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Dienstag, 13. Mai 1930

Ilr. HO

57. Mrg

Die 59, Tagung des Mkerbundsrales

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Der Preußenlag des Zentrums

sind.

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VDlutt tragen soll, so muß sie auch ibre

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Die Rede, die der Führer des preußischen Zen­trums Dr. Josef Heß auf dem Parteitag am Sonn­tag gehalten hat, zeichnet sich durch die Einfachheit der Gedankenführung ebenso aus wie durch eine hieb- und stichfeste Sachlichkeit der Feststellungen, mögen sie sich nun an die eigene Partei oder nach links oder nach rechts richten. Am wichtigsten war das, was Heß zum Verhältnis der Pressefraktion zu den Sozialdemokraten sagte. Positiv: es wird die Sozialdemokraten interessieren, daß unsere

Vertreter in Preußen mit demReichs- kanzler dauernd in enger Fühlung Auch daß Heß die Große Koalition in

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ernst ist, und das eigentliche Derfassungsministe< rium leitet ein Mann, der es sich seit Jahren zur besonderen Aufgabe gemacht hat, die deutsche re­publikanische Idee zu mobilisieren. Dennoch war es verdienstlich, daß Dr. Heß zum Schluß das her­ausstellte, was für die deutschen Katholiken nach dem Umsturz zu einem politischen Postament ge­worden ist, das Bekenntnis zur Demokratie. Un­sere Partei, so sagte Dr. Heß, wird auch in Zu­kunft ein Hort sein für die Idee der deutschen Re­publik, und sprach damit der großen Versamm­lung aus dem Herzen. Wir bleiben wachsam nach rechts wie nach links, wir haben, wie Heß früher einmal gesagt hat, nach links unsere Welt­anschauung zu verteidigen, nach re e ch t i unsere Konfession, aber wir führen diesen Zweifrontenkampf auf der Plattform und mit den Mitteln der republikanischen Demo, k r a t i e.

inldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Mit fmCinlrat Dr. Porfch leitete den Parteitag ein. Un- - Beifall und langanhaltendem Hände- .Zahlte der Parteitag einstimmig*den btteftnr ^r Landtagsfraktion, Regierungs- > Dr- Heß zum Vorsitzenden der Preußi- l^umspartei, der auch die Wahl annimmt, ^'chrr Weise einmütig erfolgte die Wahl ATnr£t Dr. Dr. Porsch und Landesökonv- ^erold zu Ehrenvorsitzenden der Partei. Erklärte der neue Parteichef Dr. Heß ..^Eüag für eröffnet. Nach einer Begrü- . ^Parteitages durch Dr. Pfeifer-München, , der Bayrischen Volkspartei über- k_,;Utattete Dr. Heß in seiner Eigenschaft DWÜder der Landtagsfrattion den Bericht l oL^t-sche Lage in Preußen. Die soge- ^.andersimferenz habe Klarheit darüber ge- - oatz für eine Neuaufteilung des ' s und Zerschlagung Preußens, -st Prhtarische Mehrheit nirgends zu k,:'.,Die Zentrumsfraktion des Landtags -in ^Ier Überzeugung, daß es für Deutsch- *c9en wäre, wenn man versuchen wollte, Struktur etwas wesentliches zu ändern.

.."Er bespricht dann zunächst die Enttvick- vreutzischen Politik seit 1920. Der staats- «ufbau der jungen preußischen Republik r und stetig vollzogen. Den Be- . politischen Krise habe

Preußen an sich für wünschenswerter hielt». Schließlich auch, wie Dr. Heß das Ausscheiden der Sozialdemokratie aus dem Reichskabinett beur­teilt. Es ist ihr vielleicht noch nie von Zentrums­seite so deutlich gesagt worden, was sich damals Ende März eigentlich vollzogen hat. Daß nämlich die stärkste deutsche Partei eifrig nach einer Hintertür gespäht hat, um sich den innerpoli­tischen Konsequenzen des Poung-Plans zu ent­ziehen. Diese historische Schuld ist vor dem Par­teitag am Sonntag nochmals festgelegt worden.

