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Sonntag, den 27. April 1930

«e. 97

Fuldaer Zeitung (Amtliches Lreisblatt)

2. Blatt.

tonen

LU

In Fulda ist für die Durchführung der Feuer- schutzwoche folgender Plan aufgestellt worden:

Am Sonntag, dem 27. April 1930 (Weißer Sonntag), wird von jeder öffentlichen Veran­staltung abgesehen, um die Feier der kleinen Erst­kommunikanten nicht zu stören.

Von Montag ab werden Feuerwehrleute m Uniform die BroschüreFeuerverhütung! Das Büchlein für Alle" in den höheren Klassen aller Schulen gratis verteilen und in jedem Haushalt oder Geschäft ein Merkblatt und Plakat sowie ein Schild zum Anbringen neben jeder Wohnungs» oder Haustür mit der AufschriftWo man im Falle der Not Feuerwehr, Polizei, Arzt und Sanitäts­kolonne alarmieren kann" abgeben. Wenn in jeder

der Darstellung des Redners in Kurhessen günstig voran. Die Konsolidierung wird allerdings bis zu ihrer Vollen­dung einige Jahre beanspruchen. Neben dieser Aktion ist * ..... ' 'anders wertvoll die

Höhlung.

M Zahlung der Versorgungsgebühr- Nk jür den Monat Mai findet bei dem Wen Postamt am 29. April, die der Invali- i» u n d U n f a l l r e n t e am 1. und 2. Mai L Die Zahlstellen sind von 812 Uhr und Uhr geöffnet. Um restlose Abhebung Zimten an den genannten Zahltagen wird ge-

Das Parlament der kurhefstfchen Skädke lagt

Bedeutsame kommunalpolitische Erörterungen auf der Hanauer Tagung des Hessen - waldeckischen Städtetages.Oberbürgermeisteri.R. Dr.Antoni-Fulda ist Gegenstand ungewöhnlicher Ehrungen wegen seiner Verdienste um die kurhessischen Städte. Der Städtetag und die Reform der Selbstver­waltungs-Gesetze. Oberbürgermeister Dr. Blaum-Hanau macht bemerkenswerte Ausführungen zur Gesundung des Kommunal-Kvedits und der Gemeinde-Finainzm.

Sie litt darunter, und als in diesen Tagen ihre alte Großtante aus der Heimat gar so flehentlich schrieb, ob sie nicht kommen walle, sie sei krank und bezahlte Hände wären harte Pfleger, da besann sie sich nicht lange. Sie wallte heim in das kleine, waldumrauschte Heimatstädtchen.

Sie suchte Primo in seinem Büro auf, und dort, wo wenige Tage zuvor Montserrat gestanden, um Abschied von ihm zu nehmen, stand nun die blonde Eva Hirt- berg und bat um ihre möglichst sofortige Entlassung. Sie nannte auch den Grund zu ihrer Bitte.

Primo erschrak. Eva Hirtberg woMe fort! Er hatte sich in letzter Zeit, ganz erfüllt von den Pflichten, die durch die Geschästsübernahme an ihn herangetreten, wenig um die blonde Deutsche gekümmert, aber daß sie nun plötzlich fort wollte, kam ihm fast unbegreiflich vor. Doch er konnte sie nicht halten, wenngleich er wußte, der Anblick ihrer Lieblichkeit würde ihm fehlen.

Er erinnerte sich, daß er noch an dem unglückseligen Rosenmontag gedacht, er wüßte fast nicht, ob ihm Mont­serrat ober Eva Hirwerg besser gefiel.

Er erwiderte nach kurzem Nachdenken:Es tut mir sehr, sehr leid. Sie zu verlieren, Sennorita, aber ich darf nicht egoistisch sein. Eine schwerkranke Verwandte geht cor."

All das bittere Erleben mit Montserrat lag ihm noch schwer wie Alpdruck auf der Brust. Es war ihm so un­frei, so befangen zu Mute.

Eva aber deutete sein Wesen als Gleichgültigkeit. Und sie schalt sich selbst, weil sie fühlte, wie locker ihr die Tränen saßen.

Was verlangte sie denn eigenüich von Primo Duero, der seine Kusine liebte und heiraten würde, und der so­viel sonst zu denken hatte, daß für sie wirklich nichts mehr übrig bleiben konnte.

