Sonntag Jubilate.
einglwgslie»: pf. 65, 1—2.
Jubilate Deo, omnis terra, alleluja ....
Preiset Gott in Jubelliedern, alle Lande, alle« a singt Psalmen seinem Dl am en, alleluja; gebt ^ieöe festlichen Klang, alleluja, alleluja, alle« V gebt dem Liede festlichen Klang, alleluja, alle« a, alleluja. (Pf- ebb. 3.) Sprecht zu Gott: Wie ,, i-nb deine Taten Herr! Ob deiner Allmacht
Evangelium: Jvh. 16, 16—22.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wch eine kleine Weile, und ihr seht mich nicht ck-d«r, und wieder eine kleine Weile, und ihr •tjt mir!) wieder; denn ich gehe zum Vater." Sa iqtcrt einige seiner Jünger zueinander: „Wae ,i[[ er uns damit sagen: „Nach tine kleine Weile nb ihr seht mich nicht mehr, und wiederum eine •eine Weile, und ihr seht mich wieder"? und „Ich eh« zvm Vater"? Sie sagten also: „was meint c mit den Worten: „Noch eine kleine Weile: Wir .-«sehen nicht, was er damit sagen will." Jesus _jte, daß sie ihn fragen wallten, und sprach zu n: „Ihr fragt einander, roetl ich gesagt habe: i eine kleine Weile, und ihr seht mich roteber, irlid), wahrlich ich sage euch, ihr werdet weinen
wehklagen, aber die Welt wird sich freuen; werdet trauern, aber eure Trauer wird sich reude verwandeln. Sa hat das Weib Trauer, i es gebären fall, weil feine Stunde da ist. sie aber das Kind geboren, so denkt sie nicht ■ an die Angst, aus Freude darüber, daß ein sch zur Welt gekommen ist. Sa habt auch ihr Trauer: aber ich werde euch wiedersehen, euer Herz wird sich freuen, und eure Freude niemand mehr von euch nehmen."
Eine neue Attssionssiatisitt.
Die Prapagandakongregation läßt soeben eine te offizielle Statistik über den Stand der tholischen Welt Mission erscheinen. Der nb trägt den Titel „Missiones catholicae" und in lateinischer Sprache verfaßt. Das Werk ist den letzten 50 Jahren in mehrmaliger Ausgabe -lchienen. Aber es enthält einige ganz neue Abschnitte. Die Zählungen sind alle vom Juni 1927 genommen. Dieser Termin ist der letzte, an dem die Auskünfte der ganzen Welt zu einem einheitlichen Bilde zusammengefügt werden konnten. Die letzten nichtoffiziellen Zählungen aus dem Jahre 1923/24 stammen von P. Bernard Arens S. J., dem Schriftleiter der „Katholischen Missionen' zu Bonn. Der neue Band zählt 546 Seiten. Mr jede Mission gibt er 127 Spalten. Der lieber« Mitt umfaßt über 500 Priester«, Brüder-, Schwe- miinstitute, die in den von der Propaganda ab« ^tgigen Gebieten tätig sind. Man hat hier zwei- os die vollständigste Statistik vor sich, die bis Stunde über die katholischen Missionen gegeben rite. Australien und Neuseeland gehören zwar n Amtsbereich der Propaganda, sind aber in Aufstellung ausgelassen worden.
Ät den übrigen Gebieten zählte man demnach ll 3mri 1927 ein Missionspersonal von 617 4 Mitgliedern (12 952 Priester, 5110 niber 28112 Schwestern), das sich auf 374 kirch- h« Amtsbezirke in 81 Ländern und in 51 ver- Avenen Nationen verteile. Bischöfe zählte man ?*' Apostolische Präfekten 91. Bon den Prie- nern sind 8038 Missionare, 4 305 einheimische wefter. Für 609 Geistliche ist keine nähere An- ”.T* gegeben worden. Bon den Brüdern sind 1 314 3.222 fremdländische, für den Rest BBJemen nähere Angaben. 11 399 Schwestern Lande der M'fsicn selbst entsprossen, lwd fremde Missiongehilfinnen. Für 2 784
Ostern in Sowjekrutzland.
