Not­zeit, in der es um den Bestand des deutschen Reiches ging, war keine Zeit für politisches Kraftmeiertum. Was wäre auch aus Deutschland geworden, wenn die Männer an entscheidender Stelle solche Redereien von sich gegeben hätten, wie es viele nationalsozialistische Größen zur Genüge tun. Man braucht nur daran zu denken, was für ein primitives Weltbild z. B. der Nürnberger „Stürmer" in der letzten nationalsoziali­stischen Versammlung im Stadtsaal zu Fulda zeigte.

Warum sage ich das alles einmal? Weil es not­wendig erscheint, daß in allen Schichten politisches und geschichtliches Denken gepflegt wird. Hätten die katho­lischen Vereine stets politische Bildungsarbeit getrie­ben, dann brauchte niemand — wozu übrigens auch so wirklich fein Anlaß vorliegt — von einer Gefahr zu reden. Vielleicht merken aber manche Leute, daß die Zeit der Geruhsamkeit vorbei ist. Der Kamps ist ent­brannt. Die katholische Jugend braucht ihn nicht zu scheuen. Weil für sie Christus und die Kirche im Mittelpunkt des Lebens steht, wird sie nicht heute kommunistisch, morgen nationalsozialistisch sein. Sie hat einen festen Halt in ihrem Glauben. Not­wendig ist aber auch, daß sie die politische Wirklichkeit erkennt und die Strömungen zu sichten weiß. Dann wird bald klar werden, daß es keinen Zweck hat, gegen den Bolschewismus zu predigen und untätig mit anzu­sehen, wie der Rechtsradikalismus die Jugend verseucht.

Lin offenes Wort.

Auslese oder Sammlung? Frage ist seit langem in den katholischen Verbänden ein heftiger Streit entbrannt.

drossenheit gekommen, der zu nichts nützt als nur dazu, unser Leben schwerer zu machen Diese Schwere besteht in der Hauptsache nur in unserer Einbildung, denn auch alle heiteren und lichten Dinge sind noch da wie einst wir sehen sie nur nicht, weil wir die dunkle Brille des Mißmutes und der 23erbitterung tragen.

Es wird für uns auf dem Dorfe ernstlich Zeit, daß wir uns darauf beginnen, was wir sind und was wir haben. Wir lassen uns viel zu viel von Fremden Vor­reden, also von Leuten, die an unserem wirklichen Wohlergehen herzlich wenig Interesse haben, denen es nur daraus ankommt, uns vor ihren Wagen zu span­nen, der mag nun heißen Politik ober wie er sonst will. Wir. s i n d nicht die benachteiligten Menschen und „Dummen Bauern", so lange wir uns nicht selbst da­für halten. Verloren ist nur, wer sich selbst aufgibt oder von anderen sein Heil erwartet

Zu Beiden aber haben wir durchaus keinen Grund. Der Bauernstand ist derjenige Stand, von dem inbezug auf allseitige Tüchtigkeit mehr verlangt wird als von irgendeinem anderen Erwerbszweig. Der „dumme Bauer" weiß und kann gewöhnlich ein ganz Teil mehr als derjenige, der chn so nennt. Nur das Mundwerk fehlt ihm manchmal, und das wollen mir getrost anderen überlassen.

Darauf wollen wir nicht vergessen, daß all die Dinge, die das Leben wirklich schön und froh machen, jenseits aller Politik und Wirtschaft liegen, und daß wir Bauern diesen Dingen näher stehen als alle die, die wir vielleicht beneiden.

Vielleicht auch ist es der Jugend vorbehalten, diesen starken Glauben an die Werthaftigkeit des Bauernstan­des und damit an die Zukunft des Dorfes 'm vollem Maße aufzubringen. Denn das neue Dorf ist eine Sache, die wir zu bauen haben für die Zukunft, und die gehört der Jugend. L.

könnt, daß die katholischen Standesvereine der Kauf­leute, Männer, Mütter, Arbeiter, Gesellen, Jünglinge und Jungfrauen bereitwillig jeden ausnehmen, der mit gutem Willen zu ihnen kommt, daß das aber bei sehr vielen katholischen Studentenkorporationen heute nicht der Fall ist: nicht mehr, denn in den fünfziger Jah­ren des vorigen Jahrhunderts, als in Berlin der aka­demische Leseverein entstand, nahm man jeden anständigen katholischen Studenten freudig auf; die Gründer des Leseoereins führte die gemeinsame Welt­anschauung zusammen und der Wunsch und die Not­wendigkeit, die jungen Studenten vor den Gefahren der Großstadt zu schützen und ihnen Rüstzeug zu geben, im Kampfe wider Unglauben und Unmoral. Diese seriöse Auffassung kam sinnfällig zum Ausdruck in dem schönen Wappen des Vereins, dem goldenen Kreuz auf schwarzem Grunde mit dem mutigen Wahlspruch: 'Crux Christi noftra corona! In einem vorn ersten Ordner dieses Vereins an den Breslauer Leseverein gerichteten Briefe vorn 8. Februar 1845 heißt es, sie hätten an die Spitze ihrer Satzungen

die Förderung katholischen Leben» katholische Geselligkeit, Wissenschaft und Kunst ge­stellt. Und wie ist es heute?

