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97.

„tag. »en 21. April 1930.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Acliendruckerel, Fulda

Rund um die Woche

Das

Die Brutstätte des Bolschewismus.

Her Sonntag

rpelum mobile der Glückseligkeit. — Es waren doch Alandelbüume

Ein historisches Dokumenk

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Haben Sie

TULDA

mtb. Tokio, 25. April. (Eig. Meldg.). Bei der heutigen Eröffnung der außerordentlichen Tagung des japanischen Parlaments hielt Außenminister Shidehara eine Rede, in der er über die Londoner Flottenkonferenz u. a. sagte: Alle, denen der Fort­schritt des Friedens und der Freundschaft unter den Nationen am Herzen liegt, müssen den Lon­doner Vertrag begrüßen. Japan, England und A m e r i ka haben nach den wiederholten Fehl­schlägen der letzten acht Tage endgültig alle ihre Differenzen in Ordnung gebracht. Der Londoner

und verloren, weil sie es an eine falsche Idee ge­setzt haben!

Noch eine Kleinigkeit. Es hat mir nämlich je­mand verraten, die Mandelbäumchen von Heidel­berg seien gar keine Mandelbäumchen, sondern Pfirsiche oder Aprikosen. Das habe ich auch ge­dacht und deshalb die Leute im Abteil gefragt, was nun Rechtens wäre. Der eine meinte Man­delbäume, der andere Pfirsiche, ein dritter Apriko­sen und ein vierter gar Magnolien. Ich habe die Sache dann einfach nach dem Mehrheitsprinzip der Demokraten entschieden und also abstimmen lassen. Die Mehrheit war für Mandelbäume. Also sind es Mandelbäume .... Der botanische Fach­mann zwar wird sagen müssen, es seien dennoch Pfirsiche und Mandelbäume blühten überhaupt, mehr weiß als rot. Aber was geht mich der Fach­mann an, ich halte mich ans parlamentarische Sy­stem, und es wird also einfach beschlossen: Es sind Mandelbäume und damit basta .... Wer noch nicht zufrieden ist, der wende sich an den Staats­gerichtshof von Leipzig oder an das Haager Schiedsgericht. Kommt das auch nicht zurecht, fo berufe man eine Weltkonferenz. Und wenn dann die Mehrheit aller Völker für Mandelbäumchen ist, so will ich den Botaniker sehen, der da noch zwei­felt. Nicht wahr, es ist doch genial von der Dummheit, wenn sie sich selber durch Mehrheits-

Die Anftuchldarleik des Sozialismus.

Es erscheint auf den ersten Blick merkwürdig, wie eng sich im Sozialismus die Gegensätze be­rühren. Und doch ist das die ganz natürliche Folge jeder starren, doktrinären Einseitigkeit, deren Auslösung immer nur die entgegengesetzte ebenso starre Einseitigkeit sein kann. Die Gegen­sätze ziehen sich an, das heißt, sie wechseln einander ab. Auch innerhalb des gleichen Lehrgebäudes, sobäld es praktisch angewnndt wird.

Freiheit und Ordnung sind die beiden Pole, die in ihrer lebendigen Spannung das Leben der Menschen gestalten. Die Freiheit ist das selbst­verständliche Recht der Einzelpersönlichkeit. Sie ist der Motor, der den Menschen zum Schaffen anregt und tatenfroh erhält. Sie ist daher das Element des Fortschrittes, dessen Fortfall alles Leben zum Erstarren bringt. Die Ordnung dagegen ist das ebenso selbstverständliche Recht der Gemeinschaft. Sie reguliert den Motor, damit die Tätigkeit des einzelnen nicht zur Willkür ausartet, sondern sich

beschloß für ein Genie erklärt, das alle Fragen der Philosophie entscheidet, und darum noch ein- mal: Es sind Mandelbäumchen oder — es ist et­was faul im Staate Dänemark ....