Sie ahnte nicht, wie leid es dem Manne tat, sie ge­hen lassen zu müssen und daß, wenn sie noch ein Weil­chen in seiner Nähe gelebt hätte, es gerade sie gewesen wäre, der er fein Herz restlos ausgeschüttet hätte.

So erwiderte sie denn, sie würde schon in den nächsten Tagen Barcelona verlassen.

Ihm schwebte ein warmes liebes Wort auf der Zunge, aber es blieb ungesprochen, statt dessen sagte er: Damit Ihnen keine überflüssigen Laufereien mehr ent-

Fulda, den 26 Aprll 1930

Weitzer Sonntag.

nrt ich so' am Weißensonntag einen Vater "eine Mutter mit ihrem begnadeten Kindlern dem Heimwege sehe, so rührt mich das immer Selbst über Eltern, die dem Religiösen nicht t besonders aufgeschlossen sind, liegt in dem lick eine gewisse, schwer zu beschreibende t und Würde. Es ist ein Stücklein Nazareth, oorbeigeht. Und unwillkürlich kommt wie

zer der Wunsch: Ach, daß es doch so

rum aber bleibt das nicht so? Weil die nickt denken. Wieso? Weil pe sich das en zu leicht vorstellen. Bis um das zehnte fahr herum richtet sich das Kind ohne Wi- uch nach den Worten der Eltern, hält für und schlecht, was sie für echt und schlecht er-

Von da ab aber wird das Kind kritisch richtet sich nicht nach den Worten der El- , sondern nach ihren Werken, und dann n entscheidet sich alles an den Eltern selber, nämlich, ob sie ihren eigenen Weißensonn­bewahrt, oder ob sie chn begraben haben.

Herzen soll die Stunde"? Iodokus.

Eva wanderte langsam durch den schattenspendenden Wald und sann, was sollte sie nun anfangen?

Sie mochte sich nicht in der Stille der kleinen Stabt verkriechen, sie wollte sich wieder Beschäftigung suchen. Zu jung war sie, um sich hier einzuspinnen in das Gleichmaß der Tage.

Ihre Gedanken kamen und gingen, flogen auf wie scheue Vögel und irrten umher. Weit flogen sie, »eit. suchten ein Land hinter wild zerklüfteten Felsen, unter blauestem Himmel, suchten eine große Stadt, angefüllt von Hasten und Lärm und fügten einen Mann mit bräunlichem Gesicht und dunklen Augen.

Sie blieb stehen. Kein Mensch war weit und breit zu erblicken.

Eme Bank lud zum Ruhen ein.

Und da ließ sich denn Eva Hirtberg nieder u. träumte sich mit halbverschlossenen Augen zurück in einen Tag voll Glanz und Sonne unter lachenden, jauchzenden Menschen.

Rosenmontag!

Plastisch lebendig zog Bild an Bild an ihrem Geiste vorüber. Der geschmückte Wagen mit den roten Clowns fuhr wieder den Paseo de Dracia hinauf und hinunter, allerlei bunte Gefährte reihten sich an, und die Musik lärmte, es schneite Konfetti, und auf den Promenaden­wegen wogte ein Menschenmeer.

Wie eine einzige große Freude lag es über allen.

Sie hörte Primo Dueros Stimme wieder weich an ihr Ohr klingen, und empfand wieder das Glücksgefühl, bas sie empfunden an jenem Tage.

Eine leichte Berührung ihres Gesichts ließ sie er­schreckt zusammenzucken. Sie mußte lächeln. Ein Zweiglein war vom Baum gefallen, unter dem sie saß, und als sie unwillkürlich hochschaute, lugte ein Eichhörn­chen von dem niedrigsten Aste auf sie nieder. Sie sagte leise und wehmütig:Du kleiner, böser Schelm hast mich aus einer hübschen Erinnerung gerissen, ich hätte gern noch ein bißchen so weiter gesonnen. Es war ein so liebes, glückliches Erinnern!

Sie erhob sich und seufzte. Wie weit zurück lag jener Rosenmontag!

Waren wirklich nicht viel mehr als zwei Jahre seit­dem vergangen? Nicht mehr als zwei Jahre. Unbe­greiflich schien es ihr.

