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Christus und die soziale Gerechtigkeit
emut nachzudenken und eine serforschung anzustellen.
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•) Kapitalisten wohl im Sinne von Ausbeuter gemeint. '
lehrten „Allerdings" haben sie in jedem Jahrhundert Jesus und den Osterglauben und die Auferstehungshoffnung feiner Jünger einsargen und in irgendein frischgeschaufeltes Grab werfen wollen. Und fie haben immer wieder bezahlte Wächter vor die Höhle gesandt. Aber durch Soldatenwachen und Kerkermauern, durch die Banden der Lüge und der Verleumdung ist die Osterfreude der gläubigen Menschheit auferstanden. Kein Betrug bestellter bezahlter Grabeswächter hat an dieser Tatsache der Geschichte etwas ändern können?)
Beim Anblick ähnlicher gotteslästerlicher Jllu- sttationen ist unsere Enttüstung ungenügend, wenn sie sich begnügt mit dem bloßen heuchlerischen Protest eines Pharisäers. Es ist vielleicht doch besser, in aller Demut nachzudenken und eine kurze Gewiss- ' s ' , Weshalb stellt der Bolschewismus Christus als den Paravent der Kapitalisten hin?* ••)) Weshalb ist diese Illustration nur das Symbol einer ganzen Menge von Artikeln und Reden? Weshalb ist das Volk so leicht geneigt, ihnen Glauben zu schenken?
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Man muß zugeben, daß, wenn es auch eine ungezählte Schar gehässiger Lügner gibt, doch
••) Natürlich will das vatikanische Organ nicht das segensreiche Wirken derjenigen Binzenzkonferenzen, die wirklich die Armen in ihrer Armut aufsuchen und mit Herz und Hand ihnen beistehen, und darin eine ausgezeichnete soziale Tätigkeit leisten, treffen, sondern es lehnt solch« Auffassungen ab, welche diese Tätigkeit a l s das letzte und genügende Werk der sozialen Reform bewachten.
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*) Aus: „Die anbrechende Freude". 40 religiöse Lesungen von P. Justinian Widlöcher, O. M. Cap, Ca. 240 Seiten. Preis Leinen ca. Mk. 5.—. Verlag Josef Küsel L- Friedrich Pustet, München.
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Der „Osservator« Romano" hat unter dem Titel „Jl Paravento" einen Aufsatz veröffentlicht, der jedenfalls von zuständiger Stelle im Vatikan inspiriert ist, und energisch den Versuch der Bolschewisten abweist, die Kirche als Verbündete der Kapitalisten hinzustellen. Der Auffatz rechtfer- tigt di« Attion des Heiligen Vaters gegen die Religionsverfolgungen in Rußland in jeder Weise, weil er in schärffter Form vom Kapitalismus abrückt und für die soziale Gerechtigkeit eintritt. „Der Anfang der Liebe ist die Gerechtigkeit." In einer Zeitschrift der bolschewistischen russischen Gesellschaft, der „Bezbozniki", die in Moskau erscheint, findet sich eine Jllustrattvn, die den Titel führt: Der Paravent.
Man erblickt in der Mitte einen großen Christus mit schwarzen, beunruhigenden Augen, eine Art Rasputin, der seine Hände beschwichtigend nach links stteckt, wo eine dichte Gruppe von elenden, ausgemergelten Frauen, zu Skeletten abgemagerte Kinder, rohe, durch Schicksalsschläge vertierte Bauern, mit Oel und Kohle beschmutzte Arbeiter dahingestreckt liegen. Und Christus scheint diesen Unglücklichen zu sagen, „Segnet die Leiden! Lehnt euch nicht auf gegen den Herrn und die Ausbeuter eurer Arbeit! Suchet nicht euren Kindern ein froheres und menschlicheres Dasein zu verschaffen! Das Leben ist kurz, und ihr habt euren Lohn in der Ewigkeit! Habt Geduld!" Und hinter dem in Rot gekleideten Christus, durch ihn der Menge verdeckt, zieht ein dickbäuchiger Bourgeois mit fetten, brillantenbesetzten Fingern, mit rotem, fettgepolstertem Gesicht, mit gierigem, ekelhaftem Blick den Strick, der in einer Schlinge endigt, in welcher der Hals eines Proletariers mit blutleerem, aufgedunsenem Angesicht steckt. Schützend verdeckt Christus diese Szene der Schar der Elenden. Das ift der Paravent: Christus!
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wie unsäglich leer diese Leugnungen, wie erbärmlich 'nackt seine Versprechen waren. Was hatten sie denn von den gleißenden Zukunftsverheitzun- gen des bezahlten Führers dort vorn? Vielleicht einen Gänsebraten mehr und ein Gläschen Likör über den Strich und die Freiheit, Tier zu sein — und dann einmal hoffnungslos, trostlos, gebets- lüsLin einem Erdloch verscharrt zu werden!
