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Anzeiger für die Stadt Aulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Dienstag, 6. Mai 1930

57. Zahrg

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Ein allgemeiner indischer Trauerkag

Ohne gerichtliches

Arteil wird Gandhi in Hast gehalten.

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Mittelpunkt der Stadt, wo der

an

Ausi

eines

beschlossen, für heute und morgen einen allge­meinen indischen Trauertag angusetzen.

ist durchaus vereinbar mit Dienst und Opfer der Menschheit, ja — seine Vollendung.

wtb. Bombay, 5, Mai. (Gig. Meldg.). Der berühmte Führer der indischen Nationalisten, Gan­dhi ist auf Anordnung der Regierung in Jalal- pur verhaftet worden. Er ist mit Polizeibeglei­tung in Vorivli in der Nahe von Bombay einge­troffen uni) wurde unter militärischer Bedeckung per Kraftwagen nach Puna gebracht.

wtb. Bombay, 5. Mai. (Gig. Meldg.). Der Haftbefehl, auf Grund dessen Gandhi, wie bereits gemeldet, festgenommen wurde, führt u. a. aus, da die Regierung die Tätigkeit des zu Verhaften­den mit Besorgnis betrachten müsse, werde ihm nach Maßgabe der Ordonanz 25 vom Jahre 1827 eine Freiheitsbeschränkung auserlegt. Die angezogene Ordonanz sieht die Möglichkeit vor, gewisse Persönlichkeiten ohne gerichtliches Urteil in Haft zu halten. Als Aufenchalts- ort für Gandhi ist das Perode-Gefängnis in Puna bestimmt, wo er heute morgen gegen 11 Uhr ein« treffen wird. i -

Die Nationalistenführer der Provinz Bombay sind sofort nach dem Bekanntwerden der Nachricht von der Verhaftung Gandhis zu einem sogenann­ten Kriegsrat zusammengetreten und haben

Aebernündrmg des Krieges

Von Dr. Heinrich Krone, M. d. R.

England läßt Gandhi verhaften

Der Schlag gegen die indische Anabhüngigkeils-Vewegung. -

Gegenkundgebung abgehalten. An verschiedenen Stellen der Stadt ereigneten sich kleinere Raufe­reien, die durch das energische Eingreifen der Be­amten schnell beendet wurden. Zu einem ernstlichen Voffalle kam esarn Nachmittag des Sonntags im ersvnenkraft-

ten Volkstums senkt. Der isolierte Machtstaat ist Abfall vom Geistigen. Völkischer Nationalismus ist Sünde wieder den Geist und Abfall vom Herr­gott. Dienst und Opfer für Volk und Vaterland

Hakenkreuz und Sowzelstern.

Die Nationalsozialisten hielten in $ ort» mund eine Gautagung ab, bei der es zu Zwischen­fällen kam. Die Kommunisten hatten eine

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Der „Neue Plan".

wtb. Paris, 5. Mai. (Gig. Meldg.). Heute treten in Paris die Delegierten der Schatzämter der hauptsächlichen Gläubiger-Länder Deutschlands zusammen. Die Beratung gilt der Vorbereitung der A u f le g u n g der e r st e n Poung-Tranche in Höhe von 300 Millionen Dollar.

lichen Grenzgebiete Bayerns", also vor­nehmlich die Oberpfalz, einzuschalten. — Geld kann heutigen Tags überall gebraucht werden.

gesetz) int Oktober 1929 und unter ausdrücklicher Begründung damit, find an zahlreichen Orten durch die preußische Regierung Beamte, ins­besondere Beamte der Selbstverwaltung, n i ch t be­stätigt worden. Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um die Wahlfreiheit der Staatsbürger gegenüber parteipolitischen Eingriffen von behörd­lichen Stellen sicher zu stellen?" — Warum eigent­lich die Deutschnationalen über dieses Volksbegeh­ren nicht den wohlverdienten Schatten des Ver­gessens fallen lassen?