Trotzdem wäre es verkehrt, wollte man ver­langen, daß mit Rücksicht auf die neue Koalition im Reich nun das Zentrum in Preußen eine Lö­sung von seinen bisherigen Verbündeten suchte. Ge­rade die Teile der Dr. Heß'schen Rede, die sich mit dem Verhältnis der Gesamtpartei zu den Länder­fraktionen beschäftigten, wurden besonders auf­merksam uni) zustimmend ausgenommen. Diese Länderfraktionen und natürlich in erster Reihe dje des Landes Preußen müssen in ihren politische. Beschlüssen selbstständig bleiben. Sie bilden, und gerade wieder in Preußen, für unsichere Politik des Reichskurses eine Art Richtziel und Anker- grunb; und von dieser Erkenntnis dürfen wir uns nicht abbringen lassen. Vor allem wäre es ver­kehrt, wollten wir uns nicht über die eigentlichen Motive derjenigen klar fein, die nun sä'on Jahr um Jahr immer wieder die Weimarer Koalition in Preußen sprengen oder unterhöhlen möchten. Auch Drohungen, wie sie soeben wieder in der „Kreuz-Zeitung" zu lesen sind, können weder in Preußen noch im Reich das Zentrum von seinem politischen Wege abbringen. Freilich haben die Deutschnationalen ihre wahre Auffassung von der gegenwärtigen politischen Lage ja am deutlichsten vor einigen Tagen selbst bekundet, als sie mit der verhaßten Koalition gegen die Auflösung des Landtages stimmten.

Dr. Heß kam auch noch einmal auf die Beru­fung eines Sozialdemokraten zum Kultusminister zu sprechen. Leider, so möchte man sagen, hat er recht, der katholische Volksteil hat von einem so­zialdemokratischen Kultusminister nicht weniger und nicht mehr zu erwarten, als von einem demo­kratischen und einem volksparteilichen. Wir ha­ben ja Herren dieser beiden anderen Richtungen an der Arbeit gesehen. Dem Liberalismus wie der Sozialdemokratie ist die Feind­schaft gegen 8as positive Christentum in gleicher Weise eigen. So liegen die Verhältnisse in Deutsch­land nun einmal. Trotzdem bedeutet die Hinnahme eines sozialdemokratischen Unterrichtsministers für das Zentrum kein Sichabfinden mit sozialistischen Tendenzen, ob sie nun in gröberer oder verdeckterer Form aulftreten. Es beginnt ein Kulturbolschewis­mus in Deutschland an Boden zu gewinnen, gegen den wir das stärkste Einsetzen staatlicher Machtmit­tel verlangen.. Auch darüber hat Dr. Heß sehr deutliche Worte gesprochen.

Die Schlußgedanken der großen Rede konnte man als ein Signal für diejenigen empfinden, welche immer noch die Hoffnung hegen, das gegen­wärtige Reichskabinett irgendwie für reaktio­näre Zwecke einspannen zu können. Zwar sind olche Erwartungen in sich töricht, wenn auch diese oder jene Gruppe auf diesen ober jenen Minister allerhand Wünsche richten möchte. An der Spitze der Reichsregierung steht ein Zentrumsmann, dem es um die Hochhaltuna demokratischer Grundsätze

wtb. Genf, 12. Mai. (Eig. Meld.) Der Völker­rat ist heute vormittag um 11 Uhr unter dem des neuen Ratspräsidenten, des jugosla- Mchm Außenministers M a r in ko w it s ch , zu öO. Tagung zusammengetreten. Die Rctts- J&aung begann wie üblich mit einer vertraulichen Ijtzurg, die u. a. die endgültige Absetzung des i jarisch-rumänischen Optantenstreits von den Ratsgeschästen brachte. Diese Frage, die den Rat fast ununterbrochen sieben Jahre beschäftigte und W wiederholt vor schwierige juristische und poll- bfche Probleme stellt-, gilt nach Regelung der Ostrcparationen als erledigt. Außerdem erle- biate der Rat in der vertraulichen Eröffnungs­sitzung eine Reihe von administrativen Fragen, in denen die Demission des bisherigen amerika­