Ms hat schon immer von diesen Bolschewistenrednern gegeben. Sie nennen sich heute so und morgen anders. Sie schrien gestern in der römischen Arena gegen die verfluchten Christen, die auf ein besseres Jenseits vertrösten; und morgen heulen sie auf den Pariser Schafotten und schlagen den Christusgläubigen und Osterhoffenden das Haupt ab. Mit klugen „Wenn" und „Aber", mit unantastbaren Gesetzen, mit Eassengespöttel und gr-
den wird das Gefühl des Wohlwollens, welches Almosen zu geben veranlaßt, so sage ich, daß es sich hier nicht um eine Liebespflicht handelt, sondern um eine Art Unternehmung handelt, die auf Verlust arbeitet oder wenigstens keine ausgesprochenen Gewinne erzielt; wenn Hilfe gegen Mängel und Halbwerte des Proletariats gewährt wird; ich verstehe sie in bezug auf die Trägen und selbst die Schuldigen, wenn sie, sich in Not befinden; diese Kategorien werden immer, leider zahlreich genug sein. Aber ich lehne fit ab für den lebenskräftigen Proletarier, der in normalen Verhältnissen arbeitet." (Das heißt, dieser hat Anspruch auf Gerechtigkeit, nicht nur auf Almosen! Die Schriftleitung.)
Der Arbeiter, welcher arbeitet, hat Recht auf einen Lohn, der ihm erlaubt, anständig die eigene Familie zu ernähren; hat Recht auf Gesundheit, aus Leben, auf Sonne, auf menschliche Freuden... Wenn er einen gerechten Lohn erhalten wird; wenn er mit Hilfe seiner Standesorganisation ein freier Mitarbeiter seines Arbeitgebers geworden ist; wenn dort, bei christlicher Erziehung, die Arbeiterfamilie die natürlichen Mittel kennen wird, um eine luftige und, wenn auch nur im bescheidenen Maße, würdige Wohnung aufrecht zu erhalten, um sich gesund zu bewahren, um ihre Kinder zu nähren, zu pflegen und zu erziehen: d a n n verbleiben aus Schuld der unausrottbaren menschlichen Selbstsucht oder der Trägheit oder der Krankheiten noch immer genügend viele Uebel, denen man mit Liebe zu Hilfe kommen muß.
Die Liebe wird zu ihrer Zeit kommen und hochgepriesen sein. Aber sie darf sich nicht an die Stelle der Gerechtigkeit fetzen. Der attive Arbeiter hat das Recht und die Pflicht, sich selbst mit seiner Arbeit zu genügen, und er darf nicht angewiesen sein auf Almofen von großmütigen Börsen; er muß es ablehnen, ein Almosenempfänger zu fein.
Es ist gräßlich, wenn man es gut hat und glücklich ist, den Armen zu sagen: „Selig sind die Trauernden!..." Es ist eine Ironie, die um Rache schreit, jene teuflische Deformierung der Bergpredigt! Eine gute Sache sind die Worte, aber das Beispiel ist es, das ihnen vorausgehen muß.
Dem Nächsten, der weint und leidet, muß man in Gott vor allem die einzige Seligkeit sehen lassen. Aber es ist eine schwere Schuld, die Botschaft Christi zu gebrauchen, um ihn auszubeuten. Wenn es nicht gestattet ist, die brutale Revolution zu predigen, so muß man doch gerechte Ansprüche unterstützen, Lebensfreude eingießen allen Brüdern und darf sie nicht der zeitlichen Güter berauben im Namen der ewigen.
Vergessen wir nicht, wie der heilige Thomas sagt, daß ein gewisser Wohlstand notwendig ist zur Ausübung der Tugend. Nun sind aber nur zu zahlreich die Menschen, die nicht nur nicht gut leben können, sondern die sogar dessen beraubt sind, was zur bloßen Lebensnotdurft gehört. Wenn wir in jenem „unverdienten Elend", wie Leo XIII. es nennt, die Armen belassen, die in uns die Erben Jesu sehen und die den Meister beurteilen nach den Werken seiner Schüler, so werden sie mit Haß von uns weggehen. Dann muß uns wie ein blutiger Peitschenhieb der Fluch Christi ins Gesicht schlagen: „Wehe euch, ihr heuchlerischen Pharisäer, die ihr unter der Maske eurer langen Gebete die Häuser der Witwen verzehrt!"--
auch diejenigen nicht fehlen, die, der Täuschung erliegend, sich von Jesus enffernen, weil sie in ihm „den Paravent, den Erschaffer des evangelischen Opiums, den Betörer der ausgebeuteten Massen" sehen.
Woher diese bittere Enttäuschung, woher diese Menge der Abgefallenen? Woher? Bekennen wir es freimütig: Viele, die sich Anhänger der Lehre Jesu nannten und nennen, haben ihn nur zu oft verraten! Bestreben sich alle, wahrhaft alle diese, in dieser Welt die gottgewollte Gerechtigkeit und Darm- herzigkeit zur Herrschaft zu bringen?
