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Donnerstag, 1. Mai 1930

57. Zahrg

Irtfl 'M Bild' und 11t» IVU der Fuldaer Ar :: leitunq 1152,

und loben

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listen in Durlach am 27. April veranstalteten sogenannten Deutschen Tages zu schweren Aus­schreitungen gekommen ist, vernlaßt gesehen, mit sofortiger Wirkung im gesamten Lande Baden alle offiziellen Kundgebungen, Umzüge, Durchmärsche und Versammlung unter freiem Himmel oder in geschlossenen Räumen zu verbieten, an denen sich badische Mitglieder national ozialistischer Organisationen in Uniform beteiligen Außerdem sind die Bezirksämter ermächtigt, al»e Kundgebungen usw. zu verbieten Jofern durch die Beteiligung von Nationalsozialisten in Bun­deskleidung die Gefahr einer Störung des öffent­lichen Friedens gegeben ist.

Vie Steuergesetzgebung.

Im ganzen sind noch vier Gesetze steuerlicher Art zu erledigen: I.Der Entwurf eines Gesetzes über di« Ermächtigung zur Ergreifung von steuer­lichen Maßnahmen zum Zwecke der Erleichterung und Verbilligung der Kreditversorgung der Wirt­schaft. Der Entwurf wird am 1. Mai im Reichs­rat unter Hinzuziehung eines Reichstagsausschus­ses behandelt und sieht die Ermächtigung der Reichsregierung zur Senkung der KapitalertragS- und Kapitalverkehrssteuer vor. 2. Der Entwurf zur Uebergangsregelung des Finanzausgleichs zwi- sehen Reich, Ländern und Gemeinden, der bereits als Drucksache 1916 dem Steuerausschuß vorliegt. 3. Der Entwurf eines Gesetzes zur Senkung der Einkommensteuer und 4. der Entwurf eines Ge­setzes zur Pauschalierung der Verwaltungskosten- zuschüsst.

China ohne Aerzte.

Bon unserem ständigen Mitarbeiter.

Chinos Gesundheitswesen ähnlich wir das europäische vor hundert Jahren. Ein Land ohne Aerzte". Lehrlinge und Gesellen auf den Medizinschule». Wieviel moderne Aerzte gibt es in China? Die beste moderne Schule ist die deutsche Universität von Schanghai. Seit 35 Jahren Cholera, Blattern und gelbes Fieber im Hasen von Schanghai. Der Völkerbund wird helfen....

Volksdienst legt den Hauptwerk auf die Betonung des kulturellen Gedankens zum Kampfe gegen die materialistische negative und kultur-bolschewistische Parteibewegung. Die Dolksnationale Reichsvsr« einigung aber kann, vorläufig wenigstens, noch gar nicht angeben, wie sie sich eme große Samm­lung staatshejahender und staatserhaltender Kräfte denkt.

Die Krise in den Parteien, di« in vollem Fluß sich befindende Bewegung wird yir Klärung noch einiger Zeit bedürfen. Wir begrüßen diese Bewe­gungen. Sie werden gesund sein, wenn durch sie die Bereinigung zu großen politischen Gruppen neben dem Zentrum gelingen sollte, wenn durch sie die nackte 8nteressensvertre- tung ausgeschaltet und den Parteien der Zwang zu staatspolitischem Handeln und positiver Gestaltung auiferlegt werden kann. Dann haben wir einen gesunden Block geschaffen gegenüber der sozialistischen Bewegung, einen Block, der be. stimmte kulturelle, wirtschaftliche und allgemein­politische Ziele verfolgt, wie es auch die Linke tut. Letztere soll und darf damit nicht ausgeschaltet werden. Im Gegenteil, ihre , Bestrebungen sollen ausgeglichen werden durch die Bestrebungen der gesunden politischen Mitte, wobei dem Zentrum die Hauptaufgabe zufällt, eine ausgeglichene Staatsarbeit zu fördern, die Rechte und auch die Linke zu dem gleichen staatspolitischen Handeln zu veranlassen und fede Parteiinteresienspolitik aus­zuschalten.