uf, Verhältnis zum vorigen Jahre feierte Rußland e'n ruhiges Osterfest. Die Drohungen der “oien verpufften im eigenen Wortschwall. Am 10. .ijeoot der Primas der Gottlosen, Genosse Jaros- Ex/’ 'cine,n Getreuen, den Osterkampf nicht auf die SltH U trei&en’ damit „im Ausland kein böses U-, e 13 e u g t werd e". „Gemäß der sowjetisti- Wfung sei den Bürgern der Sowjetunion ^/-»ewissenssteiheit zugesichert, und es sei durchaus riticy, die Idee des Atheismus mit Gewaltmaß- Hirne der Gläubigen einzuhämmern. Die te nl?® drr Gottlosen dürfte nur dann von Er- gekrönt werden, wenn der Kampf gegen die Reli- ideologischer Basis geführt werde, nicht aber ■L, “ppelgewalt..." Soweit der Primas der Gott- M »in ^'i“chlich — Rußland bot in den Ostertagen g^genartigeä Bild. Es schien als hätten sich die ■J/jjfc.in Zwei Lager gespalten. Die einen agitier« He .c’nen antireligiösen Osterkampf, die anderen für M^lchsebung der Kampftage auf den ersten Mai. BEZ/^igfeit der Gottlosen imtzten die Gläubigen xx, “möglichst ungestört das Fest der Auferstehung KT11 degehen zu können. Und doch verliefen die j ch'cht ganz reibungslos.
in der Karwoche begaben sich Stoßtrupps E***1 Kommunisten auf das flache Land, um das Kredo der Maschine zu verkünden. ^Z^stliche Vorträge mit atheistischen Einlagen Bottnr en l!n$ mon kommentierte die Radiostunde | jc r°sen’ die die Sowjetsender in vierzehn Spra- fierhf.11' Sowjetunion verbreiteten. Man forderte rvölkerung auf, mit dem „schädlichen Ein- |6ig , fäse" zu brechen, sich der atheistischen Be- luwerrden, die allein imstande sei ein wahres °“s Erden zu errichten. Willig unterzeichneten üt ®n«5a?trnföuitc b c Entschließungen der jugenb« te b:c °2Cn mit drei Kreuzchen — und besuchten k Kirche, um andächtig den Metten zu lau« btt «: j Mittagszeit lauschte das Dorf geschlos- ^teeick « Baßstimme des gottlosen Radiosprechers |2 "u«e sich auf dem Heimwege vor der Kirche ■t «.Kcenzzeichen. Die Roten Pioniere tobten, ^li-w-n blieben standhaft. So ist es mit den KBenn sln®cn der Karwoche auf dem Lande Der Bauer feierte feine Ostern nach r’Mtem Väterglauben.
NILS
sind keine Angaben über die Nationalität gemacht worden. Vom Mifsionspersonal sind also 25189 Personen fremdländisch, 17 018 einheimisch, 3 967 der Herkunft nach unbestimmt.
An Laienhelfern zählt man 51507 Katechisten, 38 679 Schullehrer, 25 684 Täufer. In manchen Missionen widmen die Laien nur einen Teil ihrer Zeit dem Apostolat.
Zum ersten Male gibt das Werk Mitteilungen über ba% missions ärztliche Personal. 226 Aerzte und 855 geprüfte Krankenpfleger arbeiten in Missionshospitälern.
Die katholische Gesamtbevölkerung der Missionsländer, die der Propaganda unterstehen, beträgt 13 345 373. In Europ « (besonders in Skandinavien) zählt man 1041399 der Propaganda unterstellte Katholiken, in Indien und Birma 2172 340, in Jndochina 1 237 339, in China 2 773 677, in Groß-Japan 206 754, in Afrika 3 202 993, in Ozeanien und den Malaiischen Staaten 596 534, in Amerika 2 280 541. Don Juni! 1926 bis Juni 1927 wuchs die Katholikenzahl der Propagandagebiete fast um eine halbe Million (479 955).
Man zählt 45 826 Kirchen und Kapellen in den Missionen. 6100 dieser Kirchen fassen 500 und mehr Personen. Es gibt 103 Ober-(Große)Se- minarien in den Missionen mit 2 495 Seminaristen, 206 Unter-(Kleine)Seminarien mit 7 476 Schülern. Die Ziffern über die Ordensnoviziate sind leider sehr unvollkommen übermittelt worden, so daß man kein Gesamtbild daraus machen konnte. Es gibt 638 Katechistenschulen mit 14 896 Kandidaten, 156 Lehrervorbildungsanstalten mit 8032 Kandidaten. An Schulen (von der Elementarschule bis zur Universität) zählt man 31 418 mit 1521 710 Schülern. In 691 Hospitälern pflegte man im Zählungsjahr 283 503 Kranke. 1848 Apotheken gibt es in den Missionsländern, 1525 Waisenhäuser mit 81240 Kindern. In 299 Greisenasylen pflegt man 11 332 Greise. 14 060 Aussätzige werden in 81 Aussatzheimen gepflegt. 134 andere Ka- ritasanstalten beherbergen 9 966 unglückliche Kranke (Epileptiker, Geisteskranke ufw'.). Man zählt 164 Missionsdruckereien.
