MST''
omMnue
um
NU
Ar. 109
11. Mai
Beilage zur Fuldaer Zeitung
so
Mai
Wetter und Seelenleben
Von Professor Dr. M. H. V a e g e - Jena.
Servatius bricht.
Schwindelgefühlen,
erwacht. Was sollen denn die Sterne, die
Ich bin
»
Flehen) auch bei uns durch die Synode von Prozessionen flehen sie
«
Brust und Dunkel —
in Deutschland Eingang fanden Mainz 813. Als beliebte Flur- Gottes Segen auf die Saaten
Es wurde mir Berg. — Aber auf der Wisse besinnungslosem
8e- ein ist- rsi- Ur-
Mannigfaltigkeit, zu solchen starken
kdo- 1.00
kein Sommer, kein Frost.
ch-r md-
igz. 32r* ma-
in den Kopf und wieder liege ich hilflos, nichts um mich her.
M. 'Olt qu
seelischen Gewitterwirkungen zeigen, lassen vermuten, daß die atmosphärischen Vorgänge vor dem Gewitter auf die verschiedensten Organe einwirken können. Welcher Art diese Einflüsse aber im einzelnen sind, darüber ist leider noch nichts Sicheres bekannt. Man nimmt an, daß luftelektrische Prozesse dabei die Hauptrolle spielen.
Hat sich das Gewitter entladen, so stellt sich ein Zustand des Wohlbefindens ein, der zu einem Teil als
b'e- der st«-
bis LOO: Bad 2.55 lich. Au« der mit* inde lkef»
)eis nd-
als sein mahnendes Vermächtnis an sie in Stein auf der herrlichen Kreuzigungsgruppe hinterlassen, die er ihnen schenkte. So behielten die Oberammergauer den alten Text und die Dedlersche Musi, an denen sich Millionen Menschen aus allen Erdteilen erfreut hatten. Und sie spielen sie weiter vor dem Forum der Welt, denn es kommen immer wieder die Gläubigen und die Neugierigen aus allen Ländern.
Zumal Amerika ist seit mehr als einem Menschenalter Stammpublikum in Oberammergau, Amerika war es auch ,das letztes Mal den frommen Aposteln anbot: Wir geben euch eine Million Dollar und verfilmen euer Passionsspiel! — Bedenkt man, daß dieses Angebot in einer Zeit ärgsten deutschen Währungsverfalles erfolgte, so mutz man es den Leuten von Oberammergau doppelt hoch anrechnen, daß sie strikte „Nein!" sagten und der Bürgermeister denen unter ihnen, die etwa doch schwach werden könnten, anriet: Geht sofort nach der letzten Aufführung zum Haarschneider und laßt euch die Apostelbärte abschneiden! — Vorigen Sommer sah man sie schon
kloster Ettal — ein förmliches Gelübde vor dem Altar abgelegt, sie wollten die Passion Christi jedes Jahrzehnt am weißen Sonntag nach Ostern besonders feierlich aufführen, wenn ihnen Gott jetzt von den beiden Würgern Pest und Schweden hülfe. Die Pest erlosch alsbald und der Krieg endete auch einmal ... die Bildschnitzer in Oberammergau aber hielten ihr Wort und spielten nun die Leidenszeit Christi nach der alten Weilheimer Handschrift, wie man sie auch sonst zu Ostern auf dem Kirchhofe deklamatorisch und dramatisch im Zeitstil zur Aufführung gebracht hatte, als einen rechten Gottesdienst vor ihren Angehörigen und einigen Freunden und Nachbarn.
Zäh und treu hielten sie daran fest, und der Ruf ihrer Passionsspiele gelangte zugleich mit den eigenartig schönen, frommen Bildschnitzereien ihrer kunstfertigen Hände bald weiter und weiter über das Ammertal hinaus und lockte Fromme und Neugierige an. Schließlich wurde der bayerische Staat sogar darauf aufmerksam und kritisierte an dem einfältig bäuerischen Text der Oberammergauer Passion herum. Aber da stieß er auf rechte Bauernzähigkeit, es gab harte Kämpfe, Verbote, Bittgänge — die Dörfler der Ammer wollten nicht lassen von dem Text und Spiel, mit dem sie aufwuchsen und starben, denn vom Kinde bis zum Greise war ja jeder irgendwie verwachsen mit dem Spiel, daran beteiligt als Apostel, Priester oder Pharisäer.
