Komskag,
den 10. Mai 1930.
Fuldaer Zeitung
2. Blafl.
Druck der Fuldaer Acklendruckerei. Fulda
Zum Schulfonntag.
Bald aufeinander folgen im Jahre in der Oster- .. Ei Sonntage, in deren Mittelpunkt da,r % steht: Weiher Sonntag — Schulsonntag! Und I aehörcn zusammen. Wollen Wegbereiter, Weg- l!.-iser und Führer der Jugend zu Christus sein. qu dem Christus der Gegenwart. Dem man be- eanet an der Kommunionbank, der im laber« . wohnt, wie kürzlich so treffend der Berliner I «itoof sagte Für die Katholiken unserer Zen und niM zuletzt für ihre Führer und Führung, für die Katholische Aktion, dies zielweisende Wort der Vorsehung aus dem Munde unseres Oberhirten in Rom durcb die schwierigen kulturellen Strömun- * unserer Zeit, erscheinen mir die beiden Gönn« taqe noch von besonderer Bedeutung zu sein.
Millionen von Katholiken nicht mehr in der -krönt der Zentrumswähler, Millionen von Katho- £cn außerhalb der katholischen Vereine und Organisationen, ja Millionen unserer Glaubensbrü- an Sonn- und Feiertagen in keinem Gottes-
Hause und--
Millionen von Kindern auch aus solchen Santi» lien in katholischen Schulen trotz der Lockungen der weltlichen Schule, Millionen katholischer Kinder auch von Nichtmitgliedern katholischer Vereine, die im Kreise ihrer Familie mehr oder minder religiös noch die Feiertage und kirchlichen Feste begehen. Und wer möchte die Tausende von Kindern Wen, bei denen am Weißen Sonntag beide Eltern oder in den meisten Fällen auch der Vater wieder einmal durch sein Kind und seine Freude oen Weg zum Gotteshause findet und geht. Im Bereiche des Kindes und feiner Schule ist das Zusammenkommen vieler sonst von uns schon halb ober ganz Getrennten und das Sich-Katholisch- Fühlen aller, die nicht gänzlich abgefallen sind, noch und--wieder möglich. Stier im Lebensbereiche
bcs Kindes und feiner Schule liegt der Ansatzpunkt für eine zukunftsschwere und erfolgreiche katholische Aktion. Aus solchen Erwägungen erwächst die hohe, nicht nur schul- sondern auch volkspädagogische Bedeutung der Erziehergemeinischaft von Elternhaus, Schule und Kirche zur Lösung der Kar- dinal-Kulturfrage für die Gegenwart und Zukunft von Kirche und Staat — auch allem Wirtschwfts- despotismus unfern Zeit zum Trotz — wie die weitblickende Erziehungsenzyklika es so vielseitig nahelegt.
Durch ihren föderalistischen Aufbau im ganzen Reiche und in den einzelnen Ländern, durch ihre rein grundsätzlich-katholische Einstellung seit den tagen ihrer vor nunmehr fast zwei Jahrzehnten erfolgten Gründung, durch ihre bewußte Vermeidung vereinsmäßiger Mitgliedschaft und Gebun- decheit, durch ihr Hinausdrangen über alle parteipolitischen Grenzen bis zu denen, die wenigstens bis ZUM 14. Lebensjahre ihre Kinder noch christlich und katholisch erzogen wissen wollen und nicht zuletzt durch ihr zielbewußtes Streben zur immer innigeren Erziehungs- und Erziehungsgemeinschaft non Elternhaus, Schule und Kirche, hat die Katholische Schulorganisation Deutschlands in steigendem Maße im Lebensbereiche des Kindes sfth Freunde und Helfer aller Richtungen und von allen Seiten erworben nnb den Gedanken der Katholischen Aktion wie die Grundsätze der neuen Erziehungs- s enzyklika in umfassender Weise zu verwirklichen ge« ■ lucht. Die von ihr alsbald nach der Revolution durchgeführte Unterschiriftensammlung, als es um die Religion des Kindes ging, zeigte foviele Millionen in ihrer Gefolgschaft, wie man sie bei uns Katholiken aus anderen Betätigungen unseres Gesamtwillens wohl kaum kennt. Nach den vergeblichen Bemühungen um ein Reichsschulgesetz hat sich nun der Schwerpunkt aller Schulkämpfe der
