Nr. 102
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; Volkslied im Malen.
Als ich zum ersten Mal mit dir In frühlingssrohe Lande fuhr. Ging noch mit mir am Wegessaum Des alten Leides tiefe Spur.
Als ich zum ersten Mal mit dir In frühlingslichten Wäldern schritt, Da ging ganz scheu am Hagesrand Das erste bißchen Freude mit.
Und als ich Tag um Tag mit dir Dem jungen Mai entgegenging. An unserem Himmel hell und froh
Das erste bischen Sonne hing.
Castagnola.
Geselligkeit.
Glossen von Emmy Ficus, was ist Geselligkeit?
Geselligkeit ist die Kulturgeschichte des guten Ge- chmacks und der gesamten Menschheit. Sie ist di« Wissenschaft von der Gastronomie und die Weisheit vom Genuß. Geselligkeit entstand aus dem Herdentrieb der Völker und aus der ersten, primitiven Gastfreundschaft. Geselligkeit war der Psingstreigen unter der DorfiiiGe ebenso gut wie der literarische Salon in Paris und Berlin. Geselligkeit prägte die Schäferspiele der Marie Antoinette wie die Gastmahle des Plato. Geselligkeit schuf die Talente des Brillat-Savarin und brachte die Versuchs des Fürsten Pückler zur Entfaltung. Geselligkeit erzeugte letzten Endes — den Wiener Walzer und die Jazzmusik!
Vas will Geselligkeit?
Sie will anregen, und ablenken, sie will Geist und Seele beschästtgen. Sie vereinigte Leute, die nicht zueinander stimmen, und Menschen, die sich suchen und zuweilen sogar — finden. Geselligkeit möchte die Stunden anfüllen mit wertvollem Inhalt, und schlägt stattdessen oft nur die Zeit tot. Sie strebt die Vereinigung amüsanter Geister an, und erreicht manchmal — die Verbindung von Langeweile und Oberflächlichkeit. Sie will die Einsamkeit bekämpfen, und erreicht die Vereinsammlung des Einzelwesens unter der Masse. Sie bezweckt Geda^enaustausch und fördert Klatsch. Sie möchte Ehen stiften und — löst Verlobungen auf.
Vas schuf die Geselligkeit?
Geselligkeit führte zur Entdeckung des Feuers, zur Erfindung der Eisenbahn, des Telefons und des Rad'O; denn Einzelwesen brauchen solche Dinge für sich allein schwerlich. Geselligkeit schuf Konzerte, Theater, Fabriken und Kraneknhäuser, für die Gesellschaft in Freuden und Leiden. Der einsame Beechoven schuf seine Werke ebenso für die Gesamtheit wie der alleinlebende, forschende Wissenschaftler. Geselligkeit erzeugt« die Gaststätten, den Modesalon und das Stadion. Ohne Geselligkeit müßten sogar Hunger und Liebe aussterben, — an Appetitlosigkeit wie an Gelegcnh«itsmangel!
Was geschah mit der Geselligkeit?
Dies ist das traurigste Kapitel. Denn vormals war die Geselligkeit eine kulturelle Angelegenheit, eine Entfaltung der geistigen Kräfte und ein Ansporn für di« Talente. Dann wurde sie — ein protzenhaftes Zur- schaustellen von Reichtum und Genußsucht. Und heute ist sie — ein Sport wie so vieles Andere!
was soll daraus werden?
Geselligkeit soll wieder die deutschen Denker zum hen Zeiten angepaßt. Sie soll aus der Gastfreundschaft entspringen, und aus dem Wunsch heraus, wahren Freunden ein wirkliches Heim mit wirklichen Feierstunden zu bieten. Der materielle und körperliche Denuß soll zurücktreten vor der Gabe, Freundschaft zu pflegen und Behagen zu verbreiten. Butterbrot und Tee im Freundeskreis sollen mit so viel Anmut und Eeist serviert werden, daß sie alle gastronomischen Lek- kerbissen vergessen machen.