Wir können hier nur einen kleinen Ueberblick des großen Werkes bieten, in dem naturgemäß auch kleine Irrtümer unterlaufen sind.
Unsere Mütter sind in Itok.
Gedanken zum Muttertag.
Von R. E. L o o s s, Freiburg i. Br., Schw. St. El.
Sieben Jahre ist es jetzt her, feit zum ersten Male in Deutschland der „Muttertag" gefeiert wurde. Und so skeptisch damals weite Kreise dieser „amerikanischen Neuheit" gegenüber standen, so langsam und sicher hat Jahr um Jahr der Gedanke eines „Volks-Muttertages" an Boden gewonnen, das Ausländische ist abgeftreift, und wir stehen vor der Tatsache, daß vielerorts der Deutsche Muttertag bereits in den Herzen verwur
zelt ist.
Mag man ssth zur Einführung des „Muttertages" gestellt haben wie man wollte: die Tatsachen sprechen. Und sie sprechen für den Muttertag.
Ist es nicht schon etwas Großes und Schönes, wenn an diesem Tage über alle konfessionellen und politischen Grenzen hinweg Männer und Frauen aller Stände und Schichten sich die Hand reichen in dem einen Gedanken: die Mutter — und darüber hinaus der Mutter des Volkes, in erster Linie all solcher Mütter, die in Not sind.
Keine neuen Festveranstaltungen, keine Vereinsfeierlichkeiten bringt der Deutsche Muttertag. Keine Reklame macht sich breit wie in Amerika. Der Deutsche Muttertag ist ein Tag der Einkehr, der Einkehr in die Familie, der Einkehr ins eigene Herz.. Um je mehr es uns gelingen wird, diesen Einkehrae danken hineinzutragen, in die Feier des Muttertages, desto tiefer wird sich der Tag in unferm Volksleben verwurzeln, desto segensreicher wird sein Einfluß werden können.
Wir brauchen keine neuen Feste! Ist nicht in weiten Kreisen unseres Volkes gerade der Mai mit all seinen Sonntagen zu einem fortlaufenden Vereins- und Svortfeft-Monat geworden? An die Mutter, die die ganze Woche hindurch sich müde schaffte, so müde, daß sie am Sonntag die müden Füße nicht einmal mehr auf ein Stündchen ins Freie tragen können — an die Mutter denkt man nicht. Zu nachschlafender Zeit ziehen die Halbwüchsigen mit Wimpel u. Rucksack hinaus, um nachts wieder heimzukehren. Den Vater drängt es nach den Sportplätzen. Und die Mutter? Die Mutter, die noch wirklich „Mutter" ist? — „Wie kann man denn auch so törübt sein, so viele Kinder zu haben." — Spott, bestenfalls noch überlegenes Mir-
leid, das ist es, was man für die kinderreichen Mütter von heute noch übrig hat. Wer tief hin- einfchaut, der weiß nur zu gut, daß viele unserer Mütter Märtyrinnen sind.
Und im öffentlichen Leden? Wo bleibt die Hochachtung vor derMutt er? Wer frirt denn ein für die Interessen der kinderreichen Familien? Wo sind die Männer und Frauen, denen die Fragen der Wohnungsnot, es Familienlohnes auf der <e>eele brennen? Wo bleiben die flammenden Proteste, wenn in Theater und Kino die Mutterwürde in den Schmutz getreten und lächerlich gemacht wird?
Auf dem Marktplatz zu Eisenach steht ein eigenartiges Denkmal, den Müttern des Weltkrieges gewidmet. Zwei Frauengestalten, von denen die Eine in den Armen ein Kindlein umsorgt. Die andere steht mit leeren Händen, den wehen und doch glaubensstarken Blick zum Himmel gyjjfctet. Darunter der kurze Spruch:
^hr habt uns groß gezogen. Wir haben Euch nicht betrogen.