Ja stehen denn die heutigen katholischen Studenten­verbände, die doch mehr oder weniger aus dem Berliner „Leseoerein" erwachsen sind, nicht mehr zu den Idealen der Gründer? Auf dem Boden der Religion, Wissenschaft und Freundschaft sind doch die rund 300 katholischen Studentenkorporationen veran­kert? Erfreuen sie sich denn nicht hoher Wertschätzung

Ob unsere Jungen, in ihrem Erdreisten, Wirklich was Besseres schassen und leisten, 9b dem Parnasse sie näher gekommen Oder bloß einen Maulwurfshügel erklommen, Ob sie, mit anderen Neusittenverfechtern, Die Menschheit bessern ober verschlechtern, Ob sie Frieden sä'n ober Sturm entfachen, Ob sie Himmel oder Hölle machen — Eins läßt sie stehn auf siegreichem Grunde: Sie haben den Tag, sie haben die Stunde; Der Mohr kann gehn, neu Spiel hebt an, Sie beherrschen die Szene, sie find dran.

Theodor Fontane.

von feiten der deutschen Bischöfe? Sind aus ihnen denn nicht die Führer des deutschen Katholizismus er» wachsen? „. . . und da wollen Sie anscheinend be» hauptrn, es sei da etwas nicht in Drbnungl"

Der „einfache" Mann, der es fertig brachte, feinen talentierten Sohn auf die Universität zu schicken, wird vielleicht selbst die Antwort geben, wenn fein Junge in den Ferien nach Hause kommt und erzählt. „Ja, lieber Vater, was Du dir nicht denkst! Ich wollte gern aktiv werden, aber sie haben mich abgelehnt; ich mar ihnen wohl nicht fein genug. Und dann sagten sie auch, sie wollten nicht so viele Füchse haben. . ."

Wir wollen bas Gespräch von Dater und Sohn nicht weiter belauschen, sondern gleich klipp und klar es aus­sprechen: Hier ist die Tradition von 1854 verlassen. Jene riefen: „Willkommen, herzlich willkommen ihr, die ihr guten Willens seid!" diese — es find natürlich nur die gemeint, die es angeht, — weh» rett ängstlich ab: „Nein, meine Herren, wir bedauern lebhaft, aber es geht wirklich nicht, unfern Kreis- noch zu vergrößern" usw.

Prüfen wir nun einmal in Ruhe die Korporations- auffaffung vom Standpunkt natürlich empfindender Eltern aus. Da sind die meisten vollauf zufrieden mit der Feststellung: es ist eine katholische Korpora­tion, also —, werden unsere Söhne dort gut aufgehoben fein. Man stellt sich also das religiöse Leben in solchen Korporationen etwa in den Formen vor, wie es in einer gebildeten katholischen Familie gepflegt wird. Die katholische Korporation erscheint dem Volke so ähnlich wie das katholische Gotteshaus, in dessen Frieden man sich geborgen fühlt und wo man eine rechte Freude spürt, wenn recht viele einmütig kräftig beten und fin­gen. Das ist die allgemeine Auffassung der Katholiken von ihren Korporationen, und so haben es auch die Gründer gemeint. Was darüber hinaus noch die Ein­sichtsvollen an Wünschen und Beanstandungen haben, soll im folgenden kurz gezeigt werden.

Was das religiöse Leben betrifft, so tenneh wir di« Forderungen der Kirche, wir wissen aber auch um die Problematik der Jugendzeit, und jeder Feinnervige wird es peinlich empfinden, wenn in die fchönsten Aus­strahlungen der lebendigen Religiosität der Schlagschat­

Gedanken T.

Das neue Dors.