Schließlich mußten sie sich freilich bequemen, sich dem Zeitgeist doch in etwas anzupassen, und Pater Dr. Oth- mar Weiß in Ettal schuf ihnen einen neuen Text, den dann wiederum der prächtige Pfarrer Moys Daisenber- ger modernisierte und Rochus Dedler mit einer schlichten neuen Musik versah. Noch der allen Bayern unvergeßliche König Ludwig II. ermahnte die Oberammergauer, ihrer Tradition treu zu bleiben, und hat das als auch
herab: „Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest".
der lach ndi- :utt> Bon Na- igs- brei sich inn- aus, Aus zlich se!l> cher
Bis daß herein
Oder auch:
Vor Servati
Nach Servati
Wer seine Schafe scheret vor Servaz, Dem ist die Woll' lieber als das Schaf.
Welches ist die Ursache dieser um Mitte regelmäßigen Kälterückfälle, die der Saat, der
«n ut-
Baum- gefähr- hat-der
erner Schwere in einzelnen Gliedern Knien), Herzklopfen, Appetitmangel, unruhigem Schlaf.
Die große Verschiedenheit und welche die körperliche Begleitzustände
i.45: Von Bad ton« chen W
ische cefe- zim: Hy» ran- Re- hal- Aus und oper Bon Von
Schmerz hierher gekrochen? Nur ist es seltsam, daß ich mich jetzt gar nicht mehr bewegen kann und gestern hätte ich mich so weit schleppen können. Hatte ich vielleicht zuerst nur einen Schuß und erhielt hier den zweiten? ...
Blaßrosige Schimmer tanzten über meinem Platz. Der große Stern erlosch und die kleinen verblaßten. Der Mond geht auf. Wie herrlich wäre es jetzt daheim. Horch, eigenartige Laute! Stöhnt da nicht jemand? Jawohl, ein Seufzen! Liegt noch so ein -Vergessener hier mit zerschossenen Füßen oder einer Kugel im Leib? Nein! Das Stöhnen ist ganz nahe und nickts ist zu sehen. Mein Gott, mein Gott, das bin ich
einfache Reaktion auf die nunmehr „gelöste" Gewitter stimmung, zum andern Teil als Wirkung der eingetretenen Abkühlung aus unser Allgemeinbefinden anzusehen ist.
Aehnlich wie die Gewitterschwüle bei uns wirkt der Schirokko, ein sehr warmer und zeitweise stürmischer Ost- bis Südwind des Mittelmeeres. Auch er ruft ein Gefühl der körperlichen Zerschlagenheit und der Unruhe hervor, und besonders empfindliche Naturen geraten dadurch oft in eine ganz verzweifelte Seelenverfassung. Auch hierbei setzt der Stimmungsumschlag ost schon vor dem Wehen des Windes ein. In Italien werden kriminelle Taten, die unter seiner Einwirkung stattgefunüen haben, milder beurteilt.
Schneeluft, d. h. der Eintritt von Schneeböen, ruft bei vielen Menschen ein ähnliches Gefühl der Bedrücktheit mit Erregungszuständen wie beim Gewitter hervor. Es ist der Zustand der „Rauhschwüle", der häufig großen winterlichen Schneefällen voraus geht. Die Luft ist rauh, aber gleichzeitig stlll und schwer. Die Stimmung der Menschen wird mißmutig und unlustig, oft auch gereizt und ändert sich mit dem (Eintritt des Schneefalles ober gar erst mit seinem Aufhören. Der seelische Zustand ist dann ähnlich dem nach einem entladenen Gewitter.