Sollten nur die Toten der Mutter die Treue gehalten haben? Mit einem Blumenstrauß und einem Paket Schokolade neben der Frühstückstasse der gut situierten Bürgersfrau ist es freilich nicht getan. Äeußere Gaben haben überhaupt nur Wert aus der Gesinnung, in der sie gegeben werden. Und selbst da, wo die Armut ifo groß wäre, daß man nur ein paar Wiesenblumen der Mutter zur Tasse legte, kann froher und gesegneter Muttertag sein. Die „Kleinen" sagen ihre Verslein, die Heranwachsenden bleiben heute daheim und suchen der Mutter jede Arbeit abzunehmcn — sie merken oftmals dabei selbst erst, wieviel doch eigentlich auf der Mutter liegt, aus wieviel Opfern der Mutter tägliches Schaffen sich zusammenfetzt — der Vater verzichtet heute auf den Sportplatz, vielleicht auch auf die Zigarre oder ein Glas Bier, um der Mütter irgend einen Wunsch zu erfüllen. Der Mutter Ehrentag ist heute. Und pe soll wissen, daß sie nicht das Aschenbrödel im Hause ist, sondern der Mittelpunkt, das Herz der Familie. Mag es auch manchmal scheinen, als sei sie nur da- zu da, daß die Anderen ihre Wege gehen kön
nen: „Mutter, der heutige Tag soll Dir beweisen wie lieb und wert Du uns bist."
Und wo die Mutter von uns ging? Soll unsere Siebe nichts anderes können als Gräber mit Blumen schmücken? Eine arabische Legende erzählt, daß zum Propheten Mohammed einst ein Jüngling kam und fragte: „Meine Mutier ist gestorben, und ich möchte sie ehren. Sage mir, was ich tun soll?" Und Mohammed antwortete ihm: „So gehe hin und grabe Brunnen in der Wüste." Wie könnten wir das Andenken der eigenen Mutter besser ehren, als indem nrir heute, jeder an seinem Posten, die Hand ausstreckten, Müttern zu helfen, den Müttern des Volkes in ihrer tiefen Not. Sie dürfen nicht vergessen werden, die Mütter, die heute niemand haben: in den Witwenstübchen, in den Krankenhäusern, in den Entbindungsheimen — nicht zuletzt die Aermsien der Armen in den Baracken und Hinterhausvierteln unserer Städte.
Die Dentisten Wiens haben in den vergangenen Jahren zu Ehren des Muttertages einer großen Anzahl mittelloser Frauen kostenlos Zahnersatz geliefert. In anderen Orten sind am Muttertag Gaben zusammen geflossen, um Muttern, die vor dem körperlichen und seelischen Zusammenbruch standen, einige Wochen der Erholung zu schaffen.
Neue Mütterheime sollten entstehen, in denen gesorgt wäre für unsere Mütter nach Leib und Seele! Jeder Beamte, jeder Angestellte hat selbstverständlich seine jährlichen Ferien. Die Mutter nicht, sie, die feinen Achtstundentag kennt, feinen Sonntag, sie, die neben der Sorge für die Familie, in gar zu vielen Fällen auch noch für den eigentlichen Lebensunterhalt mit aufkommen muß. Wo sind die ,,nd Fran 'N. die in
ihren Vereinen, in öffentlichen Veranstaltungen, im öffentlichen Leben, der eigenen Mutter gedenkend eintreten für die Menschenrechte der armen entwerteten Mütter unseres Volkes?
Es ist Maimonat — Muttergottesmo- n a t. Maria, die Mutter der Christenheit, f^e breitet ihren Mantel aus über alle Völker und Zeiten; auch über die armen zertretenen Mütter der Jetztzeit. Sie weiß, was es heißt, verachtet zu werden, in Armut zu darben, während andere im Ueberfluß haben, „keinen Raum zu haben" für sich und ihr Kindlein. — Sie breitet ihren Mantel über jede einzelne Familie, in der man heute die Mutter liebt und ehrt — sie breitet ihn aus auch über alle die vielen Familien, denen das Wort „Mutter" zum leeren Schall geworden ist. — Nicht durch Propaganda, nicht durch Reklame, aber unter dem Schutz der Gottesmutter und unter ihrem Schutz allein kann der Muttertag für viele in unserem Volk ein Tag der Einkehr und ein Tag der Umkehr werden
kleine Mitteilungen.