Geselligkeit soll wieder die deutschen Denken zum Denken, das deutsche Gemüt zum Blühen, den deutschen
Walpurgisnacht und Hexenglanbe.
Zum 1. Vai.
Don Dr. Paul I. von Sone.
es
.,21m Abend vor Walburgi oder Philippi-Jaeobi-Tag. also vorm 1. Mai, pflegen die Zauberer, Unholden und chs^engeschmeiß viel Teufelei zu üben, damit sie die >.euthe vielfältig zu beleidigen gedenken." So lesen wir S 'l. E. Thiemens Nürnberger Wunderbuch von 1637. -Merkwürdig, daß ausgerechnet der „Wonnemonat" mit 2cm Hexensabbat beginnen muß, „die beste, schönste, "Üblichste Zeit", wie derselbe alte Schreiber meint, 2®°nrt die Natur am fröhlichste!? und fruchtbarsten ist," -Was hat hte berüchtigte Walpurgisnacht damit zu tun?
SBenn „im grünen Haag die Nachtigallen schluch- ?6n und die Heckenrose ihre Sehnsucht klagt", dann gierten unsere germanischen Altvordern den Sieg des ^^lwgs als die Hochzeit Wodans mit der Freya. «5r gütigen Spenderin von Sonnenschein und Regen.
5 dann das Christentum ins Land kam, konnten die »etreuen Anhänger der alten Götter diese Opfer nur I» J "^daten im Geheimen feiern, so wie Goethe
“Cr »Ersten Walpurgisnacht" dargestellt hat:
„Die Flamme lodre durch den Rauch! Begeht den alten Heilgen Brauch, Allvater dort zu loben!"
"ch die Warnung stieg auf:
„Könnt ihr so verwegen handeln? Wollt ihr denn zum Tode wandeln^ Kennet ihr nicht tue Gesetz« Unsrer harten Ueberwinder?"
Mußten sie herzhaft den Beschluß:
„Laßt uns keck sie überlisten!
k, Mit dem Teufel, den sie fabeln. Wollen wir sie sylbst erschrecken! Kommt- mit Zacken und mit Gabeln, Und mit Glut und Klapperstöcken Lärmen wir bei nächtger Weil« Durch die engen Felsenstrecken.
Kauz und Eule — heul in unser Rundgeheule!'
Beilage zur Fuldaer Zeitung
3. Mai
Frohsinn zur Entfaltung bringen. Und soll alle So» tzen — für kurze Zeit! — zum Kuckuck jagen!
Hausfrau und Feuer-Verhütung
Das Dolksoermögen geht zum großen Teil durch die Hände der Hausfrau. Ein Staatswesen besteht aus einer riesigen Zahl von Hauswesen; jedes enthält feste Werte, di« vor allen Dingen von der Frau gehütet und erhalten werden müssen. Da ist die Wohnung — sei sie nun Teil eines großen Hauses oder ein kleine, Haus für sich. Sie ist ein bedeutender Wert, besonders in 'unserer immer noch von Wohnungsnot bcherrschten Zeit. Ihre Räume sind erfüllt von den Dingen der täglichen Gebrauchs — ost auch noch von viel Ueber- flüssigem dazu. Wer jeder Stuhl, jede, Bett, jedes Stück Wäsche oder Geschirr ist ein Teil unsere, Der- mögens. Sie alle sind der Hausfrau unterstellt, die mit der guten Pflege chres Heims, dem guten und richtigen Einkäufen und Wirtschaften ein« hohe Derant- wortung in ihrem kleinen Reich und damit auch im Volksganzen hat.