erbet M die Zeitung
Gegenwart und nächsten Zukunft mehr und mehr l in das theoretische und praktische Ringen um die | Ausgestaltung des jetzigen Schulwesens verschoben und verlangt sowohl stärkste Abwehr aller generischen, wissenschaftlichen Angriffe wie ganz besonders positive Leistungen zur Verwirklichung des katholischen Bildungsideals. Keine Schulart ist davon verschont geblieben. Weder die Hilfs- noch die Volksschule, weder die höhere noch die Berufsschule, weder die pädagogische Akademie noch die Hochschule. Nur durch eine Zusammenfassung aller in Frage kommenden Kräfte, wie dies die Katholische Schulorganisation in ihrem Aufbau zu verwirklichen sucht, wird es den Katholiken Deutschlands als Minderheit in der Kultur- und Sckulbe- wegung der Gegenwart und Zukunft int Kampfe mit den starken sozialistisch-liberalen Mächten möglich sein, katholischer Erziehung und Bildung den ihr gebührenden Lebensraum zu sichern. In aber sichern zu müssen, ist heilige Pflicht und große Aufgabe für die Katholiken Deutschlands im Dienste an Kirche und Staat, im Dienste am deutschen Volke, das nach der Leidenszeit des Zuijammen- bruchs nur dann eine wirkliche Auferstehung wieder erhoffen darf, wenn es die soliden Fundamente christlicher Kultur und Erziehung aus einer großen Vergangenheit auch für seinen weiteren Wiederaufbau in der Zukunft zugrunde legt.
So finden sich in der Sorge um Kind und Schule das Wohl des deutschen Katholizismus mit dem des ganzen deutschen Volkes innerlich zusammen und verlangen von dem Einzelnen den Katholiken der Tat und von allen Tatbereiten zusammen die Katholische Aktion. Darum fei, wer sie auf dem Gebiete des Bildungs- und Erziehungswesens fördern will, ein Freund und Gönner der Katholischen Schulorganisation Deutschlands. Senn, „alles, was die Gläubigen in der Förderung und dem Sckiitze der katholischen Schule für ihre Kinder tun, ist ausgesprochen religiöse Tätigkeit und deshalb allererste Aufgabe der „Katholischen Aktiv n". Daher sind alle jene Sonderorganisa- Honen, die in den einzelnen Nationen mit großem Eifer einem so notwendigen Werke obliegen. Unserem väterlichen Herzen besonders teuer und hohen Lobes würdig." (Enzyklika über die christliche Erziehung der Jugend.) Dr. Ranft.
Die neue Lehrerausbildung.
Eine Rede des Herrn Kardinals von Breslau.
tiefen, lebensvollen Zusammenhang zwischen der Arbeit der natürlichen Vernunft und den Offenbarungen des Christentums als Strahlen desselben Lichtes Gottes erkennt, jeden Fortschritt in Wissenschaft und Technik als wahres Gottesgeschenk begrüßend. Katholische Weltanschauung, die nicht abhängig ist von dieser oder jener Staatsform, sondern einzig dem Volke dienen will, und darum die Aufgaben und Befugnisse der Obrigkeit als der Anordnung Gottes entsprungen achtet. Und dann noch: Katholische Weltanschauung, die Achtung jedem Volke, jedem Stamme, jeder Sprache entgegenbringt, und so eine versöhnende Kraft im Nationalitäten- hader entfaltet, Achtung jedem Berufe zollt, den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern gleiche Achtung entgegenbringt, die Interessen beider zugleich wertet und so echte Berufsinteressengemeinschaft durch Forderung der Gerechtigkeit und Liebe erstrebt, trotz aller Jnteressenreibungen im modernen Wirtschaftsleben.