Die katholische Bodioftunde in Amerika.
Das Interesse für die katholische Radiostunde in Amerika wächst zusehends, besonders unter nen Nichtkatholiken. Zwei nicht-katholische Rundfunk- Hörer haben gebeten, zur finanziellen Unterstützung dieser Unternehmens beitragen zu dürfen. Von katholischen Verbänden und Gesellschaften laufen dauernd Unterstützungen ein.
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Doch die Stadt bot em anderes Bild. Die ersten gottlosen Kundgebungen wurden in Moskau am Karfreitag abgehalten. Rote Pioniere zogen durch die Straßen und verbrannten auf den Marktplätzen Nachbildungen des Leichnams Christi. Vor kleineren Kirchen wurden fliegende Versammlungen abgehalten, Reden wurden gehalten, die im Wind verhallten. Karnevalprozessionen auf Lastautos, besetzt mit Kommunisten und Dirnen, die angetan waren mit Priester- und Madonnengewändern, ratterten in langer Reihe. Der Regen wusch ihnen die Schminke von den brutalen Wangen und unter dem Jubel der Passanten fuhren die „Stürmer des Himmels" schimpfend zurück nach ihren Garagen. Schulkinder bekundeten mit dünnen Sümmchen, daß sie an einen Herrgott nicht mehr glauben und kein Vaterunser beten, daß Lenin ihr Gott sei und die Kommunisten — ihre Schutzengel. Doch diese Schutzengel ließen si. hungern und sorgten nicht einmal für heiles Schuhwerk... Aber man gab ihnen Bonbons. Und welches Kind singt nicht für Bonbons?
In den Kino Palästen zeigte man den hundertprozentigen Atheistenfilm „Judas". Ein Mönch konvertiert zur „wahren Religion", zum Kommunismus, wird militanter Atheist und zeigt den Zuschauern den allein gangbaren Pfad zum „wahren Paradies" — den Weg, der zu den Gottlosen führt. In den Theatern bewies man die „Verlogenheit der bourgeoisen Religion" und stempelte die heilige Jungstau zu einer Dstne der Welt. Dieselben Gesichter, die auf die Flim- merlemwand gerichtet waren, konnte man nachher vor den Beichtstühlen der Sastistei sehen.
Die Kirchen waren überfüllt von andächtigen Betern. Mit gesenkten Häuptern knieten die Gläubigen vor geplünderten Ikonen und ihres Schmucks beraubten Altären. Priester, in dürftigem Ornat, mit bleichen Lippen, aber glaubensstarken Augen, verkündeten triumphierend das ftohlockende „Christus ist erstanden!" und abertausend Stimmen antworteten jubilierend: „Ja, er ist wahrhaft auferstanden!" Doch von den Glockentürmen dröhnte keine Osterbotschast über das. einst so heilige Moskau. Die Glockenstühle waren leer, man hat ihnen die Stimme geraubt... Christus ist erstanden! Freund und Feind fanden sich vereinigt im allver- söhnenden Bruderkuß, draußen aber gröhlten rauhe Stimmen: ... „an einen Herrgott glaub' ich nicht..." Zwei Religionen boten sich gegenseitig die Ststn, und diesmal ward Christus der Sieger. Aber die Gottlosen haben den Kampf gegen Gott nicht aufgegeben...
Die kirchenversoigung in Rußland.
Die neuen Richtlinien der Gottlosen. — Die Kirche In Rußland muß sterben — so oder so» — Rloskau seht Demokrit ... ein Denkmal. — Rian will die (gläubigen zu Gewaltakten zwingen?