Bekannt ist die Wirkung des Wetterumschlags aus unser seelisches Befinden. Manche Menschen empfinden z. B. die Verschlechterung schönen Wetters, noch ehe die Veränderung wirklich eingetreten ist, in eigenartigen Gefühlen der Unlust und Unentschlossenheit. Sie sind weniger aufgeräumt, ja mißgelaunt und wissen oft nicht, was sie tun sollen. Der Uebergang von schlechtem zu schönem Wetter kommt in einem Gemütszustände der Enttäuschung darüber zum Ausdruck, daß die Aufheiterung des Wetters das Wohlbefinden nicht vermehrt, sondern wohl gar verringert. Die Ursache davon ist die, daß zwischen der sinnlichen Wahrnehmung des schönen Wetters und seiner Wirkung auf unser Lebensgefühl ein Gegensatz besteht. Mit der angenehmen sinnlichen Wirkung des heiteren Wetters verbindet sich eine unangenehme Wirkung auf unser allgemeines Befinden. Beim Frühlingswetter können wir das ost beobachten, wenn etwa die Freude über den heiteren Sonntag mit Gefühlen der Müdigkeit, der Unruhe oder gar des Mißmutes gemischt ist.
Besonders auffällig sind die seelischen Dorwirkun- gen bei plötzlichen Wetterumschlägen, sogenannten Wetterstürzen. Auch hier ähneln die Wirkungen denen der Gewitterluft. Sie äußern sich aber weniger in Bewegungsträgheit und geistiger Arbeitsunfähigkeit als in verschlechterter Stimmung.
Die Wirkung des schön qn Wetters auf unser Wohlbefinden beruht hauptsächlich auf den angenehmen Gesichtseindrücken, die es uns im Landfchaftsbilde verschafft. Dazu kommt dann noch die direkte Wirkuni des Sonnenscheins, der Luftttille, Lichtfülle, ufw. aus
von Beaune in Frankreich vermeinte sogar, der Weißdorn, der um diese Zeit blüht, sei schuld: er beantragte deshalb, alle Weißdornhecken der Cote d'Or auszurotten, um die Weinberge vor dem Frost zu schützen. Der wirkliche Grund für die Kälte in der Mitte des Wonnemonats ist selbstverständlich nicht derart abergläubischer Natur. Er ist vielmehr darin zu finden, daß um diese Zeit meist ein eigenartig verteilter Luftdruck herrscht, und zwar außergewöhnlich hoch im Westen und niedrig im Osten Europas. Wahrscheinlich ist dazu noch die Frühlingsschmelze der Eismassen in den nordatlan- dischen Gewässern auf di« Entstehung der so gefürchteten nördlichen Winde und der dann erfolgenden Temperaturstürze von Einfluß. Diese gefährlichen Maifröste haben also nichts mit den drei Eisheiligen zu tun. Nichts in ihrem uns genau bekannten Leben spricht dafür, daß sie irgendwie als wettergewaltige Eismänner gelten könnten. Höchstens steht der hl. Mamertus zu dem Mai-Wetter-Glauben in echter Beziehung. Er war es ja, der in der schicksalsschweren Zeit der Völkerwanderung zu Vienne in Südfrankreich um 470 die bekannten Bittprozessionen an den drei Tagen von Christi Himmelfahrt einführte, und zwar mit dem Erfolge, daß diese ,Litaniae" (vom griechischen „lite", d. h. Bitte,
büsch und deshalb fand man mich nicht, eiskalt und die Haare standen mir zu wie konnte ich hier fein, wo ich doch getroffen worden war? War ich in
wieder mit ihren langen Bärten eifrig ihr Dorf zur „Pas sion" — so sagen sie kurz — ausfrischen und anmalen. Alle Häuser sind an den Außenwänden mit Heiligendar- stellungen geschmückt allerorten werden Kruzifixe geschnitzt, und es mutet in diesem verkehrsreichen Orte nahe Garmisch hoppelt eigenartig an, wenn man gar einen solchen langhaarigen Jünger Christi am Steuer eines flinken Automobils erblickt.