* Badische Regierung gegen Nationalsozialisten. Der badische Minister des Innern hat sich, da «s anläßlich einer von dm badischen Rationalsozia-

5n China soll nun der Völkerbund helfen, das Gesundheitswesen von Grund auf zu erneuern. Schon im letzten Jahre besuchte der Direktor der Genfer Hygieneabteilung einige chinesische Städte und Hafenplätze, und hat dann dem Hygieneaus­schuß des Völkerbundes von seinen Beobachtungen in China erzählt. Was vorher vom chinesischen Gesundheitswesen geschiwert wurde, ist diesem Be­richt entnommen.

Unerbittliche und w-eitgreifende Reformen tuen hier not. Der Plan dafür ist schon unter Mit­wirkung der Völkerbundsbeamten vom chinesi­schen Gefundheitsminister ausgearbeitet. Man will zunächst die Quarantäneeinrtchtungen der Hafen­städte verbessern, dann ein großes nationale Spi­tal von 23000 Betten sowie ein ebenso großes Provinzialhospital gründen, die beide Musterav- staltm für die Ausbildung von Sanitätspersonal und Zentralen für die weiteren Hospitalgründun- gen sein follm. Ein allgemeines Gesundheitsamt soll die Wasserversorgung in den Dörfern, die Mo­dernisierung der Medizinschulen, kurz die Organ:- sierung des neuen Gesundheitswesens in jeder Be­ziehung überwachen. Wahrscheinlich wird der Dol- kerbundsrat demnächst diesen Plan annehmen und die Hilfe de« Völkerbundes bei seiner Ausführung in Sicht stellm. Genf wird Stipendien zur Aus­bildung von leitendm chirurgifchm Aerzten und EanttAsbeamten zur Verfügung stellen.

Diese Dölkerbundsarbeit wird gewiß in China mehr Anklane, llnd-"!« b* anderen politischen Enffcheidungen der Völkerbundsorgane, nur die altm chinesischen Aerzte, die der Dölkerbundbericht einfachOuacksawer" nennt, dürften weniger da­mit zufrieden sein- denn ihnen will man, zum Nut­zen der chinesischen Hygiene, den Garaus machen.

ganze viertausend moderne Aerzte in China, d. h. auf je hunderttausend Menschen kommt ein Arqt. Sie würde es um die Gesundheit der Europäer bestellt sein, wenn es zum Beispiel in jeder mitt­leren Stadt von hunderttausend Einwohnern, etwa in Genf, Wiesbaden, Liegnitz, München-Gladbach oder Münster nur je einen einzigen Arzt gäbe, oder wenn für die Kranken der Riesenstadt Berlin nur vierzig Aerzte sorgm könnten?

Ebenso schlimm steht es um die Spitäler und Krankenhäuser. Nicht genug, daß in China noch keine sechshundert Hospitäler sind, von denen also jedes für etwa dreiviertel Millionen Menschen ausreichen müßte, hat man auch noch in den letz­ten zwanzig Jahren, in denen China dauernd Rs- volutionswirren zu überstehen hatte, von diesen wenigen Spitälern zweihundert geschlossen. Don denen, die geöffnet sind, hat nicht einmal die Hälfte eine ausgebildete Krankenschwester, nicht einmal zweidrittel haben ausreichendes Bettzeug, ja teil» weijse haben diese famosen Krankenhäuser sogar kein frisches Wasser. Rur eia«! dreißig von sechs­hundert Spitälern sind mit fließendem Wasser ein­gerichtet. Begreift man nun den Sinn der War­nung, nicht nach China zu reifen? Was würde aus dem Europäer werden, der in diesem Lande plötzlich) erkrankte, ohne gleich einen modernen Arzt zu finden, oder der in eines dieser schlecht ausge­statteten Krankenhäuser übergeführt würde? Und ErkraNkungsmögllchkeiten gibt es Lande der Mitte genug. Allein im Haien von Schanghai sind feit 35 Jahren schwarze Pocken, Cholera und gelbes Fieber stationär, und auch in den anderen chine­sischen Häfen sind die Ouarantäneeinrichtungen mehr als reformbedürftig.

Genf, im April 1930.

Der heutzutage nach China reffen wollte, würde nickt nur Gefahr laufen, mitten in allerlei Kämpfe und Auseinandersetzungen hinein zu geraten, son­dern würde auch im Fall« einer Krankheit in eine sehr peinliche Lage kommen. Es ist kaum zu glau­ben, aber wahr: Man mußj China dasLand ohne Aerzte" nennen, denn im Reich der Mitte herrschen im Gesundheitswesen Zustände, die etwa an Amerika vor 60 oder an Europa von 100 Jah­ren erinnern. Damals, als unsere Urgroßväter noch lebten, mag es bei uns so ausgesehen ha­ben, wie jetzt in China.