Di« Frau hat auf chrem Posten mit allerlei Feinden zu kämpfen. Jeden Tag muh sie Krieg gegen Staub und Schmutz führen, muß ihre Teppiche, Möbelbezüge, Kleider vor den gefräßigen Motten schützen, vor dem Verbleichen durch Sonnenstrahlen, vor Beschädigung durch das Toben der Kinder. Daß sie dabei frisch und tapfer bleibt, statt vor lauter Sorgen und Sparen ganz nervös und grämlich zu werden, ist freilich vor allen Dingen zu wünschen — lieber mal ein Fleck, ein Kratzer in der Politur, ein zerschlagener Teller als ewiges Scheuern und saure Gesichter! Denn diese kleinen Feinde sind alle noch nicht lebensgefährlich. Aber den Kampf gegen einen Feind kann man gar nicht ernst genug nehmen — er hat schon unendlichen Schaden angerichtet, liegt in jedem Haushalt auf der Lauer Und wartet nur auf den unbewachten Augenblick, wo er über dieses kleine Reich mit allen seinen vielen hübschen Dingen, ja womöglich gar über seine Bewohner her- fallen, sie verschlingen, vernichten kann--das
Feuer!
Es lauert in jeder Streichholzschachtel, in jedem Ofen und Licht, es wartet, ob einmal nicht anfgepaßr wird, ob das Kind mit Zündhölzern spielen wird, ob die glimmende Zigarette in den Papierkorb fliegt, ob die Christbaumkerzen die Gardine erfassen, elektrische und Gasleitungen schadhaft sind, glühende Kohlen aus dem Herd fallen, ob die Benzinflasche dem offenen Licht zu nahe kommt--ach, und wie oft findet es
solche und andere Gelegenheiten, um auszubrechen und seinen wilden Tanz aufzuführen!
Diesem unheimlichsten Feind im Reiche der Frau kann sie nur mit großer Vorsicht, Umsicht und Gewissenhaftigkeit auch im kleinsten begegnen. Und zu der gleichen Achtsamkeit muh sie ihre Kinder anhalten, nicht durch Ueberängftlichkeit mit dem ewigen: faß dies ober das nicht an. Nein, die Kinder sollen so früh wie möglich alle Dinge unter Aufsicht der Großen anfassen und mit den gefährlichen richtig umgehen lernen. Dann wirds ihnen eine Selbstverständlichkeit, vernünftig und vorsichtig zu sein.
Die Hausfrau kann sich den Kampf gegen die Feuersgefahr durch die Anordnung und Einrichtung ihrer Wohnung sehr erleichtern. Ucberfiillte Stuben, wie die stil- und geschmacklose Zeit der 80er Jahre bis um 1900 sie liebte, mit ihrer Anhäufung von Möbeln, Nippes, Etageren und Portieren sind dem Feuer äußerst willkommen; da findet es leichter eine Gelegenheit zum Zündeln als in den schlichten, klaren und übersichtlichen Räumen unserer Zeit. Wenn man auch nicht „modern" eingerichtet ist, sondern alten Hausrat geerbt hat, man kann doch den entbehrlichen Plunder — der weder schön noch praktisch ist, ober sehr gut brennt! — hinauswec- fen und seine Wohnung dadurch ästhetischer und praktischer machen Mit der Küche ist es dasselbe. In her praktischen heutigen Küche steht nichts herum außer den wenigen nötigen Küchenmöbeln; alle Kochgeräte sind im Schrank untergebracht, statt an der Wand herumzuhängen. So stauben sie nicht ein, machen weniger unnötige Arbeit und Helsen so auch mit dazu, daß in diesem feuergefährlichsten Bezirk des Hauses Ordnung und
Uebersicht herrscht — und damit eine wichtige Voraussetzung zur Feuerverhütung.
Unendlich viel« kleine Dinge muß die Hausfrau wissen, um ihr Heim, ihr Gut, ihre Lieben vor Feuersnot zu schützen. Sie . alle hier auch nur anzudeuten würde zu weit führen. Wer viel Wichtiges und Wiffenswer- tes kann sie darüber erfahren in der guten kleinen Schrift „Feuerverhütung! Das Büchlein für alle", die anläßlich der Feuerschutz-Woche vom 27. bis b i s 4. M ai d. I. in ganz Deutschland verbreitet wird und die jeder lesen und beherzigen sollte.