Das Gebet ist eine Lüge, wenn es nicht begleitet ist von der Gottesliebe und sich nicht in Nächstenliebe umbildet, denn diese beiden Dinge bilden nur ein Gebot,
sagt Jesus. Und der Prophet Jsaias ruft aus, dasjenige Fasten gefalle Gott, „das die ungerechten Ketten aufschließt, das die Knoten des Jochs auflöst, das die Unterdrückten in Freiheit setzt und das jegliche Art von Sllaverei zerbricht".
Jawohl, die ungerechten Ketten a u f s ch l i e - ßen, nicht sie als unzerstörbar und schicksalhaft erklären und sich damit begnügen, die Angeklagten, Angeketteten zu ermuntern und an ihnen Liebeswerke zu tun. Es gibt leider zu viele, die sich mit Palliativen, mit Almosen, mit „Vinzenzkonfe- renzen"") begnügen, und die nichts tun, die Sllaverei so vieler Arbeiter zu brechen, welche die Päpste des 19. und 20. Jahrhunderts so heftig gebrandmarkt haben.
Bevor man von Liebe spricht, ist es erforderlich, die Gerechtigkeit aufzustellen.
„Wenn unter Liebe," bemertt Pvttier, „die Liebe Gottes über alles und die Liebe des Nächsten wie seiner selbst aus Liebe zu Gott verstanden wird, das ist diejenige Liebe, welche die Erfüllung des Gesetzes ist, dir Liebe, die all« Gebote, zu halten antreibt — so wird die Liebe dem Nächsten das, was ihm a«schulde t ist, leisten, bevor sie ihm Geschenke gibt. Und ich sage mit Lacor- tmire: „Hier ist der Anfang der Liebe die Gerechtigkeit." Gesetzt, daß unter Liebe verstan-
Konntag Misericordia
Eingangslied: Ps. 32,5—6.
Misericordia Domini plena est terra ....
mgn des Herrn Erbarmen ist übervoll die Erde, taia- durch das Wort des Herrn find die Him- qeschaffen, alleluja, alleluja (Pf. ebd. 1). euch, ihr Gerechten, im Herrn; Gotteslob
-es rechten Mannes Pflicht.
Evangelium: 3oh. 10,11—16.
In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern: bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt Leben für seine Schafe. Der Mietling, der U Hitte ist und dem die Schafe nicht gehören, die Schafe im Stich, wenn er den Wolf kom- sieht und flieht; und der Wolf raubt und -erstreut die Schafe. Der Mietling flieht, weil er Mietling ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Zch bin der gute Hirt und kenne meine Schaff unb meine Schafe kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe mein Leben für meine Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind. Auch die ich herbeiführen; sie werden auf meine Stimme töten, und es wird ein Schafstall und ein Hirte sein.
Der Schrei des russischen Volkes.
Don P. Justinian Widlöcher O.M,Cap.
An Ostern trat ein Bolschewistenführer vor die versammelte Menge. Er spottete über die veralteten und erledigten Osterhoffnungen, über die religiöse Freude der Vergangenheit, über die hei- ligen Gebräuche früherer Tage. Er bewarf das Antlitz des Gekreuzigten und Auferstandenen mit seinem schmutzigen Speichel und, wie alle bezahlten Grabeswächter, leugnete er Auferstehung und Oster- sieg.
Als er geendet, lastete für einige Augenblicke dumpfes Schweigen über den Massen. Nur einige „Freunde" suchten den peinlichen Eindruck zu vermischen. Aber das Volk widerstand den Worten, die vom Rednerpult gekommen waren, durch Der- stmnmen. Diese Stille war für den Flüchtling, der 6 unter der Menge stand und später von dieser; bangen Stunde erzählt hat, wie das Harren der Anger vor dem siegreichen Ostertag.
Wie anfänglich versprochen, wurde am Schluß die Diskussion freigegeben. Ein Pope erhob sich. Der Versammlungsleiter bemerkte ihm nervös: „Nun gut, aber Sie haben nur fünf Minuten Seit."
Ich bin schon in einer fertig," lautete die je Antwort. Hierauf tritt der Priester auf die rertribüne, sammelt sich einen Augenblick in , schlägt das Kreuzzeichen und ruft mit lauter -«ime den alten russischen Ostergruß in den IM: „Christus ist auferstanden!" — -wahrhaftig, er ist auferstanden!" ist es durch die Massen. /
bin namenloser Jubel bricht im Volke aus. Dis t haben sie schweigen müssen. Nun umarmen ich unter Freudenrufen und Weinen und sagen in gläubigem Frohlocken die unsägliche Oster- chaft in immer neuen Worten an: „Christus auferstanden! Alleluja!"
In dieser Ostermorgenstunde schrie das gesunde, hte russische Volk auf gegen diesen satten, feintten Hetzer vorn auf der Bühne. Heute Ostertag kam ihnen auf einmal wieder das nern an die religiöse ^Freude all der Der» enen Jahre, an den Allelujajubel ihrer Kiran den Lichterglanz ihrer Ikonen, an die iltene Seligkeit ihrer Hoffnungen. Und vor infamen Geschwätz des Abgesallenen spürte Voll: wie entsetzlich gemein diese Spöttereien,