Und wie sieht es dort aus? Natürlich das 400 Millionen-Volk der Chinesen ist uralt und hot auch eine Volksmedizin, di« nach Jahrtausenden zählt. Es gibt alte Medizinschulen, in denen nach einem merkwürdigen System die chinesischen Aerzte ausgebildet werden. Aber diese Ausbildung darf man nicht mit dem Universitätsstudium eines euro- Säifchen oder amerikanischen Arztes vergleichen, lief mehr machen die Medizinstudenten in den chinesischen Schulen nur eine Art von Lehrzeit durch, bei der sie Lehrlinge und Gesellen werden, ähnlich wie bei uns die Handwerker. Was sie da­bei lernen^ ist nach unseren Begriffen nicht allzu viel wert. Sie behandeln alle möglichen, auch in­neren und organischen Krankheiten mit Kräu­tern, Tränklein und Wurzeln, ohne aber die Chi­rurgie und irgend welche operative Eingriffe auch nur zu kennen. Blinddarmentzündungen versuchen also diese Aerzte nttt Medizinen zu heilen, anstatt zur rechten Zett den richtigen Schnitt zu tun. Die Kranken, die sonst mit Leichtigkeit gerettet werden konnten, müssen eines elenden Todes sterben. Aehn- lich ist es mit vielen anderen Krankheiten.

Ebenso unbekannt wie die Chirurgie ist die ®e» burtsheikkunde. Gewiß gibt es Hebammen, sogar in ziemlich großer Zahl, in den Stödten wie auf dem Lande. Wer ihnen aber bei ihrer Tätigkeit zuschaut, ist entsetzt. Sie wiffen nicht einmal et­was vom antiseptischen Verfahren, sie reinigen we­der ihre Hönde, noch die Gegenstände, welche sie benutzen, in der richtigen Weise, sodaß bei den Neugeborenen und bei den Muttem leicht Krank- hesten und Entzündungen Auftreten. Man stelle sich vor, daß in den letzten Jahrzehnten selbst in Peking und in der Umgebung von Peking auf tau­send Geburten zweihundert Kindertode kamen, d. h. daß jedes fünfte Kind bei der Geburt sterben mußte, um zu verstehen, wie weit die Unkenntnis der gewöhnlichen Geburtshelferinnen und Aerzte geht.

Nun sind aber nicht alle Aerzte in China nach dem alten System ausgebildet, es gibt auch mo­derns, europäisch geschulte Mediziner, wenn auch nur in geringer Anzahl. Acht fortgeschrittene Medizin­schulen rcerben von Ausländern geleitet, und zwar haupffächlich von Missionaren. Sie haben im gan­zen noch keine tausend Studenten. Die beste die­ser Schulen fft die deutsche von Schanghai, die jetzt sogar in den Rang einer national«,: Universität er­hoben worden fft. Sehr gut sind auch die ameri- kanffche, von der Rockefeller-Stiftung eing-richiets Schule von Peftng und die japanische von Mnkden. Neben diesen acht auslmckifchen neuen Medizin­schulen gibt es auch noch drei, di« von chinesischen Aerzten geleitet werden, und die auch zusammen etwa fünfhundert Schüler haben. Wenn man frei- llch die Zahl der nach europäischen Begriffen rich- tig ausgebildeten Aerzte mit der Einwohnerzahl des ganzen Landes vergleicht, so erhält man ein niederschmetterndes Resultat. Es gibt nämlich

ppen entschieden abgelehnt. Der demokratische torbnete Lemmer lehnt eine bürgerliche Mutung im Sinne Hellpachs und des Führers Deutschen Volkspartei Dr. Scholz ab und > dafür einen ,-Sozialrepublikanischen Kreis" mit der ParoleGegen die Partei des tz-Bürgertums". Er glaubt wohl, damft jene ckche Brücke von den bürgerlichen Parteien hin- c Zu den Sozialdemokraten schlagen zu können, kEifches Problem, dessen Lösung wohl kaum auf irgendeinen Erfolg hat.

schließlich dürfen jene Kräfte nicht außer Acht Mn werden, welche sich imChristlich- JeIen Dolksdienst" und vom Jung» JWu Orden ausgehend in derL o l k s n a - °nalen Reichsvereinigung" zu sam-

beaonnen baden. Der Christlich-foziale

Chauvinismus.