Interessante Kleinigkeiten.
Iran ober Fräulein?
(Fine alte Forderung zahlreicher Frauenverbände geht darauf hinaus, den Titel „Fräulein" für die unverheiratete Frau abzuschaffen. Bisher waren die Meinungen unter den Frauen, ob man eine solche Vereinfachung der Bezeichnung für dar weibliche Geschlecht befürworten soll, geteilt. Um nun im Betriebe der Reichrpost eine einheitliche Regelung durchzuführen, hat der Reichspostminifter bei allen unverheirateten Postbeamtinnen im Reich eine Umfrage veranstaltet, ob sie künftighin Frau oder Fräulein genannt werden wollen. Das Ergebnis dieser Umfrage wird maßgebend dafür fein, welche Bezeichnung künftig in allen Dienstbetrieben der Reichspost gebraucht wird. Auch die Reichsbahn plant eine ähickiche Umfrage für ihre Beamtinnen.
Die Frauen im Sleuerrechl.
Im Steuerrecht werden Frauen grundsätzlich gleich behandelt wie die Männer. Der Steueranspruch ist bei natürlichen Personen an bestimmte Voraussetzungen (Einkommen, DermögenSbesitz usw.) geknüpft, ohne Unterschied des Geschlechts. Eine gewisse Besonderheit ist lediglich für Ehefrauen zu erwähnen: diese haften gegenüber der steuerberechtigten Körperschaft nach der für alle Abgaben grundsätzlichen Bestimmung des Para- graphen 95 Abs. 2 der Reichsabgabenordnung vom 13. 12. 1919 (RGBl. Seit« 1993) als Gesamtschuldner neben ihrem Ehemann, wie umgekehrt der Ehemann neben der Ehefrau, sofern beide Ehegatten zu einer Steuer zusammen veranlagt werden.
Diese sogenannte Haushaltsbesteuerung findet sich z. B. bei her Reichseinkommensteuer, wo nach Paragraph 22 des Einkommensteuergesetzes von 10. 8. 1925 (RGBl. 1 Seite 189) das Einkommen beider unbeschränkt steuerpflichtigen Ehegatten zusammengerechnet wird und die Veranlagung der Ehegatten zusammen erfolgt. Nur wenn die Ehefrau durch Beschäftigung in einem dem Ehemann fremben Betriebe Einkommen aus Arbeitslohn ober freiem Beruf bezieht, findet selbständige Veranlagung statt. Die Haushaltungsbesteuerung erstreckt sich übrigens auch auf das Einkommen minderjähriger, zur HauÄ>altung des HauShaltungsvorstan- des gehöriger Kinder.
Aehnlich wird nach Paragraph 48 Abs. 1 des Reichs- bewertungsgesetzes vom 10. 8. 1925 (RGBl. 1 Seite 214) das Vermögen von unbeschränkt steuerpflichtigen Ehegatten für die Feststellung des Einheitswertes für das Gesamtvermögen zusammengerechnet. Dementsprechend werden bann btefe Ehegatten zur Vermögenssteuer zusammen veranlagt (Paragraph 10 Abs. 1 bes Vermögenssteuergesetzes vom 10. 8. 1925 (RGBl. 1 Seite 233). Beide Ehegatten hasten auch dann gesamtschuldnerisch nebeneinanber, wenn etwa ber eine von beiden für sich allein kein steuerpflichtiges Vermögen besitzt. (Paragraph 10 Absatz 2).
Die Einzelheiten ber steuerlichen Belastung interessieren Hier nicht weiter. Max Walther-Wotan.