Etwas mehr Selbstbervutzkfem

Alten und die Jungen

Unverständlich sind uns die Jungen" Wirb von den Alten beständig gesungen; Meinerseits möcht ichs damit halten:

Unverständlich sind mir die Alten." Öiefes am Ruder bleiben Wollen 3n allen Stücken und allen Rollen, Dicfes sich unentbehrlich Vermeinen Samt ihrer „Augen stillem Weinen", Als wäre der Welt ein Weh getan — Ach ich kann es nicht verstahn.

Man hält Euch für dumm!

Laßt Luch nichts vormachen!

bezahlte Agitatoren, kleine „Berufspolitiker", ziehen von Dorf zu Dorf und halten bombastische Reden. Und Ihr seid davon erschüttert, sagt: „Donnerwetter, da ha- , den sie es aber wieder einmal gesagt bekommen, die i Großen, die Marxisten, die Juden!" Ihr freut Euch darüber. Wir Jungen sind ja stets dabei, wenn starke Worte geredet werden und gebrauchen sie gerne selber. Aber hüten wir uns, durch irgend ein Schlagwort, durch eine kühne Behauptung durch den Eindruck, daß die Redner in dem einen oder anderen Punkt recht ha­ben, uns die nüchterne Uebertegung rauben zu lassen. | Politik ist nicht allein Fanatismus, ist kein Rausch, son­dern kann nur gemacht werden nach harter Schulungs- M «beit, gestützt auf mühsam erworbene Erfahrung, mit klarem Blick für die Wirklichkeit, mit kühlem Verstand, j der sich paaren muß mit einer schönen Begeisterung i und opferbereiten Hingabe an die Idee.

Glaubt nicht alles, was Euch vorgeredet wird; glaubt ; am allerwenigsten denjenigen, die alle übrigen, die nicht ihrer Meinung sind, Lügner und Verräter nennen. Das sind keine Leute, denen man Vertrauen schenken kann. Man mag sie ruhig anhören, darf sich aber nicht über- tulpeln lassen.

Alle diese Redner stimmen ein Jammerlied an auf unsere schlechte Lage, die nur durch die Sozialdemokratie und das Zentrum verschuldet sei. Wenn wir nicht so t vergeßlich tnärer-, und noch urller dem Eindruck der Notzeit nach dem verlorenen Krieg ständen, würde e« ihnen schwerer fallen, kühn zu behaupten, die Regie- rungen nach dem Kriege hä t.t das deutsche Volk ins Unglürf gesührt. So tauchen aber in Versammlungen die schon oft widerlegten Mären, wie dieDolchstoßlegende, die bewußte Versklavung des deutschen Volkes usw. mit einer ermüdenden Regelmäßigkeit auf.

2ßas ist wahres daran? Wahr ist, daß Ludendorff, der ehemalige Kampfgenosse der Nationalsozialisten — die ihm aber jetzt schon nicht mehr entschieden genug fmb — im November 1918 die deutsche Regierung be> p®or, unter allen Umständen einen Waffen- tUftanb abzuschließen. Die Armee s i am Zusammen- vrechen. Urb der Waffenstillstand, den wir uns dann gefallen lassen mußten war so, daß er uns wehrlos Nadjte. Wir hatten den Krieg verloren. Frische Ar­meen standen zum Einmarsch nach Deutschland bereit.

Weiter wird gesagt, die Maßnahmen der deutschen Regierungen nach dem Kriege seien ein Anhäufung von Mißerfolgen. Man kann ruhig zugeben, daß die Staats» der Nachkriegszeit nicht immer eine glückliche 7?® Rotten. Aber sie waren doch um ein Beträcht- i 8 geschickter ui d hellsichtiger als die preußischen l iaotsmänner in den letzten Jahrzehnten vor dem ^as beweist schon eine Tatsache. Das fron» I Ä»!: .Kriegsziel, um das sie mit einer verbissenen j^Weit kämpften, war -feie Rheingrenze. Noch ty^g 1923 hofften sie durch den Ruhreinbruch das

An Mahnwork an alle Akademiker.

Was verlangt das kath.Volk von feinen Studentenkorporatronen?

Ilr. Hl

Beilage zur Fuldaer Zeitung

14. Mai

Üneipe im Verbindungsheim.

Jlur eine Erzählung aus der Vorkriegszeit?