Die Zeiten, in denen man schon den Schulkin­dern Frankreich als den Erbfeind vorstellte, den Feind alfo, der gewissermaßen ein verbrieftes Recht auf unseren Haß hätte, und mit dem eines Tages ansinanderzugerafen die ehrenvolle Hoffnung eines anständigen deuffchen Jungen fein müßte, diese Zeiten sind hoffentlich, wenigstens für neun Zehn­tel der deutschen Bevölkerung, vorüber. Eine an­dere Parole ist zur Geltung gekommen. Nach der furchtbaren Lehre, die der Krieg der Welt erteilte, wollen, wenn noch nicht absolut die Völker, fo doch die Menschen in Frieden miteinander leben und von Erb- und sonstigen intimen Feindschaften nichts mehr wisien. Es fft gewiß keine Kleinigkeit, daß das Deutsche Reich gerabe Frankreich feit zehn Jahren, wenn auch nicht immer ohne Widerstreben, die Hand zum Bunde geboten und sehr zum Aerger mancher Leute, die im Säbel das schönste Symbol menschlicher Bildung erblicken, jeder Gelegenheit mit der Faust auf den Tisch zu schlagen und sich in ein Abenteuer locken zu lassen, hartstirnig wi­derstanden. Aber, es ist ein Aber dabei. Gerade Frankreich tut so manches, was nicht unbedingt friedenstiftend wirken kann, und es unterläßt Vie­les, was nichts kosten und doch einen warmen Hauch von Versöhnung über die beiden Länder und über Europa breiten könnte.

In letzter Zeit beginnen die Beispiele für eine solche unnütze Verärgerung des Friedensgedankens stch wieder zu mehren.. Es handelt sich nicht um große Katastrophen, sondern um Kleinigkeiten, die aber verstimmen und, was schlimmer ist, den Glau­ben an Frankreichs guten Willen, den wir bei einem Manne wie Briand so gerne voraussetzen, gefährden können. Aber selbstverständlich ist Vri- änd nicht der Schuldige. Doch fragen wir uns, ob nicht er und seine Kollegen durch die große Macht, die f?e doch unbestrittenermaßen über die Presse ausüben, wenn sie wollen, für etwas bessere, freundlichere Stimmung sorgen könnten. Und wir fragen uns auch, ob nicht schließlich die Regierung einer Republik, deren Form nicht mehr zu erschüt­tern ist, soviel Einfluß auf kriegslüsterne General nehmen könnte, daß so manches, was wir im besetz­ten Gebiet erlebt haben und leider auch heute, zehn Wochen vor feiner Räumung, immer noch er­leben, unmöglich fein müßte.

Um mit dem Letzten anzufangen: das besetzte Gebiet wird am 30. Juni geräumt fein. Niemand bezweifelt es, niemand bezweifelt vor allem, daß England fein Wort hierzu einzulösen wünscht. Et sieht auch nicht so aus. als ob Frankreich noch län ger am Rhein bleiben wolle. Aber es leistet fick die eines chikanefüchtigen Unteroffiziers würdig, Geste, noch Ende April, zwei Monate bevor bev letzte französische Soldat unter dem Aufatmen nicht nur des besetzten Gebietes, nicht nur Deutschlands, sondern Europas und der Welt, die Pfalz verlassen muß, junge Rekruten in die rheinische Garnison zu legen, was naturgemäß so aussehen muß, als denke niemand an Räumung und als solle das jetzt zwölfjährige französische Soldatenparadies am Rhein noch weitere Jahre bestehen bleiben. Wir glauben nicht, daß dieser Anschein wirklichen Ab­sichten entspricht, aber gerade darum sollten die Franzosen auch von den Schikanen absehen, die, selbst wenn die Bevölkerung sie nicht unmittelbar spürt, doch erregend wirken müssen.