Die Frau als Hausarzt.
f. Sorge für ruhigen Schlaf! Jedes Geräusch stört den gesunden, tiefen Schlaf. Deshalb soll das Schlafzimmer das ruhigste Zimmer ber Wohnung fein und ausschließlich, wenn es in der Zeit der Wohnungsnot überhaupt zu machen ist, den Zwecken der Ruhe und des Schlafes dienen. Deshalb fei man auch bemüht, alle Geräusch« vom Schlafzimmer fernzuhalten, besonders wenn Kinder schlafen, deren Nervensystem erst
dann völlig zur Ruhe kommt, wenn alle äußeren (Ein- flüsse ausgeschaltet sind. Das nervöse Kind, das man heute vielfach beobachtet, ist fast immer ein Produkt unruhigen, gestörten Schlafes. Dr. rned. M.
f. Alle wunden Halle verbunden! Es ist ein alter Aberglaube, daß man kleine Wunden nicht verbinden müsse. Sie heilen von allein, hört man oft sagen. Dabei sind es sehr oft gerade die kleinsten Wunden, di« durch Verschmutzung nachher zu den schweren Blutvergiftungen führen, die dann oft zu Amputation von Gliedern, wenn nicht gar zum Tode führen. Man mache es sich also zur gewissenhaften Pflicht auch die kleinste Wunde gründlich zu säubern, sie zu desinfizieren und zu verbinden, seibstverständlich mit Verbandzeug, das den Gesetzen der Hygiene und Asepsis entspricht.
Die Frau in der Küche.
Mohnkuchen.
Man bereitet einen Hefenteig, wie vorher beschrieben, rollt ihn auf em Backblech aus und läßt ihn gehen. Dann bestreicht man ihn mit folgender Mohnmischung: ein halbes Pfund gemahlener Mohn wird mit 200 Gramm Zucker und 3—4 Gelbeiern verrührt und zum Schluß der Schnee von 3 Weißeiern hindurchgezogen. Die Masse wird auf den Kuchen gestrichen, dieser gut durch- gebacken und darauf mit einer Zuckerglasur bestrichen.
Lier-Röhrli (Schweizerisch.)
Man bereitet einen Teig aus 4 ganzen Eiern, 2 gestrichenen Eßlöffeln reiner Butter, 2 Süffeln süßer Sahne, 2 Söffeln feinen Zuckers und soviel Mehl, wie der Teig annimmt, sowie eine Prise Salz. Diese Masse wird messerrückendick ausgerollt, in fingerlange und fingerbreite Streifen geschnitten, in schwimmendem Schmalz goldbraun gebacken und in Zucker und Zimmt herumgedreht. Heiß ober kalt zu genießen.
Reis mil Henne gebacken.
Nachbem eine hergerichtete Henne weich gekocht 'st und der Reis gut ausgequollen, wird Butter unten in die Pfanne getan, dann kommt der Reis darauf und immer schichtweise die Henne in Stücken, dazwischen geriebener Schweizerkäse und saure Sahne. Dann wird das Gericht im Ofen gebacken. Der Reis wird in guter Fleischbrühe ausgequollen.
Vas bedeutet der Muttertag für unsere Kinder? Seit Jahren wird der deutsche Muttertag m 2. Sonntag im M a i in den verschiedensten Teilen Deutschlands von den Kindern zu einem echten Familienfest ausgestattet. Aus Anregung der Provinzial-Schulkolle- gien hat sich die deutsche Lehrerschaft mit besonderer Wärme bes Gedankens angenommen und bereitet dis Kinder schon einige Wochen vorher auf eine sinnvolle Ausgestaltung der häuslichen Feier vor. Besondere Freude macht es den Kindern, am Muttertag der Mutter alle Arbeit abzunehmen und in ihr arbeitsames Leben einen Ruhetag einzulegen. In den meisten Schulen findet am Samstag vor dem Muttertag eine Schul- oder Klassenfeier statt. — Weitere Auskunft über die Ausgestaltung von Feiern, und Werbematerial erteilt ber Ausschuß Muttertag, Berlin W. 30, Motzstraße 22.