Geschäftstüchtig sind die Leute von Oberammergau zweifellos und müssen es sein, denn sie haben in diesem Sommer hunderttausende Fremde aus allen Ländern zu Gaste, müssen sie alle beherbergen und beköstigen. All das ist auf das großzügigste inszeniert, und wenn aud schon viele Vorstellungen von den Ladies und Gentle- mens aus lleberfee voll belegt sind, so werben die Oberammergauer Passionsspieler dennoch in Wort und Bild, im Film und Radio bei allen Christen um deren Besuch, denn sie wollen in unserer materialistischen Zeit das Leben und Leiden des menschgewordenen Gottessohnes den gehetzten Menschen als wirksamen Trost bringen.
hellstrahlenden am dunkelsamtnen bulgarischen Himmel? Bin ich nicht im Zelt? Darum kroch ich heraus? Ich will mich bewegen, da zuckt wieder dieser mörderische Schmerz durch die Seine. Ja, ich bin verwundet. Im Kampf. Gefährlich? Ich taste nach den Füßen, wo Der Schmerz sitzt Das rechte und linke Bein ist ganz mit getrocknetem Blut verkrustet. Die Berührung kostet neuen Schmerz. Schmerz wie Zahnweh: nagend, herzzerreißend. In den Ohren das Saufen und der Kopf so schwer. Betroffen erkenne ich, daß beide Beine verletzt sind. Aber warum läßt man mich denn hier so *
Das ist ein uraltes deutsche Sprichwort. Wir fin- in allen Gegenden unseres Vaterlandes und im- mer wieder in einer anderen Form. Ueberall ist man sich darin einig:
Die drei Azius sind strenge Herrn,
Sie ärgern den Gärtner und Winzer gern.
Rur daß man vielerorts statt des hl. Mamertus den mi 14. Mai gefeierten hl. Bonifatius zu den drei Ge- jwngen rechnet, etwa:
Pankraz, Servaz, Bonifaz Sind drei Eismänner.
Im übrigen weiß die Dolkserfahrung genau:
Vor Nachtfrost bist du sicher nicht
Alle Menschen werden mehr oder weniger stark in ihrem seelischen Befinden durch das Wetter beeinflußt. Nicht jeder zwar spürt solche Einwirkung immer deutlich bei jeder Wetterlage oder Wetterveränderung. Am bekanntesten ist, weil allgemein deutlich erlebt, der Einfluß des Gewitters auf das seelische Empfinden. Unter solchem Einfluß sind hier aber nicht die Eindrücke gemeint, die die Gewitterentladungen als „Schauspiel" auf unser Gemütsleben ausüben, sondern die Wirkungen, die von den das Gewitter vorbereitenden atmosphärischen Vorgängen, also der „Gewitterluft" und „Gewitterschwüle", ausgehen. Es gibt viele Menschen, die sich gar nicht vor dem Gewitter fürchten, ja, die es sogar als einen genußreichen Eindruck erleben und die sich doch vor dem Gewitter in einem unbehaglichen Zustande befinden, aus dem sie frühestens mit Beginn der eigentlichen Gewitterentla- dung befreit werden. Es ist also eigentlich nicht das Gewitter selbst, sondern der Wetterzustand vor dem Gewitter, der unser seelisches Befinden, vor allem unser Gemeingefühl und unsere Stimmung, beeinflußt. Die Schwül«, d. h. die sehr feuchte und unbewegte Lust von hoher Temperatur, macht matt und unruhig. Ein Gefühl der verminderten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit entsteht, das sich bis zur Apathie steigern kann. Die Stärke und Dauer dieser Einwirkungen hängen von denen der Gewitterschwüle ab und von der Empfänglichkeit für solche Eindrücke, die bei den einzelnen Menschen recht verschieden ist. Sie kann sich von einfacher Mattigkeit steigern bis zum Gefühl völliger Zerschlagenheit, schwerer Beklommenheit und tiefster Verstimmung, vom einfachen Unruhegefühl