politische Linie selbst bestimmen. Sie orientiert sich grundsätzlich natürlich zunächst an den Verhält­nissen in Preußen selbst. Andererseits möchte ich allerdings auch keinen Zweifel darüber lassen, daß die Orientierung unserer Politik in Preußen eben­sogut durch andere Umstände beinflußt werden kann. In weiten Kreisen der Zentrumspartei wird z. B. augenblicklich die Frage erörtert, wie die preußische Zentrumsfraktion sich zu der Oppo­sition der Sozialdemokratie im Reich gegen das Kabinett Brüning zu stellen gedenke. Es wird wohl nicht verkannt werden können, daß sowohl der Mangel an Verantwortungsgefühl bei der Sozialdemokratie im Reich, wie auch die rücksichts­lose Form der Opposition, die seit Wochen in der ganzen sozialdemokratischen Presse getrieben wird, für das staatspolitische Zusammenarbeiten der jetzi­gen Koalition in Preußen zum mindesten nicht förderlich ist. Es muß durchaus aner­kannt werden, daß der preußische Ministerpräsident für die von uns erhobenen Beschwerden alsbald volles Verständnis bekundet hat. Ob seine Ein­flußnahme nach dem Reich hin von Erfolg be­gleitet fein wird, bleibt abzuwarten. Der Redner wendet sich nun der Koalitionspolitik in Preußen zu. Der große Erfolg des Zentrums war das Konkordat. Das Konkordat ist ein historisches Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Der Deutschen Zentrumspartei ist es hier zum ersten Male in ihrer stolzen Geschichte vergönnt gewesen, eine große parlamentarische Aktion in unmittel­barer Verbindung und in engster Gemeinsamkeit mit dem Heiligen Stuhl durchzukämpfen. Der s o - sialdemokratische Kultusminister in Preußen ist ein unbequemes Minus, wenn dies auch gegen das überragende Plus des Konkor­dates in den Hintergrund zu treten hat. Ein Sozialdemokrat als Kultusminister löst bei der Wählerschaft des Zentrums besonders unbehagliche Gefühle aus. Unverändert geblieben ist auch die isolierte Stellung der katholischen Kirche inner- halb der verschiedenen weltanschaulichen Strömun­gen in Deutschland überhaupt. Dagegen hat sich grundlegend geändert die Bewegungsfreiheit der Katholiken auf staatspolitischem Gebiete. Die große Emanzipation, die uns Katholiken mit der deut­schen Demokratie erstanden ist, hat dem Zentrum mit einem Schlage ganz andere Auswirkungsmög­lichkeiten verschafft. Darin besteht der große Wan­del unserer Zeit, und daraus resultiert auch die ganz veränderte Arbeitsweise unserer Zentmms- fraktion.

Solange bet deutsche Katholizismus sich eine starke politische Vertretung zu wahren versteht, dürfte es ausgeschlossen erscheinen, daß man über die Respektierung berechtigter Ansprüche der katho­lischen Kirche zur Tagesordnung überzugehen ver­sucht.

Der Redner weist bann darauf hin, daß die jetzige preußische Regierung bekanntlich in einem Kampf gegen die Volkspartei stehe. Die Volks­partei habe es sich selbst zuzuschreiben, wenn die bestehende Koalition förmlich zusammengeschweißt wurde gegen eine ziffernmäßig fast gleich starke Opposition. Zu stürzen sei sie nicht, es sei denn durch sie selbst. Andererseits könne sie auch nicht als ein oollbesriedigender Zustand angesprochen werden. So wie die politischen Machtverhältnisse in Deutschland gelagert sind, wäre im allgemeinen die Form der Großen Koalition das Dernünstigste. Die Weiterentwicklung müssen wir abwarten. Mag eine zukünftige Regierung in Preußen ausfehen wie sie will: legt sie Wert dar­auf, daß das Zentrum an ihr beteiligt ist, so muß ihre demokratische Einstellung und ihre Verfassungstreue unzweideutig feststehen.