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Auch ohne dies bot der Heiden heimlich Treiben den Christen genug Stoff für abenteuerliche Spukgeschichten. War doch der altgermanische Glaub« immer noch lebendig, es gebe „elbische Geister", die unheilvolle, Menschen, Tier und Ernte schädigende Kräfte besäßen. Diese finstere Gewalten übertrug man auf Menschen, besonders weiblichen Geschlechts: Waldfrauen, Dämo- ninnen des Hags (Hecke), Hagezussen, Hexen. (Man erinnere sich an das Märchen von Hans und Gretel). Noch um 900 warnen kirchliche Verordnungen vor deren Zusammenkünften, zu denen die Unholdinnen in stürmischer Nacht oft weiten Weges hergeritten kämen. Da nun die h l. W a l b u r o, gestorben 779 als Aebtis- sin des Klosters Heidenheim bei Eichstädt, die Schwester des hl. Willibald, des Nachfolgers vom hl. Bonifatius, als die besondere Schätzerin vor Hexerei galt und ihr Fest auf den 1 .Mai fiel, verlegte der Volkswahn die Hexenfahrt gerade auf den 1. Mai, und so bekam diese Nacht vom 31. April auf „Maitag" ihren sonderbaren Namen.
Als der berühmteste Hexentanzplatz gilt seit Goethe ber Blocksberg, womit man den Brocken im Harz meinte. Doch erst um 1300 wirb er als Festplatz der Hexen genannt, hat da aber noch nichts mit dem Brocken zu tun. Der häufig vorkommende Name „Blocksberg" ist vielmehr slavisch und bedeutet Götzenberg, also heidnische Opferstätte. Erst um 1600 wurde auch der Brocken Blocksberg als Ort der Verwünschung genannt Der Aberglaube malte sich mit wilder Phantasie im Lauf ber Zeit immer mehr aus, wie bie Hexen „auf Besen unb Stöcken, Gabeln unb Böcken" dorthin bürd' die Lüfte führen, vereint mit Ziegen, Schweinen und Hunden. Grimmelshausen, der große Dichter des 30jährigen Krieges, glaubte fest daran, wenn er im 17. Kapitel vom 2. Buch seines Sim- plizissimus bis ins einzelne beschrieb, wie er selber während einer Mainacht in einer Bauernstube „anstatt deß Liechts eine schwefflichte blaue Flamme aufs der Banck stehen sah. bey welcher sie (bie Leute) Stecken, Besem, Gablen, Stille, Bäncke schmierten unb nacheinander damit zum Fenster hinauß flogen"; wie er dann selber in I diese Stube ging, sich ahnungslos auf eine der mit I Hexensalbe geschmierten Bänke setzt«, flog er „samt *
der Banck gleichsam augenblicklich zum Fenster hinauß" auf den Hexentanzplatz. Ganz genau beschreibt er den Tanz: „Sie hatten sich bey den Händen gefast unt) viel Ring ineinander gemacht, mit zusammengekehrten Rücken, also daß sie die Angesichter heraußwarts kehrten; ber inner Ring bestund ettvan in 7 ober 8 Personen, der anbe (zweite) hatte wohl auch so viel, der dritte mehr als diese beyde und so fortan, also daß sich in dem äußern Ring oder Craiß um den andern lincks und die andere rechts herum tantzten, tonte ich nicht sehen, wieviel sie solcher Ringe gemacht, noch was sie in der Mitten, darum sie tantzten, stehen hatten." Diesem Tanz entsprach die Musik: „Etliche hatten anstatt der Flöten, Zwerchpfeifien und Schalmayen nichts anders als Nattern, Vipern und Blindschleichen, darauff sie lustig daher pfiffen. Etliche hatten Katzen, denen sie in Hindern blifen und auf dem Schwantz fingerten. . . . Andere geigeten auff Roßköpfen, wie auff dem besten Diskant (Violine), und andere aber schlugen die Harsfe auff einem Kühgerippe, wie solche auf dem Wasen (Schindanger) liegen; so war auch einer vorhanden, der hatte eine Hündin unterm Ann, deren leyerte er am Schwantz, darunter trompeten bie Teufel durch die Nase, daß es im ganzen Wald erschallet«."