bis zu Erregungszuständen höchsten Grades. Manche Menschen geraten in eine gereizte oder gedrückte Stimmung, manche werden apathisch. Mitunter ruft die Unruhe auch Neigung zum Streit hervor. Es ist also ein Gemisch von seelischer Erregung und Lähmung, eine eigenartige, zugleich unruhige und gedrückte Stimmung, die den Kernpunkt der seelischen Beschaffenheit bildet und um den sich die anderen Symptome gruppieren. Mitunter äußern sich 'diese seelischen Zustände auch in allerlei körperlichen Vorgängen wie Muskelzucken,
ja selbst. Leise jämmerliche Seufzer, habe ich mirtlid solche Schmerzen? Es muß doch wohl so sein, doch kann ich sie nicht fassen, denn mein Kopf ist wie benebelt, so bleiern schwer. Es ist besser, ich lege mich und schlaf« ein, schlafe, schlafen! Aber werde ich jemals wieder aufwachen? Ach was, ifts nicht gleich? Als ich mich niederlegen will, erleuchtet ein breiter Lichtstrom vom Monde her den ganzen Umkreis und ich sehe etwas Dunkles großes 5 Schritte von mir. Ein Körper — ein — ein Leichnam — Mondlicht spiegelt sich in Uniform- knöpfen und Metallteilen der Ausrüstung. Was soll — ich liege jetzt. Doch nein, das kann ja nicht sein. Unsere sind noch nicht zurück, sie sind hier. Hoben sie nicht die Türken geschlagen, die Stellung dort genommen? Warum hört man kein einziges Wort, kein Knistern von Lagerfeuern, ich werde wohl nur aus Schwäche nichts hören. Sie Müssen hier sein. — Hilfe, Hilfe! Wilde wahnsinnige schrille Rufe entringen sich meiner Brust und — bleiben ohne Antwort. Weithin verhallen sie in der finsteren Nacht. Alles schweigt, nur die Heimchen zirpen unermüdlich und der Mond schaut mir mitleib’.g ins Gesicht. Wäre er verwundet, hätte er sich auf mein Schreien hin gerührt. Das ist ein Leichnam. Einer von uns ober ein Türke? Gott, ist es nicht ganz gleich .... Und der Schlaf senkt sich auf meine entzündeten Lider. Ich liege mit geschloffenen Augen, obschon ich schon lange wach bin. Ich mag sie nicht öffnen, denn durch die Lider fühle ich das heiße Licht der Sonne; es wird den Augen weh« tun, wenn ich sie aufmache.
Viel bester ist es, sich gar nicht zu rühren . . .
Gestern (es war doch wohl gestern! wurde ich verwundet. 24 Stunden sind vergangen, nochmal 24 Stunden und nochmal — dann kommt der Tod. Was verfchlägts, am besten liege ich mäuschenstill. Der Körper mag ruhig, reglos sein. Wie schön wäre es auch die Arbeit des Gehirns zu bannen! Aber nichts hält sie auf. Gedanken und Erinnerungen drängen sich im Kopf. Das wird ja wohl nicht lange so gehen, dann kommt das Ende. Nur in der Zeitung melden einige Zeilen: „Unsere eigenen Verluste sind unbedeutend, außer einigen Verwundeten, verloren wir den einjährigen Freiwilligen Jwanoff." Nein, nicht einmal der Name wird erwähnt. Es heißt einfach: „Gefallen einer, „ein Mann". Ein Hündchen. Blitzartig taucht
blindlings dem Gegner in den Leib. Stöhnen und Brüllen. Weiter rannten wir. Hurraschreien, Hinliegen, Feuern — wie im Traum. Wie oft ich selbst geschossen weiß ich nicht. Plötzlich klang das Hurra verstärkt und wir nahmen geschlossen den Hang vor uns. Doch nicht wir: denn ich blieb. Ganz seltsam - ward mir und immer selstamer: alles verschwand. Das Schreien war verstummt und das Schieße» verklungen. Nun war gar nichts mehr zu hören; nur etwas blaues sah ich vor mir. Das mußte wohl der Himmel sein. Dann verschwand auch dies.