Wir stehen mit dieser katholischen Akademie im Erenzlande mit gemischter Nationalitätszugehörigkeit und beruflich sehr gemischter Bevölkerung, 'n einem Lande voll Interessengegensätze. Wie tief muß da der bildende und versöhnende Einfluß der Lehrerschaft auf unsere Jugend fein! Um so tiefer, je dreister schyn die V e r h e tz u n g dieIu - g e n d umwirbt. Wir stehen inmitten eines von tiefem Ernste, drückenden Sorgen und aufreibendem Ringen gekennzeichneten Volkes; eines Volkes, das unserer ganzen treuen und opferwilligen Liebe wert ist, eines Volkes, das vorn Himmel mit edelsten Gaben der Arbeitskraft, der Arbeitsfreudtgkeit und des Gemütes, mit kostbarstem Erbgut tiefer Religiosität bedacht ist. Helfen Sie, daß die Jugend auch in Zukunft ins Leben tritt mit festem, sicherem, seelenvollem religiösen Wissen; mit tiefer Liebe zu jenen Heilsquellen, die der Heiland als Quell ftbendigen Wassers preist; daß die Jugend ins Leben trete mit starker Liebe zu Volk, Heimat und Vaterland, mit offenem Auge für alle Gefahren und Aufgaben unserer Zeit, mit dem Entschlüsse, dem Gemeinwohl zu dienen; daß sie ins Leben trete mit Festigung in christlicher Sittlichkeit, deren Schwinden nicht immer mehr zum Krebsschaden des Volkswohls werden darf. Zum Schluß seiner Ausführungen brachte der Kardinal die Ue« bergeugung zum Ausdruck, daß Leiter und Lehrer dafür bürgen, ein gutes Beispiel den Studierenden zu geben.
Kassen- und Finanzsamerung des Reiches.
Die Beschlüsse des Reichstags.
Von Dr. F ö h r, M. d. R.
An den Beschlüssen des Reichstags wurde vonseiten der Opposition schärfste Kritik geübt. Nachfolgend soll zu den hauptsächlich angefochtenen Punkten Stellung genommen werden.
1. Die Tabak- und Zuckersleuer.
Die Stundungsfrist bei der Tabaksteuer mürbe nicht von 3% auf2, sondern nur auf 3 Monate verkürzt. Die Steuerläger wurden beibehalten. Dafür ist jedoch ein Verwaltungskostenbeitrag in Höhe von Vi Prozent des Steuerwertes zu entrichten. Damit hat der Reichstag den Bedenken der Zigarrenindustrie weithin Rechnung getragen. Es ift dies geschehen, einmal weil es nicht die Absicht des Reichstags fein konnte, dieses Gewerbe eventuell teilweise in einen Zusammenbruch hineinzu- führen, zum andern, weil eine Krise dieses Gewerbes mit der daraus folgenden Arbeitslosigkeit gerade die Arbeiterschaft wieder stark geschädigt hätte. Daß die'So zi ald em o k rat i e für diese Gedankengänge fein Verständnis aufbrachte, ist unverständlich und verdient gerade von der Arbeiterschaft wohl beachtet zu werden. Hier mußten die Interessen der Zigarrenarbeiter gegen die Sozialdemokratie verteidigt werden.
Die Zahlungsfrist bei der Zuckersteuer beträgt künftig mindestens einen und höchstens zwei Monate.
2. Tee- und KaffeeZoll.
Diese erhöhte Belastung der weitesten Verbraucherschichten hinsichtlich wohl eines der unentbehrlichsten Getränke wurde noch vom Kabinett Müller auf dem Verordnungswege durchgeführt. Es ist mehr als auffallend, daß die Kritik der Sozial- bemotralie hieran vollkommen vorüber gegangen ist. Und doch bedeutet auch diese Zollerhöhung zu rein fiskalischen Zwecken eine Mehrbelastung der Verbraucher um jährlich 50 Millionen Mark. Da diese Belastung der breiten Masse jedoch noch auf Konto des Kabinetts Müller geht, hat die Sozialdemokratie nichts daran auszusetzen, sie hüllt sich in Schweigen. Daraus kann man ersehen, wie sich die Sozialdemokratie dem ganzen übrigen Steuerprogramm gegenüber verhalten hätte, wenn
Bei der (Eröffnung der Katholischen Pädagogischen Akademie Beuthen hielt nach dem preußischen Kultusminister Grimme, dessen Ausführungen wir bereits veröffentlicht haben, Kardinal Bertram eine Ansprache, in der er u. a. ausführte:
Neue Wege hat die Lehrerbildung eingeschlu- gen. Höher geht das Streben der Kandidaten. Fragen und Probleme pädagogischer Wissenschaft und Praxis sowohl, wie schwierige Aufgaben des beruflichen und öffentlichen Lebens des Volkes verlangen Berücksichtigung. Hofsnungssreudiges Aus- ftrieben beseelt die neuen Anstalten. Da drängt es das katholische Herz, das Auge zu erheben zu dem, den wir als Vater des Lichtes und Geber aller Gaben preisen. Was das katholische Volk des Ostens von dieser neuen Bildungsstätte erhofft und verlangt, habe ich am Altäre dem Ewigen dargebracht. Der Weihegruß, den ich in diese Hallen bringe, ist das Paulinische Wort „O m n i a neftra s u n t". Das ist echt katholisch, das eröffnet den Blick in die Weite und Höhe und Tiefe unserer Weltanschau- ung, von der der Völkerapostel so manchmal stau-- nend ausrief, daß sie alle Begriffe übersteige. Katholische Weltanschauung, die das persönliche Leben, Geistes- und Körperkultur, das Berufs- und Familienleben und darüber hinaus das ewige Leben in wundervoller Harmonie umfaßt, so wie jeder Pädagoge Harmonie der Weltanschauung erstreben muß. Katholische Weltanschauung, die den
Sine Medaille zu den Oberammergauer Baffionsfpielea.