Der Mann im Monde.

als ewige Studenten. Dort ist die russische Revo­lution ausgebrütet worden. Don dort sind sie bis an die Schweizer Grenze und dann weiter in plom­bierten Waggons durch das Gebiet des Deutschen Reiches bis nach dem einstigen St. Petersburg ge­fahren. Dieses Haus, also mitten in der fried­lichen Schweiz, in der Stadt am freundlichen See, ist die Wiege der ungeheuerlichsten Bewegung ge­worden, die unser Zeitalter kennt. Wie eng kann der Raum sein, in dem eine Idee wächst. Und wie gewaltig ist eine Idee! Mehr war es hier doch noch nicht. Nähme man an, es wäre diese Idee in diesem Hause hier einst korrigiert wor­den, welch ein Unglück wäre menschlichem Ermes­sen gemäß der Menschheit erspart geblieben. Auf dem Wege nach Basel kommt man dann an der Habsburg vorbei, wo auch eine Idee ihren Ur­sprung genommen hat. Und in Basel selbst zeigt man dem Wanderer das Haus, das für die künftige Reparationsbank bestimmt ist, auch etwas, was mit einer Idee zu tun hat und nicht bloß mit Wech­seln und Devisen. Alle Staatsmänner und alle Parlamentarier hätte ich am liebsten in diesem Augenblick zu diesen Stätten geführt. Ihnen ge­sagt, wie wichtig es ist, das Keimen und die Ent­wicklung von Ideen zu beobachten. Es hätte sich gleich ein sehr interessanter Gesprächsstoff geboten.

In der Schweiz nämlich erörtert man heute eifrig den Gedanken einer Riesenversicherung. Je­der Staatsbürger soll vom Staat eine Rente von 600 Franc garantiert bekommen. Habe ich recht verstanden, so werden davon 200 durch jeden Ein« Seinen und 300 durch den Staat aufgebracht. Das wäre dann der Idee nach die gewaltigste Lebens­versicherung, die je gegründet worden ist. Aus dem rechnenden Verstand wäre ein Phäakenland kom­biniert, in dem es Sorgen, die an die Existenz sel­ber gehen, nicht mehr gäbe. Eine Idee wäre er­funden, die unaufhörlich im Wechsel des Schicksals das Paradies auf Erden ständig neu produzierte. Es wäre sozusagen die Schweiz in Zukunft em Per­petuum mobile" der irdischen Glückseligkeit. Man kann auch sagen, es wäre ein ganzes Staatssystem als Krankenkasse. Muß man dabei sagen, daß das nichts anderes ist, als wiederum der Riesenbetrug eines neuen Staatssozialismus? Soll man seinem Erstaunen darüber Ausdruck geben, daß derglei­chen nun gerade in der Schweiz vor sich geht, wo schon die Kantonalverfassung eine Verwurzelung der Menschen in der Natur zu verbürgen scheint? Wo die gewaltigen Berge es immerfort von neuem sagen, daß das Leben ein Geheimnis, etwas Un­ermeßliches, etwas über alle Menschenkunst Hin­ausragendes ist, das nie und nimmer sich einer Re­chenmaschine fügt? Da ist nun wieder eine Idee, an deren Ende zweifellos nicht das Glück, sondern eine fürchterliche Enttäuschung stehen wird. Noch ist sie in einem Häuslein, das einst von Lenin und Trotzki bewohnt wurde, wo wird sie morgen sein? Gewiß, Ideen sind nicht alles, und auf die Dauer letzt sich d-e größere Macht der Natur immer wie­der durch. Aber Iden sind dennoch etwas Gewal­tiges, und es stände besser um das Schicksal un­seres Landes und der Welt, wenn unsere Staats­männer und Politiker sich immer klar darüber ge­wesen wären, wohin diese und jene Idee, die an­fangs die Beglückung aller versprach, aus ihrer inneren Notwendigkeit heraus führen mußte.