Zittern, Ohrensausen, Augenflimmern, Kopfdruck, blei- (besonders in den
Mmertus
Bringen oft Kälte und viel Verdruß.
liegen? Sollten uns am Ende die Türken geschlagen haben? Langsam kommen mir die letzten Stunden ins Gedächtnis zurück und es wird mir klar, daß wir nicht geschlagen fein konnten. Ich war doch hingefallen — d. h. daran erinnere ich mich nicht, weiß aber, wie wir vorwärts stürmten und ich nicht mehr weiter konnte und auf einmal nur noch etwas Blaues über mir sah — und zwar oben auf der Wiesenwelle muß ich gefallen fein. Auf sie hatte der Battaillonchef gewiesen: „Jungens, dort müssen wir hinaus", hatte er mit feiner metallischen Stimme gerufen. Und wir waren dort. — Also nicht geschlagen. Doch warum ließ man mich nur liegen?
Hier ist doch offenes Feld — alles zu scheu — ich kann doch nicht allein hier liegen, es war doch so ein mörderisches Schießen. Ich muß doch einmal den Kopf wenden; das geht jetzt wohl bester, denn beim ersten Versuch, vor dem ich nur Gras und Ameiesn gesehen, war ich auf den Rücken gesunken. Deshalb sehe ich doch auch die Sterne. Es gelingt mir, mich aufzurichten und mich hinzufetzen. Ein mühsames Beginnen, da beide Seine durchgefchosten. Fast meinte ich verzweifeln zu müssen, aber endlich mit Tränen in den Augen brachte ich es fertig, lieber mir ein Stück schwarz- blauer Himmel, in welchem ein großer Stern flammt, umgeben von kleineren. Ringsum etwas hohes Schwarzes. Cs rft Gebüsch. Oh — ich bin im Ge-
Diese Wetterregeln werden auch in der heutigen Zeit noch und selbst von den Gärtnern in unseren Großstädten genau beachtet. Und überall gilt das Wort:
Nach wie vor befinde ich mich in der seltsamen Lage. Allem Anschein nach liege ich aus dem Bauch, sehe nur mehr ein winziges Stück Erde. Ein paar Gräser und eine Ameise, die an einem Halme kopfabwärts krabbelt, und etwas dürres Gras vom Vorjahr. Das ist die ganze Welt. Ich seh« sie nur mit einem Auge; denn das andere wird von einem harten Gegenstand zu- gedrückt, einem Zweig anscheinend, an den mein Kopf gepreßt liegt. Eine abscheulich unbequeme Lage — aber es gelingt mir nicht, mich zu rühren. So vergehen Stunden. Ich höre das Rascheln und Zirpen der Heuschrecken, Summen von Bienen. Mehr nicht. Endlich raffe ich mich zusammen, ziehe die rechte Hand unter meinem Körper vor und versuche, gestützt auf beide Arme, auf die Kniee zu kommen. Ein schneidender, rasender Schmerz fährt wie ein Blitz von den Knien zur
blute und dem schon erfolgten Fruchtansatz fo lich werden können? Alle möglichen Gründe Volksglaube dafür ausfindig gemacht. Der Stadtrat
Karoline Hauch-Hochgründler.
Die Eisheiligen.
Von Dr. P. I. v o n L o n e.
(11.), Pankratius (12.), Servatius (13.)
Die feit alters alle zehn Jahre im late der Ammer ffi Oberbayern stattfindenden feierlichen und formvollen-
Austührungen des Leidens und Sterbens, Auf- Ästchens des Heilandes sind im Kulturleben Deutfch- Ws, ja der ganzen christlichen Wett längst zu einem k Saftet geworden, der sich nicht mehr megbenten läßt, inte nut zweimal — zur Zeit der Napoleonischen Kriege swie des Weltkrieges — hat es eine kurze Verschiebung M Passionsspiele gegeben. In diesem Jahre nun finden Wltech besonders umfassenden Vorbereitungen wieder M benn es sind rund dreihundert Jahre seit ihrer I »Premiere" vergangen, und im Zeitalter der allgemeinen Jwerfrife sahen sich auch die Oberammergauer Sau«
feiler genötigt, ganz Besonderes zu bieten.