* Auch Bayern hält die Hand auf! Der baye­rische Ministerpräsident Dr. Held hat sich einige Tage in Berlin aufgehalten. Seine Anwesenheit galt dem „Berliner Tageblatt" zufolge in erster Linie dem Versuche, in das Programm für die Osthilfe auch die..notleidenden öst-

in das kriegszerrissene Europa geworfen ^„kurzer Zeit eine paneuropäische Bewegung •hbäifA b:,e über die Philosophen und pan- Träumer hinaus ins Volk vordringt «tat - auch die Realpolitiker zu interessieren M*,.^udenhoves letztes Ziel ist ein Ueberstaat, t> ä • f cf) e Einheitsnation, ein Ziel, das in ■ET" eneidjt werden soll. Wir tun aber gut W öa>> b ^ür den Weg nach Europa nicht auf ■Sp bestimmte Marschroute festzulegen, um ^d)toTT n<^et das wirklich Erreichbare einem fc -daren, weil Unwirklichen,1 zu opfern. Md-H. führt der Weg zu einem geordneten ^ber ein geordnetes Mitteleuropa. Es ^^^Mittel-Südosteuropäische Interessen- und U^^^lnschast. Sie wieder ins Bewußtsein W^ufen, muß unser Ziel fein. Keine politische «A^ ung der Völker im Osten, wvhk aber ein der allen angeschlossenen Völkern kulturelle und wirtschaftliche Ent-

W» Gedanke, den ich Herausstellen möchte, »Achtung des Krieges. Sie ist die Kar-

n Voraussetzungen nicht, die in einem weiten Maße aus eine Ausschaltung der Kriege als s Mittels zur Behebung internationaler Span­nungen drängen. Hierhin gehört die zunehmende «fflochtenheit der nationalen Wirtschaften in der Weltwirtschaft, wobei jedoch nicht zu übersehen ist, eine kriegerische Entwicklung durchaus im Meresse expansiver Industrien liegen kann, zu Weigen von der Rüstungsindustrie.

Von größerer Bedeutung ist ein Gedankengang, eine Zeitschrift der politischen Rechten äußert: l'^cr Krieg ist an ein Verhältnis zwischen Ver- Drsgeschwindigkeit, Reichweite der Waffen und der kriegführenden Räume geknüpft. Wenn nun die räumliche Erößengllederung eines Erdteils r dem Wachstum der Geschwindigkeiten und Reichweite der Waffen fo weit zurückbleibt, sie einen Krieg'nicht mehr erträgt, ohne völlig erbrechen, dann ist der Krieg überlebt. Die intechnik ist seit 1918 nicht stehengeblieben. Die veite der Geschütze beträgt heute rund 150 ster. - Es gibt im ganzen Deutschen Reich twa 50 Großstädten nur etwa vier, die nicht lt werden können von Geschützen, die auf Boden aufgeftelTf fein können: Magde- . Braunschweig, Hannover und Kassel. Es ganzen außerrussischen Europa nur zwei ^gelegene Hauptstädte, in denen die Kriegs- £ng nicht in Form eines Feuerüberfalls von w der Grenzen oder vom Meere her abge- “ werden könnte: Paris und Madrid. Nicht -verlin oder Wien, das in der Feuerzone liegt, und Rom, Prag und Warschau sind in ‘"W Lage. Das genügt für Europa. ... Die paychen Räume sind für den Krieg zu klein rven. Ein europäischer Krieg wäre so sinnvoll, wenn Mieter ein und desselben Hauses ver- ffb njren Streit mit schwersten Minen zu ent« Der nächste Weltkrieg werde zwischen ttetsTn halben Kontinenten geführt. Die mo- Ä»« fordert von Europa Frieden ^^bstzerstörung.

aus gewinnen wir auch einen neuen itgf die politisch konstruktive Frage Europa. icha^^^denhove-Calergi hat den Pan-Europa-

wagen des Polizeipräsidenten ange­griffen wurde. Die Scheiben des Wagens wur­den zerschlagen. Die den Präsidenten begleitenden drei Beamten wurden durch Stockhiebe verletzt. Ms sie zur Schußwaffe griffen, flüchteten die An­greifer und entkamen. Ein Versuch des kommuni­stischen Landtagsabgeordneten Duddings, auf dem Hansaplatz einen Demonstrationszug zu bilden, wurde vereitelt. Die Führer wurden von der Polizei festgenommen.