Das gilt übrigens auch für den einfachsten Menschen. Wie viele haben ihr Leben verpufft

Vertrag macht jedem Wettbewerb im Kriegsschisf- bqu für die Dauer seiner Gültigkeit ein Ende. Sein Wert liegt nicht nur in den materiellen Vonei- len, sondern noch mehr in dem moralischen Ein­fluß, den er auf die internationalen Beziehungen ausüben wird. Der Minister fügte hinzu: Die Sicherung der japanischen Verteidigung fei durch den Vertrag ausreichend gewahrt. Er h:b auch hervor, daß Japan auf der nächsten Konferenz volle Freiheit haben werde, feine Haltung den dann herrschenden Umständen anzupassen.

Den Kindern, die am Weißen Sonntag zur :ien heiligen Kommunion gehen, gelte mein ' »er Gruß. Es sollte wieder ein Frühlingsgruß ffcrben, aber hier liegt tiefer Schnee. Den nahen Gqi kann ich nicht sehen, so ist der ganze Himmel verhängt- Dennoch erinnert diese weiße, jungfräu« ka reine Schneelandschaft an jene jungen Seelen, <e heute ebenso klar und schimmernd vor dem «-östlichen Kmdersreunde daliegen. Zauberhaft fhön pflegt dieser Tag in christlichen Familien zu fein, nehmen doch alle an der Freude der Kleinen Anteil. In den Augen der Eltern kann man wohl Iränen sehen, die das Glaubensbekenntnis ihrer Kinder begleiten. Was ist begreiflicher als diese Tränen? Was die Kirche da schenkt, das ist gu« gjeitf. das Geschenk der Eltern, die ihr Kind im Geiste der Religion erzogen haben. Das teuerste Eibe, das sie ihm geben können, das wird ihnen heute zuteil. Das ewige Leben wird denen ver­sprochen, denen die Eltern das zeitliche geschenkt hüben. Das ist mehr als Geld und Gut, mehr als ein Hof oder ein Haus, es ist etwas Unzer­störbares. Einem Freunde ist das Kind zugeführt, der es nicht mehr verlassen wird, der mitgehen kann bis ins Grab und darüber hinaus. Ist diese Treue dem Kinde wirklich ins Herz gesenkt, bann kann man über sein Schicksal sich beruhigen. Dam: anrd es das Leben meistern. Wie Christus als her Kinderfreund, fo zeigt sich die Kirche heute als die Kinderfreundin. Heute sieht man es, wie sie Freude hat am Kinde. Wie sie Kinderfeste zu feiern weiß. Was sie den Kindern zu bieten hat. 5n diesen Kleinen spürt sie ihre eigene ewige Ju­gend. Diese Schar der weißen Engel zieht ihrem Zug durch die Jahrhunderte voran. Sie tragen in ihrer Stimme, die so fest und zart zugleich den Taufbund erneuert, die Existenz der Kirche ins kommende Geschlecht. Sieh du in dem Kindlein deine eigene Jugend auch. Tu heute etwas für ein Kind. Werde auch du ein Kinderfreund. Wir brauchen eine Kinderfreundebewegung der großen Liebe zu den Kleinen. Wir brauchen sie schon als Sühne für alles das, was die Erwachsenen am Kinde gesündigt haben. Wir brauchen sie, um die Erwachsenen an ihre Verantwortung zu erinnern. Sparen, Wohnungen bauen, weiterstreben im wirt­schaftlichen Leben, schaffen für sein Volk, das al­les bekommt erst feinen Reiz und feinen Schwung, wenn Kinder da sind, für die es zunächst getan wird. Ein Volk ohne Kinder wird ein Volk von Greifen und von Genießern, das jene höheren Ziele nicht mehr kennt, dis eben praktisch doch an die Sorge für das Kind geknüpft find. Nicht «chr, du tust heute etwas für ein armes Kind. Vielleicht das des arbeitslosen Nachbars, dem es schwer wird, seinem Kleinen ein Fest zu bereiten und sei es auch ein noch so bescheidenes.