Der nächste Teil der Tagung war wirt- s ch a f t l i ch e n Erörterungen gewidmet. Das ein­leitende Referat erstattete Prof. Dr. Brauer- Köln. In der folgenden Aussprache trat Minister Stegerwald irrtümlichen Auffassungen entgegen, die in der Versammlung über das Referat Brauers entstanden waren. Er betonte u. a., daß die Steuerpolitik in den nächsten Jahren nicht so­zial fein könne, weil wir durch den verlorenen Krieg und die Reparationslasten eine vollständige Umstellung in Deutschland erfahren hätten. Die Ausgaben müßten vor allem beschränkt werden und man könne erst dann an einen Abbau der unliebsamen Steuern herantreten. Im übri­gen bleibe die Hoffnung nach wie vor, daß wir im Laufe der Jahre, wenn Politik und Wirtschaft wieder die Stabilität erreicht hätten, auch auf an­deren Gebieten Deutschlands vorwärts kämen Mi­

nister Hirtfiefer erörterte in kurzen treffenden Worten das wichtigste Problem der rich­tigen Verteilung der Bevölkerung auf Stadt und Land und wies bei dieser Gelegenheit nach, daß es gelungen sei, mit den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge 44 000 Landarbeiterwohnungen zu errichten. Wei­ter äußerte sich der Minister über die Frage der Lebensmittelversorgung durch Einfuhr und Eigen­produktion im Lande. Dann nahm der Partei­vorsitzende Abgeordneter Heß das Wort zu einer Schlußansprache, in der er noch einmal auf die systematische Agitation der Sozialdemokraten ge­gen das Kabinett Brüning und gegen die Person des Reichskanzlers hinwies. Auch der preußische Ministerpräsident Braun, gewiß ein Staatsmann von Format, habe sich mit Ernst gegen diese un­politische Hetze gewandt, aber der Appell Brauns, der offenbar in erster Linie an die sozialdemo­kratische Presse gerichtet worden sei, sei von dieser in keiner Weise befolgt worden. Auch unsere Gut­mütigkeit, so fuhr der Zentrumsredner fort, har ihre Grenze. Wenn es der sozialdemokratischen Parteileitung nicht gelingt, chre Presse auf eine einheitliche und gesunde Staatspolitik umzustellen, dann können wir letzten Endes auch nicht mehr mitmadjen. Es muß an dieser Stelle allen Ern­stes betont werden, daß wir das Gefühl haben, als wenn die Koalition in Preußen durch die sozialdemokratische Presse ausein- anbergetrieben werben solle. Zum Schluß stellte ber Redner fest, baß bie Deutsche Zen­trumspartei heute roieber in innerer Geschlossen­heit bastthe unb jeber politischen Zukunft ruhig entgegensehen könne. Jebenfalls sei sie ge­rüstet für alle fommenben politischen Eventuali­täten.

Zum Thema Verständigung.

Verhetzung ber elsässigen Schuljugend.

Der französische Ministerpräsident Tardieu hat soeben einen Entschluß gefaßt, ber geeignet ist, nicht allein in Elsaß-Lothringen ben Weg zu einer freiheitlichen Verwaltungsführung zu ebnen, son- bern Darüber hinaus auch bas deutsch-französische Verhältnis günstig zu beeinflussen. Er hat die durch die Autoiwinistenoerfolgungen belasteten Prä­fekten von Straßburg (Borromße) und Colmar (Susini) abberufen unb an ihre Stelle ben jetzigen Leiter unb Reorganisator ber französischen Natio­nalbank, Rolanb Marcel unb einen jüngeren Mit­arbeiter Tirards, Leon Noel, gesetzt. In einer amtlichen Verteidigung dieses, allen Beteiligten überraschend gekommenen Beschlusses ist geklärt worden, daß darin fein Anzeichen für „eine neue Politik" in Elsaß-Lothringen gesehen werden dürfe. Trotzdem darf man insbesondere aus ber Wahl Rolanb Marcels, bes neuen Präfekten von Straß­burg, gewisse Schlüsse ziehen. Er ist feit kurzer Zeit Norsitzenber bes Genfer Stubienausschusses^ der das Komitee für internationale geistige Zusam­menarbeit neugestalten soll, und dürfte auch aus seiner letzten Pariser Tätigkeit Verständnis für die Aufgaben eines französischen Repräsentanten im deutschsprachigen Grenzland Elsaß-Lothringen mit» bringen. Man darf daher bie Hoffnung ausspre» chen, daß Tardieu dem neuen Mann freie Hand läßt, um die engherzige Erschwerung der tulturet* len Verbindungen zwischen dem Elsaß und dem rechtsrheinischen Deutschland endlich und gründlich abzubauen.