* Eine Verhaftung wegen Anschlages auf die Warschauer Sowjekgesandtschast. Die Wilnaer rus- sffchen Blätter „Nascaza Zyn" und „Wremain" melden, daß die polnische Polizei im Zusammen­hang mit dem Anschlag auf die Warschauer Sow­jetgesandtschaft in Wilna in der Wohnung des früheren zaristischen Obersten Buturlin eine H suchung vorgenommen hat. Die Polizei soll hier­bei in "der Wohnung ein sonderbares Uhrwerk ge­funden haben. Sie hat den ehemaligen Oberst fest- genommen und das geheimnisvolle Uhrwerk be­schlagnahmt. _______________________

* Der Reichstag hat am Samstag, nachdem zum Reichshaushalt auch Reichsinnenminister Dr. Wirth und Reichsfinanzminister Dr. Molden­hauer gesprochen hatten, den Reichshaushalt für 1930 dem Haushaltsausschuß überwiesen. Dann ver­tagte er sich auf Donnerstag, den 15. Mai, an welchem Tage die zweite Beratung des Etats beginnen soll.

* 3m Reichstag haben die Deutschnationalen, die Christlich-nationale Arbeitsgemeinschaft und die Deutsche Bauernpartei einen Antrag eingebracht, in dem die Reichsregierung ersucht wird, die am 15. Mai 1930 fällig werdende Vermöge ns- fteuerrate der Landwirt schäft angesichts der Zahlungsunfähigkeit der Landwirtschaft nie« der Zuschlägen ober bis nach Durchführung der Einkommensteuerveranlagung zu stunden und dann soweit niederzuschlagen, als es die mangelnde Leistungsfähigkeit des Landwirts erfordert. — Ar­mer Finanzminister!

* Der Haushaltsausschuß des Reichstages trat am Montag zur Beratung des Etats für 1930 zusammen. Die Ausschußverhandlungen über den Etat sollen bis Pfingsten zu Ende gebracht werden. Die Deutfchnationalen und die ausgetretenen Geg­ner Hugenbergs stritten sich um die Sitze in den einzelnen Kommissionen.

* Die Deutschnattonalen haben folgende Inter­pellation im Reichstag eingebracht: „Aus Anlaß ihrer Beteiligung am Volksbegehren (Freiheits-

Der Vorsitzende eines Ausschusses desLahore- Kongresses, Dr. Kitchlew, wurde unter der Beschuldigung aufrührerischer Betätigung verhaf­tet. Daraufhin wurden die Geschäfte in der Stadt zum Zeichen der Trauer geschlossen. Polizei- und Militärpatrouillen durchzogen die Stadt, doch kam es zu keinen Zwischenfällen.

Aus Kalkutta wird gemeldet: Als die Po­lizei eine Versammlung, die sich aus einer Volks­menge gebildet hatte, zum Auseinandergehen auf« forderte, da sie ungesetzlich sei, wurde ihrer An­ordnung nicht Folge geleistet. Die Polizei machte nun von der Waffe Gebrauch. Mehrere Personen wurden verletzt und fünf verhaftet.

Anruhen in Südafrika.

Aus Worcester wird gemeldet: Von be­trunkenen Farbigen, die nicht zu der eingeborenen Negerbevölkerung gehörten, sind hier Unruhen her­vorgerufen worden, bei denen ein Polizeihaupt­mann verwundet wurde. Er ist nicht nur durch Axt- Hiebe niedergestreckt worden, sondern es sind ihm von einer Frau Schnittwunden in den Hals beige­bracht worden. Von Kapstadt sind in Autobussen 50 Polizisten nach Worcester entsandt worden.