Wir könnten über dergleichen Hexenwahn lächeln, wenn er nichr ungezählten Tausenden von Menschen das Loben gekostet hätte. Man hat sich oft darüber gewundert, wie Geistliche, ja gelehrte Theologen aller christlichen Konfessionen solchen Wahn nicht nur nicht geduldet, sondern noch gefördert haben. Gewiß, bei der Einführung des Christentums bekämpfte die Kirche diesen heidnisckien Aberglauben auf das schärfste. Die von ihr beeinflußten Reichsgefetze Karls des Großen setzten auf bas Hexenverfolgen sogar bie Todes- ftrafe. Wie wenig jedoch bamit erreicht werden konnte, erkennen wir deutlich aus den späteren Anweisungen, das Beichtkind zu fragens ob es an die Hulden glaube. War so der Dämonenglaube anfangs von der Kirche verurteilt worden, so hielt doch von der Mitte des 13. Jahrhunderts ab bie Philosophie, bie Scholastik, es für möglich, daß sich Mensch und Dämon zu einem Hexen- woscn verbänden. Daß diese mit dem Tode zu bestrafen seien, folgerte man bann aus dem Alten Testament,
wo man las: „Wenn ein Mann ober Weib ein Wahrsager oder Zeichendeuter fein wird, die sollen des Todes sterben; man soll sie steinigen unb ihr Blut sei auf ihnen." Die Renaissance trug zu dem Hexenwahn in einem zwar wenig beachteten, in Wirklichkeit aber ganz ungewöhnlichen Maße bei durch die Wiederbelebung von antiken Sagen wie der von der Medea, deren nächtliches Zaubertreiben uns aus Grillparzers „Goldenem Vließ" bekannt ist Mit diesen Vorstellungen von Dämon, Teufel und den antiken Furien verschmolz der leidenschaftliche Kampf gegen die Ketzer: die Zauberei galt als Sektierertum. Gerade die um diese Zeit in Hochblüte stehende Ketzevbewegung, der Kampf mit weltlichen, oft grausamen Mitteln gegen Jrrlehrer, half, bie Verknüpfung von Zauberei unb Ketzerei unentwirrbar zu machen: Die ber Hexerei Angeklagten würben vor das Ketzergericht gestellt und erlitten den Ketzertod auf dem Scheiterhaufen zufolge der verhängnisvollen Bulle von Papst Jnnocenz VIII. (1484), bie ausgesprochenermaßen auf Meldungen aus Deutschland beruht, wonach hier Personen beiderlei Geschlechts vom christlichen Glauben abgefallen seien, mit Teufeln Unzucht trieben und eine Menge von Greueln verübten gegen Menschen, Tiere, Feldfrüchte, Weinberge usw. Diese Bulle deckte dann jenen unglücklichen Männern den Rücken, die das Gesetzbuch für Hexenprozesse, den .^hexenhammer" verfaßten. Luther, wie die Anhänger von Calvin und Zwingli, blieben in dem Hexenwahn befangen. Erst im 17. Jahrhundert riefen Männer, wie ber Arzt Weier ober ber Jesuitenpater Friedrich von Spee, der Paderborner Hexenrichter, mit einigen) Erfolge dagegen zur Vernunft auf. Das eigentliche „Zeitalter der Vernunft" hat aber den Hexenwahn durchaus nicht ausgerottet; gerade aus dem Jahrhundert der „Aufklärung" liegen Fälle groben Hexenglaubens vor, wie sie noch bis in unsere Zeit nicht aus- geftorben sind. Ich kenne einen Fall von Hexenversol gung im westfälischen Industriegebiet noch im Jahn 1927, ber dem aus Pommern von 1928 an G-aufom feit nicht nachsteht. Dieser Dämonenglavb- '•••-* tief in unserer menschlichen Natur bey"'