Eine Aufgabe besonderer Art, die dringend einer Lösung harrt, erblicken wir m ber französischen Schul- unb Sprachenpolitik, bie entgegen allen schönen Reden von der „Notwendigkeit ber Zwei­sprachigkeit in Wirklichkeit noch immer auf bie Verkümmerung ber beukschen Muttersprache in El. saß-Lothringen zugeschnitten ist. Diese französische Schule ist aber in einer nicht minber bedenklichen Weise burch eine planmäßige Verunglimpfung des deutschen Volkes im Geschichtsunterricht belastet. Trotz Locarno ist beispielsweise heute noch die „Historie de France" von Ernest Lavisse im Ge­brauch, die einen ganzen Abschnitt mit dem Titel „Ehrgeiz und Stolz Deutschlands" (Ambition et or« gueil) enthält, in dem als Ursache des Welikrie- ges der Wunsch des deutschen Kaisers erscheint, „bie Erde zu beherrschen". „Deutschland beroaff» nete sich bis an die Zähne, es erspähte eine Gele­genheit oder einen Vorwand zum Kriege. Bei uns hoffte man trotzdem, den Krieg zu vermeiden. Wer würde denn wagen, durch Kriegserklärung ein so großes Verbrechen gegen die Menschheit zu begehen? Oesterreich unb Deutschland haben die­se- große Verbrechen begangen." Bei der Schilde­rung der Kriegsereignisse erfahren die elsässischen Kinder, deren Väter oder Brüder während des Krieges selbst den feldgrauen Rock getragen ha­ben: „Die Deutschen entehrten sich durch ihre Bar­barei . . . Die Barbaren (!) haben bie Brunnen zugeschütet; an manchen Orten haben sie sie ver­giftet .... Durch ein solches Verbrechen haben bie Deutschen die Verwünschungen (exscoation) der zivilisierten Welt verdient." (Atroce barbarie alle- rnande" betitelt sich ein ganzer Abschnitt dieses Schulbuches, das heute noch in elsässischen Schulen Verwendung findet.)

In einem anderen Geschichtsbuch von G. Gui- raub, bas für jüngere Schüler bestimmt ist, erschei­nen in einem Abschnitt über „Die deutschen Ver­brechen" sogar die abgehackten Kinberhänbchen' „Sie (bie Deutschen) besaßen einigemale bie Grau­samkeit, kleinen Kindern die Hände abzuschneiden um sie zu verhindern, später Soldaten zu werden."

In einem dritten Schulbuch der dreibändigen französischen Geschichte von Albert Malet und Ju­les Jsac heißt es wörtlich: „Der Krieg hat als tiefen und entscheidenden Grund das unermeßliche Streben Deutschlands, feinen Anspruch auf die Vorherrschaft, bie Notwendigkeit (!), in der es sick befand, um zu diesen Zielen zu gelangen, seinen Hauptgegner Frankreich zu unterjochen, ober zu zerbrechen (b'asservoir ou de briser)". Es wirb auch versichert, baß Deutschlnnb, .berauscht durch seine militärischen unb wirt'chaftlichen Erfolge", mehr als irgenb ein anderes Volk" eine imperia­listische und kriegslustige Gesinnung" gehabt habe. „Diese deutsche Mentalität, geschaffen aus Begehr­lichkeit (convo'ttises), Stolz, einem riesigen Appe­tit auf Beherrschung, vereinigt mit dem Kult der rohen Gewalt, dies ist, letzten Endes, der Haupt­grund des Krieges." Auch Malet-Jsaac sprachen von der deutschen „sauvagerie" (Wildheit) wäh­ren des Krieges: „Methodisch erhoben die Deut- chen den Terror zum System."