Vier Jahre Krieg waren ein Zusammenprallen mit Dölkerspannungen, von Nationalismus und Chauvinismus, von Jnteressententum und Wirt- s Mstsimperialismus, von übersteigerten Souveräni- tätsbegriffen, von politischen Ränken und aggres- iiver Diplomatie. 1918 standen wir moralisch, poli­tisch und wirtschaftlich auf einem Trümmerfeld. äuS den Völkern erhob sich ein leidenschaftlicher ffiiile gegen den Krieg, der Ruf nach einem fried- fertigen Zusammenleben der Völker. Das Erlebnis : des Krieges war so mächtig, daß viele die Mensch­heit im anbrechenden Stadium des Friedens wähnten. Aber wir wissen, daß das ein Trugschluß war. Recht und Moral sind in internationaler Be­wertung eher am Sinken als im Steigen. Der glaube gewinnt wieder an Boden, daß der Krieg ein Wesensmerkmal der Politik sei. Neben diesen grundsätzlichen Leugnern steht noch der Krieg der Zweifler. Sie rufen die Geschichte zum Zeugen an; legen sie aber einseitig aus, indem sie den Men­schen in ihr nur als die Bestie zu erkennen ver- Sn und dabei ganz übersehen, daß von seinem :n, von seinen bösen ober guten Entschlüssen Vbas politische Bild der Welt abhängt.

Dieser gespannten geistigen Lage Europas ent­spricht seine gespannte politische Lage. Mißtrauen f beherrscht die Stunde und damit internationale Unsicherheit. Das Friedenssicherungsprvblem wird j wiederum zum Wehr- und Rüstungsprvblem. Im - Letzten täuschen hierüber auch die Bemühungen um hie'- Aechtung des Krieges und die Erfolge auf diesem Gebiete nicht hinweg.

Bei diesem europäischen Bild fällt denen, die | ben Krieg noch nicht vergessen haben, doppelt ge- wichüg die Aufgabe zu, die Frage nach der lieber« Windung der Kriege in die Diskussion hineinzustel­len und die Völker selbst aus ihrer Sorglosigkeit immer wieder wachzurufen zu jenem unbeugsamen ' Willen: Wir wollen keinen Krieg mehr. Ob jemals der Zeitpunkt kommt, wo dauernder Friede die Welt regiert, das können wir bezweifeln. Doch daß Krieg ober Frieben von ben Völkern selbst, von M» Führern in Politik unb Wirtschaft abhängen, Mb legt uns bie heilige Verpflichtung auf, uns huernb unb in jedem Augenblick um den Frieden M bemühen. Wir brauchen Friedenskämpfer, nicht Friedensttäumer. Freilich, übersehen wir die natür-

i - Diese Ausführungen folgen den Gedankengängen einer Rede, die Abg. Dr. Krone vor einigen Tagen in der Berliner Arbeitsgemeinschaft der Konfessioi für den Frieden als Sprecher des katholischen Volks­teils gehalten hat.

Bon den Demokraten.

vdz. Berlin, 5. Mai. (Gig. Meld.) Der demo­kratische Parteivorstand, der sich aus ungefähr 40 Mitgliedern zusammensetzt, trat am Mvntagvormit- tag im Reichstag zusammen, um zu der politischen Lage und ben Anträgen verschiedener Landesver­bände, aus der Regierung auszutreten, Stellung zu nehmen. Die Beratungen wurden eingeleitet mit einem ausführlichen Referat des Parteivor- sitzeirden Koch-Weser. Die Tagung gilt auch der Vorbereitung der zum 26. Mai einzuberufenden Sitzung des Parteiausschusses, ferner wird die Entscheidung darüber fallen, ob angesichts der Stimmung in den verschiedensten demokratischen Landesverbänden ein außerordentlicher Parteitag einberufen werden soll. Ferner dürfte im Parteivorstand bie Frage ber Bildung eines Bürgerblo cks zur Sprache kommen und namentlich von den jungdemokratischen Krei­sen, die durch ihren Führer, Abg. Lemmer, im Par­teivorstand üertreten sind, Ausschluß darüber ver­langt werden, wie weit diesbezügliche Verhand­lungen gediehen sind.