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Vorder- und Rückseite b’t Oberammergau - Münze,
die vom Bayrischen Hauptmünzamt nach einem Entwurf des Bildhauers Karl Götz geprägt wurde und auf der einen Seite den Einzug Christi in Jerusalem, auf der andern Seite den Heiland am Kreuz zeigt.
Zum Muttertag
am Sonntag, 11. Mai 1930
Die Mutter, die dich zuerst geküßt, Sei mit frischen Blumen heut begrüßt, Und schloß sie vorzeitig ihr Leben ab, So schmücke heute schön ihr Grab.
Bon Fulda nach Chicago.
Reise-Erinnerungen
1 von Fr. Donatus Psannmüller, Fulda.
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Die Gegend, durch die wir fahren, ist gut bebaut, eoerall liegen Dörfer und Farmen. Aber es gibt in *»n n°$ ""endlich viel unbebauies-Lond. 3rgenb«
0 mmen roir an den Spuren eines Eisenbahnunglücks i Bwh r $’e Hoizteile der verunglückten Wagen wurden jgJrannt, die verbogenen u. zertrümmerten Eifenmaffen r 3 en liegen. Es muß schon lange her sein, denn die Ihnir’V1 ^d arg verrostet. Man macht nicht viel i-ande in Amerika. Wiederholt habe ich gesehen, y? em baufälliges Holzhaus, das allein stand, einfach Elte r.®e6tannt wurde, und daß man die ausgewechfel- Daz 's Bahnschwellen an Ort und Stelle verbrannte. bSl’W billiger, als wenn man sie sortschaffen und als versteigern würde.
* D0n uns sitzen zwei alte Damen. Sie bespre- ^h'Üienangelegenheiten privater Natur. Viel ist r m- ^attern des Zuges nicht zu verstehen. Aber nSifmJ'6- überbQUPt niemand verstehen soll, sprechen sie EEg* sch"- Und bei mir sitzen zwei waschechte fc taft en Qls notgedrungene Schwarzhörer, und ich "erstehe auch die Landessprache der Schwaben.
■{ fcu ” der Mittagsstunde läuft unser Zug auf dem RVtern Un° sehr schönen Bahnhof von Buffalo ein. Diese pSZ nvlerikanischen Großbahnhöfe find ebenso vor- praktisch gebaut. Man findet sich sehr leicht ÜKrttf ,U-$ ">enn man nicht Englisch versteht. Der >st eine hohe, weite Halle mit sehr bequemen Aichiun -d"ehlehnigen Sitzbänken, die alle in gleicher stehen wie in einer Kirche. Ueberall, wo man stai man die große Wanduhr und die Licht aufblitzenden Zuganzeiger vor sich. «.ein Mann die Züge mit einem Sprach- Tische gibt es hier nicht. Dagegen befindet er Aähe ein eigener Erfrischungsraum.