Der gleiche Professor Isaac ist verantwortlich für die Darstellung bes Krieges in einem weiteren

Nischen Richters im Haag, des jetzigen Obersten Richters der Vereinigten Staaten, Hughs zu er­wähnen ist.

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wtb. Basel, 12. Mai. (Eig. Meld.) Heute vor­mittag fand als Auftakt zu der auf 3 Uhr nach­mittags angesetzten Sitzung des Derwaltungsrats der B. I. Z. eine Fühlungnahme unter verschie­denen Mitgliedern des Verwaltungsrates statt. So statteten der Gouverneur der Dank von Frank­reich, Moreau, und der Gouverneur der Bank von Belgien, Frank, den beiden Amerikanern Mc. Garrah und Fraser einen Besuch ab, während die deutsche Vertretung int Derwaltungsrat in inten­siver Arbeit sich für die Nachmittagssitzung vorbe­reitet.

Den Auftakt des diesjährigen Parteitags der Preußischen Zentrumspartti bildete die Sitzung des Parteivorstandes am Samstag nachmittag. Sie wurde geleitet von dem verdienstvollen Vorsitzen­den Geheimrat Dr. Porsch und galt der Vor­bereitung des Parteitages.

Zur Einleitung gab Geheimrat Dr. Porsch sei­nen Entschluß bekannt, nunmehr mit Rücksicht au ; sein hohes Aller den Vorsitz der Preußischen Zen- trumspartei niederzulegen. Der Vorstand beschloß darauf einmütig, Geheimrat Dr. Porsch und £ bttt Senior der Partei, den Abgeordneten Dr. Herold, dem Preußischen Parteitag als Ehren- vorsihende in Vorschlag zu bringen.

Ebenso einmütig wurde beschlossen, dem Par­teitag als Nachfolger des bisherigen Vorsitzen­den den Vorsitzenden der Landtagsfraktion, den Abgeordneten Regierungsdirektor Dr. Heß, vor- zuschlage». Der Vorstand dankte mit herzlichen Worten Herrn Geheimrat Dr. Porsch für seine großen Verdienste um die Zentrumspartei und ganz besonders um die Zentrumsfrattion. In sei­ner Person ist ja vor allem die Politik der Par­tei, die sich im letzten Jahrzehnt so erfolgreich oährt hat, verkörpert.

^Die Preußische Zentrumspartti hat jetzt vier nvorsitzende und zwar Reichskanzler a. D. Dr.

irr, Reichstagsabgeordnettr, Verbandsvorsitzen- Hranz Wieder, Abgeordneter Geheimrat 'Dr.

J Landesökonomierat Abgeordneter Dr. *

Der übrige Teil der Sitzung des Parteivor­standes war der Aussprache über Richtlinien «r preußischen Parteipolitik gewidmet. Der vom Parttitag neuzuwählende Vorstand, der bis zu

^gliedern aus allen Landesteilen und Be­rufsständen umfassen soll, wird zukünftig häufi- V» besonders bei wichtigen politischen Anlässen.

Beratung der Preußischen Zentrumsfraktivn mentreten. Der vom Parteitag dann neu- ihlte Vorstand wird aus seiner Mitte heraus 2?eM e schäftsführenden Vorstand wählen, r* bürd eine besondere Kommission vom Parteitag h? v $t, der diesem bann im Laufe der Der- ?°"blungen Vorschläge für die Wahlen zum Ge- dwvrstand unterbreitet.

Unter überaus zahlreicher Beteiligung aus dem

Lande trat dann am Sonntag die AstWche Zentrumspartei im ehemaligen Herren- «W in Berlin zu ihrem vierten Parteitag 6 lammen. Unter den Ehrengästen bemerkten wir r allem ben Reichskanzler Dr. Brüning, den toi -^minifter Stegerwald. Die preu- ■P, Minister des Zentrums Dr. Steiger, Dr. eben» s.1 Dr. Schmidt, waren erschienen, ber stellvertretende Vorsitzende der Deut- xZJ -Mirumspartti, Reichstagsabgeordnettr Joos,