?re Portera und deren Sohn einen Koffer J Ellen, sah Montserrat einsteigen.

w? ,rtimo sie nicht an die Bahn bringt, :st n "'sperie die kleine Geschwätzige,aber ll Landsleute sind in allem, was Brautleute ki d Empfindlich. Erst wohnt Donna Mont- *.1 rtera' damit man nur über sie unb n,*9t klatschen soll und jetzt begleitet er sie -ßaffen Sie auf, Eva, nun dauert es nicht fc . holt er sie als feine Frau her. Jetzt M eiden nur den Abstand, damit kein Stäub« jg.« guten Ruf der zukünftigen jungen Frau 'Üas ^Eifelt keine Sekunde daran, daß alles, H'rnchen Paquitas zusammenreimte, auch

i schmerz hei dem Gedanken, in abseh- | wontferrat hier als Primo Dueros Gattin

düng einige Jahre beanspruchen.Jtet im Rahmen der Kreditsanierung bejt jetzt erfolgte Einsetzung von K

stehen, Sennorita, werde ich Ihnen Ihr Gehalt gleich auszahlen." Er ging an den Geldschrank und legte bas Geld, bas sie noch zu erhallen hatte, auf den Tisch.

Wie kurz angebunden er sich gibt, dachte Eva schmerzlich bewegt und sann flüchtig einem Etwas nach, das in der Erinnerung wie eine rosige Wolke an ihr vorüberqlitt.

Ihr Stolz erhob sich. Was wollte und erwartete sie denn eigenüich von dem Manne, der in Kürze die schöne Montserrat seine Gattin nennen würde? So lange er der Sohn des Chefs gewesen, hatte er manchmal ein wenig mit ihr gescherzt, nun aber war er selbst der Chef.

Sie sagte leise:Ich werde mich gleich von allen im Geschäft verabschieden." Sie sah ihn an.Auch von Ihnen, Sennor Duero. Dielen Dank für alle Freundlichkeit."

Sie bot ihm die Hand, und als sich feine Finger um die Schmalheit der ihren legten, fühlte sie bas Schlagen ihres Herzens wild und auflehnend. Aber in ihrem Gesicht verriet sie nichts davon.

So gaben sich denn zwei Hände frei, die sich wohl festgehallen hätten für immer, wenn die beiden jungen Menschen etwas von ihrem gegenfeitigen Empfinden geahnt hätten.

7. K a p i te l.

Heimat! Er wirkt immer wieder, der uralte Zauber, auf jeden der auch nur ein wenig Herz und Gemüt be­sitzt.

Eva Hirtberg kam vom Friedhof. Sie hatte die alte Großtante treu gepflegt bis zu ihrer letzten Minute. Zwei Jahre hatte sie Tag für Tag am Bette der lang­sam Dahinsiechenden verbracht, zwei freudlose, stille Jahre, deren einziges Glück zuweilen ein dankbarer Blick aus zwei lebensmüden Altfrauenaugen gewesen. Nun ruhte die alte Frau seit Wochenfrist auf dem Friedhof nahe am Waldesrand, wo Eichen und Buchen ihre brei­ten üppigen Kronen zufammenbrängten, zu einem ein­zigen dichten, wundervollen grünen Laubdach.

Jetzt galt es neue Lebenspläne zu fassen. Die alte Frau hatte ihr das Häuschen vermacht, in dem sie selbst seit ihrer Verheiratung gelebt. Ts lag in der Brun­nenstraße und war eine jener altmodischen geduckten Villen, die in der Biedermeierzeit jung gewesen.

maligen Hans- und Straßensammlung freiwilli­ger Gaben unter folgenden Bedingungen geneh­migt worden: Die Sammelzeiten für die Straßen­sammlung sind aus den 10. und 11. Mai 1930 und für die Haussammlungen antragsgemäß auf den 5. bis 15. Mai 1930 festgesetzt worden. Bei Aus­führung der Sammlung muß der Sammler mit Ausweispapieren und einem Sammelbuch versehen fein. Alle Eintragungen der Geber sind mit Tinte oder Tintenstift zu bewirken." Ehe man etwas gibt, sollte man auch sagen, welche Ziele und Gesichtspunkte diese Kurhessische Frauenhilfe hat. Ohne diese Klarheit ist es u. E. besser, den bewährten bodenständigen Organisationen z. B. Elisabethen-Derein, katholischer, evangelischer und israelitischer Frauenbund ufw., Mittel zur Verfügung zu stellen.