^ser das Stationsgebäude verlassen, treibt ein -wind sein Spiel mit unseren Hüten, und zwei 5 müssen ihren Hüten nachlaufen. Hier ist eine
windige Ecke; denn wir befinden uns im Gebiet der „Großen Seen". Buffalo liegt ja zwischen dem Erie- und dem Ontario-See. Der Niagarofluß, der den Abzugskanal des Erie bildet, fließt an Buffalo vorüber.
Wir fahren mit einem „Taxi" zu unferm St. Pa- trikskloster ,und ich wundere mich, daß weder der Pater Guardian noch der Bruder Koch bei unferm Anblick in Ohnmacht fällt. Denn drei Gäste auf einmal ist für ein kleines Kloster schon ein bißchen viel. Aber lachend nimmt und der Hausobere auf und verschwendete an mich seinen ganzen geringen Vorrat an deutschen Worten, den er sich von der Schule her gerettet hat. Bruder Bruno aber, der alte, gewichtige Koch, schreitet, nachdem er uns begrüßt hat, ein paarmal um den Küchentisch und überlegt, was er uns oorsetzen soll. Das Mittagessen ist ja längst überstanden. Und die Ueberlegung des Bruders zeigt auch bald ihre Früchte. Er bringt einen mächtigen Knochen, an dem auch noch was dran ist, holt Brot und amerikanisches halbprozentiges Dünnbier, und stellt alles vor uns auf den Küchentisch. — „Ob ihr drin im Refektorium sitzt oder hier, das bleibt sich schließlich gleich. Setzt euch und eßt." — Er ist der einzige Mann im ganzen Haus, der Deutsch spricht, und er ist der einzige Deutsche den ich in Amerika getroffen habe, der sich ni ';t amerikanisiert hat. Er besitzt eine unzerstörbare Ruhe.
Der Plan für den Nachmittag ist schnell gemacht. Wir wollen zuerst nach der herrlichen Lakawanna-Basilika, die etwas außerhalb der Stadt liegt, dann will ich einen ehemaligen Bekannten aus Fulda besuchen. Wir benutzen die Straßenbahn. Es geht weit hinaus, und das Viertel, durch das wir fahren, erscheint mir nicht sehr vornehm. Die amerikanischen Städte sind nach unfern deutschen Begriffen nicht gerade schön, aber sie erscheinen uns interessant. Die Leute stellen ihre Häuser hin, wie es ihnen gerade paßt, ober wie es ihr Geldbeutel zuläßt. Diese Freiheit ist ja sehr anerkennenswert, aber dadurch entsteht ein richtiges Chaos. Oft wird ein wunderschöner Bau von zwei armseligen Baracken flankiert, was sich mit unferm Schönheitsgefühl nicht vereinigen läßt.
Dann kommen wir zur Lakawana-Basilika. Ein einziger Mann, ein Monsignor Backer, hat hier ein ganz eigenartiges Werk geschaffen, wie es eben nur in Amerika möglich ist. Eine ganze Straße ist ausgefüllt mit den monumentalen Bauwerken, die zur Lakawanna ge-
■ hören. Die Basilika liegt gleich vorn an der Straßen- I kreuzung. Sie ist ein kostbarer Barockbau, der von außen betrachtet, der Kritik viele Angriffspunkte bietet, selbst wenn man kein Baufachmann ist. Um eine große, schöne Kuppel haben die Architekten einen Haufen immer niedriger werdende Gebäude gruppiert, was besonders von der Rückseite her ganz unausstehlich wirkt. Alles steht so schrecklich unruhig aus, so protzenhaft und verschwenderisch. Wenn man aber bas Innere ber Kirche betritt, verstummt bie Kritik sofort. Auch hier herrscht eine ver- schwenberische Pracht, ein Reichtum unb eine Sauberkeit, bie gerabezu überwältigen; aber bie Linien sinb klar, und man fühlte, daß hier die Pracht am rechten Orte ist. Ich weiß nicht, ob ich in Italien eine schönere Kirche gesehen habe, eine reicher ausgestattete aber sah ich dort gewiß nicht. Dies herrliche Material, diese kunstvolle Ausführung, diese wundervollen Lichteffekte.