Nun bin ich schon aus meiner Bergeinsamkeit weder heraus und streife durch die alte Stadt Zürich. Muß schon gestehen, daß mich diesesmal mder das Quartier Goethes noch die Statue Z°>mglis, noch das Standbild Pestalozzis, noch die Erinnerung an Bothmer und an Gottfried Kel- »r sonderlich ergriffen hat, wohl aber ein Haus. ”s ganz bescheiden daliegt, am Kopf die Inschrift »Eintracht". Dieses Haus hat einstmals der ehr» icmen Zukunft der Schuhmacher gehört, aber das "wähne ich nur nebenbei. Vor dem Kriege haben tsamlich eben in diesem Hause, das da so wunder­voll friedlich vor mir steht, Lenin und Trotzki ge« W- Dort haben sie ihre wilden Reden gehalten

Das Schlußprotokoll der Londoner Flottenabrüstungskonferenz.

Links sind die Unterschriften der amerikanischen Delegation, rechts die der Engländer und der Franzosen zu sehen, mit denen sie sich für ihre Länder verpflichten, bis zum Jahre 1936 keine Erweiterung der Flvttenneubauten vorzunehmen.

Meine Schutzmarke

verbürgt

WsKW und PrelswQrdfekeif.

Joseph Schmitt, Fulda,

Weingroßhandlung.

ausgelaufene FoAMden?

Rufen Sie Nr. 284 an!

Brühler 6 NUditer. Wa (Inh,: H. Nüchter) — Im Friedhofsgäßchen

Fugenlose Steinholz- und Estrichböden.

i. j< । u wirwww Anm1-18

W

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Bon Ma nach Chicago.

Reise-Erinnerungen

°°n Fr. Donatus Pfannmüller, Fulda.

24) ___________

meinem Platz aus kann ich noch eine ganze Ur* ähnlicher Familenhaufer überblicken, die stets in I .eißjg Schritt Abstand von einander erbaut sind, anders und jedes ist schön. Ich möchte jeder Ihft. .*? *n Deutschland ein solches Häuschen wünschen; M? 7 sihe auch ein, daß ein solcher Wunsch unerfüllt Amerika besitzt viel, unendlich viel Land: fann es sich diese Bauart leisten. Durch Schaf« gt0L Einfamilienhäusern werden die Städte riefen« ■s'SR 'CQ®° 0’ B. ist sieben Wegstunden lang und Mir Wegstunden breit, ähnlich ist es mit Cleveland. ^*Erhältnn?°rl ,ann man nicht leicht die Ausdehnungs- j Sejen ’JJ* angeben, weil große Wasserflächen dazwischen Leute aber, dir da draußen in ihren Fa» fturn 1?au*frn wohnen, müssen täglich nach dem Zen- r ^adt zur Arbeit. Das koste', trotz bester Der- ■ D ’* Zeit und Geld. Es ist also schwer,

Wiben, wo der Vorteil liegt. In Deutschland ■jgL.te'e Bauart sehr viel Land verschlingen, das zur «Ur des Volkes notwendig ist. Es sind ja nicht eigentlichen bebauten Flächen, die das Land sondern weit mehr noch die Straßen und rNnbin°*e dann zur Bewältigung des Verkehrs not« I und.