Ileberfüllung auch bei der Reichswehr.

Nach Mitetilung des Reichswehrministers an die Wohlfahrts-Korrespondenz ist für 1930 das An­gebot für die in der Reichswehr in Frage kom­menden Laufbahnen für Abfturienten weit höher als der Bedarf. Die Zahlen des Angebots sind bei den nachfolgenden Angaben in Klammern bei­gefügt. Beim Heere beträgt der Bedarf für die Offizierlaufbahn jährlich 180 Anwärter (Angebot 1930: 800), für die Sanitätsoffizierlaufbcchn 15 (300), Deterinäroffizterlaufbahn 10 (120), Heeres- beamtenlaufbahn 45 (250). In der Marine ist für die Seeoffizierlaufbahn em jährlicher Bedarf von 45 (Angebot 1930: 375), für Jngenieuroffi- ziere 13 (120), Sanitätsoffiziere 6 (133), Marine­zahlmeister 6 (39). Der Bedarf ist jährlich gerin­gen Schwankungen unterworfen. Die Angebots­zahlen beim Heer sind teilweise abgerundet, da die Einstellungsoerfahren noch nicht abgeschlossen sind.

Der Dreizehnte.

Roman von Anny von Panhuys.

t 1929 by Verlag Bechtholb, Braunschweig.)

^sichi mit den schönen Augen, dem Kfl» n.ne,tnT Mimbe, ben er ein paarmal so oer- KEe ihn noch einmal flüchttg in Ver- *r Bor ., er schon tat sich der gähnende Abgrund wir- Kmx auf- den sie zwischen ihnen beiden ausge- WorteVatermörder".

pk ben®e Ieife und erschüttert vor dem Scheiden:So *11^ ®w>l, Montserrat, ich wünsche dir Glück auf

Mre im Dienste der Sfabf Fulda.

.?^.E??i°bErsekretär August Sau an der hie- städtischen Sparkasse konnte gestern fein langes Dienstjubiläum feiern. Seitens seiner gtouegen und Freunde wurden ihm zahlreiche «mgen zuteil. '

chlverdienke Ehrungen.

Aute können der Arbeiter Franz Diel aus Ad und der Planierer Josef Reinhard nunzell auf eine 25jährige Tätigkeit in der Emaillirwerk A.-G. Fulda, zurückblicken. LEüaren wurde aus diesem Anlaß von sei- r.. Mnna, der Arbeiterschaft und der Han- er besondere Ehrungen zuteil. Beide ,E stnd langjährige Mitglieder des christlichen larbeiterverbandes.

^andralsaml

*nU.n!.Stieben:Der Kurhessischen 2Wlfe ist die Veranstaltung einer ein

jetzt erfolgte Einsetzung von Kreditausschüs- s e n zur Begutachtung neuer Kreditersuchen, wobei die Begutachtung sowohl sachlich wie auch geldmarkt- politisch zu erfolgen hat. Die neue Tätigkeit des Ausschusses im Regierungsbezirk Kassel, dessen Vorsitz der Redner führt, hat bereits auf den Kreditmarkt heil­samen Einfluß geübt, da neuerdings schon, wie der Re­ferent ausführte, die Zinssätze auch für Kommunalkredite gesenkt werden konnten. Dr. Blaum betonte ebenfalls die Dringlichkeit der Revision des Kassen- und Rech­nungswesens von dritter Seite. Sehr zu wünschen sei es, daß man dabei im Rahmen des eigenen Verban­des, im Bereiche der Selbstverwaltung bleibe. Der Red­ner betonte weiter, daß es für die Zukunft notwendig sei, die Sanierung des Kommunalkredits auf dem Wege planmäßiger und langfristiger Dispofi- '' . in Angriff zu nehmen. Der Ausbau inter­kommunal. Zusammenarbeit. Dr. Blaum dachte daran, daß die Kommunen langfristige Finanzpläne den Kredll- ausschüssen unterbreiten könnte bann auch bie in ben letzten Jahren zu verzeichnende stoßweise Beanspruchung des Kapitalmarktes vermeiden.

t Erstkommunikanken.