5ie haben nicht nur große Unterkunftsbauten gefchaf- dos allbekannte Festspielhaus ausgebessert und große .7. mobilstraßen angelegt, sondern auch die „Passion"
und außen erneut und mit neuen Darstellern be-
3eben der vielen Tausende, die heuer das deutsche em an der Ammer mit festlich erhobenen Herzen en, wird es interessieren, über die Herkunft der Maiy feierlichen und fo vielfach anderswo nachgeahm-
oder nie in dieser Gediegenheit erreichten Festspiele rjrcn. Sie entstammen einem Gelübde der frommen E^tettsfcfiniger von Oberammergau. Als diese vor
adert Jahren, mitten im Dreißigjährigen Kriege, Bagabonbierenbe Schwedenhorden in arge Be- gerieten, als vollenbs bas „schwarze Sterben", W- c’ne üble Folgeerscheinung mittelalterlicher
' _aua) im Tale ber Ammer furchtbar hauste unb
■Cörfer zum Aussterben brachte, ba haben bie - Hirten unb Schnitzer von Oberammergau — , ouf Betreiben ber Patres im nahen Benediktiner- I
Bie vier Tage.
^Zählung von Df-wolob Michailowstsch Garschin.
Deutsche Uebevsetzung
°°n Dr. Otto Färber, Karlsruhe i. B.
fA0 >" b « merkung: Die im Jahre 1877 ge- Erzählung begründete den dichterischen £lf’ M. M. Garschins (1855—1888). „Die &2r Tage" dürsten selbst heute trotz R e m a r - jL~eunb Renn das künstlerisch wertvollste li-
Arsche Kriegsbild darftellen, ergreifend als T'?"Evung an gestern und — morgen. Garschin, mim e,nes russischen Offiziers nahm als Frei- 1877®tr- am Krieg der Rusten gegen die Türken unb erlebte hier bas Grauen ber vier g>;9E des Alleinseins mit dem Tobe, bas ihn zur . derlcvrjft bes Nachfolgenden bewog.
8 bleibt mir unvergeßlich. Wir stürmten Waldstück vor. Die Geschosse pfiffen unb n ^ftfrisches Holz aus ben Stämmen, unb Dorn brangen wir auf eine Lichtung 1 hftit2t ?a un$ dort etwas rotes auftauchte, um fo er_?cfn Laub roieber zu verfchwinben. Dann Paldat ö$üffc immer rascher. Siboroff, ein jun- . Ä?5ss ber ersten Kompagnie (wie kommt der ^Schützenlinie? gings mir damals durch den sich unvermittelt auf den Boden und starrte n! ®eü aufgerissenen Augen nach mir. Aus w» .ricseite ein bfinner Streifen Blut. Das ' uüe heute unb bann — auch bas seh« ich Ä.chir, ganz nahe bei ber Lichtung stieß ich riesengroßer dicker Türke. Obschon hager von Gestalt ging ich geradewegs aüf ~~ ein berstender Knall zerreißt die Luft, » f* n Löhnen. Ein großer schwarzer Schat- es mir — flog vorüber. „Das war E sch. er hat fein Gewehr auf dich abgeschos- _i .Ur*e aber drückte sich mit einem Schrei des ^LR den Dornbusch vergaß vor Schrecken umgehen. Mit einem Schlag hieb ich
*u Boden und bohrte mein Bajonett
Zunge Mutter
ri- Hande leg’ ich um mein kleines Kind — Fühl« wie mein Leben ganz in seines rinnt, oggtoe still-versunken auf des Herzens Schlag, $a5 DPr Tagen noch geborgen unter meinem lag. Tafte wie im Traume noch der winz'gen Hand, ich Unruhvolle süßere Ruhe fand.
Hgwhe scheue Küsse auf des Köpfchens Flaum — bie Stunden fliegen, weiß ich kaum.
Mine Hande leg’ ich bebend um mein Kind — mein Leben ganz in feines rinnt.
300 Zahre Mion in Oberammergau.
Beginn der diesjährigen Spielzeit am 11. Mai.
Von Professor Paul Burg.
U ei-
_