Ein zweiter Fall: daß das deutsche Luftschiff Graf Zeppelin" auf seinem Flug nach England es für richtig gehalten hat, über Paris eine Schleife zu ziehen und fo den erstaunten Parisern etwa zwanzig Minuten lang feinen doch immerhin nicht alltäglichen Anblick zu gönnen, daß es weiterhin einen Postsack abgeworfen hat, bringt einige Bläk- ter schon fast in Wut. Das Luftschiff sieht, mie der3ntrttniigeant" schreibt, wie eine Haris Kriegsmaschine aus, und es hat mit Aufdringlick- teit über den Häuptern der Pariser gekreuzt. Der Ami du peuple" erinnert an die Kriegsfahrten der Zeppelinschiffe nach Paris und dieLiberi;"' findet es besonders geschmacklos, daß man einen Sack mit Briefen abgeworfen und damit die Be­völkerung an die Bomben während des Krieges erinnert habe. Ein bißchen verrückt, möchte man sagen. Aber große französisä)e Blätter dürfen sich diesen Unsinn erlauben, obwohl selbstverständlich der Zeppelin seinen Postsack nicht auf einen men« schenwimmelnden Boulevard, sondern auf den Flugplatz geworfen hat. . .

Und nun das Dritte: die Reise des österreichi­schen Bundeskanzlers, Dr. Schober, nach Paris hat dort sofort die Anschlußfrage wieder akut gemacht. Alles kannst du haben... auf diese Melodie sind in den größten Blättern die Artikel abgestimmi. Und es wird noch deutlicher ausgesprochen. Geld, sogar sehr viel Geld, wird Frankreich für Oester­reich losmacken. wenn Dr. Schober auf den An­schluß an das Deutsche Reich verzichtet. Nun hat es, wie jeder nüchterne Ueberlegende weiß, mit dem Anschluß noch gute Weile. Und die beiden Bruderländer haben jedes für sich bis auf weitere« noch manche Sorge, die schwerer drückt. Aber frei lich glauben wir alle, daß einmal wieder das ganze Deutschland mit Oesterreich zusammen kommen wird. Die Franzosen aber haben davor, wie mar sagt, Angst. Vielleicht auch ist es etwas anderes. Wenn schon der Zeppelin vielen gewffsem'aßen ein Dorn im Auge war, ein Gegenstand der Mißgunst, so tun wir wohl niemand Unrecht, wenn wir be­haupten, daß man den mitteleuropäischen deutschen Stämmen den staatlichen Zusammenschluß einfach nicht gönnt. Wenn Deutschland den Franzosen militärisch gefährlich wäre, so wäre es das auch ohne Oesterreich. Und eine möglichst enge Zusam­menarbeit wirtschaftlicher und kultureller Art zwi­schen den Brudervölkern kann niemand, auch Frankreich nicht hindern. Warum also jetzt wieder das peinliche Gekläffe um den Anschluß? Selbst

Lieber nur bann, wenn die Gruppierung nicht jeder Sondergruppen ins Leben ruft, die ent» rechend der früheren Zugehörigkeit zu den ein» Inen Parteien, statt miteinanderzugehen ausein» verstreben und so keine gesunde Zusammenbal- rng der positiv-schaffenden Kräfte ermöglichen, nbern die Zersplitterung erweitern.

Bei der Deutschen Dolkspartei darf außerdem cht vergessen werden, daß bei ihr mit cmsschlag- «chend fft in ihren Versuchen zur Umgruppierung der bürgerlichen Mitte der Gedanke der Erhaltung eines starken Liberalismus gegenüber der Zentrumspartei, die auf dem Boden der christ­lichen Weltanschauung steht.