Morgen gehen in Fulda 417 Kinder, 207 en und 210 Mädchen zum ersten Male zum des Herrn. (Im vergangenen Jahre wa- ts 439 Erstkommunikanten, 219 Knaben und Mädchen.) Auf die fünf Pfarreien unserer Statt verteilen sich die Erstkommunikanten wie sttzt: In der Dompfarrei sind es 117 Kin­der, die den schönsten Tag des Lebens begehen (hn Vorjahre 184), und zwar 58 (90) Knaben und f 59 (94) Mädchen. Der große Unterschied kommt - icher, daß die neuenfftandene Josephspfarrei von ? der Dompfarrei abgetrennt wurde. In der St a d t- ; pfarrei beträgt die Zahl der Erstkommunikan- i len 153 (157), und zwar sind es 78 (85) Knaben I wd 75 (72) Mädchen. In der Heiliggeist- pfarrei gehen 49 (49) Kinder zur Erstkonunu- Kabm: 22 (25) Knaben und 27 (24) Mädchen. In t der Sturmiuspfarrei sind es insgesamt 6,39 (49) Erstkommunikanten 20 (19) Kna- H den und 19 (30) Mädchen. Die neue Josephs- pfarrei, in der zum ersten Male eine Erstkorn- | munion stattfindet, hat 59 Erstkommunikanten, 29 i Knaben und 30 Mädchen, darunter 2 Knaben und x 7 Mädchen aus dem nahegelegenen Lehnerz.

UsWhrung der neuen Oberprasidenten.

Der preußische Innenminister Prof. Dr. Waen- tig wird am 3. Mai den neuen Oberpräsidenten | der Provinz Hessen-Nassau, den Landtagsabgeord- I mten Haas- Köln, in fein Amt einführen.

6in Dandelkonzerk

| der Trompeter « Korps des Artillerie - Regiments | 5 findet morgen (Sonntag) von 11.30 bis 12.30

IW bei günstiger Witterung im Schloßgarten statt.

Endlich eine Feuerschutzwoche. Die Durchführung der Feuerschutzwoche in Fulda. Dreißigtausend Feuerwehren im Dienste der Aufklärungsarbeit. Eine Million achthundert- tauseud Feuerwehrleute tragen Aufklärung und Belehrung in die Familien.

Schon lange war sie das Streben führender Männer in Deutschland, die mit klarem Blick den großen Nutzen der jährlichen Feuerschutzwochen in Amerika erkannt hatten, auch bei uns eine der­artige Veranstaltung durchzuführen. Die wirtschaft- liche Not unseres Volkes ließ sie jedoch stets von der Durchführung ihres Vorhabens Abstand neh­men .War das richtig? Wenn man bedenkt, daß jährlich fast eine halbe Milliarde Reichsmark unseres Volksvermögens in Rauch und Flammen aufgeht, wenn man bedenkt ,daß drei Viertel aller Brände auf Fahr­lässigkeit, Sorglosigkeit und Unkenntnis der Men­schen zurückzuführen sind, wenn man bedenkt, daß die Mittel zur Durchführung dieser Veranstaltung im Verhältnis zum erstrebten Nutzen verschwindend gering sind, sollte da nicht gerade die wirtschaft­liche Not eines Volkes die verstärkte Propaganda für den Feuerschutz notwendig machen? Die vor­stehenden Zahlen stillten eine eindringliche Sprache reden, zumal dir Vernichtung von Sachwerten durch Brände in Deutschland jährlich im Zunehmen begriffen ist. Zahlenmäßig bedeuten die Verluste an Volksvermögen für jeden Erwerbstätigen eine jährliche Belastung von etwa RM. 25., die von der Mehrzahl in harter Arbeit verdient werden müssen.

Welche Erleichterung könnte unserem wirtschaft- lich darniederliegenden Volke gebracht werden, wenn jährlich diese halbe Milliarde an nutzbringender Stelle verwendet werden könnte! Auch eine große Anzahl ideeller Werte geht verloren, die mit Geld niemals zu ersetzen sind. Vierzehnhundert Menschen verlieren jährlich durch Brände ihr Leben. Wieviel Not, Unglück und Sorge hiermit verbunden ist, können nur die we­nigsten ermessen. Alles dies könnte vermieden wer­den, wenn Aufklärung und Erziehung zur Feuer­verhütung Allgemeingut aller Schichten unseres Volkes geworden sind.