Die folgende Schilderung eines studentischen Kneipabends ist dem prachtvollen Buch Hel­mut Harringa entnommen, das jeder rei» *ere Junge lesen sollte. Wenn die Geschichte °uch schon vor dem Kriege geschrieben ist, so daß annehmcn sollte, heute sei die Haltung in uen studentischen Korporationen durchweg an» 7®15- so muß man doch gestehen, daß es auch w*te Korporationen gibt, in denen in der hier WWÜberten Weise „erzogen" wird. Auch katho- mche Korporationen soll es vereinzelt geben, die Streben darauf richten, dem hier ge­milderten „Ideal" gleichzukommen. Sie haben ”nn allerdings kein Recht mehr, sich kacholisch »u nennen. Zur Ehrenrettung der Korporatio- muß man ober hinzufügen, daß in vielen Tugend- und Sportbewegung einen Um» 3?toung durchgesetzt hat. Der hier geschilderte einer Verbindung dürfte aber in Preußen |||» Ble Sanz ausfterben.

^f>enbI7ne^Onnentoen^e neunzehnhundertundvSer. Der LÄHch- *%. t?arm auf den blauen Wassern der Kieler Sriekr'A nnen in der Stadt war es heiß.

S wischte sich den Schweiß von der

Wk m sah er von seiner Doktorarbeit auf, an t ganzen Nachmittag geschrieben hatte. Ge- (t r deute.

t”3 ^enfter. Unten auf dem Steinpflaster , O? rc3e lag die Sonne. Die Kinder des Krä- keren*1? ,a®ten sich lachend herum auf der men» ■jto+r Straße. Nun schollen Schritte von links. J“®WKn gingen vorbei, jeder ein frisches Mäd- rm 3*6* waren sie um die Ecke. Da hin- leT'.wanb eben der letzte Schimmer der Hellen K Daitzstraße.

Sn Harringa blickte ihnen nach. Er reckte fatrf, es roar einer der Augenblicke, wo Jy’^eJStrömen seines Blutes, das in der Som- "•* blühte, fast schmerzlich empfand,

Aber nicht lange. Dann mündete das wieder, wie fönst, in das königliche Bewußtsein, daß er der Mann dazu war, diesen Mächten zu gebietep.

Dank dafür den Eltern! Die ihm und den Geschw-- ffern die Wunder der Zeugung nicht mit dem Schleier schreckhaften Geheimnisses umgeben hatten. Die dafür gesorgt, daß ihre Kinder ausgewachsen waren in reiner Erkenntnis, im klaren Wissen, daß die höchste Pflicht, die das Leben von ihnen verlange, die sei gegen das Geschlecht, bas einst nach ihnen komme. Und wurde das Blut einmal zu rebellisch— da gab es ja draußen die Föhrde zum Segeln, Rudern und Schwimmen. — Uebrigens, es war ja schon gleich halb acht. Er mußte sich sogar beeilen, wenn er noch rechtzeitig an. der Re- ventlowbrücke sein wollte, wo er seine Freunde, den jungen Professor der Nationalökonomie, den Museums­direktor und den Engländer Fitzwittiams, fast allabend­lich zum Rudern traf.

Aber, das ging ja heute gar nicht. Nein, zum Teu­fel, heute war ja Dienstag, der einundzwanzigfte Juni. Wie leicht man doch Dinge vergaß, zu denen man keine Lust hatte. Friedrich Harringa verzehrte in Eile das Butterbrot und das kalte Fleisch, die ihm seine Wirtin schon vor einer Stunde ins Zimmer getragen hatte; bann zog er sich mit Sorgfalt um. Als er fertig war, nahm er aus der Pappschachtel, die unten im Kleider­schrank stand, bas rot-weiß-rote Banb feines Göttinger Korps „Hansa" heraus unb befestigte es schräg von rechts nach links über ber weißen Weste. Aus dersel­ben Schachtel nahm er bann die rote Schirmmütze und verließ das Haus in ber Richtung nach dem Hauptbahn­hof.

Ja, es war eine Notwendigkeit, der er folgen mußte, o b gern oder ungern: Neben der „Holfatia" und der „Saxonia", die in Kiel von jeher bestanden, hatte sich dort vor drei Jahren ein drittes Korps, die „Baltia", aufgetan. Und nun. vor ganz kurzer Zeit, waren die Balten mit den Göttinger Hanseaten in Kartell getre­ten. Heute abend war Friedrich Harringa als Ange­höriger des Kartellkorps ofsiziell auf der Balten­kneipe eingeladen. Cs half ihm nichts, er mußte hin.

Seine Korpszeit hatte ihm ja eine recht geringe Be­geisterung hinterlaffen. Seit er aus Göttingen weg

I war — das war nun bald drei Jahre her — hatte ihn zufällig nichts genötigt, sich wieder auf einer Korps­kneipe sehen zu lassen. Es war vielleicht ganz gut, daß er hier einmal Gelegenheit sand, die Göttinger Ein­drücke nachzuprüfen. Er war älter geworden, doch wohl auch gerechter. Vielleicht sah die Sache jetzt, wo er ihr viel freier gegenüber stand, besser aus, viel­leicht auch war sie mit der fortschreitenden Zeit wirk­lich besser geworden.