Einer Moskauer Korrespondenz zufolge tagte in Moskau am 20. März die Plenarkonferenz der Gottlosen, um zu den neuen Richtlinien des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende der Konferenz, der berüchtigte Genosse Jaroslawsky, erklärte, daß die gegenwärtige Haltung der Gottlosen nach den Erklärungen des Zentralkomitees der KP keinen Aenderungen unterworfen fei. Gemäß feinen Ausführungen fei der Verband „eine legale Organisation, die geschützt ist durch die Gesetzgebung der Sowjetunion" und folglich ein „gesetzliches Dasein führe". Die Aufgaben der Gottlosen seien, „dort die Religion zu bekämpfen, wo sie feste Wurzeln gefaßt habe, und jedes Mitglied sei verpflichtet, sich mit allem ihm zu Gebote stehenden Mitteln für die atheistische Weltanschauung, die das Fundament des Sowjetstaates bilde, einzusetzen . . . Unser Kampf gegen die Religion gründet sich auf die Gesetzgebung des Staates, und kein Papst oder Kirchenfürst kann uns daran hindern, gemäß unserer Verfassung Zielen zuzustreben, die sich der Sowjetstaat gesteckt hat . « . . Die Religion in Rußland muß sterben, so oder so . . ." Im weiteren Verlauf der Tagung teilte Jaroslawsky mit, daß die bisherige Mitgliederzahl der Gottlosen von 1 Million bereits auf 2% Millionen angewachsen sei, und daß selbst „prominente Persönlichkeiten aus dem Lager ehemaliger reaktionärer Kreise sich dem Verband der Gottlosen anschlössen".
Zum Schluß seiner Ausführungen erklärte Jaros- kowsky pathetisch, daß es „Pflicht eines jeden Gottlosen sei, gegenwärtig mit doppelter und dreifacher Energie der Religion zu Leibe zu rücken, für die Ideen des Atheismus einzutreten, und zwar mit einer Intensität, die die Welt in Staunen versetzen solle". Die Kampagne zu Gunsten der Kirchenschließungen sei schärfer durchzuführen, und das Familienapostolat der Kirchlichen sei durch ein „Apostolat der Gottlosigkeit" zu ersetzen. Der Jugend müsse besondere Sorgfall gewidmet werden, um sie „endgültig den noch vielfach bestehenden religiösen Einflüssen der Familie zu entziehen". Zu diesem Zweck seien antireligiöse Volkshochschulen zu gründen, die „in der Lage sind, der
Jugend jenes Rüstzeug zu geben, das geeignet ist, die religiösen Vorurteile der Heranwachsenden Generatioi endgültig zu erdrosseln.
Rach Beendigung der Konferenz eröffnete Jaros lawsky in Moskau die „Erste antireligiöse Volkshoch schule" und vollzog die „Aufnahme von 155 roten Jugendpionieren". Gleichzeitig übergab Jaroslawsky der Oef- fentlichkeit ein neues Denkmal, das errichtet ist zu Ehren . . . Demokrits, des „ersten Atheisten und Materialisten der Well".
Aus den Berichten der Gottlosentagung ist ersichtlich, daß die Lage der Kirche in Rußland trotz der Erklärung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei immer noch katastrophal ist. Zwar hat der Kampf der Gemeindebehörden gegen die Kirche gemäß den neuen Richtlinien nachgelassen, jedoch den Gottlosen ist immer noch freie Hand in der Erdrosselung der Religion zuerkannt. Mehr noch: Rach den Erklärungen Jaroslawskys soll der Kampf gegen die Kirche verschärft werden. Seinen Weisungen zufolge sind bereits 300 „Brigaden" Gottloser in die Dörfer abkommandiert, um dort die Religion „zu bekämpfen". Die Agitation unter den Bauern soll verschärfte Formen annehmen und mit Mitteln durchgeführt werden ,die die Gläubigen zu „Gewalttaten gegen das Gesetz" zwingen, um nachher unter der Begründung, die „Gegenrevolution in den Dörfern und der Kirche auszu- rotten", gesetzlich gegen Kirche und Gläubige vorgehen zu können!
Die Gottlosen haben eingesehen, daß die Religion in Rußland auf ideologischem Wege" allein nicht zu erdrosseln sei. Auf „legalem" Wege konnte die Kirche nicht geftürjt werden, im Gegenteil, je mehr man sie verfolgte, desto fester erstarkte sie innnerlich. Run blieb der letzte Weg noch gangbar: die Gewalt. Man will die Gläubigen, die sich die Gottlosen-Agitation nicht gefallen lassen, zu Gewaltakten gegen den betreffenden Agitator verleiten (der im Nebenberuf Regierungsbeamter ist), künstlich einen „Aufruhr", verbunden mit „tätlicher Beleidigung von Regierungsbeamten" Hervorrufen, um sie gemäß der Doppelsinnigkeit der sowjetistischen Gesetzgebung zu „Konterrevolutionären "zu stempeln, gegen die gesetzlich eingeschritten werden kann.
Solange die Organisation der Gottlosen in Rußland nicht aufgelöst wird, kann von einer Besserung der kirchlichen Lage in Rußland nicht die Rede fein.