In Erkenntnis dieser Tatsachen haben die in der Arbeits- und Interessengemeinschaft deutscher Feuerwehwrgane zusammengeschlossenen Spitzen­verbände der Feuerwehren Deutschlands die Veran­staltung einer Feuerschutzwoche beschlossen, die erstmalig in der Zeit vom 27. April bis 4. Mai 1930 stattfinden soll. Durch Wort und Bild, durch Vortrag und Belehrung, durch Verbrei­tung der von der Arbeits- und Jnteressengemein- I schäft deutscher Feuerwehrorgane herausgegebenen I SchriftFeuerverhütung! Das Büchlein für

Alle", die in jedermanns Hände gelangen wird, soll der Gedanke der Feuerverhütung in alle Kreise unseres deutschen Volkes hineingetragen werden. Die Behörden des Reiches und der Länder, Presse, Verbände, Vereine und Schulen haben Unter­stützung dieser Veranstaltung zugesagt. Die 30000 Feuerwehren des deutschen Reiches, deren Tätig- keit nicht allein auf dem Gebiete des Feuerlöschens, sondern vorzugsweise auf dem der Verhütung liegt, haben sich in den Dienst dieser großen Sache ge­stellt, deren nachhaltiger Erfolg nicht ausbleiben wird.

Pflicht jedes Einzelnen muß es sein, an seinem Platz zu dem Gelingen dieser Veranstaltung bei- zuttagen. Helft Feuer verhüten!

Das Schlußreferat des Vormittags erstattete Verkehrsdirektor Dr. Rehorn (Kassel) über Frem­denverkehrswerbung im Rahmen der Kommunal­politik, wobei der Redner insbesondere auf das kur- hefsische Gebiet Bezug nahm.

Einstimmig wurde darauf beschlossen, den näch­sten Städtetag im Jahre 1931 in B ad Wildlin­gen abzuhalten.

Der seitherige Vorstand des hessen-waldeckischen Städtetages hat aus folgenden Mitgliedern bestan­den: Oberbürgermeister Dr. Antoni in Fulda, Bür­germeister Brunner in Kassel, Bürgermeister Dr. Stolzenberg in Eschwege, Bürgermeister Wagner in Hersfeld, Bürgermeister Dr. Wachsmuth in Rin­teln, Bürgermeister Dr. Zimmermann in Corbach, Bürgermeister Domke in Witzenhausen, Bürger­meister Schäfer in Immenhausen, Stadtverordneter Landgerichtspräsident a. D. Grimm in Hanau, Stadtverordneter Wachsmuth in Großalmerode, Stadtverordneter Oberstabsarzt Dr. Braun in Mel­sungen und Stadtverordneter Balz in Franken­berg. Infolge Ausscheidens aus den städtischen Körperschaften sind aus dem Vorstand getreten: Oberbürgermeister Dr. Antoni, die Bürgermeister Brunner und Schäfer, die Stadtverordneten Wachs­muth und Balz und freiwillig Stadtverordneter Grimm. Bei der vorgenommenen Ersatzwahl sind gewählt worden für Bürgermeister Brunner der Oberbürgermeister Dr. Stadler in Kassel, für Oberbürgermeister Dr. Antoni in Fulda der Ober­bürgermeister Dr. Blaum in Hanau, für Bür­germeister Schäfer in Immenhausen der Bürger­meister Dr. Gerhardt in Grebenstein, für Herrn Grimm in Hanau der Justizrat Rothe in Marburg, für Herrn Wachsmuth-Großalmerode Stadtverord­neter Eduard Schmit t-Fulda, für Herrn Balz in Frankenberg Stadtverordneter Lang in Kirch­hain.

Nach Schluß der Tag nc traten die Vorstands­mitglieder zusammen und wählten zum Vorsitzen­den des Städtetages Oberbürgermeister Dr. S t a fr­ier in Kassel, zum Schriftführer Bürgermeister Wagner in Hersfelfr.

Damit war die Hauptversammlung des hessen- waldeckischen Städtetages zu Ende. Nachmittags fand eine interessante Rundfahrt durch Hanau statt.

Dr. I. K.