Am heftigsten wirkt sich die Krise bei,den St« betraten aus. Don wird auch offenku.cktg die schleichende Krise de- deutschen Parteiwesens überhaupt. Wenn wir der Sachlage entsprechend dem Austritt des demokratischen Abgeordneten Tantzen auch nicht die große Bedeutung zumessen, van der gewisse Streife sprechen wollen, so bleibt er immerhin ent Warnungssignal. Denn Professor hellpach setzte in den letzten Wochen und Tagen seine schon während seines Austritts aus der De­mokratischen Partei bekannt gegebenen Versuch« Zur Sammlung einer freiheitlichen bürgerlichen Mitte fort. Er wandte sich dieser Tage in Dres- ' in einer Versammlung des demokratischen rtfchaftsausfchusies besonders an die Führer der ttofraten und der Deutschen Dolkspartei mit Aufforderung, endlich zu handeln. Er will e Parolen für eine demokratische Politik spa- ms zu Pfingsten herausgeben. Der Demokra- e Zeitungsdienst sagt dazu, daß Hellpach allem Tantzen sich keineswegs auf dem Bi egen, welcher Möglichkeiten schaffen könnte, in achaft demokr. Sinne zu handeln und einZusam- lgehen der bürgert Parteien zu schaffen. Es ) wohl jetzt zu großen Auseinanderfetzungen in Demokratischen Partei kommen, da die Ein­rufung eines außerordentlichen art eit ag es gefordert wird, der darüber zu Reiben haben soll, wie sich die demokratischen onifierten Wähler die weitere Führung der Po- ' denken.

M>r die Demokraten, das ist jetzt ganz offen» sich geworden, steht im Zuge der durch das Ka- 'si Brün in g stärker in Fluß gekommenen Walhmg bes Parteiwesens sehr viel auf dem ete- Es wird sich zu erweisen haben, ob He wkraten als selbständige Gruppe erhalten blei- kömien oder ob sie aus dem Parteileben ganz chwinden. Was Profesior Hellpach als Ziel chwebt, wird von anderen demokratischen

FuldaerZertung

W Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Well im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag etiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- !, Fuldaer Aciiendruckerei 1150 und 1151. ::

M Hin zur Mitte.

Don unserem parlamentarischen Mitarbeiter:

Wir stehen jetzt in der Tat inmitten einer Pat- I Kienkrise. Noch ist die Bewegung zumal im Lager 9 her bürgerlichen Mittelparteien ungeklärt, beftn- sich in wechselnder Strömung, von einem End- »el zu sprechen, ist gar nicht denkbar.

W Die Umgruppierungen vollziehen sich ebenso rechts vom Zentrum, wie links vcm ihm. Auf Mr Rechten hat man erkannt, daß es die Lebens- Mlufaabr einer verantwortungsbewußten Partei sein °U6 auch dort die staatserhaltenden Kräfte zu osmver Arbeit zufammenzuschließen und sie Staate zuzuführen. Nicht etwa in der Art einer ausgesprochenen Neugruppierung nut bestimmtem Jnteresseneinschlag. Denn dann Ware die Zielsetzung verfehlt, würde die Taktik un» «Mich fein. Graf Westarp hat im Hinblick auf die Entschließung des deutsch- ; rationalen Parteivorstandes den einzigmögltchen Schritt getan, die Fraktionsmehrheit zu einer Son­dersitzung einzuberufen. Zu dieser Fraktion^ Mehrheit gehören jene Persönlichkeiten, die nach jahrelangem Kampfe sich zu der Erkenntnis durch­drungen haben, daß auch für die Deuffchnatio- nale Volkspartei die Stunde des Handelns ge» kommen sein muß, daß es nicht angeht, sich nur immer in negativer Oppositionsstellung zu isolieren. M Dabei spielt selbstverständlich die Frage ihrer Ein­stellung zum Staate eine große Rolle. Man huldigt nock der monarchistischen Idee. Aber man «kennt auch gleichzeitig die Pflicht an, dem heuti­gen Staate zu dienen, in ihm und für ihn zu ar­beiten, um vielleicht zu gegebenerer Zeit bestimmte ' Parteiziele dadurch zu erreichen. Das kann man vefftehen. Denn auch die Linke, besonders die i Sozialdemokratie, gibt offen zu, daß sie zum heutigen Staat nut solange sieht, bis sie jene Macht sich geschaffen hat, um dann den Staat zu grün» den, der ihrem Parteiideal enffpricht.

Auch in der Deutschen Dolksparteimeh- «u sich die Stimmen, welche für eineSammlung der bürgerlichen Mitte" sich aussprechen. Man denkt an die Bildung einer DeutschenStaats- bartet, will möglichst viele Kreise der bürger­lichen Mittelparteien auf einen gemeinsamen Nen­ner vereinigen, die staatsbejahenden Gruppender X SRitte fest zusammenschließen. Auch diese Samm­lung kann in gewissem (Sinne zu einer Konsoli» fcifenmg der Parteiverhältnisse führen, aber auch