BOt LWbe" Don den Damen zum Kaffee gerufen, ?"ogefahren werden. Den Plan für die Aus- Eu ", die Herrn in englischer Sprache. Da der Qtoian dabei ist, kann es mir gleich sein, wohin Bwben ganze Familie nimmt am Ausflug teil;

MH tUr ^iudenten sind unsere Schofföre. Aber schon Zeit stellt es sich heraus, daß an dem Auto Wegen fntl Ordnung ist, es reibt etwas, und der " seine Geschwindigkeit nicht entwickeln. Die I pot et in. schönsten Fuldaer Bauernplatt über

die tüchtigen „Fuhrliet". Die Schofföre lenken zu den Baracken eines Flugplatzes hin. Aber auch der gefällige Flugzeugmonteur kann den Mangel am Wagen nicht entdecken. Da müssen die beiden „Fuhrliet" wieder ein paar Meilen zurückfahren zu dem Geschäft, von dem der Wagen gekauft ist. Unterwegs werden sie von den überholenden Autos viel gehänfell. „Giv Gäs!" rufen ihnen die Ausflügler zu: „Gib Gas!" Oder: „Hast wohl das Gas vergessen und mußt wieder heim?"

Wir fahren in die Reparaturhalle des Händlers ein, wo auch jetzt, am Sonntag, ein Monteur anwesend ist. Er hat den Fehler gleich gefunden. Ein Schmierloch war verstopft. Er ölt und macht bann selbst eine Probe­fahrt. Alles klappt. Wir sind gar nicht ausgestiegen. Dann übernehmen unsere „Fuhrliet" den Wagen wie­der und fahren in flottem Tempo los. In einer fast endlosen Kette fahren die Autos auf allen Straßen. Jetzt kommen auch die Leute von Brooklyn und Newyork, die daheim erst ihre Mittagsuppe gegessen haben. An den schönen Autostraßen, auf deren einer wir fahren, stehen hin und wieder „Denkmäler" auf hohen Posta­menten. Aber ich kann im raschen Vorbeifahren nicht recht erkennen, was für einen Sinn sie haben. Und dann will es mir auch nicht recht einleuchten, was hier, in dem kaum dem Verkehr erschlossenen Gebiet diese Denk­mäler sollen. Mein Nachbar erklärt mir: „Das sind keine Denkmäler, das sind Reklame-Standbilder für irgend eine Seife, für Candys oder sonst eine Sache. Sie wirken besser und nachhaltiger als die bunten Pla­kate in der Stabt. Unb außerdem zieren sie die Land­schaft."

Ich versinke in ernste Gedanken. Ich weiß, daheim im hochkultivierten Deutschland, würden diese Reklame­figuren keine vier Wochen als Straßenschmuck stehen, da wären sie schon längst demoliert. Ober nicht? Wenn bie Grabbenkmäler bei uns nicht unbehelligt bleiben, wenn bie Bänke in ben öffentlichen Anlagen, bie doch der Allgemeinheit dienen, wenn die eisernen Garten­türen sogar nicht geschont und demoliert ober verschleppt werben, bann erst recht nicht biefe Reklamestandbilder aus Gips ober einem anberen billigen Material. Ich habe in diesen Tagen schon ein trauriges Lieb fingen hören

von ber beutfdjen Jugend, wie sie in den letzten Jahren nach Amerika kam, und ich habe mich geschämt. Und ich schäme mich noch mehr, wenn ich Vergleiche ziehe zwischen dem vornehmen Benehmen der Amerikaner, mit denen ich täglich auf meinen Fahrten durch Nework in Berührung komme, und mit dem, was ich daheim auf Reisen erlebte oder was ich dort höre und lese. Und das Merkwürdige ist, daß diese „Amerikaner" eigentlich gar keine Amerikaner sind, sondern ein zusammenge­würfelter Haufe aus allen Nationen Europas und Asiens — oder doch die Nachkommen derselben. Und alle leben friedlich miteinander unb nennen sich stolz bie „amerikanische Nation" unb sprechen alle Englisch. In ber Frembe also können sie sich ganz gut mitein« anber vertragen, können nobel miteinander verkehren: nur in ber Heimat müssen sie ihre Kraft und Hoheit zeigen, müssen sich in zahllose Nationalitäten und Par­teien trennen unb sich die Köpfe blutig schlagen. Ist bas nicht komisch?