binalfrage für die Sicherung des Friedens. So sehr wir die bisherigen Erfolge auf diesem Gebiete im Genfer Protokoll, im Vertrag von Locarno unb im Kelloggpakt als Fortschritt gegenüber der Zeit der Haager Friedenskonferenzen begrüßen, so sehr s.md wir uns der Unvollkommenheiten bewußt, die hinsichtlich der Durchführung der Kriegsächtung und der Erweiterung der Kriegsächtungs-Pakte in der Richtung der Aechtung aller. Kriege noch vor­handen sind. Nur dann werden wir uns diesem Ziel nähern, wenn es gelingt, die Schiedsgerichts­barkeit obligatorisch und restlos durchzuführen. Hier erheben die meisten Staaten große Bedenken. Nicht ganz mit Unrecht, weil gerade für die Ent­scheidung der wichtigsten Probleme noch bindende internationale Rechtssätze fehlen. Wir bedürfen deshalb des Ausbaues und der Kodifikation des Völkerrechtes.

Dann auch wird eine andere Frage von inter­nationaler Bedeutung ihrem Ziele nähergeführt werden können, die Frage der Abrüstung, die bis jetzt trotz der zahlreichen Abrüftungskonserenzen in ihren Anfängen ftetfengeblieben ist. Dem Frieden bienen zu wollen unb gleichzeitig zu rüsten, ist ein Wiberspruch in sich. Kriegsrüstung untergräbt den Frieden u. führt mit suggestiver Kraft zum Kriege. Nur die allgemeine und gleichzeitige Abrüstung bietet bie Gewähr für ben Frieden. Es fordert einen wagemutigen Entschluß, den bisher geübten Grundsatz: „Wenn Du ben Frieben willst, rüste Dich zum Kriege",zum alten Eisen zu werfen unb an seine Stelle ben Grundsatz zu setzen: „Wenn Du ben Frieben willst, so rüste zum Frieden." Ich gebe unserem deutschen Volke in feiner militä­rischen Lage, die der Versailler Vertrag aufzwang, ich gebe unserem Deutschen Reiche, zentral gele­gen in Europa, die Aufgabe, nicht mit knirschenden Zähnen das Versailler militärische Schicksal hinzu- nehmen, sondern es geistig und sittlich umzuwer­ten zum Führerdienst für die übrigen Völker Euro­pas und für die Welt. Deutschland hat die prooi- dentielle Aufgabe, kühn entschlossen die Pionier­arbeit für die Völkergemeinschaft zu übernehmen, im Ringen um ben Frieden führend zu sein, den Kampf für die internationale Abrüstung unbeirrt fortzuführen, so wie es für sich den Gedanken der Aufrüstung ablehnt. Ich will in diesem Zusarw- menhang zur Frage der deutschen Wehrmacht nur dies eine aussprechen: Weil jede militätische Frage zu Lande und zur See, wie wir es gerade wieder in diesen Tagen erleben, unser Volk leidenschaft­lich aufwühlt, werden unsere militätischen Instan­zen gut daran tun, in aller Oesfentlichkeit mit dem Deutschen Volktz bie Frage auszutragen, was bas Reich zur Aufrechterhaltung ber inneren Orbnung unb zum Grenzschutz gegen unvorhergesehene ille­gitime Handlungen von außen her, an militärischen Mitteln bedarf. Wir müssen davor warnen, über Hintertreppen vollendete Tatsachen zu schaffen.

Das Problem des Krieges ist zuerst und zuletzt sittlich unb erzieherischer Natur. Wir spüren es heute wieder: Die Lösung des sozialen wirtschaft­lichen und politischen Lebens von den großen sittli­chen Leitsätzen und Kräften der Religion, sein Hin- abfintep in bie Welt bes Materiellen, das ist die große abendländische Not. Wir müssen umkehren unb in bas persönliche wie in das öffentliche Le­ben wiederum das Geistige und Sittliche einbauen, von dorther Blickrichtung unseres Denkens und Handelns nehmen. Wir sind eingebettet in unser Volk, leben in seiner Tradition und Kultur. Wir stehen zu ihm und wissen darum, daß mir ohne diesen Wurzelboden nicht leben können. Und neben uns stehen andere Nationen, mit uns auf Gedeih und Verderb mit Europas Boden und Schicksal verbunden. Unsere Aufgabe, uns von der Geschichte gestellt, ist es, in den europäischen Völkern das Bewußtsein um die Schicksalsoerbundenheit wach­zurufen. Träger einer europäischen Idee zu sein, die ihre Wurzeln in den Boden eines reichgestalte-

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt _. -4AÄ. im Bild« und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag

InL X.V*x der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Schobers Heimkehr.