In Hanau, dessen weite Grünanlagen und dessen waldreiche nahe Umgebung in vollem Früh­lings-Flor stehen, weil die Sonne dort bedeutend kräftiger scheint als im nördlicheren Fulda, trafen sich am Freitag die Oberhäupter und andere Kom­munalpolitiker fast aller kurhessischen Städte, der großen, mittleren und kleinen, um die jetzt beson­ders zeitgemäßen Fragen der Städte-Derwaltung zu erörtern. Auch der Herr Regierungspräsident, der Vertreter des Herrn Landeshauptmann, Lan­desrat Hebel, und andere Freunde und Förderer der kommunalen Angelegenheiten waren erschie­nen. Der bisherige Vorsitzende des Städte­tages, Oberbürgermeister Dr. Antoni-Fulda, der 34 Jahre dem Vorstand angehört hat, war anläßlich feines Ausscheidens aus dem Dienste Gegenstand ganz ungewöhnlicher Ehrungen. Durch einsttmmi- gen Beschluß wurde er zum Ehrenvorsitzen­de n des heffen-waldeckischen Städtetages gewählt und ihm damit unter stärkstem Beifall der Ver­sammlung eine Ehrung erwiesen, die bislang in dem Verband noch keinem einzigen Mitglied zu teil geworden ist. Wer die Kundgebung miterlebte, er­fuhr eine neue Verstärkung des Eindrucks, daß es Dr. Antoni verstanden hat, das Ansehen unserer Stadt in den Kreisen der gesamten deuffchen Kom- munalpolittker auf einen ungewöhnlichen Hochstand zu bringen.

Nach den üblichen BegrüßuWsreden und Be­richten referierte zuerst Dr. A n t o n i in einem auf­schlußreichen Vortrag

über die neuen Selbfkverwallungsgesehe.

Der Redner ging von der Annahme aus, ein Reichsgesetz, wie es der Deutsche Stäbtetag burch seinen eigenen Entwurf propagiere, fei in diesem Augen­blick kaum zu erreichen, da dazu zwischenstaatliche Ver­handlungen notwendig seien, wodurch bie bringend er­wünschte preußische Regelung auf Jahre hinaus auf ge­schoben werden würbe. Sie müsse jedoch vor allem aus­geführt werden, wobei ja der Gedanke einer Reichsord­nung weiter hn Auge behalten werden könne. Der Re­ferent wandte sich dann eingehend ben einzelnen Be­stimmungen bes preußischen Entwurfs zu. Unvereinbar wäre es mit dem Geist wahrer Selbstverwaltung, sollte die Staatsaufsicht zu einer Mitverwaltung aus- geweitet werden. Ihre Befugniffe müßten, gesetzlich genau begrenzt werden unter gleichzeitiger Festigung ber Rechtskontrolle. Der preußische Entwurf komme diesen grundsätzlichen Erwägungen nicht voll entgegen; es bleibe dem Ermessen der Auffichisbehörden zuviel Spiel­raum. Hiergegen bestünden stärkste Bedenken. Zur FrageEin- oder Zweikammersystem" nahm Redner den Stambtpunft ein, daß bie heutige Entwicklung zum Einkammersystem dränge. Das Ziel einer Kom­munalreform müsse unter allen Umständen eine Ver­waltungsvereinfachung sein, und diese scheine mit dem Einkammersystem gegeben. Die Befürchtung, baß die Rechte des Bürgermeisters allzu ausgeweitet würden, sei unbegründet.

In der Aussprache mar bemerkenswert dis lebhafte Begeisterung des Marburger Ober­bürgermeisters Müller für eine Reichs- Städteordnung und überhaupt für den Einheits­staat.

Größte Beachtung jedes kommunalpolitisch Tä­tigen forderten die Ausführungen des Oberbürger­meisters Dr. Blaum (Hanau) über das Thema:

Der Kredit und feine Sanierung".

Redner schilderte die Kreditlage der Kommunen im letzten Vierteljahr und beschäftigte sich mst den erneuten Ursachen für bie Stimmungsmomente, bie bem Kornmu- naltrebit in ber vergangenen Zeit so erheblich geschadet haben. Die bekannte Konsolidationsaktion des Stäbte« tages in Verbinbung mit ben Sparkassen schreitet nach

. Sie

*bm bie Hand. .Lebe wohl, Primo." Uritnn n^cht ging sie und sah sich nicht um. fötac a!'m on seinem Schreibtisch Platz und stützte Ej. ~*e Hand. Der Abschied tat ihm weh. K hi r uk. martete ein Auto, und im Geschäft I « e ^bhafte kleine Paquita Casanovas der htl^rg, die schöne Montserrat reife nun ' um Don irgend wo anders aus Prirnos Frau