Unversehens hat sich unsere schöne Autostraße in einen breiten Sandweg verwandelt, auf dem die Autos doppelt weich dahinhoppeln. Mitten auf dem Sandweg ist an zwei hohen Stangen eine riesige Tafel angebracht, auf der geschrieben steht: This is Lang Beach. Was das Wort Beach zu bedeuten hat, ist mir noch unklar, aber bald werde ichs erfahren. Da vor uns liegen allerlei vornehme Gebäude, darunter einige Riesenhotels, und zahllose parkende Autos umsäumen die Wege und Plätze. Mit Mühe finden auch unsere „Fuhrliet" ein Plätzchen für ihren Wagen, und wir steigen aus. Nur die etwas korpulente Frau Mama will im Wagen sitzen bleiben und ihn hüten.

Wir schreiten auf sandigen Wegen einer langen, lan­gen Terrasse zu, unter deren Wölbungen ich bas Meer hindurchschimmern sehe. Nun weiß ich auch, was bas Wort „Beach" zu bebeuten hat; denn ich sehe Leute im Badeanzug umhergehen. Und frische Seeluft schlägt uns entgegen, eine Wohltat nach ben schwülen Tagen in Newyork.

Die Terrasse entpuppt sich als eine breite, schöne Promenade, auf der viele Menschen spazieren gehen unb Kranke in Fahrstühlen umhergefahren werben. Ein

Polizist schreitet am Geländer der Terrasse hin und her und beobachtet alles, was da unten vorgeht. Auch wir stehen nun, wie so viele andere, am Geländer und beobachten das muntere Treiben da unten in der salzigen Flut. Welle um Welle, jede etwa einen f-tappen Meter hoch, kommt von der S:e in breiter Front dahergez.zen und wirft sich iber die badenden Menschlein. Und diese wieder lassen sich von den Wellen ein? Strecke weit mit« nehmen, bis sie auf den Ufersand purzeln. Männer, Frauen und Kinder sind hier bunt durcheinandergewür­felt; Weiße, Neger und Gelbe.

Die Vorschriften bezüglich d-» Form und Farbe des Badeanzuges werden hier sehr streng eingehalten, und der Polizist würde feien sofort zurückwe' n, der gegen die Vorschrift verstößt oder sich unanständig benimmt. Alle müssen vollständige Badeanzüge tragen. Da die Geschäfte die Vorschriften bezüglich der Badeanzüo ken­nen, liefern sie auch nur solche, die der Vorschrift ent­sprechen. Die Menschen, die aus der Stadt hierher kom­men, kennen sich nicht, wenn sie nicht gerade eine Fa- miti bilden. Sie sehen sich einmal; aber nach ein paar Stunden hat sie die Weltstadt wieder auseinander ge­rissen und verschlungen. Wer die Schwüle Newyorks und den Gasolingestank seiner Straßen kennt, der wird diesen abgehetzten Menschen das fröhliche Spiel mit ben Wellen gerne gönnen.

Später saßen wir vereint in einem kleinen Strand- reftaurant unb saugten durch Strohhalmen ein Glas Eis­soda. Dann zogen wir langsam unseres Weges zum Auto, in dem noch unsere Mama saß unb — dürstete. Ich drückte ihr beim Einsteigen dankbar und verstohlen die Hand. Denn als wir am Nachmittag ihr Haus ver­ließen, hatte sie mir ein Päckchen Papier in die Hand gedrückt, auch verstohlen. Und auf der Terrasse am Strandbad hatte ich einen günstigen Augenblick benutzt und — wiederum verstohlen — bemerkt, daß es mehrere Fünfdollarscheine waren. Dafür kann man schon einen verstohlenen Händedruck riskieren einer Dame gegen­über, die aus dem Fuldaer Lande stammt. Und ich hatte ja auch die Zettelchen so nötig.

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