&et österreichische Bundeskanzler Schober ist aus London wieder in Wien eingetroffen.

Dr. Schober erklärte nach seiner Ankunft Ver­tretern der Presse: „Ich muß daran festhalten, daß der Besuch in Paris und London vor allem ein Akt der Höflichkeit war. Wenn der Besuch in Rom der Wiederherstellung guter Bezie­hungen mit unserem mächtigen südlichen Nachbar und der Besiegelung eines Freundschaftsverhält­nisses, zugleich aber auch meiner Danksagung für die Unterstützung durch Italien im Haag gegolten hat und wenn die Reise nach Berlin, abgesehen von der Beschleunigung der Handelsverttagsver- handlungen, dem selbstverständlichen Bedürfnis eines deutschen Ministers im deutschen Oesterreich, den deutschen Bruder im Reich zu besuchen, ent­sprochen hat, so gaben die liebenswürdigen Einla­dungen nach Paris und London mir die willkom­mene Gelegenheit, nicht nur meinen Dank für die auf der Haager Konferenz durch die Regierungen Frankreichs und Englands den österreichischen Be­mühungen großzügig gewährte Unterstützung aus­zudrücken, sondern auch über die innerpolitische und wirtschaftliche Entwicklung des neuen Oester­reich aufklärend zu wirken, das Vertrauen in unser Land zu stärken und die wohlwollende! Förderung unserer Bestreibungen seitens dieser nicht nur für unser Mitteleuropa, sondern für ganz Europa wichtigen Machffaktoren sicherzustellen. All chies, glaube ich, ist in den persönlichen Aussprache» gelungen."

Änderungen im Rechlsversahren.

Der neue Reichsjustizminister bes Kabinetts Brüning hat dem Reichstag ber Entwurf eines Gesetzes zur Aenberung bes Gerichts­verfassungsgesetzes unb einiger Vor­schriften über bas Verfahren in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten. sowie über die Rechts- anwaltsgebühren inArmensacyen zu­gehen lassen. .. , ...

Das Gesetz erweitert zunächst bie amtsgericht- liche Zustänbigkeitsgrenze von 600 <* ber Vor­kriegszeit auf 1 000 JL Seit bem Dezember 1923 war aus ben gelbpolitischen Veränberungen nach der Inflationszeit heraus bieje Grenze auf 500 M festgesetzt. Die jetzige Festsetzung auf 1 000 M ent­spricht nach ber Kaufkraft bes Gelbes in etwa ber Grenze von 600 <Al in ber Vorkriegszeit. Die Re- girung nimmt an, baß biefe Erhöhung ber Zu­stänbigkeitsgrenze für bie Lanbgerichte bei ben ge­wöhnlichen vermögensrechtlichen Prozessen e;ne Abnahme ber Geschäftsaufträge um etwa 43 Pro­zent unb bei ben Urkunbe- unb Wechselprozessen eine solche um etwa 49 Prozent erwarten ließe. Für bie Ober-Lanbesgerichte wirb auf bem Wege ber vermögensrechtlichen Streitigkeiten mit einem Rückgang ber Berufungen um 27 Prozent zu rech­nen 'fein, bem bei ben Lanbesgerichten ein entspre- chenber Mehranfall an Berufungen in amtsgericht­lichen Sachen gegenüderstehen würbe. Der Mehr- anfall, ber den Amtsgerichten infolge ber Abwen­dung ber bisher landgerichtlichen Sachen, die in bem Streitwert liegen von 500 bis 1 000 M, er­wachsen wurde, wirb in ber regierungsseitlichen Begründung mit etwa 6 bis 7 Prozent ber Ge­samtzahl der amtsgerichtlichen Zivilsachen ange­nommen.

Dem Wunsche der Länder entsprechend wird bie aemeindegerichtliche 3 u ft ä n b i g t e i ts«