Das Korps Baltia hatte fein Heim in dem Anbau von Muhls Hotel aufgefchlagen. Als Friedrich Har­ringa vor dem Haufe anlangte, sah er, wie von der Straße „Sophienblatt" her ein untersetzter junger Mann auf ihn zukam, der ebenfalls die Farben seines Göttinger Korps trug. „So du bist das, Mosler. Ach ja, selbstverständlich, du mußt ja heute abend auch kommen".

Mosler stammte aus Köln, studierte. Medizin und war mit Friedrich zusammen in Göttingen aktiv gewe­sen. Friedrich hatte ihn hier in Kiel bisher nur selten gesehen und seinen Umgang nicht gesucht. Beide be­traten den Anbau zu Muhls Hotel. Mosler, ber ein Semester jünger war, ließ Friedrich Harringa höflich den Vortritt.

Oben waren die Balten um diese Zeit schon voll­zählig. Während sich die Uebrigen in dem geräumi­gen Kneipzimmer versammelten, hielt der zweite Char­gierte Pornhagen den Fuchsmajor Medow noch in ei­nem Nebenzimmer fest.

„Du, Medow, ich muß dich noch einen Augenblick sprechen."

„Bitte, ganz zu deiner Verfügung. Was gibts?" „Es betrifft einen von deinen Füchsen." „Wen denn?"

„Holt."

„Hält' ich mir denken können", murmelte Medow mit ärgerlichem Gesicht und fragte dann: „Was hat der denn wieder angeftellt?"

„Ja, lieber Freund", sagte Pornhagen, „ich weiß ja, wie prachtvoll du die Füchse in Zucht hast und kann mir denken, wie es dich ärgert, wenn die Sache mal nicht klappt. Aber den Holt mußt du wirklich noch ganz anders schleifen, er blamiert uns sonst noch einmal vor

aller Oeffentlichkeit. — Also am vorigen Sonntagnach­mittag gehen wir drei Chargierten, Ahlefelb, ich unb Lührs, von Möltenort nach Laboe. Vorher — auf dem Dampfer von Kiel nach Möltenort — hatten mir »en Holt getroffen, und Ahlefelb hatte ihn aufgeforbert, mitzukommen. Wie wir durch die „Gründe" marschie­ren, benutzte ich die Gelegenheit, um mich mit den beiden andern mal ordentlich drüber auszusprechen, wie wirs eigentlich im hiesigen S. C. auf die Dauer mit dem Schulterzwang bei der Menfur halten wollen. Du weißt ja, da find noch Meinungsverschiedenheiten mit der Holsatia, und die Sache ist sehr wichtig. Wie wir da dicht bei Fort Korügen sind, da sagt mit einem Male dieser Mensch, der Holt: „Hört mal, könnten wir nicht endlich dieses langweilige Gespräch aufgeben und uns etwas an der Gegend freuen?" Unb bleibt gleich­zeitig stehen und zeigte eine Schlucht hinunter auf bie See. Ich denke doch, ich soll lang hinschlagen. Solchen Mangel an Ehrerbietung gegen Korpsburschen, bie da­zu noch drei, vier Semester älter sind, habe ich noch nie bei einem Fuchs gesehen. Unb, lieber Freund, da­für bist du verantwortlich. Du hast ihn zu erziehen. Wenn der so weitermacht, endet er als Sozialdemo­krat." (Hu!)

Medow wurde ganz blaß vor Zorn. „Zum Teu­fel, daß mir bas passieren muß. Na warte, Bürsch­chen, bich werbe ich kriegen". Unb zu Pornhagen ge- wenbet: „Und wie kam die Geschichte zum Schluß?"

„Ja", sagte Pornhagen, „bas ist eigentlich da» allertollfte, unb deshalb hauptsächlich spreche ich mit dir: Also stelle dir vor, wie ich den Bengel gerade zu- sammei^chnauzen will, da höre ich plötzlich Ahlefeld ne­ben mir sagen: „Weiß Gott, der Junge hat recht", unb bann stellt er sich zu ihm, und bie beiden fimpeln zu­sammen vom Wald und von der See."

„Siehst du wohl, wie recht ich damals gehabt habe", antwortete Medow, „als ich davor warnte, Ahlefeld jum ersten Chargierten zu machen. Der ist eben lange nicht scharf genug: Naturschwärmer, Schillerverehrer und io --S “

(Fortsetzung folgt)