Wir gehen unwillkürlich auf den Fußspitzen nach vorn, wo in einer Seitenkapelle beständig das Allerheiligste ausgesetzt ist, und wo beständig Beter knien. Wir gesellen uns ihnen zu. Dann, nach einer Weile, beginnen wir unfern Rundgang. Ueberall stoßen wir auf die erlesenste Kunst, auf tieffromme Darstellungen. Die großen Wandgemälde über den Altären der beiden großen Seitenkapellen sind unbeschreiblich schön unb zurAnbacht stimmend. Auf ber einen Seite bie Geburt Christi, auf der anderen die Flucht nach Aegypten. Ebenso herrlich ist das Gemälde in der Kuppel, das die Aufnahme Mariens in den Himmel darstellt. Unterhalb dieses nden Gemäldes laufen 16 hohe, bunte Glasfenster, deren nach innen geneigte Mauerumrahmungen je 50 starke, elektrische -Birnen tragen, zusammen also 800. Genau so verschwenderisch sind alle bevorzugten Linien der ganzen Kirche mit elektrischen Birnen ausgestattet. Ich habe mir erzählen lassen, daß die Lakawanna-Bastlika im Glanze des elektrischen Lichtes einen ganz unsagbar herrlichen Anblick biete — und ich glaube es gern.
Aber wie schon gesagt, bie Basilika stellt nur einen kleinen Teil dieser Siedlung bar. Der ganzen Straße entlang erheben sich imposante Gebäube, alle für Kinder gestiftet. Waisenhäuser, Krankenhäuser, die verschiedensten Anstalten für bedürftige Kinder befinden sich in diesen Gebäuden. Eines der Gebäude haben wir besucht und da einige Andenken gekauft. Wir trafen qn ber Pforte eine deutsche Schwester aus Bayern. I
Nun fahren wir wieder in bie Stabt zurück unb kreuzen sie in verschiebenen Richtungen. Als wir aber enblich bas Haus gefunben haben, in bem der Bekannte aus Fulda wohnt, stellt es sich heraus, daß er zur Zeil in Kanada weilt. Also zurück; denn wir find ehrlich müde. Unterwegs fällt mir in einem Warenhaus eine originelle Reklame auf. In einem Schaufenster steht eine richtige, lebendige junge Dame und hat einen großen Stoß Plakate vor sich. Auf jedem Plakat sind mit ein paar Schlagworten die Waren der verschiedenen Abteilungen des Geschäftes gekennzeichnet. Die junge Dame tut nun weiter nichts, als daß sie ein Plakat nach dem andern nimmt, es den Neugierigen draußen zeigt und mit besonderer Grazie nach dem Eingang weist, durch den man die betreffende Abteilung erreicht. Sie braucht dazu keine Worte zu sagen, das Plakat und bie Gebärbe sagen alles. Unb die stattliche, vornehm gekleidete Erscheinung lockt die Vorübergehenden an.
Noch eine andere Reklame sah ich in Buffalo. Man wählte gerade ein neues Stadtparlament. Quer über die Straßen waren weiße Leinenbahnen gespannt, auf denen zu lesen stand: „Reelect Schwab!" Und dieses: „Wählt wieder Schwab" hatten tausend Autofahrer auf einem runden Plakat stehen, das hinten ober seitlich auf ben Reservereifen der Autos prangte. Der Name des konkurrierenden Stadtoberhauptes wurde natürlich in ähnlicher Weise vargeführt, doch habe ich ihn vergessen, weil er nicht so „deutsch" klang, wie Schwab.
Wir deutschen Brüder saßen am Abend noch lange beisammen und unterhielten uns mit Bruder Bruno. Dabei wurde er viel geneckt. Er war vor einigen Jahren in Europa gewesen und hatte auch Lourdes besucht. Aber von dieser Wallfahrt redet er nicht gern, seitdem sie ihn in Amerika so sehr damit aufziehen. Damals ist er mit einem Butterbrot in der Tasche von Straßburg noch Lourdes gefahren, hat bann noch bie Heimat ber kleinen hl. Theresia besucht unb kam nach brei Tagen, halb verschmachtet mieber über die deutsche Grenze. Sein Straßburger- ober vielmehr Badisches Butterbrot war seine einzige Nahrung gewesen, unb getrunken hatte er überhaupt nichts. Das Alles konnte ich an diesem Abend nicht begreifen; denn ein Amerikaner hilft sich doch überall durch. Am Montag abend aber begriff ich es.
(Söttfeteuna folgt.)